Präsident Trump beendet die staatliche Förderung der Geisteswissenschaften

Pünktlich zur Vereidigung von Donald Trump zum 45. amerikanischen Präsidenten wurde bekannt, dass seine Regierung beabsichtigt, den National Endowment for the Humanities (NEH) aufzulösen. Der NEH hat seit 1965 jährlich zuletzt 148 Mio. Dollar an Mitteln für Forschungsprojekte in den Geisteswissenschaften vergeben, aber auch für Stipendien und Fellowships, die Förderung von indigener Kultur, zur Bewahrung kulturellen Erbes, für Digital Humanities und Medienproduktionen zur kulturellen Bildung. Damit ähnelt die NEH der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), geht aber in seiner Förderung über die Programme der DFG hinaus. 

Am 19.1.2017, am Tag vor dem Inauguration Day, meldete die Washingtoner Zeitung The Hill, dass die Trump-Regierung dramatische Einschnitte im kulturellen Bereich plant. Neben dem NEH soll auch der National Endowment for the Arts (NEA), spezialisiert auf die Förderung von Kunst und Literatur in gleicher finanzieller Größenordnung, aufgelöst werden. Außerdem ist geplant, die 1967 gegründete Corporation for Public Broadcasting zu privatisieren. Der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk wird in den USA zuletzt etwa in der gleichen Höhe gefördert wie allein der Hessische Rundfunk in Deutschland. Auch der NEH schwimmt nicht gerade im Geld: Die DFG hat 2015 für das wesentlich kleinere Wissenschaftssystem in Deutschland den Geistes- und Sozialwissenschaften 345 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass in den USA die Forschungsuniversitäten erheblich finanzstärker sind als in Deutschland und viele Projekte deshalb auch in Eigenregie finanzieren können.

Warum nun diese radikalen Einschnitte in Wissenschaft und Kunst vorgenommen werden sollen, erschließt sich nicht ohne weiteres. Die Washington Post rechnet vor, dass die Kürzungen der NEH-Mittel, so katastrophal sie sich auch auswirken werden, gerade einmal 0,003 Prozent des amerikanischen Bundeshaushalts ausmachen. Und auch aus der Liste der geförderten Projekte geht keineswegs hervor, warum diese Organisation unbedingt geschlossen werden muss: Themen, die man aus einer konservativen politischen Weltsicht für wichtig halten muss (etwa zur amerikanischen Geschichte, Archäologie, Bildung und Museumsarbeit), sind hier gut vertreten, ganz zu schweigen von den vielen Themen, die politisch völlig unverdächtig sind. Einen Schwerpunkt des NEH bilden seit einigen Jahren die Digital Humanities, die Neubestimmung der Geisteswissenschaften durch digitale Datenverarbeitung. Viele wichtige Technologien sind bereits aus der Verbindung von Geisteswissenschaften und IT hervorgegangen – die bekannteste ist vielleicht die Extensible Markup Language (XML), die ausgehend von der digitalen Erfassung literarischer Texte entstanden ist und heute in so gut wie jeder Form von Informationskodierung im Internet genutzt wird. Überhaupt sind die Förderprogramme der NEH durchaus anwendungsbezogen angelegt. Ich selbst habe erst kürzlich für die DFG an der Auswahlsitzung eines internationalen Förderprogramms teilgenommen, das von der NEH vor einigen Jahren initiiert worden war. Bei Digging into Data geht es explizit darum, den gesellschaftlichen Nutzen geistes- und sozialwissenschaftlicher Massendatenanalysen zu demonstrieren.

Aber möglicherweise ist die Suche nach inhaltlichen Gründen für die Auflösung des NEH von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der NEH ist seit seiner Gründung durch Lyndon B. Johnson im Jahr 1965 direkt dem Weißen Haus unterstellt. Ursprünglich sollte dadurch die Bedeutung dieser Einrichtung zum Ausdruck gebracht werden, später vielleicht konnten auch Begehrlichkeiten der ministeriellen Haushaltsplanungen durch die Zuordnung zum Präsidenten besser abgewehrt werden. Auf die Idee, dass der NEH genau deshalb aber auch besonders leicht aufgelöst werden könnte, ist in den vergangenen 50 Jahren offenbar niemand gekommen. Die Trump-Regierung wickelt NEH, NEA und die Public Broadcasting Corporation vielleicht einfach deshalb ab, weil sie es kann.

Bitter ist dies nicht nur für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nun keine Förderung mehr erhalten können und womöglich halbfertige Projekte beenden müssen, sondern auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NEH. Wie auch bei der DFG handelt es sich um hochqualifizierte Leute, die oftmals aus den Universitäten abgeworben wurden für diese verantwortungsvolle Tätigkeit im politischen Machtzentrum der USA. Wie mir einer dieser Mitarbeiter bei der erwähnten Auswahlsitzung, bei der die dunklen Wolken über dem NEH schon aufgezogen waren, erzählte, sind er und die anderen Mitarbeiter ganz konkret von Entlassung und Arbeitslosigkeit bedroht. “Make America great again” ist offenbar ein Slogan, der nicht für die amerikanischen Geisteswissenschaften gilt.

Ergänzung am 22.1.2017: Ein Report zur Förderstruktur der Geisteswissenschaften in den USA findet sich hier.

Beitragsbild: Der [ehemalige] Sitz des NEH, das Old Post Officein Washington, DC. Quelle: NEH. Ergänzung/Korrektur am 24.1.2017: Das Old Post Office ist mittlerweile nicht mehr Sitz des NEH. Es wurde von der Trump-Gruppe übernommen, die dort im September 2017 ein neues Hotel eröffnet hat (ich danke dem Kommentator Matthias Kolb für diesen Hinweis). Eine Meldung dazu vom NEH, ausführliche Informationen zur wechselvollen Geschichte des Gebäudes bei Wikipedia.

 

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www.lobin.de

Henning Lobin ist seit 1999 Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2007 bis 2016 leitete er dort das interdisziplinäre Zentrum für Medien und Interaktivität, in dem die Auswirkungen von neuen Kommunikationsformen auf Wissenschaft, Kultur und Bildung untersucht werden. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Texttechnologie, die multimediale Wissenschaftskommunikation und der medienkulturelle Wandel durch die Digitalisierung. Gegenwärtig ist er u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim und des Fachkollegiums "Sprachwissenschaft" bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bei den SciLogs ist Henning Lobin Autor des Blogs "Die Engelbart-Galaxis" und Gast-Autor im Blog "Wissenschaftskommunikation hoch 3" der ACATECH, für die er auch als externer Experte für Fragen der Wissenschaftskommunikation in sozialen Medien fungiert. Lobin ist Autor von sieben Monografien und hat zahlreiche Sammelbände herausgegeben (Bücher bei Amazon, bei Buch.de und im Buchhandel). Zuletzt erschienen: Engelbarts Traum (Campus, 2014).

106 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe zwar schon ähnliche Gerüchte gehört, bin nun aber doch ziemlich negativ überrascht. Obwohl, eigentlich auch wieder nicht.. Jedenfalls würde ich zwei Gründe für die Schließungen vermuten: 1. In der öffentlichen Wahrnehmung hier wie in den USA (und anderen Ländern) sind die Geisteswissenschaften primär ein Hobby, schöne Künste, für deren Durchführung Wissenschaftler teuer bezahlt werden, die aber keinerlei anwendbare Bedeutung haben – gerade aus dem Blickwinkel eines Präsidenten, der in den 60ern an einer jesuitischen Universität und einer Handelsschule ausschließlich Fächer mit rein ökonomischem Schwerpunkt studiert hat. 2. Aus neoliberaler Sicht ist öffentliche Förderung von eigentlich allem ein Eingriff in den freien Markt – das haben auch die Entwürfe zu TTIP gezeigt – und damit nicht vertretbar. Dass es dabei weitgehend egal ist, dass der NEA und der NEH auch “konservative” Themen fördern, die sich um die eigene Geschichte drehen, zeigt die Tatsache, dass die Website der US-Regierung zur Civil Rights Bewegung seit Freitag Abend offline ist..

    • Ich vermute, dass im aktuellen Fall Ihr zweites Argument besonders stichhaltig ist – es geht sicherlich nicht um eine differenzierte Abwägung, wie nützlich und wichtig die Geisteswissenschaften sind. Was allerdings irritiert, ist der Umstand, dass diese neo- bzw. radikalliberalen Bestrebungen ausgerechnet in der Wirtschaftspolitik mit einem geradezu antiliberalen Protektionismus kombiniert werden sollen.

  2. Bei manchen geförderten geistes”wissenschaftlichen” Forschungsthemen fragt man sich aber auch, ob es nicht schon Ideologie ist.

  3. Trump beendet die Unterstützung des Kulturmarxismus an amerikanischen Universitäten und verschlankt gleichzeitig den Staatsapparat. Damit setzt er 2 zentrale Anliegen seiner Wähler um.

    • “Trump beendet die Unterstützung des Kulturmarxismus an amerikanischen Universitäten und verschlankt gleichzeitig den Staatsapparat. Damit setzt er 2 zentrale Anliegen seiner Wähler um.”

      Ein bisschen Hetze kann nie schaden, was?

    • Ihr Posting ist ein Beweis dafür, dass jedes Einschränken von Bildung absolut zu vermeiden wäre. Selten sowas dermaßen verblendetes gelesen.

    • Der Pöbel hat sich seinen Pöbel-König eingesetzt. Hier im Blog melden sich, wie zu erwarten, Mitglieder des Pöbels zu Wort.
      Ein schwerer Rückschlag für die Zivilisation, Ergebnis der sog. digitalen Revolution.

    • “Nimmt man einem Volk jedoch sein historisches und kulturelles Gedächtnis, kann man es umso leichter manipulieren. Populisten wissen das! ”

      Ideologisierte postmoderne Geisteswissenschaftler wissen das auch. Für diese sind die klassischen Geisteswissenschaften ein Machwerk toter weißer Männer, das es zu dekonstruieren gilt. Herstory anstatt history. Solche Ideologen haben die Geistes- und Sozialwissenschaften schon längst in weiten Teilen zerstört.

  4. Pingback:Trump als Präsident - NEWS - Pro & Contra - 5 - Forumla.de

  5. 2017-18 wird das in Deutschland auch kommen. Die geistes- und sozialwissenschaftlichen Reservate und Schonbezirke werden unter Legitimiationszwang gesetzt und zwar entweder von einer technokratisch-pragmatischen SPD+Grüne einerseits, der CDU unter Druck der AfD andrerseits.

    Alles was nach Gender, Kritik und entfernt Skepis riecht, steht in der Schusslinie. Die Fächer werden ihre “gesellschaftliche” Relevanz belegen müssen. Die entsprechenden Evaluationsinstrumente kann man sich ja schon mal selbst ausdenken und dann anbieten. Ganz so schlimm wie in China wird es nicht kommen – dort werden alle Fakultäten de-funded, deren Absolventen nicht nach fünf Jahren ein bestimmen Einkommensschnitt erreichen – aber die Vorbilder Japan, GB und USA werden sicher auch hier Schule machen.

    Zu Japan: https://www.theguardian.com/higher-education-network/2015/sep/25/japans-humanities-chop-sends-shivers-down-academic-spines

    • Ich bin jetzt “Humanities-Student” (kleinerer sprachwissenschaftlicher Studiengang mit sehr klassischer Ausrichtung, also wenig IT – ich will auf Anonymitätsgründen nicht allzu genau darauf eingehen) und stehe jetzt demnächst vor dem Bachelor. Mir ist bis jetzt kein wirklicher Grund eingefallen, wie man den Studiengang legitimieren kann, außer als ABM-Maßnahme. Nahezu alle, die mit mir studieren, wollen entweder ein vom Studiengang (Hobby) unabhängiges Zweitstudium, wie Jura (als Geldquelle), oder studieren nur, weil sie für ihre Wunscharbeit einen Abschluss mitbringen wollen und zweitrangig bis egal ist, worin dieser besteht. Ein-zwei wollen damit an die universitäre Forschung, aber das war es auch schon. Einen brauchbaren und gleichzeitig interessanten Studiengang konnte ich in der Verbindung NC und “unfaires Bayernabitur mit viel Nutzloswissen á la Gedichtsinterpretation” nicht bekommen (der andere Grund hat mit Bürokratieversagen bei einem Freiwilligendienst zu tun, ich gehe an dieser stelle nicht darauf ein). Das was ich an der Uni über den Studiengang vermittelt bekomme bewegt sich im Bereich zwischen “irrelevant” und “trivial”, einzig den Sprachunterricht betrachte ich wegen seiner Anwendbarkeit als wirklichen Zugewinn, Taxifahrer oder Museumsaufpasser kann man auch ohne den Abschluss werden. Es wäre wirklich Zeit, hier mal ein wenig die Axt anzusetzen und mittels Vor- und Aussiebprüfung zumindest diejenigen zuverlässig herauszufiltern, deren Studienzweck reiner Zeitvertreib ist (alternativ: die Hobbyfächer als AW-Fächer für Interessierte an die wichtigen Studiengänge angliedern). Ich bin einmal in einem bumsvollen, fragefreien und mir vollkommen kryptischen Physikseminar gesessen um auf einen Freund zu warten. Mit dem eingespartem Geld könnte man dann z.B. in solchen Fächern kleinere Seminargrößen finanzieren.

      • Und weil Sie das falsche Studienfach belegt haben und damit nichts anfangen können, ist das ein Grund, dieses zu schließen?
        Wenn Sie das, was Sie studieren wollen, nicht können, und das, was Sie studieren können, nicht wollen – warum lassen Sie’s nicht einfach und machen eine Ausbildung?

        • > Und weil Sie das falsche Studienfach belegt haben und damit nichts anfangen können, ist das ein Grund, dieses zu schließen?
          Falsch. Wenn ich für eine Auflösung des Fachs bin, dann weil ich aus dem Studienfach keinen gesellschaftlich-kulturellen Mehrwert ausfließen sehe. Alternativ bietet sich außerdem immer eine Verkleinerung/Konzentration solcher Fächer an. Wie bereits eingangs beschrieben, sind unter den Geisteswissenschaftler bei uns locker 50% Anteil, die mit ihrem Abschluss überhaupt nichts machen wollen. Sie haben immer noch nicht begründet, wodurch die Fächer gesellschaftlich förderungswürdig sein sollen.

          > Wenn Sie das, was Sie studieren wollen, nicht können [naja, eher dürfen], und das, was Sie studieren können, nicht wollen…
          Ebenfalls falsch. Mir ist kein Ausbildungsberuf bekannt, dessen Abschluss ein juristisches Staatsexamen ist. Wenn Ihnen ein solcher bekannt ist, würde ich mich sehr über eine Mitteilung freuen.

          • @anton reutlinger: Ich war im März/April letzten Jahres in Diyarbakir und konnte dort auch schon mal einen Staat, der ohne Rechtstaalichkeit und auch teilweise ohne Recht auskommt, in Aktion sehen. Von mir gibts keine Empfehlung für solche Gesellschaftssysteme.
            Auch wenn man sich über Sachen, die langfristig nicht fehlen keine Gedanken macht: Seien Sie lieber froh, in einem Land zu leben, in dem sich das Gesetz – und damit im Zweifel auch ihr Recht – wirksam durchsetzen lässt.

          • Da ich Ihren Studiengang nicht im Detail kenne, kann ich dessen “gesellschaftlich-kulturellen Mehrwert” schlecht beurteilen. Dass aber jemand, der dort nur aus Verlegenheit gelandet ist, das alles Homer-Simpson-mäßig boooring findet – jo mei. Das Problem mancher Studiengänge scheint mir vor allem zu sein, dass sie eher Leute anziehen, die nicht wissen oder dürfen, was sie wollen, statt tatsächlich an der Materie interessierten.

            Betrachtet man aber Geistes- und Sozialwissenschaften insgesamt (und darum ging es hier eigentlich, nicht um Ihr schlecht gewähltes Studienfach), sollte man fragen: Bringen sie relevante wissenschaftliche Erkenntnisse über menschlichen Geist und menschliche Gesellschaft hervor? Und können sie diese Erkenntnisse vermitteln? Beides muss man im Großen und Ganzen mit Ja beantworten, und darin liegt die Existenzberechtigung einer jeden Wissenschaft.

            “sind unter den Geisteswissenschaftler bei uns locker 50% Anteil, die mit ihrem Abschluss überhaupt nichts machen wollen.”

            Das heißt vermutlich: Sie streben keine Berufstätigkeit mit fachlichem Bezug zum Studium an. Was etwa im angelsächsischen Raum ziemlich üblich ist und keineswegs heißt, mit dem Studium überhaupt nichts anfangen zu wollen.
            Und wenn man sich anschaut, in welchen absolut nicht fachbezogenen Berufsfeldern Jurist_innen so alles arbeiten…

  6. Eine gute Entscheidung, wie ich finde. Mathematik und Naturwissenschaften kommen viel zu kurz und sind aber viel nützlicher als Geisteswissenschaften. Geisteswissenschaften sind eher ein Zeitvertreib, das tut man in der Freizeit, wenn man sich dafür interessiert. Aber es ist genau wie Musik nichts, was der Staat mit Steuergeldern bezahlen sollte.

    Die gesamten wirtschaftlichen Verwerfungen wie der ausufernde Niedriglohnsektor usw. sind eine Folge der staatlichen Einmischung und einem System des Korporatismus. Wenn der Markt wirklich frei agieren könnte, würden sich viele der Mißstände sehr schnell von selbst beheben. Ein Staat sollte grundsätzlich nur minimal sein.

    • @Nataniel;
      Betreibt man Naturwissenschaften ohne Geist? Die Trennung von Natur- und Geisteswissenschaften ist in Wirklichkeit willkürlich, unbegründet und bedeutungslos. Es gibt graduelle und methodische, aber keine prinzipiellen Unterschiede. Auch die Naturwissenschaften beruhen auf der Kultur und Kreativität der Völker, auf der Sprache, auf der Geschichte des Vorwissens und des Erlebens, auf der Logik und Intuition des Denkens, also gerade auf den Forschungsgegenständen der Geisteswissenschaften. Die auf die eigene Perspektive beschränkte Sichtweise ist engstirnig (Scheuklappen) und per se unwissenschaftlich.

        • Mathe zählt aber zu den MINT-Fächern und und ist nützlich. Wenn ich mir die “social studies” und vor allem die “gender studies”, “women studies”, etc. in den USA so ansehe, die produzieren hauptsächlich pseudo-akademischen und hochideologisierten Ausschuß (vgl. HU Berlin) der mit Wissenschaft gar nichts zu tun hat.

          (Wenn man sich in das Thema “gender studies” mal eingearbeitet hat, kommt man aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus. Keine faktische Basis, keine wissenschaftlichen Methoden (aber eine Art Imitation, die oberflächliche Beobachter täuschen kann). Man sollte mal bei danisch.de reinschauen, was der zu “gender studies” und der HU Berlin ausgegraben hat. Die HU kann nicht mal Prüfungsordnung, Prüfungsthemen- und Inhalte für die letzten 20 Jahre vorlegen und das was da an Seminaren angeboten wird, ist lächerlich.

          Uns fehlen Naturwissenschaftler. Für Germanisten gibt es relativ wenig Bedarf und mit etlichen anderen Orchideenfächern studiert man sich geradewegs in die Arbeitslosigkeit.

          • Danisch ist nun nicht unbedingt die beste Referenz im Umgang zu gender studies, da zu voreingenommen.

            Aber ja, bei dem was bei “gender studies” bisher so an Erkenntnisgewinn bei mir angekommen ist, ist die Ausbeute gering, obwohl das Tätigkeitsgebiet eigentlich viel wichtiger ist: auch wenn wir formal de jure Gleichstellung in unseren Gesetzen haben, gibt es de facto noch viele Herausforderungen: Lohnlücke, Gläserne Decke, die Angst der Arbeitgeber vor Schwangerschaften, …

            Ja, wenn Formalitäten nicht in Ordnung sind, dann ist das anzuprangern, keine Frage. Aber dann fordert ein und schafft nicht ab!

        • Sind Sie tatsächlich Mathematikprofessor, wissen Sie es hoffentlich besser.

          Je nach Einteilung (es gibt einige) gehört Mathematik zu den Natur-, Geistes-, Struktur- oder Formalwissenschaften. Meist wird dabei erkannt, dass Mathematik nur schwerlich als reine Geistes- oder Naturwissenschaft beschreibbar ist.

          Da diese Begriffe so uneindeutig sind, gibt es in Deutschland den MINT- und in den USA den STEM-Bereich. Im Englischen (um das es ja geht) zählt Mathematik sowieso nicht zu den “Humanities” und hat auch nichts mit der NEH zu tun (um die es ja geht).

          Wenn Sie übrigens den Unterschied zwischen den Methoden der Mathematik (reine Deduktion, formale Logik als Werkzeug) und denen der Geisteswissenschaften (gezwungenermaßen einige Induktion) nicht erkennen, weiß ich auch nicht mehr weiter.

          Außerdem ist die häufige Kritik an den Geisteswissenschaften nicht deren Existenz (was falsch wäre), sondern das Verhältnis von Budget und Nützlichkeit. Dasselbe gilt auch für alle anderen Bereiche, so auch die Mathematik – ich bezweifle jedoch, dass der Vergleich mit selbem Ergebnis endet.

    • @Nataniel
      Na, da hat hat sich ganz schnell ein Element aus der trumpwählenden Pöbelmenge zu Wort gemeldet !
      Was für ein herrliches Beispiel, und schaurig dazu.

  7. @ Nataniel: Der Staat bezahlt mal garnichts. Der Staat lebt vom Einkommen seiner Bürger. Minimal scheint mir vor allem ihr volkswirtschaftlicher Sachverstand ausgeprägt zu sein.

  8. Wenn zum Beispiel dem Genderschw’chsinn die Förderung entzogen wird. ist das schon mal ein guter Anfang. Dann noch Sozial”wissenschaften” und ähnliche Beschäftigungstherapien, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten.
    In short: Wir brauchen Ingenieure, keine romantischen, unnützen Spinner.

    • @Reginald J.;
      Das ist doch kein Gegensatz. Gerade für F&E braucht man spinnerte Ingenieure! Systemisches Denken und Phantasie sind Voraussetzungen oder notwendige Eigenschaften für erfolgreiche Kreativität und Innovation. Ingenieure allein hätten nie das Smartphone erfunden. Man muss die Menschen, ihre Bedürfnisse, Neigungen und Fähigkeiten kennen (bzw. fördern), um Produkte für Menschen zu entwickeln und das Leben der Menschen zu erleichtern und zu verschönern.

  9. @Nataniel: Mathe ist eine Geisteswissenschaft.

    Zynisch könnte man jetzt sagen, bei nur 3e-5 des Nationalbudgets macht das ja nicht so viel aus. Ich selbst habe als Naturwissenschaftler allerdings auch einige geisteswissenschaftliche Kurse belegt (und damit meine ich nicht Mathe), was mir den Horizont doch etwas weiter geöffnet hat.

    Was ich bisher nicht wusste, dass die Geisteswissenschaft XML für sich beansprucht (ich finde auch auf die Schnelle nicht viele Belege dafür auf Wikipedia). Ich dachte immer, das hätten sich Designer und Programmierer ausgedacht, aber wenn man sich es genau anschaut, ist es viel Text für wenig Inhalt, also doch sehr geisteswissenschaftlich ;-).

    Ich denke, wir werden in nächster Zeit noch mehr solche Trumpschen Entscheidungen treffen, wie bei einem Unternehmen werden alle Posten, welche nicht in absehbarer Zukunft ihre Investition wieder reinholen, möglichst schnell abgeschafft. Möglicherweise haben wir allerdings dann das Glück, dass es auch das Militär treffen könnte.

    • Das ist in dieser Verkürzten Schreibweise einfach falsch. Auf einen ähnlichen Kommentar habe ich schon weiter oben geantwortet:

      Je nach Einteilung (es gibt einige) gehört Mathematik zu den Natur-, Geistes-, Struktur- oder Formalwissenschaften. Meist wird dabei erkannt, dass Mathematik nur schwerlich als reine Geistes- oder Naturwissenschaft beschreibbar ist.

      Da diese Begriffe so uneindeutig sind, gibt es in Deutschland den MINT- und in den USA den STEM-Bereich. Im Englischen (um das es ja geht) zählt Mathematik sowieso nicht zu den „Humanities“ und hat auch nichts mit der NEH zu tun (um die es ja geht).

      Wenn Sie übrigens den Unterschied zwischen den Methoden der Mathematik (reine Deduktion, formale Logik als Werkzeug) und denen der Geisteswissenschaften (gezwungenermaßen einige Induktion) nicht erkennen, weiß ich auch nicht mehr weiter.

      Außerdem ist die häufige Kritik an den Geisteswissenschaften nicht deren Existenz (was falsch wäre), sondern das Verhältnis von Budget und Nützlichkeit. Dasselbe gilt auch für alle anderen Bereiche, so auch die Mathematik – ich bezweifle jedoch, dass der Vergleich mit selbem Ergebnis endet.

    • @Jonas
      XML basiert auf SGML und das wiederum auf GML von IBM – entwickelt 1969, als “Geisteswissenschaftler” meist noch nicht mal von Computern gehört hatten. XML wurde bestimmt nicht von Geisteswissenschaftlern entwickelt, sondern von Programmierern.

      Und XML war nie und ist nicht die Standardform der Informationskodierung. Vieles wird beispielsweise auch in ASN.1 und inzwischen JSON kodiert. Und das, was in XML kodiert ist, ist nur selten etwas, was in der Erlebenswelt der Geisteswissenschaftler überhaupt vorkommt.)

  10. Pingback:Trump will geisteswissenschaftliche Förderung beenden – Infobib

    • @Derjenige

      “Gesunder Menschenverstand hiess das damals noch.”

      Meinen Sie mit “damals” das Dritte Reich? Dort stand ja Hitlers gesunder Menschenverstand hoch in Kurs und Rudolf Hess lobte diesen bei seiner Rede 1935 in Stockholm ausdrücklich mit den Worten: „So wie in der Innenpolitik Deutschlands hat er auch in der Außenpolitik den gesunden Menschenverstand ausschlaggebend zur Geltung gebracht. Für Deutschland hat Adolf Hitler durch Taten dieses gesunden Menschenverstandes die Gesundung gebracht. Ich bin der Überzeugung, daß er auch in der Außenpolitik durch die Anwendung des gleichen Prinzips klarere und gesündere Verhältnisse schafft, die helfen werden, der Welt diese notwendige Beruhigung zu bringen.“

      Quelle: https://archive.org/details/RedeInStockholmAm14.Mai1935

  11. Es ist schon so, dass hier auch “konservative” Zweige gestrichen werden. Es ist schwierig aufzudröseln, welche Projekte konservativ und welche progressiv sind, da streicht man lieber alles.

    Der positive Effekt solcher konservativen Projekte ist aber nicht annähernd so stark, wie der negative Effekt durch die progressiven Projekte.

    Es ist ein Tabubruch die politischen Domänen des Gegners so dermaßen zu kürzen. Obama hat ja auch nicht die Naturwissenschaftsförderung gestrichen.

    • Genau, weil Naturwissenschaften ja ne Domäne der Republikaner in den USA sind, sieht man ja sehr gut an den ganzen Tea-Partyflitzpiepen/Klima-Skeptikern/Kreationisten/usw. usf..

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  13. Die Kritik gerade am einseitigen Gebrauch der Genderfrage ist zwar berechtigt , aber es ist Unsinn , das einseitig den Geisteswissenschaften anzulasten. Der fragwürdige Umgang mit dem Thema (und dem Thema der Migration) ist vielmehr eine Art fächerübergreifendes “Phantomfach” , das bei den verschiedensten Vertretern der Wissenschaften vorzufinden ist und dabei höchst dogmatisch daherkommt.

    Daher muß man davon ausgehen , daß dieser Punkt nur vorgeschoben wird , weil man halt nicht offen sagen kann , was man wirklich denkt.
    Auch Neoliberalismus ist da nur bedingt eine Erklärung , sehr viel eher trifft es der Hinweis auf die “Krämerseelen” (Mona).
    Das ist etwas , was tief verwurzelt ist in den Köpfen von vielleicht 25-30 Prozent der Bevölkerung , die grundsätzliche , irrationale und (selbst-)hasserfüllte Ablehnung von allem , was irgendwie “intellektuell” zu sein scheint.

    Letztlich geht das noch zurück auf die starke bäuerische Prägung Europas und der USA , bis vor einigen Jahrzehnten gab es auch bei uns noch Käffer und sogar Städte , in denen man ernste Schwierigkeiten bekam , wenn bekannt wurde , daß man Bücher las(!).

    Darauf mit der anbiedernden Nützlichkeits-These zu kommen , verstärkt das Problem massiv und zeigt , daß auch die Wissenschaften selber die Tür öffnen helfen , was rechtspopulisitsche Vorstellungen angeht. Appeasement wird von Anti-Intellektuellen als Zeichen der Schwäche erkannt , und Schwäche ist das letzte , was gegen Rechte hilft.

    Die einzige Antwort darauf kann lauten , daß die Geisteswissenschaften selbstkritisch sein sollten , aber ihre grundsätzliche Berechtigung haben und sich nicht ständig rechtfertigen müssen.
    Wers nicht glaubt , kann ja zurück in den Wald und auf die Bäume ziehen , denn genau da gehört er hin.

    • Ihre These, hier gehe es einfach nur gegen Intellektuelle, ist völlig absurd.
      Bei den Naturwissenschaften lässt sich ja auch nicht dasselbe beobachten. Von dort hört man sogar Kritik an der momentanen Praxis der Geisteswissenschaften.

      Die unglaubliche Arroganz (Botschaft: Die Leute sind dumm und hassen uns, weil wir schlau sind) gepaart mit der mangelnden Substanz ihres Kommentars steht sinnbildlich für das Problem der heutigen Geisteswissenschaften.

      Solange die Geisteswissenschaften finanziell (in gleichem Maße wie heute) gefördert werden wollen, müssen sie wohl oder übel dem Geldgeber einen Grund dafür geben. Beleidigungen helfen da nur begrenzt.

      • > Bei den Naturwissenschaften lässt sich ja auch nicht dasselbe beobachten.

        Da sollten Sie noch mal etwas genauer hinschauen. Natürlich passiert bei den Naturwissenschaftlern das gleiche, wenn Sie politisch nicht opportune Ergebnisse produzieren. Schauen Sie sich mal das Thema Klimawandel in den USA an – was da passiert, kann man nur als gezielte Diffamierung der eines gesamtem Wissenschaftszweigs bezeichnen. Da wird dann gerne “der gesunde Menschenverstand” über fundierte Ergebnisse gestellt – und weil der immer richtig liegt, sind die Wissenschaftler dann dumm oder haben sich aus unklaren Gründen gegen die Wahrheit verschworen.

        Nun stellen Sozialwissenschaften natürlich fast immer bestehende soziale und politische Verhältnisse in Frage – bei den Naturwissenschaften ist das in der Regel langsamer und indirekter. Und weil ihre Methoden oft weniger formal sind, glauben noch mehr, dass sie bei Themen mitreden können, weil sie darüber in irgendeinem Internet-Blog mal einen Kommentar gelesen haben…

        • > Da sollten Sie noch mal etwas genauer hinschauen. Natürlich passiert bei den Naturwissenschaftlern das gleiche, wenn Sie politisch nicht opportune Ergebnisse produzieren.

          Die These von DH war ja gerade nicht, dass politisch kontroverse Forschungsrichtungen unterdrückt werden, sondern dass die Entwicklung eine rein anti-Intellektuelle ist:

          > […] Daher muß man davon ausgehen , daß dieser Punkt nur vorgeschoben wird , weil man halt nicht offen sagen kann , was man wirklich denkt.
          Auch Neoliberalismus ist da nur bedingt eine Erklärung , sehr viel eher trifft es der Hinweis auf die „Krämerseelen“ (Mona).
          Das ist etwas , was tief verwurzelt ist in den Köpfen von vielleicht 25-30 Prozent der Bevölkerung , die grundsätzliche , irrationale und (selbst-)hasserfüllte Ablehnung von allem , was irgendwie „intellektuell“ zu sein scheint. […]

          Auch wenn zum Beispiel die Herabsetzug solider Forschung zugunsten des bürgerlichen Bauchgefühls ein Mittel ist, um eine solche Unterdrückung praktisch durchzusetzen – sie ist nicht das tatsächliche Ziel.

          Als reiner Mathematiker muss ich selbst ständig begründen welchen Zweck die Forschung hat, die ich betreibe. Ich kann das guten Gewissens tun. Warum soll das für Geisteswissenschaften zu viel verlangt sein?

          Noch einmal zur Vorbeugung: Ich befürworte nicht die Aktion von Herrn Trump. Ich kritisiere lediglich die Kommentare, die hier zu lesen sind.

      • @NB

        “Ihre These, hier gehe es einfach nur gegen Intellektuelle, ist völlig absurd.”

        Auch wenn hier bei einigen Freude aufkommt, weil sich der Kahlschlag in erster Linie gegen die Geisteswissenschaften zu richten scheint, so möchte ich doch darauf hinweisen, dass es im Prinzip jeden treffen könnte. So eröffnete ein besonders “engagierter” republikanischer Politiker ein Onlineportal, wo man Professoren melden kann, die sich „antiamerikanisch“ äußern. Das Ganze erinnert doch irgendwie an die McCarthy-Ära und das Komitee für unamerikanische Umtriebe, als für Regierungsmitarbeiter und die Beschäftigten staatlicher Einrichtungen Loyalitätstests eingeführt wurden und jeder jeden bespitzeln konnte.
        http://www.professorwatchlist.org/

        • Wie Sie schon selbst bemerkt haben geht es in dem von Ihnen genannten Fall nicht darum, Intellektuelle um deren intellektualität willen zu verfolgen, sondern wegen politischer Gründe.

          Die These von DH, die ich als absurd bezeichne, spricht gerade vom umgekehrten Fall.

        • Sieht aber eher harmlos aus im Vergleich zum Gesinnungsterror, den linksextreme Aktivisten an amerikanischen Universitäten entfachen.

  14. Natürlich kann und muss man, wie in allen anderen Wissenschaftszweigen auch, den Nutzens einzelner Wissenschaftsbereiche für die jeweilige Gesellschaft immer wieder aktualisieren, um erforderliche Mittel bereitzustellen. Das Geld fällt nicht vom Himmel und ist leider immer beschränkt. Es geht hier auch immer um das Geld anderer Menschen. Nämlich der Steuerzahler. Und der hat ein Recht auf einen Nutzen bringenden Umgang mit seinen Einlagen. Also auf die Bäume ihr unwissenden Leseverweigerer. Aber wer hat nur die ganzen Bücher gelesen, die noch im letzten Jahrhundert gekauft wurden. Nicht alle wurden verbrannt glaube ich. Und die enorme Einschränkung der Anzahl von Bibliotheken ist leider dem Spardruck und Kulturschwund der letzten Jahrzehnte zu verdanken. Hier scheint jemand zudem den Intellekt anderer Mitmenschen zu bezweifeln. Aber gerade Herrn Trump kann man ja bis jetzt auch eher das Gegenteil einer Schwäche durch eine Beschwichtigungspolitik ankreiden.

  15. Es ist traurig genug, dass ich nun Donald Trump verteidigen muss. Aber hier meldet eine winzige Zeitung etwas mit Berufung auf einen einzelnen Politiker. Und der dürfte als Demokrat befangen sein. Ja aber stell das hier als Fakt dar.

    Aus meiner Sicht ist dies absolut unseriöser Journalismus

    • Das Thema ist seit Monaten in den USA aktuell, die Republikaner und das Trump-Team haben damit im Wahlkampf nicht hinter dem Berg gehalten. Dass die Meldung von “The Hill” nun gleich solche Reaktion hervorgerufen hat, hat sicherlich damit zu tun, dass jetzt tatsächlich die ersten administrativen Schritte unternommen werden. So unseriös scheint diese Berichterstattung außerdem nicht zu sein, wenn sogar die Washington Post, wie verlinkt, ebenfalls zum Thema berichtet.

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  17. Wie auch z.B. in Deutschland hat die Bundesregierung in den USA immer mehr Kompetenzen und Aufgaben an sich gezogen, die ihr gemäß Verfassung gar nicht zustehen. Das ist einer der Gründe, warum so viele Amerikaner heute Washington hassen. Auch Obamacare wäre übrigens auf Staatsebene für kaum einen Republikaner ein Problem gewesen; Obama wollte es aber unbedingt auf Bundesebene durchziehen und hat somit ganz bewußt die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben.

    Ich kenne die heutige Auslegung der US-Verfassung nicht im Detail, aber Bildung scheint doch wohl Sache der Einzelstaaten zu sein. Man kann diese Maßnahme also durchaus auch als systematische Verfassungspflege sehen, auch wenn sie von Trump höchstwahrscheinlich nicht so gesehen wird. 🙂

  18. Trump ist nicht “neoliberal” sondern Trump-ish: was Trump tut muss man mit Trumps Charakter, seiner Vorliebe für Deals, Belohnung und Bestrafung erklären und mit dem Programm an das er wirklich glaubt “America First”. Trump will handeln und das schon am ersten Tag. Und weil es in seiner Kompetenz liegt und er von staatlich geförderten Geisteswissenschaften wenig hält, streicht er die Förderung für die Geisteswissenschaften.
    Trump ist jetzt als Präsident genau der gleiche wie als Kandidat – wohl weil Narzissten nicht über ein allzu komplexes Innenleben verfügen und es nicht einen präsidialen Trump hinter dem Deal-Maker Trump gibt. Trump regiert über Tweets, Drohungen an einzelne Firmen (z.B. Drohung von Folgen wenn Produktion nach Mexiko verlagert wird) und Einzelerlässe.
    Dabei wäre es Aufgabe eines Präsidenten, die grossen Linien zu setzen. Doch Trump liebt eben die Strassenschlacht und nicht den langwierigen Kampf um neue Gesetze. Das erklärt einiges.

  19. Mit Verlaub:

    Ein gewisses “Ausmisten” bei Geisteswissenschaftsprojekten/-disziplinen würde auch hier bei uns in DE wohl nicht schaden – und das sage ich als jemand, der selbst etwas in diesem Bereich studiert hat.
    (Das Stichwort “Orchideenfächer” kommen mir da vom Prof wieder ins Gedächtnis)

    Beispiel Gefällig:
    https://www.welt.de/debatte/kolumnen/die-strenge-stausberg/article138434594/Hurra-Viele-neue-Jobs-durch-Gender-Terror.html
    >>>
    …Es gibt schon 146 entsprechende Professuren an Universitäten – plus weitere fünfzig an Fachhochschulen. Dem stehen zum Vergleich 191 Pharmazieprofessuren und noch 113 in der Altphilologie gegenüber…
    <<<
    Für was, bitte schön, braucht es weit über 150 Lehrstühle & Profs für Geschlechterforschung? 🙂

    Es ist wie mit der GEZ – die sieht sich selbst auch als absolut erforderlich an mit mehr als 8 Milliarden Budget und würde sich auch querstellen, wenn man das Budget kürzen wollen würde. Da man ja schließlich von der "Selbstrelevanz für die Gesellschaft" überzeugt ist.
    Wie sagt man auf dem Land? "Wer den Sumpf trocken legen will, soll nicht die Frösche fragen" 🙂

    Grüße

  20. Vielen Dank für den Artikel und die Einschätzung.

    Was wird, deiner Einschätzung nach, Trumps Aktionismus international gesehen bringen? Einstige Wissenschaftler werden ja vermutlich nun nicht Däumchen drehen bis ein Nachfolger im Amt ist.

  21. Absolventen von Orchideenfächern mögen für die Gesellschaft von begrenztem Nutzen sein, aber sie schaden mindestens nicht wie das Juristen tun, die beispielsweise die exzessiven Klagemöglichkeiten in den USA voll ausnutzen oder die Profite aus Pleiten herausholen.
    Es gibt also nicht nur nutzlose Fächer, sondern auch gesellschaftlich schädliche Fächer.
    Und da wir bei Trump sind: Seine Legal affairs bedürfen mehrerer Wikipedia-Seiten um sie alle zu beschreiben. Wenn Trumps Firma überlebt hat und sogar florierte, dann nicht zuletzt wegen Ausnutzung amerikanischen Rechts. Für Trump ist die Justiz wohl wichtiger als alle Geistes- und Naturwissenschaften zusammen. Und dort – bei der Justiz – gelten ganz andere Gesetzmässigkeiten als bei den Wissenschaften – ob es nun Geistes- oder Naturwissenschaften sind.

    • @Martin Holzherr;
      Es sind unsinnige Kindereien, Fächer gegeneinander ausspielen zu wollen. Wenn die Bürger wegen eines Knöllchens den Anwalt bemühen, dann sind die Anwälte gut beschäftigt und verdienen gutes Geld, was wiederum den Nachwuchs in der Justiz fördert. Früher hieß es, in USA habe jeder Bürger (der es sich leisten kann) seinen persönlichen Psychotherapeuten, bei uns hat jeder seinen persönlichen Rechtsanwalt. Was ist besser oder schlimmer? Vielleicht sind die Amerikaner ehrlicher zu sich selber!

    • @Martin Holzherr:

      Mit Verlaub: Die Lösung für ein schlechtes Justizsystem sind nicht weniger Juristen, sondern ein besseres Justizsystem.

  22. Vielleicht hat man es auf den Sitz des NEH, das Alte Postamt in Washington, DC. abgesehen? (siehe Headerfoto)

    Mal schauen wie da die Nachnutzung sein wird.

  23. XML als von SGML abstammende Markup-Sprache ist ganz sicher keine Erfindung (im Wortsinne) der Geisteswissenschaften – die haben sie evtl. als erste für den genannten Einsatzzweck genutzt…

    Die Diskussion ob Mathematik zu den Geisteswissenschaften zählt, dürfte im Kontext der obigen Meldung relativ müßig sein. Die US-Universitäten finanzieren sich nur zu einem ganz geringen Teil aus staatlichen Mitteln. Und wenn alle, die sich jetzt über die Mittelstreichung beklagen, selbst ein paar Dollar zusammenkratzen und den Universitäten spenden, wäre das evtl. der bessere Weg – oder geht es doch nur darum “Sollen es doch die anderen zahlen”?.

    • > Und wenn alle, die sich jetzt über die Mittelstreichung beklagen, selbst ein paar Dollar zusammenkratzen und den Universitäten spenden, wäre das evtl. der bessere Weg – oder geht es doch nur darum „Sollen es doch die anderen zahlen“?.

      Das NEH und ähnliche Einrichtungen unterscheiden sich in mindestens zwei Aspekten von einer privaten Förderung. Zum einen stellen die großen staatlichen Wissenschaftsförderungsorganisationen eine relativ zuverlässige Quelle für Mittel da. Auf so einer Grundlage kann man zumindest einigermaßen planen. Zum zweiten haben dieses Systeme ein relativ gutes System zur Begutachtung von Förderanträgen, und sind vor allem der Qualität der Ergebnisse verpflichtet. Privatspenden kommen dagegen in der Regel mit Auflagen, was die Verwendung angeht.

      Nun kann man natürlich darüber streiten, ob der Staat Wissenschaft überhaupt fördern sollten – dazu kann ich nur sagen “natürlich”. Es gibt zahllose Studien, die belegen, dass gerade die langfristig angelegte, Grundlagenforschung sich im wahrsten Sinne des Wortes lohnt – aber eben aus langfristiger gesellschaftlicher Sicht.

    • XML als von SGML abstammende Markup-Sprache ist ganz sicher keine Erfindung (im Wortsinne) der Geisteswissenschaften – die haben sie evtl. als erste für den genannten Einsatzzweck genutzt…

      Ein geisteswissenschaftliches Projekt stand tatsächlich am Anfang der Entwicklung von XML, s. meinen Kommentar dazu.

  24. Ich verstehe nicht, warum hier, in einem Wissenschaftsportal, ausgerechnet derart niveaulos über die Geisteswissenschaften hergezogen wird. Wie es dann herauskommt, ist wohl überwiegend die Genderwissenschaft gemeint. Es gibt aber viele Fächer in den Geisteswissenschaften (Mathematik und Sozialwissenschaften zähle ich nicht dazu): Philosophie, Geschichte, Germanistik, Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaften, Archäologie, Kunstgeschichte, Musikgeschichte etc. etc.

    Als Wissenschaft sind diese Fächer genauso berechtigt wie alle andere Wissenschaften, die nach Erkenntnis streben.

    Bleibt die Frage, inwiefern sie vom Staat finanziert werden sollen. Da kann man zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, selbstverständlich braucht der Staat und die Gesellschaft auch Fachleute in diesen Bereichen. Sicherlich wird in einigen Fächern weit über Bedarf ausgebildet, was aber eher für die Absolventen ein Problem ist, als für die Gesellschaft oder den Staat.

    Finanziell sind die Geisteswissenschaften ziemlich günstig, vor allem im Vergleich mit den Naturwissenschaften. Man braucht in der Regel keine extrem teuren Maschine oder Computer.

    Und sie sind selbstverständlich auch nützlich, sie bieten Orientierung in der Welt der Menschen und ihrer Geschichte, machen offen für andere kulturelle Sichtweisen.

    Vermutlich speist sich Trumps erwarteter Feldzug aus denselben Vorurteilen, wie sie hier ventiliert werden.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar, Paul Stefan. Ich habe mich beim Lesen der bisherigen Kommentare auch gefragt, weshalb die Geisteswissenschaften fast ausschließlich auf Gender Studies reduziert werden.

      Interessant ist übrigens der Link zu den bisher geförderten Projekten durch NEH. 537 Projekte seit 1973 sind dem Bereich Gender Studies zuzuordnen, mit einem Gesamtvolumen von ca. 20 Mio. Dollar. Zum Vergleich: 409 Projekte sind dem Bereich Russische Geschichte zugeordnet mit etwa 16 Mio. Dollar Gesamtförderung (ebenfalls seit 1973). Geförderte Projekte im Bereich US Geschichte hingegen gab es alleine seit 2010 über 1000 mit einem Gesamtvolumen von ca. 116 Mio. Dollar. Ich möchte Sinn und Unsinn der staatlichen Förderung hier erstmal gar nicht bewerten, aber man sollte ihn zumindest nicht an einem einzigen Forschungsbereich der Geisteswissenschaft festmachen, der darüber hinaus auch noch relativ klein ist.

  25. @Paul Stefan 23.1. 13:39
    Ich stimme Ihnen zu. Geisteswissenschaften finde ich wertvoll.
    Meine ganz persönliche Ansicht zu Herrn Trump: Wie soll jemand, der kritiklos selbstüberzeugt, dünnhäutig, dumm wie auch ungebildet ist, den Wert von Intelligenz und Bildung schätzen; oder auch nur erkennen?
    Und zweitens: Wie soll derjenige ganz allgemein zielwirksame Regierungsentscheidungen treffen, wenn nicht vielleicht in seltenen Momenten durch reinen Zufall? Ich zweifle an, dass Herr Trump überhaupt in Richtung seiner verkündeten Ziele steuert. America wird wohl eher das Gegenteil von wirtschaftlich “great again” werden, wenn man unter anderem dort die Wissenschaftslandschaft strukturell und ideologisch bombardiert (sie sei angeblich zu weiten Teilen Ideologie, was auf die Vorwerfenden mE viel eher zutrifft). Und Herr Trump wird nach meiner Erwartung noch sehr viele weitere für Normal-US-Amerikaner ökonomisch kontraproduktive Entscheidungen treffen: Angekündigt sind u.a. protektionistische Elemente, die in einer Landesbilanz die Güterpreise stärker erhöhen als den Einkommensgewinn. Wobei man selbst solche Werkzeuge auch durchaus bedacht einsetzen kann, aber das traue ich Herrn Trump überhaupt nicht zu.

    • Ja Wizzy, sie haben recht. Nur ist’s jetzt zu spät. Während dem Wahlkampf wurde immer nur über den Rassismus, Sexismus etc von Trump diskutiert, nicht aber über seine politischen Ziele. Leider. Denn Protektionismus, Isolationismus und National-Egoismus (America First) wird Amerika letztlich schaden. Das steht für mich ausser Frage.

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  27. The Donald scheint schon ein harter Hund zu sein und Derartiges: ‘„Make America great again“ ist offenbar ein Slogan, der nicht für die amerikanischen Geisteswissenschaften gilt.’ muss auf seiner Speisenkarte stehen.

    Hier muss sich nichts vorgemacht werden, viele Geisteswissenschaftler sind nicht nur gesellschaftlich nicht hilfreich, sondern schädlich.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • Webbaer:
      “Hier muss sich nichts vorgemacht werden, viele Geisteswissenschaftler sind nicht nur gesellschaftlich nicht hilfreich, sondern schädlich.”

      Mannomannomann …

      Auch viele Naturwissenschaftler waren/sind gesellschaftlich schädlich, erfinden so fiese Sachen wie Giftgas, Atombomben etc. Und die Informatiker erst. Sie überschwemmen die digitale Welt mit Schadprogrammen. Usw. Usw.

      • Howdy, Herr Stefan,
        Ihr Kommentatorenfreund nimmt natürlich Sie (ernsthaft) wie auch alle hier mitlesenden (diese: weniger ernsthaft) Geisteswissenschaftler von seiner Einschätzung aus.

        Die Geisteswissenschaft bemüht sich um das, was ist, streng genommen sind die Naturwissenschaften insofern ein Anhängsel, wie die Philosophie, die sich um erkennnende Subjekte kümmert, der Ursprung von allem ist.
        Dr. Webbaer wollte weiter oben ein wenig vollmundig klingen. (Hat abär einen Punkt, wie im Englischen gesagt wird.)

        Beste Grüße,
        Dr. Webbaer

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  29. Ironischerweise kann die NEH nicht mehr im alten Postamt in Washington sitzen: Dort befindet sich seit September das Trump-Hotel…

    • Haben Sie vielen Dank für diesen Hinweis! Das ist ja wirklich ein kurioser Zusammenhang, der mir noch nicht bekannt war. Ich habe die Information zum Beitragsbild mit Verweis auf Ihren Kommentar entsprechend korrigiert und ergänzt.

  30. Eine Bemerkung in eigener Sache zu XML als “geisteswissenschaftliche Errungenschaft”, was in einigen Kommentaren in Frage gestellt wird: SGML, der Vorläufer von XML, hat in der Tat seine Wurzeln bei IBM und wurde dann von Charles Goldfarb zum noch heute gültigen ISO-Standard weiterentwickelt, der 1986 verabschiedet wurde. In der Frühzeit wurde SGML vor allem von Verlagen genutzt um ihre Produkte leicht in variabler Weise gestalten zu können. 1987 wurde jedoch die sog. Text Encoding Initiative ins Leben gerufen, in der sich rund 200 Geisteswissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammenfanden, um einheitliche Kodierungsstandards für Literatur, historische, philosophische, religöse Texte usw. festzulegen. Die entstandene Dokumentgrammatik (SGML-DTD) “TEI P3″von 1994 gehört zu den drei komplexesten SGML-Anwendungen ihrer Zeit, da sie hochgradig modular aufgebaut war und in jedem Aspekt durch einfache “Schalter” (Parameter-Entitäten in verschachtelten Marked Sections) an unterschiedliche Bedürfnisse angepasst werden konnte. Das allein hat große Auswirkungen auf die Methodik der Informationsmodellierung gehabt.
    Während der Arbeit an der TEI-Dokumentgrammatik war nun allerdings das World Wide Web entstanden, und sofort sah das TEI-Konsortium die Möglichkeit seine Arbeit damit in Verbindung zu bringen. Der Editor der TEI-P3-Richtlinien, der germanistische Mediävist (Mittelalterphilologie) Michael C. M. Sperberg-McQueen, seinerzeit an der University of Illinois in Chicago tätig, wandte sich deshalb an das World Wide Web Consortium (W3C) mit der Idee, eine vereinfachte Version von SGML für das Web zu entwickeln, u.a. um die TEI-Arbeiten leichter auf das Internet transferieren zu können. Mit SGML geht das zwar auch (HTML wurde als SGML-Anwendung entwickelt), es ist aber eigentlich zu variabel und zu “unhandlich”. Es wurde deshalb im W3C eine Arbeitsgruppe gebildet, die von Sperberg-McQueen geleitet wurde, so dass er schließlich auch 1998 – zusammen mit Tim Bray und Jean Paoli – der erste und offizielle Editor von XML 1.0 (First Edition) wurde. Neben dieser personellen Kontinuität in Gestalt des Geisteswissenschaftlers Sperberg-McQueen (bis 2009 dann selbst beim W3C tätig, heute Berater mit eigener Firma) sind auch die Arbeiten der TEI und ihrer Erfahrungen in einem großen, räumlich verteilten Konsortium mit SGML wesentlich gewesen für die Entwicklung von XML.

    • Howdy, Herr Lobin,
      XML ist Die Daten und ihre Strukturen beschreibende Meta-Sprache, kA, wer sie erfunden hat, wissen Sie hier Näheres?
      Sie entspricht genau dem, was eine derartige metaphorische Beschreibungssprache zu leisten hat, sie setzt i.p. Scope und gültige Parameterbereiche standardisiert genau das, was ansonsten jeweils programmiert werden müsste.
      I. p. XML als ‘geisteswissenschaftliche Errungenschaft steift Dr. Webbaer hier ausdrücklich positiv auf, hier gibt es auch nichts zu diskutieren (das nicht direkt nieder gebügelt werden könnte – >:> )

      MFG
      Dr. Webbaer

      • PS:
        Das ‘Standisierte’ weiter oben meint natürlich Parser.

        ‘geisteswissenschaftliche Errungenschaft’ ist weiter oben nicht in einfachen Anführungszeichen abgeschlossen worden.

        Wobei XML dadurch, also durch seine formale Korrektheit bestätigt wird, es handelt sich bei XML um eine Meta-Sprache, die derart verlangt und Austausch, insbes. auch zwischen maschinellen Systemen erlaubt.
        Es geht eigentlich nur so, Dr. Webbaer war bereits vor vielen Jahren i.p. (Stichwort: COBOL >:->) Datenaustausch unterwegs.

        MFG
        Dr. Webbaer

    • Streng genommen ist HTML die Folge von XML (nachweislich).
      Die Formalität der Darstellung im Web ist – vgl. mit: ‘geisteswissenschaftliche Errungenschaft’ – der Webbaer “bärt” hier ein wenig auf:

      Der vierte zivilisatorische Schritt.

      • Nein, das ist nicht ganz korrekt. Tim Berners-Lee hat HTML 1990/1991 auf der Grundlage von SGML entwickelt, das seit 1986 zur Verfügung stand. XML wurde erst nach 1995 entwickelt und 1998 als W3C-Recommendation verabschiedet.

        • Ich glaube, @Dr. Webbaer wollte uns einfach alternative Fakten präsentieren.

          Davon wird es demnächst noch jede Menge mehr geben.

        • War eine blöde und metaphorisch gehaltene Einschätzung, dem Schreiber dieser Zeilen ist die historische diesbezügliche Entwicklung bekannt.

          KA, Dr. Webbaer hätte dies immer geschrieben wollen, diese auch zivilisatorisch wichtige Erkenntnis fand sich dann hier, beim geschätzten Herrn Dr. Lobin, in Kommentar #2149, lol.

          XML als „geisteswissenschaftliche Errungenschaft“

          Klar, in den Staaten ist dies ga-anz sicher bereits so formuliert worden, allerdings scannt dort Dr. W nur unzureichend.

          Das da weiter oben ist ernst gemeint, Kommentatorenfreund ‘Joker’, XML ist zentral.

          MFG
          Dr. Webbaer

          • *
            ‘Geschrieben haben wollend’?

            ‘immer schreiben wollen’?

            Opi W baut hier womöglich ein wenig d-sprachlich ab, hat seit ca. zehn Jahren die BRD nicht mehr besucht.

  31. Schönen Guten Tag, erstmal zu mir, ich studiere Medizin mache dieses Jahr meinen Abschluss.

    @an den der Godwyns Law zitiert hat, meinen Respekt,
    @ an den davor toppen wir das noch kurz, Hitler war Geisteswissenschaftler (Kunststudium oder der Versuch soweit bekannt)
    @Mail danke für diesen Link
    https://www.welt.de/debatte/kolumnen/die-strenge-stausberg/article138434594/Hurra-Viele-neue-Jobs-durch-Gender-Terror.html
    wirklich krass, dass es mehr Genderstudies Professuren gibt als Pharmazie, gibt auch nur 5 Hochschule für Tiermedizin in ganz Deutschland.
    Und der Ärztemangel der sich über 2020 bis 2025 stark verschärfen wird, hat sich außer mit durchfallquote von 50% auch damit zutun das sich seit wiedervereinigung die vollstudienplätze nicht erhöhthaben, also seit 1996 werde jedes Jahr genauso viele Ärzte mit dem Studium fertig obwohl der Bedarf steigt, und durch Berentung der Babyboomerärzte zusätzlich verschlimmert wird. Und auch während man Labore Ops Krankenhäuser nicht herbei zaubern kann, wäre z.b. die Vorlesung Gesundheitsökonomie nicht mit 400 Leuten gewesen sondern vielleicht mit seminaren und 40 Teilnehmern. damit man wirklich versteht warum Rehaanträge abgelehnt, werden Niedergelassen Ärzte so knappes Budget haben etc.
    Aber das zu kurz kommen der Naturwissenschaften fängt doch schon in der Schule an. Deutsch Englisch 3. Fremdsprache haben zusammen soviele Stunden oder mehr (je nach Jahrgang 12-14) wie Mathe,Bio,Physik,Chemie, (10-12) aber wir haben ja auch noch Politik,Erdkunde,Geschichte,Musik,Kunst,Ethik,Theather,Religion. Und während ich selbst im Medizinstudium mit Erstsemestler hatte, die ohne Bio,Physik,Chemie, Mathe nur Grundkurs, zum Abi kamen, gab es andereseits, keine der ohne Geisteswissenschaften auskam.
    Und so gibt es Menschen wie eine Exfreundin, die mit 28 Jahren, 10 Jahren Fahrerlaubnis, 8 Jahre Autobesitzerin, Abi und Studium zur Bibliothekarin, nicht weiß wie ein Motorfunktioniert, wozu das Öl da ist (ihre Meinung nach ein Benzinzusatz zur Verbrennenung, nicht etwa wegen Reibung) . Und während vermutlich was jeder Maschinenbau ertis weiß was Geothes Faust ist, fragen sie mal bei den Germanistik ertis nach was ein Dreisatz ist und wie der geht oder einfachster Bruchrechnung. Und ich bin mir sicher das ich ohne die Fähigkeit Faust zu interpretieren, einen Einkauf bewältigen kann, aber kaum ohne Dreisatz udn Bruchrechnung um mal aus der Welt der Akademiker zum normal Bürger zukommen. Und daher sollte man sich schon mal fragen, wozu einzele Teile ihre Berechtigung im Verhältnis haben.

    Um ein Anderes Argument aufzugreifen, es ist mit nichten so das es alleine ein problem der Absolventen ist, wenn sie etwas studieren, es gab einen Boom in den 70-80 für Ernährung und etc. dafür sogar in Badenwürtenberg ne eigene Hochschule Mangelsjobs wurden diese Teilweise kreiirt, bzw. machen alleine einen Aufheilpraktiker und anderes. Es wird in extrem Fällen auch zum gesellschaftlichen Problem, und bei 190 Professuren für Genderstudies im Vergleich zu 190 Pharmazie, ist das ein extrem Fall. Den Genderstudies werden immer noch ausgebaut, das eine Hochschule eine Fachbereich Pharmazie neugründet ist wohl etwas länger her oder?
    Den es stimmt ein BWLer kostet mit Seminaren Prüfungen und anderen Anteilen an Vorlesungen, Mensa subvention etc. zwishen 30.000-40.000 Euro (teilweise weniger) ein Medizinstudent, wegen Leichen, Laboren, einzel Praktika im Op und im Krankenhaus in klein Gruppen, zwischen 200.000-250.000 man müsste also 5 im besten Fall 8,3 im schlechtesten BWL-Studienplätze streichen nur um einen Medizinstudienplatz zuschaffen. (kenne die kosten für Pharmazie und Genderstudies nicht (denke aber Pharmazie und Medizin sind teilweise vergleichbar) und BWL udnd Genderstudies mit reinem Papier und Tafel unterricht auch (Näherungsweise).

    Zudem musste ich mich nicht von Medizinern oder Ingenieuren als Rassist beschmipfen lassen, als ich mit einer Gruppe von Soziologie und Linguistik-Stundenten zusammen saß. Und diesen erklärte, dass die Wissenschaft der Eugenic von den Nazi in den Dreck gezogen wurde, aber heute immer noch gebraucht wird. Den so haben z.B. Ostasiaten weniger aktive Enzyme zur Spaltung von Alkoholen, und deshalb würde Medikamnte die zur aktivierung oder Abbau dasselbe Enzym brauchten dort nicht funktionieren, und das ist leider ein Fakt. Es ging hierbei um Sozialmedizin, da es für eine Bevölkerungsgruppe entscheidend sein kann sowas zu wissen, wenn 1/3-2/3 von einer medizinischen Maßnahme (Medikament,Impfung was auch immer), nicht profitieren oder darunter sogar leiden. Dürfte mir aber sofort anhören, alle Menschen wäre gleich und das wäre ja total rassistisch und ähnliches. Gibt leider noch mehr Beispiele die hier den Rahmen sprengen.

    Das zu den ganzen Kommentaren hier.

    zu dem eigentlichen Bericht, schon krass was der Trump dort macht, und es wird noch schlimmer werden. da kann man nur hoffe, das hier nicht die AfD immer stärker wird, und sich die leute wirklich für Parteientscheiden die soziale politik machen, und as nicht nur noch im Namen stehen haben, ebenso gegen die möchte gern Christen, die selbt fussballspielende Katholiken wieder abschieben wollen.

    Und ist es nicht schn grundsätzlich Falsch jede Forschung egal ob Anwendungsbezogen, Naturwissenschaftliche Grundlagenforschung, oder Geisteswissenschaften (nicht Ideologiewissenschaften wie einige der Orchideenfächer auch heißen könnten) komplett dem freien Markt überlasen werden? Den einen Armuts und Reichtums bericht, wird kaum eine Firma beantragen.

    Und wo wären wir heute ohne die entwicklungen in der Theologie von Martin Luther, ohne die Aufklärung von Philosophen und Soziologen. Ohne Journalisten die ja irgendwo mal schreiben und quellen analyse lernen mussten? Kindergärtner die Erziehungswissenschaftler brauchen. Leute die Museen einordnen, und verwalten?
    Wir brauchen die Geiteswissenschaften vielleicht mehr back to the roots, als irgendwelche abgefahrenen stilblüten (um bei der Orchideen metapher zubleiben), aber selbst Medizin und Pharmazie haben ihre schwarzen Schafe, die Homöpathen zum Beispiel (nicht Naturheilkunde, nicht Pflanzenheilkunde, nicht fernöstliche Medizin, nicht ganzheitliche Heilkunde, nur Homöpathie mit Simile et Simlies prinzip) die hinten und vorne nicht funktioniert, geld ohne Ende kostet, und deren Befürworter (teilweise aus den 80igern aus den ganzen öko-studiengängen) bewusst versuchen, so ztun als hätten sie was mit den anderen nicht schulmedizinischen Fächern zutun, und die Grenzen verwischen und mit ihre halbwahrheiten schon viele geschadet haben.

    Danke für zuhören.

    PS. Giftgas wie N-Lost und S-Lost waren die Grundlage für die ersten Chemotherapeutika, und ohne Kernspaltung könnte wir uns nie die Fusionerhoffenn, auch in Chemie und Bio und Physik bringen irrwege manchmal die Menschheit voran.

    • “Hitler war Geisteswissenschaftler (Kunststudium …”

      Nein, nein, Künstler sind keine Geisteswissenschaftler. Künstler können Intellektuelle sein, aber auch Intellektuelle sind nicht notwendigerweise Geisteswissenschaftler (und umgekehrt).

      Sicherlich, wenn damals die Akademie Hitler genommen hätte, hätten wir vielleicht einen schlechten Künstler mehr und einen Diktator weniger. Der Tausch wäre das wert gewesen. 😉

    • “@an den der Godwyns Law zitiert hat, meinen Respekt”

      Ja, ein klassischer Schenkelklopfer! Leider wurde mein Hinweis auf das Dritte Reich nicht dahingehend verstanden, dass aktuell die neue Rechte, nämlich die AfD, ebenfalls mit dem gesunden Menschenverstand argumentiert. Und wohin das führte wissen Sie hoffentlich.

  32. Diese Entscheidung hat ihre Ursache wohl weniger im Neoliberalismus (dem Trump trotz seiner Wirtschafts- und Reichenfreundlichkeit nun gerade nicht anhängt), auch wenn sie damit kompatibel ist. Viel wichtiger ist ein anderes ideologisches Element, nämlich Antiintellektualismus (einige Kommentator_innen führen dieses Ressentiment hier ja bilderbuchmäßig vor). Gepaart mit Antielitismus ist das ein ganz wesentlicher Bestandteil aller Rechtspopulismen und speziell auch bei Trump selber, und das ist übrigens eins der Elemente, die den modernen Rechtspopulismus mit dem klassischen Faschismus verbinden.

    Das ist nun nicht einfach das Ressentiment der Dummen gegen die Klugen, obwohl das manchmal und grade bei Trump auch eine Rolle spielen mag. Aber es geht ja nicht zufällig speziell gegen die Geistes- und Sozialwissenschaften, während MINT-Fächer meist nicht so unter Beschuss stehen. Ich glaube aber nicht, dass es hauptsächlich um Nützlichkeit oder deren vermeintliches Fehlen geht. Der wesentliche Punkt scheint mir darin zu bestehen, dass sich Geistes- und v.a. Sozialwissenschaften mit der menschlichen Gesellschaft befassen und z.T. politische Schlussfolgerungen ermöglichen. Der rechtspopulistische Politikansatz setzt aber auf den “gesunden Menschenverstand”, also auf Vorurteile und unhinterfragte Überzeugungen. Darum werden als Argumente für die Beibehaltung oder die Rückkehr zu früheren gesellschaftlichen Verhältnissen immer wieder die Natur, Gott oder eine Art A-Historie (“das war schon immer so!”) bemüht. Wird dieser unvernünftige Zugang zur Welt durch eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Gesellschaft in Frage gestellt, entwickelt sich die Vernunftferne zur Vernunftfeindlichkeit weiter.

    Es ist bei all dem kein Zufall, dass von allen Sozialwissenschaften am stärksten die Gender Studies attackiert werden. Und dass es auch Naturwissenschaften trifft, die politisch relevant sind, wie etwa die Klimaforschung.

    Man sollte sich da nichts vormachen: Rechtspopulismus ist vernunft- und wissenschaftsfeindlich, das ist ein Wesenskern dieser Strömung. Wo sie an die Macht gelangt, ist sie eine Bedrohung insbesondere der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften.

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  35. Die Kommentare auf dieser Seite zeigen, dass viele hier von der geisteswissenschaftlichen Wirklichkeit ganz weit entfernt sind. Auch für geisteswissenschaftliche Forschung bekommt man das Geld nicht einfach “zugeworfen” – man stellt, wie alle anderen auch, Projektanträge, bei der DFG, dem BMBF, dem DLR usw. Und heute geisteswissenschaftliche Projekte ohne IT-Anteil bewilligt zu bekommen, ist nicht die Regel. Zumindest nicht, wenn wir hier von mehr Geld als “ein Hiwi erschließt die Briefsammlung von X” reden. Bei meinem derzeitigen Projekt war ein IT-Anteil von 50% gefordert. Die Auswahlkommitees auch für geistenwissenschaftliche Projekte setzt sich wie überall aus Personen aller Fachgebiete, auch Naturwissenschaftlern, zusammen.

    Ich arbeite in der geisteswissenschaftlichen Forschung, genauer im Bereich Digital Humanities. Und XML ist die GRUNDLAGE jeglicher Arbeit, die wir tun. Weil es darum geht, große, digitale Datenbestände zu generieren, erschließen und weiter zu verarbeiten. Natürlich kann ich historische Methoden anwenden und auch Handschriften aus dem 17. Jhd lesen – und diese Expertise brauche ich auch, um die Daten richtig verwerten zu können. Aber meine Hauptarbeit steckt in Datenaufbereitung, Metadatengenerierung, Objektablage, Virtuellen Forschungsdaten, Informationsvisualisierung, Speicherstrukturen etc.

    Man muss da trotzdem ganz klar sagen: Heutige Geisteswissenschaftler, die denken, dass sie ohne IT-Kenntnisse auskommen, werden es auf dem Markt sehr schwer haben. Da befinden wir uns im Umbruch, genauso wie es zurzeit viele Hybridkonstrukte aus analogen und digitalen Materialien gibt. Deswegen gibt es sicherlich noch eingefahrene und eingestaubte Studiengänge. Da tun sich die Studenten aber definitiv keinen Gefallen, wenn sie strikt “analog” bleiben.
    Wer denkt er kann heute Geschichte studieren, Schwerpunkt Mittelalter und bekommt dann ne feste Stelle als Professor an ner Uni – das wird nicht passieren.

  36. @earendil
    mit allem einverstanden, insbesondere auch damit:
    ‘Der rechtspopulistische Politikansatz setzt aber auf den „gesunden Menschenverstand“, also auf Vorurteile und unhinterfragte Überzeugungen. ‘
    Was aber hierzulande meist zu kurz kommt:
    Der linkspopulistische Politikansatz setzt aber auf das “gesunde Gerechtigkeitsempfinden” also auf Vorurteile und unhinterfragte Überzeugungen.

    Oftmals vermischt und ergänzt sich sich Beides, je nach Bedarf.

  37. Ich hab jetzt nicht alles durchgelesen. Steht hier schon irgendow, dass NEH nur einen Bruchteil der Gesamtförderung von Geisteswissenschaften in den USA ausmacht, da riesige Summen für Geisteswissenschaften aus privaten Mitteln und Stiftungen stammen? Ganz anders wie bei uns.

    • Das muss man in der Tat berücksichtigen, und deshalb ist in der Überschrift des Beitrags auch von “staatlicher Förderung” die Rede. Am Ende des zweiten Absatzes findet sich sich der Hinweis auf die ungleich größere Finanzkraft amerikanischer Forschungsuniversitäten, hinter denen ja oftmals große Stiftungen stehen. In diesem Report finden sich genauere Zahlen zur privaten Förderung (vor allem auf den Seiten 10 und 11). Danach betrug diese für die Geisteswissenschaften im Jahr 2012 geschätzte 416 Mio. Dollar, allerdings mit einem Rückgang von 18 Prozent seit 2007.

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