Black History Month 2018: Polizeigewalt gegen Schwarze als Problem der öffentlichen Gesundheit in den USA

In den USA sind Polizisten, die unbewaffnete Schwarze erschießen, Anlass für eine erhitzte öffentliche Diskussion über Rassismus und Polizeiarbeit. Viele Schwarze wollen diese – oft vermeidbaren – Todesfälle nicht mehr hinnehmen und organisieren sich deshalb in der Black Lives Matter-Bewegung oder setzen ein individuelles Zeichen des Protests, indem sie beim Abspielen der amerikanischen Nationalhymne knien, wie der NFL-Spieler Colin Kaepernick.

Kritiker dieser Proteste führen die tödlichen Polizeischüsse auf wenige falsch handelnde und/oder rassistische Polizisten innerhalb der Polizeidienststellen zurück. Zusätzlich argumentieren sie, dass mehr Schwarze durch Polizeischüsse sterben, weil höhere Raten von Gewalttaten in den schwarzen Gemeinschaften zu mehr Interaktionen von Schwarzen mit der Polizei führen.

Credit: By Debra Sweet [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons Chicago Protest for Trayvon Martin

Da Polizeigewalt krankmachen und/oder töten kann befassen sich auch zunehmend Epidemiologen damit. “Es ist an der Zeit, diesem seit langem bestehenden und schrecklichen Problem eine gesundheitspolitische Perspektive zu geben, und zwar von einem Standpunkt aus, der Prävention und gesundheitliche Gerechtigkeit betont, anstatt diese Daten so zu behandeln, als ob sie nur der Polizei gehören und nur eine Frage der Strafjustiz wären”, sagt Nancy Krieger, Professorin für Sozialepidemiologie an der T.H. Chan School of Public Health an der Harvard Universität.

Sie schlägt vor [1] diese Todesfälle nicht nur als Daten der Kriminalstatistik, sondern als “meldepflichtige Krankheiten” zu behandeln, die den Centers for Disease Control (CDC) von Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens und der Medizin gemeldet und wöchentlich veröffentlicht werden, ebenso wie es für Vergiftungen, Keuchhusten oder Polio getan wird.

In den letzten 50 Jahren waren Schwarze in den USA einem wesentlich größeren Risiko ausgesetzt als Weiße, von der Polizei getötet zu werden. Im Jahr 1965 war es für Schwarze in den USA – im Vergleich Schwarze und Weiße im Alter von 15-34 Jahren – achtmal wahrscheinlicher, von der Polizei getötet zu werden als Weiße; bis 2005 war das Risiko für Schwarze zurückgegangen, war aber immer noch dreimal höher als das von Weißen [1]. Von allen unbewaffneten Menschen, die 2015 von der Polizei erschossen wurden, waren 40 Prozent schwarze Männer, obwohl schwarze Männer nur 6 Prozent der Bevölkerung der USA ausmachten. Etwa 13 Prozent aller Schwarzen, die zwischen Januar 2015 und Juli 2016 von der Polizei erschossen wurden, waren unbewaffnet, verglichen mit 7 Prozent aller Weißen, die im gleichen Zeitraum von der Plozei erschossen worden.

Polizeigewalt als Symptom gesellschaftlicher Krankheiten

Eine Studie [2], die Michael Siegel und eine Gruppe von Forschern der Boston University School of Public Health (BUSPH), in der medizinischen Fachzeitschrift Journal of the National Medical Association veröffentlichten, kommt zu dem Ergebnis, dass die amerikanischen Bundesstaaten, die einen höheren Grad an strukturellem Rassismus, insbesondere Wohnsegregation1, zeigen auch größere Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen bei tödlichen Polizeischüssen auf unbewaffnete Opfer aufweisen.

“Das Problem der polizeilichen Tötungen von unbewaffneten Schwarzen sollte nicht nur als ein Problem fehlerhaften Handelns einzelner Polizeibeamter gesehen werden, sondern vielmehr als Folge des umfassenderen Problems des strukturellen Rassismus”, sagte Seniorautor Michael Siegel, Professor für Community Health Sciences. “Ungerechtfertigte Tötung durch die Polizei sollte in die lange Liste der gesundheitlichen Folgen des gesellschaftlichen Rassismus aufgenommen werden.”

Die Studie verwendete kombinierte Daten über polizeiliche Erschießungen von unbewaffneten Opfern aus dem Zeitraum 1. Januar 2013 bis zum 30. Juni 2017., die aus der Datenbank des Mapping Police Violence Project, der zuverlässigsten Datenquelle für polizeiliche Erschießungen, stammen.

Die Epidemiologen schufen einen Index des strukturellen Rassismus auf bundesstaatlicher Ebene, der als erster seiner Art gilt. Der Index2 umfasst Messgrößen zur Schwarz-Weiß-Wohnsegregation und Unterschiede in Bezug auf den wirtschaftlichen Status, den Beschäftigungsstatus, den Bildungsabschluss und die Inhaftierungsraten. Der Index hat eine Skala von 0 bis 100, wobei höhere Zahlen für eine stärkere Segregation der Wohnbevölkerung und größere Lücken in den anderen Indikatoren stehen. Die Wissenschaftler schreiben, dass ihnen nur zwei frühere Versuche bekannt sind, Indikatoren für den strukturellen Rassismus auf Landesebene und nicht auf Stadtteil- oder Stadtebene zu entwickeln.

Für jeden 10-Punkte-Zuwachs des staatlichen Rassismusindexes sahen die Forscher eine 24-prozentige Steigerung des Anteils polizeilicher Erschießungen von unbewaffneten Opfern. Allein mit Blick auf die Wohnsegregation fanden die Forscher die stärkste Assoziation: Für jeden Zehn-Punkte-Zuwachs des staatlichen Wohnsegregationindexes stieg der staatliche Anteil polizeilicher Erschießungen von unbewaffneten schwarzen Opfern um 67 %.

Dabei bezogen die Forscher auch die Verhaftungsrate schwarzer Menschen in einem Bundesstaat und die Gesamtrate tödlicher Polizeischießereien mit schwarzen Opfern in ihre Analyse mit ein. “Diese deuten darauf hin, dass die höheren Raten tödlicher Polizeischüsse auf unbewaffnete schwarze Opfer nicht nur das Ergebnis von mehr Interaktionen zwischen Polizeibeamten und schwarzen Verdächtigen sind”, sagte Co-Autorin Anita Knopov.

Die Epidemiologen schreiben, dass es kaum empirische Forschung im Bereich der öffentlichen Gesundheit gibt3, um zu verstehen, warum Schwarze eher von der Polizei getötet werden als Weiße. Jedoch schreiben sie, dass es zugängliche und validierte Messgrößen für strukturellen Rassismus in der öffentlichen Gesundheits- und sozialwissenschaftlichen Literatur gibt, wie z. B. Redlining, Nulltoleranz, Sonnenuntergangsstädte und Masseneinsperrungen.

When white terrorists bomb a black church and kill five black children, that is an act of individual racism, widely deplored by most segments of the society. But when in that same city – Birmingham, Alabama – five hundred black babies die each year because of the lack of proper food, shelter and medical facilities, and thousands more are destroyed and maimed physically, emotionally and intellectually because of conditions of poverty and discrimination in the black community, that is a function of institutional racism. When a black family moves into a home in a white neighborhood and is stoned, burned or routed out, they are victims of an overt act of individual racism which many people will condemn – at least in words. But it is institutional racism that keeps black people locked in dilapidated slum tenements, subject to the daily prey of exploitative slumlords, merchants, loan sharks and discriminatory real estate agents. The society either pretends it does not know of this latter situation, or is in fact incapable of doing anything meaningful about it.”

Stokely Carmichael, Black Power: The Politics of Liberation

Gilbert Keon, Professor für Verhaltensforschung und Gesundheitserziehung am Saint Louis University’s College for Public Health and Social Justice hat zwei konkrete Vorschläge um diesen strukturellen Rassismus zu mindern [3] und damit die Todesrate schwarzer Opfer von Polizeigewalt.

Einrichtung von Community Review Boards zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Polizei und Anwohnern

Diese Gremien sollten vielfältig, unabhängig von den politischen Gruppen, die an der Macht sind, sein und den Bewohnern die Möglichkeit geben, über Probleme zu berichten. Sie sollten transparent sein politische Maßnahmen empfehlen und bewährte Verfahren bewerten.

Angebot von psychischen und präventiven Gesundheitsdiensten für Gemeinschaften, die von hoher Gewalt und Polizeiarbeit geplagt sind.

Wenn die Polizei Stop and Frisk und exzessive Gewalt anwendet oder Handlungen begeht, die sie als “gerechtfertigte Tötung” bezeichnet, hat das negative Auswirkungen auf die Gemeinschaften. Häufig werden sie als Hochkriminalitätsgebiete bezeichnet und unterliegen räuberischer Kreditvergabe, wirtschaftlicher Desinvestition, sozialer Isolation und politischer Entrechtung. Diese Faktoren konzentrieren die Armut, reduzieren den Bildungsstand und begrenzen die Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten der Bewohner.

Fußnoten

1. Sozialwissenschaftler sprechen dann von Segregation, wenn sich die Tendenz zu einer Polarisierung und räumlichen Aufteilung der Elemente gemäß bestimmter Eigenschaften beobachten lässt. Das Beobachtungsgebiet ist entlang bestimmter Merkmale segregiert, wenn eine bestimmte Gruppe oder ein spezifisches Element in Teilen des Beobachtungsgebietes konzentriert auftritt, in anderen dagegen unterrepräsentiert ist.

2. Hier sind die Disparitäten im Blickpunkt. In der Soziologie und Humangeografie versteht man unter Disparitäten ungleiche Lebensbedingungen innerhalb eines genau definierten Raumes in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht (Arbeitsplätze, Dienstleistungen, Infrastruktur).

3. Es gibt jedoch Studien aus der Sozialpsychologie und der klinischen Psychologie wie z. B. [4] und [5].

Weiterführende Literatur

1. Krieger N, Chen JT, Waterman PD, Kiang MV, Feldman J (2015) Police Killings and Police Deaths Are Public Health Data and Can Be Counted. PLoS Med 12(12): e1001915.

2. Aldina Mesic, Lydia Franklin, Alev Cansever, Fiona Potter, Anika Sharma, Anita Knopov, Michael Siegel. (2018) The Relationship Between Structural Racism and Black-White Disparities in Fatal Police Shootings at the State Level. Journal of the National Medical Association, 2018; DOI: 10.1016/j.jnma.2017.12.002

3. Keon L. Gilbert, Rashawn Ray. (2016) Why Police Kill Black Males with Impunity: Applying Public Health Critical Race Praxis (PHCRP) to Address the Determinants of Policing Behaviors and “Justifiable” Homicides in the USA. Journal of Urban Health, 93(Suppl 1): 122. DOI: 10.1007/s11524-015-0005-x

4. Wilson, John Paul, Hugenberg, Kurt, Rule, Nicholas O. (2017) Racial Bias in Judgments of Physical Size and Formidability: From Size to Threat. Journal of Personality and Social Psychology, Vol.113 (1), 59-80 DOI: 10.1037/pspi0000092

5. A. Thomas, E. C. Hope. (2016) Walking Away Hurt, Walking Around Scared: A Cluster Analysis of Violence Exposure Among Young Black Males. Journal of Black Psychology, Vol 42, Issue 5, 453-476. DOI: 10.1177/0095798415603539

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Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

38 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sie sind ja so-o klug, lieber Herr Dr. Dramiga, Ihr Langzeit-Kommentatorenkollege erlaubt sich insofern nur den Hinweis, dass es womöglich, nein!, bestimmt, hilfreich ist die nach sogenannten Rassen (das Sogenannt ist hier beigefügt worden, weil der Schreiber dieser Zeilen Konzepte, sogenannte Rassen meinend, für sich ablehnt) aufgeschlüsselten Kriminalstatistiken der USA webzuverweisen.

    Also, diese derartig aufschlüsselnden Statistiken wären womöglich hilfreich zu verstehen, warum genau es zu von Ihnen so genanntem strukturellem X [1] bei den Enforcern womöglich kommen könnte.
    Gerne beibringen! Würde diesen dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Artikel nur abrunden!

    Davon hier zu pathologieren, vgl. mit ‘meldepflichtige Krankheiten’ (Artikeltext), wird streng abgeraten.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1]
    Das mit dem strukturellen X kennt Dr. Webbaer aus seiner Zeit in den Siebzigern in der BRD, dort waren die Gegner der RAF sozusagen die zu struktureller Gewalt neigenden staatlichen Enforcer, die Bullenschweine sozusagen.

    • Danke für den Hinweis Dr Webbaer. Eine solche Kriminalstatistik, die zusätzlich die Art der Verbrechen, deren die Betroffenen angeklagt werden, das Alter und die Lebensbedingungen der Betroffenen unterscheidet, ist bestimmt hilfreich. Sie wird aber nicht so ohne Weiteres für Alle und unentgeltlich einsehbar online gestellt.

      Trotzdem bleibt für die sozialempirische Erforschung dieses Phänomen ein methodisches Grundproblem: urbane weiße Gemeinschaften zu finden, die strukturell genauso benachteiligt sind wie die ärmsten urbanen schwarzen Gemeinden, damit man einen Vergleich anstellen kann.

      • In puncto Lebensbedingungen ist es wohl schwierig derartige Datenlagen webzuverweisen, aber i.p. Art des Verbrechens, Alter und “Rasse” gibt es staatliche Daten.

        Lebensbedingungen und das Auffinden vergleichbarer Gruppen anderer “Rasse”, die wiederum vergleichsweise ähnlich “strukturell” (Dr. Webbaer lehnt das Strukturelle an dieser Stelle konzeptionell ab, hier wird es schnell politisch und Meinungen werden sozusagen zu Daten – darum die doppelten Anführungszeichen) benachteiligt sind, sind schlecht zu identifizieren.
        Finden Sie nicht auch, lieber Herr Dr. Dramiga?

        MFG + schönen Sonntag noch,
        Dr. Webbaer (der es schlecht findet, wenn einige sagen, dass unterschiedliche Gruppen zwingend unterschiedlich leisten, es abär ähnlich schlecht findet, wenn behauptet wird, dass diese Gruppen, wenn sie nicht gleich leisten, irgendwie, Stichwort : strukturell, benachteiligt werden – seine sozusagen agnostische Sicht lautet hier : “Unterschiedliche Gruppen müssen nicht in jedem Bereich gleich leisten!”)

  2. Um die Rolle des Rassismus bei polizeilicher Gewalt aufzuschlüsseln, würde es helfen, zu wissen wieviele Schwarze Opfer polizeilicher Gewalt von schwarzen im Vergleich zu weissen Polizisten werden, denn Rassismus wird wohl von Weissen, nicht Schwarzen ausgehen. Leider kenne ich keine solche Statistik. Mit Sicherheit gilt aber, dass in den USA sowohl Weisse als auch Schwarze recht häufig Opfer von polizeilichen Überreaktionen werden, wohl weil Waffengewalt in den USA viel verbreiterter ist als in Europa und jeder Bürger potenziell bewaffnet ist. Ich zweifle aber nicht daran, dass Vorurteile, Voreinschätzungen eine wichtige Rolle spielen. Ein Polizist, der Schwarze implizit mit Kriminalität in Verbindung bringt, wird schneller schiessen allein nur, weil der Gegner ein Schwarzer ist und Weisse neigen wohl stärker zu dieser Einschätzung als Schwarze, so dass davon auszugehen ist, dass weisse Polizisten häufiger gewalttätig gegen Schwarze vorgehen als schwarze Polizisten.

    • An eine solche Statistik kommst Du bestimmt, wenn es Dir gelingt Einblick in die Police Shootings Database der Washington Post zu bekommen. Also bezahlen oder jemanden kennen…

  3. Rassismus ist den USA eine nicht zu leugnende Tatsache. Wir haben in der Verwandtschaft zwei Farbige, die in New York Eigentum in Form von Häusern besitzen, aber nicht in die USA zurückkehren wollen. Der Grund ist der “offene” Rassismus gegenüber Farbigen, die Benachteiligungen und Demütigungen denen sie dort ausgesetzt sind.
    Als Anmerkung dazu.. Auch in Deutschland gibt es das noch, wie ich es persönlich selbst erlebt habe. Meine Nichte ist Farbige und hat eine Konto bei einer Bank, deren Namen ich jetzt nicht nenne.
    Sie hat das Konto 1 Jahr lang nicht benützt, und ein größerer Geldbetrag war auf dem Konto .
    Als sie ein Jahr später das Geld abheben wollte, erklärte man ihr, sie habe gar kein Konto bei dieser Bank und ihr unterstellt, sie würde lügen.
    Erst nachdem ich bei der Konzernzentrale mit einer Veröffentlichung in der Tageszeitung gedroht habe, hat sich die Filialleitung veranlasst gesehen, sich zu entschuldigen und das Geld auszubezahlen.

  4. Rassismus IST eine symptomreiche Krankheit, der systemrationalen Seuche des “gesunden” Konkurrenzdenkens für den nun “freiheitlichen” Wettbewerb um … – Auslöser, in der scheinbar unabänderlichen Propaganda / Manipulation von “Wer soll das bezahlen?” und “Arbeit macht frei” verborgen!

  5. hto,
    Mensch ist zu 50% Tier. Was du als Konkurrenzdenken bezeichnest könnte man dem Revierverhalten zuordnen oder den Paarungskämpfen. Deswegen versagen alle Appelle an die Vernunft oder die Menschlichkeit.
    Wir sind also von der Entwicklung her gesehen noch nicht bereit für eine geistige Ordnung.

  6. hmann,
    Appelle an Vernunft und Menschlichkeit???
    Es geht immer nur um erpresserisch-heuchlerische Kapitulation vor der “Werteordnung” des imperialistisch-kreislaufenden Systems – der geistige Stillstand seit der “Vertreibung aus dem Paradies”!!!

  7. Die vielen Opfer dürften auch mit einem allgemein höheren Verhaftungsdruck zu tun haben, hinter dem private Interessen stehen und wo sich eine nette Mischung aus neoliberaler Gier und strukturellem Rassismus herausgebildet hat.
    Nebenbei zeigt das Phänomen auch, wie “wirksam” politische Korrektheit ist, die lange als Nachfolgerin der schwarzen Bürgerrechtsbewegung betrachtet wurde und immer noch wird.
    Daß daran was nicht stimmen kann, zeigt der schiere Umstand der gleichzeitigen Zunahme von pK und strukturellem Rassismus.

  8. @DH

    “Die vielen Opfer dürften …”

    Ja ja, Schuld- und Sündenbocksuche ist ein wesentliches Symptom des nun “freiheitlichen” Wettbewerb um …
    Phänomene kenne ich in diesem Zusammenhang keine!

  9. Allgemein gehaltener Bonus-Kommentar :

    Sind Sie eigentlich identitär unterwegs?
    Herr Dr. Dramiga, insgesamt erschließt sich Ihr Meinungsbild dem Schreiber dieser Zeilen nicht, in seiner generellen politischen Ausrichtung, will hier keineswegs aufheizen und findet Identitäres, auch Völkisches (“Nationales” – dieser Begriff ist in der BRD und womöglich nur dort, schwer belastet), sofern moderat begleitet, schon ganz gut, kann hier abär als sozusagen Multi-Indentitärer nicht immer ganz folgen (und die Nachfolgeschaft ist noch diverser).

    Nichts gegen großartige schwarze Kultur btw, hier abär hat Dr. Webbaer allerdings noch ein wenig zu nagen, er wird hier repetitorisch :

    -> ‘Die Existenz und die Beiträge von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland sind bislang nur unzureichend zur Kenntnis genommen worden. Sowohl in der offiziellen Geschichtsschreibung als auch in öffentlichen Diskursen spielen sie eine Rolle, die von stereotypen rassistischen Wahrnehmungs- und Argumentationsmustern gekennzeichnet ist. Die historischen Wurzeln der darin reproduzierten machtvollen Fremdrepräsentationen liegen in der mangelnden Auseinandersetzung der Mehrheitsgesellschaft mit ihrer eigenen Kolonialgeschichte und entsprechenden Traditionen, die bis heute beinahe ungebrochen weitergegeben werden.’ [Quelle]

    Einerseits hielt sich kolonialistische Aktivität der Deutschen in Grenzen, lag natürlich vor, andererseits gibt es auch nicht-kolonialistische Aktivität von “Weißen”, insbesondere im Osten Europas, das teils auch selbst kolonialisiert worden ist, und last but not least fiel hier diese Formulierung mit dem ‘beinahe ungebrochen’ nicht so super-gut auf, jedenfalls nicht hier und jetzt.
    Womöglich sind Sie hier inzwischen auch ein wenig lockerer geworden, Herr Dr. Dramiga?

    MFG
    Dr. Webbaer (der für Ihre Primär-Nachricht dankt, auch für nachfolgende, sich hier auch nicht weiter ausbreiten wird, sich langsam auszuklinken gedenkt)

    • Ganz kleine Ergänzung und persönliche Einschätzung noch, Herr Dr. Joe Dramiga :
      Sie verstehen zu schreiben, könnten journalistisch tätig sein, wie auch politisch, als Mandatsträger und so, Ihr Langzeit-Kommentatorenkollege würde sich freuen, wenn Sie in geeigneten Medien, in Ihnen geeignet erscheinenden Medien, vielleicht bei der “Zeit”, der SZ oder dem “Spiegel”, beitragen könnten, das dortige aktuelle Niveau sicherlich deutlich anhebend. (Oder tun Sie dies alles schon? – Bliebe dann hier bisher unbemerkt, dann : sorry.)

      • Danke für die Blumen Dr. Webbaer. Ich schreibe nicht für die von Dir genannten Zeitungen. Mit der rechtsextemen Bewegung, die in Frankreich entstand, habe ich nichts zu tun. Eine Identität haben wir alle, meistens haben wir mehrere Identitäten, unterwegs sind wir auch alle – motorisiert oder zu Fuß – insofern kann ich Dir nichts Neues erzählen.

        • Mit ‘identitär’ war nichts anderes als das Bemühen um Identität (auch i.p. Herkunft, Heimat und sich zusammen tun) gemeint, lieber Herr Dr. Dramiga, dies nur noch kurz ergänzt. Ansonsten : schade, dass Sie öffentlich nicht breiter auftreten.

  10. Ich meine, dass Polizeigewalt nicht unbedingt in erster Linie wegen der Hautfarbe ausgelöst wird, sondern dass eher zwei andere Kriterien vorrangig eine Rolle spielen:

    – Gesellschaftlicher Status der Bürger:
    Ein ersichtlicher sozialschwacher Status der Bürger löst eher Polizeigewalt an, da vorausgesetzt wird, dass Hintergrundkriminalität und Gewaltbereitschaft bei an sich relativ harmlosen urbanen Konfliktsituationen bestehen. Ich glaube kaum, dass zum Beispiel schwarze Hollywood-Stars bei urbanen Konfliktsituationen in ihren Luxus-Quartieren Polizeigewalt zu fürchten haben, genauso wenig wie ihre weißen Nachbarn… 😉

    – Öffentliche Protestaktionen:
    Der gesellschaftliche Sprengstoff der Wut von Bürgern ist grundsätzlich überall ein Auslöser von Polizeigewalt, unabhängig von der Hautfarbe. Sozialschwache Bürger haben nun mal mehr Anläße zur Wut als die Mittelklasse, und Schwarzen sind nun mal mehrheitlich in den USA sozialschwach. Der Kreis schließt sich.
    .

    PS: Hier eine Situation aus meiner Privatleben, die „Polizeigewalt“ aufgrund des ersichtlichen sozialschwachen Status und der Voraussetzung einer Hintergrundkriminalität ausgelöst hat, unabhängig von der Hautfarbe… 😉
    Republikanisches

  11. @Jocelyne Lopez
    Die soziale Schwäche ist ein entscheidender Punkt, diese Form der strukturellen Diskriminierung wird gerne übersehen. Sozial “stärkere” Schwarze sind auch tatsächlich kein Ziel für Polizeigewalt und um private Gefängnisse mit Kunden zu füllen. Innerhalb der sozial Schwächeren aber scheint es eine Präferenz für Farbige zu geben, und innerhalb derer eine Präferenz für Menschen, die noch dazu aus schwierigen Familienverhältnissen stammen.
    Das System geht also auf die Schwächsten der Schwachen los, tolle “Eliten”, die uns da führen.

    • Herr Dramiga hat auch diesen Punkt mit der Erwähnung der “Wohnsegregation” angesprochen. Allein die Armut und der sozialschwache Status der Bürger machen es nicht, die Ghettoisierung macht es. Es gibt zum Beispiel in Marseille (wie in allen Großstädten in Frankreich) einen sehr großen Wohnviertel, der aus Beton-Wohnsilos besteht und wo ausschließlich Franzosen mit nordafrikanischem Hintergrund wohnen. Die Polizei kann kaum einen Schritt in diesen Viertel tun, es gibt auch kaum polizeilische Einsätze, auch für geringfügige Anläße: Die Polizei würde sofort angegriffen werden, hauptsächlich von männlichen Jugendlichen, und es würde zu Gewaltexzessen führen. Zu selten sind die Kinder dort, die wie den Fußball-Star Zinedine Zidane den Ausstieg aus der Ghettoisierung schaffen. Jedoch werden seit einigen Jahren bauliche und soziale Anstrengungen mit einigen Erfolgen angestellt, um den Viertel zu rehabilitieren: Corrupt, dangerous and brutal to its poor – but is Marseille the future of France?

      • Mit den biologischen unveränderlichen Eigenschaften konkurriert halt die Kultur (das Fachwort), es gilt oft die Kultur zu hinterfragen, nicht biologisch unveränderliche Eigenschaften.

        • In diesem Beispiel der Ghettoisierung von Franzosen mit nordafrikanischem Hintergrund spielt die „Kultur“ zur Entstehung oder Erklärung der Gewaltprobleme gar keine Rolle.

          Frankreich hat aufgrund seiner Kolonialgeschichte die größte Erfahrung seit mehr als 100 Jahren mit der Integration der moslemischen Gemeinde aus Nordafrika: Es gibt seit 100 Jahren keine kulturell bedingten Konflikte. Meine Heimatstadt Marseille ist zum Beispiel traditionell seit ihrer Gründung als Handelskontor durch griechische Seefahrer 800 Jahre v. C. der Symbol einer multikulturellen Gesellschaft: Multikulti zu sein ist unsere Identität.

          Es gibt heute in Marseille 20% Ausländer, wobei es wohlbemerkt kaum ein gebürtiger Marseiller gibt, der nicht in seinen bekannten Vorfahren eine, zwei oder mehr Nationalitäten aus dem Mittelmeer Raum vorweisen kann. Multikulti zu sein ist unsere Identität. Und außerhalb der Ghettoisierung funktioniert das multikulturelle Zusammenleben (einschließlich mit moslemischen Bewohnern) genau so gut wie bei einem einseitig kulturellen Zusammenleben. Ich kann es aus Erfahrung bis heute noch bezeugen. Ich wurde auch in einem armen, sozialschwachen Marseiller Stadtviertel geboren, jedoch kein Ghetto, sondern mit kulturell gemischten Bewohnern. Es gab keine grundsätzlichen sozialen Spannungen oder Gewaltproblemen: Wir haben friedlich zusammen gelebt, wir hatten auch die Mittelmeerkultur gemeinsam. Hier ein weitere Alltagserfahrung aus meinem Privatleben:
          Gekonntes.

          Und hier meine „biologischen unveränderlichen Eigenschaften“: Ich bin viel bunter, als ich aussehe.

  12. Zitat Dr. Webbaer: “Mit den biologischen unveränderlichen Eigenschaften konkurriert halt die Kultur (das Fachwort), es gilt oft die Kultur zu hinterfragen, nicht biologisch unveränderliche Eigenschaften.

    Ich sehe nicht, dass bei dieser zur Diskussion gestellten Thematik die Kultur zu hinterfragen sei. Die Schwarze in den USA haben keine andere Kultur als den Rest der Bevölkerung. Wenn es sich statistisch ergibt (war nicht klar ist), dass die Polizeigewalt gegen Schwarze hauptsächlich im Rahmen der “Wohnsegregation” stattfindet, also gegen Bewohner von schwarzen Ghettos bzw. schwarzen armen Wohnvierteln, kann es sich dementsprechend nicht um einen kulturellen Faktor handeln. Wenn es sich ergibt, dass Polizeigewalt weniger gegen Bewohner von weißen armen Wohnvierteln stattfindet, könnte es in der Tat ein Zeichnen von rassistischen Vergehen sein. Die Kultur der Bürger hat ohnehin in beiden Fällen nichts zu tun.

    Was die Menschen moslemischer Herkunft am Beispiel der Ghettoisierung von Franzosen mit nordafrikanischem Hintergrund betrifft, hat es genau so wenig mit Kultur zu tun. Die Kriminalisierung oder Radikalisierung der Jugendlichen in solchen Ghettos, hat nichts mit der moslemischen Kultur oder moslemischer Religion zu tun. Es reicht aber ein schwarzer Schaf in der Familie oder in der Nachbarschaft (zum Beispiel ein Drogen-Dealer oder ein radikaler Islamist), um in solchen Ghettos leicht Jugendliche zu kriminalisieren oder zu radikalisieren, ohne den Willen und sogar oft ohne das Wissen der Eltern.

    Es ist verfehlt, Gewaltprobleme in die Schuhe einer bestimmten Kultur zu schieben, die dann zu “hinterfragen” sei…

    Es ist natürlich klar, dass zum Beispiel manche Bewohner Deutschlands sich nur in ihrem rein arischen Kaf wohl fühlen, wobei Dr. Webbaer nicht auf die Idee kommen würde, ihre “Kultur” zu hinterfragen.

    • Kultur wird schon von unterschiedlichen Menschen(gruppen) anders getragen, auch in den Staaten und von ihrer afroamerikanischen Bevölkerung (hoffentlich war’s korrekt ausgedrückt, mit “PoC”, People / Person of Color, konnte sich Dr. Webbaer nie anfreunden, mit “Farbigen” in der Begrifflichkeit).
      Beispiele könnten genannt werden, kennen Sie aber auch selber, Frau Lopez.

      Sätze wie bspw. ‘In diesem Beispiel der Ghettoisierung von Franzosen mit nordafrikanischem Hintergrund spielt die „Kultur“ zur Entstehung oder Erklärung der Gewaltprobleme gar keine Rolle.’ + ‘ Die Schwarze[n] in den USA haben keine andere Kultur als den Rest der Bevölkerung.’ stehen aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen wie eine Sau auf dem Sofa, bleiben erörterungs-fähig.
      Bedenken Sie vielleicht auch gerne, dass ansonsten “Black Identity” (gegen die der Schreiber dieser Zeilen grundsätzlich nichts hat, sie allerdings auch nicht besonders hervorgehoben, gar vergottet sehen möchte) nicht möglich wäre.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • PS und einen kleinen Minuspunkt setzend noch hierzu :

        Es ist natürlich klar, dass zum Beispiel manche Bewohner Deutschlands sich nur in ihrem rein arischen Kaf[f] wohl fühlen, wobei Dr. Webbaer nicht auf die Idee kommen würde, ihre “Kultur” zu hinterfragen.

        Doch, doch, auch dbzgl. wird hier hinterfragt, bspw. derart, ob dort wirklich kulturell ‘Arier’ ihre Heimat (ein wichtiger Begriff, grundsätzlich auch : das Fachwort an dieser Stelle) gefunden haben.

        • Ich sehe nicht, dass die Schwarzen in den USA eine andere Kultur hätten als der Rest der Bevölkerung, und zwar allein deswegen, weil sie von Anfang an eine zeitlich gemeinsame „Entstehungsgeschichte“ haben, die als Täter und Opfer mit der Sklaverei angefangen hat – also in der Tat eine gesellschaftliche, abscheuliche „Kultur der Gewalt“. Die afrikanische Wurzel manifestiert sich heute noch zum Beispiel in der von den Sklaven geschöpften Musik, die jedoch keine alleinige schwarze Identität mehr darstellen kann, weil sie inzwischen die weiße Welt erobert hat. Man kann jedoch nicht allein die Musik als kulturelle Identität ansehen, genauso wenig wie man in Europa zum beispiel die Folklore als kulturelle Identität ansehen kann.

          Mit der Kultur der Bewohner Deutschlands, die sich nur in ihrem rein arischen Kaff wohl fühlen, wissen Sie ganz genau worauf ich hier anspielen wollte, und zwar nicht auf die Kultur der Ur-Ethnien der Arier, sondern auf die „Kultur“ der Neonazis, die Sie offensichtlich bei der zur Diskussion gestellten Thematik nicht zu “hinterfragen” gedenkt haben.

          • Schwarze haben eine großartige Kultur, bspw. wird der Schreiber dieser Zeilen bei Martin Luther King, beim hiesigen werten Inhaltegeber, bei Mandela und bei den vielen schwarzen Künstlern schon ein wenig warm.
            Die dürfen das, auch i.p. Identität, klar, es darf hier nicht segregativ werden, wie einige finden, es muss hier nicht i.p. strukturelles X gemacht werden.
            Sie meinen es offensichtlich gut, werte Frau Lopez, Ihr Kommentatorenkollege entfernt sich mit diesem webverwiesenen Stück :

            -> https://www.youtube.com/watch?v=7lvsBBNV-U4

            MFG
            Dr. Webbaer

  13. Kultur, die wir alle gemeinsam haben, die wir mit vielen Ausreden / systemrationalem KOMMUNIKATIONSMÜLL, besonders hier im Scilogs zu beobachten, im “Tanz um den heißen Brei” betreiben:
    Die Kultur des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs, in reich & arm, Gewinner & Verlierer, Täter & Opfer, weiß & farbig, Unwahrheit & Wahrheit, …!? 😎

  14. Die Polizeigewalt ist hier dokumentiert: https://www.washingtonpost.com/graphics/national/police-shootings/

    Aus den Zahlen Rassismus herzuleiten könnte allerdings voreilig sein. Die Gesamtstatistik aller Tötungen durch Schusswaffen in den USA zeigt dass Schwarze bevorzugt Schwarze erschießen und das nicht zu knapp. Sie sind annähernd zehnfach schießfreudiger als andere. Sind sie deswegen Rassisten?

    “Würde die amerikanische Polizei Bürger nur wegen ihrer schwarzen Hautfarbe erschießen, würden Kinder so oft sterben wie Greise, Männer so häufig wie Frauen und Anwälte so häufig wie Crackdealer. Die Statistik zeigt aber, dass die meisten schwarzen Opfer von Polizeigewalt kriminelle Männer sind, die nicht mit den Beamten kooperierten. Valide Beweise für die These, dass amerikanische Polizisten aus rassistischen Motiven schwarze Bürger erschießen, gibt es nicht.”

    Aus https://www.tichyseinblick.de/meinungen/usa-taeter-opfer-bild-nicht-schwarz-weiss/

    • In dem von Dir verlinkten Artikel steht:

      “Besser wäre es zu untersuchen, ob weiße Polizisten häufiger als schwarze Polizisten schwarze Bürger erschießen. Die Antwort erstaunt: 78 Prozent aller von schwarzen Polizisten getöteten Bürger sind selbst schwarz.”

      Hier bin ich der Meinung – Satz von Bayes – das der dritte Satz allein nicht die Antwort auf die im Nebensatz indirekt formulierte Frage ist. Mathematiker, die den Satz von Bayes im Schlaf anwenden können bitte vor.

      • @Joe

        »Hier bin ich der Meinung – Satz von Bayes – das der dritte Satz allein nicht die Antwort auf die im Nebensatz indirekt formulierte Frage ist.«

        .
        Mir kommt das Ganze ohnehin spanisch vor. Woher stammen die genannten Prozentangaben? Wie groß ist der Anteil der schwarzen Polizisten an der Polizei insgesamt, und wie groß der Anteil der schwarzen Todesschützen an der Gesamtheit der Todesschützen?

        Wenn 50 Todesopfer (von insgesamt 1954 in 2015 und 2016) von schwarzen Polizisten erschossen wurden, dann waren der Aussage zufolge rund 40 dieser Opfer schwarz. Wenn ich es denn richtig verstanden habe.

        Und das soll dann „beweisen“, dass Rassismus keine Rolle spielt bei der Tatsache, dass der Anteil der getöteten Schwarzen überproportional groß ist?

        Und wie kommt der Autor des verlinkten Artikels überhaupt darauf, dass schwarze Polizisten keine gegen Schwarze gerichteten rassistischen Vorurteile haben könnten?

    • Laut Wikipedia gilt in Bezug auf Opfer von Schusswaffengewalt (übersetzt von DeepL): Afroamerikaner waren 55% der Opfer von Waffenmord im Jahr 2010, aber 13% der Bevölkerung. Nicht-hispanische Weiße waren 2010 25% der Opfer, aber 65% der Bevölkerung. Hispanoamerikaner waren 17% der Opfer und 16% der Bevölkerung im Jahr 2010.
      Nach Angaben des U.S. Bureau of Justice Statistics wurden von 1980 bis 2008 84% der weißen Mordopfer von weißen Tätern getötet und 93% der schwarzen Mordopfer von schwarzen Tätern getötet.

      Jedenfalls gilt mit Sicherheit, dass nur wenige der erschossenen Schwarzen von Polizisten erschossen wurden, ob nun von weissen oder schwarzen Polizisten. Dass aber 55% aller durch Schusswaffengewalt Getöteten in den USA Schwarze sind obwohl sie nur 13% der Bevölkerung ausmachen, bedeutet, dass das Risiko erschossen zu werden in den USA für Schwarze recht gross ist – zumal Morde durch Schusswaffen in den USA sowieso 25 Mal häufiger sind als in hochentwickelten Ländern, in denen es nicht erlaubt ist Schusswaffen frei herumzutragen. In der Wikipedia liest man dazu: Ungefähr 1,4 Millionen Menschen wurden zwischen 1968 und 2011 in den USA mit Schusswaffen getötet, was einer der zehn größten Städte der USA im Jahr 2016 entspricht, die zwischen den Bevölkerungen von San Antonio und Dallas, Texas, liegen.
      Das bedeutet aber für mich, dass der Titel dieses Beitrags “Polizeigewalt gegen Schwarze als Problem der öffentlichen Gesundheit in den USA” irreführend ist, denn dieser Titel lässt den Leser denken, Schwarze würden in den USA so häufig durch Polizisten erschossen, dass sie allein schon deshalb ein schlechtes Leben führen. Und es stimmt ja scheinbar wirklich, dass nicht wenige Schwarze in den USA erschossen werden. Allerdings sind Polizisten nur für den kleineren Teil dieser Tötungen durch Feuerwaffen verantwortlich.
      In meinen Augen könnte man die liberale Haltung der USA gegenüber Waffenbesitz dagegen durchaus als Ausdruck eines faktischen Rassismus interpretieren, denn letztlich ist dieser Waffenliberalismus für recht viel Leid unter Schwarzen in den USA verantwortlich.

      • Ergänzung: Dass Waffengewalt ein grosses Problem für Schwarze in den USA ist, zeigt der Artikel African-American adults’ perceptions of guns and violence. wo man liest (übersetzt von DeepL): Diese Studie untersuchte die Wahrnehmung von Waffen und Gewalt durch afroamerikanische Erwachsene. Durch eine Mall Intercept Type-Studie beantworteten 347 Erwachsene im Alter von 20 bis 75 Jahren einen Fragebogen mit 54 Punkten. Ein Drittel der Befragten behauptete, dass sie eine oder mehrere Arten von Waffen besaßen, drei Viertel hatten persönlich jemanden gekannt, der erschossen worden war, mehr als ein Drittel hatte tatsächlich jemanden erschossen gesehen, und ein Drittel hatte eine Waffe schon mal gezogen (verwendet). Während die überwiegende Mehrheit (84%) glaubte, dass Gewehre zu einfach zu erhalten sind, glaubte die Mehrheit (62%) auch, dass eine Waffe zu Hause zu haben, helfen würde, sie zu schützen. Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Wahrnehmung von Waffen auf der Grundlage von Alter, Geschlecht, Bildungsniveau oder sozioökonomischem Status. Die Ergebnisse dieser Studie belegen die Besorgnis und die Angst vor persönlichen Schäden, mit denen Afroamerikaner regelmäßig zu kämpfen haben. Die Ergebnisse legen auch nahe, die Notwendigkeit für eine Form der pädagogischen Intervention und Waffensicherheit Ausbildung, um zur Verringerung des Risikos von Tod und Verletzung unter den Afroamerikanern.

  15. »Die Statistik zeigt aber, dass die meisten schwarzen Opfer von Polizeigewalt kriminelle Männer sind, die nicht mit den Beamten kooperierten. «

    Weiße Kriminelle sind offenbar kooperationsfreudiger. Wie kommt’s?

  16. Deutlich mehr als die Hälfte der US-Amerikaner und immer mehr auch US-Amerikanerinnen, ob weiss, schwarz oder Latino, haben entweder (bereits) eine Feuerwaffe oder aber neigen dazu, sich irgendwann eine anzuschaffen. Dies zeigt eine Pew-Umfrage vom Juni 2017 wo man liest: Drei – in – 10 amerikanische Erwachsene sagen, daß sie z.Z. eine Gewehr besitzen, und andere 11% sagen, daß sie nicht persönlich eine Gewehr besitzen, aber mit jemand leben, der das tut. Unter denen, die nicht aktuell eine Gewehr besitzen, sagen ungefähr die Hälfte, dass sie sich vorstellen könnten, eines zukünftig zu besitzen.
    Dass die schwarzen US-Amerikaner da keine Ausnahme machen erkennt man an Artikeln wie Florida woman is a driving force behind African-American gun clubs wo man ebenfalls erfährt, dass unter Afro-Amerikanern der Waffenbesitz zunimmt, jetzt gerade besonders unter schwarzen Frauen (um gegenzuhalten, wenn sie von ihrem schwarzen Freund mit der Waffe bedroht werden?). Zitat, übersetzt von DeepL: Entsprechend einer neuen Studie, die vom Pew Research Center veröffentlicht wurde, ist der Waffenbesitz unter den Afroamerikanern auf dem Vormarsch. Nicht weniger als 59 Prozent der afroamerikanischen Haushalte in den USA betrachten den Besitz einer Waffe als eine Notwendigkeit. Innerhalb dieser breiteren Statistik nimmt der Waffenbesitz unter schwarzen Frauen ebenfalls stärker zu als unter allen anderen demographischen Gruppen in den USA.
    Was aber sind die Auswirkungen des Waffenbesitzes in den USA? Zuerst einmal gibt es 7 bis 10 Mal mehr Erschossene als in Europa, dann kommt aber noch hinzu, dass es für jeden Erschossenen zwei bis 3 Verwundete gibt. Und mehr als die Hälfte der US-Amerikaner kennt jemanden, der erschossen wurde. In der Pew-Umfrage erfährt man sogar (übersetzt von DeepL): Die meisten Amerikaner sagen, dass sie irgendwann eine Waffe abgefeuert haben. Das heisst nichts anderes, als dass US-Amerikaner mit Waffen leben. Kommt mir ziemlich martialisch vor.

  17. Neben tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze gibt es auch falsche, Schwarze belastende Aussagen von Polizisten wie der NYT-Artikel ‘Testilying’ by Police:
    A Stubborn Problem
    zeigt. Dort wird auf den Fall eines Polizeibeamten verwiesen, der nach einer Schiesserei einer Schwarzen Waffenbesitz unterstellte. Eine Lüge, wie ein später ausgewertetes Video zeigte. Doch solche Falschaussagen von Polizisten, die oft benachteiligte Bürger, gerade auch Schwarze, schwer belasten, sind an der Tagesordnung wie der New York Times – Artikel zeigt.

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