Sommerzeit, Mückenzeit

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Die Sankore Schriften

Sommerzeit, Mückenzeit: Kaum ist es draußen warm kommen die lästigen Biester aus ihrem Versteck. Besonders eifrig sind die Mücken zwischen der Abenddämmerung und dem Morgengrauen. An feuchtwarmen Tagen auch schon nachmittags. Was lockt Mücken an? Wie schütze ich mich vor Stichen? Auf was muss ich bei Mückenmittel achten wenn ich Urlaub in den Tropen mache? Hier einige Tipps wie man sich gegen die Plagegeister zur Wehr setzen kann.

Mückenstich
Abb.: Mückenstich

Wo Mücken brüten

Mücken lieben feucht-warmes Klima. Die Larven entwickeln sich am besten in stehenden Gewässern, wie Seen, Teiche, Sumpf- und Moorgebiete.

Meide Mückenbrutstätten in Hausnähe, wie Pfützen, nicht entleerte Gießkannen, eine verstopfte Regenrinne, leere Blumenkübel, liegende Autoreifen und nahezu jede erdenkliche Vertiefung, in der sich Wasser ansammeln kann. Decke Regentonnen ab.

Durch konsequente Beseitigung aller frei zugänglichen Wasseransammlungen kann somit die Mückenbelastung erheblich gesenkt werden. Das Wissen über die Brutstätten der Mücken ermöglicht es sie biologisch zu bekämpfen. Die Wissenschaftler geben in stehende Gewässer ein biologisches Insektizid auf der Basis des Bacillus thuringiensis israeliensis (Bti). Die Larven nehmen es bei der Nahrungsaufnahme in ihren Körper auf und sterben kurz darauf. Um die Vermehrung der Malariamücke in den Tropen im Keim zu ersticken, setzen die Forscher in Teiche den Buntbarsch Tilapia. Er frisst die Larven der Mücken.

Infografik über den Lebenszyklus der Mücke (PDF)

Nur die Mückenweibchen stechen

Mückenmännchen sind Vegetarier: Sie ernähren sich von Pflanzensaft. Nur Mückenweibchen stechen – sie brauchen das Blut zur Entwicklung ihrer Eier welche nach der Befruchtung direkt auf die Wasseroberfläche gelegt werden. Hieraus schlüpfen bewegliche, im Wasser frei schwimmende Larven. Die Larven verpuppen sich (ähnlich den Schmetterlingen) und anschließend schlüpft die ausgewachsene Mücke aus der Puppe. Angelockt werden Mückenweibchen von Milch- und Fettsäuren im Schweiß, Parfüms und Deos. Mücken besitzen sehr feine Sensoren für Kohlendioxid, das Menschen ausatmen. Sie nehmen das Gas sogar über große Entfernungen wahr. Malariamücken zieht besonders der Geruch von Füssen und alten, stinkenden Socken an.

Der Mückenstich und seine Behandlung

Mückenstiche sind lästig. Sie jucken und können sich entzünden. Die Substanz, die nach dem Mückenstich zum Juckreiz führt ist Histamin.

Auch wenn es schwerfällt, widerstehe der Versuchung dich zu kratzen, vor allem wenn deine Hände nicht sauber sind.

Die Stichwunde ist eine Eintrittspforte für Bakterien und Viren. Kühle die Einstichstelle mit kalten Umschlägen, Zitronensaft, Zwiebeln oder Essigwasserumschlägen. Der Schmerz lässt nach und die Schwellung geht schneller zurück. . Hat dich der Stich schon infiziert, behandle ihn mit Desinfektionsmitteln

Nachtrag: Eine Blog-Leserin schrieb mir:

„Die besten Erfahrungen bei Mückenstichen habe ich mit Zucker gemacht. Hierfür wird der mit Spucke oder Wasser angefeuchteter Zucker auf der Einstichstelle verrieben. Der Juckreiz lässt sofort nach und die Schwellung ist alsbald auch verschwunden. Falls kein Zucker zur Hand ist, erfüllt ein angelutschter Bonbon den gleichen Zweck“.

Im Urlaub: Mücken als Krankheitsüberträger

Mückenstiche bereiten hierzulande außer Juckreiz keine ernsthaften Probleme. Fern der Heimat, in tropischen Urlaubsländern können sie jedoch schwere Krankheiten übertragen.

Malariamücke
Abb.: Malariamücke (Anopheles gambiae)

Gegen die meisten dieser Infektionskrankheiten ist eine Impfung oder eine spezielle Vorbeugung nicht möglich. Der einzig wirksame Schutz ist daher, den Mückenstichen vorzubeugen. Folgende Krankheiten können von Mücken übertragen werden.

  • Malaria: Die Zerstörung der roten Blutkörperchen ruft Fieberschübe hervor, die den Organismus stark belasten.
  • Dengue-Fieber und Gelbfieber: Sie führen zu inneren Blutungen.
  • Onchozerkose: Sie kann zu Erblindung führen.
  • Die Orientbeule ist ein unangenehmes Geschwür.
  • Die Schlafkrankheit führt Monate nach der Infektion zu vermehrtem Schlafbedürfnis. Unbehandelt endet sie tödlich.
  • Die lymphatische Filariose ist eine schmerzhafte Schwellung der Lymphknoten und Lymphgefäße.

Lasse im Urlaub die Klima-Anlage in deinem Hotelzimmer Tag und Nacht eingeschaltet, denn Mücken meiden kühle Räume.

Gelbfiebermücke
Abb.: Gelbfiebermücke (Aedes aegypti)

Stechmücken als „fliegende Impfspritzen“

Eine genetische Manipulation kann aus den infektiösen Blutsaugern fliegende Impfspritzen machen. Die transgenen Mücken aus dem Labor des Japaners Shigeto Yoshida an der Jichi Medical University in Shimotsuke produzieren in ihrer Speicheldrüse Impfstoffe, mit denen sich Infektionskrankheiten bekämpfen lassen.

Die Wissenschaftler testeten das Prinzip erstmals mit Impfstoff gegen Leishmaniose. Diese Tropenkrankheit wird von Sand- oder Schmetterlingsmücken übertragen. Dabei führen Leishmanien genannte Parasiten zu Hautgeschwüren. Sie befallen aber auch innere Organe wie die Leber oder Lymphknoten.

Die Forscher haben eine genetisch veränderte Mücke gezüchtet, die in ihrem Speichel den Impfstoff gegen Leishmaniose produziert. Stiche dieser Mücke führten zu einer zunehmenden Zahl der Antikörper gegen die Erreger, was auf eine erfolgreiche Immunisierung mit dem Impfstoff deute, hieß es. Die schützende Immunreaktion gleiche der einer herkömmlichen Impfung – nur sei sie eben kostenlos, sagte Yoshida. Wer sich andauernden Stichen aussetze, könne die Immunität auf hohem Niveau sogar für ein Leben lang aufrechterhalten, heißt es in dem Bericht der Forscher.

Allerdings werfen die „fliegenden Impfspritzen“ auch ethische Fragen auf. Eine solche natürliche und damit unkontrollierte Methode zur Impfung von Menschen, ohne Dosierung und vorheriges Einverständnis, stellten eine Hürde für diese Art von Krankheitsbekämpfung dar, hieß es. Abgesehen von der Frage, ob die Öffentlichkeit es überhaupt akzeptieren würde, wenn solche Mücken als «fliegende Impfspritzen» ausgesetzt würden.

Mückenmittel und ihre Anwendung

Fachleute nennen Mückenmittel „Repellent“. Das kommt vom lateinischen Verb repellere: vertreiben. Repellentien sind Substanzen, welche Stechmücken und andere Insekten am landen auf der Haut hindern oder zum sofortigen Weiterfliegen zwingen. Der genaue Bestandteil oder der Mechanismus, welcher diesen Effekt bewirkt, ist bei keiner der verwendeten Substanzen bekannt.

Achtung: Repellentien sind keine Insektenvernichtungsmittel (Insektizide). Direkt auf die Plagegeister gesprüht, bringen die Mittel gar nichts.

Die meisten Repellentien müssen je nach Umständen (Schwitzen, Außentemperatur, Präparat) alle 4-8 Stunden neu aufgetragen werden. Die Wirkdauer ist nach Auftragen auf der Kleidung in der Regel länger als nach Auftragen auf die Haut.

Mückenmittel sollen sowohl gewöhnliche Hausmücken als auch Gelbfieber- und Malariamücken zuverlässig für mehrere Stunden fern halten.

Mittel, die tagaktive Mücken weniger als drei Stunden fernhalten, sind für Malariagebiete dagegen ungeeignet.

Konnte ein Repellent die aggressive Gelbfiebermücke länger als drei Stunden vom Stechen abhalten, kann man es auch gegen die Malariamücke verwenden. Ebenso wie alle Repellentien, die auf der Verpackung einen Schutz gegen Malaria ausloben. Meist bieten sie einen „guten“ bis „sehr guten“ Schutz vor Stichen der Malariamücke.

Weiterführende Links

Auf was muss ich bei Mückenmittel achten?

Mückenmittel bei Stiftung Warentest

Lebensweise der einheimischen Stechmücken

Die wichtigsten Stechmückenarten

Literatur

Flying vaccinator; a transgenic mosquito delivers a Leishmania vaccine via blood feeding (2010) D. S. Yamamoto, H. Nagumo, S. Yoshida, Insect Molecular Biology, Volume 19, Issue 3, Pages 391 – 398.

Bildnachweis

Bild „Mückenstich“

John Tann, After sucking for less than a minute, she’s all full up and ready to pull out. Mosquito, possibly Culex australicus. Como NSW Australia, January 2010.

Quelle: Wikimedia Commons

Some Licence

Bild „Malariamücke“

James Gathany, ID#:1354 Anopheles gambiae mosquito feeding

Quelle: Wikimedia Commons

This image is in the public domain and thus free of any copyright restrictions.

Bild “Gelbfiebermücke”

James Gathany, The yellowfever mosquito Aedes aegypti’. Note the marking on the thorax in the form of a lyre.

Quelle: Wikimedia Commons

This image is in the public domain in the United States of America.

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

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