Das Sprachkonnektom: Nervenfaserbündel und das Verstehen von Sätzen

Der Bau und die Gliederung eines Satzes sind wichtige Bestandteile der Grammatik. Neurolinguisten haben das Gehirn mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) untersucht und gezeigt, dass die Fähigkeiten Sätze zu sprechen und zu verstehen, sowohl vom Broca-Areal, als auch vom Wernicke-Areal abhängig sind.

Das Broca-Areal1, auch motorisches Sprachzentrum genannt, ist verantwortlich für Sprechen und Schreiben. Es ist nur auf einer Hirnhälfte ausgeprägt, nämlich der sogenannten dominanten Hemisphäre. Bei Rechtshändern liegt die dominante Hemisphäre in der Regel links, bei Linkshändern kann sie links oder rechts liegen.

Das Wernicke-Areal2, auch sensorisches Sprachzentrum genannt, ist verantwortlich für Lesen und die Verarbeitung von Sprache. Wie auch das Broca-Areal, existiert das Wernicke-Zentrum nur in der dominanten Hemisphäre, zumeist also der linken.

Assoziationsbahnen verbinden die Sprachzentren miteinander

Das Broca-Areal und das Wernicke-Areal sind durch Assoziationsbahnen miteinander verbunden. Assoziationsbahnen sind Bündel von Nervenfasern die Nervenzellen in verschiedenen Bereichen der Hirnrinde innerhalb einer Hirnhälfte miteinander verbinden.

Es gibt vier Assoziationsbahnen die das Broca-Areal und das Wernicke-Areal miteinander verbinden: rückenseits der arcuate fasciculus und der superior longitudinal fasciculus (SLF) bauchseits das Systema fibrarum associationis capsulae extremae und der uncinate fasciculus (UF). Über diese vier Assoziationsbahnen tauschen das Broca-Areal und das Wernicke-Areal Informationen aus und ermöglichen sodass Verstehen und die Produktion von Sprache.

Es ist wahrscheinlich, dass jede der vier Assoziationsbahnen eine andere Aufgabe bei der Verarbeitung von Sätzen hat. Neurologen wissen bereits, dass Patienten mit primärer progressiver Aphasie (PPA), bei denen der arcuate fasciculus geschädigt ist, große Schwierigkeiten haben gehörte Wörter nachzusprechen.

Der arcuate fasciculus (schwarz) verbindet das Broca-Areal mit dem Wernicke-Areal.

Primär progressive Aphasie

Die primär progressive Aphasie (PPA) ist eine Sprachstörung, die nach abgeschlossenem Spracherwerb auftritt. Verursacht wird sie durch das Absterben von Nervenzellen im linken Frontal- und Temporallappen, also den Regionen, in denen die Sprachzentren lokalisiert sind.

Die PPA wird mit der Zeit immer schlimmer, d. h. im Gegensatz zur Aphasie nach einem Schlaganfall ist sie progressiv. Im schlimmsten Fall können die Patienten nur noch bruchstückhaft oder gar nicht mehr sprachlich kommunizieren. Mit primär wird darauf verwiesen, dass die sprachlichen Beeinträchtigungen das vorherrschende klinische Merkmal sind.

Manche PPA-Patienten verstehen zwar einzelne Wörter, aber es gelingt ihnen nicht, ihren Zusammenhang im Satz zu erfassen. Es fällt ihnen schwer, einem Gespräch zu folgen, insbesondere wenn schnell gesprochen wird oder es mehrere Gesprächspartner gibt. Die Ursache hierfür ist keine Hörstörung, sondern eine Störung der Sprachverarbeitung.

Der Neurolinguist Stephen Wilson von der Universität Arizona in den USA hat mit einem Team von Neurologen und Sprachforschern bei PPA-Patienten untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt, zwischen der Schädigung einer bestimmten Assoziationsbahn und einer spezifischen Störung bei dem Verstehen von Sätzen. Die Wissenschaftler beschrieben ihre Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift Neuron [1].

Ein Sprachtest zum Satzverständnis

Die Patienten lagen in einem Magnetresonanztomografen und bekamen über Kopfhörer einen Satz vorgespielt. Diesen Satz mussten sie einem von zwei Bilder zuordnen. Der Patient hört z. B. den Satz “Das Mädchen, das den Jungen drückt, ist grün” und wird dann gefragt, welches der beiden Bilder dieses Szenario genau wiedergibt.

“Ein Bild zeigt ein grünes Mädchen, das einen Jungen stößt, und das andere zeigt ein Mädchen, das einen grünen Jungen stößt”, sagte Wilson. “Die Farben werden die gleichen sein, die Agenten werden die gleichen sein, und die Aktion ist die gleiche. Der einzige Unterschied ist, auf welchen Akteur bezieht sich die Farbe?”

Während des Sprachtests stellten die Neurologen mit der funktionalen Magnetresonanztomografie (fMRT) Schnittbilder des Gehirns her, die zu einer 3D-Ansicht zusammengestellt wurden. Damit konnten sie erfassen welche Bereiche der Hirnrinde aktiv sind und sehen, ob die Sprachfähigkeit der jeweiligen Person überwiegend in der linken (häufig) oder rechten Gehirnhälfte (selten) angesiedelt ist.

Diffusion Tensor Imaging macht Nervenfaserbündel sichtbar

Dann wurde der schwarz-weiße 3 D-Scan des Gehirns weiterbearbeitet. Die Forscher machten mit Diffusion Tensor Imaging (DTI) den räumlichen Verlauf der Assoziationsbahnen auf dem Computerbildschirm farbcodiert sichtbar.

Die DTI macht sich zunutze, dass sich Wasser im menschlichen Gewebe bewegen kann. Sie misst die unterschiedlichen Wegstrecken, die die Wassermoleküle in der Hirnrinde zurücklegen. Entlang der Nervenfasern können sie einen längeren Weg zurücklegen als quer zu ihnen, weil sie dort nicht durch Zellmembranen an ihrer Bewegung gehindert werden. Die Richtungsabhängigkeit der Diffusion erlaubt Rückschlüsse auf den Verlauf der großen Nervenfaserbündel.

Übergeordnetes Segment der bilateralen Cingulumbündel. Visualisierung durch Diffusion Tensor Imaging

Wenn eine Assoziationsbahn beschädigt ist, wird das Wasser an den entsprechenden Stellen nicht nur entlang der Nervenfasern fließen, sondern auch in andere Richtungen. Schäden an den Assoziationsbahnen werden deshalb mit der mittleren fraktionalen Anisotropie (FA) quantifiziert.

Die FA ist ein Skalarwert zwischen Null und Eins, der den Grad der Anisotropie eines Diffusionsprozesses beschreibt. Ein Wert von Null bedeutet, dass die Diffusion isotrop ist, d. h. In alle Richtungen uneingeschränkt (oder gleichermaßen eingeschränkt) ist. Der Wert Eins bedeutet, dass die Diffusion nur entlang einer Achse stattfindet und in alle anderen Richtungen vollständig eingeschränkt ist.

Wenn die Neurologen die FA an mehreren Punkten einer Assoziationsbahn messen, dann können sie die mittlere FA dieses Nervenfaserbündels berechnen und dagegen das Testergebnis des Sprachtests in Prozent auftragen. Ein PPA-Patient hat z. B. für den arcuate fasciculus eine mittlere FA von 0,3 und ein Testergebnis von 55 %. Wenn man das jetzt für alle PPA-Patienten macht können die Neurologen ein Streudiagramm für den arcuate fasciculus erstellen und die Stärke der statistischen Beziehung zwischen diesen beiden Variablen mit einer Korrelation3 berechnen. Korrelationen sind wichtig, weil eine Korrelation Hinweise für eine Vorhersage geben kann. In diesem Experiment könnten die Forscher z. B. versuchen mit der mittleren FA das Testergebnis beim Sprachtest vorherzusagen4

Die Ergebnisse der Forscher deuten darauf hin, dass die Verarbeitung von Sätzen in erster Linie von den zwei rückseitigen Assoziationsbahnen abhängt, dem arcuate fasciculus und der superior longitudinal fasciculus. Sie fanden bei diesen Assoziationsbahnen eine positive Korrelation zwischen der mittleren FA und dem Testergebnis beim Sprachtest zum Satzverständnis. Je höher die mittlere FA, desto höher war der Prozentwert im Sprachtest. Im Gegensatz dazu waren bei Schädigungen der zwei bauchseitigen Assoziationsbahnen, dem Systema fibrarum associationis capsulae extremae und dem uncinate fasciculus keine Schwächen beim Satzverständnis festzustellen.

Fußnoten

  1. Das Broca-Areal liegt im Bereich des Gyrus frontalis inferior. Bezogen auf die Brodman-Areale liegt es im Bereich der Areale 44 und 45.
  2. Das Wernicke-Areal erstreckt sich vom dorsalen Teil des Gyrus temporalis superior bis über die Gyri angularis et supramarginalis des Parietallappens (Brodmann Areae 22, 39, 40).
  3. Die Korrelation besteht aus einem Korrelationskoeffizienten r und einem Signifikanzwert p. Der Korrelationskoeffizient gibt die Stärke und die Richtung des Zusammenhangs an. Er liegt zwischen -1 und 1. Ein Wert nahe -1 bezeichnet einen starken negativen Zusammenhang – „je mehr Variable A… desto weniger Variable B“. Ein Wert nahe 1 spricht für einen starken positiven Zusammenhang – „je mehr Variable A… desto mehr Variable B“. Kein Zusammenhang besteht, wenn der Wert nahe 0 liegt. Der p-Wert sagt aus, ob der Korrelationskoeffizient sich signifikant von 0 unterscheidet, ob es also einen signifikanten Zusammenhang gibt. Meistens werden p-Werte kleiner als 0,05 als statistisch signifikant bezeichnet. Ein großer Korrelationskoeffizient deutet nicht notwendigerweise auf einen kausalen Zusammenhang hin. Sind die Wissenschaftler zufrieden mit der Stärke der Beziehung besteht der nächste Schritt darin, die Zeitbedingtheit der Daten untersuchen. Betrachtet man die übrigen Kriterien, könnte man argumentieren, dass Plausibilität und Kohärenz die Kriterien darstellen, die am einfachsten zu erfüllen sind.
  4. Der nächste Schritt wäre eine Regression zu machen. Die Regression basiert auf der Korrelation und ermöglicht uns die bestmögliche Vorhersage für eine Variable. Im Gegensatz zur Korrelation muss hierbei festgelegt werden, welche Variable durch eine andere Variable vorhergesagt werden soll. Die Variable, die vorhergesagt werden soll, nennt man bei der Regression Kriterium. Die Variable, die für die Vorhersage eingesetzt wird, bezeichnet man als Prädiktor.

Weiterführende Literatur

[1]. Stephen M. Wilson, Sebastiano Galantucci, Maria Carmela Tartaglia, Kindle Rising, Dianne K. Patterson, Maya L. Henry, Jennifer M. Ogar, Jessica DeLeon, Bruce L. Miller, Maria Luisa Gorno-Tempini. (2011) Syntactic Processing Depends on Dorsal Language Tracts. Neuron, 72 (2): 397-403.

Joe Dramiga

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

11 Kommentare

  1. Spannend dieser Bericht über den Zusammenhang anatomischer Strukturen im Hirn und bestimmten Sprachleistungen.
    Auch erhellend ist der Bericht, denn wenn das Stand der Wissenschaft ist, bedeutet das, dass die Hirnforschung noch immer bei grundlegenden Fragen steht und nicht etwa bei Detailfragen. Wie wenn man fragen würde welche Muskeln für die Beinstreckung und die Beinbeuge verantwortlich sind.

    Vielleicht helfen ja Elon Musks Neuralink-Elektroden implantiert ins Hirn weiter (Zitat: The abstract notes that the system could include “as many as 3,072 electrodes per array distributed across 96 threads.” )?

    Doch noch wahrscheinlicher ist es wohl, dass wir noch länger warten müssen bis wir im Detail verstehen wie höhere Hirnleistungen zustande kommen.

    Angesichts des Forschungsstands verblüfft es, dass so etwas wie das Human Brain Project ins Leben gerufen wurde, denn dieses will ja innerhalb etwa 10 Jahren das menschliche Hirn “decodieren”. Dafür ist es wohl zu früh.

  2. “Assoziationsbahnen sind Bündel von Nervenfasern.,..”
    Stell ich mir anders vor. Assoziationen sind Vergleiche von Erfahrungen des Individiums, was dazu führt, dass Bewertungen vorgenommen werden. Hier werden im Gehirn bereits bekannte und abgespeicherte Informationen miteinander verglichen, unbewusst, was dazu führt, dass wir neue Erfahrungen machen können, also Lernen. Assoziationen haben so gesehen “Bahnungen” in der Form, dass abgespeicherte Daten miteinander kommunizieren-assoziieren. Dieser Vergleich erfolgt automatisch. Die “Bündel von Nervenfasern” sind meiner Vermutung nach Nervenzellencluster ,die über Synapsen gemeinsam feuern, das feuern gelernt haben durch Konditionierung,also Muster hergestellt haben. ( Hebbsche Regel)

  3. @Karl Bednarik: Ja, das Bild zeigt die linke Seite eines Gehirns, dessen Vorderseite links im Bild liegt: Es handelt sich um eine Rechtshänderin – was denn sonst.

  4. Das „Verstehen von Sätzen“ ist zweideutig. Es geht um das „physikalische Verstehen“ und um das „semantische Verstehen“.

    Ich vermute, dass man hauptsächlich das semantische Verstehen meint, vor allem aber vermutet, dass die Messergebnisse die semantischen Prozesse abbilden.

    Ich sehe es als ehemaliger Elektroniker und habe technische Information verarbeitende Systeme zum Vorbild, die mit der Umwelt per Sprache kommunizieren. Als fiktives Beispiel einen hörenden und sprechenden Roboter.

    Die Informationsverarbeitung, hier das „semantische Verstehen“, erfolgt im “Prozessor”.

    Um eine „Anpassung“ an die physikalischen Umstände, also die Nutzung von „Schallwellen“ zu ermöglichen, sind zusätzliche Komponenten erforderlich.
    Die Sprachinformationen werden von einer sensorischen Schnittstelle (Mikrofon entspricht dem Ohr) umgesetzt, die schwachen Signale werden üblicherweise verstärkt und codiert (in Computer gerechte Signale umgesetzt).
    Umgekehrt werden die Computersignale in für einen Lautsprecher geeignete Signale umgesetzt und ausgegeben. Bzw. steuern neuronale Signale die Sprechmuskulatur.
    Diese Schaltungen nennt man „Interface“, die „Verstärker“ aber auch die „Software“ die diese Prozesse steuert, nennt man „Treiber“. Im Zusammenwirken spricht man von „Treiber – Interface“. Ich würde vermuten, das Broca-Areal, als auch das Wernicke-Areal erfüllen die Funktion des „Treiber – Interface“. Die Areale könnten jeweils entweder für Output oder Input getrennt arbeiten, aber auch jeweils beide Funktionen gleichzeitig wahrnehmen können. Dies hätte den Vorteil dass bei Defekten das andere Areal die Funktionen des gestörten Areals (eventuell eingeschränkt) mit übernehmen könnte.

    Bemerkenswert ist, dass die die „eigentliche“ Information verarbeitenden Strukturen im Rechner und vermutlich auch im neuronalen Systemen sehr „fein“ sind. Bedeutet es können sehr viele Neuronen auf kleinstem Raum bei geringstem Energieverbrauch untergebracht werden. Die Signale in diesen sehr „feinen Strukturen“ können wegen der Probleme mit der „Auflösung“ nur schwer „gemessen“ werden. In Input – Output nahen Strukturen dürfte das einfacher sein, auch weil die Signale auf einzelne Areale konzentriert und nicht über das ganze Hirn „fein“ verteilt sind.

    „Assoziationsbahnen“ dürften, besonders wenn sie relativ wenige synaptische Verzweigungen aufweisen, hauptsächlich der Kommunikation zwischen den beiden „Treiber – Interface“ dienen.
    Der Output sollte zwar aus Gründen der Kontrolle, etwas auf den Eingang koppeln, diesen aber keineswegs „zustopfen“, was wegen der räumlichen Nähe von „Mund“ und „Ohren“ wegen der hohen Schallpegel nahe liegend wäre. Vermutlich entstehen auch „Statusinformationen“, z.B. ob ein Input tatsächlich von außen kommt. Es sieht so aus, als wären die beiden Areale in der linken und rechten Gehirnhälfte in so etwas wie eine „Brückenschaltung“ eingebunden.

    Ich vermute, dass das Konzept der „Brückenschaltungen“, so wie in der Elektronik, auch in neuronalen Systemen existiert. Nicht nur was die beiden Hirnhälften betrifft, sondern auch innerhalb der jeweiligen Hälften. Z.B. beim Zusammenwirken von Muskeln (Stichwort: Antagonisten) die vom Hirn gesteuert werden. Dieses „Schaltungskonzept“ (Brücke) ermöglicht grundsätzlich eine „Kompensation der Leitungseinflüsse“, kann aber auch gleichzeitig „komplementäre“ (verneinende – „NICHT“ Funktion) Signalfunktionen bereitstellen, ähnlich wie ein Flip-Flop.

    Aus theoretischen Gründen, der “Turing Berechenbarkeit”, ist neben der z.B. UND Gatterfunktion, unbedingt auch die „NICHT“ Funktion erforderlich. McCulloch hat dafür Latenzeigenschaften beim Triggern der Neuronen vorgeschlagen, was natürlich zutrifft, es dürfte aber zusätzliche Möglichkeiten zur Generierung der „NICHT“ Funktion, abgeleitet aus der Ansteuerung der Antagonisten, geben.

  5. @Querdenker Natürlich kann es sein, dass die von dir besprochenen Assoziationen – im Sinne der Hebbschen Regel- auch in diesen Strukturen stattfinden. Es klingt plausibel. Da sprechen wir aber bereits über das “Wie?” Es handelt sich hier schlicht um die Definition einer anatomischen Struktur ähnlich wie z. B. ein Mathematiker sagen würde: “Ein Quadrat ist ein ebenes Viereck mit vier rechten Winkeln und gleich langen Seiten.” Da käme niemand auf die Idee dem Mathematiker zu sagen: “Stell ich mir anders vor.”

  6. Querdenker 18.07.2019, 20:18 Uhr

    Zitat: “Assoziationsbahnen sind Bündel von Nervenfasern.,..”

    Diese Aussage ist praktisch eine Tautologie.

    Die Frage ist nur, sind die Bündel so gut wie „linear“, also mit wenig in die Tiefe gehenden Strukturen, was die 4 Assoziationsbahnen zwischen dem Broca-Areal und dem Wernicke-Areal vermutlich sind, oder gehen die Verknüpfungen stark baumartig „in die Tiefe“.
    Im ersten Fall sind die Assoziationen offenbar stark eingeschränkt gegenüber den in die Tiefe gehenden „Baumstrukturen“. Über diese 4 Bahnen kann ein Datentransfer zwischen den o.a. Arealen erfolgen, aber vermutlich keine semantische Prüfung, was besonders komplexe (in die Breite und Tiefe gehende) Strukturen erfordert.

    Im folgenden Zitat haben Sie die Prozesse beschrieben.

    Zitat: „Assoziationen sind Vergleiche von Erfahrungen des Individiums, was dazu führt, dass Bewertungen vorgenommen werden. Hier werden im Gehirn bereits bekannte und abgespeicherte Informationen miteinander verglichen, unbewusst, was dazu führt, dass wir neue Erfahrungen machen können, also Lernen. Assoziationen haben so gesehen “Bahnungen” in der Form, dass abgespeicherte Daten miteinander kommunizieren-assoziieren. Dieser Vergleich erfolgt automatisch.“

    Ich möchte hinzufügen, die Signalführungen die die „Inputmuster“ abbilden, verlaufen über (triggernden) Neuronen die laut W. McCulloch Gatterfunktion haben und über die Synapsen die laut E. Kandel das „Wissen“ im Sinne der Hebbschen Regel abspeichern. Der neue Input erweitert die Strukturen und gleichzeitig das „Wissen“.

    Die Signale können weiters einen Output bewirken, indem sie auf ebenfalls früher „angelernte“ Outputstrukturen steuernden Einfluss nehmen.
    Offensichtlich können die Signale auch über das Bewusstsein realisierende Strukturen geführt werden, so dass das Bewusstsein in die Prozesse eingebunden sein kann, aber bei „unterbewussten“ Prozessen nicht sein muss.

    Intern initialisierte Prozesse, wobei die Information abbildenden Signale über die „Bewusstseinsstrukturen“ geführt werden, können das Denken (mit oder ohne Output) bewirken.

    Ich vermute, dass das „informelle Bewusstsein“ an Zwischen- bzw. Endschichten der Gehirnorgane „entsteht“, wie z.B. an der Netzhaut des Auges.

    Das „Empfindungsphänomen“ kann nicht so einfach erklärt werden. Vermutlich entsteht es dann, wenn bestimmte elektrisch – chemische Signalkombinationen an bestimmten Stellen in Wechselwirkung treten, wobei auf die „Bindungsdynamik“ zwischen Atomen/Molekülen Einfluss genommen wird.
    Vielleicht kommt es auf bestimmte Phasen und Resonanzeffekte an.

  7. @Elektroniker Bei der Tautologie muss ich dir widersprechen. Nicht jedes Bündel von Nervenfasern ist eine Assoziationsbahn. So wie nicht jeder Hund ein Dackel ist.

  8. Zu Joe Dramiga
    Mir ist es eigentlich egal, wie man diese Nervenfaserbündel benennt. Fakt ist, dass sie der Verarbeitung von REIZEN dienen. Schon im Hirnstamm, dem ältesten Gehirnteil, gibt es hierzu Spezialisierungen von Nerven, was dann zu Nervenbündeln führt ( Formatio Reticularis, in dem erstmals Sinnesreize verarbeitet werden) Nervenbündel haben sich also in der Evolution durch die Verarbeitung und Bewertung von Reizen ,die damals das Überleben sichern sollten, gebildet. Im Zwischenhirn sind das dann die Nervenbündel von der Amygdala, Hippocampus etc…Nervenbündel waren so gesehen auch bei der Sprachentwicklung erforderlich, da Buchstaben, Wörter, Sätze vom Gehirn als Reize behandelt werden. Die Konsequenz daraus ist für mich, dass im Prinzip jedes Nervenbündel mit Assoziationen(Reizen) arbeitet. Dafür sind ja diese Bündel(Cluster) erst entstanden. Die Evolution hat dafür auch spezialisierte Nervenzelltypen entwickelt wie die Pyramidenzellen.

  9. Joe Dramiga

    Meine beiden Texte scheinen sicherlich sehr abgehoben, recht frei und eigenwillig, Sachverhalte aus der Hirnforschung zu interpretieren.
    Ich versuche, aus Sicht der Elektronik “Wissenslücken” zu stopfen.

    Ich wäre sehr interessiert daran, von “Neurologie Profis” deren Einwände zu erfahren. Besonders ob Experimente den geäußerten Thesen entgegenstehen.

    Bei den beiden Arealen sollten die die semantische Auswertung besorgenden Informationen eher über die die Areale abgrenzende Zwischenschichten geführt werden um tatsächlich “jeden Winkel” des gesamten Konnektom zwecks genauer Prüfung zu erreichen.
    Ausschließen kann man nicht, daß dies auch über die 4 Assoziationsbahnen erfolgen könnte.
    Allerdings werden Signale die direkt in weit entfernte Bereiche geführt werden, Z. B. Von den Zehen zum Gehirn, über so etwas wie “lineare Leitungsbahnen” geführt und Informationen die direkt im Netzwerk ausgewertet werden müssen, werden über stark verzweigte baumartige Strukturen geführt. Also Z. B. über Zwischenschichten in die angrenzenden Organe.

    Es ist meine private Vermutung dass an diesen Zwischenschichten Bewusstseinseffekte auftreten können. An diesen Stellen entstehen so etwas wie “Datenansammlungen” vergleichbar mit dem “Akkumulator” aus der technischen Informatik.
    Mir ist allerdings klar, dass seriöse Stellungnahmen dazu heikel sind.

    Wer wagt es trotzdem?

  10. @Elektroniker Zu deinem Treiber-Interface-Modell

    Akustische Reize werden durch das Ohr aufgenommen. Im Rahmen der Transduktion wird der physikalische Reiz zuerst in ein elektrisches Rezeptorpotential umgewandelt und anschließend bei der Transformation in Form eines elektrischen Signals in das zentrale Nervensystem geleitet. Transduktion geschieht im Corti-Organ und Transformation beginnt im Corti-Organ. Das Corti-Organ liegt in der Cochlea des Innenohrs. Das Corti-Organ ist also das Interface von dem Du redest.

    Die Transformation erfolgt über die sogenannte Hörbahn, die über die primäre Hörrinde verläuft, ins Wernicke-Areal. Die Hörbahn ist afferent (aus der Peripherie in das Zentralnervensystem).

    Ein Treiber sorgt dafür, dass Software mit Hardware kommunizieren kann. Treiber kommunizieren über das Bussystem, also die Leitungen eines Rechners, direkt mit der angeschlossenen Hardware.

    Wenn das Corti-Organ eine Hardware ist, dann müsste die Software im Wernicke-Areal (Hardware) über Nervenfasern das Corti-Organ steuern. Es müsste also eine efferente (vom Zentralnervensystem in die Peripherie) Nervenbahn zwischen beiden geben.

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