Black History Month 2011

BLOG: Die Sankore Schriften

Die Welt ist voller Rätsel
Die Sankore Schriften

Im Februar wird in den USA, Deutschland und in vielen anderen Ländern in denen schwarze Menschen als Minderheiten in einer weißen Mehrheitsgesellschaft leben der “Black History Month” (BHM) mit verschiedenen Veranstaltungen zur schwarzen Kultur und Geschichte gefeiert. Seinen Ursprung hat der Black History Month in den USA: 1926 entschloss sich der schwarze Historiker Dr. Carter G. Woodson die Geschichte der Schwarzen einer breiten amerikanischen Öffentlichkeit näher zu bringen.  In der zweiten Februarwoche initiierte er die „Negro History Week“. Er wählte diesen Zeitraum, um an die Geburtstage zweier Männer zu erinnern, die einen großen Einfluss auf die schwarze amerikanische Bevölkerung ausgeübt hatten: Frederick Douglass und Abraham Lincoln. Mit der Zeit entwickelte sich daraus der Black History Month den wir heute kennen – ein vierwöchiges Programm mit Veranstaltungen zur schwarzen Kultur und Geschichte.

 
Carter G. Woodson (1875 – 1950).
Carter G Woodson war der Sohn afrikanischer Sklaven in den USA.

Those who have no record of what their forebears have accomplished lose the inspiration which comes from the teaching of biography and history

Carter G. Woodson

 

Der Black History Month 2011 in Hamburg

In Deutschland wird der Black History Month 2011 in Hamburg gefeiert. Dort gibt es Vorträge und Diskussionen, Filme, Lesungen und Gedichte, Talkshows, Konzerte, kulinarischen Spezialitäten und ein spezielles Jugendprogramm. Eine Auswahl der Highlights die euch in Hamburg erwarten:

Die ugandische Regisseurin Caroline Kamyas wird ihren, auf der Berlinale 2010 nominierten Film, "Imani" präsentieren.

Nkechi Mbawke wird eine Talkshow mit dem Thema "Schwarze in den Medien" moderieren.

An der Universität Hamburg wird es Vorträge über "Klimawandel und Umweltschutz in Afrika" und “Somalia und der sog. Piratenprozess
geben.

Die Uganderin Luisa Natiwi verzaubert beim Kinderspektakel mit 17 ugandischen Märchen.

Darüber hinaus wird die afrikanische Theatergruppe "Follown – Der Tag der Erzählung" mit einem Theaterstück zur Integration auftreten:

Seit LOGOBI, Monsieur ICI und BARTHEZ HAMBOURG in Europa sind, fühlen sie sich in einer Zeitblase gefangen. Sie würden sich gern integrieren. Aber was ist Integration? Jeder Tag bringt neue, immer andere Integrationsarbeit. Deutschland ist Magie pur. Gegen Magie hilft nur Magie, und zum Glück hat BARTHEZ HAMBOURG eine magische Fernbedienung mitgebracht. Und MTV, das müsste hier doch auch irgendwo sein? Das hatte man doch täglich im Fernsehen gesehen. Man war ja gekommen, um zu tanzen. Stattdessen: jede Menge Papier. Aber zur Not gehen wir einfach auf REWIND!

Das Programm des Black History Month Hamburg 2011

Die Wanderausstellung "Homestory Deutschland – Schwarze Biographien in Geschichte und Gegenwart"

Die Ausstellung "Homestory Deutschland – Schwarze Biographien in Geschichte und Gegenwart", wurde von der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD Bund e.V.) sowohl initiiert, als auch organisiert und von der Bundeszentrale für politische Bildung im Rahmen des Projektes "Africom" gefördert.

Die Existenz und die Beiträge von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland sind bislang nur unzureichend zur Kenntnis genommen worden. Sowohl in der offiziellen Geschichtsschreibung als auch in öffentlichen Diskursen spielen sie eine Rolle, die von stereotypen rassistischen Wahrnehmungs- und Argumentationsmustern gekennzeichnet ist. Die historischen Wurzeln der darin reproduzierten machtvollen Fremdrepräsentationen liegen in der mangelnden Auseinandersetzung der Mehrheitsgesellschaft mit ihrer eigenen Kolonialgeschichte und entsprechenden Traditionen, die bis heute beinahe ungebrochen weitergegeben werden. Dies prägt in gravierender Weise nicht nur eine Vielzahl normierender Denk- und Handlungsweisen von weißen Deutschen, sondern ebenso die Lebens- und Erfahrungsbezüge von schwarzen Menschen in diesem Land. Die individuellen und kollektiven Erfahrungen von Alltagsrassismus stellen für Menschen afrikanischer Herkunft daher einen Erfahrungszusammenhang dar,…

Die Ausstellung präsentiert 26 Biographien schwarzer Menschen, die im Laufe von drei Jahrhunderten in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt hatten bzw. noch haben. Seit August 2006 ist die Wanderausstellung in zahlreichen Städten Deutschlands zu sehen. Seit November 2008 tourt eine Kopie der Ausstellung durch die verschiedensten Goethe-Institute Afrikas.

Die Wanderausstellung Homestory Deutschland

Weiterführende Links

Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD)

Bundeszentrale für politische Bildung: Afrikanische Diaspora in Deutschland (bpb)

Today in Black History

This Day in Black History

Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit/ARD-Special

 

Bildnachweis

"Carter G. Woodson (1875 – 1950)."

Quelle: Wikimedia Commons

 

Joe Dramiga

Veröffentlicht von

Joe Dramiga ist Neurogenetiker und hat Biologie an der Universität Köln und am King’s College London studiert. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Genexpression in einem Mausmodell für die Frontotemporale Demenz. Die Frontotemporale Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die sowohl Ähnlichkeit mit Alzheimer als auch mit Parkinson hat. Kontakt: jdramiga [at] googlemail [dot] com

8 Kommentare

  1. @ Dramiga

    Hilf’ mir mal auf die Sprünge. Ich durchforste gerade meine historischen Wissensbestände, und mir fällt kein/e einzige/r Afrikaner/Afrikanerin ein, den/die ich irgendwo an prominenter Stelle in der deutschen Geschichte verorten könnte (nur die äthiopische Geliebte von Fürst Pückler fällt mir ein, da war ich schon am Grab..). Wobei meine Unkenntnis ja im Prinzip nichts zu sagen hat: womöglich hat man mich es einfach nicht gelehrt.

  2. @ Mona

    *staun*
    Da ist ein Philosoph aus Ghana dabei,
    Anton Wilhelm Amo, der’s im 18. Jahrhundert bis zu einer Privatdozentur an der Philosophischen Fakultät in Halle gebracht hat.

    Danke!

  3. Afrikaner/Deutsche Geschichte

    Hallo Helmut,

    das ist kein Wunder da sich
    die Spurensuche auch schwierig gestaltet, wenn man von der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika absieht. Ich kann jetzt auch nichts aus dem Ärmel schütteln….

    Vielleicht der dritte afrikanische Papst Gelasius I. (Papst von ca. 492 bis ca. 496), der die für das Verhältnis von Papsttum und Kaisertum wichtige Zweischwertertheorie formulierte.

    Über Amo werde ich bald einen Blogartikel schreiben, er hat eine interessante Lebensgeschichte.

    Ansonsten kannst Du ja mal in folgende zwei Bücher reinschnuppern:

    Marianne Bechhaus-Gerst / Reinhardt Klein-Arendt (Hrsg.): AfrikanerInnen in Deutschland und schwarze Deutsche. Geschichte und Gegenwart. Lit Verlag, Münster 2004

    Peter Martin: Schwarze Teufel, edle Mohren. Afrikaner in Geschichte und Bewusstsein der Deutschen, Verlag: Hamburger Edition; 1. Aufl. (15. März 2001)

  4. Black History Month 2011 in Berlin

    Unter dem thematischen Schwerpunkt “Kolonialismus und Post-Kolonialismus” präsentiert die Werkstatt der Kulturen spannende Veranstaltungen zum Black History Month 2011:

    MigrationMusic
    Jeden Freitag ab 21h bietet das Pan African Groove Collective unter der Leitung von Jonas Bibi Hammond in unterschiedlicher Besetzung das Beste, was Berlin in den Sparten Afro-Beat, Jazz, Mbalax, Soul, Gospel, Salsa (…) zu bieten hat.

    Kolonialismus im Kasten
    Die Historikerin Manuela Bauche enttarnt am 5.02.2011 um 17h die verschleiernde Geschichtsschreibung, die im Zusammenhang mit den deutschen Kolonial-Verbrechen betrieben wird.

    Soli-Party ISD-Bund
    Im Anschluss darf gefeiert werden! Mit Live-Act Tayo und diversen DJs: 5.02.2011 um 21h

    German colonial medicine in Africa
    Ist der Mythos um Robert Koch berechtigt? Wie kam der deutsche Mediziner und “Afrika-Reisende” zu seinen Forschungsergebnissen? Ein Vortrag am 11.02.2011 um 19h in englischer Sprache von Facil Tesfaye.

    Soul Sisters! Long time, no talk!
    In einer dreigliedrigen Veranstaltungsreihe mit Podiumsdiskussion, Workshop und Open Space wird beleuchtet, wie kolonialistische Bilder nach wie vor die deutsche Sprache bestimmen: 10./17./24.02.2011

    Filmvortrag & CD-Release-Konzert
    Am 26.02.2011 zeigt Hakim El-Hachoumi in einem Filmvortrag mehrere Filme, die den Widerstand gegen Kolonialismus begleiteten und/oder kommentierten.
    Die in diesem Vortrag präsentierten Filme dienten Berliner MusikerInnen afrikanischer Herkunft während des Workshops “1884” als Arbeits- und Inspirationsmaterial zum Schreiben und Komponieren von Songs zum Thema “Kolonialismus und Post-Kolonialismus”. Das Ergebnis dieser musikalisch-historischen Auseinandersetzung können Sie am Abend des gleichen Tages beim CD-Release-Konzert “1884” hören:
    Filmvortrag: 26.02.11 um 17h / CD-Release-Konzert: 26.02.2011 um 20h

    Mehr Infos im Anhang und unter http://www.werkstatt-der-kulturen.de

  5. Der schwarze Fremde

    heißt ein Buch, das sich u.a. mit den Auswüchsen des sozialdarwinistischen Rassismus in einer Gesellschaft befasst, der auch Anton Wilhelm Amo zwangsweise angehörte (hier ein Auszug): http://books.google.de/…ilhelm%20Amo&f=false

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