Wahrheit, Gefühl und Moral

Neulich saß ich mit einem Theologen und einem Gast unseres Clubs bei einem Mittagessen zusammen und wir sprachen über eine kürzlich aufgeführte Johannespassion.  “Was für einen Naturwissenschaftler nur Schwingungen der Luft sind, bedeutet für uns doch tiefstes Erlebnis”, hieß es da, und der Gast fügte hinzu: “eines der schönsten Gottesbeweise”. Der Theologe nickte zustimmend.

Ich zuckte innerlich zusammen, beruhigte mich aber schnell wieder.  Ich kannte meinen theologischen Kollegen gut genug, um zu wissen, dass er Naturwissenschaftler nicht für so verbohrt hält, dass sie in der Regel  kein Sensorium für spirituelle Gefühle haben. Er wollte wohl nur den rein physikalischen Vorgang charakterisieren.  Mich ärgerte nur, dass er all sein Wissen über die Unmöglichkeit von Gottesbeweisen (siehe z.B. Wikipedia: Gottesbeweis) für eine so billige Anerkennung seines Glaubens verleugnete.  Aber das Verleugnen von Wissen kennen wir ja auch aus den biblischen Erzählungen.

Geborgenheit und Wahrheit

Bleiben wir aber bei der physikalischen Sichtweise, in der die ganze Johannespassion nur eine Folge von Schallwellen ist, die den Hörer erreichen. Diese Schallwellen haben eine Struktur, eine Transformation jener Struktur, die der Komponist in dieses Werk hinein gelegt hat. Struktur bedeutet für uns Information. Die Schallwellen sind also nur Träger der Information, die vom Komponisten in die niedergeschriebenen Noten hinein, von diesen in die Musiker der Aufführung und von dort in die Luft geflossen ist.  Und in jedem Schritt wurde sie umcodiert, von  J.S. Bach in die Notensprache, dann in die Erzeugung der Töne durch die verschiedenen Instrumente, schließlich in die Schallwellen. Im Kopf  des Hörers werden dann neuronale Prozesse angeregt, die ihm als Gefühle oder Gedanken bewusst werden.

Von J.S. Bach bleibt dabei nicht viel übrig. Das meiste ist selbstgemacht, und das kann von unterschiedlichster Art sein. Es hängt ab von der eigenen Stimmung, der Einfühlung in die Texte, des Wissens um die Entstehungsgeschichte des Werkes oder um die musikalischen Aspekte wie Struktur der Komposition oder Traditionen bei der Aufführung des Werkes.  So ist jedes Hören ein neues Erleben und mit der Vertrautheit wächst auch das Gefühl der Entspannung und Geborgenheit, das sich dabei einstellt.

Damit  kann vieles einhergehen, bei manchen eben auch das Gefühl, teilzuhaben an einer ewigen “Wahrheit”.  Das mag den meisten bei genauem Hinsehen als absurd erscheinen, als eine maßlose Überschätzung der eigenen Gefühle, es hat aber geschichtliche Wurzeln. Im frühen Mittelalter herrschte die Vorstellung, dass “Gott, das ‘ewige Wort’, in jedem Denkenden gegenwärtig ist” und uns bei bestimmten Anlässen “erleuchten” kann (siehe z.B. Flasch, 1986).  Augustinus hatte diesen Gedanken formuliert und er sah Gott als einen überweltlichen Garanten für das Wissen um die Welt, denn wir Menschen schwanken ja ständig in unseren Meinungen. Erst im 13. Jahrhundert wurde man selbstbewusst genug, um dem Intellekt auch die Möglichkeit einer eigenen Erkenntnis einzuräumen. Wie sollte man es auch sonst verstehen, dass bei den “Erleuchtungen” der Menschen so Unterschiedliches heraus kommt.

Heute denkt wohl kaum einer an Augustinus, wenn er sich durch musikalische Erlebnisse in das Gefühl höherer Erkenntnis tragen lässt. Ich vermute, es ist mehr eine Assoziation mit einem ähnlichen Gefühl der Geborgenheit, nämlich mit jenem, das uns durch die Religionsausübung vermittelt werden kann. Vielleicht klingt “Geborgenheit” auch zu profan, man kann es auch Spiritualität nennen. Nicht umsonst klagen manche, dass die Musik bei vielen Zeitgenossen die Stelle einer Religion einnimmt und die spirituellen Bedürfnisse befriedigt.

Was einen erbaut und erhebt, das muss auch wahr sein – so schließen wir oft unbewusst. Diese tief sitzende Assoziation hat sich vielleicht während der Evolution in unser Verhaltensrepertoire eingegraben, ähnlich wie: Was einem schmeckt, muss auch gesund sein. Wie es wirklich dazu gekommen ist, können Evolutionsbiologen und Anthropologen wohl  besser beurteilen.

Zumindest macht dieser Gedanke es mir verständlich, warum die Toleranz gegenüber Andersdenkenden so schwer zu kultivieren ist.  Jede Konfrontation mit einer anderen “Wahrheit” stört unser Gefühl der Geborgenheit.  Warum wollen wir zum Frühstück die Zeitung lesen, die unsere Meinung am besten wiedergibt?   Warum sind diejenigen unsere Freunde, mit denen wir über viele Dinge dieser Welt einer Meinung sind? Natürlich braucht jeder und jede solch eine Heimat, in der viele Dinge und Ansichten selbstverständlich sind und nicht mehr hinterfragt werden, und in der man sich immer wieder seiner Ansichten vergewissern kann.

Aber nicht nur angenehme Gefühle sollen uns den Weg zur “Wahrheit” weisen können, sondern auch höchst unangenehme. Ein beliebter “Gottesbeweis” dieser Art geht so: Man stelle sich vor, dass man in einem Flugzeug sitzt und erfährt, dass ein Absturz nicht mehr zu vermeiden ist. Was tut und denkt man dann im Angesicht des sicheren Todes?  Ein gängige Behauptung ist, dass dann der Anteil der Atheisten wohl auf einmal drastisch geringer sei als in der restlichen Bevölkerung.  “Not hilft beten” heißt es im Volksmund und das entspricht sicher auch der Erfahrung unserer Vorfahren.

Mir erschließt sich allerdings überhaupt nicht, wieso in Situationen höchster Not oder höchster Glückseligkeit die “Wahrheit” klarer vor unsere Augen treten soll. Es scheint mir eher umgekehrt zu sein. Ich betrachte eine solche Korrelationen von Gefühlen mit Erkenntnisinhalten als einen emotionalistischen Fehlschluss, analog zum naturalistischen Fehlschluss, bei dem man vom Sein aufs Sollen schließt, oder dem moralistischen Fehlschluss, bei dem man sich umgekehrt eine Vorstellung vom Sein zurecht legt, um ein  gewünschtes “Sollen” begründen zu können.

Wahrheit und Moral

Aber diese Verbindung von Gefühlen mit dem Zugang zur “wahren” Einsichten ist noch vergleichsweise harmlos, solange sie nicht Ausgangspunkt zu einer Missionierung “Andersfühlender”  wird.  Es gibt eine andere Korrelation, die oft heraufbeschworen wird und im Streit der Meinungen immer wieder zur Herabsetzung Andersdenkender dient.  Es ist die Verknüpfung eigener Überzeugungen mit einer Moral:  Wer nicht meine “Wahrheit” akzeptiert, ist auch moralisch ein schlechterer Mensch.  “Wenn es keinen Gott gibt, ist dann alles erlaubt?”  fragte Fjodor Dostojewski.  Der Mensch braucht danach eine höhere Instanz, um ein moralisches Wesen zu sein.  “Ohne Religion keine Moral”, so dachten früher viele.  Die Geschichte der Gegen-Aufklärung ist voll von Argumenten solcher Art und auch heute noch wird diese Meinung von vielen Religiösen vertreten.  Als der Soziologe Hans Joas empirisch überprüft hatte, ob es in säkularisierten Gesellschaften einen Verfall der Moral gibt (Joas, 2012), und in einem Interview mit Radio Vatikan seine Schlussfolgerung  formulierte: “Nein, dieser Verfall tritt so nicht ein. Es gibt andere Quellen der Moral als die Religion”, wurde im entgegen gehalten:  “Benedikt XVI. dürfte da etwas anderer Überzeugung sein; er knüpft die Vernünftigkeit einer Gesellschaft fest an das Christentum, eine Gesellschaft ohne christliche Grundlegung läuft für ihn moralisch ins Nichts”  (Laudetur Jesus Christus, Radio Vatikan Blog, 2012).

So diskriminierend und direkt wird es allerdings selten artikuliert. Meistens geht man subtiler vor:  Die Verknüpfung von “Wahrheit” und Moral  lässt man unter dem Namen eines -ismus geschehen: Den Materialismus gibt es als philosophische Richtung, aber auch als vulgäre Form, in der er für die Fixierung auf materielle Güter steht.  Liberalismus gibt es als politische Einstellung, wird aber im Volksmund auch als moralische Indifferenz angesehen, was eher als Libertinismus zu bezeichnen ist. Jedoch, selbst für den, der den Unterschied kennt, scheint der Weg von einem zum anderen nicht weit zu sein. Materialisten und Liberale kann man nun bekämpfen, indem man die Unterschiede zwischen den beiden Ausprägungen verwischt.  Dann ist ein Materialist immer auch jemand, der die materiellen Güter vergöttert und ein Liberaler steht auch schnell im Verdacht, einen laxen Lebenswandel zu führen.

In heutiger Zeit sind  “-ismen”  aller Art in die Schlagzeilen geraten, insbesondere als im Frühjahr 2013 der Papst Benedikt zurück trat. Man rühmte ihn in gewissen Kreisen dafür, dass er so beherzt gegen Relativismus gekämpft haben soll.  Auch dieser  ist eine ernst zu nehmende philosophische Denkrichtung und da mir diese als Naturwissenschaftler nicht sehr fern steht, wenn ich ihr auch in allen Facetten letzten Endes nicht folgen kann, habe ich mich für die Argumente in diesem “Kampf” interessiert.  Da immer wieder auf die Predigt des Kardinals Joseph Ratzinger hingewiesen wurde, die er in der Messe für das Kardinalskollegium vor der Wahl eines neuen Papstes im Jahre 2005 gehalten hat, habe ich mir diese einmal angeschaut.  Da hört sich das u.a. so an (Ratzinger, 2005):

“Wie viele Glaubensmeinungen haben wir in diesen letzten Jahrzehnten kennengelernt, wie viele ideologische Strömungen, wie viele Denkweisen […]. Das kleine Boot des Denkens vieler Christen ist nicht selten von diesen Wogen zum Schwanken gebracht, von einem Extrem ins andere geworfen worden: vom Marxismus zum Liberalismus bis hin zum Libertinismus; vom Kollektivismus zum radikalen Individualismus; vom Atheismus zu einem vagen religiösen Mystizismus; vom Agnostizismus zum Synkretismus, und so weiter. […] Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, das sich »vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin-und-hertreiben-lassen«, als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint. Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten läßt.”

Da ist sie, die Verknüpfung von Wahrheit und Moral – besser gesagt, von Unwahrheit in Form von Relativismus und von Unmoral.  Aber hören wir weiter zu:

“Wir haben jedoch ein anderes Maß: den Sohn Gottes, den wahren Menschen. Er ist das Maß des wahren Humanismus. »Erwachsen« ist nicht ein Glaube, der den Wellen der Mode und der letzten Neuheit folgt; erwachsen und reif ist ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt ist. Diese Freundschaft macht uns offen gegenüber allem, was gut ist und uns das Kriterium an die Hand gibt, um zwischen wahr und falsch, zwischen Trug und Wahrheit zu unterscheiden. ”

Und hier haben wir gleich danach die Verknüpfung von Geborgenheit und Wahrheit.

Dass man als Hüter eines religiösen Glaubens kein Freund des erkenntnistheoretischen Relativismus ist, muss man aus Konsistenzgründen wohl akzeptieren. Aber muss man den philosophischen Relativismus als ein »vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin-und-hertreiben-lassen« verächtlich machen  und dieses Treiben-lassen dann auch noch auf die moralische Ebene übertragen?

Und sollte der Relativismus wirklich eine Diktatur sein – dann wäre sie mir lieber als eine Diktatur der “Wahrheit”.  Der italienische Philosoph Gianni Vattimo  hat das auf den Punkt gebracht:  “Ich  kenne viele Blutbäder, die von Menschen verübt wurden, die glaubten, die Wahrheit zu besitzen, aber ich habe noch nie von Blutbädern gehört, die von fanatischen Relativisten verübt worden wären.”

 

Literatur:

Joas, Hans, 2012, Glaube als Option: Zukunftsmöglichkeiten des Christentums, Herder-Verlag

Laudetur Jesus Christus, Radio Vatikan Blog, 2012: Das Christentum globaler denken,  Interview mit Hans Joas, 19.Juni 2012:  http://blog.radiovatikan.de/%E2%80%9Edas-christentum-globaler-denken/

Ratzinger, Joseph, 2005: Predigt von Joseph Kardinal Ratzinger in der Messe “Zur Wahl des Papstes”, siehe z.B.:
http://www.zenit.org/de/articles/predigt-von-joseph-kardinal-ratzinger-in-der-messe-zur-wahl-des-papstes

 

 

Veröffentlicht von

Josef Honerkamp war mehr als 30 Jahre als Professor für Theoretische Physik tätig, zunächst an der Universität Bonn, dann viele Jahre an der Universität Freiburg. Er hat er auf den Gebieten Quantenfeldtheorie, Statistische Mechanik und Stochastische Dynamische Systeme gearbeitet und ist Autor mehrerer Lehrbücher sowie des Sachbuchs: "Die Entdeckung des Unvorstellbaren". Nach seiner Emeritierung im Jahre 2006 möchte er sich noch mehr dem interdisziplinären Gespräch widmen. Er interessiert sich insbesondere für das jeweilige Selbstverständnis einer Wissenschaft, für ihre Methoden sowie für ihre grundsätzlichen Ausgangspunkte und Fragestellungen und kann berichten, zu welchen Ansichten ein Physiker angesichts der Entwicklung seines Faches gelangt. In seiner "Freizeit" versucht er, im klassischen Stil zu komponieren und seine Kompositionen auch mit Hilfe moderner Software zu produzieren. Insgesamt versteht er sich heute als Physiker und "wirklich freier Schriftsteller und Tonsetzer".

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  1. Aus Papst Benedikts Abwehr gegen Zeitgeist, Zeitströmungen und Relativismus kann man unschwer die Lebenslage herauslesen, in der er sich zu befinden meint: Er empfindet sich selber zusammen mit der von ihm vertretenen Kirche als Fels in der Brandung, als jemand der die ewige Wahrheit verteidigt gegenüber den sich überschlagenden Moden und Irrwegen. Doch aus der Art wie er das vorträgt, aus der Litanei, die er aufzählt, lässt sich herauslesen, dass er selbst gar nicht so felsenfest verankert ist. Sonst würde er nicht eine Verteidigungshaltung einnehmen und die Moral für sich und seine Lehrmeinung beanspruchen. Zwar bezieht er sich in der Aussage ” erwachsen und reif ist ein Glaube, der tief in der Freundschaft mit Christus verwurzelt ist” vermeintlich auf eine Person und nicht auf eine Ideologie. Doch ist es nicht eine Anmassung zu behaupten, die Freunschaft mit Christus gebe ihm (Zitat)*das Kriterium an die Hand , um zwischen wahr und falsch, zwischen Trug und Wahrheit zu unterscheiden” . Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Aussage, er spreche im Namen Jesus und was er sage sei nicht anzweifelbar.

    Im übrigen ist die Verbindung von Wahrheit, Gefühl und Moral etwas was uns überall dort begegnet, wo es um tiefe Überzeugungen geht, um grundlegende Haltungen gegenüber der Welt, wo nicht selten Gut von Böse geschieden wird, im Sinne von “Wer nicht meine “Wahrheit” akzeptiert, ist auch moralisch ein schlechterer Mensch.”

    Ich behaupte, sogar auf scilogs trifft man gerade bei einigen Blogautoren immer wieder auf genau diese Polarisierung, wo anderen -ismen unterschoben werden um sie zu disqualifizieren. Wie oft wurde hier schon über Reduktionismus und Naturalismus oder einfach den Scientismus hergezogen. (Anmerkung: nicht im Blog “Natur der Naturwissenschaften”), wobei diese Begriffe deutlich abwertend gemeint und zudem mit der Unterstellung verbunden waren, solcherart disqualifizierte Leute hätten keine richtige Seele mehr in der Brust. Und nicht selten war genau die gleiche Verteidigungshaltung gegenüber dem Zeitgeist herauszulesen, wie wir sie auch bei Papst Benedikts Aussagen finden.

  2. Jede neue Erfahrung, die wir machen, aktiviert zunächst vergleichbare eigene Erfahrungen aus unserem Gedächtnis – und die zugehörigen Handlungsmöglichkeiten. Auf diese Weise können wir auf ein aktuelles Erlebnis möglichst schnell reagieren. Dies ist eine effektive Überlebensstrategie. Neuere Forschungen zeigen, dass ein eingehender Reiz gleichzeitig in zwei unterschiedlichen bereichen des Cortex weiterbearbeitet wird (DOI: 10.1126/science.1236425 Deep Cortical Layers are activated directly by Thalamus): ein Vergleichsvorgang.
    Dies ist ein Grund, wieso wir Bekanntes schätzen – es ist uns vertraut; d.h. leicht/schnell zugänglich.

    Und in dieser Arbeitsweise ist auch die Ursache von Vorurteilen und mangelnder Toleranz gegenüber Andersdenkenden/Anderslebenden erkennbar: Wir re-aktivieren immer nur eigene Erfahrungen, d.h. wir haben kein Verständnis für Unbekanntes.
    Toleranz setzt voraus, dass wir Erfahrungen machen, in denen wir andere Standpunkte kennenlernen

  3. Ratzingers abstruse Haltung zum Verhältnis von Glaube und Vernunft und auch zur Naturwissenschaft wird analysiert und kritisiert in den Büchern:
    Hans Albert: Joseph Ratzingers Rettung des Christentums, Alibri Verlag, 2008
    und
    Thomas Rießinger: Joseph Ratzinger – Ein brillanter Denker? LIT Verlag, 2013

  4. Ich denke auch nicht, dass in Situationen der Not oder Glückseligkeit plötzlich eine Erkenntnis gibt. Ich kann mir auch nicht einmal vorstellen, wie das gedanklich aussehen soll, vielleicht “Lieber Gott, wenn du doch da oben bist, dann rette mich jetzt” oderso? Ich denke das hat mit Erkenntnis oder Erleuchtung nichts zu tun. Es wäre möglich, dass ein Mensch, der in einer solchen Situation tatsächlich überlebt, dann praktisch aus “Dankbarkeit” anfängt sich mit theoretischen Dingen zu beschäftigen.

    Wenn man von der “Wahrheit” spricht, so spricht man meines Erachtens von einer Struktur. Und zwar die größtmögliche Struktur, aus der man trotzdem noch (alle?) Dinge des Lebens ableiten kann. Ich denke um eine Struktur zu erkennen (ob das dann wirklich die richtige ist, ist dahingestellt), braucht es eine gewisse Phase des Nachdenkens oder Sinnirens. Auch braucht man hierzu notwendig logische Schlussfolgerungen, weil sich so etwas nur durch logisch und abstraktes Denken abwechselnd erschließen lässt. Das ist eine Eigenschaft dieser “Wahrheit”.

    Ein Blick in die Geschichte verrät vieles: So scheinen sich Zeiten des vorwiegend logischen Denkens sowie Zeiten des mystischen Denkens abzuwechseln (Eine weitere Entwicklung zur Bestätigung bleibt abzuwarten). Ich sehe diese Abwechslung als Grund für die Weiterentwicklung der Menschheit im technischen sowie auch im moralischen Sinn (Übrigens meiner Meinung nach auch Inhalt von 2001 – Space Odyssey. Ein bekanntes Thema in der Philosophie). Man braucht immer eine vorhergehende, korrelierende Überlegung der gegenteiligen Denkweise um sich in der anderen Denkweise weiterzuentwickeln. Das ist in der Kunst oder Musik ebenso, um diese zu “verstehen” muss man sich damit eine gewisse Zeit auseinandersetzen. Danach erkennt man ihre “Struktur” im besten Fall intuitiv. Man sieht sich ein Bild an und “versteht” worum es dabei geht.

    Ich denke es ist tatsächlich ein Wiedererkennen. So etwas wie das Gefühl, etwas verstanden zu haben und dieses Wissen nun anwenden zu können, das Glücksgefühle oder Geborgenheit auslöst. Vielleicht auch weil es Sicherheit vermittelt, da es Dinge vorhersagbar macht. Vielleicht gemischt mit einer Art Ästhetik und eigenem Geschmack und Empfinden.

  5. Mir erschließt sich allerdings überhaupt nicht, wieso in Situationen höchster Not oder höchster Glückseligkeit die “Wahrheit” klarer vor unsere Augen treten soll. Es scheint mir eher umgekehrt zu sein.

    Je größer die Not, desto mehr wird gebetet, loge! – Schadet ja auch nicht, wenn der individuelle Geist weiterhin klar bleibt und sich so sozial bündeln lässt, wenn sich sinnvoll so sozial bündeln lässt.

    Und sollte der Relativismus wirklich eine Diktatur sein – dann wäre sie mir lieber als eine Diktatur der “Wahrheit”.

    Der Werte-Relativismus, der auf dem Vormarsch ist, von “Multikulti” auch benötigt wird, letztlich als Verhausschweinung der Einzelnen, ist als Diktatur für eine Gesellschaft tödlich, nicht dagegen notwendigerweise die “Glaubens-Diktatur”.

    HTH
    Dr. W (der ansonsten natürlich breit zustimmt, allerdings für sich diese Thematik schon lange abgehakt hat, von den Nuancen einmal abgesehen)

    • Der Werte-Relativismus, der auf dem Vormarsch ist […]

      Ich finde Menschen seltsam, die ein Bekenntnis zu Werten einfordern, ohne diese konkret zu benennen. Fordern Sie im wirklichen Leben auch Blankovollmachten von anderen oder stellen Sie diese aus? Nennen Sie doch mal eine Handvoll Werte, zu denen Sie mich auffordern, dass ich mich zu ihnen bekenne.

      Zum Vormarsch: Bitte nicht Werte von der Art “Ausgeliehene Bücher gibt man unaufgefordert nach dem Lesen wieder zurück.”! Zu diesem Wert hat Ludwig Trepl ja bereits festgestellt, dass sein Relativismus nicht auf dem Vormasch ist, sondern das dieser Wert immer noch nicht gilt.

  6. Aber muss man den philosophischen Relativismus als ein »vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin-und-hertreiben-lassen« verächtlich machen und dieses Treiben-lassen dann auch noch auf die moralische Ebene übertragen?

    “Muss man.” – Wobei Denkgebäude wie bspw. der Sozialismus und der Liberalismus nicht gemeint waren, vom Ex-Papst, sondern eben die modische ständige Relativierung jeder nicht-relativistischen Position.

    MFG
    Dr. W (der den Philosophischen Relativismus im Neomarxismus vorzufinden meint)

    • Der Relativismus entwickelte sich offenbar unter dem Eindruck der Kulturvielfalt und der geschichtlichen Bedingtheit der meisten Positionen, ja sogar der Condition humana, da der Mensch ebenfalls ein Produkt der Geschichte ist, nämlich der biologischen Geschichte. Nach Wikipedia:

      Der neuzeitliche Relativismus entwickelte sich insbesondere seit dem 18. Jahrhundert. Beeindruckt von der Entdeckung und Erkundung neuer Kontinente und der wachsenden Anzahl von Reiseberichten aus fernen Ländern entwickelten Gelehrte wie beispielsweise Herder, Humboldt oder Hamann in kritischer Distanz zum universalistischen Vernunftbegriff der Aufklärung Ansätze zu Sprach-, Kultur- und Rationalitätstheorien mit relativistischen Implikationen. Der Siegeszug der neuzeitlichen Wissenschaften schuf die weltanschaulichen Voraussetzungen für das Aufkommen einer Vielzahl relativistischer Theorien im Verlauf des 19. Jahrhunderts. So ging etwa der geschichtswissenschaftliche Historismus von der historischen Bedingtheit aller menschlichen Lebensäußerungen aus, während Biologismus und Psychologismus die relativistische Ansicht nahelegten, dass menschliches Denken und Verhalten nur mehr als Ausdruck der biologischen beziehungsweise psychischen Konstitution des Menschen zu verstehen seien, womit auch das Naturrecht auf eine relativistische Grundlage gestellt wurde.

      Das ist also eine Gegenposition zum Eurozentrismus gerade während der Zeit, der Zeit der Aufklärung nämlich, wo zum Mass aller Dinge der Vernunftsbegriff des Abendlands gemacht wurde. Ein ethischer Relativisimus ist natürlich auch problematisch, bedeutet er doch beispielsweise, dass Menschenrechte nicht unversal sind, sondern nur in einer bestimmten Kultur Gültigkeit haben. Faktisch ist das aber so. Das zeigt gerade auch die Gegenwart: Unser Menschernrechtsbegriff lässt sich trotz UNO nur schwer auf die ganze Welt ausdehnen.
      Ein Relativismus, der einfach die herrschenden Verhältnisse unangetastet lassen will, ist aber sicher fragwürdig. Andererseits kann man nicht einfach über die Meinungen und Einstellungen Menschen anderer Kulturen hinweggehen nur um universelle Werte durchzusetzen.

      Fazit: Ein allzu absoluter Relativismus ist selbst fragwürdig, vielleicht sogar in sich widersprüchlich. Ein Universalimus, der die Realität, die vorherrschenden Verhältnisse ignoriert, ist aber ebenfalls problematisch und potenziell gewaltätig.

      • Man kann sich wohl darauf einigen, dass der Relativismus, der in seiner modischen Form im “Westen” meist neomarxistischer Bauart ist, sittlich so eingeordnet werden darf, wie es der Ex-Papst tat.
        Die Frage, wie und ob die Ideen und Werte der Aufklärung durchzusetzen sind, bleibt natürlich “spannend”.
        MFG
        Dr. W

        • Ein Zusammenhang zwischen Neomarxismus und Relativismus gibt es vor allem für Ratzinger. Er ist nämlich ein früher Gegner der Frankfurter Schule (Neomarxismus) und auch von mit der Frankfurter Schule assoziierten Philosophen wie Jürgen Harbermas. Diese Leute waren Ratzinger schon immer ein Dorn im Auge. Habermas steht f¨ür (Zitat)” die praktische Vernunft eines nachmetaphysischen, säkularen Denkens, Ratzinger für die jeder rationalen, gemeinschaftlichen Festsetzung vorausliegende Wirklichkeit des Menschen als eines Geschöpfes Gottes. “
          Ratzinger geht also von absoluten, vom Menschen unabhägngigen Werten aus, die nicht durch eine demokratische Mehrheit oder einen Konsensus in einer Gesellschaft bestimmt werden können. Zitat: “Die Geschichte zeigt, dass auch Mehrheiten blind und ungerecht sein können. Kann man noch von Gerechtigkeit und Recht sprechen, wenn eine Mehrheit eine Minderheit unterdrückt? Hier taucht die Frage auf, ob es das gibt, „was seinem Wesen nach unverrückbar Recht
          ist, das jeder Mehrheitsentscheidung vorausgeht und von ihr respektiert werden muss“ … Es gibt also „in sich stehende Werte, die aus dem Wesen des Menschseins folgen und deshalb für alle Menschen unantastbar sind. Diese Evidenz ist heute jedoch keineswegs in allen Kulturen anerkannt. “

          Das ist eine deutliche Positionierung gegen einen ethischen Relativisimus. Prinzipiell kann ich dem zustimmen, doch es kommt eben gerade darauf an, wie man die universalen Werte “durchsetzt”.
          Jürgen Habermas dagegen denkt mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns viel stärker prozesshaft. Unsere gesellschaftliche Wirklichkeit ist nach Habermas ein fortdauernder Prozess der durch freie Kommunikation geprägt ist. Und dieser Prozess ist ein säkularer Prozess, in dem religiöse Glaubensbekenntnisse eine untergeordneten Rolle spielen. Zitat: “Eine Philosophie, die sich ihrer Fehlbarkeit und ihrer fragilen Stellung innerhalb des differenzierten Gehäuses der modernen Gesellschaft bewusst ist, besteht auf der generischen, aber keineswegs pejorativ gemeinten Unterscheidung zwischen der säkularen, ihrem Anspruch nach allgemein zugänglichen Rede und der religiösen, von Offenbarungswahrheiten
          abhängigen Rede.”

          • Habermas hat sich dankenswerterweise von wichtigen Ideen der Frankfurter Schule gelöst und sich in der Diskurstheorie sozusagen aufgelöst.
            Ältere oder andere Schriften jener Schule betonten aber das Relativistische und die Zersetzung.
            MFG
            Dr. W (der jedem dieser “großen” Denkgebäude einen Glaubensentscheid vorschiebt, was aber auch nicht schlimm ist, also diese Zuschreibung >:->)

  7. “und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten läßt.” (Ratzinger)

    Kommt darauf an, was man unter dem “Ich” und seinen “Gelüsten” versteht. Das “Ich” könnte auch der “Eigner” sein, zu dem der Einzelne erst werden muß. “Werde, der du bist!” Dieser “Eigner” könnte mit dem identisch sein, welches als “Christus” interpretiert werden kann. Auf diesem Wege kann es gefährlich werden, denn so mancher ist dabei dem Größenwahn anheim gefallen. “Gott” spielt dann in Form einer Psychohygiene eine Rolle, eine angenommene Instanz, die größer ist, das eigene “Ich” vor Selbstüberschätzung bewahrt:

    “denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht soll König über sie sein.”

    So gesehen ist in “Gott” mehr Freiheit, denn es ist eine Instanz im Menschen selbst. Geht man dieser Instanz verlustig, so besteht entweder die Gefahr der Selbstüberschätzung oder man wird, da orientierungslos, zum Schaf einer Herde, die nach einem Hirten schreit. So oder so ähnlich kann Mensch auch die Bibel lesen.

  8. Der italienische Philosoph Gianni Vattimo hat das auf den Punkt gebracht: “Ich kenne viele Blutbäder, die von Menschen verübt wurden, die glaubten, die Wahrheit zu besitzen, aber ich habe noch nie von Blutbädern gehört, die von fanatischen Relativisten verübt worden wären.”

    Der Relativist schaut halt weg, wenn gemordet wird, das ist seine Wesensart. Beispiele können beigebracht werden.

    • Wäre das Wegschauen, wenn gemordet wird, tatsächlich eine Wesensart, des Relativisten, wäre die Mehrheit der Christen Relativisten. Kriege zwischen Christen interessiert die Christen die weit genug weg sein auch nicht mehr als Menschen mit anderen Weltbildern.

        • Bei einem Krieg zwischen Christen mischen sich nicht alle Christen sofort ein um den Krieg zu beenden, bei großen und lang andauernden Konflikten wie dem hundertjährigen Krieg, ist eine fehlende Wahrnehmung des Konflikts ausgeschlossen. Da auch immer Unschuldige unter einem solchen Krieg leiden, kann auch eine neutrale Haltung, mit Verweis auf Chancengleichheit nicht begründet werden. Die Datenlage zeigt nicht das bei Kriegen zwischen Christen, die Mehrheit der anderen Christen sich um Vermittlung bemüht hat oder gar eingegriffen hat, das gilt für die persönlicher als auch institutionelle Ebene. Oder welche Quellen belegen das z.B. der hundertjährige Krieg zu einer Einmischung von Schweden, Polen und Griechen geführt hätte? Haben im ersten Weltkrieg die Südamerikaner vermittelt um den Krieg zu beenden? Von beiden Kriegen ist nicht bekannt das sie eine große Ausnahme in Bezug auf das christliche Engagement gegen Krieg gewesen sind.

          Bezüge zur Datenlage werden sie auf der Ebene des Klangs nur unzureichend finden, da für ist sie viel zur ungenau.

  9. Joker @Dr. Webbaer

    “Aber muss man den philosophischen Relativismus als ein »vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin-und-hertreiben-lassen« verächtlich machen und dieses Treiben-lassen dann auch noch auf die moralische Ebene übertragen?” (Josef Honerkamp)

    “Muss man.” (Dr. Webbaer)

    Dann muss man am Ende vielleicht sich selbst verachten. Wenn man bedenkt, wie unterschiedlich die Bibel im Laufe der Zeit ausgelegt wurde, abhängig von Interpreten und Kontext, so scheint dies den Relativismus doch letztlich zu bestätigen. Und ist nicht auch “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst” nur eine relativistische Formel?

    • Und ist nicht auch “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst” nur eine relativistische Formel?

      Nun, es war sicherlich ein Gag, aber es darf vielleicht noch angemerkt werden, dass so das Deeskalationsprinzip gekapselt worden ist.
      Damit’s auch jeder versteht.
      >:->

      MFG
      Dr. W

      • Joker @Dr. Webbaer

        Durchaus kein Gag. Man muss das Ganze aber selbstverständlich noch etwas relativieren:
        http://philosophisches-experiment.com/wie-tief-ist-relativ/
        (Ca. bei Min. 18:30)

        Sie scheinen den philosophischen Relativismus doch arg in eine Ecke zu drängen, ihm dabei nicht gerecht werdend, wenn sie ihn in erster Linie bei Neomarxisten verorten. Solche Simplifizierungen sollten wir getrost dem (Ex-)Papst überlassen, schon aus moralischen Gesichtspunkten. Sie dienen nicht zur Findung der Wahrheit, um die es uns hier doch geht, oder?

        Es scheint mir weniger eine Mode, als ein Gebot der Vernunft zu sein, Werte vom Sockel des Absoluten zu stoßen und sie in Kontexte einzubetten. Das ist zumindest mein Gefühl. Gut gebettet können Sie dann dort, in ihren jeweiligen Kontexten, auch manch steife Brise überstehen. Und der Relativismus hält dem lauen Lüftchen der Papst-Kritik sowieso stand.

        • Schwierig, ihr Kommentatorenfreund erinnert sich hauptsächlich an Sie, weil Sie seinerzeit bei dieser Problemstellung:
          -> https://scilogs.spektrum.de/graue-substanz/und-taeglich-gruebelt-dornroeschen/

          …dem Webbaeren bei der Lösungsfindung hilfreich zur Hand waren.

          Ansonsten gilt es schon den Philosophischen Relativismus als Dekonstruktion und anschließendem Wiederaufbau, regelmäßíg im neomarxistischen Sinne, bei von Neomarxisten frei gewählter Granularität (das Fachwort, wichtich zu verstehen) , anzunehmen.
          Wobei der Schreiber dieser Zeilen sozusagen konstruktiv ist, auch liberal, und abweichend von den genannten Kräften der Systemgranularität angemessen versucht aufzustellen, gerade auch sittlich.

          Äh, wo war stehen geblieben, ach ja: Also der emeritierte Papst arbeitet bewusst mit Setzungen, mit christlichen Setzungen, erwartet auch einen diesbezüglichen Glaubensentscheid, und wahrt die Kohärenz, ganz im Gegensatz zu den relativistischen Kräften, die bspw. nicht mehr das biologische Geschlecht anzuerkennen vermögen, eben wg. der willkürlich gewählten Systemgranularität.

          Wichtich also in einer sozusagen konstruierten Welt sinnhafte Setzungen zu finden.

          MFG
          Dr. W

  10. “Der Relativist schaut halt weg, wenn gemordet wird, das ist seine Wesensart. Beispiele können beigebracht werden.”

    Viele schauen weg, wenn gemordet wird, nicht nur Relativisten und es gibt viele verschiedene Gründe dafür. Beispiele können beigebracht werden.

    Vor allem schaut man weg, wenn die Untaten von der eigenen “Glaubensrichtung” ausgehen. Die Kirche hat jahrzehntelang dem Kindermissbrauch in den eigenen Reihen geleugnet und vertuscht. Sehr christlich oder sehr relativistisch?
    Dies Verhalten lässt sich vielmehr mit ganz simplen, menschlichen Verhalten erklären.
    Eine Gruppe nimmt ihre Mitglieder in Schutz, passt auf ihre “weiße Weste” in der Öffentlichkeit auf, kämpft gegen Nestbeschmutzer, schließt sich zusammen gegen Kritik von Außen, stärkt den Korpsgeist, achtet auf den Erhalt ihrer eigenen Machtinteressen.

    Begriffe wie “Relativist”, “Materialist” etc. sind so allgemein und unpräzise, um alles drunter zu packen und abzustempeln, was einem nicht passt. Einen besonderen Erkenntnisgewinn gewähren sie so allgemein gebraucht nicht.

    Ansonsten:
    Ein sehr guter Artikel von Herrn Honerkamp, vielen Dank.

    • Der philosophische Relativismus ist ja keine Größe, die beliebig ausgelegt werden kann; mit dem strammen Neomarxismus, der die Arbeiter- und Bauernschaft als revolutionsauslösend aufgegeben hat und sich den Gebildeten vorknöpfte, der durch die (philosophisch aus Sicht des Konstruktivisten natürlich: richtige) Dekonstruktion irritiert werden konnte, hat sich eine politische Richtung gefunden, die heute politisch sehr wirksam ist.

  11. Es ist wirklich fatal, dass die ur-katholische Lehre vom Gewissen – und von der unantastbaren Würde selbst des irrenden Gewissens – auch von führenden katholischen Theologen wie Ratzinger nicht mehr in aller Radikalität gedacht und dann auch nicht praktiziert wird.

    Die Vorstellung, dass jeder Mensch im Kern seines Wesens ein Wahrheitssucher ist und seinem Wesen deswegen insofern gerecht wird, wie er nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit strebt, ist ein wunderbare Basis für Toleranz und Respekt unter uns allesamt Andersdenkenden. Ich sehe in der uneingeschränkten Aneignung dieser Lehre auch die einzige Möglichkeit eines radikalen und zugleich nicht fundamentalistischen Christentums: der christliche Glaube ist radikal in seiner Suche nach Wahrheit; für Thomas von Aquin war Wahrheitssuche der eine und vollständige Vollzug dieses Glaubens …

    William Hoye schreibt in einem seiner Bücher, dass Dostojewski auf die Frage “Christus oder die Wahrheit?” mit “Christus” antwortet. Diese Antwort wäre für Thomas von Aquin undenkbar gewesen: Jede Person ist ihrem Gewissen als letzter Instanz der Wahrheitssuche verpflichtet. Das Gewissen ist christlich gleichsam der Ort, wo sich Gott dem Einzelnen offenbart.

    (Man muss bitte sofort mithören, dass die Verpflichtung auf das Gewissen nur im Kontext einer ernsthaften Bemühung um Schulung der eigenen Urteilsfähigkeit sinnvoll und vernünftig sein kann.)

    Interessanterweise teilten auch die Aufklärer – Kant etc. – nicht die Lehre des Aquinaten von der unantastbaren Würde selbst des irrenden Gewissens. Ein irrendes Gewissen war für sie ein Unding.

    @Honerkamp: Ich teile Ihre Einschätzungen umfassend. Von einer persönlichen Begegnung her weiß ich allerdings, dass der emeritierte Papst jedem Menschen mit größter Hochachtung und Bescheidenheit begegnete. In der Sache ist er aber radikal – und unterschätzt wohl manches Mal die Wahrheitsbemühungen Anders- und Nichtgläubiger.

    • Die Vorstellung, dass jeder Mensch im Kern seines Wesens ein Wahrheitssucher ist und seinem Wesen deswegen insofern gerecht wird, wie er nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit strebt, ist ein wunderbare Basis für Toleranz und Respekt unter uns allesamt Andersdenkenden. Ich sehe in der uneingeschränkten Aneignung dieser Lehre (…)

      Aus aufklärerischer Sicht kann hier nicht zugestimmt werden. Die ‘Wahrheit’ ist ein Konzept, das nicht breit geteilt wird, historisch lange unbeachtet blieb; schon die Konstruktivisten sehen die “Wahrheit”, wenn überhaupt, nur in der Methode.
      MFG
      Dr. W (der aber keine besondere Lust hat Ratzinger hier zu verteidigen)

      • Ich betone noch einmal: Wahrheits-SUCHE. Wer sich bereits im Besitz der Wahrheit glaubt, sucht nicht mehr. Da aber – christlich – Gott die Wahrheit ist (er ist ja die Wirklichkeit selbst) – hat niemand die Wahrheit für sich gepachtet, nicht mal Ratzinger. Viele “Wahrheiten” des Glaubens laufen darauf hinaus, Vorstellungen, welche die Wahrheit “dingfest” machen und in ihren Besitz (sprich: auf einen einzigen Begriff) bringen wollen, zurückzuweisen, um die Wahrheitssuche offen zu halten.

        • Warum soll etwas gesucht werden, dass in der Natur nicht gefunden werden kann? – Sie suchen ja dort bspw. auch nicht mit wissenschaftlichem Anspruch die Schönheit.

          Tatsächlich geht es also um die Erkenntnis, es soll möglichst viel möglichst genau erkannt werden; es ist nicht so, dass Ihr Kommentatorenfreund dem Relativismus das Wort redet. Abär aus der skeptizistisch-konstruktivistischen Position heraus, die n:m-Beziehungen zwischen Erkenntnissubjekten und Theoretisiererung (“Erkenntnis”) verwaltet, kann genau verstanden werden, was der zeitgenössische und an anderer Stelle beschriebene Relativist tut.


          BTW, kürzlich hatte der Webbaer einen kleinen erfrischenden Austausch mit dem hiesigen Historiker. Und das Thema war: die (relative) historische Wahrheit.
          So richtig warm wurde man nicht bei diesem Thema.
          >:->

          MFG
          Dr. W

  12. Ob wir die Wahrheit erkennen können, können wir nicht wissen. Moral ist relativ und das zeigt die Geschichte, kein Mensch weiß was passiert wäre hätte sich das Christentum nicht durchgesetzt sondern der Neoplatonismus (wobei der Neoplatonismus das Christentum beeinflusst hat).

  13. Liberalismus gibt es als politische Einstellung, wird aber im Volksmund auch als moralische Indifferenz angesehen, was eher als Libertinismus zu bezeichnen ist. Jedoch, selbst für den, der den Unterschied kennt, scheint der Weg von einem zum anderen nicht weit zu sein. Materialisten und Liberale kann man nun bekämpfen, indem man die Unterschiede zwischen den beiden Ausprägungen verwischt. Dann ist ein Materialist immer auch jemand, der die materiellen Güter vergöttert und ein Liberaler steht auch schnell im Verdacht, einen laxen Lebenswandel zu führen.

    Sollte der werte hiesige Inhalteträger liberal sein, so hat er in diesem Fall den Fehler gemacht anzunehmen, dass Liberalismus in Duldungsstarre enden muss, wenn auf andere Meinungsträger getroffen wird, was aber nicht der Fall ist.
    Der Liberale ist vom Materialisten in etwa so weit entfernt wie Jesus von Marx und es kann hier nur eine Hemmung vorliegen, wenn derart analysiert wird.
    Hier darf sich der derart Meinende prüfen.

    MFG
    Dr. W (der zum in D real existierenden Parteiliberalismus allerdings auch nicht viel einfällt außer: gut dasser weg ist, hoffentlich)

  14. Gratulation

    Dr. W (der aber keine besondere Lust hat Ratzinger hier zu verteidigen)”…na dann will ich das mal machen und damit auch den beiden Namensvettern anläßlich des Hochfestes des Hl. Joseph heute zum Namenstag gratulieren, bzw. Tauftag oder noch neutraler, zum Tag der Wiedergeburt “in Wasser und Geist” wie Jesus selber das Ereignis nennt.

    Und ich gratuliere beiden, auch wenn nicht anzunehmen ist, dass Prof. Josef Ratzinger/Papst em. Benedikt XVI, sich je auf diese Seite hier verlaufen wird und Prof. Josef Honerkamp wahrscheinlich nicht mehr viel mit dem Namenstag am Hut hat oder nie hatte.

    @ Prof. Honerkamp, ich halte aber für möglich, dass Sie getauft sind. Ich erinnere mich zwar, dass Sie das Wort “Geist” bewusst meiden, aber Ihrem scharfen Verstand darf man sicherlich einen neuen Zugang zur Quelle des Geistes wünschen, auch wenn Sie diese Möglichkeit zur Zeit – soweit ich Sie darin richtig einschätze – ausschließen. Umso größer wird für Sie im Ernstfall die Überraschung sein. 🙂

    Worin ich “Ratzinger hier [zu] verteidigen”möchte, ist in der Kürze eines Kommentars schwer zu erfassen. Möglicherweise meinen Sie auch oder es ist tatsächlich so, dass Sie Benedikt besser kennen, als ich und ich ihn falsch einschätze, aber ich versuch’s mal:

    Es fängt schon mit dem Titel an:
    “Wahrheit, Gefühl und Moral”
    Warum schreiben Sie nicht gleich:
    “Wahrheit, Gott und Moral” denn Sie setzen ja ganz offensichtlich Gefühl als Synonym für Gott ein, etwa “religiöses Gefühl”, ” Sensorium für spirituelle Gefühle” etc.

    Gott ist aber wahrlich kein Gefühl. Wenn man, wie Sie es ja von sich sagen, den Begriff Geist bewusst nicht verwendet, dann gut, aber dann kann man ihn doch nicht durch einen solchen ersetzen, der, wie eben der Begriff Gefühle, schon völlig anders belegt ist. Sie gehen ja auch nicht hin, wenn Sie Äpfel und Birnen als Nahrungsmittel vor sich haben und bezeichnen dann alles als Birnen, weil Sie den Apfel noch nie gegessen haben, also nicht kennen oder weil Sie ihn einfach nicht mögen.

    Gottes Realität ist nicht als Gefühl in uns. Er kann unsere Gefühle berühren, in Schwingung bringen, unsere Biochemie in Aktion versetzen, bewegen, aber er ist nicht das Gefühl, ist kein Synonym für das Gefühl.

    Auf dieser falschen Prämisse bauen Sie alle Ihre Schlussfolgerungen in dem Artikel auf, so schlüssig er in sich ist. Klar, Sie sehen Benedikt als einen theologischen Kollegen, den sie genauso wie jeden anderen unter die Lupe nehmen wollen. Das ist schon OK, aber dann sollte man sich doch in der ‘Materie’ auskennen. Sie kritisieren Benedikt, argumentieren aber an ihm vorbei.

    Diese kleine Konversation mit der Sie den Artikel beginnen:
    “Was für einen Naturwissenschaftler nur Schwingungen der Luft sind, bedeutet für uns doch tiefstes Erlebnis”, hieß es da, und der Gast fügte hinzu: “eines der schönsten Gottesbeweise”. Der Theologe nickte zustimmend. Ich zuckte innerlich zusammen, beruhigte mich aber schnell wieder. Ich kannte meinen theologischen Kollegen gut genug, um zu wissen, dass er Naturwissenschaftler nicht für so verbohrt hält, dass sie in der Regel kein Sensorium für spirituelle Gefühle haben”

    … steigt schon gleich mit dem ” Sensorium für spirituelle Gefühle” auf das falsche Gleis. Bei mir hätte sich angesichts der Formulierung “Gottesbeweis” sicher auch was geregt, aber da ich inzwischen weiß, dass bei älteren Theologen (und sicher auch manchen jüngeren noch)offenbar diese Art Gottesbeweis (Musik) noch aus der Zeit von lange vor den neuen Hirnfoschungserkenntnissen stammt, wäre ich, wie Ihr Kollege auch darüber hinweg gegangen. Und hätte wie er damit ganz sicher nicht für eine “billige Anerkennung [s]meines Glaubens” mein “Wissen über die Unmöglichkeit von Gottesbeweisen verleugnet”. Zumal Ihr Kollege, nach dem, wie Sie ihn in seiner Einstellung Ihnen gegenüber einschätzen, wissen konnte, dass Sie wissen, dass er darum weiß.

    Musik und Gotteserfahrung in ihrem Bezug zu den Gefühlen ist ein eigenes Kapitel, das hier jetzt zu weit führt. Wie Sie aber weiter unten ähnlich anmerken, wird Musikerfahrung oft irrtümlich mit Gotteserfahrung gleichgesetzt.  

    Aber Ihr theologischer Kollege als auch Glaubender hat in der Konversation den Gast, anders als Sie, trotz unzutreffender Worte im Kern seiner Aussage richtig verstehen können und deshalb genickt. Wie oft kommt es vor, dass wir Menschen uns trotz falscher Formulierungen ja sogar komplett falscher Aussagen einander dennoch richtig verstehen, weil wir intuitiv spüren was wirklich dahinter steckt. 

    Diese Intuition kann es zwischen einem Glaubenden und einem Nichtglaubenden nicht geben. Wenn einem das nicht beiderseits bewusst ist, redet man nur aneinander vorbei.

    ” Mich ärgerte nur, dass er all sein Wissen über die Unmöglichkeit von Gottesbeweisen (siehe z.B. Wikipedia: Gottesbeweis) für eine so billige Anerkennung seines Glaubens verleugnete.
    Mit Ihrem Vorwurf in Gestalt Ihres Ärgers tun Sie Ihrem Kollegen folglich Unrecht. Er hat seinem Gast auf einer Ebene beigepflichtet, die für Sie nicht existent ist. Die gleichsam unter Ihren Gefühlen begraben liegt.
    Unsere Gefühle sind ja nichts Selbständiges, Unabhängiges. Sie werden immer durch ein Ereignis in Bewegung gebracht. Sie brauchen quasi immer eine Art ‘Wirt’ der sie trägt oder auslöst und nehmen deshalb ohne Unterschied mit allem vorlieb. Und unser Verstand macht sich so seinen Reim darauf. Weshalb wir uns in den Gefühlen ja auch täuschen können. Das Ereignis kann ein von außen kommendes materielles sein, das unseren Geist bewegt oder ein inneres, direkt vom Geist bewegtes Ereignis sein, wobei der bewegende Geist auch ein Ungeist sein kann. Einmal mehr ein Grund, weshalb wir uns in den Gefühlen täuschen können und lernen müssen, die sie bewegenden Geister und Ereignisse zu unterscheiden.

    “Benedikt XVI. dürfte da etwas anderer Überzeugung sein; er knüpft die Vernünftigkeit einer Gesellschaft fest an das Christentum, eine Gesellschaft ohne christliche Grundlegung läuft für ihn moralisch ins Nichts.(…)So diskriminierend und direkt wird es allerdings selten artikuliert. “ 

    Dass wir Menschen durchaus unumstößliche, reale Dinge ausblenden können, wissen Sie sicher so gut wie ich. Wenn man den Begriff “diskriminieren” hier überhaupt dulden kann, dann nur so, dass jemand auf solch grundsätzlicher Ebene, wenn, dann nur sich selber diskriminieren kann.

    Benedikt diskriminiert mit Sicherheit keine Wissenschaftler, indem er seine Überzeugung kundtut, mit der er wie jeder, dem das Wohl aller am Herzen liegt und auch von vielen konkret anvertraut ist, Grundwahrheiten zu artikulieren versucht. Auch wenn das aktuell falsch wäre, so würde er damit niemanden diskriminieren, schon gar nicht bewusst.

    Mit diesem Zitat ist es, wie mit den Gefühlen. Selbst wenn Benedikt das selber so formuliert hätte, obwohl es hier ja ein Sprecher für ihn sagt, die Deutung, die Sie da hineinlesen, ist wie im obigen Zitat ähnlich vordergründig, eben von der Außenperspektive eines bewusst Nichtglaubenden, der sich selber ja den Zugang zu der Intuition, die die dahinter liegende Realität wahrzunehmen vermag, versperrt hat.

    Ein kleines Stückchen gehe ich noch weiter, aber den ganzen Artikel so durchforsten, reicht die Zeit heute nicht, wenn mein Glückwunsch noch auf den Weg kommen soll.

    “Damit kann vieles einhergehen, bei manchen eben auch das Gefühl, teilzuhaben an einer ewigen “Wahrheit”. 

    …..und wieder das Gefühl! Auch die ewige Wahrheit ist kein Gefühl.

    “Das mag den meisten bei genauem Hinsehen als absurd erscheinen, als eine maßlose Überschätzung der eigenen Gefühle, “

    …..und wieder das Gefühl! Eine Überschätzung der Gefühle wäre es wahrhaftig, wenn es tatsächlich nur um Gefühle ging.

    “…es hat aber geschichtliche Wurzeln. Im frühen Mittelalter herrschte die Vorstellung, dass “Gott, das ‘ewige Wort’, in jedem Denkenden gegenwärtig ist” und uns bei bestimmten Anlässen “erleuchten” kann (siehe z.B. Flasch, 1986).”

    wieso “Im frühen Mittelalter herrschte……” Das gilt immer noch, auch wenn so manche Gläubige sich diesbezüglich irreführen lassen. Und das gilt nicht nur für Christen, sondern für jeden, der sich auf welchem Weg auch immer, dieser Realität öffnet. Und auch die Naturwissenschaften kommen dieser Tatsache immer näher. Das wird in diesem Äon zwar dennoch nie einn Gottesbeweis sein, aber die Realität, die Sie z.B. nicht anerkennen, die des Geistes, (oder habe ich Sie darin falsch verstanden?) der werden auch die Naturwissenschaften auf die Spur kommen.

    “Augustinus hatte diesen Gedanken formuliert und er sah Gott als einen überweltlichen Garanten für das Wissen um die Welt,….. “

    womit aber nicht er diesen Garanten kreiert hat.

    Erst im 13. Jahrhundert wurde man selbstbewusst genug, um dem Intellekt auch die Möglichkeit einer eigenen Erkenntnis einzuräumen. Wie sollte man es auch sonst verstehen, dass bei den “Erleuchtungen” der Menschen so Unterschiedliches heraus kommt.

    Auch wenn das gerne übersehen wird, weil die Zusammenhänge nicht erkannt werden, aber dass man “selbstbewusst genug [wurde], um dem Intellekt auch die Möglichkeit einer eigenen Erkenntnis einzuräumen” daran hat das Christentum entscheidenden Anteil.

    “Jede Konfrontation mit einer anderen “Wahrheit” stört unser Gefühl der Geborgenheit.”

    meines nicht. Wem aus der christlichen Perspektive heraus die Situation der Menschheit bewusst ist, der weiß um die menschheitliche Seinsblindheit, die viele individuelle Wahrheiten produziert und wie schwer und weit der Weg zu einer gemeinsamen Wahrheit ist. Dem raubt das keine Geborgenheit.

    usw. usw…..

    vielleicht durchforste ich noch den zweiten Teil, aber für heute reicht’ s.

  15. Wahrheit, Gefühl und Moral,

    diese Begriffe sind nicht deckungsgleich und je mehr man über sie nachdenkt, desto relativer erscheinen sie.
    Wichtig ist , in welchen Zusammenhang sie gebraucht werden und was man darunter versteht. also der Sinn hinter dem Begriff.
    Wahrheit im naturwissenschaftlichen Sinn ist die Übereinstimmung von Vorstellung mit der Realität, die sich messen lässt.
    Wahrheit im geisteswissenschaftlichen Sinn ist die logische Richtigkeit im Zusammenhang mit anderen Begriffen und die Übereinstimmung von Erlebnissen mit den Vorstellungen über die Erlebnisse.
    Wahrheit im religiösen Sinne ist die Übereinstimmung von religiösen Maximen mit der gelebten Wirklichkeit.
    Soviel zum Anfang.

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