Die Causa Uli Hoeneß als Fallstudie für die Sozialpsychologie

BLOG: Die Sankore Schriften

Die Welt ist voller Rätsel
Die Sankore Schriften

Wir ärgern uns über den Steuersünder Uli Hoeneß, weil das Lügen aus ethischer Sicht, religiös oder nicht-religiös begründet, ein Fehlverhalten ist. Kinder lernen das Lügen, wenn sie vier sind, denn in diesem Alter erlernen sie das, was man Theory of Mind (TOM) nennt, d. h., sie entwickeln eine eigene Vorstellung darüber, was in den Köpfen anderer Menschen vor sich geht. Diese Vorstellung ist beim Lügen enorm wichtig, denn zum Lügen benötigt man die Fähigkeit sich in den anderen hineinzuversetzen, Empathie. Überspitzt formuliert könnte man sagen: Ein Kind das lügt hat Empathie. Lügen ist daher aus psychologischer Sicht natürlich und gehört zum Grundbedürfnis, mit anderen Menschen zu kommunizieren und zusammen zu leben.

Interessanterweise gibt es viele Menschen, die auch „die Wahrheit nicht zu sagen“ als Lüge ansehen. Man muss daher nicht explizit etwas Unwahres sagen, um zu lügen. Ich bin mir jedoch sicher, dass Juristen in diesem Punkt eine ganz andere Meinung haben. Die Mentiologie, die Wissenschaft von der Lüge, jedenfalls unterscheidet verschiedene Kategorien von Lügen nach ihrer Motivation und Intention. Dabei schließen sich diese Kategorien nicht unbedingt aus und lassen oft ein Sowohl-als-auch zu.

Die Selbstlüge

Mit der Selbstlüge verdrängen wir unliebsame Wahrheiten. Wenn ich mich betrunken ans Steuer setze und mir einrede, ich könnte noch sicher fahren oder ich mir sage die Hose muss in der Waschmaschine eingelaufen sein obwohl ich in Wahrheit zugenommen habe.

Die Geltungslüge

Diese ist eine Übertreibung, mit der wir andere Menschen beeindruckt wollen und die unser Bedürfnis nach Anerkennung stillt. Da wird der kleine Hügel, den man im Urlaub erklommen hat, schnell zu einem Dreitausender. „Mein neuer Job ist so toll und meine Tochter bekommt einen Studienplatz in Harvard“. Die Geltungslüge wird häufig auf Klassentreffen, Familienfeiern und ähnlichen Veranstaltungen verwendet.

Die Angstlüge

Oft wird natürlich gelogen, um peinliche Situationen zu vermeiden, z.B. in der Apotheke: Jeder hat doch so ein imaginäres Familienmitglied, das Hämorrhoidensalbe, Inkontinenzmittel oder Viagra dringend benötigt.

Die Notlüge

Viele Schwindeleien entspringen vornehmlich dem Wunsch, seinen Mitmenschen eine Freude zu machen, sie nicht bloßzustellen oder gar zu verletzen. Die ‘Notlüge’ ist die beliebteste Lüge, da sie beinahe jeder Mensch als unbedenklich einstuft. Sie wird eher als harmlose Schwindelei und nicht als kalkulierte und bewusste Täuschung angesehen. Wenn etwa eine Überraschungsparty geplant ist, muss man das „Opfer“ absichtlich hinters Licht führen. Solche Aktionen stuft die Gesellschaft als problemlos ein, obwohl die Grundlage eine Lüge ist.

„Die neue Frisur steht Dir wirklich ausgezeichnet.“

‘“Vielen Dank für das Geschenk. Es ist ganz wunderbar.“ Gibt es jemanden, der beim Geschenke auspacken noch nicht gelogen hat?

Solche Lügen werden besonders in Beziehungen oft gebraucht, um klassischen Streitfallen aus dem Weg zu gehen. Oft denken wir, dass unser Gegenüber mit der Wahrheit nicht klar kommen würde. Auch hier merkt man schnell, dass der Übergang zur Angstlüge fließend ist.

 

Nicht dass du mich belogst, sondern dass ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

Ein Spezialfall der Notlüge, die Ausrede, wird von der Gesellschaft deutlich negativer bewertet. Wer sich „herausredet“ gilt als zu feige, um die Wahrheit zu sagen. Etwa, wenn man eine Verabredung am Telefon aus fadenscheinigen Gründen absagt.

Die skrupellose Lüge

Eine Lüge, die gezielt eingesetzt wird, um andere zu täuschen und zu benachteiligen, oder in die Irre zu führen, sie wird oft von karrieresüchtigen Menschen verwendet.

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Lügen

Frauen lügen, um andere nicht zu verletzen, um zu motivieren und zu trösten. Männer lügen am häufigsten, um sich gegen Konkurrenten durchzusetzen und um sich besser darzustellen. Peter Stiegnitz, Begründer der Mentiologie, hat Hitlisten männlicher und weiblicher Lügen aufgestellt. Nummer eins bei Männern: das Auto; Nummer eins bei den Frauen: das Gewicht. Forschungen belegen auch, dass Frauen sich beim Lügen in der Regel unwohler fühlen als Männer, sie sind daher nervöser, fühlen sich nachher schuldbewusster und zeigen Angst vor der Aufdeckung

Psychologische Hypothesen zur Ehrlichkeit: “Will”-Hypothese vs “Grace”-Hypothese

Die “Will”-Hypothese besagt, dass Ehrlichkeit die Fähigkeit ist, der Versuchung zum Lügen zu widerstehen. Im Gegensatz dazu, geht die “Grace”-Hypothese davon aus, dass bei vielen ehrlichen Menschen überhaupt keine Versuchung zum Lügen besteht und sie folglich auch gar nicht dagegen ankämpfen müssen. Die Hirnforscher Joshua Greene und Joseph Paxton von der Harvard-Universität in Cambridge haben diese beiden Hypothesen mit bildgebenden Verfahren untersucht. Sie ließen in einer Studie ProbandInnen den Ausgang eines Münzwurfs vorhersagen. Lagen diese mit ihrer Vorhersage richtig, erhielten sie einen kleinen Geldpreis, wobei man jedoch auch die Möglichkeit hatte, zu schwindeln und zu behaupten, den Ausgang des Wurfs richtig vorhergesagt zu haben. Die Gehirnaktivität der ProbandInnen war eindeutig: Bei ehrlichen Menschen gilt die “Grace”-Hypothese, denn es zeigte sich bei ihnen keinerlei Hirnaktivität im präfrontalen Cortex (Kontrollzentrum für die Steuerung von Handlungen), die auf einen inneren Zwiespalt oder auf ein aktives Ankämpfen gegen die Versuchung hinwies. Bei ProbandInnen, die in den Versuchen auch einmal logen, zeigte sich eine Hirnaktivität, die auf einen solchen Widerstreit schließen ließ, allerdings sowohl wenn sie die Wahrheit sagten, als auch wenn sie betrogen.
Mich würde hier interessieren inwiefern der Glaube an überempirische Akteure, wie er z.B. im Christentum vorkommt, dieses Experiment beeinflussen würde. Ich kann mir vorstellen, dass er das Lügen vermindert aus Angst vor Strafe oder wegen Belohnung für Ehrlichkeit. (Ein Fall für meinen Blognachbarn Michael Blume, Co-Autor des Buches „Gott, Gene und Gehirn“) Schließlich lautet das achte Gebot:

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das beantwortet allerdings noch nicht die Frage ob und welche Hirnaktivität sich in einem bildgebenden Verfahren bei religiösen Menschen zeigen würde. Man sollte dieses Experiment in verbesserter Form (Confounder-Probleme, negative und positive Motivation) mit religiösen und nicht-religiösen Menschen wiederholen.

Lügen als Krankheit

Pseudolog-en/innen – so bezeichnet man krankhafte LügnerInnen lügen in der Regel um kindliche Entbehrungen zu kompensierten bzw. dient die Lüge einer seelischen Entlastung in Situationen, die er/sie anders nicht bewältigen kann. Die Lüge sichert Anerkennung und Zuwendung. Die Pseudologia Fantastica ist in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) nicht als Einzelphänomen verzeichnet. Sie ist eine charakteristische Störung der Impulskontrolle, wobei den Pseudolog-en/innen Schuld- und Schamgefühle fehlen. Die Pseudologia Fantastica fällt daher unter die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die in der ICD aufgeführt ist.

Weiterführende Literatur

Die Häufigkeit von Lügen im Alltag

Warum ehrliche Menschen gerne ehrlich sind

Pseudologia phantastica: Wenn Lügen zum Zwang wird

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

14 Kommentare

  1. Schön und gut. Aber warum immer eine psychologische Erklärung für jede Form der Lüge. Selber kenne ich mehr als eine Pseudologin (Männer gibts weniger), die einfach ihre Geschichten ausschmücken weil sie das was sie erzählen dann als viel interessanter und auch logischer, besser nachvollziehbar empfinden. Frauen kommunizieren ja oft nicht um etwas mitzuteilen sondern um zu kommunizieren. Das Kommunizieren gelingt aber besser, wenn das was erzhält wird, eine schöne Geschichte ergibt. Ob die dann wahr ist, ist weniger wichtig. Solche ausschmückende Lügereien, die zu exotischen Landschaften anwachsen können lösen übrigens bei Frauen weniger Schuldgefühle aus als “echte” Lügen. Für Pseudologinnen fühlt sich das lügende Ergänzen wie das Stecken eines schönen Bouquets an.

  2. Wer über Lügen spricht, muss wissen, was die Wahrheit ist. Nun ist es mit der Wahrheit ähnlich wie mit dem Lügen: So manches ist nicht sicher, weil nicht fassbar. Wenn Männer hauptsächlich um das Thema “Auto” lügen, lässt sich das relativ leicht fassen. Hierzu gibt es meist verlässliche Daten. Bei Frau rund ums Gewicht ist das schon schwieriger. Womit wieder bewiesen ist (oder auch nicht?), dass Frauen in der Kommunikation erfindungsreicher und beweglicher sind als Männer. Die gehen eher mit der Holzhammermethode vor (siehe: um einen Konkurrenten auszustechen). Übrigens: Etwas nicht zu sagen, ist keine Lüge. Mir wird ja wohl noch die Freiheit zustehen, selbst über meine eigenen Äußerungen zu entscheiden.

    • Ich denke nichts zu sagen ist oft der einzige Ausweg zwischen dem Dilemma entweder zu verletzen oder zu lügen. Natürlich hängt es auch von der persönlichen Erwartungshaltung und den unterschiedlichen Geschmäckern ab. Die neue Frisur sollte mindestens einem selbst gefallen wenn man den Friseur verlässt, was andere dann darüber denken, damit muss dann lernen umzugehen….

  3. Bezüglich Will- vs. Grace-Hypothese würde es mich nicht wundern, wenn Stepan Schleim nicht auch noch was dazu beizutragen hätte, denn der hat sich ja auch schon mit bildgebenden Verfahren der Hirnforschung beschäftigt.

  4. Zum Aufhänger, zur Sache Hoeneß, vielleicht noch kurz:
    Hoeneß hat mit Schwarzgeld im Ausland spekuliert, gerüchteweise mit sogenannten Derivaten und hauptsächlich Währungen betreffend, und dabei über einen Zeitraum von mindestens sieben Jahren Verluste gemacht, die aber die einzelnen Transaktionen betreffend, es sollen zigtausend gewesen sein, Steuerzahlungen mit sich gebracht hätten, vermutlich eine Art Spekulationssteuer.
    Er hat das Schwarzgeld und das Depot in der Schweiz den Behörden verheimlicht hat, womit auch seine Steuererklärungen mehrfach (siebenmal) falsch waren.
    Hoeneß hat also in seinen Steuererklärungen gelogen, dann versucht reinen Tisch zu machen, ist aber an seiner falschen (womöglich: fahrlässig falschen) Selbstanzeige gescheitert.
    Als ihm dann klar geworden ist, dass die Selbstanzeige wohl nicht reicht, um der Strafe zu entgehen, hat er seinen Aufklärungsdrang gedrosselt und zum zweiten Mal gelogen, um zumindest bis zum Verfahren, in dem dann statt drei Millionen nachzuzahlender Steuern mehr als 20 Millionen eingeräumt worden sind, seine Ämter weiterführen zu können.
    Ergänzend angemerkt: Hoeneß hat jedes Jahr mehr als 10 Millionen Einnahmen versteuert, es war zu lesen manchmal 50 bis 70 Millionen.

  5. Pseudolog-en/innen – so bezeichnet man krankhafte LügnerInnen lügen in der Regel um kindliche Entbehrungen zu kompensierten bzw. dient die Lüge einer seelischen Entlastung in Situationen, die er/sie anders nicht bewältigen kann.

    Viele “lügen” auch, weil sie es gewohnt sind immer das zu sagen, was einerseits kaum widerlegbar ist und andererseits Aussicht auf den größtmöglichen individuellen Nutzen bietet. Es handelt sich hier um eine Art Deformation oder um eine Art kulturelle Angewohnheit, im Wissen darum, dass es letztlich keine Wahrheit gibt, werden grundsätzlich Narrative gepflegt. Nicht unverbreitet ist diese Handlungsweise im Geschäftlichen, auf die Schilderung kultureller Besonderheit soll an dieser Stelle verzichtet werden.

    Pathologisch ist hier nur einzuordnen, wenn das derart vorgehende Individuum eigene psychische Probleme derart (wohlgemerkt: ‘nicht als Einzelphänomen’) ergänzend bearbeitet, was aber oft nicht der Fall ist.

    MFG
    Dr. W

    • „Nicht unverbreitet ist diese Handlungsweise im Geschäftlichen, auf die Schilderung kultureller Besonderheit soll an dieser Stelle verzichtet werden.“

      Branchen wie Werbung, Versicherungen, Homöopathie sind sicher durch ihr Geschäftsmodell bedingt etwas lügenlastig. Wobei ich bei Homöopathie denke, es ist beim Kunden auch viel Selbstlüge und eine übersteigerte Erwartungshaltung „der Ganzheitlichkeit“ an den Arzt dabei: Er soll sich nicht nur um die Gesundheit kümmern, sondern auch Seelsorger, Schuldnerberater, Paartherapeut……Eine Leberzirrhose durch Alkoholsucht kann der Arzt zwar behandeln aber die Ursache für den übermäßigen Alkoholgenuss z.B. eine destruktive Beziehung kann auch durch Tabletten nicht…..

      Bei Politikern bin ich mir nicht immer sicher. Wenn jemand z.B. sagt die Wiedervereinigung Deutschlands kostet kein Geld oder der Mensch habe keinen Einfluss auf das Weltklima halte ich das für bewusste Lügen. Wenn es aber z.B. um einzelne konkrete Maßnahmen in der europäischen Wirtschaftkrise und die Rettung des Euro geht ,denke ich, sind die Dinge so komplex, dass es schwer ist die Wahrheit zu sagen, weil keiner durchblickt und die Folgen abschätzen kann. Viele Politiker sagen dann etwas, im festen Glauben, dass es wahr ist und nicht um jemanden bewusst zu täuschen. In unserer politischen Kultur wird es als Schwäche angesehen wenn man sich als Führungspersönlichkeit hinstellt und sagt: „Ich weiß es nicht aber ich probiere was aus und hoffe es hilft.“ Es sind “Macher” gefragt die zupacken können. Hier kommt zusätzlich noch die Frage auf: Wie viel Einfluss hat der einzelne Politiker persönlich auf das ganze Geschehen – Rädchen im Getriebe oder Big Player?

      • Die systematische Zwecklüge hat etwas Abstoßendes, die bundesdeutschen Politiker sind aber verhältnismäßig ehrlich, aber sie müssen als Mandatsträger auch Sichten vertreten, die sie nicht umfassend teilen.
        Richtig angemerkt war auch, dass die differenzierte Meinung von Medien oder Politikern oft als Unentschlossenheit und Inkompetenz rüberkommt; die Ukraine-Problematik, die man sich gerne einfach machen will, wäre so ein Beispiel.
        Die Lügen im Geschäftlichen sind vermutlich nicht zu übertreffen.
        MFG
        Dr. W

  6. Fast noch interessanter als die Lüge sind verschiedene Formen der Täuschung, denn sie werden auch eingesetzt um andere von eigentlich hanebüchenen Dingen zu überzeugen. Diese Art der Täuschung arbeitet mit inkompleter, einseitig präsentierter Information: Man beleuchtet etwas und stellt es heraus um den Pferdefuss, der sich dahinter verbirgt zu verbergen.
    Beispiel 1: Erneuerbaren-Evangelisten verweisen oft auf die immer billiger werdende Windenergie aus Windrädern und dem Preiszerfall von Solarpanel und stellen sie der “teuren” Nuklearenergie gegenüber. Sie behaupten gar, Sonnen- und Windenergie sei bald schon billiger als Kohleenergie. Und genau diese Formulierung enthält auch die Täuschung, denn sie lässt einen glauben, man könne auf Sonnen- und Windenergie umsteigen und komme damit billiger als mit dem heute kohlebasierten Energiesystem. In Wirklichkeit sind Sonnen- und Windenergie je nach Standpunkt nur Zusatzenergien oder eben Schönwetterenergien (Sonne) beziehungsweise Starkwindenergien. Die Kohlekraftwerke werden weiterhin benötigt um uns an trüben Tagen mit Strom zu versorgen. Dass Strom aus Solarpaneln bald schon billiger als Strom aus Kohlekraftwerken sei, bedeutet also lediglich, dass die nötige Kombination von Solar- und Kohlenergie nicht doppelt so teuer ist wie Kohleenergie allein, sondern nur “etwas teurer”. Doch viele lassen sich aufschwatzen es werde billiger mit Sonne und die EE-Evangelisten nützen die Unwissenheit des Grossteils der Bevölkerung in Energiesachen aus um sie auf ihre Seite zu ziehen.
    Beispiel 2: Günther Grass warnt im ersten von ihm verfassten Gedicht (lyrischer Erstschlag) vor der Gefahr, die Israel mit seiner Atombombe für den Weltfrieden darstelle. Wörtlich genommen steckt dahinter die Annahme, dass Israel seine Atombombe als erstes auf ein anderes Land abwirft. Anlass für diesen Anwurf und die Grass’sche Moralpredigt gegen Israel war für Günter Grass die Bewaffnung Israels mit deutschen Unterseebooten, die eventuell mit Atombomben ausgerüstet werden können. Doch Atom-UBoote werden typischerweise für den Zweitschlag eingesetzt nicht für den Erstschlag von dem Günter Grass spricht und den er den Israelis (klar den Israelis nicht den Juden). zutraut. Selber war ich schon in Saudi-Arabien. Dort unten wird die israelische Atombombe auch als Bedrohung des Friedens betrachtet, wenn auch nicht des Weltfriedens dann doch des nahöstlichen Friedens. Doch kein Saudi hat Angst, die Israelis würden Atombomben auf Saudiarabien abwerfen. Vielmehr bedroht die israelische Atombombe den nahöstlichen Frieden, weil sie es unmöglich macht, Israel von der Landkarte zu tilgen und die Israelis zurück ins Meer zu werfen – etwas was sich viele Araber wünschen. Es liegt sehr nahe, dass auch Günter Grass die gleiche Gefahr sieht, dass er wie viele Araber und viele deutsche und andere Linke keine Existenzberechtigung für Israel sieht. Doch behaupten tut er etwas ganz anderes, mindestens für den Uneingeweihten. Übrigens machen das Rassisten sehr häufig: sie werfen den minderwertigen Rassen niedere Motive und Aggressivität vor. In Wirklichkeit aber bestehen niedere Motive und Aggressivität beim Rassisten.

    • Fast noch interessanter als die Lüge sind verschiedene Formen der Täuschung, denn sie werden auch eingesetzt um andere von eigentlich hanebüchenen Dingen zu überzeugen.

      Die Lüge dient der Täuschung. – Interessant sind übrigens auch die Medien zurzeit, die zunehmend, anscheinend geht der direkt zahlende Kunde nach und nach verloren, Nachricht und Kommentar vermischen, bei oft nicht schwierig zu erkennender politischer Agenda, Auftragsarbeit könnte hier vermutet werden. – Bei den von Ihnen genannten Beispielen könnte dagegen auf postreligiöse Überzeugung und Antizionismus getippt werden, wobei nicht zwingend gelogen werden musste, der Glaube könnte gereicht haben.
      MFG
      Dr. W (der mindestens drei ständige Lügner kennt)

      • Sie geben sich einer Illusion hin, wenn sie meinen, gerade heute werde viel getäuscht und gelogen (und die Medien nähmen an einer Verschwörung teil). Gelogen und getäuscht wird fast regelmässig – und zu allen Zeiten. Viele, die täuschen und verführen wollen, sind sich nicht einmal dessen bewusst. Sie machen es schlafwandlerisch.

        • Die Medien nehmen nicht ‘an einer Verschwörung teil’, sondern werden zunehmend steuerbar, weil die traditionelle Einnahmenseite wegbricht: der Zeitungskäufer.
          Demzufolge werden Medien mehr von “Anzeigenkunden” abhängig, wobei die “Anzeige” zunehmend mehr die Nachricht wird.
          HTH
          Dr. W (der nicht ohne Grund im Web zumindest als unabhängig Anzunehmende konsumiert)

  7. SPON macht aktuell (20.03.2014) die Pseudologia phantastica zum Thema und bringt zur Einleitung eine Aussage von Karl May: “Er habe mit Grizzlybären gerungen und mit den Indianern gekämpft. Er spreche etwa 1200 Sprachen.”
    Im Artikel geht es insgesamt ums krankhafte Lügen. Am meisten erstaunt mich der hohe Prozentsatz von krankhaften Lügern in der Gesellschaft:

    Freyberger geht von etwa fünf bis sechs Prozent extremen Lügnern in der Bevölkerung aus. Eine Einschätzung, die unter anderem eine neue Studie der Universität Amsterdam bestätigt. Demnach werden mindestens 40 Prozent aller Unwahrheiten von nur fünf Prozent der Bevölkerung erzählt.

    Scheinbar können sich die krankhaften Lügner gut vor mir verstecken. Jede zwanzigste Person, der ich begegne müsste zu dieser Gruppe gehören.

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