Welttag der Poesie: Das Haiku aus Japan

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Die Welt ist voller Rätsel
Die Sankore Schriften

Die UNESCO hat den 21. März als Welttag der Poesie ausgerufen. Dieser Tag wird seit 2000 jedes Jahr gefeiert. Für mich ein Anlass über das japanische Haiku zu schreiben und mich jenseits von Kernreaktoren in Fukushima mit dem Land Japan zu beschäftigen.

Ein Haiku ist ein traditionelles japanisches Gedicht, das eine besondere Form und eine bestimmte Ausdrucksweise hat. Es besteht meistens aus drei Wortgruppen von 5 – 7 – 5 Lauteinheiten (Moren), wobei die Wörter einfach in einer Spalte aneinander gereiht werden.

Wesentlich für das Haiku sind Konkretheit und der Bezug auf die Gegenwart. Ein Geschehen wird genau beobachtet und eine Stimmung zum Ausdruck gebracht. Oft ergibt sich ein Gedankensprung oder eine neue Ebene beim Lesen des Haiku.

Ein Haiku sagt nicht alles und benennt keine Gefühle. Ein Haiku ist nicht abgeschlossen, sondern offen: Ein Haiku wird erst durch das Lesen fertig!

Im Deutschen werden Haiku in der Regel dreizeilig geschrieben.

Stromausfall.
In der Wohnung des Nachbarn
spielt jemand Klavier.

      Sigrid Baurmann

 
Beim Schlüsseldienst
Luigi erzählt mir
von der Sonne Siziliens

      Andreas Marquardt

Schlaflos –
auf dem Kissen neben mir
Mondlicht

      Roswitha Erler

kein Strafzettel
Herbstblätter

      Martin Berner

 
Behutsam
meine Hand über deine –
ein Schmetterling

      Claudia Brefeld
 

Kindereisenbahn
Opas Zigarrenstummel
qualmt im Schornstein

      Werner Reichhold

die welt neu ordnen
beim sortieren der bücher
in meinem regal

      Heinz Wöllner

Herbstsonne –
an den Bäumen entlang
über die Schatten springen

      Gerd Börner

Reiseschach –
ein Jeansknopf ersetzt
den fehlenden König

      Gerhard Winter

Wie schreibt man ein deutsches Haiku?

Der Haiku-Kenner Hans Peter Kraus gibt dazu eine Anleitung:

Beschreibe in drei Zeilen mit insgesamt höchstens 17 Silben (1) ein Ereignis aus deiner Lebensumwelt (2), das bei dir einen Gedankenblitz (3) ausgelöst hat. Stelle dem Leser das Ereignis unmittelbar hin, so dass er es für sich nachvollziehen kann. Nutze dafür das Präsens und eine einfache, konkrete Sprache (4). Lass dem Leser die Möglichkeit, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Verzichte auf wertende Ausdrücke und abschließende Kommentare (5)

Gossip, Sportergebnisse und Nichtigkeiten gibt es jeden Tag!

Im Zeitalter von SMS und Twitter solltet ihr diese Technologie nutzen um Haiku zu schreiben

Na dann los…..

Weiterführende Links

Deutsche Haiku-Gesellschaft e.V.

Haiku heute

Joe Dramiga

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

3 Kommentare

  1. Der Weg der Poesie

    Hier japanische Haiku vorzustellen finde ich eine sehr schöne Idee. Ich bin ja ebenfalls eine Freundin von Gedichten, deshalb möchte ich auf den japanischen Dichter Matsuo Basho verweisen, der ein berühmter Vertreter dieser Versart ist.
    “Er vertiefte im Haiku den Zen-Gedanken und begriff Poesie als einen ganz eigenen Lebensstil (Kado, der Weg der Poesie). Bashō war der festen Überzeugung, Poesie könne eine Quelle der Erleuchtung sein. „Erlange Erleuchtung, dann kehre zurück in die Welt der normalen Menschlichkeit”, riet Bashō. Und weiter: „Tritt nicht in die Fußstapfen der alten Meister, aber suche, was sie suchten”. Seine Aufmerksamkeit für den Kosmos der Natur entwickelte die Versform des Haiku von einem bis dahin unbedeutendem Zeitvertreib der höfischen Aristokratie zu einem Hauptgenre japanischer Poesie.”
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Matsuo_Bash%C5%8D

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