Sprach-Pegida und der Deutsche Hochschulverband

Ein Sturm der Entrüstung hat sich gerade unter germanistischen Sprachwissenschaftlern erhoben. Was ist passiert? Anfang Juli war eine neue Ausgabe der Zeitschrift “Forschung & Lehre” (F&L) erschienen, die vom Deutschen Hochschulverband (DHV) in einer Auflage von mehr als 30.000 Exemplaren herausgegeben wird. Der DHV ist der Berufsverband der deutschen Uni-Professorinnen und -Professoren. In den letzten Jahren hat er sich zunehmend auch anderen wissenschaftlichen Berufsgruppen gegenüber geöffnet, heute ist er bei weitem nicht mehr diese teilweise verschnarchte, gelegentlich ins Sektiererische abgleitende Standesorganisation, die er noch war, als ich selbst vor 20 Jahren aus völlig eigennützigen Motiven beigetreten bin. Einen ähnlichen Wandel hat auch die Zeitschrift F&L vollzogen, die sich mittlerweile als ein recht gediegen aufgemachtes, seriöses und vor allem informatives Fachorgan zu allen möglichen Fragen von Wissenschaft, Forschung, Lehre, Politik und Recht präsentiert.

Beim Aufschlagen der Juli-Ausgabe von F&L fiel den knapp 30.000 Mitgliedern des DHV, die diese Zeitschrift automatisch erhalten, eine Werbebeilage des “Vereins Deutsche Sprache” (VDS) in die Hände. Es handelte sich um die aktuelle Nummer der “VDS-Sprachnachrichten” (Nr. 70), in der dieser Verein, 1997 ursprünglich als “Verein zur Wahrung der deutschen Sprache” vom Dortmunder Statistik-Professor Walter Krämer gegründet, seit bald 15 Jahren seine Sicht auf die sprachliche Welt erklärt. Seine Identität bezieht der VDS durch die Kritik an der angeblichen Anglizismenflut im Deutschen, der er mit der Verleihung des “Sprachpanschers des Jahres” Nachdruck verleiht. Dem Verein gelingt es immer wieder, große mediale Aufmerksamkeit zu erringen, und unter seinen 36.000 Mitgliedern gibt es eine ganze Reihe von Prominenten, die meinen, sich wegen des drohenden Untergangs der deutschen Sprache öffentlich bekennen zu müssen.

Das alles legitimiert natürlich noch lange nicht die Kritik der Sprachwissenschaftler. Zurückhaltender hätten die Herausgeber von “Forschung & Lehre” allerdings schon von sich aus werden können, wenn sie sich die Leserbriefe der beizulegenden Ausgabe der “Sprachnachrichten” (S. 24/25) zu den häufig hochpolitischen Artikeln früherer Ausgaben angesehen hätten. Da kritisieren die eigenen Mitglieder des Vereins die Verwendung von Wörtern wie “Wahrheitsverschleierungsrhetorik”, “Völkerwanderung”, “Genderwahn”, “Sprachimperialismus” und “Lügenmedien” in der vorletzten Ausgabe des Mitteilungsblatts und fordern, dass der VDS nicht “zu einer nationalkonservativen und AfD-nahen ‘Fruchtbringenden Gesellschaft’ […] mutieren” darf. Deutschland brauche keinen “Verein, der im Kampf für die deutsche Sprache […] den Rechtspopulisten und Nationalisten […] in die Hände spielt.” Ein anderer Leserbriefschreiber kritisiert die Verwendung des Begriffs “Obrigkeitsstaat” und  stellt fest: “[… R]aunend eine Verschwörungsvermutung anklingen zu lassen, stößt ins Horn eines populistischen Deutungsschemas, wie es die AfD gerade propagiert”. Eine Leserin beklagt im Zusammenhang mit einem früheren Artikel zur “Gendersprache” das Fehlen eines “sachlichen Diskurses”, “in dem kompetente Fachleute, sowohl Frauen als auch Männer, zu Wort kommen, in dem tatsächlich die linguistischen und sozialen Hintergründe beleuchtet werden.” Weitere Leserbriefschreiber kritisieren einzelne Artikel als “allgemeine Angstmache vor TTIP” oder als geschrieben in einem “[e]xtrem schlechte[n] manipulative[n] Stil” in der “Rhetorik der Pegida”. Diese hier vereinsintern vorgebrachte Kritik an einem zunehmenden sprachlich befeuerten Nationalismus und dem Abdriften in rechtspopulistische Positionen weist der Verein seit langem gegenüber externen Kritikern mit Vehemenz von sich. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich der VDS ausgehend von relativ harmlosen, durchaus breite Zustimmung aufweisenden Positionen in ähnlicher Weise radikalisiert, wie es in den letzten Jahren auf der politischen Bühne die AfD vorgemacht hat.

Ein offener Brief

Der Grund allerdings, warum Thomas Niehr, Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der RWTH Aachen, einen offenen Brief verfasst hat, den neben 35 weiteren Linguistinnen und Linguisten auch ich selbst unterzeichnet habe, ist die Wissenschaftsfeindlichkeit, die dem gesamten Verein zugrunde liegt und auch die “Sprachnachrichten Nr. 70” durchzieht. An verschiedenen Stellen wird beklagt, dass die Linguistik nicht normativ und sprachplanerisch arbeiten würde. So heißt es etwa in den “Acht Thesen zum Stand der deutschen Sprache” (S. 5) in These 6, dass “[e]mpirische und deskriptive Objektivität […] nicht als Ausrede für szientifischen oder sprachpolitischen Nihilismus dienen [dürfen]. Die deutsche Sprache ist nicht nur Gegenstand der germanistischen Linguistik, sondern muss auch Gegenstand ihrer sprachpolitischen Sorge und ihres kulturpolitischen Interesses sein.” Anders formuliert besagt dieser Passus, dass ein empirisch arbeitender Wissenschaftler grundsätzlich dem “szientifischen oder sprachpolitischen” Nihilismus anheim gefallen ist, wenn er sich nicht aktiv sprachpflegerisch betätigt. Kommt Ihnen diese Argumentationsfigur – reine Wissenschaft = schlecht, politisch bewusste Wissenschaft (einer bestimmten Couleur) = gut – nicht auch irgendwie bekannt vor?

Den antiwissenschaftlichen Vogel schießt allerdings der bekannte Publizist Wolf Schneider in einem Beitrag auf Seite 15 ab. Er knöpft sich in seiner Kolumne “Schneiders Ecke” in dieser Ausgabe der “Sprachnachrichten” den Grammatik-Duden vor, der seit Jahrzehnten von renommierten germanistischen Linguistinnen und Linguisten in immer neuen, an den aktuellen Forschungsstand angepassten Ausgaben verfasst wird. Er regt sich darüber auf, dass in diesem Duden für einen Satz, der mit “der die das” beginnt, eine grammatisch korrekte Deutung angegeben wird, womit der Grammatik von den “hochnäsigen Verfassern” ein “Hochaltar” errichtet werde, anstatt diesen Satz einfach als sprachlichen Sondermüll zu klassifizieren und so umzuformulieren, wie es Wolf Schneider auf der Henri-Nannen-Schule seinen journalistischen Adepten beigebogen hätte. Der “Urzweck der Sprache” werde dadurch “auf den Müll geworfen: die Kommunikation.” Schuld daran ist die akademische Linguistik, die nicht präskriptiv sein will, sondern deskriptiv. In Schneiders Kolumne ist so viel Unfug versammelt, dass man gar nicht mit dem Wegräumen hinterherkommt. Festhalten will ich vor allem, dass dieser Text nur so vor Wissenschaftsfeindlichkeit trieft – was sich leider auch in der Logik Schneiders eigener Argumentation bemerkbar macht.

Der VDS hält offenbar große Stücke darauf, seine wissenschaftlich kaum haltbaren Positionen durch namhafte Mitglieder und einen “wissenschaftlichen Beirat” mit Geltungsanspruch aufzuladen. Dieser wissenschaftliche Beirat entpuppt sich bei näherem Hinsehen allerdings als eine Gruppe von Honoratioren, von deren zwölf Mitgliedern kein einziges im Kernbereich des Vereinsinteresses, nämlich Grammatik, Lexik und Soziolinguistik der deutschen Sprache, schwerpunktmäßig ausgewiesen ist. Die Berücksichtigung aktueller sprachwissenschaftlicher Expertise würde dem Verein jedoch wirklich gut tun, denn vor diesem Hintergrund ließen sich viele seiner Positionen kaum noch ernsthaft vertreten. Ein positives Beispiel findet sich in den Sprachnachrichten insofern, als mit der Übernahme eines FAZ-Artikel von Peter Eisenberg tatsächlich ein renommierter Grammatiker der deutschen Sprache zu Wort kommt – allerdings zu einem wiederum sprachpuristisch angehauchten und gegen die political correctness gerichteten Thema. [Anmerkung: Eisenbergs Artikel selbst betrifft das nicht, dieser ist sachlich und sprachwissenschaftlich fundiert. Im Kontext der “Sprachnachrichten” fungiert er jedoch als Beleg für diesbezügliche Positionen des Vereins und zur spezifischen Themenauswahl darin.]

Fassen wir zusammen: Der DHV legt seiner Verbandszeitschrift das Mitteilungsblatt eines Vereins bei – schon das ist kurios -, der nach Auffassung mancher seiner eigenen Mitglieder derzeit in eine zu große Radikalität seiner Auffassungen abzudriften droht und durchgängig eine sprachwissenschaftsfeindliche Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Von so einem Verein etwas in der DHV-Zeitschrift beigelegt zu bekommen läuft ungefähr auf das Gleiche hinaus, wie wenn die Zeitschrift “Das Parlament” einer ihrer Ausgaben einen Pegida-Flyer beifügen würde oder der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger seinem Mitgliederblatt eine Info-Broschüre der AfD.

Die Antwort des DHV

Wie reagiert nun der Deutsche Hochschulverband auf unseren offenen Brief? Eine Antwort kam in Gestalt eines Schreibens, nicht vom Vorsitzenden des DHV und Herausgeber der F&L, sondern vom Geschäftsführer des Verbandes, Herrn Dr. Hartmer. Das Dumme ist nun, dass der Geschäftsführer des DHV diese komplexen Zusammenhänge nicht kennt, nicht begreift oder selbst nicht recherchieren wollte – stattdessen geht er geradewegs zum Gegenangriff über. Er empfinde es als bedenklich, dass wir eine andere, nicht-wissenschaftliche Meinung nicht ertragen könnten, niemand sei doch im alleinigen Besitz der Wahrheit, schreibt er. Bevor ich bei der Lektüre des Briefs ernsthaft darüber nachdenken konnte, ob sich das gleiche wohl Evolutionsbiologen anhören müssen, die zur Toleranz gegenüber dem Kreationismus aufgefordert werden, kommt Hartmers nächste Volte: Es ginge ja schließlich auch und vor allem um die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft. Obwohl auch ich die Sprache des Geld verstehe, erschließt sich mir nicht, wie eine Zeitschrift mit wissenschaftlichem Ethos meint, die gerade zuvor angemahnte sachliche Auseinandersetzung zu wissenschaftlichen Positionen über eine Anzeigenbeilage bewerkstelligen zu können. Dann eine erneute Pirouette: Man werde sich in Zukunft dreimal überlegen, ob man ein weiteres Mal diesen Anzeigenauftrag annehmen würde, wehre sich aber zugleich dagegen, zukünftig jede Anzeige wegen möglichen Widerstandes oder “negativer Befindlichkeiten” ablehnen zu müssen. Aus diesen Gründen und weil die Zeitschrift F&L sich nicht selbst kritisieren will, komme auch der Abdruck des offenen Briefs nicht in Betracht.

Postskriptum

Der Initiator des offenen Briefs, Thomas Niehr, bekräftigt in einem kurzen Anwortschreiben auf Michael Hartmers Brief nochmals die Position der Verfasser: “Dass die Postille des VDS aber ausgerechnet mit F&L verteilt wird, erscheint mir  – entschuldigen Sie bitte den Vergleich -, als ob mit der Kirchenzeitung die Werbung eines Sexshops verteilt würde. […] Zahlreiche Vertreter des VdS polemisieren ständig gegen die akademische Sprachwissenschaft und werten deren Vertreter auch in öffentlichen Veranstaltungen ab. Dies (und noch einiges mehr) spiegelt sich auch ständig in den ‘Sprachnachrichten’ deutlich wieder. Vor diesem Hintergrund scheint es mir tatsächlich ein Affront gegen zahlreiche Mitglieder des DHV zu sein, die ‘Sprachnachrichten’ als Beilage von F&L zu verteilen.”

Damit hätte die Angelegenheit beendet sein können, Thomas Niehrs Mail endet danach versöhnlich. Hätte – wenn DHV-Geschäftsführer Hartmer in einer zweiten Mail an die Verfasser des offenen Briefs nicht mit Schwung erneut an der gleichen Kerbe hätte vorbeihauen wollen. Er schreibt: “Meiner Meinung hat der Vorgang schon etwas mit Political Correctness zu tun. Wikipedia definiert ‘political correct’ als die Zustimmung zur Idee, dass Ausdrücke und Handlungen vermieden werden sollten, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können. Ich interpretiere den Offenen Brief mit 36 Unterzeichnern als Kundgabe, dass die Unterzeichner sich durch die Beifügung einer Beilage des VDS gekränkt fühlen und vom DHV und von ‘Forschung & Lehre’ zumindest einfordern, diese Kränkung zukünftig zu unterlassen. Damit fordern die Unterzeichner aus meiner Sicht beim DHV Political Correctness ein. Damit kein Missverständnis entsteht: Selbstverständlich ist das legitim. Aber dass der Vorgang nun gar nichts mit Political Correctness zu tun haben soll, vermag ich nicht zu erkennen.”

Zeichnet sich hier eine neue Strategie im Umgang mit wissenschaftlichen Konflikten ab? Dass man deren Vertretern “Befindlichkeiten” und einen Hang zur Political Correctness unterstellt? Die Tatsache, dass eine solche Argumentation im Zusammenhang mit einem Verein, der offensichtlich eine erhebliche populistische Anfälligkeit aufweist, ausgerechnet vom Deutschen Hochschulverband unter Verweis auf einen Wikipedia-Artikel geltend gemacht wird, lässt uns alle verblüfft und irritiert zurück…

Ergänzung am 1.8.2016: Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hat diesen Beitrag zum Anlass genommen, sich in dem Medien-Nachrichtenportal “Übermedien” näher mit den “Sprachnachrichten” des VDS zu befassen. Sein hochinteressanter Beitrag mit dem Titel “Die Pegidahaftigkeit des Vereins Deutsche Sprache” findet sich bei Übermedien.de:

Die Pegidahaftigkeit des Vereins Deutsche Sprache

Ergänzung am 15.8.2016: In seinem Informationsdienst greift der rechte Kopp-Verlag nun Stefan Niggemeier unter völliger Verdrehung der ursprünglichen Aussagen an. Hier berichtet Niggemeier darüber:

Wie ich einen „Sprachpapst“ zum Staatsfeind machte

Ergänzung am 24.8.2016: Der Deutschlandfunk berichtete am 23.8.2016 unter der Überschrift “Entwicklung zur Sprach-Pegida?” über die Angelegenheit und die Reaktionen in diesem Blog-Beitrag in Gestalt eines Gesprächs mit dem Initiator des offenen Briefs Prof. Thomas Niehr in der Sendung “Kultur heute”.

Ergänzung am 28.8.2016: Auf seiner Homepage hat der VDS eine “Dokumentation” mit Kommentaren von Vereinsmitgliedern auf diesen Blog-Beitrag und den offenen Brief eingestellt. Unter dem Titel “Reaktionen auf den Offenen Brief von 36 deutschen Linguisten und auf die Netzverleumdung des Gießener Sprachprofessors Hennig [sic!] Lobin” werden die Reaktionen auf den offenen Brief und meinen Blog-Beitrag ununterscheidbar miteinander vermischt. Darüber hinaus unterschlägt diese Dokumentation sowohl die selbstkritischen als auch die bewusst sich zu Pegida und AfD bekennenden Stimmen, die beide in den Kommentaren unten zu finden sind. Auf der Web-Seite, in der auf diese Dokumentation verwiesen wird, sucht man vergeblich nach Links auf die Originalbeiträge (Blog, offener Brief, meine Entgegnung) oder die weitergehenden Beiträge von Stefan Niggemeier in Übermedien.de. In den Metadaten der PDF-Datei der Dokumentation findet sich unter “Verfasser” das Namenskürzel “walterk”. Wir haben es hier offensichtlich mit einem weiteren Beispiel der manipulativen Arbeitsweise des VDS-Vorsitzenden Walter Krämer zu tun, wie sie sich auch in den Editorials der “Sprachnachrichten” und der Auslösung persönlicher Denunziationen durch VDS-Mitglieder zeigt.

Ergänzung am 29.8.2016: Glücklicherweise zeigt die hier ausgetragene Auseinandersetzung auch auf andere Weise Wirkung: In der dpa-Meldung (hier bei t-online) über den sogenannten “Sprachpanscher des Jahres”, den der VDS gerade an das ZDF verliehen hat, findet sich, anders als in den Vorjahren, auch der Hinweis, dass die “selbsternannten Sprachhüter selbst in der Kritik” stünden. Im weiteren Verlauf der Meldung wird auf die vom Medienjournalisten Stefan Niggemeier diagnostizierte “Pegidahaftigkeit” des Vereins hingewiesen sowie auf den offenen Brief der Linguistinnen und Linguisten. Das ZDF selbst verweist darauf, dass zwei der drei inkriminierten englischsprachigen Sendungsnamen schon seit Jahren nicht mehr verwendet würden und der dritte durch Lizenzvergabe eingekauft sei. In einer sehr rätselhaften Logik entgegnet der VDS-Vorsitzende Walter Krämer auf diese Kritik, dass “wir glücklich sein [können], dass ein Drittel unseres Wortschatzes importiert wurde, unsere Sprache wäre sonst ärmer.”

[Hier geht es direkt zu meiner Entgegnung auf die Kommentare der VDS-Mitglieder zu diesem Beitrag]

 

Die Fortsetzung der Geschichte am 10.9.2016 als weiterer Beitrag in der “Engelbart-Galaxis”:

Neues vom VDS: Desinformation zum Tag der deutschen Sprache

[aktualisiert am 26.7.2016, 14:03: kleinere orthografische und stilistische Korrekturen]
[aktualisiert am 29.7.2016, 11:05: Anmerkung zu Eisenbergs Artikel eingefügt]

Veröffentlicht von

www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 2018 Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft) und Professor an der dortigen Universität. Zuvor war er ab 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis 2016 leitete er dort das interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität, in dem die Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen auf Wissenschaft, Kultur und Bildung untersucht werden. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Sprache, Texttechnologie und die multimediale Wissenschaftskommunikation. Gegenwärtig ist er u.a. Mitglied des Fachkollegiums "Sprachwissenschaft" der Deutschen Forschungsgemeinschaft, germanistischer Fachbeiräte von DAAD und Goethe-Institut und des Forschungsbeirats der Stiftung Wissenschaft und Politik. Bei den SciLogs ist Henning Lobin Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis" und Gast-Autor im Blog "Wissenschaftskommunikation hoch 3" der ACATECH, für die er auch als externer Experte für Fragen der Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien fungierte. Lobin ist Autor von sieben Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben (Bücher bei Amazon, bei Buch.de und im Buchhandel). Zuletzt erschienen: Engelbarts Traum (Campus, 2014, polnische Übersetzung 2017). Im August 2018 ist im Metzler-Verlag erschienen: Digital und vernetzt. Das neue Bild der Sprache.

112 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. “Meiner Meinung hat der Vorgang schon etwas mit Political Correctness zu tun”
    (DHV-Geschäftsführer Dr. Hartmer)

    Diese Meinung erscheint nicht nur inhaltlich fragwürdig. ‘Political Correctness’ steht natürlich auch auf dem Index. So formuliert verärgert man letztlich auch den Werbekunden – was den verblüfften und irritierten Verbandsmitgliedern ja schon wieder recht sein dürfte.

    • Guter Punkt! Eine interessante Lektüre übrigens, dieser Index. Ob sich bei dessen konsequenter Anwendung ein Leser aber wohl unter “Stangentanz” tatsächlich “Pole Dance” vorzustellen vermag?

      • Schön, Herr Lobin,
        aber “Pole Dance” sagt mir auch nichts. Sicher noch weniger als “Stangentanz.” Da kann ich mir nach einigem Nachdenken etwas vorstellen.

  2. Wenn man die Homepage des Vereins deutscher Sprache besucht und überfliegt bekommt man schon den Eindruck, dass es hier nicht nur um die deutsche Sprache, sondern auch um das Deutsch-Sein geht. Dazu passt folgender Spruch, den ich unter Wissenschaftlicher Beirat gefunden habe:

    „Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Aus­spruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch ir­gendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor.”

    Auch sonst, drängt sich der Eindruck auf, dass der Verein deutscher Sprache die deutsche Sprache als Ausdruck des Deutsch-Seins betrachtet. Diese Haltung hat mit dem (Zitat)

    Kernbereich des Vereinsinteresses, nämlich Grammatik, Lexik und Soziolinguistik der deutschen Sprache

    nichts direkt zu tun.

    • Ich bin Mitglied im VDS und unterstütze das Anliegen der Sprachpflege. Das wird in Deutschland meiner Ansicht nach von der Politik bewußt vernachlässigt, vermutlich deshalb, weil im Interesse der Stärkung der EU-Zentralgewalt mittelfristig Deutsch in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft durch Englisch ersetzt werden soll; das hat zumindest EU-Kommissar G.Öttinger öffentlich so gefordert (Deutsch nur noch als Feierabendsprache für zu Hause).
      Das ist an sich erstmal nicht schlimm; die Umstellung auf Englisch kann eine legitime Option sein, wenn es nach öffentlicher Diskussion bewußt so gewollt und angegangen wird. Es besteht aber für mich der Eindruck, daß diese Entwicklung auf kaltem Wege und ungefragt vorangetrieben wird, ob wir wollen oder nicht. Es handelt sich also bei der Überflutung des Deutschen mit Anglizismen im Wortschatz, in der Grammatik und in der Art und Weise, Umwelt und Alltag zu beschreiben, m.E. mitnichten nur um eine natürliche Sprachentwicklung, gegen die sich zu stemmen natürlich unsinnig wäre.
      Wie Sie sicher wissen, sterben laufend Sprachen aus, damit ist immer auch eine Reduktion der Vielfalt menschlicher Kultur verbunden, also eine intellektuelle Verarmung. Mit einer Sprache stirbt auch eine gewachsene Weltsicht unwiederbringlich aus. Nicht zuletzt deshalb halte ich es für wichtig, daß Sprachgemeinschaften ihre Sprache pflegen und sich gegenseitig dazu ermuntern und dabei unterstützen – beispielsweise durch das Erlernen einer Fremdsprache. Das eröffnet nicht nur neue Kommunikationsmöglichkeiten, sondern auch neue Welt- und Einsichten.
      Das intellektuelle Eindringen in die eigene Sprache wiederum ermöglicht doch erst, komplexe Verhältnisse, ob nun in der Umwelt, Wissenschaft, Gesellschaft oder wo auch immer, zu erfassen und zu verstehen, und auf diese Weise angemessene Handlungskompetenz zu erwerben.
      Da Deutsch meine Muttersprache ist, bemühe ich mich vor diesem Hintergrund konsequenterweise, diese Sprache angemessen zu benutzen, zu verstehen und als Teil meiner persönlichen Identität zu respektieren. Respekt vor der eigenen Sprache und Kultur ist auch Selbstrespekt und Respekt vor der Gesamtgemeinde der Muttersprachler, insofern ist bewußte Sprachpflege auch kulturfördernd, charakterbildend und gemeinschaftsstiftend, sie ist insofern dem Musizieren vergleichbar.
      Angesichts des großen Zustroms von Flüchtlingen scheint es mir besonders wichtig, diesen Leuten unsere Sprache nicht einfach als notwendiges Alltags-Hilfsmittel anzubieten, sondern zu versuchen, ihnen die Schätze unserer Sprache – ihre analytische Schärfe, aber auch das vielschichtige, oft auch tröstende und erbauliche Potential unserer Dichtung und Literatur zu vermitteln. Das können wir nur, wenn wir selbst von ihrer Schönheit und ihrem Nutzen überzeugt und erfüllt sind. Und nur dann werden wir für Mitglieder dieser fremden Kulturen über deren Sicherheits- und Überlebensinteressen hinaus respektabel und anziehend, nur dann können wir auch in geistigen Austausch treten, Parallelen und Unterschiede kennenlernen und verstehen und auf diese Weise ihrem Suchen, Hoffen und Streben einen ersten Weg ebnen.
      Man kann über Ansichten und Grundsätze des VDS und mancher seiner Mitglieder unterschiedlicher Ansicht sein und diese diskutieren, das ist nicht nur legitim, sondern das gehört sich auch so, wenn man anderer Meinung ist. Aber sofort und reflexartig Parallelen zu ziehen zum Rechtskonservativismus, zu Pegida, allerlei Sektierertum und zwischen den Zeilen auch den Verdacht des Rechtsextremismus einfließen zu lassen, das zeugt von Überheblichkeit und mangelnder Objektivität und der Lust am Vorurteil; es ist verletzend, und ich halte das für unredlich und unfair.

    • Lieber Herr Holzherr,
      unabhängig vom ideologischen Hintergrund, der den von Ihnen kommentierten Artikel beflügelt haben mag, eine Anmerkung zu Ihren Einlassungen. Sie führen aus, dass, wenn man die Homepage des Vereins deutscher Sprache besuche und überfliege, schon den Eindruck bekomme, dass es hier nicht nur um die deutsche Sprache, sondern auch um das Deutsch-Sein geht. Nun, da frage ich mich natürlich schon, was daran verwunderlich sein soll, dass eine Auseinandersetzung oder gar eine natürliche Vorliebe zur deutschen (Mutter-)Sprache das Interesse am Deutsch-Sein ausschließen sollte? Kann es das überhaupt? Wo läge hier auch der Widerspruch und wo der Vorteil?
      Es mag modern sein, das nicht verstandene Interesse anderer Menschen zu diskreditieren. Es mag für Sie vielleicht sogar befriedigend sein. Für mich allerdings, und da beziehe ich mich ganz überwiegend auf den von Ihnen kommentierten Artikel, ist es im günstigsten Fall unanständig, im ungünstigen blühender Unsinn.

    • Herr Holzherr, Sie zitieren falsch. Hätten Sie richtig zitiert, müssten Sie die Quelle Ihres Zitats angegeben haben. Dann hätte man lesen können, dass besagter Ausspruch von einem Herrn stammt, der den (oder einen) norwegischen Staatsfond verwaltet – also von einem Norweger (gefunden in der FAZ am Sonntag) . – Gucken Sie also noch einmal nach, erinnern Sie sich daran, wie man zitiert (mit Angabe der Quelle) und korrigieren Sie Ihre Äußerung. Danke H. Hensel

  3. Da fehlen mir einfach nur die Worte!

    Der Verweis auf die Evolutionsbiologie ist übrigens interessant. Schließlich mussten sich deren Vertreter in den USA in der Vergangenheit ganz ähnliche abwegige Argumente anhören, als es um Kreationismus bzw. “Intelligent Design” in der Schule ging…

  4. Das sprachliche wie politische Problem fängt schon mit dem Begriff “Toleranz” an. Worauf richtet sich die Toleranz? Im allgemeinen spricht man davon, eine Meinung zu tolerieren entsprechend der Meinungsfreiheit. In Wirklichkeit aber ist Gegenstand der Toleranz nicht die Meinung, sondern die eine Meinung äußernde Person. Die Meinung selber muss nicht toleriert werden, sie darf kritisiert und sie darf auch widerlegt und abgelehnt werden. Diesen Irrtum, dem offenbar auch Dr. Hartmer unterliegt, machen sich gerne gerade diejenigen zunutze, die ihre Meinung gegen Kritik immunisieren wollen und jede Kritik, Gegenmeinung oder Entlarvung von Unwahrheiten bereits als Intoleranz diffamieren. Die Intoleranz beginnt aber erst dort, wo die Äußerung einer Meinung effektiv unterbunden oder nachträglich bestraft wird, z.B. durch Verhaftung wie in der Türkei und anderen autoritären Staaten, aktuell demonstriert durch Haftbefehle gegen Journalisten und andere Meinungsbildner, oder schlimmer noch durch Mord.

    Einen Vorzug hat die Beilage des VDS in F&L jedoch: die akademische Sprachwissenschaft erkennt ihre Gegner und deren Aktivitäten!

    • Zu Ihrem letzten Satz: Da haben Sie wirklich recht. Allerdings vollzieht sich dieses Erkennen bereits seit langer Zeit. Der Initiator des im Blog-Beitrag erwähnten offenen Briefs etwa, Thomas Niehr von der RWTH Aachen, hat schon vor Jahen Behauptungen des VDS in seinen Publikationen auseinander genommen (s0 etwa in diesem Aufsatz aus dem Jahr 2002), und auch bei den Scilogs hat sich Anatol Stefanowitsch bis vor einigen Jahren in seinem “Sprachlog” (jetzt in erweiterter Form hier) mit seinen streng linguistisch argumentierenden Beiträgen Verleumdungen und Beleidigungen von den “Sprachwahrern” eingehandelt.

  5. Politisch linke Meinung, die sich als sogenannte Political Correctness verstehen lässt, gibt es unter Sprachwissenschaftlern der BRD zur Genüge, es schadet nicht, wenn es auch entgegengesetzte Meinung gibt, die organisiert ist und Werbebeilagen herstellt, die zur Austragung gelangen.
    Teile der bundesdeutschen Sprachwissenschaft sind auch eingeräumt der feministischen Anthropologie zugeordnet, der feministischen Linguistik, die manche als Tendenzwissenschaft verstehen wie bspw. auch die sogenannte Kritische Theorie.
    MFG
    Dr. Webbaer (der i.p. Sprache recht sensibel ist, schon bei den “besonderen Hinweisen” des Dudens, die er seit einigen Jahren bringt, wohl der PC geschuldet, unfroh wird)

    • Unsere Kritik am DHV bezieht sich ja nicht darauf, dass er einem rechten Verein mit der Beilage eine Plattform bietet. Das ist eine politische Frage, die ich so, Sie anders sehen. Vielmehr richtet sich unsere Kritik auf die immer wieder aufs Neue zum Ausdruck gebrachte Wissenschaftsfeindlichkeit des VDS, links/rechts hin oder her.. Im übrigen ist es ja nicht so, dass der VDS einer schwaches Gebilde ist, bei dessen Verbreitung seiner Meinungen man diesem auf die Sprünge helfen müsste. Es ist vielmehr so, dass er mit seinen 36.000 Mitgliedern weitaus mehr Mitglieder aufweist als alle sprachwissenschaftlichen Fachverbände im deutschsprachigen Raum zusammen. Es besteht vielmehr Bedarf daran, gegenüber diesem Verein und in der Öffentlichkeit sprachwissenschaftlich vernünftige Positionen zu beziehen. Mit feministischer Linguistik, die im übrigen heutzutage nur sehr schwach vertreten ist in Deutschland, hat das nichts zu tun.

      • Unverschämtheit – Rotfront lässt grüßen. Übrigens, in den USA wurden Immigranten mit folgendem Plakat empfangen: “Welcome to America! Now speak English!” Wo steht hierzulande in den Asylbewerberzentren eine vergleichbare Aufforderung: “Willkommen in Deutschland! Ab jetzt sprecht Ihr Deutsch!” Albert Schweitzer hatte recht: “Eine der schlimmsten Kriegsfolgen ist die USA (Sprach-) – Verblödung in Deutschland” . Prof. Krämer und dem VDS sei Dank, dass dem endlich entgegengesteuert wird.

  6. Bonuskommentar zum Brief der 36, und zwar hierzu:

    In letzter Zeit polemisiert der Verein [1] auch gegen geschlechtergerechten Sprachgebrauch.

    Gerne mal erläutern, warum die alte Regel der deutschen Sprache, nämlich, dass das Genus nicht den Sexus meint, durch eine wie auch immer politisch geformte “Geschlechtergerechtigkeit” ergänzt bis ausgesetzt werden soll.

    Gerne auch mal erläutern inwieweit dieses alte Postulat – ‘Man wird nicht als Frau geboren, man wird es’ -, das nur feministisch oder im Politischen progressiv zu verstehen ist, in die Überlegungen und Forderungen der Briefeschreiber hineingewirkt hat.

    Es wird ja gerne hinzugelernt, der Schreiber dieser Zeilen ist auch nicht Deutscher und kennt sich da nicht so-o gut aus, zeitgenössische linguistische Sicht meinend.


    Ansonsten, wenn wir “geschlechtergerecht”, wie immer dies auch gemeint sein mag, es hat eine politische Adresse, werden wollen, dann müssen wir auch sagen: Ja!, wir sind politische Sprachwissenschaftler!

    Oder?

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Den der Schreiber dieser Zeilen nicht kennt, Herr Walter Krämer ist allerdings hier bekannt; übrigens nicht als politisch konservativ (“rechts”) oder “AfD” oder “Nazi”.

    • [Seit das Scilogs-Blogportal neu aufgesetzt ist, funktionieren leider keine HTML-Tags mehr, die im Kommentarfeld auf der Seite eingegeben werden. Die Portaltechniker arbeiten daran. Ich bitte das zu entschuldigen.]

    • Sie sind politische Sprachwissenschaftler? Sie verfolgen also ein politisches Ziel. Ihr Ergebnis steht damit fest. Hier muss die Frage erlaubt sein, was das mit Wissenschaft zu tun hat. Genauso verhält es sich mit feministischer Wissenschaft. Das Ergebnis steht fest. Noch schlimmer die political correctness. Die setzt voraus, dass jeder Mensch den anderen per se beleidigen will, was verhindert werden muss. Völlig abstrus hierbei, dass Sie jeden einzelnen Menschen, der sich um die deutsche Sprache bemüht, mit voller Absicht beleidigen + das auch noch zu begründen versuchen. So einer ist für Sie per se ein schlechter Mensch.

  7. @ Herr Henning Lobin + Extra-Kommentar:

    (…) und auch bei den Scilogs hat sich Anatol Stefanowitsch bis vor einigen Jahren in seinem „Sprachlog“ (jetzt in erweiterter Form hier) mit seinen streng linguistisch argumentierenden Beiträgen Verleumdungen und Beleidigungen von den „Sprachwahrern“ eingehandelt. [Hervorhebung: Dr. Webbaer]

    Ihr Kommentatorenfreund hat einzuräumen bei anhaltend politisch linkem Reservoir des Anatol Stefanowitsch, auch hier bei den Scilogs.de, unter anderem bei dieser Nachricht unfroh (vs. ‘Verleumdungen und Beleidigungen von den „Sprachwahrern“’) geworden zu sein, vgl. :
    -> https://scilogs.spektrum.de/sprachlog/frauen-natuerlich-ausgenommen/ (K-Probe: ‘Im Deutschen gibt es kein generisches Maskulinum und die „generische“ Verwendung maskuliner Formen bringt keinen praktischen Vorteil mit sich.’)


    Irgendwie muss hier eine Mischung aus unwahrer Rede und Lüge vorliegen, was die Feststellung betrifft, dass es ‘im Deutschen kein generisches Maskulinum gibt’ und Dummheit und Bösartigkeit bei der Feststellung, dass eine derartige Simplifikation ‘keinen praktischen Vorteil mit sich bringen’ würde, oder?

    Ist das eigentlich hier allgemein klar, dass feministische Anthropologie und weitergehend feministischer Linguismus nicht die gewöhnliche Sprachwissenschaft meinen, sondern einen Vorbau, der i.p. Feminismus sozusagen per Glaubensentscheid anzunehmen ist?

    MFG
    Dr. Webbaer (der mit den Generischen Genera (das Fachwort) im Deutschsprachlichen eigentlich immer gut auskam)

    • Na, sagen wir mal so: Anatol Stefanowitsch ist schon sehr meinungsstark in seinen Beiträgen und durchaus auch politisch. Das er an diesen Stellen in seinem Blog angegriffen wird, ist ok und gehört dazu. Wo er jedoch linguistischen Wertungen vornimmt, sind sie durchweg sehr gut begründet oder zumindest begründbar, was nicht heißt, dass man nicht auch darüber diskutieren kann.

      • @ Herr Lobin :

        Das[s] er [Herr Stefanowitsch] an diesen Stellen in seinem Blog angegriffen wird, ist ok und gehört dazu. (Ergänzung: Dr. Webbaer)

        Negativ.

        Es geht in diesem Zusammenhang nicht Leutz wie Anatol Stefanowitsch beherbergend beizuspringen und einen Walter Krämer im Regen stehen zu lassen oder ihn in diesen Regen zu setzen.

        MFG
        Dr. Webbaer (der demnächst wieder mehr zu tun hat, beim hier dargebotenen Inhalt nicht undankbar bleibt und bald wieder zV steht – wie gewohnt)

  8. Kommentar von Andreas Grünes über meine Facebook-Seite: “Als Literaturwissenschaftler betrachte ich das Antwortschreiben des DHV eher als Humoreske abderitischen Ausmaßes. Man darf gespannt sein, welche Beilagen der F&L im Zuge eines Eintretens für “andere, nicht-wissenschaftliche Meinungen” zukünftig beiliegen: Thesen der Flat Earth Society? Erkenntnisse von Erich von Däniken? Neueste Entdeckungen der Phrenologie?”

  9. Es geht im Verein doch lediglich darum die deutsche Sprache in all ihrer Schönheit und ihres Facettenreichtums aufrechtzuerhalten. Es ist sehr schade, dass heute scheinbar schon das Wort “deutsch” mit rechter Gesinnung assoziiert wird. Der Vds distanziert sich deutlich und in aller Form von sämtlichen politischen Extremen.

  10. Ich freue mich sehr, dass es den Verein für Deutsche Sprache gibt – er bietet sowohl Wissenschaftlern im In- und Ausland als auch interessierten Laien die Möglichkeit, sich für die deutsche Sprache einzusetzen und sie weiterzuentwickeln. Es hat mich schon immer gewundert, warum die bereits vorher existierenden – aber rein wissenschaftlichen – Germanistik-Verbände so im Elfenbeinturm blieben. Der VDS belebt das Thema “deutsche Sprache” und demokratisiert es. Dafür bin ich ihm dankbar und gerne Mitglied. Wenn Sie die “Sprachnachrichten” lesen, in denen immer viele Beiträge von Deutsch-Lehrenden oder -Lernenden aus dem Ausland veröffentlicht werden, und die jede Deutschtümelei vermeiden, erkennen Sie, wie abwegig es ist, den Verein in die “rechte Ecke” zu stellen, wie Sie es hier versuchen. Lassen Sie auch abweichende Meinungen zu – zum Beispiel, wenn es um Vorschriften zur “geschlechtergerechten” Sprache geht – und verteufeln Sie nicht jeden, der die Welt anders sieht als Sie! Das gehört zu einer pluralistischen Gesellschaft und Demokratie einfach dazu, Herr Lobin. Der VDS ist völlig in Ordnung.

  11. Ich finde den Inhalt und den Stil des Blogbeitrags unangenehm.
    Ich habe von den Details keine Ahnung und sollte deswegen natürlich meine Klappe halten.
    Trotzdem drängt es mich zu sagen und zu fragen: Deutsche Sprache ist mir ein großes Anliegen. Eiferer aller Art sind mir suspekt. Ich selbst bin mir daher auch suspekt. Ich hatte nie eine neutrale oder positive Haltung zu “rechten” Positionen.
    Wie kann man heutzutage irgendetwas öffentlich vertreten mit großer Wirksamkeit, ohne Polemik, ohne Polarisierung, ohne Geschwafel? Geht das nur in der Kunst? Das Internet ist eine Müllkippe und damit ein Spiegel der Welt. Es ist eine Kunst, darin etwas zu finden, das einen inspiriert.

    • Es ist wirklich interessant, dass ausgerechnet die Intoleranten auf Toleranz pochen, dass ausgerechnet die, die political correctness predigen – Wörter vermeiden, die andere unter Umständen beleidigen könnten, als ob die jemals irgendjemand gefragt hätte – ständig andere beleidigen, nur, weil sie deren Weltbild nicht entsprechen, den Balken im eigenen Auge nicht sehen (wollen). Tja, mit Fanatikern muss man nicht diskutieren, sie haben immer Recht. Das war schon während meines Studiums so. Da ist jedes Wort zu viel.

  12. Die Faschismuskeule, die notdürftig verschleiert durch Formulierungen wie “Rechtspopulisten und Nationalisten … in die Hände spielen” oder “ins Horn eines populistischen Deutungsschemas stoßen” geschwungen wird, zeigt an, daß die betreffenden Verfasser zur sachlichen Auseinandersetzung unfähig sind. Man erledigt den Gegner durch politsche Stigmatisierung. Dieses Niveau gipfelt dann im Postskpritum von Thomas Niehr in der Parallelisierung der “Postille des VDS” mit der “Werbung eines Sexshops”. Es lohnt sich eigentlich nicht, auf derartige Elaborate weiter einzugehen.

  13. Aus der Unterscheidung von ergänzenden, differenzierendenHeinricgh Thies und verdrängenden Anglizismen und der Werbung für deutsche Wörter statt verdängender angloamerikanischer Wörter auf „sprachlich befeuerten Nationalismus und dem Abdriften in rechtspopulistische Positionen zu schließen“, ist böswillig.

    „Die deutsche Sprache ist nicht nur Gegenstand der germanistischen Linguistik, sondern muss auch Gegenstand ihrer sprachpolitischen Sorge und ihres kulturpolitischen Interesses sein“. Aus diesem Satz wird geschlossen, der VDS sage „reine Wissenschaft = schlecht, politisch bewusste Wissenschaft (einer bestimmten Couleur) = gut“ ist schierer Unsinn. Es gibt auch Politiker, die die deutsche Sprache ins Grundgesetz wünschen oder schnellere deutsche Übersetzungen von EU-Vorlagen für den Bundestag fordern. Warum darf der VDS das nicht auch? Warum sollte das rechtspopulistisch sein?

    Heinrich Thies

  14. Der DHV und Sie, Herr Lobin sind für mich nur Ideologen, die nur die rosarote Brille kennen. Davon haben wir in den letzten Jahrzehnten genug gehabt.
    Diese versuchten sogar die Menschen, die zufrieden waren, umzustimmen, sie könnten doch garnicht zufrieden sein.
    Ihre Versuche, den VDS in den Dreck zu ziehen, wie Sie Alles versuchen, in die rechte Ecke zu drängen, was nicht linksideologisch ist, werden scheitern.
    Lassen Sie uns mit dieser sog. “Wissenschaftlichkeit” in Ruhe und arbeiten Sie weiter als Bürger Deutschlands.

  15. Mir ist, ehrlich gesagt, noch nicht klar geworden, wogegen sich Ihre Kritik genau richtet. Dagegen, dass der F&L eine Werbebroschüre für etwas Nicht-Wissenschaftliches beiliegt oder dass der VDS nicht-wissenschaftlich arbeitet und keine neutrale Position zur Sprachentwicklung bezieht, wie dies vielleicht ein Linguist oder Sprachhistoriker tun würde?
    Die meisten Werbebeilagen sind nicht-wissenschaftlicher Natur. An der Beilage des Werbeblattes finde ich nichts falsch – wenn man es nicht mag, wirft man es in den Müll.
    Es könnte ja aber sein, dass ein wissenschaftlicher Mitarbeiter privat auch die Sichtweise des VDS teilt und beitreten möchte.
    Als Analogie wäre für mich passender zu sagen:
    “Wie wenn man einer Fachzeitschrift für Biologie eine Broschüre zum Artenschutzes beilegen würde”. Die Biologie ist die Wissenschaft, die den gegenwärtigen Zustand und die Entwicklung der Arten beschreibt; der Artenschutz eine nicht-wissenschaftliche, ideologische Sache. Beides muss sich nicht ausschließen – auch ein Forscher kann sich privat für den Erhalt der Arten einsetzen.
    Ebenso kann ein (auch sprachtheoretischer) Wissenschaftler Mitglied des VDS sein, wenn er als Privatmensch der Meinung ist, die bisherige Qualität der Sprache bewahren zu müssen oder zu wollen.
    Der VDS hat eben nicht den Anspruch, Sprachwissenschaft zu betreiben, sondern der heutigen Entwicklung des Sprachgebrauchs entgegenzustehen.
    Wissenschaft soll neutral sein, Vereine müssen dies nicht für sich beanpruchen. Aus der Neutralität der Wissenschaft ergibt sich allerdings eine philosophische Frage:
    Ein Umweltforscher, der Wissenschaft betreibt, wird sich mit den klimatischen Veränderungen deskriptiv auseinandersetzen. Dazu gehört auch, die zukünftige Entwicklung und deren Folgen zu antizipieren. Wenn er bemerkt, dass dadurch für die Erdbevölkerung nachteilige Folgen entstehen könnten, soll er versuchen, die Menschen zu beeinflussen und umzustimmen oder nicht?
    Hat also ein Sprachwissenschaftler neben seiner fachlich-ethischen Verpflichtung zur Neutralität auch die Aufgabe, bei potentiell problematischen Entwicklungen (wie z.B. der Verarmung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit bei Studenten oder der Absicht, die Behördensprache in manchen deutschen Städten offziell auf Englisch umzustellen) Stellung zu beziehen? Dabei mag man die Methodik (d.h. auch die Rhetorik des VDS) in Frage stellen, aber die gründsätzliche Zielsetzung muss deshalb nicht unangebracht sein.

  16. Soweit ich weiß, sieht sich der VDS eher als eine Art Bürgerbewegung für den Erhalt und die Förderung der deutschen Sprache, was nicht schon deshalb verwerflich ist, weil das Wort “deutsch” darin vorkommt. Die “Sprachnachrichten” sind kein wissenschaftliches Blatt. Auch Herr Prof. Lobin, der übrigens mehrfach in seinen Beiträgen “das” und dass” verwechselt, holt, völlig unwissenschaftlich aber überheblich, die modische “Rechts”-Keule aus dem Halfter.
    Damit meint er, jeden Andersdenkenden zu erledigen. So macht man das heute.
    Übrigens darf man offenbar in den Sprachnachrichten Kritik an deren Inhalt üben, was bei bestimmten Blogs vehement vermieden wird. Dort gilt nur die Meinung des Chefs.
    Der VDS kritisiert seit je die Sprachwissenschaft deshalb, weil sie mit einer gewissen Wurstigkeit an die Sprachveränderungen herangeht, die durchaus nicht “aus dem Volk” kommen, sondern aufgenötigt werden. Die Wissenschaft vermeidet Stellungnahmen.
    Zu “rechts” natürlich gibt es äußerst wortreiche Beiträge, in denen alles und jedes gedreht, gewendet und verwurstet wird, solange am Ende etwas gegen “rechts” herauskommt.
    Die Protagonisten mögen daran denken, daß dies kontraproduktiv wirkt. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

  17. Ja geht denn Herr Lobin blind durch die Welt ? Möge er weiterhin seinen “Coffee
    to go” trinken, beim “Sale” seine Schnäppfchen machen, seine “Kids” in den Ferien
    ihre “Events” und “Highlights” erleben lassen. Offensichtlich ist ihm nicht bekannt,
    daß bereits über 7.500 deutsche Wörter durch englische ersetzt sind. Nichts gegen
    englisch, sollte man können, ist in unserer heutigen Welt fast ein Muß, aber bitte
    nicht diese Vermanschung der deutschen Sprache. Sich für die deutsche Sprache
    einzusetzen sei rechtsgerichtet ? Ja, wodurch identifiziert sich den ein Volk in erster
    Linie, wenn nicht durch seine Sprache ? Sprache ist ein Teil der Heimat. Wem
    bekannt ist, daß der VDS sich öffentlich, zum Beispiel auf seinen Plakaten, für den
    Erhalt a l l e r europäischen Kultursprachen ausspricht, käme nicht auf die Idee,
    ihn in die rechte Ecke (AfD, Pedida) zu stellen.
    Die Kritik am VDS trieft von Polemik und diskreditiert sich damit selbst.

    • Sie scheinen mit den über 7500 Wörtern direkt auf den “Index” des VDS zu verweisen. Haben Sie sich auch einmal die Liste unter einem der Buchstaben vollständig angeguckt? Nur als Stichprobe aus dem gesamten Korpus? Was da teils als deutsche Entsprechung gegeben wird, läßt einem ja die Haare zu Berge stehen.

      Und es geht ja nicht nur um die vermeintlichen Entsprechungen, sondern durchaus auch um deren Kategorisierung (also das Gefährdungspotential).

      Machen Sie sich doch bitte einmal die Mühe durch die Liste zu schauen und bei ausgewählten Worten eine Websuche oder Büchersuche zu bemühen. Manche der Entsprechungen sind geradezu so verdrängt worden, daß sie nirgendwo anders als im “Index” existieren oder existierten. Die Verdrängung geschah also sogar rückwirkend.

  18. … daß Sie sich tatsächlich nicht entblöden können, den VDS in die Nähe von Pegida zu rücken, kann nur bedeuten, daß
    – Sie den VDS und seine Arbeit gar nicht oder nur vom Hörensagen kennen,
    – Sie den VDS nicht für befugt halten, seine Ziele zu vertreten
    – Sie die Ziele des VDS für rechtsnational halten und
    – Sie die Deutsche Sprache nicht verteidigt sehen wollen.
    Ich glaube nach Ihrem Artikel allerdings nicht, daß Sie in diesen Punkten Ihre “Meinung” überhaupt zu ändern imstande sind!
    Zu schweigen wäre wirklich besser gewesen.

    • Danke, Herr Waßmann, für Ihre klare und auf den Punkt gebrachte Einschätzung des geistigen Standortes des Autors. Ich kann mich Ihrer Analyse uneingeschränkt anschließen.

  19. Ich bin seit Jahren Mitglied im VDS. Ich sehe unseren Verein als eine immer lauter werdende Stimme für diejenigen, die kein Germanistik studiert haben und deren Aufbegehren gegen den aufgezwungenen Anglizismenwahn verpuffen würde. Der VDS ist kein wissenschaftlicher Verein und somit für jeden verständlich, was wahrscheinlich manchem studierten Linguisten missfällt. Wenn Herr Lobin unseren Verein in die rechte Ecke stellen will, ist dies mehr als lächerlich. Hat man denn heute bereits eine rechte Gesinnung, wenn man nur das Wort deutsch in den Mund nimmt? Ich bin stolz auf unsere Sprache und auf unser Land. “Migranten müssen zuerst die deutsche Sprache erlernen!”, heißt es. Ja, wie denn, wenn in Geschäften, Medien und im Berufsleben mehr und mehr Anglizismen Einzug halten.

  20. Ei, wer möchte sich denn hier politische Fleißkärtchen verdienen? Immer schön politisch korrekt weiter nach Pseudolinks und Vertretern anderer Meinungen schon mal die üblichen linguistischen Folterwerkzeuge zeigen. Wieviel sprachlicher Mist -meist über Werbung und Medien- schon in Deutschland verbreitet worden ist, zeigen schon Ausdrücke wie “Blockbuster” oder “Public Viewing”. Oder soll damit einer -für den nächsten Weltkrieg- vorauseilenden Militarisierung vorschub geleistet werden?
    Zum Thema “Genderismus” enthalte ich mich aus Höflichkeit jeder Äußerung!

  21. Eine Idee, die man nicht mag, in die rechte Ecke zu stellen, ist in manchen Kreisen eine Art Totschlagargument und spielt den wirklich Rechten in die Hände. Ich habe vor Jahren mal an einem Informationsstand einer Partei gefragt, wie sie zu Deutsch und/oder Englisch als Amtssprache in Deutschland steht und dabei erwähnt, dass ich mich viele Jahre lang redlich bemüht habe, gut Englisch zu lernen, aber bei meinen sprachlichen Fähigkeiten leider an harte Grenzen gestoßen bin. Sofort hieß es, dann müsse ich wohl ein Rechtsextremer sein. Auf meine Frage wurde nicht eingegangen.

    Daran fühle ich mich hier sehr deutlich erinnert, wenn der VdS (dessen Mitglied ich bin) mit Pegida verglichen wird.

    Wenn Sie, Herr Prof. Lobin, von einem „Gegenschlag” des VdS sprechen, qualifizieren Sie Ihren eigenen Beitrag also als Versuch eines Schlages. Ich will Ihnen da nicht widersprechen. Im Unterschied zu Ihnen scheint mir die Beiträge von VdS-Mitgliedern (Sie sprechen von Anhängern) aber von persönlichen Verunglimpfungen abzusehen.

    Ich wünsche ausdrücklich keine Weitergabe oder Nutzung meiner Netzpostadresse (Ja, ich weiß, dass das auf Englisch ”e-mail address” heißt) für Zwecke, die nichts mit diesem Thema zu tun haben.

  22. Ihre Darlegungen finde ich etwas wirr. Sie verkennen, scheint mir, u.a., dass der VDS kein wissenschaftlicher, sondern ein sprachpolitischer Verein ist und auch sein will.
    Was er aussagt, darf, wissenschaftlich gesehen, nicht Unsinn sein, braucht sich aber auch nicht auf wissenschaftlich ,Bewiesenes’ zu beschränken. Sie wollen den VDS anscheinend auf politisch ,korrekte’ Wege weisen. Hoffentlich folgt er Ihnen nicht.
    MfG P.Wörmer.

  23. Übrigens (im Beitragstext): regiert -> reagiert

    Auch ich fand einige Positionen der Autoren in den neueren Sprachnachrichten befremdlich und sehe diese ähnlich wie einige der Leser in den (teil-)zitierten Leserbriefen. Viele der Aussagen finde ich vor allem zu sehr politisierend. Der VDS ist eben ein Verein, weshalb es seltsam anmutet wenn in der Vereinszeitung zum Teil Forderungen laut werden, die eher an die einer Partei erinnern.

    Aufmerksam wurde ich auf Ihren Beitrag übrigens erst durch eine Email welche Herr Krämer wohl an einen internen Verteiler des VDS verschickte (ich bin Mitglied). Darin schrieb er von “eine[r] große[n] Verleumdungskampagne gegen den VDS” und rief zum Widerstand auf.

    Könnten Sie bitte ausführen inwieweit “sich viele seiner [des VDS] Positionen kaum noch ernsthaft vertreten” ließen? Außer der Behauptung selbst findet sich da nicht viel Substanz. Natürlich bin ich kein Linguist, sondern Laie. Aber Logik ist mir als sprachwissenschaftlichem Laien deshalb nicht fremd; und also bin ich logisch zugänglichen Argumenten gegenüber durchaus aufgeschlossen. Und interessiert an Sprachen (nicht nur der deutschen) war ich schon von Kindes Beinen an.

    Falls es sich bei Ihrem Meinungsbeitrag um mehr als nur ein Scheingefecht zwischen den Elfenbeintürmen handelt oder handeln soll (immerhin ist Herr Krämer selbst Akademiker), könnten Sie uns Laien doch einmal darlegen welche der offiziellen Standpunkte des VDS bei sprachwissenschaftlicher Betrachtung unhaltbar werden. Gern auch mit Literaturverweisen. Es wären für mich nicht die ersten sprachwissenschaftlichen Bücher, welche ich lese; das geht anderen VDS-Mitgliedern sicher ähnlich.

    Aus dem Auge verlieren sollte man dabei natürlich dennoch nicht, daß der VDS sich gegen empfundene aktuelle Gefahren für die deutsche Sprache wendet – und zwar auf gesellschaftlicher Ebene. Mithin haben die Sprachnachrichten keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Insofern stimme ich Ihnen zu, daß die Sprachnachrichten als Vereinsblatt keine passende Beilage für F&L waren.

    Noch zu dem zitierten Kommentar: Vielleicht würde Herr Grünes ja auch gegen die durchaus wissenschaftlich gründlich unterfütterte These, daß Kelten um die Zeitenwende nach Südamerika segelten, wettern oder diese mit den Thesen eines EvD gleichsetzen? Für mich als skeptischen Nicht-Wissenschaftler klingt das nach Dogma. Und Dogmen gehören für mich eigentlich eher in die Kirche als in den Wissenschaftsbetrieb. Die Wendung “andere, nicht-wissenschaftliche Meinungen” scheint jedenfalls in der Sprache der Elfenbeinturmbewohner irgendeine grobe Beleidigung zu sein, welche sich an all jene außerhalb des akademischen Betriebs richtet. Für die Mehrheit der Bevölkerung beinhaltet es nur die Aussage, daß die Meinung von keinem Elfenbeinturmbewohner abgesegnet wurde, also – um bei Ihrem Duktus zu bleiben – eine reine Meinung ist.

    Kurzum: die deutsche Sprache gehört nicht etwa nur den Germanisten, sondern allen die Deutsch sprechen. Einen Teil dieser Deutschsprecher vertritt der VDS. Und wenn Sie sich aufgrund der Beilage zu F&L bemüßigt fühlen Kritik zu üben, sollte Ihnen einfach bewußt sein, daß sie sich spätestens ab diesem Punkt im Niemandsland außerhalb der Elfenbeinturmstadt aufhalten. Da gelten dann auch andere als rein wissenschaftliche Regeln.

    • Übrigens (im Beitragstext): regiert -> reagiert

      Vielen Dank, ist korrigiert! Zu Ihren weiteren Punkten und Vorschlägen sowie zu weiteren sachlich gehaltenen Kommentaren werde ich später gesammelt antworten.

  24. …meine Güte, Herr Kollege Lobin, was hat Sie denn geritten, solche Dinge über den VDS zu schreiben? Gelinde gesagt ist es schon ein starkes Stück, von einer “Sprach-Pegida” zu sprechen, ganz zu schweigen von den unhaltbaren Aussagen zur mangelnden Wissenschaftlichkeit. Als Regionalleiter des VDS (nein: nicht Gauleiter!) fühle ich mich hier persönlich angegriffen. Kollege Krämer wäre übrigens ein schlechter Vorsitzender, wenn er uns nicht per E-Post auf Ihre – ja: fast verleumderischen – Zeilen aufmerksam gemacht hätte. Kurioserweise blockiert gerade eine Werbefläche der Lufthansa auf dieser Seite die weitere Arbeit: “Lufthansa, Nonstop you”…Willkommen in der Realität (die ich in Ihren Zeilen, Herr Lobin, vermisse).

  25. Vergleiche mit Pegida und AfD sind polemisch und abwertend gemeint.
    Aber sind sie das wirklich? Muss der so Gescholtene sich tatsächlich angegriffen fühlen? Ich denke, keineswegs!

    Pegida ist eine Graswurzel-Bewegung, die vor knapp zwei Jahren in Dresden entstanden ist, weil man sich gegen die Austragung innertürkischer Konflikte in Deutschland wandte. Das war, wie man jetzt sieht, und am Sonntag in Köln wohl noch genauer vor Augen geführt bekommen wird, sehr weise und vorausschauend.
    Sodann wendet sich Pegida gegen die Islamisierung Europas. Und bringt seit Gründung fast jede Woche Tausende Menschen auf die Straße. Wir sehen heute in der Türkei, wohin eine konsequente Islamisierung vereint mit Nationalismus führt. Das will doch auch Prof. Lobin nicht; gerade hat er einen Tweed verschickt, in dem er eine scharfe Reaktion gegen die Aktionen der Erdogan-Türkei auf dem Gebiet der Wissenschaft vorschlägt.

    Die AfD wurde vor etwa drei Jahren von verantwortungsbewussten Fachleuten in der Folge der Eurokrise gegründet. Inzwischen ist sie eine Massenpartei, die in zahlreichen Landtagen sitzt und die etablierten Parteien mit dem Aussprechen von unbequemen Wahrheiten und Problemlösungskompetenz das Fürchten lehrt. Für einen Hochschullehrer wie Prof. Lobin sollte doch das konstruktive Rütteln am Althergebrachten und Erstarrten positiv konnotiert sein.

    Einen “gewichtigen Vorwurf” kann man Pegida und AfD allerdings machen: sie haben deutlich früher als andere wichtige Probleme erkannt und sich nicht auf Meckern beschränkt, sondern sich Organisationsformen gegeben, die zu Lösungen führen werden.

    Fazit: Pegida, AfD ? Ja, danke, angenehm !

    • Sehen Sie, das ist das Problem. Der VDS ist ein Verein, keine Partei. Genauso wie der Vergleich mit einer _politischen_ Bewegung oder Partei unangebracht sind, ist auch der politisierende Ton in manchen Artikeln der Sprachnachrichten unangebracht.

      Ich sehe mich nicht in der Nähe der AfD, im Gegenteil. Übrigens auch nicht in der Nähe der Pegida. Ich verstehe durchaus die Ängste und auch daß diese nicht ernst genommen werden. Das ist aber nicht nur bei Pegidisten so, sondern bei vielen gesellschaftlichen Gruppen. Das Problem liegt da wohl eher in einer gewissen Entkopplung seitens der Politiker von der Bevölkerung.

      Was mich aber mit anderen VDS-Mitgliedern sicher vereint, ist der Wille und der Wunsch die deutsche Sprache zu fördern und dummen überflüssigen Wortübernahmen (ich habe nichts gegen Eindeutschungen!) entgegenzutreten. Konzentrieren wir uns doch vielleicht darauf.

  26. Als Mitglied des VDS habe ich lediglich folgende Ziele:
    1. In Deutschland Bevorzugung der deutschen Sprache.
    2. Der Gebrauch der Sprache muss fehlerfrei sein.
    3. Die Sprache muss treffend frei sein von Ballast sein.
    4. Die Sprache darf nicht politisch / ideologisch strukturiert sein.

    Dazu nur ein paar Erläuterungen:
    – Die deutsche Sprache gehört in die Verfassung,,
    – z.B…. “insofern, weil… ” in Reportagen sollte es nicht geben,
    – der Gebrauch von “Schutzsuchende” für Flüchtling oder “Dresden International” anstelle “Flughafen Dresden” ist vernebelnd.
    – Der “Studierende” und “Dozierende” sind lächerlich… und immer wieder die so gerechte weibliche Form- nur nicht im Falle der “mutmaßlichen Täter-innen”.

    Wer kann diese Haltung nicht ertragen, und was ist daran Rechts?

  27. Der Worte sind ja eigentlich mehr als genug gewechselt. Daher nur 2 Anmerkungen.
    1. Wer die deutsche Sprache als besonders schön empfindet, kennt entweder die deutsche Sprache nicht, schon gar nicht ihre Geschichte und wie ihr auf Biegen, Zusammenleimen und Verhochnäsigen das Lateinische injiziert wurde, er kennt die Eleganz und den Facettenreichtum anderer Sprachen nicht, oder – was ich auch wegen der zähen Holprigkeit der Diskussionsbeiträge schlussfolgern würde – er verwechselt das bloß Gewohnte mit dem, was an Sprachen schön sein kann. Die Deutsche Sprache, verflucht durch den Genschaden, selbst die einfachsten Dinge durch nominale Umständlichkeiten zu vernebeln, hat unbestreitbare Vorzüge für Bürokraten und akademische Großmeister der Abstraktion, sondern aber nur wenige. Erst in allerjüngster Zeit, beeinflusst von ausländischen Sprachspielern, insbesondere der Rap-Reimeschmiede, gewahrt man wieder so etwas wie einen Zuwachs an Spannkraft, Rhythmen in der Konversation, klanggeleitetem Ausdruck und Freude an Einfachheit und Direktheit – alle diese potenziell schönen Seiten der deutschen Sprache, die während des 20. Jahrhunderts immer mehr von verkrusteten Sprachlehrern verschüttet worden waren, gegen die sich Freunde der lebendigen deutsche Sprache schon Ende des 19. Jahhrunderts verglich auflehnten (“Pullover undeutsch – bitte richtig sagen: wollener Überzieher!”). Das wäre ja großartig, wenn der Verein die deutsche Sprache nicht nur pflegen, sondern sogar fördern würde, und ich wäre sofort von Herzen dabei, man hat nur den Eindruck, die Mission der Vereinigung besteht in dem Wunsch, zum Stil-Duden von 1960 zurückzukehren, also in der Förderung der Musealisierung der deutschen Sprache.
    2. “Die sprachliche Eigenständigkeit als wichtigstes Merkmal der wirtschaftlichen und kulturellen Selbstbehauptung der europäischen Länder …” – solche Formulierungen triefen aus der Website heraus. Sich darauf zu einigen, dass es da nicht nur an Wissenschaftlichkeit, sondern überhaupt an Überlegung und Weltkenntnis fehlt, sollte nicht schwer sein. Wird ja auch von einigen VDS-Verteidigern hier so gesgat, dass es dem Verein schließlich nichts ums Wissenschaftliche gehen würde. Schwieriger ist die Frage zu beantworten, warum der Verein überhaupt dieses Bedürfnis hat, dem Deutschen einen solchen metaphysischen Überbau zu verpassen. Ich kann nur vermuten, dass es mit dem Musealisierungstrieb zusammenhängt. Dieser Trieb ist keineswegs allein im deutschen Sprachraum vorzufinden, sondern überall dort, wo Menschen aus Angst vor der Gegenwart sich zurückträumen in ältere Zeiten. Da gibt es hoch interessante, direkt korrespondierende Aussetzer z.B. bei Gauland, der z.B. sagt: Deutschland kann doch wieder heraus aus der EU, Grenzen dicht machen, Ausländer minimieren, schließlich habe man doch in den 60er Jahren auch schon exportiert. Tja, dann schauen wir uns mal die damaligen Exprtanteile an 😉 Ich schweife keineswegs vom Thema ab, denn die wirtschaftliche Prosperität Deutschlands ist durch Weltofffenheit entstanden und ist gar nicht mehr zu haben ohne die bereitwillige Beschäftigung mit den Schönheiten und Stärken anderer Sprachen. Ein Verein, der die deutsche Sprache ernst nehmen würde, würde sich mindestens dialektisch darüber unterhalten, wie sich die deutsche Sprache in ihrer Ausdruckskraft und in ihren Valeurs gleichzeitig bereichert und verschmälert, indem sie neue Wörter mit aufnimmt. Zu Erinnerung: Die englische Sprache ist die wortreichste der Erde, weil sie aus Fusion von 3 Sprachräumen entstand. Davon wäre ja auch etwas zu lernen.

    • …. wie sich die deutsche Sprache in ihrer Ausdruckskraft und in ihren Valeurs gleichzeitig bereichert und verschmälert, indem sie neue Wörter mit aufnimmt. Zu Erinnerung: Die englische Sprache ist die wortreichste der Erde, weil sie aus Fusion von 3 Sprachräumen entstand. Davon wäre ja auch etwas zu lernen.”

      Ihr Beitrag ist auch der wortreichste dieses Forums. Soweit zur Sache. Dann zur obigen: Warum muß eine Sprache neue Wörter, die es immer geben wird oder geben muß, aus dem Englischen nehmen? Warum nicht aus dem eigenen Stamm? Und welche anderen Sprachen sind noch so aufnahmefreudig? Nimmt z.B. Englisch so viele “neue Wörter” aus anderen Sprachen auf wie wir aus dem Englischen? Kritisieren Sie das logischerweise?
      Selbst wenn neue Wörter übernommen werden, dürfen sie noch immer der Phonetik angepasst werden. In den USA heißt der Mercedes eben Mörcides, während wir uns sicherlich Ihre Verhöhnung zuzögen, wenn wir nur Washington (phonetisch) sagen würden, wenn es z.B. der VDS empfehlen würde, anstatt Woaschingtn.

  28. Also Herr Lobin, “Sprach Pegida” ist in der Tat eine Verleumdung.
    Ihnen kann ja meinetwegen persönlich nichts an der deutschen Sprache liegen und die Beilage hat auch keinen wissenschaftlichen Anspruch, aber sich darüber so zu empören ist schon merkwürdig.
    Und selbstverständlich hat der Protest von Ihnen und Ihren Kollegen erwas mit Political Correctness zu tun, den man keinesfalls allen Vertretern von “Befindlichkeiten” unterstellen kann, wie sie vermuten.
    Ihnen und den weiteren 35 Linguistinnen und Linguisten in diesem Fall allerdings schon!

  29. Ich bin seit vielen Jahren Mitglied des VDS. Ich liebe die deutsche Sprache und die englische und meine, beide zu beherrschen. Aus diesem Grunde halte ich sie soweit mir möglich getrennt voneinander. Es freut mich, dass der VDS sich auch darum bemüht.
    Es ein Vorzug der deutschen Sprache, zwischen “Sie” und “Du” zu unterscheiden, schon in der reinen Verbform, die auf jede der Anreden verzichtet. Wenn mich ein Fremder um einen Kommentar bittet, möchte ich mit “Sie ” angeredet werden.

  30. Seit mehr als 20 Jahren bin ich Mitglied in diesem Verein, weil ich die warnenden Argumente verstanden und ebenso empfunden habe, schon damals.
    Pegida gibt es erst seit kurzem. Also, was soll das…
    Ich will keinen Kaffee aus Kamerun (oder war es Togo?).
    Der Niedergang der Deutschen Sprache ist unübersehbar, wenn man noch die deutschen Worte kennt. Die scheinbar ungeprüfte Übernahme jeglicher Entartung in den Duden führte mit der “RächtSchraipRäffform” unter anderem dazu, daß wir jetzt keine einheitliche Rechtschreibung mehr haben. Die Sprache ist nicht mehr eindeutig, und damit leidet die Kommunikation, wofür die Sprache eigentlich sein sollte.
    Die Übernahme amerikanischer Sprachregeln führt zum Beispiel zur Zeit dazu, daß die Fälle aussterben. ALLE!, bis auf den ersten. Die Genderisierung tut ein Übriges. Sprache ist nicht mehr Vermittler und Informationsüberträger und wird von praxisfernen Sprachwissenschaftlern administriert.
    Das neueste: Es heißt nicht: “Ich habe ein Hund.” Es heißt “einen Hund”, noch.

    Sie sollten sich schämen, Pegida und den VdS in Verbindung zu bringen.

  31. Schon allein der Titel „Sprach-Pegida und der Deutsche Hochschulverband“ zeigt die Richtung an und diffamiert so bereits am Beginn der Auseinandersetzung das Objekt der Kritik, den VDS, um dann noch nachzulegen: „Ein Sturm der Entrüstung hat sich gerade unter germanistischen Sprachwissenschaftlern erhoben“. Ob es diesen Shitstorm tatsächlich gibt, kann ich nicht beurteilen, aber als Sprachwissenschaftler und VDS-Mitglied möchte ich dazu doch einiges sagen.
    (1) Ich habe mir die letzte Nummer der VDS-Nachrichten angesehen und finde nichts Bedenkliches. Der Artikel auf dem Titelblatt „Englisch als Amtssprache“ sagt alles: es wird aufgezeigt, dass von vielen immer mehr das Englische zum Nachteil des Deutschen bevorzugt wird. Was an dieser Feststellung „Sprach-Pegida“-ähnlich sein soll, muss mir Herr Kollege H. Lobin einmal erklären. Auch die Kritik am „Gendern“ ist sachlich und für mich als Linguist, der ich mich selbst mit sprachwissenschaftlichen, nicht ideologischen Argumenten dagegen geäußert habe, durchaus nachvollziehbar. Weiters wird jeder Vorwurf eines zu starken Deutschbewusstseins durch die Beiträge „Regionale Sprachen schützen“ und „Wissenschaft muss mehrsprachig sein“ widerlegt.
    (2Als Linguist weiß ich, dass Sprachkontakte und Lehnbeziehungen etwas Natürliches sind, dass sie die Sprache bereichern (können) und dass Lehnwörter zur Kommunikation nötig sind. Viele Kultursprachen verdanken ihre Anfänge dem Sprachkontakt und sie wurden oft nach dem Vorbild anderer Sprachen zu dem, was sie heute sind. Wie sollte z.B. die internationale Wissenschaft ohne Fachausdrücke aus anderen Sprachen auskommen? Doch darum geht es nicht und die Devise „Fremdwörter raus!“ (richtig „… hinaus!“) darf freilich nicht zum Ziel einer Sprachpolitik werden. Doch gegen die heute im deutschen Sprachraum verbreitete Praxis aufzutreten, um jeden Preis englische Wörter zu verwenden – auch wo gar kein Bedarf besteht – ist legitim. News statt „Nachrichten“, Snack statt „Imbiss“ und Event statt „Veranstaltung“ oder „Ereignis“ wären solche Beispiele und manches ist überhaupt nicht englisch (z.B. Handy) oder hat eine andere Bedeutung (z.B. Public Viewing). Warum gibt’s nur mehr Tickets und keine Fahr- bzw. Eintrittskarten? Man kann eben alles übertreiben, wir übertreiben mit der kritiklosen Übernahme völlig überflüssiger Wörter wie Kids, Song und Lover, und auch Vulgäres wird nicht nicht weniger vulgär, wenn es auf Englisch gesagt wird (z.B. fucking). Und ein Master ist auch nicht mehr als ein Magister.
    (3) Der VDS bemüht sich dazu beizutragen, mehr sprachliches Selbstbewusstsein zu entwickeln, um die Rollen beider Sprachen richtig zu verteilen: Englisch als „Weltsprache“, Deutsch als eine der „Europa-Sprachen“ und als eine der alten europäischen Kultur- und Wissenschaftssprachen. Rund 70 Sprachen hat dieses Europa, davon 16 mit über 10 Mill., 35 mit mehr als einer Million Sprechern. Einige kleinere Sprachen sind schon ausgestorben, einige sind im Aussterben. Jede dieser Sprachen ist ein Stück Menschheitsgeschichte, Zeuge der Artenvielfalt auf Ebene der Sprache. Wie Monokulturen das natürliche Gleichgewicht stören, bringt auch eine Anglo-Monoglottie das sprachliche Gleichgewicht durcheinander. Beispiele aus der jüngeren Geschichte haben wir genug, die Bevorzugung des Deutschen im Bildungswesen des alten Österreich-Ungarn, des Russischen in der ehemaligen Sowjet-Union und schließlich des Englischen in Irland haben nur den Nationalismus gefördert. English only könnte eine Gefahr für Europa werden, denn nicht die englische Monoglottie kann das Ziel sein, sondern eine europäische Polyglottie.
    (4) In Europa macht sich heute (nicht nur) in den deutsch sprechenden Ländern die Tendenz breit, in wissenschaftlichen Publikationen und auch bei Tagungen und Konferenzen immer mehr das Englische zu verwenden. Dies ist ein schleichendes Aufgeben der Rolle der deutschen Sprache, die sie bis vor kurzen innehatte, aber trotzdem immer noch in der internationalen Wissenschaft spielt. Es läuft auf eine sprachliche „Sich-Entäußerung“ hinaus, was derzeit geschieht, zumal auch in Österreich in den machen Gymnasien Englisch als Unterrichtssprache verwendet wird. Nichts gegen einen guten Englisch-Unterricht, nichts gegen einen teilweisen Gebrauch des Englischen in den höheren Schulklassen und an den Universitäten, aber erst dann, wenn die deutsche Standardsprache einwandfrei beherrscht wird. Und dieses Ziel erreichen bekanntlich viele Maturanten bzw. Abiturienten heute nicht mehr.
    (5) „Sprachpolizeiliche“ Maßnahmen (Ansätze dazu gibt es bekanntlich in Frankreich und einigen anderen Ländern) werden kaum helfen und sind darüber hinaus aus vielen Gründen abzulehnen, aber mit der Devise „so viel englisch wie nötig, so viel deutsch wie möglich“ wird man wohl leben können, ohne gleich der „Deutschtümelei“ geziehen zu werden. Und nichts anderes propagiert der VDS. Denn für Europa ist die Sprachenvielfalt typisch, Englisch ist europäisch gesehen – trotz seiner Geltung als Weltverkehrssprache, bloß die Nr. 3 (nach Russisch und Deutsch). Die übertriebene Förderung des Englischen in der EU ist bereits zu Lasten der „kleineren“ Sprachen gegangen. Daher ist es erfreulich, dass sich in der EU immer wieder Widerstand gegen die Allmacht des Englischen regt, was der „Brexit“ wohl noch fördern wird. In Osteuropa ist das Deutsche als Bildungssprache immer noch weit verbreitet, die Osterweiterung der EU hätte das Deutsche stärken können, dazu kam es aber nicht. Neben Englisch sollte auch das Erlernen mindestens einer zweiten europäischen Sprache in der Schule verpflichtend sein.
    (6) Österreich ist in dieser Hinsicht bis zu einem gewissen Grad gespalten, es gibt Gruppen, die das Eindringen „binnen- bzw. bundesdeutscher“ Ausdrucksweisen monieren, die Vermehrung der Anglizismen und Amerikanismen aber kritiklos hinnehmen, und es gibt Gruppen, denen zwar die englischen Lehnwörter ein Dorn im Auge sind, aber das andere Deutsch aus dem Norden akzeptieren, weil es eben „auch“ deutsch ist. Eine aktive österreichische Sprach- und Sprecherziehung müsste sich aber beides im Blick haben. Hat sie aber nicht, so denkt man darüber nach, an techischen Universitäten Englisch als Unterrichtssprache einzuführen. Oder auf einer unlängst in Wien stattgefundenen Tagung „Deutsch in Österreich“ war das Englische überproportional vertreten.

  32. Zu Henning Lobins Polemik gegen den VDS (25.7.2016)

    Gute Kritik ist hochwillkommen. Sie geht argumentativ vor, zielt auf Verständigung und kann auf Fehler aufmerksam machen. Doch wer kennt nicht das Gegenteil? Angriffe, die dem Anderen den Weg sachlicher Erwiderung abschneiden, indem sie ihm mehr oder weniger verdeckt üble Haltungen unterstellen und ihn in die Nähe verachteter Personen oder Objekte rücken. Was dabei herauskommt, ist jedenfalls nicht der Erkenntnisfortschritt, auf den es doch ankäme.

    Bei einem Professor für Sprachwissenschaft möchte man einen solchen Stil der Auseinandersetzung eigentlich nicht erwarten. Aber wenn Professor Lobin dem VDS eine wissenschaftsfeindliche Grundhaltung unterstellt – und das gleich viermal –, ist zu fragen, wie das zu einer zielführenden Sachdebatte führen soll. Etwas zu behaupten, was herabsetzt, aber weder zu beweisen noch zu widerlegen ist, gilt seit mehr als zwei Jahrtausenden als unzulässiges Mittel des Sachstreites. Am Schluss verwendet Herr Lobin dann auch noch das andere unzulässige Mittel des Sachstreites: Er setzt den VDS herab, indem er ihn mit Pegida und AfD vergleicht. – Herr Prof. Lobin ist aufgefordert, diese Angriffe angemessen zu rechtfertigen oder sich zu entschuldigen.

  33. Ihren Artikel musste ich mit Bestürzung lesen. Einerseits stellen Sie fest, dass der VDS wissenschaftsfeindlich sei, andererseits stützen Sie Ihre “Argumentation” maßgeblich auf die kontextlose Interpretation ausgewählter Leserbriefe. Nun muss ein Blog nicht wissenschaftlich korrekt sein, aber das ist wirklich ein seltsames Vorgehen.
    Zum Vergleich: Nach 20 Sekunden “Recherche” im Netz finden Sie diesen Leserbrief eines Herrn Siegfried Orth an die ZEIT:
    ” […] wie schon in der vorherigen ZEIT- Ausgabe (Grafik NATO mit völlig unsinnigen und nicht nachvollziehbaren Zahlenvergleichen), zeigt auch dieser Artikel wieder, dass es in der ZEIT- Redaktion wenig militärisch – strategischen Sachverstand gibt bzw. nachlässig recherchiert wird […]”.
    Wenn nun jemand behauptete, dass mit diesem Leserbrief der Beweis erbracht sei, dass Artikel in der ZEIT generell von wenig Sachverstand der Schreiber zeugen und nachlässig recherchiert wurde, gäbe es wohl eher Gelächter und/oder Mitleid. Genau so gehen Sie aber vor, das finde ich nicht redlich. Die “Honoratioren” versuchen Sie in der Person zu beschädigen, da Sie keine Schwerpunkte in den von Ihnen definierten Kategorien hätten – ziehen Sie die Diffamierung der Argumentation vor? Wissenschaftlich würde ich auch dieses Vorgehen nicht beschreiben.

  34. Betr.: Sprach-Pegida und …
    Wer den Verein Deutsche Sprache e.V. ( VDS ) mit Pegida und AfD vergleicht verwechselt auf höchst unwissenschaftliche, ideologische Art Äpfel mit Birnen: Pegida und die AfD wenden sich u. a. gegen eine Islamisierung Deutschlands. Der VDS ist ein unpolitischer Verein, dessen Mitglieder für die Pflege der deutschen Sprache eintreten. Jede Landessprache, nicht nur das Deutsche, ist ein Kulturgut ersten Ranges. Sprache schafft im Bewusstsein die Identität und die Weltsicht des Menschen. Die Sprache kann in der Kommunikation dabei praktisch alles hervorbringen: Klarheit im Ausdruck, Schönheit des Wortes aber auch Verschleierung, Manipulation,
    Lügen, Beleidigungen und Verunglimpfungen. Die Vorwürfe gegen den VDS
    gehören wohl zum negativen Gebrauch der Sprache. Die Sprache ist nicht
    nur, und nicht nur in erster Linie, ein Gegenstand der Sprachwissenschaft.
    Der VDS verfolgt gar keine sprachwissenschaftlichen Ziele, sondern er will
    ein Sprachrohr für alle sein, die nicht mehr wollen als die deutsche Sprache zu lieben und zu pflegen. Insofern geht die Kritik an den VDS durch die Sprachwissenschaft vollkommen daneben. Einige Sprachwissenschaftler sollten daher einmal von ihrem hohen Ross herunterkommen!

  35. “Schlagzeilen sind der Push-up BH des Journalismus” – so stand es sinngemäß vor einigen Tagen im Feuilleton der Welt zu lesen. Ihr Beitrag scheint hierfür ein gutes Beispiel: Menschen, die sich kritisch mit der inflationären Verwendung von Anglizismen, insbesondere im Bereich der Werbung, auseinandersetzen, werden als “Sprach-Pegida” denunziert; ein offen dargelegter vereinsinterner Diskurs, Zeichen einer demokratischen Streitkultur, hierfür als Zeuge missbraucht. Es ist dem VDS hoch anzurechnen, dass er das Bewusstsein für den kulturellen Wert der deutschen Sprache stärkt.

  36. Ich kann nicht erkennen, was an “Nähe zur AfD” schlimm sein soll. Die AfD ist eine demokratische Partei, die die bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 24 Prozent der Stimmen geholt hat, und dieses Potential auch bundesweit hat, wie wir bei den kommenden Wahlen sehen werden.

    Pegida ist eine Bürgerbewegung und als solche absolut basisdemokratisch. Die Veranstaltungen der Pegida laufen IMMER gewaltfrei ab, ganz im Gegensatz zu den linken Gegendemonstrationen, in deren Zusammenhang regelmäßig Polizisten zum Teil schwer verletzt, Autos abgefackelt und andere Sachwerte vernichtet werden.

    Der VDS hat mit beiden nichts zu tun, was man allein schon am Gründungsjahr sehen kann.
    Wer sein Land, seine Nation, seine Kultur und damit auch seine Sprache so abgrundtief haßt, wie Linke und Grüne das tun, für den verschwimmen natürlich die Grenzen zwischen AfD, Pegida und VDS. Das ist aber das Problem von Linken, Grünen und anderen Antideutschen, nicht das Problem des VDS oder der AfD.

    Ich kann mir allerdings gut vorstellen, daß die Kernforderung der VDS, “Deutsch ins Grundgesetz!” mit einem Bundeskanzler Björn Höcke endlich erfült werden würde.

  37. Ich bekomme seit Jahren die Sprachnachrichten.
    Die meisten Artikel sind allgemeine Artikel über Sprache (z.B. über Dialekte), einige Beispiele für neue Anglizismen-Funde und wenige Artikel, die sich mit der aktuellen Entwicklung der Sprache befassen.

    Angesichts dessen, wie stark negativ die Entwicklung der Sprache ist, finde ich, äußert sich der Verein seeeeeeeeeehhhhhhr moderat.
    Was ich gut finde, auch wenn damit weniger Menschen alarmiert werden, so gelingt es umso mehr Menschen zu interessieren.
    Denn dass immer mehr Studiengänge rein auf Englisch angeboten werden, halte ich für die gravierendste und folgenreichste Entwicklung.
    Zeichen dafür ist, dass ein Magazin von und für Uniprofs darauf aufmerksam macht!

    Nur weil der Verein in seiner Mitgliederzeitschrift so viel Zurückhaltung übt, zieht er umso mehr rein sprachinteressierte Menschen an und läßt genau die ins Leere laufen, die Sprache gerne politisch instrumentalisieren würden.

    Ich kann die Sprachnachrichten jedem meiner Freunde oder Bekannten ohne Bedenken weitergeben, da beim Durchblättern sofort klar wird, dass es insgesamt um Sprache geht und keine politische Agenda.

    Apropos “angreifbar”: Alles und jeder ist angreifbar, wenn man sich einzelne Zitate rauspickt und sie entsprechend deutet.
    Meines Erachtens ist dieser Blogbeitrag eine als Kritik getarnte Werbung für eine rechte Seite des Vereins, die es so nicht gibt.

    Nun, soviel von mir.
    Dann werde ich mal den Tag planen.
    Wie wär’s mit Kino?
    Ich habe mal ein paar der Filmtitel, die hier laufen, aufgelistet…..

    BFG- Big Friendly Giant
    Legend of Tarzan
    The Jungle Book
    Ice Age
    Star Trek Beyond

    Independence Day: Wiederkehr
    Central Intelligence
    Conjuring 2
    Angry Birds
    Atmoic Falafel

    Batman: The Killing Joke
    Braveheart
    Censored Voices
    Collide
    Demolition

    High-Rise
    How to be Single
    Money Monster
    Power to Change
    Spectre

    Spotlight
    Step across the Border
    Streetdance in New York
    The Assasin
    The First Avenger: Civil War

    The Imitation Game
    The Lobster
    The Neon Demon
    The Nice Guys
    The Revenant

    Tomorrow
    Walk the line
    X-men: Apocalyse
    Zoomania
    Wiener Dog

  38. Guten Tag, Herr Lobin!

    In der Kürze …… Würze! Lob Ihn – den Lobin; das kann ich nicht!
    Wo, bitte ist denn der (Ihr) Sturm der Entrüstung losgebrochen? Auf der Seite F&L ganz sicher nicht, da ist es ganz ruhig!
    Schon die Überschrift (… Pegida..) sagt mir mit aller Deutlichkeit: „ Hier ist ein Linker oder auch Grüner am Werke!“
    „…. angeblichen Anglizismenflut im Deutschen“ Ich weiß nicht, in welcher sprachlichen Welt Sie sich aufhalten. Laufen Sie blind durch die Werbewelt, durch die Straßen Ihrer Stadt. Lesen sie z.B. nicht „Cut und Fön“!? Übrigens ist die Anglizismenflut in Deutschland noch „relativ“ harmlos. Kommen Sie doch mal in die Schweiz, am besten mit der Swiss; Reiseversicherung bei der ZURICH (Ü-Pünkelchen ade) und vergessen Sie nicht bei der Swiss-Re vorbeizuschauen. Dabei hat die Schweiz ja schon vier in der Verfassung verankerte Landessprachen – Deutschland keine im GG!
    Hier ein, nur ein Beispiel aus der Schweiz – dies ist keine Beitrag zum Morgenstraich (Fasching/Karneval) in Basel:
    So lesen wir beispielsweise in einer Verordnung über das neue Fleischhygienerecht (gemäß einem Skript von Herrn lic.iur. Urs-Peter Müller vom Bundesamt für Veterinärwesen) folgende Bestimmungen:

    “1 Der Kantonstierarzt beziehungsweise die Kantonstierärztin oder der beziehungsweise die an seiner beziehungsweise ihrer Stelle eingesetzte Tierarzt beziehungsweise Tierärztin leitet in fachlicher Hinsicht die Tätigkeit der Fleischinspektoren beziehungsweise Fleischinspektorinnen und Fleischkontrolleure beziehungsweise Fleischkontrolleurinnen.
    2 Der Kantonstierarzt beziehungsweise die Kantonstierärztin und der leitende Tierarzt beziehungsweise die leitende Tierärztin können auch die Funktion eines Fleischinspektors beziehungsweise einer Fleischinspektorin ausüben, der Kantonstierarzt beziehungsweise die Kantonstierärztin, der leitende Tierarzt beziehungsweise die leitende Tierärztin und der Fleischinspektor beziehungsweise die Fleischinspektorin die eines Fleischkontrolleurs beziehungsweise die einer Fleischkontrolleurin.”

    Schon allein mit dieser Aussage (angebl. Anglizismenflut) brachten Sie mich zu der Überlegung Ihren Artikel erst gar nicht weiterzulesen, weil ich bei Ihnen eine beispiellose Voreingenommenheit feststellte – aber ich bin ja fair.
    „….Reihe von Prominenten, die meinen…..“ Auch diese Aussage beweist Ihre Einseitigkeit und zwar speziell das Wort „meinen“! Das ist eindeutig abqualifizierend!
    Besonders erstaunt war ich auch über Ihre Auslassung: „Da kritisieren die eigenen Mitglieder des…..“ Ist das für Sie wirklich so erstaunlich, daß von ca. 40.000 Mitgliedern einige etwas anderer Meinung sind, über das, was in den „Sprachnachrichten“ geschrieben steht? Ich bin stolz auf den VDS, eben weil er im Gegensatz zu vielen anderen Institutionen, Parteien, Organisationen usw. Kritik aus den eigenen Reihen und das sogar in dem beschränkten Raum zweier Leserbriefseiten zuläßt! Wie sieht das bei Ihrem Institut denn aus?
    „Den antiwissenschaftlichen Vogel schießt allerdings der bekannte Publizist Wolf Schneider…“
    An dieser Stelle zeigen Sie sehr deutlich Ihre anscheinend haßerfüllte Einstellung zum VDS. Ich habe schon vor 55 Jahren auf dem Gymnasium beigebracht bekommen, daß man in Aufsätzen klar und deutlich formulieren muß. Unter einem meiner Aufsätze stand mal Folgendes: „Bitte keine Bandwurmsätze mehr, auch wenn die nach 23 Zeilen immer noch stimmig sind – Aufsatz 2 ; Schrift 6“ Ich habe daraus gelernt!
    Was W. Schneider da kritisiert ist in jeder Weise berechtigt! Und dagegen wehrt sich ja auch der VDS – gegen die von oben diktierte Vergewaltigung einer in tausend Jahren homogen gewachsenen Sprache. Wenn Sie so etwas wie „Der,die,das Recht ….“ als akzeptables Stilmittel einer Sprache (egal welcher) einstufen, dann allerdings kann man Ihnen und Ihren linken (das vermute ich mal) Kollegen nicht mehr helfen – finden Sie so etwas im Englischen auch?
    Sie berufen sich auf den Grammatik-Duden und schreiben: „ …. an den aktuellen Forschungsstand angepassten…“ Das ist ja eben das Problem, welches wir heute haben! Hier wird eine einseitige speziell von den Linken und Grünen propagierte Sprachvergewaltigung praktiziert, die in der Deutschen Sprachgeschichte einmalig sein dürfte. Übrigens besonders bei den Grünen wundert mich das sehr, weil die sonst nicht so gut auf die Amerikaner zu sprechen sind – aber sie wollen ja modern sein, bleiben oder werden!
    Diese Passage Ihres unsäglichen Kommentars zeigt in aller Deutlichkeit Ihre vorgefestigte Einstellung zum VDS! Sie unterlassen vorsätzlich den Hinweis auf den Schluß der „Schneiderkolummne“: 1985: DPA warnt vor dem DUDEN und die ZEIT trifft im selben Jahr die Wortwahl:“ Große Hure DUDEN“!
    Übrigens die Stadt Basel (Schweiz) hat zwischenzeitlich ein Rundschreiben losgelassen, in dem darum gebeten wird geschlechterneutrale Texte lesbar abzufassen.

    „Der VDS hält offenbar große Stücke darauf, seine wissenschaftlich kaum haltbaren Positionen durch namhafte Mitglieder und einen „wissenschaftlichen Beirat“…..“
    Was Ihre hohe Meinung gegenüber Experten angeht, möchte ich Ihnen Folgendes ins Stammbuch schreiben: Nicht Experten müssen sich mit dem von ihnen verwüsteten Deutsch auseinandersetzen, sondern der (wie ich) normale Bürger! U N D wodurch zeichnen sich Experten aus? Durch die Attribute: wäre, hätte, würde, könnte. Die Wirtschafts(waisen)weisen beginnen ihre vierteljährlichen Verlautbarungen immer so: „höher als gedacht, anders als vermutet usw.“ und dabei handelt es sich um einen überschaubaren Zeitrahmen! Und dann wollen uns die „Deutschweisen“ vorschreiben, wie wir zu reden und zu schreiben haben!
    Der VDS weiß – besser als Sie, das sich eine Sprache im Laufe der Zeit entwickelt. Das beweisen auch die von Ihnen aufgeführten Leserbriefe – der VDS ist nach vier Seiten offen. Sie sind nach drei Seiten zu! Wir wissen, daß sich eine Sprache kontinuierlich entwickelt und diese Entwicklung kommt in der Regel von unten.
    Wir werden demnächst wieder ein geteiltes Deutschland haben: In allen linken und grünen Bundesländern wird gedenglischt und gegendert auf Teufel komm raus!
    Übrigens war das früher schon so, man kannte ein Bildungsgefälle: CSU-Bayern und CDU-BW hohes Niveau; SPD-NRW, SPD-Niedersachsen und SPD-Hessen niedrig. Wer in Bayern oder BW Angst vor dem Abitur hatte, siedelte schnell nach NRW/Niedersachsen oder Hessen um! Ich bin übrigens kein CDU/CSU-Anhänger! Ich war bis 2009 25 Jahre bei den Grünen und weiß also als „EXPERTE“ wovon ich schreibe!
    So wie man Grüne und linke Städte daran erkennt, daß sie bei Ampeln die Rotphase (vielleicht kommt das von Claudia ROTH?) praktizieren – den größten möglichen Blödsinn aus ökologischer Sicht!
    Ich bin sicher, daß Sie in meinem Texte den ein oder anderen Fehler entdecken. Bevor Sie mir das vorwerfen beachten Sie zum Schluß auch noch dieses hier:
    „…. neben 35 weiteren Linguistinnen und Linguisten auch ich selbst unterzeichnet habe,…“
    Das stimmt nicht – ich habe nachgezählt: es sind 34 + 1 (H. Loblin) – Sie hätten also schreiben müssen „34 weitere …. „ aber so ist das eben. Der Mensch und auch Sie (Experte) machen Fehler!
    Da Sie auch in der Informatik bewandert sind: So einen Text hätten Sie 1975 (mein 2. Einstand in die Informatik) niemals einbringen können! „Linguistinnen“ wäre garantiert gestrichen worden bei 36 KB Speicherplatz auf den damaligen Großrechnern!
    Aber das ist eine andere Sache!
    Ich wünsche Ihnen noch ein langes Leben, damit auch Sie noch die Einsicht erreicht, daß die Mode (egal auf welchem Gebiet) kurze Säume hat!
    gero greb
    PS: Ich habe in meinen Text das eine oder andere so formuliert, daß man auch ein bißchen zum Denken angeregt wird – aber nur so ähnlich wie „Der, die, das …..“

  39. Oh, ein Shitstorm.

    Die doch sehr unterschiedlichen Kommentare belegen eindrucksvoll die im Blog … bitte um Entschuldigung, die im Netztagebuch geäußerten Behauptungen über denVDS. Meine leisen Zweifel, ob da möglicherweise doch etwas übertrieben oder gar falsch dargestellt wurde, sind jedenfalls verschwunden.

    Zu wünschen wäre es, wenn sich jetzt auch der DHV der streitbaren Diskussionskultur (sowohl im VDS als auch hier im Blog) anschließen würde, und sich doch noch dazu entschließen könnte, ihren offenen Brief in seiner eigenen Zeitschrift abzudrucken. Möchte er doch sicherlich verhindern, seine Mitglieder, viele Wissenschaftler, dumm sterben zu lassen.

    Sapere aude.

  40. Bei allem Respekt für Meinungsvielfalt und wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Diskurs:
    Der Versuch des Herrn Lobin, den VDS in die Nähe der Pegida zu rücken und Rechtsextremismus zu unterstellen, ist so sehr “neben der Spur”, dass es nicht lohnt, weiter kommentiert zu werden. In diesem Punkt schließe ich mich u. a. ganz der Äußerung des Herrn Bernd Falk vom 29. 7., insbesondere seinen letzten Zeilen an.
    Eine Hauptursache für Meinungsäußerungen wie die des Artikelschreibers Lobin scheint mir in folgendem zu liegen:
    Er hat offensichtlich keinerlei Kenntnis vom Normalbürger/in und seiner/ihrer Lebenswirklichkeit; zumindest interessiert ihn diese nicht. Die weit überwiegende Mehrheit der Menschen im deutschsprachigen Raum lehnt dieses “Denglisch-Kauderwelsch” ab. Das hat etwas mit Selbstachtung und Selbstwertgefühl zu tun. Das hat aber vor allem auch mit Praktikabilität und Verstehen zu tun. Nehmen Sie mal eine Produktwerbung u. a. der Deutschen Telekom oder – ganz aktuell – von BMW zur Hand: Die Jubiläumspakete werden z. B. beim X 3 mit 9 Zusatzausstattungen angepriesen. 7 davon sind in Denglisch, 2 enthalten noch deutsche Worte. Neben der Tatsache, dass damit die eigene Kultur und Sprache mit Füßen getreten wird; – glaubt wirklich jemand, dass das kundenfreundlich ist?
    Ich halte es für ein großes Versäumnis und finde es ausgesprochen schade, dass der Reichtum und die Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Sprache kaum noch genutzt werden. Beispiel: Als Henry Ford Anfang des letzten Jahrhunderts sein “assembly belt” erfand, wurde es im deutschen Sprachraum nicht einfach stumpf übernommen, sondern im Duden fand sich bald das schöne deutsche Wort “Fließband”. Vergleichbares gilt für “Reißverschluss”, “Fernseher” und viele andere Wörter. Wenn uns diese Bereitschaft – wie seit etwa 25 Jahren zu beobachten – völlig abhanden kommt, dann ist künftig jedes Substantiv für eine Innovation, für eine neue Technik, für neue Verfahren oder für einen Werbeauftritt in Denglisch. Hier ist tatsächlich der Wille der Dax-Vorstände, der Kulturschaffenden und der Werbetexter gefordert.

    Ein Zweites: ich bin zu lange in internationalen Gremien u. a. in der EU und in Osteuropa unterwegs, um feststellen zu können, dass die oben geschilderte Praxis und der Umgang mit der eigenen Sprache und Kultur im Ausland teilweise nur auf Unverständnis und Kopfschütteln stoßen. Gerade Bildungsbürger im mittleren Osten und in Fernost schätzen nicht nur deutsche Exporte und Ingenieurskunst, sondern vor allem die deutsche Sprache und Kultur; sie begreifen nicht, warum wir Deutschen uns das bieten lassen, ja sogar daran mitwirken. Wer argumentiert, die Internationalität und der Kostendruck im Werbebudget zwinge zu dieser Praxis, der schaue sich mal in Frankreich, dem Baltikum, Russland oder Spanien um. Und wenn jemand glaubt, dass wir uns als Wiedergutmachung wegen zweier Weltkriege mit dieser liebedienerischen sprachlichen Anbiederung Sympathie erwerben, der hat sich noch nie mit polnischen oder französischen Kulturträgern unterhalten.
    Man muss es nicht so konsequent handhaben wie die Franzosen beim letzten Weltklimagipfel ist Paris, auf dem selbst jedes kleinste Hinweisschild allein nur in Französisch zu finden war; aber eine Prise von diese Haltung täte uns in den deutschsprachigen Ländern sehr gut.

  41. Der VDS setzt sich für kulturelle Vielfalt ein und richtet sich gegen den anglo-amerikanischen Einheitsbrei. Kultur ist ein schützenswertes Gut und der VDS hat meine volle Unterstützung!

  42. Leeven Här Lobin,

    si tacuisses, philosophus mansisses,

    un noch ne schöne Jroß us Kölle

  43. Als Linguistin bin ich sehr froh, dass endlich ein Kollege mal Stellung zum VdS bezieht. Ich habe mich schon gefragt, ob ich die einzige bin, die die Position des Vereins kritisch sieht.
    Sprache ist nichts, was “bewahrt“ werden müsste noch könnte. Es wird in Deutschland auch niemand “gezwungen“, auf gewisse Art zu sprechen oder zu schreiben. Wenn man bestimmte Anglizismen oder andere sprachliche Phänomene nicht mag, verwendet man sie halt nicht. Damit erschöpft sich aber auch schon der Beitrag, den Einzelpersonen zur Entwicklung einer Sprache leisten können.
    Ich möchte allen VdS-Angehörigen empfehlen, mal in ein Einführungswerk zum Sprachwandel hineinzuschauen. Dann sollte sich einiges klären. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre der Unterschied zwischen Sprachsystem und Sprachgebrauch.
    Ansonsten danke ich dem VdS, dass er mir immer wieder gutes Material liefert, um Studierenden den Unterschied zwischen wissenschaftlichem und populärwissenschaftlichem Argumentieren zu erläutern sowie die feinen Unterschiede zwischen Sprachbeschreibung mit linguistischem (neutralen) Standpunkt im Gegensatz zu sprachwahrendem (voreingenommenen) Standpunkt zu zeigen.

    • Nur um Sie richtig zu verstehen, um welche “Position des Vereins” geht es denn genau? Oder meinen Sie Einzelpositionen von Mitgliedern? Wenn ja, welche?

      Sprache an sich kann in der Tat nicht bewahrt werden, da sie sich ständig weiterentwickelt – oder, wie im Falle der Rechtschreibreform und darauffolgenden -reförmchen – weiterentwickelt wird. Wobei ich letzteres ausdrücklich ablehne.

      Es ist natürlich dennoch blauäugig damit zu argumentieren, niemand sei ja gezwungen auf die eine oder die andere Weise zu sprechen oder zu schreiben. Denn erstens dient Sprache der Verständigung. Es bedarf also schon einer _gemeinsamen_ Grundlage. Und zweitens werden viele Wortübernahmen – und wir sprechen hier nicht von Eindeutschungen, sondern von 1:1-Übernahmen die wie ein Fremdkörper aus jedem deutschen Satz hervorstehen – ohne Not sowohl bei öffentlich finanzierten Unternehmungen benutzt (Girls Day) als auch in der Produktwerbung und in den verschiedenen Medien en masse verwendet. Wir müssen sie also sehr wohl hören und lesen.

      Es gibt im VDS sicher verschiedene Positionen wie grundlegend Wortübernahmen oder sogar Eindeutschungen entgegenzutreten ist. Eine einzelne offizielle Position dazu ist mir nicht bekannt. Ich selbst finde, daß eine Fachsprache durchaus Worte aus anderen Sprachen (auch Englisch) übernehmen darf. Bei Medizinern regt sich doch auch niemand über deren Fachsprache auf, obwohl sie von Altgriechisch und Latein nur so strotzt. Umgangssprache und Fachsprache sind aber zweierlei Dinge. Wie auch Umgangssprache (“Sprachgebrauch”) und Sprachsystem zweierlei Dinge sind.

      Und sie haben ganz recht, daß eine Einzelperson nur wenig ausrichten kann. Der Unterschied zwischen Einzelperson und Verein ist Ihnen aber sicher geläufig?! Man könnte mit etwas Fantasie gar annehmen, der Verein sei als Zusammenschluß geradezu die Antwort auf die Machtlosigkeit des Einzelnen. Aber das ist natürlich der Fantasie der einzelnen Mitdiskutanten überlassen, ob sie eine so abwegige Annahme mittragen möchten.

      Zitat: “Ich möchte allen VdS-Angehörigen empfehlen, mal in ein Einführungswerk zum Sprachwandel hineinzuschauen.”

      Bitte empfehlen Sie doch ein solches! Ich bin sicher nicht das einzige VDS-Mitglied außerhalb der Elfenbeinturmstädte, welches sich ehrlich auch für wissenschaftlich-korrekte Literatur im Themengebiet Sprache interessiert. Und Herr Krämer ist ja zwar Akademiker, jedoch kein Sprachwissenschaftler. Also mithin auch ein Laie aus Ihrer Sicht.

      Zitat: “Ansonsten danke ich dem VdS, dass er mir immer wieder gutes Material liefert, um Studierenden den Unterschied zwischen wissenschaftlichem und populärwissenschaftlichem Argumentieren zu erläutern sowie die feinen Unterschiede zwischen Sprachbeschreibung mit linguistischem (neutralen) Standpunkt im Gegensatz zu sprachwahrendem (voreingenommenen) Standpunkt zu zeigen.”

      Ich schätze so ähnlich hat sich auch der Klerus über den Pöbel (steckt ja in “populärwissenschaftlich”) geäußert, als die Predigten noch auf Latein gehalten wurden. Katholen halten es ja ähnlich mit der Weihe wie Akademiker mit den Nichtwissenschaftlern.

      Sie haben recht, daß der VDS Position bezieht und sich für eine nicht näher(!) definierte Sprachwahrung einsetzt. Anglizismen scheinen es aber vielen VDS-Mitgliedern besonders angetan zu haben. Ich bin da pragmatischer. Für mich steht der praktische Nutzen im Vordergrund. Ich scheue mich also auch nicht von “Servern” zu sprechen, auch wenn man irgendein gestelztes Wort aus der deutsche Bedeutung von “to serve” entlehnen könnte.

      Jedoch verkennen sie auch im letzten Satz wiederum, daß weder der VDS noch seine Vereinszeitung einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, aber sich sehr wohl in Sachen Sprache gesellschaftlich einmischen will. Sie erheben also etwas was empfundene _gesellschaftliche_ Mißstände aufgreift und angreift zu “Populärwissenschaft”, nur um es darnach niederzumachen. Eine schöne argumentative Strohpuppe, welche sie da abfackeln.

      Teilzitat: “[…] die feinen Unterschiede zwischen Sprachbeschreibung mit linguistischem (neutralen) Standpunkt […]”

      Glücklicherweise trank ich zum Zeitpunkt als ich diesen Satz las nicht. Ansonsten hätten meine Bildschirme und mein Rechner jetzt wohl einen veritablen Wasserschaden. Als Linguistin mit neutralem Standpunkt können Sie mir dann sicher erklären, wie es kommt, daß Dänisch, Schwedisch und Norwegisch nicht als Dialektkontinuum gelten, sondern als vermeintliche Einzelsprachen. Mir scheint, daß hier eine gewisse Gesinnungswissenschaft am Werke war; nicht die von Herrn Lobin zuvor noch bemühte “reine Wissenschaft”, auf welche Sie mit der vermeintlichen Neutralität ja anzuspielen zu scheinen.

      Wenn Sie sich ehrlich machen würden, wüßten Sie daß es neutrale Wissenschaft abseits der Mathematik nicht gibt.

      Daß aber ein Wissenschaftler versuchen kann einen weitestgehend neutralen Standpunkt zu bewahren, ist genauso einleuchtend wie die Tatsache, daß man rassistischen Impulsen entgegenwirken kann, sobald man sich klargemacht hat, daß wir Menschen allesamt Rassisten sind. Dennoch findet die Neutralität der Wissenschaft heute oft dort ihre Grenzen wo das Wohlwollen des Geldgebers bei der nächsten Finanzmittelvergabe berührt wird. Wie weit dies bei Sprachwissenschaftlern der Fall ist, weiß ich nicht. Aber in den Naturwissenschaften ist es Usus. Und das obige Beispiel der drei nordgermanischen Sprachen ist für mich zumindest ein Hinweis, daß es mit der ach so gepriesenen Neutralität auch in den Sprachwissenschaften ein Ende hat, wenn politische “Zwänge” berührt sind.

  44. Beim Englisch, das sich seit 1945 im deutschsprachigen Raum ausbreitet, handelt es sich nicht um einen quasi evolutionären Prozess, der Sprachen eigen ist und sich jeweils über lange Zeiträume vollzieht. Ob es sich hier um einen Kotau vor der Siegermacht handelt und/oder die Amerikaner einfach als eben „cool“ empfunden und deshalb nachgeahmt werden, spielt keine Rolle. Als Unternehmer in einem Geschäftsfeld, das von Anglizismen trieft, stelle ich keine sprachliche Entwicklung fest, sondern einen eskalierenden Verdummungsprozess. Wenn Sprachwissenschaftler hier keinen Handlungsbedarf erkennen, mag das an ihrem Auftragsverständnis oder an akademischer Praxisferne liegen. Dass sich aber eine private Institution wie der VDS damit befasst, ist ohne Wenn und Aber zu begrüßen. Die Geisteswissenschaft, zu der die Sprachwissenschaft gehört, wird als Wissenschaft zunehmend in Frage gestellt. Es würde deshalb ihren Vertretern gut anstehen, sich bei ihren kritischen Stellungnahmen nicht aus dem aktuellen Modevokabular der Politik zu bedienen. Ich liebe die deutsche UND die englische Sprache (ich habe Philosophie und Wissenschaftsgesichte in Englisch studiert). Und als Schweizer gehöre ich zur deutschsprachigen Kultur. Deshalb bin ich Mitglied des VDS.

    Werner Kieser

  45. Jetzt sitzen diese fanatischen Dummköpfe – NIE WIEDER DEUTSCHLAND – schon an den Universitäten, nennen sich professores, können sich aber noch nicht einmal klar, jedenfalls nicht in Deutsch, ausdrücken. Päch.

  46. Voltaire wird der nachgesagt, er habe bei entsprechender Gelegenheit den Satz geäußert: “Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.” Hinter diesen Stand zivilisatorischer Entwicklung ist Herr Prof. Login weit zurückgefallen. Vielmehr greift er zum Instrument des Gesinnungsexorzismus gegen Prof. Krämer als Vertreten des VDS. Ich bin nun weder Linguist noch Germanist – als Mediziner habe ich mich lediglich mit Sprachstörungen, also Aphasien, auseinanderzusetzen. Jedoch bei der besonderen Betonung der Wissenschaftlichkeit bzw. Unwissenschaftlichkeit durch Prof. Login kommt mir in den Sinn, dass mir von Homöopathen oft versichert wurde, die Wirksamkeit ihrer sei Pillen wissenschaftlich bewiesen – natürlich ohne Angabe der verwendeten wissenschaftlichen Instrumente. Der Wissenschaftler Login benutzt Begriffe wie Rechtspopulismus, rechter Verein, populistische Auffälligkeit, rechts und links – also Begriffe, die nicht klar definiert sind und sich kaum wissenschaftlich definieren lassen. Zu “links” fallen mir Robespierre und seine Jakobiner, Lenin und Erich Mielke ein. Sie alle hatten keine Probleme teils massenhaft Todesurteile anzuordnen. Zu “rechts” hat sich 1931 Goebbels geäußert: “Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir deutsche Linke! Nichts ist uns verhasster als der rechtsstehende nationale Bürgerblock”. Der Talkmaster Beckmann ließ kürzlich die Katze aus dem Sack als er in einem Gespräch mit Seehofer diesen fragte warum er in letzter Zeit gehäuft den Begriff Vaterland verwendet hätte, der doch typisch für die Rechten sei.
    Bei meinen Auslandsreisen mache ich zunehmend die Erfahrung, dass deutsch im europäischen Ausland bei Informationen und Anweisungen kaum noch verwendet wird: Erst gestern erlebte ich auf den Flughafen Schiphol, Amsterdam, dass eine Maschine, die nach Kiew ging, in russisch (oder ukrainisch) und niederländisch angesagt wurde. Das Flugzeug nach Madrid wurde spanisch und niederländisch angekündigt, bei einer Maschine nach Mailand war es italienisch und niederländisch und bei der Maschine nach Hamburg englisch und niederländisch. Wen wundert es, dass unsere Sprache bei unseren Nachbarn kaum noch wahrgenommen wird, wenn wir sie nicht mehr daran erinnern, dass in Europa fast 100 Millionen Menschen Deutsch als Muttersprache haben. Zu Herrn Krämer und den Mitgliedern der des VDA kann ich nur den Satz wiederholen, den ich kürzlich in einem Pub in Maryport (Cumbria) als Graffito an die Wand geschrieben sah: It is dangerous to be right when those in power are wrong.

    • Hmm, Gesinnungsexorzismus ist ein interessantes Wort.

      Ich halte es aber auch mit dem Spruch von Voltaire. Daher hat meiner Meinung nach auch Herr Lobin es verdient, daß seine Argumente gehört werden. Auch wenn einige ziemlich überspitzt und grenzwertig erscheinen mögen, muß man sich ja nicht in der gleichen Empörungskultur ergehen wie man sie heutzutage oft gesamtgesellschaftlich sieht.

      Ich finde, daß wir den Versuch wagen sollten aufeinander zuzugehen. Den Sprachwissenschaftlern beschert es vielleicht höhere Auflagenzahlen und dem VDS vielleicht mehr Gehör.

  47. Ich bin brasilianer, leb in Deutschland und hab schon öfters artikel gegen die islamophobie verfasst. Und auch wenn ich nich immer linke regierungen gut find, war ich sehr glücklich über die linken regierungen im Brasilien der letzten 20 jahre. Also besonders rechts kann man mich nich nennen, auch wenn ich schon ein mitglid der SS war. Die SS hisz mal SSS – Simplified Spelling Society, 1908 von lords und professoren gegründet, um die englische rechtschreibung zu vereinfachen. Vor nich langer zeit fand der vorsitzende, dass das wort ‘simplified’ nich passend is, und so hisz der verein nur noch SS, the Spelling Society. Jemand muss den vorstand überzeugt haben – das war nachdem ich dort comittee member war – dass das keine so gute idee war, und jetz heisst die organisation TESS, The English Spelling Society.

    In Deutschland bin ich mitglid des DBKV und der Casa do Brasil, zwei vereine, die die brasilianische kultur in München fördern. Und ich bin mitglid des VDS, der die deutsche sprache fördert und die flut an anglizismen bekämpft. Ich gebrauche natürlich anglizismen, galizismen und helenismen, manchmal sogar brasilismen, und das tut praktisch jeder VDS-mitglid, ob er will oder nich – er kann ‘flughafen’ sagen und braucht kein ‘airport’ wenn er deutsch spricht, aber den autohändler wird er wahrscheinlich fragen, ob das auto ein ‘airbag’ hat und nich etwa ein ‘luftkissen’, weil es dann gut möglich is, dass er missverstanden wird.

    Es gibt im verein aggressivere und ruhigere mitglider, es gibt mitglider, deren englisch-intoleranz ser stark is, und widerum andre, deren englisch-toleranz grosz is (wenigstens im vergleich zu den weniger tolerantis). Denen es aber hi und da etwas zuvil wird. Ich gehör zu diser gruppe. Ich unterrichte flüchtlingen deutsch, und eines tages bin ich mit inen in der fuszgängerzone von Stuttgart spaziren gegangen, da gibt es vil zu lesen. Aber die merheit der reklamen, wo mer als nur namen standen, war auf englisch, und ich musste immer sagen, nein nein, das is englisch, das wird nich deutsch ausgesprochen! Ein französischer film lif in eim kino, und er hatte ein englishen titel. In Deutshland. Und das ist inzwischen die regel für jeden film aus dem ausland, teilweise sogar für deutsche filme. Wyrde man so was vergleichbares im (tradizional eher linken) Frankreich machen, wyrden die franzosen die eingerostete gillotine vom keller wieder rausholen.

    Das programm der bundesregierung für ein schnelles deutschlernen der flüchtlinge heisst ‘Early Intervention’. Ein deutschlern-projekt. Ein projekt yber die geschichte der juden in der statt Worms hat weder einen deutschen noch einen jiddischen namen, sondern einen englischen: ‘Jewish Worms’ – sag mal, sind die wirklich so blöd oder sollte das ein wiz sein? Wenn ja, dann werden es viele vielleicht nich verstehen.

    Ich finde zuviel englisch problematisch weil es die fähigkeit der deutschen, wörter zu kombinieren und zu neuen wörtern zu machen, reduziert. Statt sich ein wort auszudenken, ybernimmt der doitsche einfach das englische wort. Und dann importiert man auch die ganzen unregelmäszigkeiten der englischen rechtschreibung. Das A stand im doitschen fyr /a/, jetz stet es auch fyr /E/ wi in happy, /ei/ wi in new age, /I/ wi in ‘image’, /O/ wi in city-call. Ain par ausnamen kann ma lernen, aba je mehr englische wört ins deutsche dringen, desto schwieriger wird die orthografie.

    In diesem verein hab ich shon stimmen gehört, die für den genderismus plädiert haben, aba die meisten sein, glaub ich zumindest, gegen ihn. Ich au, wi eigentli gegen die politishe korrektheit im allgemeinen. I finde, das erste opfer der politishen korrektheit is die warheit. Neger sei swarzis, aba file swarzi, wi tuaregis un tamilis sei kei negris. Sinti un roma sei zigeunis, aba nit alle zigeunis sei sinti un roma, so weni wi all eskimos inuitis sei, so weni wi alle deutshis shwabis sei. Jeman saget da, dat bleibe zu eini übalasset, ob man es so o so sag, dat is aba nit wirkli so. Mei geferta is direktora von a grosze museum in Baden-Württemberg un muss sich mit die reklamatione vo besukis befasse, die meine, es darf nit ‘Die Maler des 16. Jahrhunderts’ in die fanen heiss, es muss ‘Die Malerinnen und Maler des 16. Jahrhunderts’ heissen, bzw. Maler/innen, MalerInnen, Maler_innen, Maler*, MalerX, usw.

    Immahin drucken die Sprachnachrichten artikel von mir auf wunschdeutsch, ultradoitsh, kaudadeutsh – manche zeitung, die sich liberal nenne, tut das nicht…

  48. Herr Lobin äußert sich so, wie diejenigen, die sich ganz toll finden, wenn sie sich in pupertärer
    Weise äußern und die Erwachsenenwelt lächerlich machen können. Aber die die Jugend behält man dadurch nicht. Es können auch andere Motive in den unqualifizierten Aussagen des Herrn Lobin vermutet werden…
    In der ernsthaften Auseinandersetzung mit der Deutschen Sprache bin ich froh, dass es den VDS
    gibt. Als Mahner und Wegweiser ist er unverzichtbar…
    Dank an alle aktiven Mitstreiter.

  49. Es allen recht zu machen, dürfte bislang noch nie jemanden gelungen sein. Auch ist es leicht, sich aus Meinungen einzelner LeserInnen Worte herauszupicken, die nicht unumstritten sind. Mir geht diese scheinheilige Diskussion über das, was wir Deutschen sagen dürfen und was mit der Nazizeit verbunden wird, langsam auf den Senkel. Haben wir keine anderen Sorgen? Mir ist unsere deutsche Sprache wegen ihrer Vielfalt und der Farbigkeit wichtig. In ihr bin ich aufgewachsen, sie gehört zu mir und ich bin froh, dass der VDS die abstrusen Verunglimpfungen unserer Sprache immer wieder anprangert.

  50. Guten Tag Herr Lobin,

    anfangs war ich fassungslos, in welchem Maße Ihr Text vor Ideologie strotzt. Dann sah ich die Universität, die Sie beschäftigt und mir wurden einige Aspekte deutlicher. Immerhin hat diese Universität einen speziellen Ruf.

    Der Versuch andere Meinungen zu diskreditieren in dem Sie sie in einen negativen Bezug setzen, ist genau das, was Sie dem VDS vorwerfen.
    Die von Ihnen aufgegriffenen Leserkommentare des VDS zeigen ganz deutlich, dass der VDS an einem offenen Meinungsaustausch interessiert ist. Dies steht im krassen Gegensatz zu den allgemeinen deutschen Medien, die häufig keine Kommentare mehr zulassen bzw. unliebsame Kommentare löschen. Lernen Sie endlich andere Meinungen zu akzeptieren und bringen Sie das gefälligst auch Ihren Studenten bei!

    Mit bestem Gruß

  51. Hier nur ein kurzer Beitrag zur vermeintlichen politischen Neutralität des VDS: Schaut man in die letzten beiden Hefte, so ist nicht zu verkennen, dass die sprachenpolitische Arbeit des VDS vielfach um Wörter wie „Sprachpatriotismus“ (Heft 70, S. 5), „nationaler Kulturstaat“ (Heft 70, S. 8) oder „Kulturpatriot“ (Heft 70, S. 8) kreist. Quantitative Analysen an großen Textmengen des Deutschen – und zwar Analysen, die jeder auf http://corpora.ids-mannheim.de/ccdb/ nachvollziehen kann – zeigen, dass etwa ein Wort wie „Patriotismus“ sich in ein Umfeld von Wörtern wie „Nationalismus“, „Nationalgefühl“, „Leitkultur“ und „Nationalstolz“ einfügt. Auch ohne große Polemik kann man da schon behaupten, dass wir uns hier im Spektrum rechtskonservativen Sprachgebrauchs bewegen. Und wenn die Flucht von Menschen aus Kriegsgebieten als „Völkerwanderung“ – so der VDS-Vorsitzende in Heft 69, S.2 – bezeichnet wird und so die existenzielle Not von Menschen ins Lächerliche gezogen wird, dann darf sich der VDS über den Vorwurf des Rechtspopulismus nicht wundern.

    • Zitat: “Hier nur ein kurzer Beitrag zur vermeintlichen politischen Neutralität des VDS:”

      Der VDS behauptet keine politische Neutralität, sondern eine Überparteilichkeit. Soll ich das schnell für Sie nachschlagen? Ist nur ein “klitzekleiner” Unterschied.

      Wenn man sich auf gesellschaftlicher Ebene in Sprachpolitik einmischen möchte, ist es auch unsinnig unpolitisch zu sein.

      Die Neigung zu gewissen Begriffen und Themenschwerpunkten ist allerdings in neueren Ausgaben der Vereinszeitung in der Tat sichtbar und wird ja auch offen debattiert.

      Nur, daraus abzuleiten _der_ VDS sei rechtspopulistisch oder ähnliches, wäre ähnlich gewagt wie dem DHV zu unterstellen alle Mitglieder seien in allen Themen einer Meinung oder gar aus Aussagen von Akademikern in den Kommentaren zu Herrn Lobins Blogeintrag auf wenig schmeichelhafte Ansichten über Akademiker im Allgemeinen zu gelangen. Ich mußte auch die Kommentare von Pegidisten und AFDlern lesen. Das allein wird mich jedoch nicht zum Austritt bewegen, da der Verein ja eben überparteilich ist.

      Zitat:” Schaut man in die letzten beiden Hefte, so ist nicht zu verkennen, dass die sprachenpolitische Arbeit des VDS vielfach um Wörter wie „Sprachpatriotismus“ (Heft 70, S. 5), „nationaler Kulturstaat“ (Heft 70, S. 8) oder „Kulturpatriot“ (Heft 70, S. 8) kreist. Quantitative Analysen an großen Textmengen des Deutschen – und zwar Analysen, die jeder auf http://corpora.ids-mannheim.de/ccdb/ nachvollziehen kann – zeigen, dass etwa ein Wort wie „Patriotismus“ sich in ein Umfeld von Wörtern wie „Nationalismus“, „Nationalgefühl“, „Leitkultur“ und „Nationalstolz“ einfügt.”

      Ich könnte Ihnen natürlich jetzt auch einfach tendenziöse Argumentation vorwerfen, weil – aber ich vermute dieses Hintergrundwissen haben Sie in viel weitergehendem Maße als ich – eben nicht das Wort “Patriot” oder “Patriotismus” verwendet wurde, sondern “Sprachpatriotismus” und “Kulturpatriot”. Es handelt sich also um zusammengesetzte Substantive, deren Einzelteile den Ton des Gesagten qualitativ verändern. Man könnte Sprachpatriotismus – auch wenn ich die Wortwahl nicht sonderlich prickelnd finde – nämlich durchaus auch als Übertragung des Konzepts des Patriotismus (Stolz auf die Volkszugehörigkeit und Ausdruck der Verbundenheit) auf den Bereich der Sprachzugehörigkeit sehen. Aber das stünde ihrer – ich vermute einmal “rein wissenschaftlichen und neutralen” – Argumentation natürlich diametral entgegen.

      Zitat: “Und wenn die Flucht von Menschen aus Kriegsgebieten als „Völkerwanderung“ – so der VDS-Vorsitzende in Heft 69, S.2 – bezeichnet wird und so die existenzielle Not von Menschen ins Lächerliche gezogen wird, dann darf sich der VDS über den Vorwurf des Rechtspopulismus nicht wundern.”

      Bitte erleuchten Sie uns doch, inwieweit der Begriff Völkerwanderung die Not von Menschen ins Lächerliche zieht und nicht etwa vor allem auf die schiere Menge von Menschen aufmerksam macht? Vielleicht könnten Sie dann auch noch darauf eingehen inwieweit der Begriff, dem ja geschichtliche Fluchtbewegungen vor den Mongolen und Hunnen zugrunde liegen, nicht auch im geschichtlichen, also ursprünglichen, Zusammenhang mit existentieller Not von Menschen konnotiert ist?

      Würde mich wirklich interessieren. Oder ist es vielleicht so, daß es sich hier um einen Reflex handelt, wie ihn Herr Lobin blanko uns VDS-Mitgliedern bescheinigt, nur weil sich der Wortteil “Volk-” in Völkerwanderung findet?

      Persönlich halte ich es mit Schopenhauer in Sachen Patriotismus (also des Ursprungsbegriffs), Zitat:

      Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz seyn könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu seyn.

      • „Völkerwanderung“ ist ein Wort, das heutzutage oft keinen Bezug mehr zu den spätantiken Wanderungsprozessen herstellt, sondern gerne in Kontexten verwendet wird wie in „[…] die reinste Völkerwanderung pilgerte bei herrlichem Herbstwetter zur Ruine […]“ oder in „[…] Minuten später war bereits wieder eine fröhliche Völkerwanderung im Gange […]“ oder in vielen anderen Beispielen, die Sie ergoogeln können. Man kann immer zwischen sehr, sehr vielen Möglichkeiten wählen, ein Geschehen zu bezeichnen. Ich kann sagen „Flucht aus Kriegsgebieten“ oder „Völkerwanderung“. Und diese Wahl macht einen Unterschied – und zwar einen politischen.

        • Zitat: “„Völkerwanderung“ ist ein Wort, das heutzutage oft keinen Bezug mehr zu den spätantiken Wanderungsprozessen herstellt, sondern gerne in Kontexten verwendet wird wie in „[…] die reinste Völkerwanderung pilgerte bei herrlichem Herbstwetter zur Ruine […]“ oder in „[…] Minuten später war bereits wieder eine fröhliche Völkerwanderung im Gange […]“ oder in vielen anderen Beispielen, die Sie ergoogeln können.”

          Ich vermute Sie haben irgendeine bestimmte Nebenbedeutung im Sinn. Warum können Sie diese nicht frei raus sagen/schreiben?

          Ich googele übrigens nicht. Und das liegt weniger an dem wenigstens ordentlich eingedeutschten Wort, sondern daran daß mir meine Privatsphäre lieb ist. Ich benutze andere Suchmaschinen und selbst wenn ich Google benutzen würde, wären meine Suchergebnisse nicht die gleichen wie Ihre.

          Ihr erstes Beispiel erinnert ein wenig an Goethes Beschreibung im Osterspaziergang. Falls das zweite aus dem gleichen Text entstammt, könnte man einen spöttelnden Unterton vermuten. Sonderlich vielsagend sind diese Zitate nicht. Weder in bezug auf die Bedeutung welche Sie dem Wort scheinbar zuschreiben oder zuschreiben wollen, noch in bezug auf die Weltanschauung des Redners/Schreibers.

          Die Frage ist nun die: egal welchem Kontext ihre Zitate entstammen, was genau hat dies mit dem Wort und seiner ursprünglichen Bedeutung – die jedem Leser mit Geschichtswissen größer dem einer Scheibe Brot geläufig sein sollte – zu tun? Ich nehme einmal an, daß die Zitate irgendeinem braunen Umfeld entstammen, wie Sie ja schon in Ihrem Kommentar eingangs andeuteten.

          Wollen Sie etwa andeuten, daß nur weil bestimmte unliebige Gruppen Worte meiner Muttersprache benutzen, ich diesen jene Worte kampflos überlassen und von einer weiteren Nutzung dieser Worte absehen sollte?

          Es gibt bereits genügend Worte die Deutschsprecher unwiederbringlich an braune Gesellen abgetreten haben. Jedes weitere abgetretene Wort käme einer Kapitulation gleich.

          Zitat: “Man kann immer zwischen sehr, sehr vielen Möglichkeiten wählen, ein Geschehen zu bezeichnen. Ich kann sagen „Flucht aus Kriegsgebieten“ oder „Völkerwanderung“. Und diese Wahl macht einen Unterschied – und zwar einen politischen.”

          Welchen _politischen_ Unterschied macht es denn? Nochmals, für mich ist die einzige erkennbare Nebenbedeutung in dem zitierten Zusammenhang – auch nachdem ich nachgelesen habe – daß es sich um eine bemerkenswert große Fluchtbewegung handelt.

          • Viele Wörter neigen dazu, im Laufe der Zeit Konnotationen an sich zu binden, also emotionale, bewertende Nebenbedeutungen. Nach meinem Sprachgefühl ist das Wort „Völkerwanderung“ mittlerweile mit Konnotationen verbunden, die es mit etwas Lustigem, Amüsiertem aufladen. Das Sprachgefühl habe ich gerade mal versucht, ein bisschen wissenschaftlicher zu fundieren. Ich habe aus einer großen elektronischen Sammlung von Zeitungen aller Art 100 Beispielsätze für „Völkerwanderung“ per Zufallsauswahl extrahiert und diese ausgewertet: 51mal wird „Völkerwanderung“ dort im Zusammenhang mit Festveranstaltungen, Freizeitaktivitäten und Sportereignissen verwendet oder in ironisierender Weise. 20 Belege nehmen auf die historischen Völkerwanderungen Bezug, 29 auf andere Bewegungen großer Menschengruppen. Mit meinem „Sprachgefühl“ lag ich also nicht so ganz daneben.
            Und wenn man in einem auch ansonsten etwas ironisierenden Text (Flüchtlingsaufnahme als „Großexperiment“) ein Wort wie „Völkerwanderung“ mit den geschilderten Konnotationen (Freizeit, Fun und Wochenendausflug) im Hintergrund kommentar- und einschränkungslos zur Bezeichnung einer Flucht aus dem Krieg verwendet, dann – so hatte ich geschrieben – zieht man „die existenzielle Not von Menschen ins Lächerliche“. Und wie gesagt: Man hätte auch „Flucht aus Kriegsgebieten“ sagen können. Der Ausdruck hat keine solchen Konnotationen. Warum also hat der VDS- Vorsitzende das nicht getan?

          • Aus meiner Lebenswirklichkeit heraus kann ich sagen, daß ich das Wort Völkerwanderung noch nie in einem lustigen, amüsierten oder amüsierenden Zusammenhang gehört habe. Auch wenn ich es in den obigen Sätzen aus dem Sinnzusammenhang her als “Menschenansammlung in Bewegung” erfaßte, konnte ich – wie Sie vielleicht auch an meiner Replik ersehen können – nicht den Sinnzusammenhang lustig oder amüsiert herstellen. Daher meine Vermutung eines “braunen” Zusammenhangs. Deshalb erst einmal Danke für Ihre Antwort.

            Warum er es nicht tat, kann ich nicht sagen. Das müßten Sie ihn schon selbst fragen. Als Statistiker kann er sicher auch zu den Verteilungen Stellung beziehen, welche Sie nannten.

            Der Duden kennt die von Ihnen genannte Bedeutung übrigens nicht. Einzig die Verkürzung auf “Wanderung, Bewegung, Zug einer Masse von Menschen” ist als Zweitbedeutung angegeben. Das entspricht dann aber wieder eher meiner Lesart von Herrn Krämers Kommentar.

            http://www.duden.de/rechtschreibung/Voelkerwanderung

            Mir stellt sich also umgekehrt die Frage wie Sie auf die – zumindest aus meinem Ermessen – abwegigere Bedeutung kommen, die noch nicht einmal eine Erwähnung im Duden findet? Man könnte ja auch die Lesart annehmen, die im Zusammenhang am wenigsten kontrovers wäre.

            Es wäre nun auch interessant zu wissen ob dies einer hauptsächlich regionalen Benutzung des Wortes in dieser Bedeutung geschuldet ist. Die Verteilung auf bestimmte Bedeutungen, welche Sie zitierten, sagt nämlich erst einmal herzlich wenig über die geographische Verteilung der Nutzung in den einzelnen Bedeutungen aus. Semmeln bekommen sie auch sowohl in Berlin als auch in Bayern, aber Sie kaufen jeweils doch etwas verschiedenes. Beispielsweise könnte es nur in jenen Regionen benutzt werden in welchen Karneval/Fastnacht gefeiert wird. Oder beispielsweise begrenzt auf einen bestimmten Sprachraum (bspw. Alpen). Denn außer in Bezugnahme auf die geschichtlichen Völkerwanderungen ist mir der Begriff noch nie untergekommen. Vielleicht liegt es auch einfach daran, daß ich Menschenansammlungen wie Feiern (und entsprechend Werbung dafür und Berichterstattung darüber) eher meide?!

            Ich stelle mir also nun vor, ich hätte ähnliches geschrieben. Dann würde ich von Ihnen gleich in dieselbe braune Schublade gesteckt, obwohl ich nie eine andere Bedeutung als jene in Bezugnahme auf die historischen Völkerwanderungen erlebt habe. Kurzum, sie würden mir eine böse Absicht unterstellen, welche ich nie hatte. Bei Herrn Krämer könnte es sich genauso verhalten, oder er schrieb es mit Kalkül und um die von Ihnen zitierte Bedeutung wissend. Beantworten können wird nur er das.

            Sie verstehen nun sicher besser, wieso es sich bis zu Ihrer Replik meinem Verständnis entzog, daß das Wort Völkerwanderung in irgendeiner Weise anrüchig sein könnte.

  52. Sehr geehrter Herr Prof. Lobin,

    beachten Sie bitte, dass wir im VDS nicht ausschließlich Sprachwissenschaftler sind. Ich als Naturwissenschaftler bin klare Definitionen und logische Argumentationsketten gewohnt und kann daher mit Ihrem Text wenig anfangen. Vielleicht versuchen Sie nochmal in wenigen klaren Sätzen auszudrücken, was gegen den VDS als Verein in der Bundesrepublik Deutschland vorzubringen ist.

    Mit freundlichen Grüßen

  53. Sehr geehrter Herr Lobin,
    wenn Sie behaupten, daß der VDS seine Identität durch die Kritik an der angeblichen Anglizismenflut im Deutschen bezieht, ist das Unsinn.

    Es geht um das Lesevergnügen, welches uns das Tor zum Fantasie- und Denkvergnügen öffnet. Wenn Sie die Sprachnachrichten lesen würden, könnten Sie sich überzeugen, daß der VDS sich dabei nicht auf das Deutsche beschränkt.

    Leider stockt das Lesevergnügen, wenn der Schreiber Jargon oder z.B. englische oder englisch-deutsche Worte benutzt, mit denen er unaufregende Normalität oder ein Nichts oder sich selbst aufbläst. Die Steigerung ist, wenn erkennbar wird, daß der Schreiber des Deutschen und z.B. des Englischen nicht so ganz mächtig ist.

    Unredlich sind Sie, wenn Sie sich aus den Leserbriefen der Sprachnachrichten sich Klingelwörter heraussuchen, die Sie sich dann als Grundlage für Ihre Geringschätzung zurechtlegen. Sie machen sich als scheinbar wohlwollender Warner vor abdriften, Pegida, radikalisieren und sprachlich befeuertem Nationalmus wichtig – na ja, eher lächerlich.

    Ein bißchen Respekt vor Wolf Schneider täte auch Ihren Werken gut: Wolf Schneider zeigt seit über 50 Jahren, daß er es kann. Antiwissenschaftlichkeit und Unfug sollten sie Ihm besser nicht vorwerfen – die meisten VDS-Mitglieder und Sprachnachrichten-Leser kennen aus eigener Anschauung und Erleben die Leere hinter ihrem vermeintlichen Trumpf “Wissenschaft”.

    Ulrich Viebahn, Gießen

  54. Herr Niehr baut mangels sachlichen Argumenten einen Popanz auf, den er dann abwatschen kann: Der VDS verlangt keineswegs die “politisch bewusste Wissenschaft”, schon gar nicht die “einer bestimmten Couleur”. Er fordert nur zu Recht, dass die Linguisten die Sprache nicht nur beschreiben und damit jeden Quark akzeptabel machen, sondern dass sie auch sinnvolle, sprachliche [nicht politische] Normen setzen, die der Verständlichkeit, der Praktikabilität und der Fortentwicklung unserer Sprache dienen. Gerade die Linguisten sollten doch wissen, welche Bedeutung eine gute Sprache hat!

    • Mir gefiel dazu die Analogie von Kaepsele:

      Als Analogie wäre für mich passender zu sagen:
      „Wie wenn man einer Fachzeitschrift für Biologie eine Broschüre zum Artenschutzes beilegen würde“. Die Biologie ist die Wissenschaft, die den gegenwärtigen Zustand und die Entwicklung der Arten beschreibt; der Artenschutz eine nicht-wissenschaftliche, ideologische Sache. Beides muss sich nicht ausschließen – auch ein Forscher kann sich privat für den Erhalt der Arten einsetzen.

  55. Entgegnung auf die Kommentare von VDS-Mitgliedern

    Es ist eher ungewöhnlich, in einem Blog auf eine ganze Gruppe von Kommentaren zugleich zu antworten, aber besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Der besondere Umstand wurde ja durch die Mail von Herrn Krämer am Freitag Vormittag hervorgerufen, in der er von seiner Dienstadresse dazu aufruft, „den Verleumdern“ auf ihre „große Verleumdungskampagne“ zu antworten. Das nennt man – nun, ich sage es mal ohne den derzeit gebräuchlichen Anglizismus – ein Exkrementegewitter (der in dem Anglizismus-Index Ihres Vereins genannte Begriff „Empörungswelle“ trifft die mit dem Original verbundenen Assoziationen nicht), und das haben Sie, nach Aufforderung Ihres Vorsitzenden, tatsächlich ausgelöst, in Kommentaren und auch in direkt an mich gerichteten Emails. Zumindest ein Mitglied hat dieses Vorgehen zum sofortigen Austritt bewogen und mir die an den Vorsitzenden gerichtete Austrittserklärung per Durchschrift zukommen lassen. Um so erfreulicher finde ich es, dass selbst in dieser aufgeheizten Situation einige der Zuschriften sachlich, ja nachdenklich ausgefallen sind, und für diese besonnenen, wenn auch kritischen Kommentare und Mails, danke ich ganz besonders – die, die es betrifft, werden wissen, dass sie gemeint sind.

    Ich kann Ihnen zwei Dinge attestieren: Ihre Reflexe sind hervorragend ausgebildet, die Kompetenz in Sachen Textverständnis lässt allerdings zu wünschen übrig. Reflexhaft werden mir in manchen Kommentaren, abgesehen von ganz direkten Beleidigungen, eine linke Gesinnung, Deutschlandfeindlichkeit, eine fragwürdige Universität, Intoleranz, Lebensferne und weitere schreckliche Dinge vorgeworfen. Darauf will ich nur antworten: So einfach ist es nicht, die Welt ist heute doch etwas komplexer, um mit derartig simplen Dreisatz-Rechnungen die “Gesinnung” von jemandem bestimmen zu können. Ein zweiter Reflex, der auch gut zu beobachten war, ist möglicherweise schon länger eingeübt: Nämlich der, Beispiele für Anglizismen und die Verwendung des Englischen, für „Gendersprache“ oder Situationen, in denen das Deutsche verdrängt wird, aufzuführen. Wie Sie bei nochmaliger Lektüre meines Blog-Beitrags feststellen werden, habe ich zu all diesen Punkten überhaupt nichts gesagt und meine Meinung dazu überhaupt nicht geäußert. Was für eine Meinung ich zu diesen Fragen habe, können Sie also gar nicht wissen, und Sie können erst recht nicht wissen, ob ich sie für wichtig oder unwichtig halte.

    Und damit komme ich zum zweiten Punkt meiner Diagnose: dem Textverständnis. Der Blog-Beitrag hat sich ja gar nicht in erster Linie mit dem VDS befasst, sondern mit einer Beilage Ihres Vereins in der Zeitschrift „Forschung & Lehre“ des Deutschen Hochschulverbands. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle versichern, dass mir Ihr Verein eigentlich ziemlich egal ist, solange ich nichts weiter mit ihm zu tun habe. Hätten der ADAC-Mitgliedszeitschrift „Motorwelt“ Ihre „Sprachnachrichten“ zur Mitgliederwerbung beigelegen, hätte es sicherlich keinen offenen Brief und keinen Blog-Beitrag gegeben. Nun ist es allerdings so, dass meine Kollegen und ich uns mit dem VDS auseinandersetzen mussten, weil ein Verein, dessen Mitglieder wir alle sind, sich unserer Meinung nach allein durch Ihre Maßnahme zur Mitgliederwerbung in einen unauflöslichen Konflikt begibt. Dieser Konflikt hat etwas mit „Wissenschaftlichkeit“ zu tun, da unser Verein, der Deutsche Hochschulverband, sich als eine wissenschaftliche Interessenorganisation versteht. Die Kernpunkte meines Beitrags und des offenen Briefs drehen sich genau um diese Frage, und mein Blog ist Teil eines Wissenschaftsportals. Wenn Sie uns also vorwerfen, mit unserer Wissenschaftlichkeit die Interessen der normalen Sprecher des Deutschen auf arrogante, typisch akademische Weise zu missachten, dann können Sie das gerne tun – nur das genau an dieser Stelle und aus diesem Anlass zu tun, ist offenkundig fehl am Platze.

    Weil sich nun einmal der Text darum dreht, ob die Redaktion von „Forschung & Lehre“ richtig gehandelt hat, als man dort Ihr Mitteilungsblatt als Anzeigenbeilage zugelassen hat, und was man in der Redaktion als Indikator hätte heranziehen können, dass das vielleicht doch keine so gute Idee wäre, unterziehe ich in meinem Beitrag genau die Informationsquelle einer genaueren Sichtung, die eben diese Redaktion in der Hand hatte: Ihre „Sprachnachrichten Nr. 70“. Genauso wie die anderen Unterzeichner des offenen Briefs interessiere mich gar nicht dafür, Sie womöglich von Ihren Positionen abzubringen – die Schlachten sind ja längst geschlagen. Vielleicht müssen immer wieder mal die unterschiedlichen Auffassungen deutlich gemacht werden, aber da wir uns überhaupt nicht an Sie gerichtet haben, ist das auch nicht erfolgt. Wenn Sie etwas zu den Argumenten lesen wollen, warum die allermeisten Linguistinnen und Linguisten die Positionen des VDS zumindest in ihren Begründungen nicht für tragbar halten, kann ich Sie auf eine Art Übersichtsartikel von Thomas Niehr verweisen, der zwar inzwischen schon 14 Jahre alt ist, aber kaum etwas an Aktualität eingebüßt hat. Auch bei den Scilogs, wo Sie dankenswerterweise Herr Krämer mit seiner Mail am Freitag hingelotst hat (sehen Sie sich mal um auf diesem Blog-Portal, Sie werden viele sehr gute Blogs von namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern finden, die auch noch gut schreiben können – mich natürlich ausgenommen), hat es zwischen 2010 und 2012 den inzwischen umgezogenen „Sprachlog“ gegeben, in dem Anatol Stefanowitsch sich in vielen Beiträgen mit Positionen Ihres Vereins auseinandergesetzt hat. Hier finden Sie einen Link auf alle Artikel dieses Blogs, in denen irgendwo das Akronym „VDS“ vorkommt.

    Da mir die vielen Zuschriften von Ihnen ein lebendiges Bild vermittelt haben, woran Sie denken, wenn Sie „Sprachpflege“ meinen, will ich nur zwei Punkte inhaltlich kurz herausgreifen. Punkt eins: Wenn es um den Einfluss des Englischen geht, muss man Anglizismen von der Verwendung der englischen Sprache unterscheiden. Das geschieht aber in Ihren Kommentaren nicht, jedenfalls für mich nicht erkennbar. Anglizismen kann man, wenn man es will, mit Ihrem Anglizismen-Index begegnen und darauf dringen, dass etwa in der öffentlichen Verwaltung ein bestimmtes Anglizismen-freies Deutsch verwendet wird. Das ist ein politisches Anliegen, das Sie gern mit Ihrem Verein verfolgen können. Etwas ganz anderes hingegen ist die Verwendung der englischen Sprache innerhalb des deutschen Sprachraums. Wenn hier also Firmen ihre, äh, Werbeslogans auf Englisch formulieren oder Filmtitel, wie eine Kommentatorin an einer Vielzahl von Beispielen belegt, gar nicht mehr ins Deutsche übersetzt werden, dann ist das ein soziolinguistisches Problem, also ein Problem, das sich mit der Frage verbindet, wer sich was von der Verwendung unter welchen Voraussetzungen verspricht, und dem kann man nicht mit Wortlisten oder per Gesetzgebung beikommen. Nur nebenbei: Das Englische ist übrigens die Sprache, die sich am allermeisten durch die Übernahme von Wörtern aus anderen Sprachen verändert hat, und zwar über Jahrhunderte. Das Angelsächsische des fünften Jahrhunderts ist nacheinander mit dem spätantiken Latein, dem Dänischen bzw. Nordischen, dem normannischen Französisch, dem humanistischen Latein und dem barocken Französisch aufgeladen worden, weshalb es heute eine der, vermutlich die Sprache mit der größten Zahl an lexikalisierten Worteinheiten darstellt. Dies nur als ein Fun Fact am Rande.

    Ein zweiter Punkt, den ich erwähnen will, betrifft einen offenkundigen Widerspruch. Es wird an vielen Stellen in den Veröffentlichungen Ihres Vereins, aber auch in vielen Kommentaren, gefordert, dass die Sprachbetrachtung nicht nur deskriptiv, sondern auch normativ bzw. normierend zu erfolgen habe. Für die Wissenschaft ist dazu festzustellen, dass die deskriptive, empirische, also an den Daten und Fakten orientierte Darstellung eines Gegenstands überhaupt die Grundlage einer jeden Wissenschaft darstellt, weil dabei oftmals ganz andere Ergebnisse zutage treten, als man aufgrund von Eindrücken zuvor vermutet hat. Im Übrigen besteht die Hauptaufgabe der akademischen Germanistik darin, zukünftige Deutschlehrerinnen und –lehrer auszubilden, und Deutschlehrer greifen, wie Sie wissen, durchaus normativ in die sprachliche Entwicklung der Schüler ein. Das ist u.a. Gegenstand der Deutschdidaktik, die einen wichtigen Teilbereich der Germanistik darstellt. Aber das ist gar nicht der Widerspruch, um den es mir geht. Vielmehr fällt mir auf, dass Sie immer dann, wenn es um „Gendersprache“ (Ihr Wort) geht, Sie die komplett gegenteilige Position vertreten. Was mit den Bemühungen um eine „gendersensible Sprache“ nämlich gerade geschieht, ist der Versuch, normierend auf die Sprachverwendung einzuwirken. Die Initiativen, die in diese Richtung zielen, sind also hochgradig normativ angelegt, woran sich ja gerade viele von Ihnen stören. Wenn Sie also bezüglich dieser Bemühungen so argumentieren, wie beispielsweise Heinz-Dieter Pohl es tut (der mir sogar einen ganzen selbst geschriebenen Aufsatz darüber zugeschickt hat), dass es nämlich, was ja zutrifft, im Deutschen das generische Maskulinum gibt, das in vielen Fällen beide Geschlechter meint oder meinen kann, dann ist das eine zutiefst deskriptive Argumentation. Hü oder hott, deskriptiv bei Gendersprache und normativ bei Anglizismen – Sie müssen sich schon entscheiden. Mal dies, mal das funktioniert nicht.

    Ich komme zum Schluss und wende mich noch einmal an die „Wohlmeinenden“ unter Ihnen, die sich als VDS-Mitglieder für die deutsche Sprache interessieren und dies nicht mit einem politischen Anliegen verbinden. Leider ist es so, dass einige Zuschriften die in meinem Blog-Beitrag weniger diagnostizierten, als vielmehr aus den „Sprachnachrichten“ durch Zitate abgeleiteten Befürchtungen eben auch bestätigen. Wenn etwa in einigen Kommentaren und eher beleidigenden, anonymisierten Mails, die mir zugegangen sind, gefragt wird, was denn an Pegida so schlimm sei, das sei doch eine ganz prima Volksbewegung und der VDS passe sehr gut dazu, oder wenn von einem “Bundeskanzler Björn Höcke” phantasiert wird, der die deutsche Sprache endlich als Staatsziel ins Grundgesetz aufnehmen wird, dann scheint mir der zugegeben provokante Begriff „Sprach-Pegida“ keineswegs völlig überzogen zu sein. In einer Mail heißt es dazu:
    „Ich möchte in keiner Weise auch nur in die Nähe dieses widerlichen, rechten Packs gerückt werden, das im Artikel mit PEGIDA und AFD beschrieben wird. Meiner Meinung nach ist der Verein Deutsche Sprache e.V. auf dem besten Weg, zum ‚Sprachrohr‘ dieser von dümmlicher Deutschtümelei und lachhaftem Patriotismus geprägten Vereinigungen zu werden, da die klare Abgrenzung von nationalistischem Gedankengut eindeutig und – wahrscheinlich sogar – wissentlich nicht gezogen wird.“
    Mit dieser Einschätzung aus der Mitte Ihres Vereins werden Sie sich auseinandersetzen müssen.

    Damit ist von meiner Seite alles gesagt. Weitere Stellungnahmen werde ich einstweilen nicht abgeben. Ich behalte mir vor, zukünftig beleidigende, unsachliche oder nicht weiterführende Kommentare zu löschen.

    • Verletzt der ADAC nicht auch immer wieder die Maßstäbe der Wissenschaftlichkeit bei gewissen Studien, erhebt aber gleichzeitig auch keinen Anspruch darauf überhaupt wissenschaftlich zu arbeiten? Ganz einfach weil er sich wie der VDS auch einer gesellschaftlichen Sache und keiner wissenschaftlich korrekten Arbeitsweise verschrieben hat?! Der Verein (sowohl ADAC als auch VDS) ist ja auch Vertreter einer Sache hinter welche sich die Mitglieder durch Beitritt stellen.

      Das Problem ist doch wohl eher, daß das Themengebiet des VDS und das der Sprachwissenschaftler eben gewisse Reibungspunkte bieten. Daher hat sich eine Gruppe von DHV-Mitgliedern bemüßigt gesehen einen offenen Brief und Sie diesen Blogbeitrag zu schreiben.

      Vielleicht würde sich ein Vertreter aus den Umweltwissenschaften von der “Motorwelt” ähnlich angegriffen fühlen, je nachdem ob sein Interesse rein wissenschaftlich ist oder nicht?! Das zeigt übrigens vor allem daß die Analogie von Kaepsele eine sehr gut gewählte ist. Wenn Sie einem Biologenverband in deren Publikation eine Broschüre eines Vereins zum Artenschutz beilegten, mag sich auch mancher Biologe über unwissenschaftliche Behauptungen aus der Broschüre ereifern.

      Kurzum: hier ist es einfach nur so, daß durch die Wahl der Vereinszeitung und die Themenüberschneidung Reibungspunkte mit Sprachwissenschaftlern offen zutage traten. Sicher gibt es ähnliche Reibungspunkte auch seitens anderer Wissenschaftler auf anderen Fachgebieten, schaut man nur genau genug hin.

      Ihre Kollegin “B. S.” erwähnte es ja bereits weiter oben. Sprachgebrauch ist nicht das gleiche wie Sprachsystem. Vielleicht ist es Ihnen deshalb nicht aufgefallen, daß bestimmte grenzwertige Aussagen Ihrerseits durchaus als beleidigend angesehen werden könnten. Auch das Foto und der Titel geben ja einen gewissen Ton vor. Und wenn man dies nun in den Zusammenhang Ihrer Argumentation stellt, fragt man sich schon ob der rhetorische rechtsaußen Haken nicht vielleicht Absicht war. Einfach um einer Diskussion auf Sachebene auszuweichen.

      Aber auch mir haben einige der Kommentare gezeigt, daß ich einige Vereinsmitglieder politisch gesehen eher zu meinen Gegnern zählen würde. Solange sich aber die Arbeit des Vereins auf der Sachebene nicht davon beeinflussen läßt, werde ich auch weiter Mitglied des VDS bleiben. Reflexartig auszutreten, weil mir Einzelmeinungen nicht gefallen, scheint mir nichts anderes als die kleine Schwester der gesamtgesellschaftlichen Empörungskultur zu sein, welche man auch und gerade bei Pegidisten und AfDlern sehr ausgeprägt wahrnimmt.

      Auch, Zitat: “Wenn Sie uns also vorwerfen, mit unserer Wissenschaftlichkeit die Interessen der normalen Sprecher des Deutschen auf arrogante, typisch akademische Weise zu missachten, dann können Sie das gerne tun – nur das genau an dieser Stelle und aus diesem Anlass zu tun, ist offenkundig fehl am Platze.”

      … dieser Standpunkt zieht nicht. Da Sie sich mit einer eindeutig politisch gefärbten Argumentation eben nicht mehr auf dem vermeintlich (s.o.) neutralen Territorium der wissenschaftlichen Argumentation befinden. Sie haben in Ihrem Blog ohne Frage das Hausrecht, aber argumentativ nicht die Deutungshoheit, wenn Sie den Bereich rein wissenschaftlicher Argumentation verlassen. Oder würden Sie sagen, daß Ihr Beitrag als reine Wissenschaft durchgehen würde? Immerhin ist der Blogeintrag _mindestens_ wertend.

      Zitat: “Es wird an vielen Stellen in den Veröffentlichungen Ihres Vereins, aber auch in vielen Kommentaren, gefordert, dass die Sprachbetrachtung nicht nur deskriptiv, sondern auch normativ bzw. normierend zu erfolgen habe.”

      Arterhaltung ist auch nicht deskriptiv sondern normativ. Daß dies auch keine Aufgabe von Wissenschaftlern ist, ist ohne Frage richtig. Allenfalls sollten Wissenschaftler in Gremien den aktuellen Stand ihres Fachgebietes, eine Entscheidung betreffend, darlegen können. Sofern sie der “reinen Wissenschaft” verschrieben sind, haben sie sich mit Meinungen zurückzuhalten.

      Ich kann aber diese fehlgeleitete Forderung (fehlgeleitet ist ja nur die Adresse, nicht das Ansinnen) verstehen, da die Germanistik ja Teil der Lehrerausbildung ist, wie Sie auch selbst schreiben, und damit einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die Berufsausübung der Lehrer hat. Also trägt man sein Anliegen an die Germanisten heran, denn die könnten nun einmal den gewünschten Einfluß haben.

      Ihre Argumentation zur Gendersprache kann ich nicht ganz nachvollziehen. Einerseits unterstellen Sie hier den jeweiligen Debattenteilnehmern geradezu die Wissenschaftlichkeit (deskriptiv) welche Sie zuvor noch dem Verein insgesamt abgesprochen haben, andererseits behaupten Sie die Argumentation sei rein deskriptiv. Das ist jedoch nicht der Fall. Es gibt schon einen normativen Anteil, welcher mit dem deskriptiven Teil begründet wird. Normativ sind die Forderungen, deskriptiv die Begründungen. Natürlich ist “normativ” hier zuviel gesagt. Schließlich ist der VDS kein Teil der Legislative. Aber die Forderungen zielen schon auf normative Regelungen ab.

      Daß die Beschreibung bei anderen Themen nicht Ihren Ansprüchen an wissenschaftliches Arbeiten genügt, habe ich ja bereits zuvor verstanden.

    • Geehrter Professor Hennig Lobin
      Ihr Anspruch auf Deutungshoheit in der Beurteilung der Arbeit des VDS , Dortmund ist schon beachtlich . So , wie Sie die Sache angehen ,ist zu erkennen , dass Ihnen der Boden bezüglich des linguistischen Anspruchs von 100 Mio Deutschsprechern unter den Füßen verloren gegangen ist . Der medienkulturelle Wandel durch Digitalisierung impliziert nicht automatisch einen latent- fortschreitenden Abbau des Sektors Sprachidentität . Es ist schade , dass Sie diese Nahtstelle Ihrer Verantwortung wohl nicht im Blick haben . Es tut gut , hier festzustellen , dass der VDS , Dortmund nun ” Ihre Ebene ” erreicht hat . Ihre Empfehlung , die “Sprachnachrichten ” des VDS zudem im Stile von Apartheid nicht mehr als Beilage zu Ihrer Zeitschrift ” Forschung und Lehre ” führen zu sollen , ist so bemerkenswert , wie die Beschwörung des
      Pegida – Geistes .
      Sehen Sie sich unsere Sprachkultur an : 7700 Anglizismen , z. T. ohne Not , Geschäftsreklamen , komplett auf Englisch , bei uns . Ist das normal ? Wollen Sie mit zum Totengräber unserer Sprache werden ?

      • Zunächst zwei Korrekturen: 1. Mein Vorname lautet “Henning”, nicht “Hennig”; 2. Die “Sprachnachrichten” waren einmalig als Werbeaktion der F&L beigelegt worden, dies sollte keineswegs fortlaufend geschehen. Trotzdem haben wir uns dagegen gewandt; 3. Der Begriff “Apartheid” bedeutet etwas anderes. Ende der Korrekturen.
        Ihr Kommentar ist sehr typisch für viele weitere Kommentare, die sich nicht mit dem auseinandersetzen, worum es in dem Blog-Beitrag geht. Ich verweise Sie erneut auf meine Antwort auf die Zuschriften von VDS-Mitgliedern.

        • Antwort zu Ihrer Stellungname zu meinem Kommentar vom 04.08.2016 :
          Mit Ihrer Bewertung speziell der VDS – Mitglieder – Kommentare –
          ” meine Antwort ” – zum einen und Ihrer Einstellung zum VDS , Dortmund , im besonderen , haben Sie mittlerweile sehr wohl ” kräftig hingelangt ” : Wissenschaftsfeindlichkeit dem VDS unterstellt , Zweifel an der Kompetenz seines Wissenschaftlichen Beirates , Thema : Grammatik- Duden , Sprach – Pegida ( als größte Unverfrorenheit ) und , und . Welche Reflexe sie den VDS – Mitgliedern attestieren , ist mir persönlich egal , den anderen Teilnehmenden wahrscheinlich auch .
          Wäre alles sprachlich im Lot , wäre kein VDS nötig .
          Den Verein und seine engagierten Idealisten anzugreifen, ist völlig unangemessen .
          Ich empfehle als Lektüre ( 10 Jahre alt , alles noch schlimmer geworden ) :
          Der Spiegel , Ausgabe 40 , 2006 : Rettet dem Deutsch / Deutsch for sale .
          Zitat : Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie wohl nie zuvor . Auffälligstes Symptom der dramatischen Verlotterung ist die Mode , fast alles angelsächsisch ” aufzupeppen ” .
          Außerdem dazu der Kommentar über den
          ” Stellenwert des Deutschen in Europa ” , von Norbert Lammert .
          Allen viel ” Spaß ” beim Lesen dieses Artikels .

    • Sehr geehrter Herr Lobin,

      die Geschwindigkeit und Allgegenwärtigkeit des Internet verleitet viele dazu, in den „sozialen“ Medien auf Ereignisse aller Art spontan, in nachlässiger Sprache und vielfach unsachlich zu reagieren, in der Erwartung, möglichst umgehend von einer möglichst großen Zahl von Nutzern gelesen zu werden. In der informellen Kommunikation, wenn es etwa darum geht, sich über den Ausgang eines Fußballspiels oder den neuesten Krimi auszulassen, ist das weiter kein Problem. Dass dieser Versuchung auch Wissenschaftler erliegen, wie Ihr auf die Schnelle redigierter (weshalb sonst wurden nachträglich „kleinere orthografische und stilistische Korrekturen“ vorgenommen?) Kommentar „Sprach-Pegida und der Deutsche Hochschulverband“ vom 25. Juli 2016 zeigt, halte ich dagegen für äußerst problematisch, sofern Wissenschaftliches thematisiert wird. Nur am Rande: Auch nach diesen Korrekturen fehlt eine Genitivmarkierung („eines FAZ-Artikel“), und in Ihrer Schlussbemerkung ist mir nach wie vor rätselhaft, wer mit „deren Vertretern“ gemeint sein könnte – der Rückverweis bezieht sich doch wohl nicht auf „wissenschaftliche Konflikte“?

      Roland Duhamel hat als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats bereits Stellung genommen zu Ihrem Kommentar. Ergänzend dazu möchte ich als Mitglied des Beirats und (emeritierte) Sprachwissenschaftlerin noch einiges zu Ihren aus meiner Sicht besonders problematischen Äußerungen bemerken. Seine “Identität“, so schreiben Sie, beziehe der Verein Deutsche Sprache „durch [?] die Kritik an der angeblichen Anglizismenflut“ im Deutschen. Das Anliegen des VDS darauf zu reduzieren, ist sachlich in keiner Weise gerechtfertigt und verstellt (absichtlich?) den Blick darauf, dass der Verein sich ebenso für eine der Bedeutung des Deutschen angemessene Stellung in den EU-Institutionen und dessen Erhalt als Wissenschaftssprache einsetzt, für die Pflege der Dialekte, die Förderung des Lesens und für das Deutsche als Zweit- und Fremdsprache, um nur diese Bereiche zu nennen. Und selbstredend gibt es auch viele VDS-Mitglieder, die den Bestrebungen, Anglizismen um jeden Preis zu vermeiden, durchaus kritisch gegenüber stehen; ich selbst gehöre dazu.

      Dass kritische Äußerungen vom Vorstand des Vereins keineswegs unterdrückt werden, zeigen im Übrigen die Leserbriefe, mit denen Sie Ihre These zu belegen suchen, im VDS sei ein zunehmender „sprachlich befeuerter Nationalismus“ und ein „Abdriften in rechtspopulistische Positionen“ im Gange. Sie schrecken nicht einmal davor zurück, diese Radikalisierung mit der Entwicklung der AfD zu vergleichen.

      Ich verwahre mich als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats mit aller Entschiedenheit dagegen, persönlich in Verbindung mit Pegida und der AfD gebracht zu werden; Sie nennen die Namen der Mitglieder des Beirats zwar nicht selbst, aber diese sind Ihren Lesern ja jederzeit im Netz zugänglich. Generell sind Ihre Auslassungen zum „Wissenschaftlichen Beirat“ des VDS (was sollen die Anführungszeichen dem Leser hier eigentlich suggerieren?) hart an der Grenze zur üblen Nachrede angesiedelt. Der Beirat entpuppe sich „bei näherem Hinsehen“ als eine „Gruppe von Honoratioren“, schreiben Sie. Spielen Sie mit dieser Bezeichnung darauf an, dass einige von uns emeritiert sind und somit nichts Besseres mehr zu tun haben, als in diversen Beiräten herumzusitzen? Wenn Sie tatsächlich etwas näher hingesehen hätten, wäre Ihnen nicht entgangen, dass das nicht zutrifft, ebenso wenig wie Ihre Aussage, kein einziges Mitglied sei „im Kernbereich des Vereinsinteresses, nämlich Grammatik, Lexik und Soziolinguistik, schwerpunktmäßig ausgewiesen“ – der Kernbereich des Vereinsinteresses ist eben, wie oben schon angedeutet, mitnichten in dieser Weise beschränkt. Nun zu Ihrer Behauptung, dem gesamten Verein liege „Wissenschaftsfeindlichkeit“ zugrunde. Gewiss sind unter den 36.000 Mitgliedern des VDS auch solche, die gerade manche Ansätze in der neueren germanistischen Sprachwissenschaft durchaus kritisch sehen. Dem Verein wird nahegelegt, „aktuelle sprachwissenschaftliche Expertise“ zu berücksichtigen – wenn damit ‚Erkenntnisse‘ gemeint sind wie der Vorschlag, „ProfX“ als geschlechtergerechte Bezeichnung von Hochschullehrern einzuführen, oder die Annahme, ‚Kiezdeutsch‘ sei eine neue Varietät des Deutschen, werden Sie bei den allermeisten in der Tat auf taube Ohren stoßen. Mit einer allgemeinen Wissenschaftsfeindlichkeit hat das allerdings nicht das Geringste zu tun. Und auf der Grundlage der von Ihnen zitierten These 6 zum Stand der deutschen Sprache einen Gegensatz von „reiner“ (und infolgedessen „schlechter“) Wissenschaft und „guter“, d.h. „politisch bewusster Wissenschaft (einer bestimmten Couleur)“ zu konstruieren, wie Sie das tun, ist nicht nur abwegig, sondern aus meiner Sicht geradezu wissenschaftlich unredlich.

      Amüsant ist dagegen die Pirouette, die Sie bezüglich des Wiederabdrucks eines FAZ- Artikels von Peter Eisenberg vollführen. In der ersten Fassung Ihres Beitrags stellen Sie den Artikel in den Zusammenhang eines „sprachpuristisch angehauchten und gegen die political correctness gerichteten“ Themas; einen Tag später, als Ihnen die Fragwürdigkeit Ihrer Argumentation wohl selbst bewusst wurde, hielten Sie es dann doch für erforderlich, in einer Anmerkung zu erläutern, Eisenbergs Artikel sei „sachlich und sprachwissenschaftlich fundiert“. Haben Sie einmal darüber nachgedacht, weshalb Peter Eisenberg als „renommierter Grammatiker der deutschen Sprache“ dem Wiederabdruck seines FAZ-Beitrags in den vermeintlich reaktionären, wissenschaftsfeindlichen Sprachnachrichten zugestimmt hat?

      A propos political correctness: War es wirklich nötig, Dr. Hartmer als Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbands in dieser Form zu kritisieren und insbesondere darauf herumzureiten, dass er auf die Wikipedia-Definition des Begriffs zurückgreift? Jeder weiß, dass Wikipedia nicht immer zuverlässige Informationen bietet; offensichtlich haben Sie selbst ebenso wie zahlreiche andere Wissenschaftler dennoch kein Problem damit, auf Wikipedia mit einem eigenen Eintrag vertreten zu sein.

      Mit freundlichen Grüßen

      Barbara Kaltz

      • Ja, auch ich unterliege der “Geschwindigkeit und Allgegenwärtigkeit” des Internet und meine, dass beispielsweise mit einem solchen Blog wissenschaftliche Themen (die ja bis auf wenige Ausnahmen Gegenstand dieses Blogs darstellen) in eine breite Öffentlichkeit hinein kommuniziert werden sollten, in eine Internet-Öffentlichkeit, die keineswegs, wie Sie meinen, nur an Fußballspielen und Krimis interessiert ist. Dies versucht jedenfalls unter anderem das Scilogs-Portal für Wissenschaftsblogs, auf dem Sie sich gerade befinden, das größte seiner Art im deutschsprachigen Raum mit Tausenden von Zugriffen auf die einzelnen Beiträge. Zu den Besonderheiten des digitalen, vernetzten Publizierens gehört es übrigens auch, dass durchaus Korrekturen und Klarstellungen an bereits publizierten Texten vorgenommen werden, sofern dies klar vermerkt ist. Als ehrenrührig gilt das keineswegs.

        Ein paar einzelne Punkte:

        – Ich höre es das erste Mal, dass der Begriff “Honoratioren” negativ konnotiert sein soll. Lässt sich korpusanalytisch auch nicht belegen.
        – Doch, ich meine tatsächlich “Expertise” im Sinne von “Fachwissen”. Eine durchaus übliche Wortverwendung, wie Sie beispielsweise im DWDS der BBAW (1. Synonymgruppe im OpenThesaurus und Belege aus dem DWDS-Kernkorpus) sehen können.
        – Nein, ich konstruiere keinen Gegensatz zwischen “reiner” und “politisch bewusster” Wissenschaft, ich lese einfach nur die sechste These Ihres Beirats auf Seite 5 der aktuellen “Sprachnachrichten”. Dort heißt es davor übrigens wörtlich: “Die Sprachwissenschaft und die sprachpflegenden Institutionen haben diese Entwicklung ignoriert und sich so aus ihrer Verantwortung für unsere Sprache gestohlen”. Wenn das kein Angriff auf die Sprachwissenschaft ist, dann weiß ich nicht, wie einer aussehen soll.

        Eine Bemerkung noch zum wissenschaftlichen Beirat: Die Mitglieder sollten sich vergegenwärtigen, dass sie für einen Verein stehen, der eben keineswegs nur rein sprachpflegerische, sondern auch politische Interessen verfolgt. Dies lässt sich durch die Sprachnachrichten belegen (was nicht mein vorrangiges Interesse ist, durch die Beilage in “Forschung & Lehre” jedoch für viele Sprachwissenschaftler in den Fokus getreten ist). Wenn etwa im Aufmacher von Ausgabe Nr. 69 der “Sprachnachrichten” von der “konsequenten Wahrheits-Verschleierungsrhetorik der Medien” die Rede ist, Walter Krämer auf Seite 24 dieser Ausgabe sogar von dem “Meinungsterror unserer weitgehend linksgestrickten Lügenmedien” redet, dann sind das Aussagen, die auf jeder Pegida-Kundgebung bejubelt würden. Natürlich sagen Sie, wie zuvor schon viele andere in ihren Kommentaren, dass der Verein insgesamt in Wirklichkeit doch nur die und die Ziele verfolge, die Meinung einiger nicht die aller sei, die Sprachnachrichten, insbesondere die Leserbriefe oder womöglich das, was Herr Krämer von sich gibt, nicht ausschlaggebend seien usw. usf. Das entspricht der im politischen Gewerbe hundertfach geübten Argumentationsfigur, Äußerungen, die man relativieren will, als marginal zu klassifizieren. Stehen Sie doch mal zu dem, was in den “Sprachnachrichten” so alles zu lesen ist! Worauf soll man sich denn sonst beziehen, wenn nicht auf die Themensetzungen und Wertungen, die im offiziellen Vereinsorgan zu finden sind? Was ist also die Haltung des wissenschaftlichen Beirats zur “konsequenten Wahrheits-Verschleierungsrhetorik der Medien”, wie nicht namentlich gekennzeichnet auf der Titelseite von Nr. 69 zu lesen ist? Unterstützen Sie dies? Welche wissenschafltlichen Argumente haben Sie als Beirat für diese Einschätzung? Oder wollen Sie sich doch lieber davon distanzieren? Auch der Beirat befindet sich, ob er will oder nicht, auf der politischen Bühne, auf die er zusammen mit dem ganzen Verein gestellt worden ist, und muss nun dort agieren.

  56. Vielen Dank, Henning Lobin, für die klare und differenzierte Rückführung zum Thema. Dieser differenzierte Blick wäre vielen Beteiligten an der Diskussion zu wünschen gewesen.

  57. @Peggy D. Alfred: “Fazit: Pegida, AfD ? Ja, danke, angenehm !” (Keine Leerzeichen vor Satzzeichen!) Herr Lobin wird sich über den Steilpass freuen. Wir sind zwar beide Mitglieder desselben Vereins, aber garantiert nicht desselben Geistes Kind.

    • Ist vermutlich irgendeiner Vervollständigungsfunktion geschuldet. Aber den Rest sehe ich ähnlich wie Sie.

      • @ Viðarr

        “Vervollständigungsfunktion”

        Eventuell handelt es sich sogar um die gleiche neuronal basierte Vervollständigungsfunktion, die aus Pegida PeggyD.A… macht.

        (Ob die zugehörige Person Mitglied im VDS ist, können wir nicht wissen, dazu findet sich auch kein Hinweis im entsprechenden Kommentar.)

        An anderer Stelle hatten Sie nach Literaturhinweisen gefragt. Falls Sie – oder andere Mitlesende – es noch nicht kennen, mir bietet ‘Grammatik – Wissen und Macht in der Geschichte einer sprachlichen Tradition’ von Robert Stockhammer immer wieder Gelegenheit, das ein oder andere dort zu recherchieren oder nachzulesen. So wieder in den letzten Tagen. Es wird unter vielem anderen auch beleuchtet, wie das Verhältnis von Linguistik zu (Natur-)Wissenschaft ist, und Möglichkeiten, bzw. Grenzen, sowohl eines deskriptiven als auch eines präskriptiven Vorgehens.

        „Des Geistes Licht, des Wissens Macht,
        Dem ganzen Volke sei’s gegeben!“

        (Nicht aus dem Buch, sondern aus dem Sozialistenmarsch)

        • @Joker: uuuuh! Das hatte ich nicht bemerkt. Gut beobachtet.

          Auf Ihren Kommentar wollte ich noch bemerken: hatte ich mich auch als VDS-Mitglied zu erkennen gegeben, weil ich denke, daß es dann in gewisser Weise eine Auseinandersetzung mit aufgeklapptem Visier ist. Auch wenn ich unter Pseudonym schreibe. In der Tat ist bei einigen Kommentaren nicht ersichtlich ob VDS-Mitglieder oder Trittbrettfahrer schreiben.

          Herzlichen Dank auch für den Literaturhinweis. Ist nun auf meiner Einkaufsliste.

    • Zum Purismus
      Alle Sprachen müssen Lehngut integrieren und der eigenen Grammatik anpassen.
      In allen Sprachen gibt es Tendenzen, Lehngut durch neu geschaffene eigene Wörter zu ersetzen.
      Große Sprachgemeinschaften sind hier eher zurückhaltend, kleine hingegen bemühen sich, das Lehngut durch eigene Wörter und Ausdrucksweisen zu ersetzen. So sind viele “kleine” Kultursprachen bis heute erhalten geblieben — zum Wohlwollen der Kritiker des VDS!

  58. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier (FAZ, Spiegel, Bildblog) hat diesen Blog-Beitrag zum Anlass genommen, sich in dem Medien-Nachrichtenportal „Übermedien“ näher mit den „Sprachnachrichten“ des VDS zu befassen. Sein hochinteressanter Beitrag mit dem Titel “Die Pegidahaftigkeit des Vereins Deutsche Sprache” findet sich, derzeit noch kostenpflichtig, hier. Ab dem 8.8. ist der Beitrag auch kostenlos zugänglich.

    • PEGIDA ist das Akronym für “Patriotische Europäer gegen (die) Islamisierung des Abendlandes”, VdS die Abkürzung für “Verein deutsche Sprache”. Aus linguistischer Sicht, Teilgebiet Semantik, haben beide nichts miteinander zu tun, daher liegt der Verdacht nahe, dass die Wortwahl “pegidahaft” bzw. “Pegida-ähnlich” nur deshalb gebraucht wird, um dem VdS a priori deren Mäntelchen umhängen zu können. Doch der Vergleich hinkt, denn der VdS ist keine Bewegung gegen die Anglisierung Europas, sondern gegen die übertriebene Bevorzugung des Englischen (nicht nur ) im deutschen Sprachraum sowie in der Alltagssprache. Sprachwandel findet immer statt, das ist klar, auch sonst ändert sich die Sprache. Das kann (und will) der VdS auch nicht aufhalten. Aber dass er dafür wirbt, im Zeitalter der Globalisierung auch der eigenen Sprache, wo es Sinn macht, den ihr gebührenden Stellenwert zuzuteilen, ist legitim und steht auch in keinem Widerspruch zur Sprachwissenschaft.

      • Dann versuchen Sie es bitte morgen noch einmal. Das Konzept von Übermedien.de ist jedenfalls, die Artikel nach einer Woche kostenfrei zu stellen. Das wird auch unter Über uns dort so beschrieben.

        • Jetzt habe ich diesen Beitrag gelesen und die Leserbriefe (“Postings”) dazu. Beide entsprechen dem Niveau des hier Gebotenen, abgesehen von einigen Stellungnahmen von VDS-Mitgliedern bzw. -Sympathisanten und einiger ganz weniger Experten.
          Der VDS wird sehr aggressiv mit Pegida, AfD usw. verglichen. Sachlich setzt man sich mit seinen Vorstellungen und Zielen nicht auseinander, sondern man erhebt den Zeigefinger. Die Kritik am VDS ist darüber hinaus moralisierend und auch unwissenschaftlich. Darüber sollte man nachdenken.

  59. Pingback:Die Pegidahaftigkeit des Vereins Deutsche Sprache | Übermedien

  60. Pingback:tweets | 2016-08-01 | viola's blog

  61. Ins Stammbuch der elfenbeintürmelnden Linguisten, die das wunderbar komplexe Phänomen Sprache in ihr Prokrustesbett strikter Deskription zwängen wollen:
    ” Durch die gegenseitige Abhängigkeit des Gedankens und des Wortes von einander, leuchtet es klar ein, dass die Sprachen nicht eigentlich Mittel sind, die schon erkannte Wahrheit darzustellen, sondern weit mehr, die vorher unerkannte zu entdecken. Ihre Verschiedenheit ist nicht eine von Schällen und Zeichen, sondern eine Verschiedenheit der Weltansichten selbst” ( Wilhelm von Humboldt)
    Daher tritt eine Bürgerinitiative wie der VDS für einen aktiven, verantwortlichen Umgang mit Sprache ein, d.h. für Sprachbewußtheit, Sprachpflege mit Augenmaß.
    Dieter Föhr

  62. Sehr geehrter Herr Lobin,
    ich muss mich schon sehr wundern:
    Den Kern Ihrer Kritik am VdS beziehen Sie aus Leserbriefen, die in den “Sprachnachrichten” abgedruckt sind. Ich kenne die Leserbriefecke: Der Verein druckt sehr viel (vielleicht zu viel) Kritik ab. Bei genauerem Hinsehen gehört diese oft wohl eher in die Mülltonne, bei Prüfung vieler Leserbriefe gegen die entsprechenden Artikel wundere ich mich immer wieder über die abstrusen Stellungnahmen. Die DDR-Oberen nutzten solche Form der Leserbriefe zur Zersetzung – Zensur kann man dem VdS wahrlich nicht vorwerfen.
    Ich kann verstehen, wenn Sie keine Werbebeilagen in Ihrer wissenschaftlichen Zeitung wollen – dies haben auch einige Ihrer Kollegen unterschrieben.
    Aber wenn ich mir folgenden Zeilen ansehe – kann man schon von Propaganda sprechen ( entspricht nicht den Fakten – wo bleibt da Ihre Wissenschaftlichkeit? ):

    “Diese Zeitschrift wird vom Verein deutsche Sprache (VdS) herausgegeben,
    einem Verein, der sich den Kampf gegen Anglizismen auf die Fahnen geschrieben hat. In letzter Zeit polemisiert der Verein auch gegen geschlechtergerechten Sprachgebrauch. Um seine Ziele zu propagieren, ist der VdS in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich. Wie LinguistInnen mehrfach gezeigt haben, ist die Haltung dieses Vereins ein Musterbeispiel für einen intoleranten, unaufgeklärten Sprachpurismus. Dass der VdS ganz nebenbei auch immer wieder nationalistische Tendenzen bedient, zeigt sich übrigens auch in der aktuellen Ausgabe der SPRACHNACHRICHTEN. Die provokanten und teils politisch gefährlichen Thesen des Vereins haben wenig bis nichts mit (Sprach-)Wissenschaft zu tun. Im Gegenteil: Sie widersprechen größtenteils den Erkenntnissen der Linguistik. Zumindest den LinguistInnen unter Ihren Lesern dürfte dies übrigens bekannt sein. Vor diesem Hintergrund war es erstaunlich, dass dem
    Vorsitzenden dieses Vereins, Prof. Walter Krämer, schon früher eine Bühne in FORSCHUNG & LEHRE (11|14) geboten wurde.”

    Ich freue mich immer wieder, wenn der VdS für die deutsche Sprache in Deutschland eintritt. Ich halte es für ganz selbstverständlich als Deutscher in Deutschland sprechen und schreiben zu können – und wenn ich Ihre Haltung sehe, noch zu dürfen! So wie die Bürger aller anderen Nationen der Welt Ihrer Sprache fröhnen. Mit Pegida und Nationalismus hat dies wie der VdS nicht zu tun – intolerant, unaufgeklärt, puristisch, politisch gefährlich ist dies auch nicht.
    Es freut sich nicht jeder über Anglismen, die nichts aussagen – geht auf Deutsch präzisiere und kürzer, die sogenannte “geschlechtergerechte” Sprache, political correctness als neue Form der Zensur ( mit US-amerikanischem Kulturhintergrund ) und was sonst noch alles als Sprach(verwirrungs)verbesserung ausgekaspert wird (ernst nehmen kann man dies nicht mehr).
    Ich fasse mich an den Kopf, dass die Deutschen heute jeden Sprach-Blödsinn mitmachen sollen – und wenn vom VdS dagegen polemisiert wird – munter wieder die altbekannte “Nazi-Keule” geschwunden wird. Benennen Sie doch was Sie meinen!

    • Da in Ihrem Beitrag keine neuen Aspekte eingeführt werden, verweise ich auf meine Stellungnahme vom 31.7.2016. Zur offensichtlich dringend vereinsintern zu diskutierenden Frage, ob nicht zumindest Teile des VDS rechtspopulistischen Bewegungen nahestehen und dies in die Vereinsarbeit einbringen wollen, verweise ich exemplarisch auf Kommentare wie diesen oder diesen. Und die “Nazi-Keule” hat hier niemand geschwungen – es reicht schon aus, auf die populistischen Vereinfachungen des VDS und die Kaperung der deutschen Sprache für zweifelhafte Interessen hinzuweisen.

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  65. Geehrter Herr Henning Lobin
    Ich wollte mich eigentlich nicht mehr an dem unsäglichen Hin und Her in diesem Forum beteiligen . Nur eines noch :
    Verantwortliche aus Kultur und Politik versagen seit Jahren , oder verhalten sich fahrlässig in Sachen Schutz der deutschen Sprache , z.B. Thema : Sicherung Deutsch im Grundgesetz .
    Deutsch for sale kann man sagen , oder auch : Abschuss von Deutsch durch die Werbung und alle machen mit .
    Es gehören heutzutage ” bei uns ” leider viel Selbstbewusstsein und Entschlossenheit dazu , die Sache der eigenen Sprache zu vertreten .
    Die Sprachentwicklung geht im Vergleich zu früheren Jahrhunderten
    zeitbedingt weit über eine tolerierbare Quote an Fremdeinflüssen hinaus . Wer das bestreitet , ignoriert , oder Besorgnisse hierüber gar diffamiert , den kann man zwischen unsensibel bis populistisch einordnen .
    Einladung :
    Verleihung des Bergischen Sprachpreise ” Die Eule ” , 2016
    Freitag , 02.09. 2016 , 11.00 Uhr , Deutsches Werkzeugmuseum
    Cleffstraße 2 -6 , 42 855 Remscheid
    Programmdauer : ca. 60 min
    VDS – Regionalgruppe 42

  66. Hallo Herr Lobin,
    ich bin auf dem umgekehrten Wege von Übermedien zu Ihrem Beitrag gelangt.
    Auch ich finde es bedenklich, wenn gerade in wissenschaftlichen Medien Beiträge – oder wie hier: Werbebeilagen – auftreten, die nicht einfach nur eine andere Meinung vertreten, was kein Problem darstellt, sondern schon vom Ansatz her mit wissenschaftsfeindlichen Methoden aufwarten.
    Anders ausgedrückt: sich nicht an die Spielregeln halten (wollen?).

    Sehr interessant fand ich in diesem Zusammenhang Ihre Anmerkung zum Widerspruch zwischen der Forderung nach normativer und deskriptiver Sprachwissenschaft bei Anglizismen bzw. gendergerechter Sprache in zahlreichen Kommentaren.

    Vielen Dank für den Artikel selbst, wie auch für Ihre sachlichen und höflichen Antworten auf die nicht immer gleichermaßen höflichen Kommentare.