Wie fühlst du dich und wie reagierst du als Zeuge eines rassistischen Vorfalls?

Der Ort Marl hat keinen Platz für Rassismus

Ein Grund für das Fortbestehen von Rassismus ist falsche Selbsteinschätzung: Viele Menschen glauben, dass wenn sie Zeuge eines rassistischen Vorfalls würden, sie sich sehr darüber aufregen würden. In Wirklichkeit ist es aber viel wahrscheinlicher, dass, wenn sie tatsächlich Zeuge eines rassistischen Vorfalls werden, sie mit Gleichgültigkeit reagieren. Das legt eine Studie der Psychologinnen Kerry Kawakami, Elisabeth Dunn und Francine Karmali in Kanada nahe in der die Forscherinnen darüber hinaus zeigen, dass Menschen das Ausmaß der gesellschaftlichen Ablehnung überschätzen, die ein Mensch, der einen rassistischen Kommentar macht, erfahren wird. Die Forscherinnen der Universitäten York Universität, Universität von Britisch Columbia-Vancouver und Universität von Toronto beschreiben ihr Experimente in der Fachzeitschrift Science [1].

In dem ersten Experiment werden 120 nicht-schwarze (Selbstidentifikation) Studierende, die glauben, auf den Beginn eines Experiments zu warten in zwei Gruppen eingeteilt. Die Gruppe A “Experiencer” erlebt einen Vorfall tatsächlich, die Gruppe B “Forecaster” kriegt einen schriftlichen Bericht über den Vorfall. Jede dieser zwei Gruppen wird noch mal in drei Untergruppen aufgeteilt. Da es Ziel der Forscherinnen war, zu untersuchen, wie Menschen, die nicht zur Zielgruppe gehören, auf rassistische anti-schwarze Kommentare reagieren, nahmen Schwarze nicht an diesem Experiment teil.

Der Vorfall

Beim Betreten des Labors stellt der Versuchsleiter zwei Schauspieler vor, einen Schwarzen und einen Weißen, die sich als Versuchsteilnehmer ausgeben. Dann verlässt der Versuchsleiter den Raum. Kurz darauf verlässt der Schwarze den Raum, angeblich um sein Handy zu holen, und stößt dem Weißen beim Verlassen des Raums leicht gegen das Knie. In der Kontrollsituation verläuft dieser Vorfall kommentarlos (Untergruppe A1). In der mäßig rassistischen Situation sagt der Weiße, nachdem der Schwarze den Raum verlassen hat: “Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun” (Untergruppe A2), und in der stark rassistischen Situation sagt der Weiße: “Tollpatschiger „N-Wort” (Untergruppe A3).

Die Betrachtung des Affekts

Innerhalb weniger Minuten kehrte der Schwarze zurück, gefolgt vom Versuchsleiter, der die Teilnehmer*Innen auffordert, eine schriftliche Umfrage zu beantworten, die Fragen zur Beurteilung ihres aktuellen negativen Affekts enthält. Ein Affekt stellt eine zeitlich kurze und intensive Gefühlsregung (z. B. Freude oder Wut) dar. Meist tritt er als Reaktion auf eine äußere Situation oder eine geistige Vorstellung auf.

Die Betrachtung des Verhaltens

Nach Beantwortung der schriftlichen Umfrage bittet der Versuchsleiter die Teilnehmer, einen der Schauspieler als Partner für eine nachfolgende Anagrammaufgabe auszuwählen und dem Versuchsleiter zu sagen, wen er gewählt hat. Schließlich machen alle Teilnehmer die Anagramm-Aufgabe in einem anderen Raum mit dem Partner, den sie ausgewählt haben.

Gruppe B “Forecaster”

Gruppe B bekommt einen detaillierten schriftlichen Bericht über die Ereignisse vorgelegt, die Gruppe A tatsächlich erlebt hat. Untergruppe B1 kriegt einen Bericht über das kommentarlose Szenario, Untergruppe B2 kriegt einen Bericht über das Szenario mit dem mäßig rassistischen Kommentar und Untergruppe B3 kriegt einen Bericht mit dem stark rassistischen Kommentar.

Mitglieder der Gruppe B werden nach dem Lesen des Berichts gebeten die schriftliche Umfrage zum Affekt zu beantworten und vorherzusagen, wen sie anschließend für die Anagrammaufgabe als Partner wählen würden.

Betrachtung des Affekts: Ergebnisse

Figur 1 zeigt den Mittelwert der emotionalen Belastung für die verschiedenen Untergruppen auf einer Skala von 1 (geringe Belastung) bis 9 (hohe Belastung). Experiencer = Gruppe A, Forecaster = Gruppe B

Die Gruppe B „Forecaster“ zeigt eine höhere emotionale Belastung als die Gruppe A „Experiencer“. Bei der Gruppe B verstärken die Kommentare signifikant die emotionale Belastung. Bei Gruppe A verstärken die Kommentare nicht signifikant die emotionale Belastung.

Betrachtung des Verhaltens: Ergebnisse

Figur 2 zeigt für die verschiedenen Untergruppen, den Anteil der Gruppenmitglieder, der sich für den Weißen entschieden hat in Prozent. Forecaster = Gruppe B, Experiencer = Gruppe A

In der Kontrollsituation entscheiden sich 68 % der Gruppe B für den Weißen. In den Situationen mit den rassistischen Kommentaren entscheiden sich, wenn man die beiden Untergruppen statistisch zusammenfasst, 17 % der Gruppe B für den Weißen. In der Kontrollsituation entscheiden sich 53 % der Gruppe A für den Weißen. In den Situationen mit den rassistischen Kommentaren entscheiden sich, wenn man die beiden Untergruppen statistisch zusammenfasst, 63 % der Gruppe A für den Weißen.

Die Menschen, die den Vorfall nicht miterlebt haben, berichten viel häufiger, dass sie sich über den rassistischen Kommentar des Weißen ärgern würden, und sagten voraus, dass sie mit ihm nicht arbeiten würden. Diejenigen, die den Vorfall tatsächlich erlebt haben, waren weniger verärgert und waren genauso bereit, mit einem Weißen zu arbeiten, der rassistische Äußerungen macht, wie mit einem, der das nicht tut.

“Was wir herausgefunden haben, war, dass die Studierenden eher den Weißen als Partner wählten (63 Prozent), obwohl der Weiße eine rassistische Bemerkung über den Schwarzen gemacht hatte”, sagt Kawakami. “Und die rassistischen Kommentare reichen von gemäßigt bis hin zu einer der schlimmsten anti-schwarzen Beleidigungen in der englischen Sprache”.

Schlechtes Gewissen gegenüber dem Schwarzen bei Mitgliedern der Gruppe A?

Eine mögliche Alternativinterpretation der Ergebnisse zur Partnerwahl ist, dass die Mitglieder der Gruppe A möglicherweise von der Motivation getrieben waren, den Schwarzen zu meiden, weil sie Bedenken über die Reaktion des Schwarzen oder Schuldgefühle ihm gegenüber hatten. Die Mitglieder wissen jedoch, dass der Schwarze den Kommentar nicht gehört hat. Zusätzlich wurden in Gruppe A keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Partnerwahl festgestellt zwischen der Situation ohne Kommentar und mit rassistischem Kommentar. Daher kann diese Erklärung die beobachteten Ergebnisse nicht ohne Weiteres erklären. Darüber hinaus ergaben zusätzliche Analysen, dass Schuldgefühle und Verlegenheitsgefühle die Partnerwahl der Teilnehmer nicht beeinflusst haben.

Sinnliche Wahrnehmung vs geistige Vorstellung bei Betrachtung des Affekts

Die Tatsache, dass die rassistischen Kommentare den negativen Affekt in Gruppe A nicht verstärkt haben ist kontraintuitiv. Gruppe B erhielt eine vollständige Beschreibung des Vorfalls, doch wurden ihr die Ereignisse nicht in der gleichen anschaulichen Weise wie Gruppe A präsentiert, die den Vorfall sah und hörte. Gruppe A hat den Vorfall sinnlich wahrgenommen, Gruppe B hat ihn sich geistig vorgestellt. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde in einem zweiten Experiment eine Gruppe C eingeführt, deren Mitglieder ein Video präsentiert wurde, das den Vorfall aus der visuellen Perspektive der Mitglieder der Gruppe A zeigte.

In diesem Experiment mit 76 Teilnehmer*Innen wurden alle Teilnehmer*Innen dem mäßig rassistischen Kommentar ausgesetzt und in drei Gruppen eingeteilt. Gruppe A erlebt den Vorfall, Gruppe B kriegt einen schriftlichen Bericht über den Vorfall und Gruppe C sieht ein Video des Vorfalls. Die Gruppen B und C sagten im Mittel signifikant mehr emotionale Belastung voraus, als die Gruppe A im Mittel berichtete.

In den Gruppen B (25 %) und C (17 %) wählte eine Minderheit den Weißen als Partner, in der Gruppe A wählte ihn eine Mehrheit (71 %). Die Mediationsanalysen deuten darauf hin, dass die Mitglieder der Gruppe A den weißen Partner mit geringerer Wahrscheinlichkeit ablehnten als von den Mitgliedern der Gruppen B und C erwartet, da sich die Mitglieder der Gruppe A nach dem Hören des rassistischen Kommentars weniger aufregen, als die Mitglieder der Gruppen B und C sich vorstellten.

Reale Situation vs hypothetische Situation

Die Psychologinnen gehen davon aus, dass je “realer” ein Mensch die Situation wahrnimmt, desto mehr Wirkung hat sie auf ihn. Um diese Hypothese zu testen, machten sie ein drittes Experiment. Die Gruppe C (40 Mitglieder), die das Video mit dem mäßig rassistischen Kommentar sieht, wird in zwei Untergruppen aufgeteilt. Für die Hälfte der Mitglieder wird das Video als eine reale Situation mit Studierenden beschrieben; für die andere Hälfte wird das Video als eine hypothetische Situation mit Schauspielern beschrieben. Unabhängig davon, ob diese Situation, als real oder hypothetisch beschrieben wurde, gingen die Mitglieder der Gruppe C davon aus, dass sie sich stark aufregen würden, und nur eine Minderheit sagte voraus, dass sie den Weißen als Partner wählen würden. Dieses Ergebnis legt nah, dass die Unterschiede zwischen den Gruppen nicht ohne Weiteres mit dem Glauben erklärt werden können, dass die Situation real oder hypothetisch ist.

“Menschen machen oft ungenaue Prognosen darüber, wie sie emotional auf negative Ereignisse reagieren würden. Sie überschätzen bei Weitem, wie verärgert sie sich in schlechten Situationen fühlen würden, wenn sie beispielsweise eine rassistische Beleidigung hören”, sagt Dunn. “Eine der Möglichkeiten, wie Menschen die Flut negativer Emotionen im Zusammenhang mit der Bezeugung einer rassistischen Beleidigung eindämmen können, besteht darin, den Kommentar als Witz oder als harmlose Bemerkung zu rekonstruieren.

Ich kann mir auch vorstellen, dass die Mitglieder der Gruppe A den Weißen als Opfer sahen, weil ihm der Schwarze, wenn auch unbeabsichtigt, gegen das Knie gestoßen hat. Das heißt, die Mehrheit der Mitglieder sah den Kommentar in erster Linie als unangemessene Reaktion eines Opfers. Das würde zumindest die Partnerwahl in Gruppe A erklären. Dagegen sprechen allerdings die Ergebnisse zur Betrachtung des Affekts in Gruppe A. Aus diesem Grund würde mich eine Wiederholung dieser Experimente mit anderen Szenarien interessieren.

„Tun Sie also nicht so, als sei das nicht Ihr Problem, und schieben Sie Rassismus nicht auf ein Machtspielchen zwischen Medien, Nazis und Schwarzen, denn das ist er nicht. Und denken Sie bitte auch nicht: „Das wird schon.“ In die Aufrechterhaltung eines rassistischen Status Quo ist schon so viel Energie gesteckt worden, dass große Anstrengungen erforderlich sind, um ihn zu durchbrechen.“

Noah Sow in dem Buch „Deutschland Schwarz Weiss Der alltägliche Rassismus”

Weiterführende Literatur

[1]. Mispredicting Affective and Behavioral Responses to Racism (2009) Kerry Kawakami, Elizabeth Dunn, Francine Karmali, John F. Dovidio Science, Vol. 323, 5911, 276-278.

Der Ansatz des Kritischen Weißseins

Deutschstunde: Zeichensetzung und Menschenbild

Rassismus im deutschen Kinderfernsehen

Polizeigewalt gegen Schwarze als Problem der öffentlichen Gesundheit in den USA

Joe Dramiga

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

94 Kommentare

  1. Hallo Joe,
    hast du denn kein Mitleid mit uns . Noch komplizierter geht es wohl nicht.
    Da mich das thema interessiert, versuche ich mich hineinzudenken.
    Also, bis dahin bin ich gekommen.
    Der Kommentar spielt eine untergeordnete Rolle, wenn man eine Situation selbst erlebt hat. Das kann jeder nachvollziehen, wenn man im Augenblick des “Missgeschicks” sich unmanierlich äußert.Die Leute, die von dem Vorfall nur einen Bericht bekommen, die weisen die größten Schwankungen bei der Beurteilung auf, was den Schluss nahelegt, dass Berichte über Konflikte einen großen Einfluss auf die Beurteilung haben.
    Weiter bin ich noch nicht gekommen.
    So, jetzt soll ein anderer weiter machen !

  2. Mir fällt schwer, die Reaktionen als rassistisch oder nicht-rassistisch bei dieser Versuchsanordnung einzuordnen, denn für mich persönlich entsteht ein negativer Affekt bei einem Vorfall, zu dem ich Zeugin bin, ausschließlich bei Gewalteinwirkungen, unabhängig von der Hautfarbe. Gewalt löst bei mir Affekte, wie wohl bei jedem Mensch auch. Und in diesem Vorfall gibt es zwei Gewalteinwirkungen, eine physische und eine verbale:

    – Der Schwarze stößt gegen das Knie des Weißen, gemäß Darstellung unbeabsichtigt jedoch ohne sich zu entschuldigen. Der Tabu der Unversehrtheit der körperlichen Integrität eines Menschen wurde gebrochen, so dass man bei einer bloßen Ungeschicklichkeit unbedingt eine Bitte um Entschuldigung in Alltagssituationen erwartet, quasi als Reflex. Ohne Entschuldigung könnte man an die Unabsichtlichkeit zweifeln und davon ausgehen, dass ein Affekt entsteht: Verärgerung oder eventuell auch Verunsicherung oder Angst. Man könnte ohne Bitte um Entschuldigung den Vorfall als Aggression empfinden, unabhängig davon, ob es von einem Schwarzen oder von einem Weißen ausgeht, unabhängig davon, ob man direkt betroffen oder nur Zeuge ist.

    – Der Weiße übt wiederum verbale Gewalt wenn er eine Beleidigung ausspricht, die man nicht auf die Verärgerung wegen Ungeschicklichkeit oder Unhöflichkeit beschränken kann, also nicht als Verärgerung wegen einem punktuellen Fehler, sondern als Absicht deuten kann, das Wesen selbst des Schwarzens verächtlich zu machen, was ein schwerwiegender Angriff gegen seine Menschenwürde ist – die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Es fällt mir also schwer die Reaktionen bei diesem Vorfall als rassistisch oder nicht-rassistisch einzuordnen, weil der Faktor „Gewalt“ aus meiner Sicht immer eine wesentliche Rolle spielt, viel wesentlicher als Hautfarben. Ich frage mich wie die Reaktionen ausgefallen wären in Experimente, wo zwei Weiße oder zwei Schwarze den Vorfall gespielt hätte, oder in Experimente wo alle Zeugen Schwarze oder Weiße wären. Aus meiner Sicht ist die Aussagekraft dieses Experiments in Bezug auf Rassismus gering.

    Bei mir steht auf jeden Fall fest: Ein Affekt der Ablehnung entsteht nur bei Vorfällen, wo Gewalt in Spiel ist, egal ob diese Gewalt von Weißen oder von Schwarzen ausgeht.

    • Rassismus lehnen fast alle grundsätzlich ab, selbst wenn sie selbst milde Formen von Rassismus im Alltag ausleben. Rassismus ist negativ konnotiert und das Negative sucht man tendenziell bei den Anderen nicht bei sich selbst und nicht in der eigenen Gruppe. Das ist genau der Grund, dass Beobachter/Aussenstehende einen rassistischen Vorfall stärker wahrnehmen und stärker darauf reagieren als direkt Involvierte.
      Dazu muss man gar kein Experiment machen, denn das passiert ständig sogar im öffentlichen Raum. Keiner will selbst ein Rassist sein, selbst wenn er einer ist. Umgekehrt fällt es vielen leicht, andere, vor allem wenn man sie als Gegner betrachtet, des Rassismus zu verdächtigen. Donald Trump ist ein gutes Beispiel für einen Rassisten, der keiner sein will. In Zeit online Liest man dazu: “Ich habe keinen Funken Rassismus in mir”
      Für seine Attacke auf vier Kongressabgeordnete erntete US-Präsident Donald Trump Kritik von allen Seiten. Trump selbst beteuert, er sei kein Rassist.

      US-Präsident Donald Trump hat sich gegen Rassismusvorwürfe gewehrt. Auf Twitter schrieb er, dass seine Äußerungen, in denen er mehrere Kongressabgeordnete der Demokraten attackiert hatte, nicht “rassistisch” gewesen seien. “Ich habe keinen Funken Rassismus in mir”, fügte er hinzu.

      Trump hatte vier Politikerinnen des linken Flügels der Demokraten vorgeworfen, die USA zu “hassen”, und sie aufgefordert, in ihre vermeintlichen Herkunftsländer zurückzugehen. Am Montag legte er auf Twitter nach: “Wenn ihr hier nicht glücklich seid, könnt ihr gehen!”

    • Du schreibst: “Mir fällt schwer, die Reaktionen als rassistisch oder nicht-rassistisch bei dieser Versuchsanordnung einzuordnen,” Das ist auch nicht die Fragestellung der Studie. Du suchst in der Studie Antworten auf deine eigenen Fragen, die dir das Experiment nicht geben kann. Das ist aber nicht Schuld des Studiendesigns.

  3. Wenn ich sehe, höre oder lese, dass jemand wegen eines Versehens so reagiert, dann hat dieser Mensch erstmal gewaltig verkackt und steht auf einer Beobachtungsliste bei mir, eventuell habe ich dann auch schon einen Stock parat.

    In meiner Zeit als Taxifahrer, habe ich einen farbigen amerikanischen Seemann zum Schiff gefahren. Beim Verabschieden konnte ich meinen mutmaßlich nächsten Fahrgast, einen weißen amerikanischen Seemann, in der Ferne schon kommen sehen.

    Bevor er einstieg, wollte er, extrem launisch, als Bedingung für’s Mitfahren, wissen ob grad ein “Black” aus meinem Fahrzeug ausgestiegen ist.

    Weil ich das schon kannte sagte ich ihm: Ich habe keinen Schwarzen gesehen. Aber weil ich darüber innerlich schon stinkig war, habe ich beim Losfahren dezent meinen Schlagstock überprüfend unterm Sitz getastet.

  4. Zitat Martin Holzherr
    Rassismus lehnen fast alle grundsätzlich ab, selbst wenn sie selbst milde Formen von Rassismus im Alltag ausleben. Rassismus ist negativ konnotiert und das Negative sucht man tendenziell bei den Anderen nicht bei sich selbst und nicht in der eigenen Gruppe. Das ist genau der Grund, dass Beobachter/Aussenstehende einen rassistischen Vorfall stärker wahrnehmen und stärker darauf reagieren als direkt Involvierte. Dazu muss man gar kein Experiment machen, denn das passiert ständig sogar im öffentlichen Raum.

    Ich wollte in meinem vorherigen Beitrag nur erwähnen, dass mir dieses komplexe Experiment nicht ganz geeignet erscheint, um rassistische oder nicht rassistischen Reaktionen zu beobachten, weil man bei der Versuchsanordnung vorgesehen hat, dass ein Schwarze einen Fehler gegenüber einem Weißen macht: Der Schwarze stößt gegen das Knie des Weißen (und entschuldigt sich nicht).

    Das ist ein Fehler, der wohl bei allen Menschen einen negativen Affekt hervorruft, egal welche Hautfarbe man hat, das ist ja eine universale, menschliche Reaktion zwischen Personen, die sich fremd sind. Hätte man nämlich beim Experiment vorgesehen, dass der Weiße den Fehler macht und gegen das Knie des Schwarzen ohne Entschuldigung stößt, würde man auch erwarten, dass der Schwarze verärgert ist und möglicherweise auch eine Beleidigung ausspricht (möglicherweise auch über ein physisches Merkmal). Und? Wie erkennt man dann rassistische oder nicht rassistische Reaktionen? Die Versuchsanordnung ist durch den Fehler, die man für den Schwarze vorgesehen hat, nicht neutral und dementsprechend aus meiner Sicht nicht geeignet rein rassistische Reaktionen zu beobachten, da ist meiner Meinung nach ein Bias drin.

  5. Die Ursache von Rassismus, ist der imperialistisch-faschistische / systembedingte Glaube an die kapitulativ-manipulierte Symptomatik des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs (“Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei”).
    Ein Wettbewerb in “gesundem” Konkurrenzdenken und systemrational-konfusionierter Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und “Individualbewusstsein” auf Schuld- und Sündenbocksuche.

    In diesem zeitgeistlich-reformistischen Kreislauf sind Unwahrheit, Unsicherheit in manipulativ-schwankende “Werte” und bewusstseinsbetäubten Unfrieden absolut systemrelevant.

    Ich behaupte, JEDER, mit einem Funken Verstand von reiner Vernunft, kennt den Ausweg aus dieser menschenUNwürdigen Situation, es mangelt aber/also, vor allem aus Gründen der Bildung zu Suppenkaspermentalität in leichtfertiger Übertragung von Verantwortungsbewusstsein, an Selbst- und Massenbewusstsein, also dem wirklich-wahrhaftigem Willen über das gepflegte Ego hinaus.

  6. Darf ich dazu eine grundsätzliche Frage stellen, was die Versuchsanordnung angeht?

    Inwieweit sind sich die Studierenden bei solchen Veranstaltungen bewusst, dass sie Teilnehmer eines psychologischen Experiments sind und wenn ihnen (oder einem Teil) dies bewusst ist, wie verändert das die Ergebnisse?

    • Ich weiß es nicht. Wenn den Studierenden dies bewusst ist, würde ich erwarten, dass sie sich sozial erwünscht verhalten. Es kann sein, dass es den Studierenden der Gruppe B bewusster war als den Studierenden der Gruppe A.

    • Eine Freundin von mir war Psychologie Studentin in den Niederlanden.
      Sieh hat berichtet, dass sie und ihre Mitstudenten sehr häufig an Studien teilgenommen haben, nach dem Motto “ich will ja auch, dass an meinen Studien Leute teilnehmen”. Sie hatte also Erfahrung darin, Studienteilnehmerin zu sein.

      Diese Studien waren immer so aufgebaut, dass allen bewusst war, dass sie in einer Studie sind, aber das eigentliche Ziel und die “relevante Stelle” der Versuchsandordnung verschleiert wurden. Das geschieht, damit die Ergebnisse so wenig wie möglich verfälscht werden.

      Beispiel: Es wird eine Befragung durchgeführt und am Ende noch kurz eine Nachbesprechung durchgeführt. Bei der Nachbesprechung stehen Süßigkeiten im Raum und werden den Teilnehmern angeboten. Das Ziel der Studie war aber gar nicht die Befragung, sondern die Nachbesprechung: Der Versuchsleiter hat sich auf eine bestimmte Art verhalten und es wurde ausgwertet, wer daraufhin Süßigkeiten genommen hat oder eben nicht.

      So ähnlich scheint in dem hier beschriebenen Experiment auch vorgegangen worden zu sein. Ich würde also davon ausgehen, dass die Teilnehmer wussten, dass sie in einem Experiment sind, ihnen aber nicht bewusst war, dass der rassistische Vorfall und die Frage, ob sie mit dem weißen oder schwarzen Schauspieler arbeiten wollen Teil des Experiments waren.

  7. Jocelyne Lopez,
    aus den Augen einer Frau ist Ihre Meinung richtig. Rüpelhaftes Verhalten ruft Ablehnung hervor, egal ob von einem Farbigen oder von einem Weißen.
    Der nachträgliche negative Kommentar spielt eine untergeordnete Rolle.

    Nicht aber für die Gruppe, die den Vorfall nur als Bericht kennt. Dabei werden Vorurteile aufgedeckt und die Gegenstrategie, die die Versuchsteilnehmern anwenden, (man will ja nicht als Rassist gelten )

    Meiner Meinung nach wollte Herr Dramiga darauf hinaus, dass es nicht schön ist, Rassist zu sein und dass sich deshalb die Forecaster mehr über die Bemerkungen des Weißen aufregen, als über den Vorfall.

    Allgemeine Kritik, die Versuchsgruppe war viel zu klein um einen unterschwelligen Rassismus der Weißen gegenüber Schwarzen zu behaupten.

    In einem zweiten Experiment sollte man Leute auswählen, die noch nie mit Farbigen zusammengearbeitet haben und einer Gruppe, die immer mit Farbigen zusammenarbeitet.
    Erst so ein Projekt bekommt eine Aussagekraft.

  8. Das wettbewerbsbedingte “Zusammenleben” in dieser zeitgeistlich-reformistischen Welt- und “Werteordnung”, ist wie ein Spiel mit mehr oder weniger Bewusstseinsbetäubten / mehr oder weniger konsum- und profitautistischen Junkies, die alle mehr oder weniger Schuld dafür bei “den Anderen” oder “Gott” suchen/ablenken und dann Wunderlich und Phänomen rufen.

    Mensch muss endlich aufhören mit dieser heuchlerisch-verlogenen konfusionierenden Unart des Zusammenlebens – Befriedigung aller wettbewerbsbedingten Probleme durch Gerechtigkeit in GEMEINSCHAFTSEIGENTUM!!!

  9. Mit diesem Experiment wurden die einfachsten Regeln von seröser Wissenschaft grob missachtet. Dass solch eine Arbeit durchgeführt und veröffentlicht wurde, ist ein Beleg für ein Totalversagen aller beteiligten Personen.

    Wenn eine Person eine andere Person stößt und nicht nicht entschuldigt – dann wird dies immer als flegelhaftes Benehmen wahrgenommen.
    Für eine seriöse wissenschaftliche Betrachtung hätte man also zwei Varianten vorstellen müsse: a) mit … b) ohne Entschuldigung.

    In dem vorgestellten Versuchsdesign wurde aber ausschließlich die schwarze Person als unhöflicher Flegel dargestellt. D.h. bereits mit dem Versuchsdesign hat man gezielt ein rassistisches Vorurteil suggeriert. (= Priming)

    Wird mit einem Experiment absichtlich ein rassistisches Vorurteil erzeugt – dann braucht man sich nicht wundern, wenn diese Haltung dann in den Ergebnissen auch erkennbar ist.

    ODER um es noch deutlicher auszudrücken: Rassismus ist, wenn diese Arbeit nicht zurückgezogen wird

  10. Rassismus ist, ein Totalversagen der Zivilisation und all ihrer “Werte”.

    Solange Rassismus mit heuchlerisch-verlogene Gesetze, Verordnungen und Kampagnen nur unterdrückt wird, bleiben wir alle Verbrecher gegen die Menschlichkeit, denn auch wenn wir nicht direkt am Rassismus teilnehmen, bleibt die direkte Ursache und unsere Mitverantwortung bestehen.

    Und es gibt im “freiheitlichen” Wettbewerb viele Formen von Rassismus!

  11. “… und sich nicht entschuldigt …”

    Da steht garnicht das er sich nicht entschuldigt hat – höchstwahrscheinlich hat er es, denn wenn man als höflicher Mensch nur leicht anrempelt, kommt eine Entschuldigung meist reflexartig.

    Eure “Reflexe” bezüglich der Frage zu Rassismus geben mir zu Denken!

  12. Da steht garnicht das er sich nicht entschuldigt hat
    (@hto)

    Darauf wollte ich auch gerade aufmerksam machen. Da findet sich auch nichts im Paper. Der genaue Ablauf ist nicht weiter geschildert. Das “kommentarlos” bezieht sich allerdings eindeutig nur auf die Situation nachdem der Schwarze den Raum verlassen hat.

    Ich würde auch vermuten, der “unbeabsichtigte” Zusammenstoß muss ja vom Dritten wahrgenommen werden, dass da hinreichend auffällig und dann aber auch sozial adäquat agiert wurde, eventuell auch nur nonverbal. Kommuniziert wurde auf jeden Fall.

    “Man kann nicht nicht kommunizieren.”

    Wer nicht nicht lesen kann, ist im Vorteil.

    • Nachtrag zu dem Thema “hat er sich entschuldigt oder nicht”.

      Das ist für das Thema völlig unerheblich. Wenn ich jemanden rassistisch beleidige, dann ist das rassistisch.
      Dabei geht es nicht darum, was die beleidigte Person getan hat oder ob sie mir sympatisch ist.

      Wenn hier beschrieben worden wäre, dass der weiße Schauspieler nach dem Knieanstoßen auf den schwarzen Schauspieler eingeprügelt hat, würde auch keiner schreiben “ja gut, aber der schwarze Schauspieler hat sich vielleicht auch nicht entschuldigt”.

      • @Filip P.

        Das ist für das Thema völlig unerheblich.

        Aber nicht für das Experiment und die vorgenommene Wahl. Das Experiment untersucht vorgeblich Rassismus, nicht die unterschiedliche Bewertung von rassistischem vs. (anderem) asozialem Verhalten, oder?

        Wenn einer der Schauspieler ungepflegter, verwirrter oder aggressiver als der andere gewirkt hätte, so würde das, wie jedes ungewöhnliche Verhalten eben, oder manch anderes, Einfluss auf die anschließende Wahl gehabt haben. Das sollte alles vermieden worden sein. Wäre es das nicht, hätte es in die Beschreibung des Versuchs gehört.

        Den Zweck des unbeabsichtigten Bein-Kontaktes im Versuchsaufbau ist mir sowieso etwas schleierhaft. Für die Glaubwürdigkeit der ganzen Szene hätte es dessen nicht bedurft. Schon das vergessene Telefon, ja allein die Teilnahme eines Schwarzen am Experiment, hätte als plausibler Anlass für einen rassistischen Kommentar dienen können.

  13. Zitat hto:
    Da steht garnicht das er sich nicht entschuldigt hat – höchstwahrscheinlich hat er es, denn wenn man als höflicher Mensch nur leicht anrempelt, kommt eine Entschuldigung meist reflexartig.

    Der Schwarze hat sich als Schauspieler im Gegenteil höchstwahrscheinlich nicht entschuldigt, denn das hätte zwingend in der Beschreibung des Vorfalls stehen müssen, das spielt nämlich eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Affekten: Eine Bitte um Entschuldigung bei einem Fehler wirkt auf jeden Fall beschwichtigend und deeskalierend, das müssen die Autoren bei dieser Versuchsanordnung gewußt haben, sie sind ja wohl ausgebildete Psychologen o.ähnliches. Möglicherweise hätte dann eine rassistische Äußerung nach einer Bitte um Entschuldigung nicht plausibel auf das Publikum gewirkt.

    Interessant wäre allerdings eben eine Variante des Experiments mit einer Bitte um Entschuldigung des schwarzen Schauspielers wegen dem Stoß gegen das Knie des weißen Schauspielers. Möglicherweise würden die Reaktionen der Zeugen anders ausfallen.

    Interessant wäre wie gesagt auf jeden Fall auch eine Variante des Experiments mit dem Fehler bei dem weißen Schauspieler und mit einem Zeugenpublikum ausschließlich aus schwarzen und nicht ausschließlich aus weißen Studierenden. Rassistische Äußerungen werden bekanntlich in Alltagssituationen begünstigt, wenn sie sich gegen eine Minderheit richten, hier war der schwarze Schauspieler in der Minderheit (er war ja gemäß Beschreibung des Experiments der einzige Schwarze unter 120 nicht-schwarzen Studierenden).

    So wie die Versuchsanordnung konzipiert wurde bleibe ich dabei, dass sie eher nicht geeignet ist, unverfälschte rassistische Verhalten zu beobachten.

  14. Joker
    Ich würde auch vermuten, der “unbeabsichtigte” Zusammenstoß muss ja vom Dritten wahrgenommen werden, dass da hinreichend auffällig und dann aber auch sozial adäquat agiert wurde, eventuell auch nur nonverbal. Kommuniziert wurde auf jeden Fall.

    Dass der Zusammenstoß „hinreichend“ von Dritten als unbeabsichtigt wahrgenommen wird, steht auch nicht in der Beschreibung des Vorfalls und kann ohnehin nicht pauschal und blind hingenommen werden, denn nirgendwann wurden die Zeugen gefragt, ob sie der Meinung seien, der Stoß sei unbeabsichtigt gewesen. Nur der schwarze Schauspieler könnte selbst plausibel versichern, dass der Stoß unbeabsichtigt war, und er tat es nicht, da er sich eben nicht entschuldigt hat – zumindest wurde darüber in der Beschreibung nicht berichtet.

    Es geht ohnehin nicht darum, ob Dritten den Zusammenstoß als unbeabsichtigt wahrgenommen haben, sondern prinzipiell einzig darum, ob der Betroffene selbst es tun kann! Denn einzig der Betroffener selbst hat den Schaden gegen seine körperliche Integrität erlitten: Keiner darf unerlaubt seinen Körper berühren. Wie ich es weiter oben schon dargelegt habe, könnte er ohne Bitte um Entschuldigung den Eindruck gehabt haben, dass es nicht unbeabsichtigt erfolgte, sondern als Provokation oder Feindseligkeit. Er könnte den Eindruck gehabt haben, dass es eine getarnte Aggression und keine bloße Ungeschicklichkeit war. Die körperliche Berührung eines Drittens muss unbedingt als Ungeschicklichkeit und Versehen geklärt und entschuldigt werden, es geht nicht ohne, sonst ist auf jeden Fall eine Verärgerung als normal zu erwarten, egal welche Hautfarbe man hat, und eben zu einem offen ausgesprochenen Vorwurf führt (was nicht selten in Form einer Beleidigung erfolgt).

  15. Also ich bin ganz sicher, dass ich als Reaktion keine Flüche ausstoße, auch wenn der sich nicht entschuldigt, denn ich kenne solche Zusammenstöße gegen die “Musikknochen”.
    Wenn der andere irgendeine merkwürdige Reaktion zeigen würde, dann würde ich ihn hinterher ganz sicher ansprechen.

  16. Danke für den Beitrag, Joe!

    Leider ist der Science-Aufsatz hinter einer Paywall. Mir fällt es schon schwer, den genauen Ablauf der psychologischen Studie nachzuvollziehen.

    Du schreibst:

    »Ein Grund für das Fortbestehen von Rassismus ist falsche Selbsteinschätzung: Viele Menschen glauben, dass wenn sie Zeuge eines rassistischen Vorfalls würden, sie sich sehr darüber aufregen würden. In Wirklichkeit ist es aber viel wahrscheinlicher, dass, wenn sie tatsächlich Zeuge eines rassistischen Vorfalls werden, sie mit Gleichgültigkeit reagieren. «

    Mit anderen Worten: Wenn jede rassistische Äußerung und jedes rassistische Verhalten entsprechend sanktioniert würde, dann gäbe es einen Grund weniger „für das Fortbestehen von Rassismus“.

    Mag sein, auf jeden Fall würde dann ‚Gleichgültigkeit gegenüber rassistischen Vorkommnissen‘ als möglicher Grund ausscheiden.

    Aber Rassismus gäbe es sicherlich auch weiterhin. Vielleicht mehr verdeckt, nicht so offen.

    Die interessante Frage, die diese Studie aufwirft, ist ja, wie reagiert man selbst, wenn man Zeuge einer rassistischen Äußerung wird. Und was alles unter den Begriff „rassistisch“ fällt. Ist es z. B. schon ein Zeichen von rassistischer Denke, wenn bei der Auswahl von Schauspielern die Hautfarbe das wichtigste Kriterium ist?

    Wie man selbst reagieren würde, hängt natürlich von mehreren, kontextbezogenen Faktoren ab, die konkrete Situation, in der man Zeuge wurde. Da dürfte die Reaktion von „ignorieren“ bis „widersprechen“ oder eben „social distancing“ reichen.

    In der hier geschilderten Untersuchung hätte ich als Zeuge vielleicht mit „social distancing“ reagiert. Aber eben nur vielleicht. Schließlich kann einem ein Mensch auch dann noch insgesamt sympathisch erscheinen, wenn er mal eine blöde (oder eben als rassistisch eingestufte) Bemerkung macht.

    Ich fürchte, Rassismus wird es so lange geben, wie es—in Bezug auf den Menschen—den Begriff Rasse gibt, man also z. B. meint, zwischen Weißen und Schwarzen unterscheiden zu müssen. Also noch sehr lange—egal, wie oft gleichgültig auf rassistische Vorkommnisse reagiert wird.

  17. Also eine Gleichgültigkeit durch sanktionierende Gesetzmäßigkeiten des Sklaven-Marktes für unser “Zusammenleben” kann mir gestohlen bleiben.

    Ich möchte eine Gleichgültigkeit wahrsten Sinne des Wortes durch befriedende Gerechtigkeit.

    “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” Marie von Ebner-Eschenbach

  18. Rassismus ist kompliziert. In den USA habe ich eine (ziemlich dunkelhäutige) Frau indischer Abstammung getroffen, die die Deutschen als rassistisch bezeichnete, weil man sie bei einem Deutschlandbesuch gefragt hatte, ob sie Zigeunerin wäre.
    Aber es als Beleidigung anzusehen, für eine Sintiza oder Romni gehalten zu werden, ist doch auch rassistisches Denken, oder?

    Der Science-Artikel ist auch rassistisch, weil er nur die Reaktionen von “Weißen” untersuchte, als ob andere nicht auch rassistisch wären.

    Was Rassismus natürlich nicht entschuldigt.

  19. Zitat Omnivor
    Der Science-Artikel ist auch rassistisch, weil er nur die Reaktionen von “Weißen” untersuchte, als ob andere nicht auch rassistisch wären.
    Was Rassismus natürlich nicht entschuldigt.

    Die Frage bei dieser Versuchsanordnung ist eben, ob es sich um „einen rassistischen Vorfall“ handelt. Die Autoren der Studie ordnen offensichtlich den Vorfall als rassistisch ein, weil eine rassistische Beleidigung ausgesprochen wurde.

    Fest steht jedoch einzig, dass der Weiße über den Stoß gegen sein Knie verärgert war – was man als normal einstufen darf. Die Frage ist dabei nur, ob er darüber mehr verärgert war, weil ein Schwarze ihn gestoßen hat, als wenn ein Nicht-Schwarze es getan hätte – was dann in der Tat ein Zeichen von Rassismus wäre. Diese Frage kann jedoch bei dieser Versuchsanordnung nicht beantwortet werden, man müsste zum Vergleich eine Variante mit zwei Weißen durchspielen.

    • Wenn der Weiße verärgert über den leichten Stoß gegen sein Knie war, warum er hat seine Verärgerung dem Schwarzen nicht direkt nach dem Geschehen mitgeteilt, sondern erst gewartet, dass dieser den Raum verlassen hat?

  20. Ich staune und bin schockiert über manche Äußerungen hier!

    Wie kann es nicht rassistisch sein, wenn jemand sagt, “Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun” oder “Tollpatschiger „N-Wort” “, völlig unabhängig von der vorausgegangenen Situation?

    Das sind das doch derart rassistische Aussagen, eindeutig und klar, da gibt es doch nichts herumzudeuteln.

  21. Zitat Lars Behrens
    Wie kann es nicht rassistisch sein, wenn jemand sagt, “Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun” oder “Tollpatschiger „N-Wort” “, völlig unabhängig von der vorausgegangenen Situation?

    Das Problem bei dieser Versuchsanordnung ist im Gegenteil, dass sämtliche Reaktionen völlig abhängig sind von der ausgewählten vorausgegangenen Situation, sprich von dem Fehlverhalten eines Schwarzen gegenüber einem Weißen. Die Vorgabe ist nämlich:

    – Der Schwarze ist ein Täter
    – Der Weiße ist sein Opfer

    Diese vorgegebene Konstellation „schwarzer Täter /weißes Opfer“ fungiert sogar in der Versuchsanordnung als eine gesellschaftlich erwiesene, allgemein bekannte Tatsache, denn ein der Kommentare, der der weiße Schauspieler auszusprechen hat, lautet:

    Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun“.

    Die Autoren der Versuchsanordnung scheinen also selbst davon auszugehen, dass dieses fehlerhafte Verhalten „typisch“ ist für Schwarzen, die allgemein in der Gesellschaft als Täter zu stigmatisieren sind. Die Autoren der Versuchsanordnung scheinen (bewußt oder unbewußt?) einer rassistischen Vorverurteilung zu Lasten von Schwarzen zu unterliegen, wie der Teilnehmer KRichard weiter oben es moniert hat,
    siehe hier:

    In dem vorgestellten Versuchsdesign wurde aber ausschließlich die schwarze Person als unhöflicher Flegel dargestellt. D.h. bereits mit dem Versuchsdesign hat man gezielt ein rassistisches Vorurteil suggeriert. (= Priming)

    Wird mit einem Experiment absichtlich ein rassistisches Vorurteil erzeugt – dann braucht man sich nicht wundern, wenn diese Haltung dann in den Ergebnissen auch erkennbar ist.

    Ich bleibe bei meinem ersten Eindruck, dass diese Versuchsanordnung irgendwie fehlerhaft ist. 🙁

    • Ich verstehe nach wie vor nicht, was alle Ihre Einwände an der Tatsache ändern sollen, dass diese Aussage rassistisch ist:

      „Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun“.

      Vollkommen egal, was vorher war, diese Aussage ist Rassismus. Es wird nicht beispielsweise gesagt “Ich hasse es, wenn *jemand* das tut.”

      Und die Reaktion darauf gilt es für die Versuchspersonen zu reagieren.

      Und wenn ich mal versuche, Ihre Argumentation nachzuvollziehen, hieße das, Rassismus ist legtitim, wenn vorher eine Beleidung oder Regelverstoß vorausging? Verstehe ich Sie da richtig?

  22. @Omnivor
    “Aber es als Beleidigung anzusehen, für eine Sintiza oder Romni gehalten zu werden, ist doch auch rassistisches Denken, oder?”
    Laut ihrer Darstellung bezog sich die Ablehnung anscheinend darauf gefragt zu werden, ob man “Zigeuner” sei. Der vermutete Rassismus der Frau bezieht sich vermutlich darauf, dass der Fragesteller annimmt, dass er bei allen dunkelhäutigen vermutet, dass diese “Zigeuner” seien.

    “Der Science-Artikel ist auch rassistisch, weil er nur die Reaktionen von “Weißen” untersuchte, als ob andere nicht auch rassistisch wären.”
    Die fehlende Bedingung für Rassismus ist die Abwertung oder Benachteiligung. Fügen Sie diese Bedingung hinzu und sie erkennen, warum diese Auswahl kein Rassismus war. Wobei es natürlich interessant wäre zu sehen, wie sich ein vergleichbarer Versuchsaufbau in anderen Konstellationen zeigen würde.

  23. Eine mögliche Ergänzung zur Erklärung könnte sein, dass viele Menschen, die Rassismus nicht am eigenen Leib erlebt haben, diesen zwar theoretisch erkennen können, praktisch aber nur unzureichend.
    Dies liegt dann einfach daran, nur wenig praktische Erfahrung im Erkennen zu haben und dementsprechend auch nur wenig emotionale Reaktion.

    Wenn man aber genügend theoretischen Abstand zu der Situation hat, wie bei einer Schilderung, dann fällt es solchen Personen leichter den Rassismus zu identifizieren und entsprechend zu bewerten.

    Dies ist nur eine Hypothese, die mir schlüssig erscheint, aber sicherlich weiterer Untersuchung bedarf.

    • Ganz genau, wer hier mitreden möchte, begründet, muss den Rassismus vorab hinreichend theoretisiert haben, vergleiche mit Ihrem, Kommentatorenfreund ‘libertador’ beigebrachten Kommentar :

      Wenn man aber genügend theoretischen Abstand zu der Situation hat, wie bei einer Schilderung, dann fällt es solchen Personen leichter den Rassismus zu identifizieren und entsprechend zu bewerten.

      Rassismus ist insofern zu definieren, damit sich in der Gemeinsamkeit mit ihm auseinander gesetzt werden kann, Dr. W ist so freundlich dies zu tun, so :

      -> ‘‘Racism is usually defined as views, practices and actions reflecting the belief that humanity is divided into distinct biological groups called races and that members of a certain race share certain attributes which make that group as a whole less desirable, more desirable, inferior or superior.’ (Quelle : ehemals Wikipedia.en) ).

      Falsch definierte gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit kann selbst gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit generieren, vgl. :

      -> https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenbezogene_Menschenfeindlichkeit

      Die Jungs in Bielefeld haben es also “versackt”, kein Wunder, dass dortige Arbeit keine internationale Resonanz findet, vgl. :

      -> https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenbezogene_Menschenfeindlichkeit

      Es ist halt schlecht, wenn Kollektivisten, die der liberalen Demokratie nicht direkt unterstützend zur Seite stehen, “wissenschaftlich” arbeiten.
      Wilhelm Heitmeyer und so, auch der zähe Claus Leggewie darf in diesem Zusammenhang beachtet bleiben.

      Leider gibt es da, den Rassismus meinend und auch anderes, in der BRD, nicht nur in Bielefeld, gewisse Mängel, die die eigentliche Sacharbeit zum Rassismus erschweren.

      MFG – WB

      • Korrektur :

        Der doppelte Webverweis war nicht beabsichtigt, sozusagen der Tastatur geschuldet, Dr. W sieht nicht mehr so-o gut und hat auch Probleme mit den Tasten / Tatzen.

  24. Wenn mir jemand versehentlich auf den Musikknochen am Knie stößt und ich schreie “nur” Du Trottel oder Arschloch, dann bin ich es der sich entschuldigen muss, um anschließend selbst meine Emotionen zu hinterfragen/erforschen.

  25. Zitat Lars Behrens:
    Und wenn ich mal versuche, Ihre Argumentation nachzuvollziehen, hieße das, Rassismus ist legtitim, wenn vorher eine Beleidung oder Regelverstoß vorausging? Verstehe ich Sie da richtig?

    Nein, Sie verstehen es nicht richtig.
    Mir stört nur in dieser Versuchsanordnung, die anti-schwarze rassistische Reaktionen in Alltagssituationen zu ermitteln versucht, dass man sich ausgerechnet einen auslösenden Vorfall ausgedacht hat, wo ein Schwarze einem Weißen etwas Strafrechtliches antut (wenn man davon ausgeht, dass der Stoß gegen das Knie beabsichtigt war). Man kann also bei den ablehnenden Reaktionen gegenüber dem Schwarzen nicht unmittelbar erkennen, ob diese Ablehnung sich gegen seine Straftat oder gegen seine Hautfarbe richtet. Die Versuchsanordnung ist nicht zielgerecht konzipiert, um Straftat und Rassismus voneinander zu trennen bzw. um Täter und Opfer auseinander zu halten. Man könnte leichter Rassismus in Situationen eindeutig erkennen, wenn keine Gewalt und keine Straftat im Spiel sind, solche hätte man sich meiner Meinung nach ausdenken können.

    Darüber hinaus finde ich die 3 Varianten bei den Reaktionen des Weißen auf den Stoß auch nicht sauber zu analysieren bzw. nicht sauber analysiert:

    „In der Kontrollsituation verläuft dieser Vorfall kommentarlos (Untergruppe A1).“

    Hier hat man überhaupt keinen Hinweis darüber, ob der Weiße rassistisches Ressentiment hat oder nicht, man weiß nicht, was er denkt und fühlt.

    Zweite Variante:

    In der mäßig rassistischen Situation sagt der Weiße, nachdem der Schwarze den Raum verlassen hat: “Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun” (Untergruppe A2), und in der stark rassistischen Situation sagt der Weiße: “Tollpatschiger „N-Wort” (Untergruppe A3)

    Hier handelt es sich eindeutig um zwei rassistische Äußerungen, wobei ich anders als die Experimentatore die Äußeung bei der Untergruppe A2 „Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun“ gar nicht als „mäßig rassistisch“ einstufe, sondern im Gegenteil als stark rassistisch – stärker rassistisch sogar als die Äußerung bei der Untergruppe A3 „Tollpatschiger N…

    Denn die Äußerung „Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun“ ist in meinen Augen tiefgründig rassistisch: Der Weiße ist offensichtlich hier davon überzeugt, dass der Schwarze ihm mit Absicht verletzten wollte und er ist auch davon überzeugt, dass alle Schwarze es tun, deshalb er auch einen Anlaß sieht, alle Schwarze zu hassen. Das ist tiefgründiges rassistisch, es ist aus meiner Sicht keine „mäßig rassistische Situation“, wie die Experimentatore es bezeichnen.

    Dagegen ist nach meinem Empfinden die Äußerung bei der Untergruppe A3, anders als die Beurteilung der Experimentatore, weniger bedenklich rassistisch als die Äußerung bei der Untergruppe A2, trotz dem N-Schimpfwort. Denn hier zeigt der Weiße, dass er den Stoß lediglich als Ungeschicklichkeit einer einzelnen Person ansieht („Tollpatschiger“) und nicht als die Feindseligkeit und Aggressivität aller Schwarze ihm gegenüber wie in der Variante A2.

    NB – Kleine Anekdote nebenbei: Vor ein paar Jahren habe ich beim Spazierengehen eine Bank an einem Weg gesehen, wo jemand den tiefgründig rassistischen Spruch gesprüht hatte “Nur für Deutsche!“. Ich habe mich sehr darüber gefreut und auch amüsiert, dass jemand Andere ein Wort bei diesem Spruch übersprüht hatte, so dass auf der Bank sinvollerweise dann stand: “Nur für Ärsche!” 🙂

  26. Zitat hto:
    Wenn mir jemand versehentlich auf den Musikknochen am Knie stößt und ich schreie “nur” Du Trottel oder Arschloch, dann bin ich es der sich entschuldigen muss, um anschließend selbst meine Emotionen zu hinterfragen/erforschen.

    Ich würde als Frau vorsichtshalber wahrscheinlich gar keinen Kommentare machen, aus Verunsicherung, man weiß ja nicht wie Aggressivität bei Männern eskaliert oder nicht.

    • Du schreibst: “Hier hat man überhaupt keinen Hinweis darüber, ob der Weiße rassistisches Ressentiment hat oder nicht, man weiß nicht, was er denkt und fühlt.”

      Was willst du da analysieren?

  27. Klingt schon etwas bemüht, etwas konstruiert, diese Studiensituation, Herr Dr. Joseph Dramiga, finden Sie nicht? :

    In der mäßig rassistischen Situation sagt der Weiße, nachdem der Schwarze den Raum verlassen hat: “Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun” (Untergruppe A2), und in der stark rassistischen Situation sagt der Weiße: “Tollpatschiger „N-Wort” (Untergruppe A3).

    Ehrlich geschrieben findet der Schreiber dieser Zeilen die erste Reaktion als verdächtig für Rassismus-Gedanken, die zweite Situation weniger, denn wenn ‘Tollpatschiger Schwarzer’ gesagt wird, das “N-Wort” ist ja nur eine Latinisierung für ‘Schwarze’, ist es harmlos.

    Das “N-Wort”, Dr. W will es an dieser Stelle nicht ausschreiben, vergleiche bspw. mit diesen, aus diesseitiger Sicht klugen Gedanken :

    -> https://taz.de/Kolumne-Besser/!5068913/

    …ist OK, Dr. W nimmt auch bspw. Blöd-Wörter wie Kaukasoide an ohne sich aufzuregen, ohne sich besonders aufzuregen, ist also (auch hier) recht entspannt.

    Rassismus kann wie folgt sinnhaft definiert werden :
    -> ‘‘Racism is usually defined as views, practices and actions reflecting the belief that humanity is divided into distinct biological groups called races and that members of a certain race share certain attributes which make that group as a whole less desirable, more desirable, inferior or superior.’ (Quelle : ehemals Wikipedia.en) ).

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  28. PS:

    In den Staaten bspw. wird mit den “Caucasians” recht zwanglos agiert, Dr. W fühlt sich an dieser Stelle zumindest verblödet, die Politik in den Staaten, die idT rassisch orientiert ist, sich vom Rassengedanken (den Dr. Webbaer ablehnt) nicht lösen kann, denn es sol ja positiv diskriminiert werden, seit John F. Kennedy und seit ca. 60 Jahren, ist ihm ungünstig.
    Der “Rassengedanke” soll so nicht perpetuiert werden, wenn Leutz nur anders aussehen, Leutz schwarz zu nennen oder weiß müsste s.E. dagegen gehen, auch als Latinisierung, aber bitte nicht auf den Kaukasus zurückführend.

  29. @Lars Behrens
    Sie verstehen das Problem nicht um dass es hier geht:

    A) die beiden Äußerungen der weißen Versuchsperson sind eindeutig rassistisch. Dies ist klar und braucht deshalb nicht weiter diskutiert werden.

    B) Die Anlage und Durchführung dieses Experimentes ist aber bereits von Grund auf rassistisch. Man stellt nur einseitig eine Situation dar, in der sich ein Schwarzer gegen einen Weißen nicht korrekt verhält – er entschuldigt sich nicht für einen Körperkontakt.
    (Ein unerwünschter Körperkontakt kann als einfache Belästigung oder sogar als sexuelle Belästigung betrachtet werden.)
    Dadurch dass es in diesen Versuchen keine Beispiele von höflichen Schwarzen gibt – erzeugt man in den Köpfen der Versuchspersonen ein einseitiges rassistsches Priming.

    “PRIMING (= P), meint die Beeinflussung oder Veränderung eines Einstellungssets und global des Denkens, Fühlens und Handelns oder (auf einer mittleren Betrachtungsebene) auch die Voraktivierung eines Konzeptes (für neuronale Netze: Aktivierungsmusters) durch eine bestimmte (exp.) Induktion. Ein Reiz oder Ereignis A hat eine Wirkung auf die Verarbeitung der nachfolgenden Ereignisse B oder den Umgang damit. P. bedeutet meist, dass (implizit) Gedächtnisinhalte, Denkoperationen oder Verhaltensweisen aktiviert werden, die im Folgenden erhöht zugänglich sind.” (Zitat aus Dorsch, Lexikon der Psychologie, Ausg. 16)

    Kurz gesagt – unter dem Vorwand prüfen zu wollen, wie sich weiße Versuchspersonen zu rassistischen Äußerungen (des Weißen) verhalten, werden Schwarze einseitig nur als unhöfliche Personen dargestellt. Diese Darstellung von Schwarzen als Flegel ist rassistisch – weshalb diese ´wissenschaftliche´ Arbeit als rassistisch zu betrachten ist und deshalb zurückgezogen werden muss.

  30. @ Herr Kinseher :

    A) die beiden Äußerungen der weißen Versuchsperson sind eindeutig rassistisch. Dies ist klar und braucht deshalb nicht weiter diskutiert werden.

    Lernen Sie bitte mit Definitionen zu arbeiten, Dr. W war so freundlich zum (ablehnenwerten) Rassismus weiter oben definitorisch beizutragen.
    So ist es bspw. nicht rassistisch einen Schwarzen als Schwarzen zu bezeichnen.

    Dies hier ist ebenfalls nicht OK:

    Kurz gesagt – unter dem Vorwand prüfen zu wollen, wie sich weiße Versuchspersonen zu rassistischen Äußerungen (des Weißen) verhalten, werden Schwarze einseitig nur als unhöfliche Personen dargestellt. Diese Darstellung von Schwarzen als Flegel ist rassistisch – weshalb diese ´wissenschaftliche´ Arbeit als rassistisch zu betrachten ist und deshalb zurückgezogen werden muss.

    Diese wissenschaftliche oder “wissenschaftliche” Arbeit leidet an der Versuchsanordnung und ihren Voraussetzungen, sie ist sicherlich nicht mit kümmerlicher Begründung, so die diesseitige Sicht, als ‘rassistisch’ zurückzuweisen.

    Sollten Sie meinen, werter Herr Kinseher, dass schlechte wissenschaftliche Arbeit selbst dem Rassismus-Gedanken Vorschub zu leisten in der Lage ist, wäre Dr. Webbaer bei Ihnen.
    Schlechte wissenschaftliche Arbeit, die zudem den “Rassengedanken” zu promovieren, zu perpetuieren scheint, bleibt abzulehnen, korrekt.
    Schwarzer Identitarismus ist aus diesseitiger Sicht umfänglich OK, solange er nicht aggressiv, übergriffig wird, den “Rassengedanken” verfestigt.
    Identitarismus ist dem Subjekt ja auch irgendwie vorgegeben, bspw. ist das bundesdeutsche Grundgesetz se-ehr identitaristisch, auch völkisch, oder die Verfassung Israels, das Subjekt scheint sozusagen verdammt in gewissem Umfang identitär zu sein, Dr. Webbaer mag insofern auch unseren Dr. Jospeph Dramiga, der sich so bemüht, auch außerordentlich klug zu sein scheint, zumindest so ist die Sicht des hiesigen Kommentators.
    Er könnte vielleicht eine Spur besser integrieren wollen.

    Mit freundliche Grüßen
    Dr. Webbaer

  31. Lösen wir doch das Problem der “Fakten aus Erfahrung” ala Hegel:

    Wenn Tatsachen nicht mit der Idee übereinstimmen,
    stimmt was nicht mit den Tatsachen 😉

  32. Zitat Jocelyne Lopez
    Darüber hinaus finde ich die 3 Varianten bei den Reaktionen des Weißen auf den Stoß auch nicht sauber zu analysieren bzw. nicht sauber analysiert:
    „In der Kontrollsituation verläuft dieser Vorfall kommentarlos (Untergruppe A1).“
    Hier hat man überhaupt keinen Hinweis darüber, ob der Weiße rassistisches Ressentiment hat oder nicht, man weiß nicht, was er denkt und fühlt.

    Zitat Joe Dramiga
    Du schreibst: “Hier hat man überhaupt keinen Hinweis darüber, ob der Weiße rassistisches Ressentiment hat oder nicht, man weiß nicht, was er denkt und fühlt.”
    Was willst du da analysieren?

    .

    Eben, diese Variante ist sozusagen “umsonst” zur Beobachtung von Rassismus bei dem direkt Betroffenen in diesem Vorfall – angenommen, dass der Weiße hier kein Schauspieler wäre, sondern ein echter Teilnehmer des Experiments mit echten Affekten.

    Das Experiment ist nämlich verschachtelt aufgebaut, sozusagen mit zwei Ebenen: Eine Ebene mit gespielten Reaktionen eines weißen Schauspielers auf einen gespielten Vorfall (und das auch noch mit 3 verschiedenen gespielten Varianten), und eine Ebene mit echten Reaktionen von echten Zeugen im Zusammenhang mit einer anderen, echten Handlung (Wahl eines Partners zur Lösung einer Aufgabe).

    Bis jetzt habe ich mich einzig mit dem Vorfall und mit den zwei Schauspielern beschäftigt, um rassistische Reaktionen auf den Vorfall zu analysieren – angenommen er hätte sich eben in der Realität echt abgespielt. Und bei der 1. Variante, wo der Weiße keinen Kommentar über den Stoß gegen sein Knie abgibt, kann man eben im Hinblick auf eine eventuelle rassistische Reaktion des Weißen als Affekt nichts erfahren.

    Mit dem potentiellen Einfluß der verschiedenen Varianten auf die Entscheidung der Zeugen den Schwarzen oder den Weißen als Partner auszuwählen, habe ich mich bis jetzt nicht beschäftigt, so weit bin ich noch nicht gekommen mich in den Zeugen hineinzufühlen, ich bin bis jetzt bei den zwei Schauspielern hängen geblieben, das Experiment ist nun mal ziemlich kompliziert aufgebaut, so wie der Teilnehmer H.Wied gleich als erster Kommentator es auch angemerkt hat: „Hallo Joe, hast du denn kein Mitleid mit uns. Noch komplizierter geht es wohl nicht.“ 😉

  33. Jocelyne Lopez,
    Ihr Kommentar hat viel dazu beigetragen, den Vorfall beurteilen zu können. Mittlerweile bin ich auch ein wenig tiefer eingedrungen.
    Die kommentarlose Reaktion sollte wahrscheinlich nur dazu dienen, dass der Vorfall kein Vorfall war, sondern nur ein Vorfällchen.

    Herr Dramiga sieht in dem verspäteten Kommentar die Schlüsselszene.
    warum macht der Weiße einen Kommentar und warum verspätet ?
    1. Ist er kein spontaner Typ ?
    2. Sucht er Mitleid oder Kontakt, weil er einen Minderwertigkeitskomplex hat ?
    3. Will er sich bewusst von dem Schwarzen distanzieren. Das wäre dann ein versteckter Rassismus. Schämt er sich wegen dem Schwarzen ?
    An dieser Stelle braucht man mehr Informationen !
    Oder war der Schwarze 1,90 m groß mit einem Kampfgewicht von 120 Kg, dann wäre der verspätete Kommentar verständlich.

  34. Ganz falsch @Wied, sehr merkwürdig @Lopez, es geht doch offensichtlich ganz einfach nur um die Frage nach dem erzeugten Gefühl :))

  35. Eine sehr interessante Studie. So interessant, dass sie mich dazu bringt, als Langzeit-Leser dieses Sci-Logs meinen allerersten Kommentar zu schreiben 🙂

    Zitat Martin Holzherr

    Keiner will selbst ein Rassist sein, selbst wenn er einer ist. Umgekehrt fällt es vielen leicht, andere, vor allem wenn man sie als Gegner betrachtet, des Rassismus zu verdächtigen.

    Das stimmt mit meiner Erfahrung im Alltag überein. Habe mal erlebt, wie eine ältere Dame eine südländisch aussehende Mitreisende im Zug als “K…” bezeichnet hat. Als sie darauf angesprochen wurde, hat sie völlig entsetzt und verständnislos reagiert: “Nein ich bin nicht rassistisch! Ich habe viele türkische Freunde!”. Wirkte ziemlich surreal, selbst wenn man die Mechanismen dahinter erahnen kann.

    Dieses “Ich bin ja einer von den Guten, ich kann also nicht rassistisch sein” erschwert glaube ich eine Entwicklung zu einer weniger rassistischen Gesellschaft. Wir alle haben durch die momentane Gesellschaft Vorurteile mitbekommen, es geht nicht darum diese zu ignorieren, zu leugnen oder weit von sich zu weisen. Wenn wir uns statt dessen unserer eigenen Vorurteile bewusst werden, dann können wir sie auch ändern.

    @Jocelyne Lopez: Ich finde es verwunderlich, dass sie selbst angeben die Studie nicht komplett nachvollzogen zu haben, aber sich trotzdem genötigt fühlen, die Versuchsanordnung zu kritisieren. Ich würde initial davon ausgehen, dass ein Team aus Wissenschaftlern, die zum Thema Rassismus forschen, in der Lage ist, zu dem Thema auch korrekte Versuchsanordnungen zu erstellen.

    @Joe Dramiga: meine Bewunderung dafür, wie besonnen und unaufgeregt sie zu einem so volatilen und sensiblen Thema wie Rassismus schreiben (sowohl im Beitrag selbst als auch in den Kommentaren darunter).

  36. Zitat Jocelyne Lopez
    Mit dem potentiellen Einfluß der verschiedenen Varianten auf die Entscheidung der Zeugen den Schwarzen oder den Weißen als Partner auszuwählen, habe ich mich bis jetzt nicht beschäftigt, so weit bin ich noch nicht gekommen mich in den Zeugen hineinzufühlen, ich bin bis jetzt bei den zwei Schauspielern hängen geblieben

    Gut, ich könnte mich jetzt damit beschäftigen, mich in den Affekten der Zeugen hineinzufühlen, am einfachsten ist eben mitzuteilen, wie ich mich selbst als Teilnehmerin dieses Experiments zwischen dem Schwarzen oder dem Weißen entschieden hätte:

    – Bei der Variante 1: Der Weiße gibt kein Kommentar ab über den Stoß gegen sein Knie.

    Hier würde ich den Weißen wählen, weil er mir reifer und besonnerer erscheint als den Schwarzen. Er ignoriert souverän ein frevelhaftes Verhalten und schlechte Manieren: Entweder hat er den Eindruck gehabt, dass es bloß ein Versehen war und er will keine große Geschichte daraus machen, oder er hat den Eindruck gehabt, dass es absichtlich aus Aggressivität und als Provokation geschah, jedoch will er auch keine große Geschichte daraus machen. Ich weiß zwar nicht, was er denkt und fühlt, aber der Mann hat sich auf jeden Fall unter Kontrolle, das ist ein ruhiger Typ, das gefällt mir.
    .

    Bei der Variante 2: Der Weiße gibt als Kommentar ab: „Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun“

    Hier würde ich ohne zu zögern den Weißen abwählen, denn er ist eindeutig ein Rassist und ich muss mich nicht mit ihm abgeben: Ich verabscheue Rassismus und es macht mich auch Angst. Der Schwarze hat zwar schlechte Manieren oder er wollte möglicherweise den Weißen provozieren, aber ohne weitere Informationen über seine Persönlichkeit und sein Leben halte ich es erst einmal für harmloserer als die offensichtliche rassistische Lebenseinstellung des Weißen.
    .

    Variante 3: Der Weiße gibt als Kommentar ab: Tollpatschiger „N-Wort”

    Mit diesem Kommentar scheint mir eine rassistische Einstellung des Weißen viel schwieriger festzustellen als in der Variante 2, denn allein der Verbrauch des „N-Worts“ ist für mich kein eindeutiger Nachweis für eine rassistische Einstellung, wie in dem von Dr. Webbaer weiter oben verlinkten und aus meiner Sicht brillanten Artikel dargelegt wurde: Liebe N-Wörter, ihr habt ‘nen Knall. Alle hängt beim Verbrauch dieses Worts von dem Kontext ab und vor allem auch von der Art und Weise, wie das Wort ausgesprochen wurde. Hier müsste ich also direkt den Schauspieler erlebt haben, ob er diesen Satz unmissverständlich als Beleidigung rüberbringen wollte, um zu erniedrigen und zu verletzen. Es spricht allerdings dagegen, dass er offensichtlich den Stoß als Ungeschicklichkeit empfunden hat und nicht als Aggression, denn er hat das sanft anmutende Wort „tollpatchig“ benutzt, wie bei einem ungeschicktes Kind, was eher empathieauslösend ist – wie zum Beispiel auch das Wort „Negerlein“ unmissverständlich empathisch konnotiert ist, das Herz schmelzt direkt, wenn man dieses Wort hört. 🙂 Ich könnte mich also bei der Variante 3 nur dann für den Schwarzen oder den Weißen entscheiden, wenn ich sie in der Realität erlebe und ihre Affekte nachempfinden kann, nur mit dem ausgesprochenen Satz kann ich mich nicht entscheiden, wer mehr Sympathie und Vertrauen bei mir auslöst.

    Hier möchte ich in Ergänzung des oben von Dr. Webbaer verlinkten Artikels „Liebe N-Wörter, ihr hab’nen Knall“ anführen, dass das Wort nicht nur in historischen Kontexten nicht als Beleg für Rassismus fungieren kann, sondern auch in kulturellen Kontexten. Ich verweise hier zum Beispiel auf den Dichter, Humanisten und ersten Präsidenten der Republik Senegal Léopold Sédar Senghor, den ich sogar mal im Gymnasium in Marseille mit seinem Werk und seiner Bewegung über die „Négritude“ vermittelt bekommen habe, siehe zum Beispiel hier:

    Schwarze Selbstbestimmung aus dem Senegal

    […] Senghor hatte 1935 an der Pariser Sorbonne als erster Schwarzer erfolgreich ein Grammatikstudium absolviert und mit den karibischen Dichtern Aimé Césaire und Léon Gontran Damas die literarische Bewegung der Negritude gegründet, deren Zielsetzungen János Riez wie folgt beschreibt:

    ” Ich bin Schwarzer, ich bin Neger, ich bin Afrikaner und ich bin in dieser Situation, wenn ich in Europa bin in einer herausgehobenen Stelle, sei es nun zum Guten oder zum weniger Guten, indem ich auffalle, indem ich Zielscheibe von Aggression werde oder sonst was, und dann ist daraus eben so etwas wie eine Kulturtheorie geworden […]

  37. @Lopez

    Ich war ja nicht dabei, aber ich kann es glauben, wenn in Filmen mit Handlungen der Sklaverei, die Darsteller des arroganten Sklaventreibers die symptomatische Geringschätzung oft mit Worten wie “tolpatschiger Neger/Nigger” ausdrückten – daran irgendetwas “sanft anmutend” oder “empathisch” zu vermuten, dass ist ein starkes Stück …

  38. @Lopez

    Die Globalisierung der “Dienstleistungsgesellschaft mit Tittitainment” der Weltbevölkerung (neue/andere Worte für die zeitgeistlich-reformistischen Gewohnheiten des imperialistisch-faschistischen Kreislaufes) zeigt Wirkung!?

  39. Zitat hto:
    Ich war ja nicht dabei, aber ich kann es glauben, wenn in Filmen mit Handlungen der Sklaverei, die Darsteller des arroganten Sklaventreibers die symptomatische Geringschätzung oft mit Worten wie “tolpatschiger Neger/Nigger” ausdrückten – daran irgendetwas “sanft anmutend” oder “empathisch” zu vermuten, dass ist ein starkes Stück …

    Na ja, hto, ob Sie es als „starkes Stück“ ansehen, wenn ich das Adjektiv „tollpatschig“ als sanft anmutend und empatieauslösend empfinde, spielt hier keine Rolle. Denn es handelt sich bei meiner virtuellen Teilnahme an dieses Experiment darum, dass ich MEINE Empfindungen kommuniziere, ganz unabhängig von Ihren, okay? Es steht auch im Titel dieses Artikel “Wie fühlst du dich und wie reagierst du als Zeuge eines rassistischen Vorfalls?” Oder wollen Sie etwa, dass alle Teilnehmer das gleiche empfinden wie Sie selbst? Wozu bräuchte man dann ein Experiment mit 120 Teilnehmern und 120 gleichen Meinungen? 😉

    Also noch einmal:

    Bei der Variante 2 mit dem Kommentar „Typisch, ich hasse es, wenn Schwarze das tun“ brauche ich den Mensch nicht real zu erleben um zu empfinden, dass er rassistische Einstellungen hat, einzig die Worte reichen mir.

    Bei der Variante 3 mit dem Kommentar „tollpatschiger N…“ reichen mir diese zwei Worte nicht, um eindeutig zu empfinden, dass er wirklich eine tiefgründige rassistische Einstellung hat, ich muss es real erleben wie er es sagt, mit seiner Stimme, mit seinen Gesichtsausdrücken, mit seiner Körpersprache, damit ich verstehen kann, ob er die Absicht hat zu erniedrigen, verächtlich zu machen und zu verletzen.

    Denn noch einmal: Das Adjektiv „tollpatschig“ empfinde ich definitiv nicht als herabsetzend, oder arrogant, oder aggressiv, oder verletzend. Wie gesagt assoziiere ich das Adjektiv „tollpatschig“ spontan mit den Bewegungen eines kleinen Kindes oder auch eines Jungtiers. Tollpatschigkeit empfinde ich spontan als rührend, auf gar keinen Fall als erniedriegend.

    Den Ausdruck „tollpatschiger Neger“ durch den Weißen empfinde ich also in dieser Konstellation irgendwie als seltsam, als widersprüchlich, ein Hybrid zwischen Empathie und Beleidigung, zwischen Sympathie und Feindseligkeit. Vielleicht hat er es nur als Provokation bzw. als kleine Rache für den Stoß gemeint? Oder weil er eine patriarchale Persönlichkeit hat und weil er viel älter als den Schwarzen ist? Ich weiß es nicht. Deshalb reicht mir hier nicht ein schriftliches Bericht, ich muss es real erleben wie er es sagt, die Körpersprache ist immer unmissverständlich.

  40. @Lopez

    Allein die Bezeichnung Tollpatsch, kann im Wettbewerb um Teilnahme/Teilhabe an dieser IMMERNOCH zynisch-unternehmerischen “Werteordnung”, geradezu vernichtend wirken!

    Wenn wir es irgendwann mal schaffen, diese konfusionierte Welt in Überproduktion von Kommunikationsmüll, wirklich-wahrhaftig, zweifelsfrei-eindeutig zu befrieden, OHNE …, dann wird die Macht der Worte bestimmt keine Rolle mehr spielen.

    Den taz-Artikel empfehle ich nochmals zu lesen, denn diese taz ist inzwischen auch nichts anderes als die BILD, eben nur Surfen des Zeitgeistes für die pseudolinkskonfusionierte Klientel.

  41. Wie bei fast allen Forschungsprojekten dieser wettbewerbsorientiert-gesteuerten Wissenschaft, stellt sich nur die eine interessante Frage: Was soll damit bezweckt, unterdrückt/kontrolliert, assimiliert werden?

  42. Zitat hto:
    Allein die Bezeichnung Tollpatsch, kann im Wettbewerb um Teilnahme/Teilhabe an dieser IMMERNOCH zynisch-unternehmerischen “Werteordnung”, geradezu vernichtend wirken!

    Sie haben gut reden, Sie haben doch weiter oben ausgesagt, dass Sie jemanden, der Ihnen gegen das Knie stößt, als „Trottel“ oder „Arschloch“ bezeichnen würden… Dagegen ist „Tollpatsch“ doch eher sanftmütig, oder? 😉

  43. hto,
    frag doch mal Joe Dramiga nach dem Zweck.
    In meiner Vorstellung ist der Zweck, dass wir unser Verhalten reflektieren. Das Verhalten gegenüber anders aussehenden Menschen.
    Und dabei ist die Bilanz gegenüber den USA positiv.
    Unsere Nichten sind farbig, deren Väter sind farbig und die wohnen jetzt in Deutschland, weil sie die ständige Diskriminierung in den USA nicht mehr aushalten. Sie haben dort mehrere Häuser, aber die menschliche Wertschätzung in Deutschland ist ihnen wichtiger als money in the states.
    Aus eigener Erfahrung kann ich behaupten, auch in Deutschland gibt es Rassendiskriminierung, das habe ich selbst erlebt, aber in Deutschland kann man sein Recht einklagen.

  44. Zitat H. Wied
    hto, frag doch mal Joe Dramiga nach dem Zweck.

    Nach meinem Empfinden ist der Zweck des Experiments nachzuweisen, dass wir alle anti-schwarze Rassisten sind, auch ohne dessen bewußt zu sein, man kann dieser Verurteilung bei diesem Experiment nicht entkommen… 🙁

    So verstehe ich zumindest die Beschreibung des Zwecks und der Ergebnisse des Experiments in der Anleitung des Artikels:

    Ein Grund für das Fortbestehen von Rassismus ist falsche Selbsteinschätzung: Viele Menschen glauben, dass wenn sie Zeuge eines rassistischen Vorfalls würden, sie sich sehr darüber aufregen würden. In Wirklichkeit ist es aber viel wahrscheinlicher, dass, wenn sie tatsächlich Zeuge eines rassistischen Vorfalls werden, sie mit Gleichgültigkeit reagieren. Das legt eine Studie der Psychologinnen Kerry Kawakami, Elisabeth Dunn und Francine Karmali in Kanada nahe in der die Forscherinnen darüber hinaus zeigen, dass Menschen das Ausmaß der gesellschaftlichen Ablehnung überschätzen, die ein Mensch, der einen rassistischen Kommentar macht, erfahren wird. Die Forscherinnen der Universitäten York Universität, Universität von Britisch Columbia-Vancouver und Universität von Toronto beschreiben ihr Experimente in der Fachzeitschrift Science [1].

    Jetzt frage ich mich aber, wie man den Test bestehen könnte, um nicht als offenen oder verkappten Rassist eingestuft zu werden. Hätte dafür der Test ergeben müssen, dass kein einziger Teilnehmer den Weißen als Partner auswählt? Kann man erst von Rassismus freigesprochen werden, wenn man immer nur den Schwarzen wähtl und den Weißen immer nur ablehnt?

    Ich habe zum Beispiel bei der Variante 1 den Weißen gewählt, mit Begründung, siehe hier. Bin ich dann eine Rassistin?

    Die Studie finde ich deprimierend, ich habe den Eindruck, dass man dabei ohnehin unter Generalverdacht steht und dass man dabei immer als Rassist gelten muß, egal wie man sich entscheidet bzw. egal was man für Beweggründe angibt. Das ähnelt einen Hexe-Prozess im Mittelalter: Antwortest Du so, dann bist Du eine Hexe, antwortest Du anders, dann bist Du eine Hexe.

    Wer könnte hier von den Kommentatoren oder von den Lesern ebenfalls seine Entscheidungen bei den 3 Varianten in der Diskussionsrunde mit Begründungen kommunizieren? Vielleicht könnte man dann feststellen, dass es in unserer Runde jemanden gibt, der kein Rassist ist, das wäre ermutigend. 😉

  45. Ich bin Rassist gegen Heuchler, Lügner und Egoisten, also gegen alle die ihren Profit aus dem System unseres “Zusammenlebens” ziehen und dabei ihre Vernunftbegabung und ihr Verantwortungsbewusstsein für die eindeutige Wahrheit, der konfusionierenden Schuld- und Sündenbocksuche von Religion, Politik und Unternehmertum überlassen.

  46. Zitat Jocelyne Lopez:

    – Bei der Variante 1: Der Weiße gibt kein Kommentar ab über den Stoß gegen sein Knie.

    Hier würde ich den Weißen wählen, weil er mir reifer und besonnerer erscheint als den Schwarzen. Er ignoriert souverän ein frevelhaftes Verhalten und schlechte Manieren: Entweder hat er den Eindruck gehabt, dass es bloß ein Versehen war und er will keine große Geschichte daraus machen, oder er hat den Eindruck gehabt, dass es absichtlich aus Aggressivität und als Provokation geschah, jedoch will er auch keine große Geschichte daraus machen. Ich weiß zwar nicht, was er denkt und fühlt, aber der Mann hat sich auf jeden Fall unter Kontrolle, das ist ein ruhiger Typ, das gefällt mir.

    Wenn ich es richtig verstehe, haben 68% der Teilnehmer sich bei dieser Variante, wo der Weiße keinen Kommentar über den Stoß abgibt, so wie ich entschieden und den Weißen als Partner gewählt:

    Figur 2 zeigt für die verschiedenen Untergruppen, den Anteil der Gruppenmitglieder, der sich für den Weißen entschieden hat in Prozent.
    In der Kontrollsituation entscheiden sich 68 % der Gruppe B für den Weißen.

    Ich kann also die Entscheidung von 68% der Teilnehmer hier persönlich nachvollziehen, denn sie entspricht meiner eigenen Entscheidung.

    Jetzt frage ich mich aber aus welchem Grund die restlichen 32 % in dieser Situation den Schwarzen gewählt haben????

    Es gab nämlich hier gar keinen rassistischen Vorfall, denn der Weiße hat ja kein Wort über den Stoß gesagt. Dafür hat sich der Schwarze frevelhaft verhalten.

    Hat jemand eine nachvollziehbare Erklärung dafür, warum 32% der Teilnehmer in dieser Situation den Schwarzen gewählt haben?

  47. Meine Güte “frevelhaft”, steht das im Text???

    Und 32% – Na der wird wohl einfach nur ein sympathischer Typ gewesen sein.

  48. Zitat hto:

    Meine Güte “frevelhaft”, steht das im Text???

    Meine Güte, das steckt doch in der Situation, darüber gibt es schon zig Kommentare in der Diskussion: Jemand stößt gegen das Knie von jemandem (und entschuldigt sich nicht). Das ist eben immer ein Ärgernis, darüber haben wir doch weit und breit schon gesprochen – Sie haben sogar selbst die Worte “Trottel” und “Arschloch” für so jemanden benutzt…

    Also warum wählen 32 % der Teilnehmer jemanden als Partner, der ein Ärgernis verursacht (ein Trottel oder ein Arschloch)???
    .

    Zitat hto:

    Und 32% – Na der wird wohl einfach nur ein sympathischer Typ gewesen sein.

    Da kommt ein Aspekt zur Sprache, der ein Bias für die ganze Studie sein könnte. 🙁

    Wenn man schon Rassismus mit diesem Experiment untersuchen will, also die Auswirkung der Hautfarbe eines Menschen auf andere Menschen (hier ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe auf Menschen mit weißer Hautfarbe) muss man bei diesem Experiment-Design unbedingt dafür sorgen, dass nur dieses eine äußerliche Merkmal zum Vergleich steht, sonst ist das Experiment im Eimer. Wenn nämlich andere äußerlichen Merkmale zum Vergleich stehen, kann man die Wahl sehr leicht steuer:

    Zum Beispiel:

    Ein junger, attraktiver, gepflegte, sportlicher, sympathischer Schwarze
    gegenüber
    einem alten, häßlichen, fetten, ungepflegten, unsympathischer Weißen
    …oder umgekehrt.

    Das hätte zwar wahrscheinlich eine Auswirkung auf die Wahl, würde aber kaum eine objektive Aussagekraft im Hinblick auf Rassismus haben, oder?

    Die beiden Versuchspersonen müssten also zwingend äußerlich ungefähr gleich aussehen, gleich gekleidet sein und gleich wirken, wenn man einzig die Auswirkung der Hautfarbe auf die Wahl der Zeugen untersuchen möchte.

    Und dabei wäre eben nicht zu erklären, warum ganze 32% der Zeugen sich für das “Arschloch” entscheiden, das einem gegen die “Musikknochen” stößt. 😉

  49. Jocelyne Lopez,
    Bravo, das Verhältnis zwischen zwei Menschen kann man nicht nur auf Rassismus reduzieren. Das Verhältnis entsteht spontan und ist gefühlsmäßig und sehr komplex.

    Daraus erklärt sich, dass 32 % für den Fiesling stimmen.
    Man könnte auch folgern, dass die 32 % Fiessein positiv sehen.
    Aber das wäre jetzt Spekulation.

    hto,
    Heuchler, Lügner und Egoisten. Hast du schon mal mit Kleinkinder gespielt. Die sind Egoisten , die lügen auch und heucheln, wenn sie sich einen Vorteil versprechen. Und trotzdem verurteilen wir sie nicht. Warum ? Weil Heucheln, Lügen und Selbstsucht Überlebensstrategien sind, die in Maßen angewandt als “menschlich” verstanden werden.
    Das Heilmittel gegen heucheln und lügen ist übrigens die Liebe. Ein Kind , das genug Liebe empfängt, kann wieder Liebe geben und verliert seine Selbstsucht.

  50. @Lopez
    setzt man Fruchtfliegen vor eine Lampe, so krabbeln 70% auf die Lampe zu und 30% davon weg.
    Nimmt man die ´Wegläufer´ und wiederholt den Versuch, dann ist wieder eine identische 70%/30% Verteilung erkennbar.
    D.h. es gibt eine Variabilität im Verhalten – die durch den Versuch erklärbar wäre.
    DOI: 10.1016/j.beproc.2011.005 Spontaneous decisions and operant conditioning in fruit flies

    Oder anders gesagt: Wenn bei irgendwelchen Versuchen ein Ergebnis erzielt wird, wo eine 70/30 Verteilung erkennbar ist – dann sind hier vermutlich die gleichen neuronalen Mechanismen am Werk wie bei Fruchtfliegen.
    Man muss also dafür keine tiefgründige Erklärung suchen.

    (Andere Artikel zum Thema – findet man per Google:
    ´Sogar Fruchtfliegenhaben einen freien Willen´
    ´die Freiheit der Fruchtfliege´)

    An dieses Experiment mit den Fruchtfliegen sollte man sich immer erinnern – wenn bei irgendwelchen Experimenten eine 70/30-Verteilung im Ergebnis erkennbar ist!

    • Wenn bei irgendwelchen Versuchen ein Ergebnis erzielt wird, wo eine 70/30 Verteilung erkennbar ist – dann sind hier vermutlich die gleichen neuronalen Mechanismen am Werk wie bei Fruchtfliegen.

      Ca. 70 % der Kommentare hier bei SciLogs enthalten kompletten Schwachsinn.

    • @Wied

      Ja genau, und weil die meisten GESELLSCHAFTER dieser stets zeitgeistlich-reformistischen “WerteGemeinschaft” ein gepflegtes Bewusstsein auf dem Stand eines fünfjährigen Kindes haben, hat sich der nun “freiheitliche” Wettbewerb so ERFOLGREICH in Stumpf-, Blöd-, Schwach- und Wahnsinn als einzig GLAUBWÜRDIGE Überlebensstrategie entwickelt 😏

  51. Der Rassismus im vom Joe Dramiga beschriebenen Experiment wird sicherlich provoziert: Die Versuchsperson (der Rassist) reagiert auf eine Verletzung/Zumutung mit einer feindlichen Äusserung gegenüber einer ganzen Gruppe von Menschen (hier den Schwarzen) und er äussert das zudem gegenüber Weissen, also Menschen der eigenen Gruppe, womit er im Prinzip alle Weissen gegen alle Schwarzen mobilisiert.
    Im weiteren Sinne demonstriert der Rassist in diesem Beispiel eine gruppenbezogene Feindlichkeit ähnlich wie ein Norditaliener, der von Süditalienern als „animali“ (Tiere) spricht oder wie der Bayer, der eine Tirade gegen die Saupreussen loslässt.
    Jemandes Verhalten mit seiner Gruppenzugehörigkeit zu erklären scheint mit grundsätzlich problematisch, noch problematischer wird es aber wenn es mit einer grundsätzlichen Herabsetzung verbunden ist wie im von Joe Dramiga erwähnten Experiment oder wie bei der Bezeichnung „animali“ für Süditaliener. Der „Saupreuss“ dagegen kann auch scherzhaft gemeint sein und ist nur bedingt eine Herabsetzung.

  52. Zitat KRichard
    An dieses Experiment mit den Fruchtfliegen sollte man sich immer erinnern – wenn bei irgendwelchen Experimenten eine 70/30-Verteilung im Ergebnis erkennbar ist!

    Soll man dann davon ausgehen, dass immer mehr Leute sich für den Weißen entscheiden würden (ursprünglich 70%), wenn man oft genug das Experiment mit denjenigen wiederholt, die sich für den Schwarzen ursprünglich entschieden haben (30%)? Das würde dann schließlich zu 100% für den Weißen führen. Wäre es zulässig für ein Experiment, wäre hier nicht ein Bias vorhanden?
    .

    Meine weiteren Überlegung wegen der Variante 1: Der Weiße gibt überhaupt keinen Kommentar über den Stoß gegen sein Knie ab

    Figur 2 zeigt für die verschiedenen Untergruppen, den Anteil der Gruppenmitglieder, der sich für den Weißen entschieden hat in Prozent.
    In der Kontrollsituation entscheiden sich 68 % der Gruppe B für den Weißen.

    Aus meiner Sicht ist diese „Kontrollsituation“ völlig überflüssig: Man kann aus dieser Situation überhaupt keine Erkenntnisse über die Verteilung von rassistischen Einstellungen unter den Zeugen gewinnen. Denn unter den 68 %, die hier den Weißen gewählt haben, kann man nicht erkennen:

    – Wie viele haben den Weißen gewählt, weil sie Rassisten sind und keinen Schwarzen mögen?

    – Wie viele haben den Weißen gewählt, weil es ihnen gefallen hat, dass der Weiße sich beherrscht gezeigt und keine große Geschichte aus dem Stoß gemacht hat – also Zeugen, die keine durch Rassismus motivierte Entscheidung getroffen haben?

    Die Verteilung „Rassisten/Nicht Rassisten“ ist in dieser Gruppe von 68% überhaupt nicht zu erkennen.

    Darüber hinaus kann man unter den 32%, die den Schwarzen gewählt haben, ebenfalls nicht eindeutig unterscheiden zwischen:

    – Zeugen, die zwar im realen Leben rassistisch eingestellt sind und keine Schwarzen mögen, jedoch im Rahmen eines Experiments (die Studenten vermuten wohl, dass sie „wissenschaftlich beobachtet“ werden) Angst haben, es zu zeigen und sich lieber „politically correct“ verhalten indem sie den Schwarzen wählen.

    – Zeugen, die Mitleid haben mit dem Schwarzen, weil er einen kleinen Fehler gemacht hat und in der Minderheit ist. Das ist die Neigung, den „voleur de pommes“ (den Apfel-Dieb) laufen zu lassen . 🙂

    Es ist also mit dieser Variante 1 definitiv nicht zu bestimmen, wer rassistische Einstellungen im Leben hat. Man versteht nicht, zu welchen Erkenntnisgewinnen diese Situation gut ist und warum sie überhaupt im Versuchsdesign eingebaut wurde – was zum Beispiel auch der Teilnehmer Joker weiter oben angedeutet hat:

    Den Zweck des unbeabsichtigten Bein-Kontaktes im Versuchsaufbau ist mir sowieso etwas schleierhaft. Für die Glaubwürdigkeit der ganzen Szene hätte es dessen nicht bedurft. Schon das vergessene Telefon, ja allein die Teilnahme eines Schwarzen am Experiment, hätte als plausibler Anlass für einen rassistischen Kommentar dienen können.

  53. Ja Frau Lopez, 😎👊 ich würde auch jeden Apfeldieb laufen 🏃 lassen, ich wäre auch ein ganz schlechter Kaufhausdetektiv, denn Ladendiebe würde ich auch laufen lassen, Mitleid spielt dabei absolut keine Rolle 😆😂

  54. @Lopez

    Mein Hinweis 70/30 sollte nochmals dazu anregen, über das Design und die Ausführung der vorgestellten Studie – bzw. allgemein über wissenschaftliche Studien – nachzudenken.
    Ich habe in vorherigen Beiträgen schon auf schwere wissenschaftliche Fehler dieser Studie aufmerksam gemacht – und angeregt, dass diese Arbeit wegen Rassismus zurückgezogen werden sollte.

    Es macht keinen SInn, über ´Ergebnisse/Aussagen´ einer Studie zu diskutieren, wenn diese Arbeit fragwürdig ist:
    In der vorgestellten Studie wird ein Weißer als OPFER unerwünscht von einem Schwarzen als TÄTER berührt – ohne dass sich dieser TÄTER entschuldigt.
    Somit ist schon von vorneherein rassistisch festgelegt wie das Ergebnis sein wird. Denn üblicherweise haben die meisten Menschen eine empathisches Sozialverhalten – wobei die Sympathie eher beim Opfer als beim bösen Täter ist.
    Deshalb war von vorne herein zu erwarten, dass die rassistischen Äußerungen des Weißen als wenig schwerwiegend gewichtet wurden – weil man Nachsicht mit dem Opfer hat (dem man in seiner Rolle als Opfer diesen Fehler eher verzeiht).
    Oder anders gesagt: Das Ergebnis der Studie war durch das Design der Studie von vorne herein feststehend.

    Hätte man im Design der Studie zwei Varianten gewählt
    A) der Schwarze entschuldigt sich nicht für die unabsichtliche Berührung
    B) der Schwarze entschuldigt sich für die unabsichtliche Berührung
    DANN wäre das Ergebnis völlig anders ausgegangen.
    Denn nach einer Entschuldigung wären die Sympathien auf Seiten des höflichen Schwarzen gewesen – und für die rassistischen Äußerungen des Weißen hätte es in dieser Variante keinerlei Grundlage und Verständnis gegeben.

    Weil aber die Variante B) fehlt, werden im Versuch Schwarze ausschließlich nur als unhöfliche Flegel dargestellt. Diese gezielt einseitige Negativ-Darstellung ist ganz klar rassistisch: denn es wird damit die allgemeine Aussage suggeriert – dass sich Schwarze nicht benehmen können.

  55. @Lopez: noch ein Beispiel

    Bei einem Schmerz-Experiment sahen Versuchspersonen wie Gesichter der eigenen bzw. einer anderen Ethnie mit einem Baumwolltupfer berührt (Kontrollversuch) bzw. mit einer Nadel gepiekst (Schmerzvariante) wurden.
    fMRT
    Die erkennbare empathische Schmerzwahrnehmung war bei einem Gesicht der eignenen Ethnie deutlich stärker als bei der anderen Ethnie
    DOI: 10.1523/JNeurosci.2418-09.2009 ´Do you feel my pain? Racial group membership modulates empathic neuronal responses´

    Solche Experimente welche zeigen, dass man stärker reagiert, wenn einem Mitglied der eigenen Ethnie etwas passiert – gibt es einige.

    Wenn dann – wie im oben vorgestellten Experiment – weiße Versuchspersonen sehen, wie ein weißes OPFER von einem schwarzen TÄTER behandelt wird; dann wird bereits mit dieser Versuchsanordnung gezielt das Ergebnis manipuliert.

  56. Zitat KRichard:
    Ich habe in vorherigen Beiträgen schon auf schwere wissenschaftliche Fehler dieser Studie aufmerksam gemacht – und angeregt, dass diese Arbeit wegen Rassismus zurückgezogen werden sollte.

    Dass die Arbeit rassistisch ist in dem Sinne, dass die 3 Autorinnen rassistisch motiviert waren, würde ich nicht sagen. Für mich ist das Experiment einfach nur fehlerhaft aufgebaut, es enthält ein Artefakt, so dass die Ergebnisse fragwürdig, nicht aussagekräftig und sogar irreführend sind: Die Autorinnen meinen Rassismus festgestellt zu haben, wo es kein Rassismus gab bzw. haben Rassismus provoziert, wo kein Anlaß zu Rassismus vorlag.

    Ob diese Irreführung bewußt oder unbewußt ist, mag ich nicht zu beurteilen. Jedoch ist dieser Trend, rassistische Motivationen grundsätzlich bei allen möglichen wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen und bei allen möglichen Menschen zu unterstellen zur heutigen Zeit leider extrem verbreitet, das steht hoch in Mode. 🙁 Der Teilnehmer Martin Holzherr hat es am Anfang dieser Diskussion kurz angeschnitten, siehe hier:

    […] Dazu muss man gar kein Experiment machen, denn das passiert ständig sogar im öffentlichen Raum. Keiner will selbst ein Rassist sein, selbst wenn er einer ist. Umgekehrt fällt es vielen leicht, andere, vor allem wenn man sie als Gegner betrachtet, des Rassismus zu verdächtigen.

  57. Zitat hto
    Ja Frau Lopez, 😎👊 ich würde auch jeden Apfeldieb laufen 🏃 lassen,

    Schön… Dann widme ich Ihnen zur Auflockerung ein Lied von dem in Frankreich berühmtesten Liedermacher, Georges Brassens, der das Denken u.a. meiner Generation mitgeprägt hat – mein absoluter Liebling… 🙂 In seinem Chanson “La mauvaise réputation” (Der schlechte Ruf) erzählte er davon: “Ich tue niemandem etwas zuleide, wenn ich die Äpfeldiebe laufen lasse, aber die braven Leute mögen es nicht, dass man einen anderen Weg als ihren geht. Alle werden kommen, um mich hängen zu seh’n, außer den Blinden, kann man versteh’n

    Georges Brassens – La mauvaise réputation

    Hier eine meiner Meinung nach gelungene englische Cover-Version: Nolan Lawson – The Bad Reputation

  58. off topic @Lopez
    Gestern wurde im Nachbar-Blog ´thinky-brain / Näher an der Wirklichkeit durch virtuelle Realität´ von Herrn Bellmund ein Artikel verlinkt, in dem behauptet wurde, dass unser Gehirn die ZEITFOLGE von Erinnerungen kartieren würde
    http://www.cbs.mpg.de/1305053/2019073001 ´Virtuelle Schatzsuche zeigt: Gehirn kartiert Zeitfolge von Erinnerungen´.

    Diese Aussage ist nachweisbar falsch – denn Erlebnisse werden vom Gehirn nur in HIERARCHISCHER Abfolge (nacheinander, stacked up) abgespeichert. Beim Erinnern entsteht dadurch der subjektive – aber falsche – Eindruck einer scheinbar zeitlichen Abfolge.

    Dieses Beispiel zeigt, dass es in wissenschaftlicher Arbeit sowohl auf sorgfältige Beobachtung, wie auch auf genaue Angaben ankommt. Die Arbeit von Herrn Bellmund wäre gut gewesen – wenn er richtig beschrieben hätte, dass Ereignisse in hierarchischer Abfolge im Gedächtnis abgespeichert und reaktiviert werden – die Aussage ´Zeitfolge´ ist aber komplett falsch und somit ist diese Arbeit wissenschaftlich fragwürdig.

    (Ich habe bei SciLogs schon mehrmals darauf hingewiesen, dass im Rahmen der sogenanten ´Nahtod-Erfahrung´ deutlich erkennbar ist, dass unser Gehirn beim Erinnern zwei unterschiedliche Strategien anwendet: hierarchisch AUF- bzw. AB-steigend. Leider werden meine Hinweise immer noch ignoriert. Quelle per Google [Kinseher NDERF denken_nte] = PDF, brw mein Buch ´Kinseher Richard: Pfusch, Betrug, Nahtod-Erfahrung´ = im Handel)

  59. @ KRichard

    Auch nur ganz kurz off-topic, nur für mein persönliches Verständnis:

    Was soll man unter “hierarchische” Abfolge von Erlebnissen verstehen? Man speichert die Erlebnisse nach ihrer Wichtigkeit (nacheinander) und nicht nach ihrer bloßen zeitlichen Abfolge? Das würde mich eigentlich einleuchten.

  60. off topic @Lopez
    Unter hierarchischer Abfolge ist zu verstehen, dass Erlebnisse der Reihe nach, nacheinander (stacked up) im Gedächtnis abgespeichert werden – so wie sie sich ereignen. Diese Art des Verarbeitens von Ereignissen kommt völlig ohne den Parameter ´Zeit´ aus.
    Oder anders gesagt: Wenn Ereignisse in hierarchischer Reihenfolge im Gedächtnis abgespeichert werden, dann braucht unser Gehirn keine zeitliche Kodierung zugeordnet zusätzlich zu dem Ereignis abspeichern. Diese Arbeitsweise wäre wesentlich einfacher, energiesparender und schneller.

    Beim Erinnern entsteht dann die Illusion einer scheinbar zeitlichen Abfolge – weil wir es so gewohnt sind, Reize in zeitlichen Zuordnungen (Kalender, Uhrzeit) einzuteilen: gestern, heute, morgen, schnell, langsam …

    Ob Ereignisse in hierarchischer Abfolge oder in zeitlicher Reihenfolge im Gedächtnis abgespeichert sind – ist eine Fragestellung, die keine banale kleinliche Wortspielerei ist, sondern grundlegend entscheidend für die Arbeitsweise des Gehirns bzw. über unser Verständnis der Arbeitsweise unseres Gehirns ist. Die Frage ist: hat unser Gehirn einen Kalender oder nicht.

    Und diese Fragestellung ernsthaft zu diskutieren ist natürlich auch ein Thema der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit. Ich habe @Bellmund in einem Kommentar auf diese Problematik aufmerksam gemacht – er hat es vorgezogen, meinen Kommentar NICHT zu veröffentlichen.

    Ob ich mit meiner Sichtweise Recht habe oder nicht – müsste offen diskutiert werden. Aber Kommentare nicht zu veröffentlichen, weil darin auf ein mögliches Problem hingewiesen wird, hat nichts mit Wissenschaft zu tun.

  61. Als ich gesehen habe wie der Polizist aus Minneapolis mit dem Knie auf der Kehle den Schwarzen George Floyd tötet, da fühlte ich einen rasenden Hass gegen diese im Wettbewerb verkommenen Menschheit.
    Meine Tränen werden sicher nicht die einzige Reaktion bleiben, denn dieses wettbewerbsbedingte “Zusammenleben” und somit die menschenverachtende Symptomatik muss beendet werden!

    • @KRichard

      Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich einen schwer an Demenz Erkrankten heute eine lustige Geschichte erzähle, besser gleich mehrere, dann erinnert und lacht er darüber erst morgen oder übermorgen, wenn das kompatibel mit seinen hierarchischen Kalender war, also …!? 😉

  62. @hto
    ´rasender Hass´ ist eine Grundlage z.B. für Rassismus.

    Denn damit fehlt der Respekt vor anderen Menschen – ganz egal, von welcher Ethnie.

  63. @KRichard

    Siehe #hto 27.05.2020 14:50 Uhr

    Wenn Gewohnheits- und Wohlstandsmensch jetzt wieder verstärkt fordert normal leben zu wollen, dann ist dieses NORMAL doch auch so absurd und zynisch wie freiheitlich, menschenwürdig, friedlich, ethisch!?

  64. @Filip P. Danke für deinen ersten Kommentar. Es ist so, wie du gesagt hast. Der Versuchsleiter beschrieb den Studierenden der Gruppe A die Studie als ein Experiment, das die Beziehung zwischen Gefühlslage und der Fähigkeit Probleme zu lösen (die Anagramaufgabe), untersuchen will. Den Teilnehmern wurde gesagt: “Für den ersten Teil der Studie wollen wir einfach wissen, wie sich jeder fühlt. Nachdem sie ein paar Minuten im Labor gewesen sind, werde ich einfach jeden bitten, einen kurzen Fragebogen auszufüllen.” Ich habe Frau Prof. Kawakami wegen weiterer Details zu der Studie eine E-Mail geschrieben, sie hat bisher aber nicht geantwortet.

  65. @Jocelyne Lopez Du schreibst: “Bei der Variante 3 mit dem Kommentar „tollpatschiger N…“ reichen mir diese zwei Worte nicht, um eindeutig zu empfinden, dass er wirklich eine tiefgründige rassistische Einstellung hat, ich muss es real erleben wie er es sagt, mit seiner Stimme, mit seinen Gesichtsausdrücken, mit seiner Körpersprache, damit ich verstehen kann, ob er die Absicht hat zu erniedrigen, verächtlich zu machen und zu verletzen.”

    1. Es geht in dem Experiment nicht darum herauszufinden, ob der, der sowas sagt, eine tiefgründige rassistische Einstellung hat.

    2. Auch wenn du den Vorfall real erlebt hättest, wärst du nicht in der Lage festzustellen, ob der Weiße eine “tiefgründige rassistische Einstellung hat”. (Das hat übrigens mit Selbsteinschätzung zu tun). Dafür müsste man Gedanken lesen können oder die Person befragen und hoffen, das sie die Wahrheit sagt.

    3. Eine Beleidigung hat “die Absicht hat zu erniedrigen, verächtlich zu machen und zu verletzen”. (Ich hatte vermutet, dass du das bereits weißt.)

    4. Dem Schwarzen, der aus Versehen, jemanden leicht gegen das Knie stößt, unterstellst du Aggression, obwohl du es nicht real erlebt hast und auch nicht weißt , ob er sich entschuldigt hat. Da genügen bereits deine Annahmen, um den Schwarzen zu verurteilen. (An der Stelle wäre es vielleicht Zeit über deinen eigenen Bias nachzudenken.)

  66. @KRichard Hast du der Zeitschrift Science geschrieben, dass sie das Paper wegen wissenschaftlicher Fehler und Rassismus zurückziehen sollen? Hast du die Autorinnen des Papers angeschrieben? Wenn ja würden mich die Antworten interessiern. Wenn nicht, solltest du das schleunigst tun, wenn es dir wichtig ist Rassismus in der Wissenschaft zu bekämpfen.

    Du schreibst: “Gestern wurde im Nachbar-Blog ´thinky-brain / Näher an der Wirklichkeit durch virtuelle Realität´ von Herrn Bellmund ein Artikel verlinkt, in dem behauptet wurde, dass unser Gehirn die ZEITFOLGE von Erinnerungen kartieren würde
    http://www.cbs.mpg.de/1305053/2019073001 ´Virtuelle Schatzsuche zeigt: Gehirn kartiert Zeitfolge von Erinnerungen´. Diese Aussage ist nachweisbar falsch – denn Erlebnisse werden vom Gehirn nur in HIERARCHISCHER Abfolge (nacheinander, stacked up) abgespeichert. Beim Erinnern entsteht dadurch der subjektive – aber falsche – Eindruck einer scheinbar zeitlichen Abfolge.”

    Warum schreibst du das hier und nicht als Kommentar im Nachbarblog von Herrn Belmund? Du gehst doch auch nicht in eine Metzgerei um Schuhe zu kaufen. Oder?

  67. @ Joe Dramiga
    1. Es geht in dem Experiment nicht darum herauszufinden, ob der, der sowas sagt, eine tiefgründige rassistische Einstellung hat.

    Worum es genau geht in diesem Experiment ist mir, und offensichtlich auch anderen Teilnehmern, nicht ganz klar: Das Experiment ist nun mal sehr kompliziert aufgebaut. 🙁

    @ Joe Dramiga
    2. Auch wenn du den Vorfall real erlebt hättest, wärst du nicht in der Lage festzustellen, ob der Weiße eine “tiefgründige rassistische Einstellung hat”. (Das hat übrigens mit Selbsteinschätzung zu tun). Dafür müsste man Gedanken lesen können oder die Person befragen und hoffen, das sie die Wahrheit sagt.

    Sicher, man kann keine Gedanken lesen, es gilt sowohl für die Zeugen als auch für die Experimentatorinnen, und eine Person befragen, was sie denkt und fühlt ist keine Garantie, dass sie die Wahrheit sagt, das müsste allerdings die Experimentatorinnen auch gewußt haben. Die Befragten könnten wie gesagt auch durch den gesellschaftlichen Druck bei einem Experiment sich „politically correct“ zu verhalten dazu geleitet werden, ihre eventuell vorhandenen negativen Gefühle zu verbergen. Dagegen sind die ersichtlichen Zeichen eines Affekts (Stimme, Tonfall, Gesichtsausdruck, Körpersprache) schon eher geeignet, die Wahrheit zu erahnen, man kann sich weniger mit der Körpersprache verstellen als mit Worten.

    @ Joe Dramiga
    3. Eine Beleidigung hat “die Absicht hat zu erniedrigen, verächtlich zu machen und zu verletzen”. (Ich hatte vermutet, dass du das bereits weißt.)

    Die Frage war eben, ob das „N-Wort“ immer, in allen Situationen und in allen Tonlagen als Beleidigung zu gelten hat. Wir haben gesehen, dass es weder historisch noch kulturell noch individuell systematisch sein muss. Obwohl zum Beispiel das Wort „Negerlein“ gesellschaftlich verpönt ist, empfinde ich dabei definitiv nicht die Absicht zu beleidigen, zu erniedrigen, verächtlich zu machen und zu verletzen. Ganz im Gegenteil, das Wort erweckt bei mir das Verlangen zu herzigen und zu kuscheln.

    @ Joe Dramiga
    4. Dem Schwarzen, der aus Versehen, jemanden leicht gegen das Knie stößt, unterstellst du Aggression, obwohl du es nicht real erlebt hast und auch nicht weißt , ob er sich entschuldigt hat. Da genügen bereits deine Annahmen, um den Schwarzen zu verurteilen. (An der Stelle wäre es vielleicht Zeit über deinen eigenen Bias nachzudenken.)

    Ob den Stoß ein Versehen war, ist für die Zeugen nicht ersichtlich, denn die Experimentatorinnen haben nichts dazu beigetragen, dass man es unmissverständlich als Versehen ansieht, obwohl der Stoß eine zentrale Rolle beim Experiment spielt: Ohne Stoß hätte es gar keinen „rassistischen Vorfall“ gegeben, sprich kein Experiment. Hier gilt nämlich auch: Einzig der Schwarze hätte auf Befragung sagen können, dass es ein Versehen war, dabei wurde er weder befragt noch hat er spontan etwas gesagt. Hätte er sich entschuldigt, wie bei einem Versehen zu erwarten ist, hätte die Experimentatorinnen dieses wichtige Detail mitgeteilt bzw. mitteilen müssen.

    Hier gilt darüber hinaus auch: Würde man den Vorfall real gesehen haben, hätte man u.U. einen Eindruck gehabt, ob es ein Versehen war oder nicht, zum Beispiel auch durch Gesichtsausdruck und Körpersprache (Verlegenheit). Ohne verbale Entschuldigung und ohne reales Erleben der Situation, ist also durchaus möglich, dass die Zeugen verschiedene Empfindungen haben: Versehen oder Provokation. Die Eventualität einer Provokation ist sogar dadurch verstärkt, dass die Experimentatorinnen den Weißen behaupten lassen, die Schwarzen tun es systematisch: „Typisch, ich haße es, wenn Schwarzen es tun“. Die Experimentatorinnen haben also sowohl ein Versehen als auch eine Provokation suggeriert.

  68. Ja, auch hier im scilogs, ob “Wissenschaftler” oder “interessierter” Laie, kann man sehen wie dumm und gefährlich Mensch im Kreislauf des imperialistischen Faschismus mit dem “gesunden” Konkurrenzdenken des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs ist 😏

  69. @Jocelyne Lopez Du schreibst: “Nach meinem Empfinden ist der Zweck des Experiments nachzuweisen, dass wir alle anti-schwarze Rassisten sind, auch ohne dessen bewußt zu sein, man kann dieser Verurteilung bei diesem Experiment nicht entkommen… 🙁”

    Warum liest du nicht das Paper oder fragst die Autorinnen der Studie per E-Mail, statt nach deinem Empfinden zu gehen?

  70. @Joe Dramiga
    A) Ich habe Frau Prof. Kawakami und Frau Prof. Dunn zu Grundlagen von Vorurteilen per Briefpost angeschrieben – da Mails von Fremden oft nicht zur Kenntnis genommen werden. Die Briefe gingen am 29.5. raus – ob eine Antwort kommt, kann ich nicht sagen

    B) ich bin der Meinung, dass die im obigen Blogbeitrag beschriebene Arbeit so angelegt ist, dass man sie als rassistisch betrachten muss. Diese Meinung habe ich hier auch begründet.
    Leider ist es so, dass in der Wissenschaft öfter fragwürdige Arbeiten veröffentlicht werden. Eine im Nachbarblog verlinkte Arbeit ist ein aktuelles Beispiel dazu. Ich habe im Nachbarblog zwei Kommentare geschrieben.
    – Im Ersten verweise ich darauf, dass man bei Nahtod-Erfahrungen(NTEs) direkt erleben kann, wie das Gehirn arbeitet – und dass dieser direkte Zugang zur Arbeitsweise des Gehirns erforscht werden sollte; weil damit unser Verständnis der Arbeitsweise unseres Gehirn noch besser verstanden werden kann – als mit Experimenten der virtuellen Realität
    – Im zweiten Kommentar bezog ich mich auf die verlinkte Arbeit, wo angenommen wird, dass unsere Erfahrungen zeitlich organisiert im Gedächtnis abgespeichert sind. Diese Annahme ist sehr fragwürdig, da es berechtigte Gründe für die Annahme gibt, dass unsere Erfahrungen in hierarchischer Reihenfolge im Gedächtnis abgespeichert sind.

    Beide Kommentare wurden nicht veröffentlicht, obwohl sie eindeutig auf den vorgestellten Bloginhalt bezogen sind.

    Ich habe Herrn Prof. Doeller heute per Briefpost angeschrieben und ihm meine Einwände gegen die Idee – dass Erlebnisse zeitlich im Gedächtnis angeordnet sind – dargelegt.
    Zusätzlich habe ich ihm geschrieben, dass bei NTEs die Arbeitsweise des Gehirns der bewussten Wahrnehmung zugänglich wird – und dass dabei Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat reaktiviert werden und so der bewussten Wahrnehmung zugänglich sind (weswegen die Lehrmeinung ´infantile Amnesie´ falsch sein muss).

    @Joe
    Ich bin der Meinung, dass ich meine Kritik auf eine Weise sachlich geäußert habe. Leider ist es so, dass bei Wissenschaftlern das Prinzip ´Gute wissenschftliche Praxis´ entweder nicht bekannt ist oder ignoriert wird.
    Du bist ein gutes Beispiel dazu.
    Statt auf eine Kritik mit Sachargumenten zu reagieren – wird man als Spammer dargestellt.
    Ich habe hier bei SciLogs schon mehrmals darauf hingewiesen, dass man sich bei NTEs an Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat erinnern kann. Dies bedeutet, dass die Lehrmeinung ´infantile Amnesie´ nachweisbar falsch sein muss.
    Obwohl ich hier öffentlich darauf hinweise, dass eine Lehrmeinung falsch ist, kommt keine Reaktion, die man von einem Wissenschaftler erwarten müsste.
    @Joe – Du solltest Dich deshalb mit Kritik an meinen Beiträgen zurückhalten – wenn Du noch nicht einmal auf konkrete Hinweise zu einer falschen Lehrmeinung so reagierst, wie man es von einem Wissenschaftler erwarten sollte.

    Ich habe übrigens am 29.5. auch den Chefredakteur Dr. Lingenhöhl vom SPEKTRUM-Verlag angeschrieben und auf ein Jubiläum aumerksam gemacht: 1975 wurde ein Buch veröffentlicht, in dem beschrieben ist, dass die NTEs eine einheitliche Struktur, Inhalte bzw. Muster haben. Obwohl immer wiederkehrende Strukturen/Muster jeden Wissenschaftler zu einer Analyse anregen sollten – wurden diese bis jetzt ignoriert. 1975-2020 – dass sind 45 Jahre des Versagens; ein zweifelhaftes Jubiläum.

  71. @Jocelyne Lopez: “Nach meinem Empfinden ist der Zweck des Experiments nachzuweisen, dass wir alle anti-schwarze Rassisten sind, auch ohne dessen bewußt zu sein, man kann dieser Verurteilung bei diesem Experiment nicht entkommen… 🙁”

    @ Joe Dramiga
    Warum liest du nicht das Paper oder fragst die Autorinnen der Studie per E-Mail, statt nach deinem Empfinden zu gehen?

    Ich habe keine Veranlassung und auch überhaupt nicht die Absicht, die Autorinnen per E-Mail anzusprechen! Ich bin ja selbst keine Psychologin, auch keine Psychologie-Studentin, ich habe mich nur mit meinen eigenen Überlegungen an einem aktuellen Thema in einer populärwissenschaftlichen Diskussionsplattform beteiligt, wie es eben vorgesehen und auch wohl prinzipiell erwünscht ist. Meine Überlegungen habe ich immer sachlich dargelegt und begründet, ich bin wohl diejenige, die sich an dieser Diskussion am meisten beteiligt hat, was eigentlich nicht verwerflich ist, die Blog-Artikel bei SciLogs sind doch dafür da, dass auch wissenschaftliche Laien sich beteiligen dürfen, oder? Insofern finde ich diesen unterschwelligen Vorwurf und dieses mehr oder weniger direkt ausgesprochene Herauskomplimentieren aus der Diskussion ungerecht.

  72. Bei meinen Vorbehalten zu dieser Studie sehe ich Parallelen mit der Kritik an Studien über sogenannte „Mikroaggressionen“ in den USA gemäß folgendem Wikipedia-Artikel:

    Der Journalist Paul Rowan Brian wendet gegen die Theorie der Mikroaggression ein, dass sie triviale und zu vernachlässigende rassistische Äußerungen mit wirklichem Rassismus vermenge.[11] Ähnlich überlegt Amitai Etzioni in The Atlantic, dass die Beschäftigung mit Mikroaggression eine Ablenkung von schwerer wiegenden Handlungen darstellen könnte.[12]

    In der wissenschaftlichen Debatte wird das Konzept der Mikroaggression kritisiert wegen der Probleme der empirischen Erforschbarkeit. Demgemäß schloss der Psychologe Scott Lilienfeld in einem Beitrag für Perspectives on Psychological Science, dass das Konzept bzw. Programme zu seiner Erforschung „methodologisch und konzeptuell viel zu unterentwickelt seien, um in der echten Welt angewandt zu werden“.[13] Die Einordnung einer Aussage oder eines Verhaltensakts beruht in erster Linie auf der Art und Weise, wie eine bestimmte Zielperson diese wahrnimmt, während andere, unter Umständen auch Angehörige derselben Minoritätsgruppe, das anders sehen können. Sue und Kollegen weisen bereits auf das Problem hin, dass sie in ihrer persönlichen Erfahrungswelt ein vermeintlich unschuldiges Verhalten als einen weiteren Fall in einer langen Kette ähnlicher kleiner Herabsetzungen wahrnehmen, was für den Verursacher möglicherweise psychologisch gar nicht nachvollziehbar ist, da ihm entsprechende Erfahrungen eben abgehen.[3] Ein Kritiker merkte an, es handele sich möglicherweise um eine eher tragische als moralisch zu verurteilende Form der Verstrickung, bei der keiner Seite die „Schuld“ zugesprochen werden könne.[14]

    Die US-amerikanische Statistikerin und Gleichstellungsexpertin Althea Nagai bewertet das Konzept der Mikroaggression als Pseudowissenschaft, da bekannte forschende Befürworter etablierte Methodiken und Standards der modernen Wissenschaft (Vergleichsgruppen, ausreichende große Datenbasis, unvoreingenommene Fragestellungen, Reproduzierbarkeit der Ergebnisse, Anwendung moderner statistischer Analysen) ablehnen.[15]

    Methodisch werden die meisten Studien zum Thema wegen ihrer extrem beschränkten Datenbasis angegriffen. Typische Studien hatten eine Teilnehmerzahl zwischen 5 und 97, im Mittel 19[2], was ihre wissenschaftliche Aussagekraft relativiert. Allerdings gibt es in den USA im Rahmen der sogenannten kritischen Rassentheorie (critical race theory) seit längerem einen Forschungsansatz, der das Erzählen persönlicher Geschichten (storytelling) als legitime wissenschaftliche Methode einschätzt.[16] Hinzu kommt, dass in Studien zum Thema das akademische Milieu, insbesondere Studenten und Universitätsangehörige, weit überrepräsentiert sei, denen allein mehr als die Hälfte der publizierten Studien gewidmet ist.

    Die Studie scheint mir viel zu sehr gemünzt auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen Weißen und Schwarzen in den USA/Nordamerika und auf ein bestimmtes Milieu (Universität / Studenten). Ich habe bei diesen Verhaltnissen gar keine persönlichen Erfahrungen. Für europäische Verhältnisse in der breiten Bevölkerung wirken sie nach meiner Erfahrung ein bisschen fremd bzw. konstruiert. Ich würde zum Beispiel nie auf die Idee kommen mich darüber zu beklagen, dass bei uns (ich spreche von Deutschland und Frankreich) die Schwarzen dafür bekannt sind, dass sie ständig einem beim Vorbeigehen stößen, nach dem Vorwurf “Typisch, ich hasse es wenn Schwarzen es tun“. Wo gibt es denn so was?

  73. Zum Thema Rassismus: aktuell

    Um Mitgefühl/Solidarität zum Tod von George Floyd und den Protesten gegen Rassismus zu zeigen, sind am Wochende einige Fussballspieler der Bundesliga niedergekniet.

    Jetzt wird diskutiert, ob diese Handlungen als politische Äußerungen zulässig sind. Man muss sich daher fragen, was solche Diskussionen sollen.

    Denn: Gegen Rassismus zu demonstrieren ist keine ´politische´ Äußerung, sondern weist nur auf grundlegende Menschenrechte hin. Wer solches Niederknien immer noch als politische Äußerung wertet – deutet indirekt an, dass für ihn/sie diese Menschenrechte keine Selbstverständlichkeit sind.

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