Sechs and the City: Mein Date mit einer Mathematikerin

BLOG: Die Sankore Schriften

Die Welt ist voller Rätsel
Die Sankore Schriften

Nachdem mich eine gute Freundin schon als Laborratte bezeichnet hatte wurde mir klar, dass ich trotz Zellkultur, Expressionsvektoren und Deadlines eine Auszeit nehmen musste: Ich ging wieder unter Menschen – genauer gesagt zur Semesteranfangsparty der hiesigen Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Es war wie immer: Bier, laute Musik und Studenten die wie in Ektase ihre Körper schüttelten.  Da fiel mein Blick auf Sie…..

„Hi, ich bin Joe. Ich habe Dich neulich auf dem Symposium „Mathematics in Life Sciences“ gesehen.“ Ja, ich gebe zu nicht besonders originell und charmant, aber ich kam ins Gespräch. Sie war Doktorandin der Mathematik und promovierte über neue Algorithmen für den Vergleich von DNA-Sequenzen. Einige Kölsch und Tänze später graute plötzlich der Morgen und es war Zeit für mich zu gehen – natürlich nicht ohne ihre Telefonnummer.

„Ich würd Dich gern wiedersehen. Kann ich deine Nummer haben? Sie schmunzelte und sagte dann: „Meine Nummer besteht aus sechs Ziffern, du musst sie raten. Wenn Du dich geschickt anstellst…..“ Auch das noch, ich hasse solche Spielchen. Früher war alles einfacher:  Man(n) bekam die Nummer, man bekam sie nicht oder der schlimmste Fall man bekam eine falsche Nummer. Von Freunden weiß ich, dass manche Frauen heute sagen: „Ich bin auf Facebook“. Das ist so zwischen Nummer und keine Nummer anzusiedeln.

Zurück, zu der mir gestellten Aufgabe. Sie promovierte über Algorithmen und natürlich roch ich den Braten: Es gibt nämlich eine Methode, um ein bestimmtes Element einer Menge durch Ja/Nein-Fragen zu bestimmen: Die Methode des binären Suchens. Wenn die Menge eine gerade Anzahl von Elementen enthält, teilen wir sie in zwei gleich große Mengen. Wenn die Anzahl ungerade ist, teilen wir die Grundmenge in zwei Mengen, deren eine ein Element mehr enthält als die andere. Dann fragen wir, welche der beiden so enthaltenen Mengen das gesuchte Element enthält. Mit der so bestimmten Teilmenge wiederholen wir die beschriebene Prozedur, bis schließlich nur noch eine Menge mit einem Element übrigbleibt.

Eine Frage bestimmt ein Element einer zweielementigen Menge. Für eine vierelementige Menge braucht man zwei Fragen, für eine achtelementige Menge drei Fragen usw. Allgemein also n Fragen für eine 2n-elementige Menge.

Ich brauchte zwanzig Fragen,  um ihre Telefonnummer zu bekommen. 220 = 1048576, diese Zahl ist größer als 999999, die größte mögliche sechsstellige Zahl.

Meine erste Frage lautete also: „Ist die Zahl größer als 524 288?“ und fuhr in dieser Weise fort.

Aber wisst ihr was?! Ich habe gar nicht angerufen. Ich bin nämlich Biologe und weiß das das Leben komplizierter als die Regeln und Sätze der Mathematik ist. Nachdem ich zwanzig Fragen gestellt habe, sollte sie sich die eine Frage stellen: Warum ruft er nicht an? Außerdem – das wisst ihr doch – habe ich im Labor so viel zu tun….;-)

Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

5 Kommentare

  1. Immerhin …

    … bist du als Biologe bei den Frauen zwischen “Nummer” und “keine Nummer” verortet. Das ist doch schon mal was.

    Wenn ich damals den Fehler begangen hätte, mich auf einer Fete als Maschinenbaustudent zu outen, dann wäre die Situation gleich sonnenklar und unwiderruflich gewesen, selbst in tiefster Nacht: “Definitiv keine Nummer”.

    Schon nach dem ersten Semester beging ich diesen Fehler natürlich nicht mehr.

  2. Maschinenbauer …

    … kommen vielleicht nicht an Biologen heran, sind aber definitiv Traumpartner!
    Dumm nur, dass das Projekt Semesteranfangsparty von der Konstruktionssystematik nicht adäquat behandelt wird. Da muss man angepasste Methoden verwenden.

  3. Phy… was?

    Jungs, ihr habt Sorgen…

    Malt euch mal bitte den “Weiche von mir!”-Blick des netten, jungen Geisteswissenschaftlers aus, der gerade zu hören bekommen hat, daß sein Gegenüber Physikerin ist. 😉

  4. @Carolin: Wobei ich sagen muss, dass fast alle Physikerinnen mich an meiner Uni überraschen! Bei denen trifft mal so kein Vorurteil zu 😀

    @Kai: Biologen sind Traumpartner? Da habe ich wohl was verpasst! Den Eindruck habe ich nämlich nicht. Ich würde sagen, die Frauen sind begeistert, wenn man BWLer oder Jurist ist. Wenn die Frau nämlich selber keine Naturwissenschaftlerin ist, kann sie damit meiner Erfahrung nach nicht viel anfangen.

    Ob nun hin oder her, am Ende ist es egal! Man lernt die Person kennen und wenn´s passt, passt es! Wenn nicht, dann eben nicht!

  5. Schach, Matt

    Klasse Geschichte! Ich glaube auch, das die Liebe zur Biologie mehr aus dem Herzen kommt und für die Mathematik, aus den Kopf.

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