Das Goethe-Institut – Neugründung 1951 oder Wiederbelebung der Deutschen Akademie?

2026 feiert das Goethe-Institut sein 75-jähriges Bestehen – als eine 1951 gegründete Institution der jungen Bundesrepublik. In der offiziellen Feierlichkeiten blieb jedoch weitgehend unerwähnt, dass bereits 1932 innerhalb der Deutschen Akademie ein „Goethe-Institut“ entstand und dass personelle, institutionelle und finanzielle Kontinuitäten über das Jahr 1945 hinausreichten. War 1951 also tatsächlich eine Neugründung – oder eher die politisch und organisatorisch grundlegend veränderte Wiederbelebung einer älteren Einrichtung?
„Wenn 2026 das offiziell 75-jährige Bestehen des Goethe-Instituts gefeiert wird, wird – institutshistorisch gesehen – ordentlich ein Auge zugedrückt. Denn was 1951 stattfindet, als Kulturpolitiker*innen in der Münchner Tengstraße zusammenkommen, um die Arbeit für ein Sprachinstitut aufzunehmen, ist weniger eine Neugründung. Vielmehr handelt es sich um eine Wiederaufnahme, wie ein Blick auf die Frühgeschichte und die Vorgängerinstitution des Goethe-Instituts zeigt.“
So kritisiert es das Goethe-Institut auf seiner Web-Seite mit einem Augenzwinkern selbst, dass die Deutsche Akademie im Jubiläum und seiner Berechnung nicht vorkommt. Die Vorläuferinstitution des heutigen Goethe-Instituts wurde bereits 1925 in München in Gestalt eines Vereins gegründet.[1] Anlass dafür war, in Deutschland nach französischem Vorbild ein Kulturinstitut zur Verfügung zu haben, das im Ausland für Deutschland als Kulturnation werben konnte. Eine Gruppe von Professoren der Ludwig-Maximilian-Universität München verwirklichte diese Idee eines an der Pariser Botschaft tätigen Diplomaten, da man nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die Notwendigkeit sah, Deutschlands Ansehen in der Welt wieder zu verbessern. Zunächst gab es eine wissenschaftliche und eine „praktische“ Abteilung, letztere sollte die Erkenntnisse der ersteren unter im Ausland lebenden Deutschen verbreiten.
Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich aus dieser Ausrichtung ergaben, fokussierte die Deutsche Akademie ab 1928/29 die Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache. Mit dieser Neuausrichtung wurde sie auch für die Reichsregierung interessant, die mit ihrer Außenpolitik auf „eine Überwindung des Vertrags von Versailles und eine Wiederherstellung der deutschen Großmachtstellung“[2] abzielte und nun begann, die Tätigkeit der Akademie finanziell zu unterstützen. Ab 1930 bot man Fortbildungen für ausländische Deutschlehrer an, und es wurden im Ausland erste Sprachinstitute gegründet. Ein wichtiges Motiv dabei war auch, dass es durch den turnusmäßigen Wechsel der Beamten im Auswärtigen Amt schwierig war, selbst die für derartige Aufgaben notwendige längerfristige Verlässlichkeit der Zuständigkeiten sicherzustellen.[3]
Die Fortbildungsarbeit der Akademie wurde 1932 in einer neuen Abteilung mit dem Namen „Goethe-Institut zu Fortbildung ausländischer Deutschlehrer“ zusammengefasst, womit die Akademie „Pionier auf dem Feld“[4] der Disziplin Deutsch als Fremdsprache wurde. Grund für die Namengebung war neben der positiven internationalen Konnotation des größten deutschen Dichters auch dessen hundertster Todestag, aufgrund dessen Johann Wolfgang Goethe im Jahr 1932 in vielen Publikationen und Veranstaltungen gedacht wurde.
Die Deutsche Akademie im NS-Staat
Im NS-Staat wuchs die Bedeutung der Akademie, in ihren Gremien stiegen nach und nach NS-Funktionsträger auf. Mit Leopold Kölbl war ab 1938 ein SA-Standartenführer Präsident, ab 1939 der Bayerische Ministerpräsident und SA-Obergruppenführer Ludwig Siebert. Walther Wüst, Rektor der Münchener Universität und SS-Brigadeführer, wurde sein Stellvertreter und Leiter der Forschungsabteilung, bis 1943 Arthur Seyß-Inquart, Österreichischer Bundeskanzler und Statthalter, Reichsminister und Reichskommissar für die Niederlande sowie SS-Obergruppenführer an die Spitze der Deutschen Akademie trat. Er wurde im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess für schuldig befunden und hingerichtet.[5] Schon 1933 war eine ganze Reihe namhafter Mitglieder aus der Akademie ausgeschlossen worden, unter ihnen Thomas Mann, Max Liebermann und Konrad Adenauer.
Den Status als „Mittlerorganisation“ hatte die Deutsche Akademie im Zuge dieser bereitwilligen Selbstgleichschaltung nicht aufrechterhalten können – 1941 wurde sie per Führererlass in eine Körperschaft öffentlichen Rechts umgewandelt und Goebbels‘ Propagandaministerium unterstellt.[6] Bis Kriegsende entwickelte sich die Deutsche Akademie zur zentralen Stelle bezüglich aller Fragen zur deutschen Sprache, in deren wissenschaftlicher Abteilung auch sprachwissenschaftliche Grundlagenforschung betrieben wurde, etwa bei der Erstellung eines althochdeutschen Wörterbuchs, historischer Dialektwörterbücher, zur Namenforschung oder mit Datenerhebungen zu einem süddeutschen Sprachatlas.[7] In neutralen, verbündeten oder besetzten Ländern und Regionen wurden Institute aufgebaut, nicht aber in den eroberten Gebieten im Osten. 1942 gab es etwa 250 Institute mit insgesamt knapp tausend Beschäftigen. Der Etat der Akademie entwickelte sich entsprechend: 1940 verzehnfachte er sich anlässlich des Kriegsbeginns auf 860.000 Reichsmark, 1941 lag er bei 3,3 Mio. Reichsmark – zusammen mit Einnahmen und Spenden waren es sogar 4,4 Mio. Reichsmark –, 1944 schließlich bei neun Millionen Reichsmark.[8] Mit der Unterordnung unter das Propagandaministerium wurde von der Akademie aber auch zunehmend verlangt, politische und propagandistische Inhalte in die Spracharbeit zu integrieren. Auch die ins Ausland entsandten Lektoren mussten zunehmend politisch und ideologisch geschult werden.[9]
Die (Wieder-)Gründung des Goethe-Instituts nach dem Zweiten Weltkrieg
Mit dem Ende des NS-Staates und der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg ist auch die Deutsche Akademie untergegangen. Zwar setzten einige frühere Akademiemitglieder alles daran, die Arbeit der Akademie fortsetzen zu können, doch wurde sie von den alliierten Besatzungsbehörden als nationalsozialistische Organisation eingestuft und Ende 1945 aufgelöst.[10] Eine eigenständige Außenpolitik durfte zunächst weder in der DDR noch in der Bundesrepublik betrieben werden – das Auswärtige Amt wurde erst 1951 wiedergegründet. In der DDR engagierte man sich schon früh durch kulturelle Auslandsbeziehungen im Verhältnis zu den osteuropäischen Nachbarländern und einigen blockfreien Staaten, während in der Bundesrepublik erst in den 1950er-Jahren einige direkt von den jeweiligen Botschaften geführte ausländische Kulturinstitute entstanden. Aufgrund der föderalen Struktur der Bundesrepublik liegt ja die Kulturpolitik bis heute weitgehend in der Domäne der Bundesländer, nur die auswärtige Kulturpolitik ist mit der Zuständigkeit des Auswärtigen Amts dem Bund zugeordnet. Dass dieser sich dabei vor allem großer Mittlerorganisationen bedient, kann auch als ein Ausweichen vor der Frage verstanden werden, inwieweit die frühere Bundesrepublik und das heutige Deutschland eine Kulturauffassung im nationalen Sinne vertreten, die auch die Frage nach dem Status der deutschen Sprache umfasst.
Mit dem Beschluss, das „Goethe-Institut e.V. zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer“ wiederzugründen, schloss man im Jahr 1951 unmittelbar an das vorherige, 1932 gegründete Goethe-Institut als Teil der Deutschen Akademie an.[11] Bei der Eintragung ins Vereinsregister ein Jahr später erhielt es dann bereits den Zusatz „Goethe-Institut e.V. zur Pflege der deutschen Sprache im Ausland“. Als eine Art partieller Rechtsnachfolger der Deutschen Akademie erhielt das neue Goethe-Institut zumindest einen Teil von dessen hinterlassenem Vermögen als Startkapital. Eine Kontinuität gab es auch mit dem Akademiemitglied aus der Zeit der Weimarer Republik Kurt Magnus als ersten Präsidenten und mit dem früheren Geschäftsführer Franz Thierfelder, der die Wiedergründung des Goethe-Instituts in der Nachkriegszeit wesentlich vorbereitet hatte.
Kurios ist es, dass auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bereits 1925 gegründet und ähnlich dem Goethe-Institut aufgrund seiner nationalsozialistischen Durchdringung nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst wurde. Die Wiedergründung erfolgte 1950. Im Jahr 2025 feierte (und reflektierte) der DAAD sein 100-jähriges Bestehen – nicht sein 75-jähriges.
Beitragsbild: Das Maximilianeum in München, Sitz der Deutschen Akademie von 1932 bis 1945 (Wikimedia, gemeinfrei)
Offenlegung: Ich selbst bin seit 2025 Mitglied des Goethe-Instituts.
[1] Zur Gründungsgeschichte vgl. Lentz, Carola/Gabriel, Marie-Christin (2021): Das Goethe-Institut. Eine Geschichte von 1951 bis heute. Stuttgart: Klett-Cotta und Michels, Eckard (2005): Von der Deutschen Akademie zum Goethe-Institut. Sprach- und auswärtige Kulturpolitik 1923-1960. München: Oldenbourg (= Studien zur Zeitgeschichte; 70), auf den sich auch Lentz et al. beziehen. Das Zitat findet sich auf der Internet-Präsenz des Goethe-Instituts als Einleitung zu einem Abriss der Institutsgeschichte (s. https://www.goethe.de/de/uun/org/ges/prf.html).
[2] Michels 2005: S. 63.
[3] Vgl. Lentz et al. 2021: S. 32.
[4] Ebd. 33.
[5] Vgl. ebd. 36.
[6] Vgl. Michels 2005.
[7] Michels 2005: S. 171.
[8] Vgl. Lentz et al. 2021: S. 37 und Michels 2005: S. 141–142.
[9] Vgl. Michels 2005: S. 176–183.
[10] Vgl. Lentz et al. 2021: S. 40.
[11] Vgl. zum Folgenden Lentz et al. 2021: S. 44–52.
Da sich das Meiste, was Menschen tun oder glauben, hinterher als kompletter Blödsinn herausstellt, bleibt uns nur als Schwimmflügelchen für trübe Tassen im tiefen Wasser das Dogma, bei all dem keine Leute abzumurksen. Leute, die nicht tot sind, erweisen sich auch als recht hilfreich, wenn’s darum geht, Scherbenhaufen aufzuräumen.
Wie ich das sehe, ist der Staat ein Verein, das den Mitgliedern das materielle Überleben ermöglichen soll, eine Nation ist eine Religion, ein Nationalstaat ist eine Theokratie mit der Staatsreligion Nation, also einer Art Säkular-Voodoo aus Stammesreligion, Naturreligion, Pseudowissenschaft und Atheismus, das in einer Zeit aufkam, als Wissenschaft das Christentum herausforderte, deswegen stur einen auf gottlos machte und erst heute, nachdem sich der Staub gelegt hat, erinnern sich beide Seiten wieder daran, dass sie beide von den Schamanen abstammen, sich prima ergänzen und sich eigentlich wegen nix als Egos verkracht haben.
Ich persönlich nehme Religionen nicht ernst, aber ihre Gläubigen. Dinge sind wichtig, weil sie Menschen wichtig sind. Und zu den Funktionen des Staates gehört es, es den Menschen leicht zu machen, Dinge zu erhalten, die ihnen wichtig sind, auch wenn sie so sinnlos und überflüssig sind auf dieser Welt, wie die Menschen und alles, was sie so glauben und treiben und für wichtig halten.
Zu Goethes Zeiten war Nationalismus das, was die europäische Einigung heute ist – der Versuch, Staaten, die zu klein zum Überleben geworden waren, zu größeren Einheiten mit stärkerer Zentralmacht zu verbinden. Das war so lange eine super Idee, bis sie auf die Grenzen anderer Staaten stießen, die gerade das Gleiche machten, denn ethnische Grenzen hatten mit wirtschaftlich, politisch oder militärisch sinnvollen damals genauso wenig zu tun wie heute, also gab’s sofort Zoff. Das ging dann wiederum eine Weile gut, weil die Staaten einen Großteil ihrer Territorien in Übersee hatten und dort auch ihre Konflikte austragen konnten, aber kein Mensch wird monatelang um die Welt schippern, um seinem Nachbarn die Gurgel umzudrehen, wenn die Gurgel gleich hinterm Zaun lockt.
Heute sind von diesen Reichen fast nur die kümmerlichen Überreste in Europa übrig. Zumal haben die USA (vor allem auf Drängen der Europäer) den Spieß umgedreht, heute sind sie das Empire und wir die Übersee-Kolonien, die sich über Taxation without Representation ärgern. Wir gehen den üblichen Weg jeder Kolonie und Provinz, vom Mutterland und Hauptstadt ausgesaugt zu werden – wir sehen Brain Drain, die Verlagerung von Kultur-, Wissenschafts- und Forschungszentren und Schlüsselindustrien, die rasch voranschreitende Hillbillysierung der Bevölkerung und zunehmende Unselbständigkeit.
Goethe, die Deutsche Akademie, das moderne Goethe-Institut – existieren also in völlig verschiedenen Welten. Bis vor 200 Jahren gab es eher die deutschen Völker als das deutsche Volk, es gab viele Identitäten und Dialekte, die genauso gut eigene Sprachen sein könnten und von der Kolonialmacht Preußen noch genauso unterdrückt werden mussten, wie es alle Kolonialisten mit Eingeborenensprachen machten und wie es Putin gern mit Ukrainisch und Weißrussisch machen würde – auch wenn’s in Deutschland natürlich einfacher war, den Leuten einzureden, die Mundart ihrer Heimat wäre bloß das Stigma von Landeiern und sie sollten sich was schämen.
In Weimar lebten immer noch ein paar Leute, die sich an Goethes Tod aus ihrer Kindheit dunkel erinnern konnten. Überall gab es Separatismus, Preußen, Bayern, Rheinländer zickten einander an wie heute Wessis und Ossis, das Ganze war etwa so geeint wie Jugoslawien in seinen besseren Zeiten. Frankensteins Monster hielt zwar zusammen, doch es blutete noch an den Nähten.
Erst die Gleichschaltung durch die Nazis erschuf das Deutschland, das wir heute kennen – als eine Nation, in der die Regionen sich ohne Wenn und Aber der gemeinsamen Identität unterordnen, auch wenn sich da Bayern eher als neue Kolonialmacht aufführt (die Bayern sind so was wie die Inder im British Empire, auch dort hätte sich der Schwerpunkt über kurz oder lang dorthin verschoben, wo die meiste Wirtschaft und Bevölkerung vereint waren, hätte es Bestand gehabt). Die neue Spaltungslinie verläuft entlang der alten germanisch-slawischen Siedlungsgrenze, die etwa der Grenze zwischen Piratenhalbinsel im Westen und Kontinentalkäfig im Osten entspricht, also geopolitischem Segen und Fluch.
Und da stehen wir nun. Mit unserer Heiligen Schnapsidee Nationalstaat, die weltgeschichtlich für Europa wohl nur eine kurzzeitige Modeerscheinung war, auch wenn die ganze Welt sie nachäfft. Nationen gab es immer, sie haben sich immer wie die Irren aufgeführt, aber Europas Staaten waren eher so was wie Aktiengesellschaften des Adels, und die ständigen Besitzerwechsel und feindlichen Übernahmen und regen Migrationsbewegungen sorgten für stark verwischte Ränder und förderten eher regionale Identitäten als staatliche. Wir brauchten eine Corporate Identity für Dorf und Staat, wir brauchten Loyalität zum aktuellen Fürsten, nicht zu groben Klötzen, sie sich für eigenständige Planeten allein im Universum halten, einander so fremd wie manche Kopfjägerstämme in der Südsee, deren Sprachen trotz direkter Nachbarschaft so unterschiedlich sind, dass sie seit Jahrtausenden kein Wort miteinander gewechselt haben dürften.
Hochdeutsch, Deutsch, die Sprache, die für ein geeintes Deutschland teils übernommen, teils extra geschaffen wurde – bleibt auf jeden Fall die gemeinsame Sprache der Religion, so wie die Juden immer noch Hebräisch in ihren Ritualen sprechen. Eine eigenständige Theokratie wie Iran oder Israel kann es sich aber wirtschaftlich kaum leisten – Iran liegt am Rand der Erdscheibe, wir im Heringsfass voller Haie, entweder wir fressen uns hier oder wir lernen, uns zu lieben, das gilt für Deutschland wie für Israel wie für all die anderen Zwergstämme mit Napoleon-Komplex im Babelturm. Europa ist kostenintensiv. Schon immer gewesen.
In der Weltwirtschaft ist Deutsch etwa so nützlich, wie Bantu für einen Tagesschau-Sprecher. Auf lange Sicht könnte es das Schicksal des Wendischen teilen – wird nach und nach durch eine nützlichere, dominante Sprache verdrängt, entweder ganz langsam und über Generationen, oder sehr schnell, weil irgendein Herrscher sich den Titel Vater der Nation verdienen will und ganz Europa auf DIN-A-Norm gleichschaltet, damit das Geschäft besser flutscht. Rückwirkend finden wir ja so einen Kulturkahlschlag alle super, nur nicht, wenn’s uns selber passiert.
Aber das sind nur Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten. Fest steht, sowohl Deutschland als Staat, die Deutschen als Volk wie auch die deutsche Sprache sind ein Luxus, der seine Nützlichkeit überlebt hat. Sie sind Rentner, Haustiere, Hobbys, Kulturvereine, die dem Staat auf der Tasche liegen, während ihre eigenen Einkünfte sich auf Touristenfallen beschränken, denn andere Geschäfte würden ohne sie besser laufen.
Und ob man sich einen solchen Luxus leisten kann, hängt vom Staat ab. Von der wirtschaftlichen Leistung, von den Investitionen in hebräische, Pardon, deutsche Schulen, in die Kultureinrichtungen, von der Zahl der Sprecher. Wir sind in der gleichen Lage, wie jede Indianersprache, die an ihrem Revival arbeitet, nur ist bei uns der Niedergang vorher bislang ausgeblieben. Bei sehr vielen Trends nach unten sind wir gerade noch ziemlich weit oben auf der Achterbahn.
Und da stellt sich auch die Frage, wie viel Klerus wir uns leisten wollen. Wenn der wirtschaftliche Druck steigt, bleibt von der Regierung vielleicht nicht viel mehr übrig, als das Goethe-Institut. Umbenannt in den Zentralrat der Deutschen in Europa. Oder die Kirche im Dorf wird so teuer, dass die Bauern in Massen auswandern und das Grundstück dann über ihre Leiche an neue Siedler vergeben wird.
Europa brauchen wir, Nationen wollen wir. Ohne das, was wir brauchen, sterben wir. Ohne das, was wir wollen, können wir oft leben. Wollen Sie die Nation oder die Nationalisten? Die heilhitlernden Horden Europas vernichten die Wirtschaft, zwingen uns im Namen der Freiheit unter Fremdherrschaft, zerstören uns durch Kriege und machen es kinderleicht, uns zu unterjochen, die übliche Art und Weise, wie sich ein Land selbst kolonialisiert. Die Ausrottung der Nationen, die Verschmelzung zu einem großen Volk mit englischer (oder anderer) Sprache würde unseren Kindern das Leben viel einfacher machen.
Wer Multikulti will, darf nicht Einheitsbrei wählen. Multikulti kostet was. Multikulti verlangt nach Toleranz, Demokratie und zivilisierten Umgangsformen. Multikulti ist schwierig und anstrengend. Ohne das Stützkorsett aus Multikulti kann keine Kultur Europas überleben – ob’s die Jenischen sind oder die Deutschen oder die Franzosen oder die Engländer.
Den Rechten ist Deutschland zu schwierig, der Wirtschaft zu teuer, das sind zwei Stimmen für die Abschaffung von Staat und Nation. Der Rest kann es sich aussuchen – die nötige Leistung bringen, auf freiwilliger Basis, oder sich die Quälerei und das Jammern des Niedergangs antun, oder kurzen Prozess machen, schnell und schmerzlos.
Ich mach nicht in Religion, ich mach in Staat und Wirtschaft. Und wenn ich hier einen Olymp mit Dutzenden völlig überflüssigen Almosen-Empfängern an der Backe habe, darf ich an Schräubchen drehen, Zahnräder verschieben und sie auf Höchstleistung pimpen, denn dann habe ich den nötigen Druck, der dem Laden nur die Wahl lässt, funktionieren oder krepieren. Klimawandel, Krieg, Niedergang und Tyrannei reichen anscheinend nicht aus, Europa so weit aufzuwecken, dass es wieder Spaß macht.
Wie sich das Goethe-Institut in all dem wiederfinden will, weiß ich nicht. Aber ich weiß, es hat seinen inoffiziellen Vergangenheiten eine weitere hinzugefügt. Die von 1951 bis wann immer es ihm beliebt zu merken, dass ihm der Planet unterm Hintern verdampft ist, auf dem es gegründet wurde.
Frankreich hat seine Académie française, Deutschland hat sein Goethe Institut.
Das ist vernünftig und normal.
Die Schreibweise Majonäse war keine Ruhmestat, seit 2017 haben sich die Gourmands oder Gourmets durchgesetzt, die wieder die französische Schreibweise verlangten, Mayonnaise.
Henning Lobin ist Gourmed oder Gourmand gebräuchlicher ?