Demokratie und Diskursgemeinschaft

Bei der Debatte über die Zukunft der Demokratie, die gegenwärtig mit immer neuen Beiträgen befeuert wird, bleibt ein Aspekt völlig unerwähnt. Ob nun die Art und Dichte der Partizipation, die Bedrohung objektiver Informationsmöglichkeiten durch KI-generierte Fake News oder die immer stärkere Präsenz antidemokratischer Staatsauffassungen – kaum jemals geht es um die Grundvoraussetzung eines demokratischen Staatswesens überhaupt: die gemeinsame Sprache, in der ein demokratischer Diskurs nur geführt werden kann. Auch bei Veranstaltungen wie den Aktionswochen für die Demokratie stehen andere Aspekte im Vordergrund: demokratische Tradition, Toleranz für Vielfalt und Meinungsfreiheit, das Grundgesetz.
Dabei ist das Vorhandensein einer gemeinsamen Sprache und ihres differenzierten Gebrauchs eine entscheidende Voraussetzung für ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen. Wie sonst sollen wir Argumente formen und austauschen, Begründungen geben, Meinungen vermitteln und politische Positionen beschreiben? Wie anders als mit den Mitteln der Sprache soll Demokratie als Sozialform gestaltet werden? Nicht ohne Grund werden im Bundestag keine Powerpoint-Präsentationen gehalten. Doch diese Blindheit gegenüber der Rolle von Sprache in der Demokratie ist schon im Grundgesetz zu beobachten. Das Wort Sprache kommt in der deutschen Verfassung mit ihren 146 Artikeln und mehr als 20.000 Wörtern überhaupt nur ein einziges Mal vor: in Artikel 3, dem Gleichheitsartikel unter den Grundrechten.[1] Dort heißt es im dritten Absatz, dass niemand wegen seiner Sprache benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Aus dieser Regelung wird vor allem der Status von Minderheitensprachen in Deutschland abgeleitet. Zur Landessprache Deutsch hingegen findet sich, anders als in den Verfassungen der anderen deutschsprachigen Länder, nichts.
Selbst Jürgen Habermas, dem wir unsere heutige Auffassung von Demokratie in wichtigen Teilen verdanken, behandelt die spezifischen sprachlichen Voraussetzungen des herrschaftsfreien demokratischen Diskurses so gut wie gar nicht. Zwar greift er in seiner Theorie des kommunikativen Handelns[2] mit der Sprechakttheorie eine der wichtigsten Theorien der linguistischen Pragmatik der 1970er Jahre auf, doch bleiben auch bei ihm so zentrale Konzepte wie Sprachkompetenz, Verständlichkeit, Argumentationsstruktur oder Gesprächsdynamik unberücksichtigt – ganz zu schweigen von noch grundlegenderen Fragen, die sich heute aus Mehrsprachigkeit, unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen oder der Technologienutzung ergeben.
Sprache in der Staatstheorie
Dabei spielen die sprachlichen Grundlagen einer Gesellschaft in der allgemeinen Staatstheorie ursprünglich sehr wohl eine wichtige Rolle. Für Aristoteles etwa bildet die Sprachfähigkeit des Menschen eine von zwei anthropologischen Voraussetzungen dafür, dass wir in staatlichen Gemeinschaften leben.[3] Der englische Philosoph Thomas Hobbes entwickelt 1651 in seiner berühmten staatstheoretischen Abhandlung „Leviathan“[4] geradezu eine komplette Sprachtheorie. Für ihn ist die Unschärfe und der bewusste Missbrauch der Sprache die Ursache dafür, dass immer wieder die anthropologische Prägung des Menschen durchbricht, die für ihn eine ganz andere ist als die bei Aristoteles, nämlich der Krieg aller gegen alle. Nur der Souverän, gleichgültig ob ein Monarch oder das ganze Volk, kann durch Definitionen der Begriffe semantische Unschärfe beseitigen und so den gesellschaftlichen Frieden bewahren.
In der Tat ist bei näherer Betrachtung vieles in unserem heutigen Staatswesen von sprachlichen Setzungen abhängig, angefangen bei der Sprache von Gesetzen und Verordnungen, mit der die von Hobbes geforderte sprachliche Klarheit angestrebt wird. Und auch wenn Sprache im Grundgesetz nur im Sinne des Respekts vor der sprachlichen Vielfalt vorkommt, so wird das Deutsche im Staatsangehörigkeitsrecht und als Amts-, Gerichts- und Schulsprache gesetzlich ganz unmissverständlich eingefordert. An verschiedenen Stellen betreiben Bund und Länder zudem explizit Sprachpolitik, die vor allem die sprachliche Förderung zum Ziel hat, und mit dem Goethe-Institut leistet sich Deutschland für fast eine Viertelmilliarde Euro ein Instrument der auswärtigen Kulturpolitik zur Förderung der deutschen Sprache in der Welt. Das Deutsche spielt also beim konkreten staatlichen Handeln sehr wohl eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Das Nationalitätsprinzip und die Sprache
Historisch gesehen kann die Rolle der Nationalsprachen sogar kaum überschätzt werden. Ab dem 19. Jahrhundert bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war es eine allgemein anerkannte Grundüberzeugung, dass Staaten als Nationalstaaten auf der Grundlage der Einheit von Staatsgebiet, der Verbreitung der Landessprache und der jeweiligen Kultur und Geschichte entstehen sollten, das sogenannte Nationalitätsprinzip.[5] Da aber die kulturellen und historischen Prägungen von Menschen schwer zu erfassen sind, etablierte sich die geografische Ausdehnung eines Sprachgebiets als das Mittel der Wahl, um die Grenzen eines Staates festzulegen. In der Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49 drehte sich die Debatte lange darum, ob nun die dänischsprachigen Gebiete im Norden, die polnischsprachigen im Osten und die nicht-deutschsprachigen Landesteile des damaligen Österreich im Süden zum Deutschen Reich gehören sollten oder nicht. Letztlich ist die deutsche Revolution in der Nationalversammlung sogar an dieser Frage gescheitert, da sich die Habsburgermonarchie in dem projektierten Deutschen Reich nicht auf seine deutschsprachigen Territorien beschränken lassen wollte. Der „Kompromiss“ von 1871, die kleindeutsche Lösung ohne Österreich, war, wie wir aus heutiger Perspektive wissen, einer der Anlässe für Hitlers großdeutsche Politik hin zum Anschluss Österreichs, die nachfolgenden Annexionen tschechischen Staatsgebiets, schließlich zum Angriff auf Polen und somit der Weg in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.[6]
Die historische Ironie bei der Anwendung des Nationalitätsprinzips liegt aber darin, dass die „alten“ Nationalstaaten, allen voran das große Vorbild Frankreich, selbst überhaupt nicht auf dieser Grundlage entstanden sind. Die Einheit wurde vielmehr erst nach der Staatsgründung bewusst hergestellt, sowohl sprachlich als auch kulturell. Zum Zeitpunkt der Französischen Revolution beherrschten gerade einmal die Hälfte der Bevölkerung das Französische, davon ein beträchtlicher Teil nur leidlich.[7] In Italien, ähnlich Deutschland ein „später“ Nationalstaat, war die Situation sogar noch extremer: Gerade einmal 2,5 Prozent der Bevölkerung waren zum Zeitpunkt der Staatsgründung 1861 des Italienischen mächtig.[8]
Trotzdem entfaltete das Nationalitätsprinzip seine enorme Wirkung, wenn auch, wie Eric Hobsbawm schon 1990 beschrieben hat, weniger bei der Gründung von Nationalstaaten als vielmehr bei der Entstehung des Nationalismus.[9] Wie dies aussah, konnte man im 19. Jahrhundert am Beispiel Deutschlands sehen: die Beschwörung der sprachlich-kulturellen Einheit durch eine kleine kulturelle Elite vor der Reichsgründung, die Entfaltung eines immer ungehemmteren Nationalismus einschließlich der „Reinigung“ des Deutschen von fremdsprachigen Einflüssen danach.
Sprache im postnationalen Staat
Das heutige Deutschland unterliegt nicht mehr dem Nationalitätsprinzip, niemand strebt an, seine Grenzen zu verschieben und die friedliche Koexistenz mit den anderen deutschsprachigen Ländern in Frage zu stellen. Deutschland ist ein postnationales Land geworden. Die staatliche Gegenwart wird in sprachlicher Hinsicht geformt durch Mehrsprachigkeit, bedingt durch Migration, Mobilität und Globalisierung, grenzüberschreitende Medien und einer infolgedessen sprachlich und ethnisch zunehmend inhomogenen Bevölkerung. Statt der einen gibt es viele parallele kulturelle Prägungen und Vorstellungen in und von der Gesellschaft, und selbst die Geschichte Deutschlands ist für viele Menschen, die eine individuelle Migrationsgeschichte besitzen, nicht die primäre historische Erzählung, auf die sie sich beziehen. Staatskonzepte, die auf dem Nationalitätsprinzip beruhen, lassen sich zumindest für den deutschsprachigen Raum nicht mehr ernsthaft propagieren. Zugleich bietet aber auch die Demokratietheorie keinen Ansatzpunkt dafür, den funktionalen Status einer gemeinsamen Sprache in einer demokratischen Gesellschaft näher zu bestimmen. Wie also lässt sich die faktische Bedeutung der deutschen Sprache im Staat mit ihrer postnationalen Relativierung in Verbindung bringen?
Sieht man sich die Debatten an, die in der Öffentlichkeit geführt werden, so werden diese in deutscher Sprache geführt, und niemand stellt dies grundsätzlich in Frage. Es sind Debatten, denen Medienunternehmen eine Plattform bieten. Auffällig an diesen Debatten ist aber, dass sie nur selten grenzüberschreitend geführt werden, selbst dann nicht, wenn es sich um die benachbarten deutschsprachigen Länder handelt und dies auf internationalen Medienplattformen geschieht. Debatten in Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport machen zumeist an den Landesgrenzen halt, sie werden nicht übergreifend beispielsweise in Deutschland und Österreich geführt. Zwangsläufig so sein müsste dies nicht. Die Unterschiede in den Bereichen des Rechts, der Politik, vielleicht auch in der Landeskultur sind aber offenbar so groß, dass eine gemeinsame Basis für einen übergreifenden Diskurs selbst bei international konvergierenden Themen nicht existiert.
Diese Selbstverständlichkeit des Bezugs auf das Deutsche bei diesen Debatten ist verblüffend angesichts einer gesellschaftlichen Situation, in der nahezu jeder Wert, jede Norm und jede Institution hinterfragt wird. Für große Teile der Gesellschaft gibt es nur noch einen anderen Bezugspunkt, der ähnlich unverrückbar ist: das Grundgesetz. Die darin enthaltenen Grundrechte, die Regelungen zur Staatsorganisation und zu den demokratischen Verfahrensweisen bilden ein ähnlich stabiles Fundament des Staates wie die deutsche Sprache für den öffentlichen Diskurs.
Der Staat als Diskursgemeinschaft
Der Bezug auf die Sprache hat genauso wenig mit dem Nationalitätsprinzip zu tun wie das Vertrauen in das Grundgesetz. Die Anerkennung des Rangs des Grundgesetzes für die deutsche Identität ist von Dolf Sternberger und Jürgen Habermas bekanntlich als „Verfassungspatriotismus“ bezeichnet worden.[10] Eine vergleichbare Bezeichnung für die selbstverständliche Anerkennung der deutschen Sprache als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses gibt es nicht, „Sprachpatriotismus“ würde weit daran vorbeigehen. Eine adäquate Bezeichnung müsste vielmehr darauf abheben, dass das Deutsche in Deutschland als die gemeinsame Sprache Verwendung findet, wenn es um den gesellschaftlichen Diskurs geht. Vielleicht kann dies im Begriff der „Diskursgemeinschaft“ erfasst werden.
So wie der Verfassungspatriotismus an die Stelle des Nationalismus getreten ist, ist eine sprachlich homogene Diskursgemeinschaft somit an die abstrakte Gemeinschaft der Muttersprachler getreten, die dem sprachinduzierten Nationalismus zugrunde liegt. Auf diese Weise bringt sich die deutsche Sprache heute also in die demokratische und pluralistische Verfasstheit des postnationalen Deutschland ein. Und das führt uns zu dem überraschenden Befund, dass die deutsche Sprache, vielleicht gerade weil sie bei der Beschwörung der Demokratie so unsichtbar ist, ihre Selbstverständlichkeit demonstriert und gerade mit ihr das einzig wirklich Verbindende in einer durch ein hohes Maß an Vielfalt und Individualisierung geprägten Gesellschaft gegeben ist, zusammen mit dem durch Übereinkunft geschaffenen staatlichen Rahmen selbst. Ist also heute die Sprache dieser Diskursgemeinschaft das einzige verbliebene Band, das in einem postnationalen Staat wie Deutschland die Staatsgemeinschaft begründet?
[1] S. https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html. Der Absatz latuet vollständig: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
[2] Vgl. Habermas, Jürgen (1981): Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
[3] Vgl. Aristoteles (2012): Politik (Philosophische Bibliothek, Bd. 616). Hamburg: Meiner, Pos. 1253a1.
[4] Vgl. Hobbes, Thomas (2005) Leviathan (Philosophische Bibliothek, Bd. 491). Hamburg: Meiner, S. 23-32.
[5] Hobsbawm, Eric J. (1991): Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780 (3. Aufl. 2005). Deutsche Übersetzung von Udo Rennert der englischen Originalausgabe von 1990. Frankfurt/Main, New York: Campus, S. 121.
[6] Vgl. Lobin, Henning (2025): Nationalsprache Deutsch? Entwicklung und Status der deutschen Sprache in Mitteleuropa. In: Zeitschrift für Mitteleuropäische Germanistik 11. Wien: Präsens, 2025. S. 253-272.
[7] Vgl. Klare, Johannes (2011): Französische Sprachgeschichte (Romanische Sprachen und ihre Didaktik, Bd. 33). Stuttgart: Ibidem, S. 153.
[8] Vgl. Schwarze, Sabine (2021) Externe Geschichte des Italienischen. In: Antje Lobin & Eva-Tabea Meineke (Hrsg.) Handbuch Italienisch. Sprache – Literatur – Kultur. Berlin: Erich Schmidt Verlag. S. 16–26, hier S. 23.
[9] Vgl. Hobsbawm, Eric J. (1991): Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780 (3. Aufl. 2005). Deutsche Übersetzung von Udo Rennert der englischen Originalausgabe von 1990. Frankfurt/Main, New York: Campus.
[10] Zu den beiden zentralen Texten und dem weiteren Diskurs zu diesem Begriff vgl. Augsberg, Steffen (Hrsg., 2024): Verfassungspatriotismus. Konzept, Kritik, künftige Relevanz. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt.
[Beitragsbild: KI-generiert]
Wenn Sie S-Bahn fahren, befinden sich im Waggon, statistisch gesehen, 100 nette Menschen und ein Arschloch. Weil keiner weiß, wer das Arschloch ist, schleichen alle sehr vorsichtig und höflich umeinander herum, wie Wanderer durch den Dschungel. Erst wenn so ein wandernder Baum mit Werwolfpotenzial den Mund aufmacht, macht es Klick, und er wird zum freundlichen Menschen.
Nur dank dieses einen, theoretischen Arschlochs haben alle ihre Ruhe. Sonst wäre ja Karneval, jeder würde hemmungslos jeden anquatschen, jeder Mensch müsste selbst zum Arschloch werden, wenn er nicht in Stimmung ist, und die penetrante, sorglose Freundlichkeit der Anderen selbst abwehren, und zwar umso öfter, je freundlicher er das täte, also würde es nur klappen, wenn er es einmal ganz laut und deutlich macht und damit allen Unrecht tut, womit er sich dann als Arschloch und Oberspaßbremse des Waggons freiwillig melden würde – wir wären wieder im Urwald, auf dem Friedhof der Grabsteine, unter denen grabende Zombies rascheln.
Der stumme Start ermöglicht es uns, unsere Schaltkreise frei zu schließen. In kleinen Gruppen zu bleiben, die miteinander vertrauter sind als mit den anderen, und sich nach Außen genauso abschotten wie Individuen. Sie alle finden eine gemeinsame Sprache, die sie vom Rest der Welt abhebt. Und schon haben Sie Nationalstaaten.
Wenn ich an Europa denke, habe ich zwei Pläne – A: Die Bewahrung der Nationen, und B: Die Beseitigung der Nationen. Welchen Plan ich bevorzuge, ist nicht meine Entscheidung, sondern die der Wähler und Nationen.
Plan A ist aufwändig, denn er erfordert von jedem Zweisprachigkeit. Familien-Cockney, Regional-Dialekt, das sprechen wir alle. Sie dienen dazu, uns von der Mehrheit abzugrenzen, auf jeder Hierarchiestufe – die Gruppe vom Waggon, das Pärchen vom Freundeskreis, Mami und Kind von den anderen Müttern mit ihren Kindern. Sie sind voller Passwörter, Codes, Stolperfallen, Insider-Wissen, Unregelmäßigkeiten, die jeden Eindringling auf Schritt und Tritt überprüfen und schnell entlarven. Er könnte eine Gefahr sein, und selbst wenn er harmlos ist, kennt der die Gegend nicht und wird sich aufführen wie ein Elefant im Porzellanladen, er muss genauso an die Hand genommen werden, wie ein Kind, das die Welt noch nicht kennt, in die es hineingeboren wurde.
Doch wir brauchen auch eine Sprache, die jeder versteht. Und hier sind die Nationalstaaten gescheitert, denn Sie können zwar den deutschen Völkern einreden, sie wären ein deutsches Volk und ihre Sprachen bloß Dialekte, aber für Franzosen oder Polen wäre das Erlernen einer so fremden Lingua Franca wie Hochdeutsch harte Arbeit, und auf harte Arbeit kennt der Homo Sapiens nur eine vernünftige Antwort: Krieg!
Wenn Sie es dann doch schaffen, viele Völker mit Gewalt oder unter Ausnutzung höherer Gewalt in einen Staat zu pressen, führt die gleiche Abneigung gegen harte Arbeit dazu, dass ihre Ursprungssprachen aussterben. Man braucht kein Hebräisch in Deutschland, wenn’s Jiddisch auch tut, das versteht auch keiner, das schließt auch Fremde aus, es gibt Überreste des Hebräischen, aber es ist trotzdem sehr einfach zu erlernen.
Die Nationalstaaten Europas sind zu klein und schwach, um frei zu überleben, ihre Liquidierung ist genauso nur eine Frage der Zeit, wie sie es einst für deutsche Fürstentümer war – einmal Schweden drüber, einmal Napoleon, ein paar Zölle und Lokalkriege, schon ist man fix und fertig, OK, der Nächste darf dann – oh, Glück gehabt, die Eroberer sind Preußen, da müssen die Kolonisierten nicht so viel lernen, es gibt viele kulturelle und geschichtliche Gemeinsamkeiten, da hatten’s Sorben oder Irokesen oder Basken schwerer.
Sprache, Religion, Kultur, sind genauso Unterscheidungsmerkmale wie Hautfarbe – die Amerikaner hassen einander wegen Hautfarbe, die Europäer hassen einander, weil sich immer ein Vorwand findet. Und so kommt immer wieder ein Echnaton, Konstantin, Mohammed, Hitler, Putin, Trump, der es einfach satt hat, und alle auf die Lingua Franca schaltet, mit gemeinsamer Religion, Mythologie, Identität. Was die Inder, die Chinesen, die Amerikaner heute machen, haben die Europäer schon vor 200 Jahren gemacht: Sich in radikale Theokratien verwandelt, Sekten mit der Staatsreligion Nation – aus Europa ist das antike Griechenland geworden, mit den vielen Stadtstaaten und ihren Göttern.
Fühlt sich irgendwie komisch an, herauszufinden, dass Sie ein Taliban sind, nicht?
Für mich spricht nix gegen einen Olymp mit Brüssel oder Washington als Zeus. Allerdings entsteht in einer Föderation immer eine Mischbevölkerung, die Provinzen behalten ihre eigene Kultur bei, doch wer was drauf hat, ob Ambitionen oder Fähigkeiten, sucht sein Glück in der großen Stadt. In der Stadt entstehen dann wieder ethnische Viertel, die die gleiche Rolle wie die Provinzen übernehmen – aus den Gettos und Harlems und Chinatowns erfolgt der soziale Aufstieg vom Juden, Schwarzen, Chinesen, zum Amerikaner.
Und so bilden alle möglichen Barrieren den Schutz, der die Ethnie vor dem intellektuellen Ausbluten schützt. Die Ossis Amerikas sind wenigstens alle schwarz, die Leistungsfähigen können nicht einfach die Mauer sprengen, in den Westen rüber machen und Rentner und Gangster zurücklassen, die sich dann als Gangsta-Truppe um Abu Höckes kriminellen Clan organisieren und gucken, dass sie möglichst viel im Westen plündern können, bevor jemand die Polizei ruft und Stacheldraht um ihr Getto macht, sodass Ossi im Westen zum N-Wort wird und die Leute keine Jobs mehr bekommen, außer als Billig-Baumwollpflücker und Kanonenfutter. Sie sind vom Anfang an in dem Sachsen-Anhalt aus feuchten Träumen der AfD gefangen.
Wer da noch raus will, wird auf Eliza Doolittle machen müssen, mit sehr viel Sprachtraining, Verkleidung und gefälschtem Stammbaum.
Plan A, die Erhaltung der Nationen innerhalb einer Föderation, würde also eine gewisse Umverteilung fordern. Wir müssten bewusst zwei Sprachen lernen, bewusst Arbeit zuweisen, bewusst zwei Nationen unterhalten – die europäische Mischnation und die ursprüngliche Nation. Es müsste nützlich sein, der Letzteren anzugehören, doch die Mischnation wird gebraucht, um all das zusammenzuschweißen, wie einst der Adel Europa zusammenschweißte, und der Handel den Planeten zu den Vereinigten Staaten vom Aktienmarkt gewandelt hat. Die sprechen einen Mathe-Dialekt, eine primitive Schlumpfsprache, in der Brot und Hunger beide Geld heißen, und so merken sie nicht, dass ein Plus oder Minus in der Buchhaltung nicht das eine in das andere verwandeln kann.
Wirtschaft. Sie macht die ganze Arbeit. Staaten sind Firmen, die Wirtschaft schafft Völker und löscht Völker aus, trennt sie und verschmilzt sie, erhält jene, die sich auf einen Job spezialisieren können, wie einst die Juden oder Lipka-Tataren, stuft jene herab, die keine Funktion für sich finden, schafft Sprachen, die Funktionieren ermöglichen, versucht, aus der Insolvenzmasse anderer Staaten, Kulturen, Sprachen, Kapital zu schlagen, wie es gerade geht.
Deutschland wird von der Sprache und der Hauptstadt geeint, von der Geografie und Wirtschaft gespalten – den Osten zieht es zu den Tataren, den Nordosten zu den Piraten, den Süden zu den Sklavenhaltern, denn wer nix hat und nix kann, wird Boss – was gelogen ist, denn genau das ist sein Kapital, wenn man zu nix Zugang hat, dann hat auch nix Zugang zu einem, und man kann da prima eine Räuberhöhle oder eine Burg hinstellen, wo man alle Reichtümer aufbewahrt und von dort aus Steppenräuber und Piraten finanzieren. Solange Berlin die Regionen kontrolliert, aussaugt, Investitionen kontrolliert, die Profite umverteilt, kurzum, solange der Boss stark ist, kann das Land von allen drei Wirtschaftsformen profitieren. Wenn jetzt aber Moskau, Übersee, die Weltmärkte, die im Süden eingestöpselt sind, stärker ziehen als Berlin, kann Deutschland wieder zerrissen werden.
Und dann passiert, was in Polen-Litauen, Tschechoslowakei, Jugoslawien passiert ist, den anderen Bundesrepubliken, die aufgrund sprachlicher und kultureller Ähnlichkeit immer stärker zu Nationen zusammenwuchsen – jede Region bastelt sich eine Sprache aus dem eigenen Gangsta-Cockney, um sich möglichst klar von den anderen Scheidungskindern abzugrenzen.
Ich weiß echt nicht, was die potenziellen Windscheichs Niedersachsens mit den Fossil-Fanatikern der AfD machen sollten. Wenn sie in einem Staat mit denen bleiben, werden sie zuerst sabotiert und müssen Geld nach Moskau, Washington und Saudiarabien überweisen, statt in Windkraft zu investieren, dann müssen sie dem Osten Soli zahlen, also irgendwas zwischen Schmiergeld und Sozialhilfe. Warum nicht die Grenze dicht machen und den Strom verkaufen, sodass die Ossis für Niedersachsen arbeiten und nicht die Niedersachsen für die Ossis? Padanien-Nord gründen, sozusagen.
Dann wird Ostdeutschland selbst zur Rohstoffquelle, die My Fair Ladys für den Export züchtet, Hirnkühe und Fabrikackergäule – die halbe NASA kam aus Kuhkaffs, wo es kein intelligenter Mensch ausgehalten hätte. Die Raketentechnik kam zur NASA aus Europa, wo sie es vor lauter Weltkriegen zwischen Nationalisten-Gangs genauso wenig ausgehalten hat wie Einstein.
Aber dann bleibt die Schnorrer-Horde Putin überlassen, der setzt sie in Panzer und holt sich die Windräder, dann hat keiner was davon, außer dass wir alle Weißrussland sind, wo Abu Höcke Lukaschenko heißt, und jeder, der was aus sich machen will, Russisch lernen muss.
So wie er heute American English lernen muss. Europa wird zur Provinz, es wird ausgesaugt, weil es ein Spiel spielt, bei dem es nur verlieren kann – es geht den Weg des geringsten Widerstandes. Wir stehen geografisch und ethnisch auf einem Berggipfel, wir können entweder in die fruchtbaren Täler Amerikas, Indiens, Chinas, Südamerikas, irgendwann Afrikas, herabrollen – oder fliegen, uns hier ein Nest bauen, indem wir aus aller Welt Ressourcen herbeiholen, den Stürmen trotzen, nach den Sternen greifen, Steine verdauen lernen.
Und Deutschland – ist da ganz oben drauf. Weder Wirtschaft noch Bevölkerung enden an seinen Grenzen, weder denen des Staates noch der Sprache. Sind die Grenzen zu, verarmen wir, wenn wir das Ganze nicht als Gulag wie Nordkorea aufziehen. Sind die Grenzen auf, verarmen wir, weil jeder, der nach Mehr strebt, nach Besserem, nach Erfolg, nur im Ausland Hoffnung für sich sieht.
In Europa gibt’s lauter Indianerreservate, Gettos, mit dem gleichen Problem. In jedem dieser Staaten gibt’s Gettos mit dem gleichen Problem. Ob’s nun Parteien sind, Wirtschaftszweige, Lobbys, Bundesländer, Gemeinden, Ethnien, Regionen.
Der Babelturm stürzt nicht deswegen zusammen, weil er zu ambitioniert ist. Er stürzt zusammen, weil jeder sein Türmchen auf Kosten der Anderen bauen will, und eine solche Architektur instabil ist. Die Lingua Franca des Geldes hält ihn zusammen. Doch zum Funktionieren muss er die Welt um Mörtel und Ziegelsteine und Arbeiter anschnorren, und damit Dollar und Yuan sprechen, und für die ist Europa nur ein Dorf im Sachsen.
Plan A wird also schwierig. Plan B heißt, aus Europa einen Nationalstaat zu machen, große Territorien aufzugeben, in wenigen Mega-Städten zusammenzuziehen, wie es in Ländern wie China oder USA geschieht, wo Sprach- und Nationalgrenzen kein Hindernis darstellen. Die Sahara trocknet aus, die Völker fliehen in die Oase, in der größten, im Niltal entsteht eine Hochkultur. Die alten Sprachen sterben aus, die alten Götter widerstehen noch Echnaton, aber weder Jesus noch Mohammed. Und selbst aus diesem Ägypten kann nur irgendein dahergelaufenes Provinznest in den Kolonien von USA, Russland, China, Türkei werden.
Uns fehlt nicht so sehr die Sprache, um innerhalb der Demokratie zu kommunizieren. Uns fehlen die Sätze.
„Demokratie“ des reformistischen Kreislaufes des imperialistisch-faschistischen Erbensystems, wo das „gesunde“ Konkurrenzdenken des nun „freiheitlichen“ Wettbewerbs um Deutungshoheit der wettbewerbsbedingt-konfusen Symptomatik 1:5 (Wohlstand : Tittytainment) die Überproduktion des systemrationalen Kommunikationsmülls … – Der Höhepunkt des geistigen Stillstandes seit Mensch erstem und bisher einzigen GEISTIGEN Evolutionssprung („Vertreibung aus dem Paradies“)⁉️
Teil II
Die beste Form der Verständigung ist: Wirklich-wahrhaftige Vernunft und zweifelsfrei-eindeutiges Verantwortungsbewusstsein, in echter/unkorrumpierbarer Demokratie des globalen Gemeinschaftseigentums OHNE wettbewerbsbedingt-konfuse Symptomatik – Kommunikation für echte Ökologie & Ökonomie OHNE manipulativ-schwankende „Werteordnung“‼️
Für die Zukunft von demokratischen Gesellschaften ist nicht die Sprache allein ein entscheidendes Kriterium – sondern ob grundsätzlich überhaupt noch eine Bereitschaft vorhanden ist, andere Argumente überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.
Ich möchte dieses Problem mit einem konkreten Beispiel aus eigener Erfahrung belegen:
Ich habe seit 2006 eine komplette Erklärung für das Phänomen ´Nahtod-Erfahrung´(NTE) erstellt und veröffentlicht. Aber bis heute konnte ich im Wissenschaftsbereich und den Medien keine einzige Person finden, welche bereit ist, meine Hinweise zur Kenntnis zu nehmen.
Z.B. in allen Medien werden NTEs bis heute als unerklärbar dargestellt: dies bedeutet, dass dafür entweder seit 2006 keine sorgfältige Recherche zum Thema NTE gemacht wurde, oder dass man mit betrügerischer Absicht vorsätzlich Lügengeschichten verbreitet.
Z.B. weigern sich Wissenschaftler und Ombudsbüros grundsätzlich, von einem Laien Hinweise auf eine fehlerhafte wissenschaftliche Lehrmeinung entgegen zu nehmen. Wissenschaftliche Themen müssen im wissenschaftlichen Kontext behandelt werden – heißt es.
2006 bis 2026 – das ist ein 20-Jahre-Jubiläum
Das Beispiel NTE steht hier im Zusammenhang zum einführenden Blogartikel als ein zentralen Problem von Kommunikation in einer Gesellschaft: Wenn man überhaupt nicht mehr bereit ist, neue Informationen zur Kenntnis zu nehmen, zu prüfen und dazu eine Unterhaltung zu führen – dann sind keine Grundlagen für einen Diskurs mehr vorhanden.
Betreff: „Ist also heute die Sprache dieser Diskursgemeinschaft das einzige verbliebene Band, das in einem postnationalen Staat wie Deutschland die Staatsgemeinschaft begründet?“
Nein, ist es nicht. Das Band, das uns zusammenhält sind die gemeinsamen Probleme, die gemeinsame Arbeit, das Geld, die gemeinsame Kleidung, gemeinsame Nahrung, die Toleranz die wir untereinander üben.
Dazu ist anzumerken, die meisten Zuwanderer sind mehrsprachig. Sie haben keine Schwierigkeiten sich mit nur Deutschsprachigen zu unterhalten.
Zwischen Jugendlichen hat sich sogar eine neue Form von Sprache entwickelt, ein Deutsch, das auf Präpositionen vezichtet , und auf einen Mix von z.B. deutsch und türkisch, setzt.
Man beobachte einmal die Kindergartenkinder, von denen die meisten Deutsch nicht als Muttersprache kennen und die sich trotzdem verstehen.
Anmerkung: Die Bezeichnung Diskursgemeinschaft erscheint mir zu „verkopft“
wie wäre es mit „Wohlstandsbündnis“ , das ist es doch, was die verschiedenen Nationalitäten zusammenführt und zusammenhält.
@NI=natürliche Intelligenz 27.07. 19:36
„Anmerkung: Die Bezeichnung Diskursgemeinschaft erscheint mir zu „verkopft“
wie wäre es mit „Wohlstandsbündnis“ , das ist es doch, was die verschiedenen Nationalitäten zusammenführt und zusammenhält.“
Einmal das. Aber es geht zuweilen auch ums einfache Überleben, angesichts von tausenden russischen Atomwaffen. Und um reichhaltige geistige Nahrung aller Art. Und um den eigenen Planeten, der eigentlich wesentlich sorgfältiger gepflegt werden will.
Und hier sind wir auch bei einer Weltgemeinschaft, die auch überaus relevant ist.
So ist das dann doch komplexer, Wohlstand zuerst und Diskurs als Nächstes stehen noch mal in größeren Zusammenhängen.
T. Jeckenburger,
ein Sprachwissenschaftler sieht eben zuerst durch die sprachliche Brille.
Paul S. ist diesesmal zu loben, dessen Beitrag ist lesenswert.
Was lernen wir daraus ? Leute, lernt Fremdsprachen, nur so kommen wir uns näher.
Wenn der Diskurs in den Mittelpunkt gestellt wird, dann fühlen sich vermutlich weite Teile der Bevölkerung abgehängt. Demokratie erscheint dann als eine Veranstaltung der Klugen, die eine Lösung für die schwierigen Probleme suchen — und das aber genauso wenig schaffen wie die vermeintlich Dummen (über die George Lakoff hier schreibt https://mastodon.social/@georgelakoff@sfba.social/113625320121889897 ).
Die Probleme sind ja tatsächlich auch unlösbar, solange nicht ehrlich der Elefant im Raum angesprochen wird: die ökonomische Macht der Wenigen, die spieltheoretisch einfach durch die Kontrolle über knappe Ressourcen entsteht. Dass diese ökonomische Macht der Wenigen durch die politische Macht der Vielen gezügelt werden kann, DAS ist m. E. der wichtigste Vorteil, der wieder Vertrauen in die Demokratie schaffen kann.