Buchvorstellung: Was können wir wissen? – Mit Physik bis zur Grenze verlässlicher Erkenntnis, Teil 1

BLOG: Die Natur der Naturwissenschaft

Ansichten eines Physikers
Die Natur der Naturwissenschaft

Am 12. Oktober habe ich mein neues Buch  “Was können wir wissen? – Mit Physik bis zur Grenze verlässlicher Erkenntnis”  auf dem 21. Göttinger Literaturherbst  vorstellen können.  Dieses Literaturfestival  ist, wie Wikipedia es formuliert, eine “Bühne für moderne Literatur, von der internationalen Belletristik bis zum wissenschaftlichen Sachbuch.”  Zehn Sachbuchautoren sind dort in diesem Jahr wieder eingeladen, u.a. auch Brian Greene, Julia Fischer, Michael Gazzaniga und Frances Ashcroft. 

Das Buch ist eine Sammlung meiner Blogartikel, die ich von  Mai 2010 bis März 2012 in diesem Blogportal veröffentlicht habe.  Ich habe diese Artikel überarbeitet und in eine Reihenfolge gebracht,  die sich zwanglos ergab, als ich mir alle Artikel noch einmal vor Augen führte und ich mir klar wurde, was eigentlich das Wesentliche ist, das ich mitteilen möchte. 
Ich präsentiere hier die schriftliche Version meines Vortrags, weil ich denke, dass eine  solche Zusammenfassung selbst für jemand, der schon viele meiner Artikel gelesen hat, von Interesse sein kann. 

Einführung in das Thema

Was können wir wissen?  Diese Frage haben sich schon viele gestellt, sicherlich auch Sie schon, die Sie zu einem Vortrag wie diesem gekommen sind, –  und insbesondere Philosophen, die über die Erkenntnisfähigkeit der Menschen nachdenken. Bei Immanuel Kant war es wohl eine der wichtigsten Grundfragen der Philosophie überhaupt. 

Ich möchte mich der Frage von der Physik aus nähern. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist der, dass ich Physiker bin. Das alleine aber würde nicht ausreichen. Es kommt hinzu, dass die Physik auch gerade ein guter Ausgangspunkt für diese Frage ist.  Denn zweifellos hat die Physik seit Galilei in den 400 Jahren ihrer Geschichte eine atemberaubende Karriere gemacht. Sie hat uns die Welt der kleinsten und größten Dimensionen erschlossen, sie war Vorreiter und wurde Vorbild für die anderen Naturwissenschaften.  Dass das Wissen, dass sie geschaffen hat,  von besonderer Qualität ist, d.h. besonders verlässlich ist, zeigt sich dem Außenstehenden allein schon darin, dass wir es in technischen Vorrichtungen nutzen können. Zusammen mit dem Wissen der anderen Naturwissenschaften hat dieses die Entwicklung der modernen Welt in Europa entscheidend beeinflusst, unsere globalisierte Welt ist geprägt durch dieses europäische Erbe. 

Somit hat sich als Untertitel “Mit Physik bis zur Grenze verlässlicher Erkenntnis” ergeben, der ausdrückt, dass es mir um die Qualität der Verlässlichkeit des Wissens geht.  Ich will ausloten, von welcher Art ein solches verlässliches Wissen ist, wo es vorgefunden werden kann und wo nicht, und will sehen, wie es dazu gekommen ist.

Ich will also nicht allein mit dem Handwerkszeug der Logik an die Frage heran gehen, sondern mit der Analyse eines Phänomens – eines Phänomens, durch das zweifellos Wissen besonders verlässlicher Art geschaffen worden ist.

Die Genese dieses Buches ist ein Spiegelbild unserer heutigen Zeit. Ich hatte nach meiner Emeritierung im Jahre 2006 bald begonnen, die Entwicklung der physikalischen Theorien von der Klassischen Mechanik bis zur Quantenmechanik nachzuzeichnen. Dabei ist das Buch “Die Entdeckung des Unvorstellbaren” entstanden, in dem ich dem Leser klar machen will, wie physikalische Theorien aufgebaut sind, was sie leisten, welche Grenzen sie haben, welches Schicksal sie haben können und in welchem Verhältnis sie zu einander stehen können. Das Ganze spielte sich auf drei Ebenen ab, einer geschichtlichen, einer rein physikalischen und einer wissenschaftstheoretischen. Ich wollte zeigen, wie Physik als Prototyp einer Naturwissenschaft eigentlich funktioniert.

Nachdem das Buch fertig war, hatte ich das Schreiben als eine angenehme, aber nicht besonders schädliche Droge entdeckt.  Ich wurde Blogger beim Blogportal vom “Spektrum der Wissenschaften”. Alle 14 Tage bis drei Wochen veröffentlichte ich dort einen 4-5 seitigen Aufsatz über Themen, die ich in dem Buch schon angesprochen hatte und hier weiter ausführen konnte. Mit der Zeit nutzte ich die Freiheit, die das Format gewährte  und sprach immer mehr Themen an, die etwas weiter von der Physik entfernt waren. Nach zwei Jahren einer solchen Tätigkeit war etwas zusammen gekommen, das genau mit dem Titel des Buches und dieses  Vortrags zusammen gefasst werden kann.

Übersicht über den Inhalt des Buches

Viele Essays des Buches beschäftigten sich mit Themen aus der Physik. Die Anregung dazu kam meisten von Fragen, die mir in der Vergangenheit häufig in verschiedensten gesellschaftlichen Situationen gestellt worden waren, wenn ich mich als Physiker zu erkennen gegeben hatte.  Ich bemühte mich immer,  diese so einfach und umgangssprachlich wie möglich zu beantworten und berücksichtigte nur das, was man heute verlässlich weiß.  So heißen die ersten beiden Kapitel:
“Verlässliches über Raumzeit und Quanten”  und  “Verlässliches angesichts Komplexität und Zufall” und es werden Themen angesprochen wie “Was ist der Urknall eigentlich?”, “Was bedeutet die Formel E=mc2 “, “Realität und Nichtseparabilitiät in Quantenmechanik und Buddhismus”  bzw. ” Der Zufall”, “Der Informationsbegriff in der Physik” , “Emergenz” und viele andere.

In einer weiteren Gruppe von Essays beschäftige ich mich mit der Frage, wie man zu solchem Wissen gelangt und worin die Verlässlichkeit denn besteht. Hier kommt man nun in Kontakt mit erkenntnistheoretischen Diskussionen einiger zeitgenössischer Philosophen.  Unter dem Kapitel “Wege zum verlässlichen Wissen” sind Beiträge wie “Die Natur der Physik und der kritische Rationalismus”, “Die Sprache der Physik”, “Über das Entstehen physikalischer Theorien” und ähnliche zusammengefasst.

Die Frage, welche Bedeutung denn diese Entwicklung der Physik für die Menschheit gehabt hat und wie diese gewürdigt wird, wird  in einigen Aufsätzen unter der Überschrift  “Auf dem Weg zum verlässlichen Wissen”  behandelt . Meine Essays “Vom Geschichtsbewusstsein”, “Die dritte der Form der Naturforschung”, “Über das Verhältnis von Wissenschaft und Technik” und ein paar weitere solcher Art finden hier ihren Platz.

Schließlich rede ich in den Essays unter der Überschrift “Ansichten eines Physikers”  über Gott und die Welt, dezidiert nicht mit dem Anspruch, dass meine Meinung verlässliches Wissen darstellt, aber es vielleicht interessant sein kann, was von der Warte eines Physikers zu gewissen Themen gesagt wird.  Ich nenne das Kapitel “Jenseits verlässlichen Wissens” und versammele darunter Beiträge wie

“Über einen Aspekt der Schönheit bei physikalischen Theorien  und Inventionen von J.S. Bach” , “Das Heilige und das Profane”, “Der freie Wille eines künstlichen Agenten” und andere.

Dass  “verlässliches Wissen” als zentraler Begriff bei allen diesen Aufsätzen mehr oder weniger im Vordergrund steht, wurde mir spontan bewusst, als ich Anfang des Jahres mit einem Philosophen ins Gespräch kam.  Er erzählte mir von der neu aufgeflammten Diskussion in der analytischen Philosophie über die Vagheit vieler Begriffe und der Schwierigkeit, mit solchen stringent  logische Schlussfolgerungen zu ziehen.  Am berühmten Beispiel eines Reishaufens kann man die Vagheit deutlich machen. Drei Reiskörner bilden noch keinen Haufen, tausend solcher schon. Aber bei welcher Anzahl beginnt eine Ansammlung von Reiskörnern  ein Haufen zu sein? Das ist kein exotisches Beispiel. Ist diese Farbe da noch rot oder schon gelb?  Ab wann beginnt Leben? Ab wann sind unsere Vorfahren als Menschen zu bezeichnen?  Kalt, arm, tot, frei, gerecht  – alles vage Begriffe.  Mit vagen Begriffen lasst sich vieles folgern. Das Ideal im Gegensatz dazu sei aber doch, so der Philosoph in dem Gespräch, die Mathematik – nur dort könne die Stringenz der Klassischen Logik wirklich zum Tragen kommen.

Mir war sofort klar, dass ich hier das Thema für mein einleitendes Kapitel des Buches gefunden hatte, in dem ich zeigen konnte, wie sich die einzelnen Beiträge zu einer Geschichte zusammenfügen.  Stand nicht die Bedeutung der Mathematik als Sprache der Physik im Hintergrund fast aller Beiträge?  Hatte ich in diesen nicht immer betont, welch ein säkularer Wandel sich in der Naturforschung vollzog, als  Galileo Galilei die “neue Wissenschaft” entdeckte, in der das Experiment und (!)  die mathematische Formulierung der Einsichten über das Verhalten der Natur die wesentlichen Merkmale darstellen.  Eine Naturwissenschaft  in unserem heutigen Sinne  entstand da , die immer mehr die  Naturphilosophie verdrängte.  Newton brachte diese neue Wissenschaft zu ihrem ersten Höhepunkt. Seine Theorie konnte so erfolgreich Bewegungen am Himmel und auf der Erde berechnen und vorhersagen, dass sie auf die Zeitgenossen einen großen Eindruck machte.

Aufbau, Leistungsfähigkeit und Schicksal physikalischer Theorien

Die  Newtonsche Theorie war die erste physikalische Theorie, die die Menschheit kennen lernte und  lange Zeit war sie die einzige. Sie wurde zum Inbegriff von Wissenschaft überhaupt und zum Vorbild für alle Wissenschaften – aufgrund ihrer Eigenart, die sich später immer wieder besonders deutlich in der Physik zeigte.
Es gab ein paar Grundannahmen, und zwar in mathematischer Form. Aus diesen konnten in mathematischer Strenge Folgerungen gezogen werden und so eine Fülle von beobachtbaren Phänomenen auch quantitativ richtig beschrieben werden, d.h. 1) Erklärungen für das Verhalten der Natur, das sich in bestimmten Messergebnissen zeigt, können auf ein paar Grundannahmen zurück geführt werden, 2) Eine Theorie ist ein Netz von hierarchisch geordneten Aussagen.

Was man damals noch nicht sehen konnte, war, dass eine Theorie immer einen bestimmten Gültigkeitsbereich hat.  Man glaubte, die ganze Welt sei als Bewegung von Körpern zu verstehen und so mit Hilfe der Klassischen Mechanik, wie man die Newtonsche Theorie der Bewegung bald nannte, zu erklären. Wir wissen heute, dass es weiterer Theorien bedurfte, um ganz andere Dinge und Phänomene zu beschreiben. Die Elektrodynamik entstand, die Relativitätstheorien, die Quantenmechanik und Quantenfeldtheorien. Und man lernte, dass Theorien in bestimmten Situationen nicht mehr taugen können, sei es, dass sie einfach falsche Vorhersagen liefern, sei es, dass angemessene Begriffe fehlen, diese erst entwickelt werden müssen und so eine ganz neue Theorie entsteht. Man verstand, dass die  Theorien “nur” mathematische Modelle für Naturvorgänge sind und entdeckte immer wieder, dass sie an Grenzen stießen, wenn man in einen gänzlich neuen Phänomenbereich vordrang.  So musste man die Klassische Mechanik zur Relativistischen Mechanik  erweitern, wenn sehr hohe Geschwindigkeiten im Spiel sind. Auf atomarer Ebene taugen auch nur die Quantenversionen der Mechanik und der Elektrodynamik, in denen ganz neue  Begriffe wie der eines Quants nötig werden.

Entwicklung physikalischer Theorien und kritischer Rationalismus

Bei dieser Entwicklung der Physik arbeitete man nach einem Prinzip, dass die Philosophen später auch  im Rahmen des kritischen Rationalismus formuliert haben. Karl Popper und Hans Albert sind deren bekanntesten Vertreter.  Dazu gehört erst einmal ein kritischer Realismus, wobei  “Realismus” dabei für eine für Naturwissenschaftler selbstverständliche Sicht steht, nämlich dass wir die Welt als ein Gegenüber  sehen, das sich unabhängig von uns verhält,  in diesem Sinne also real vorhanden ist. “Kritisch” ist dieser Realismus, weil die Erscheinungen der Welt nicht unmittelbar eingesehen und verstanden werden können;  dieser Tatsache  muss sich eine Naturwissenschaftler jeden Tag stellen. Weiterhin gehört zum Kritischen Rationalismus von Hans Albert  ein “Fallibilismus”, d.h. die Anerkennung der Fehlbarkeit  der menschlichen Erkenntnis,  sowie  der “methodische Rationalismus”,  der die Prüfung der Erkenntnisse zur Methode macht. Damit wird, auch wenn absolute Sicherheit nicht erreicht werden kann, zumindest entscheidbar, welche Antwort auf eine Frage vorzuziehen ist. Die Hoffnung auf absolute Gewissheit wird also aufgegeben, dafür eine Methode propagiert, mit der man der “Wahrheit” immer näher kommen könne, besser gesagt, immer bessere Begründungen für Aussagen über einen immer größeren Phänomenbereich erwerben kann.


Strukturen und Substanzen

Wer  sich die Geschichte der physikalischen Theorien vor Augen führt, entdeckt bald,  dass sich die Entwicklung auf zwei verschiedenen Ebenen vollzieht,  auf einer formal mathematischen einerseits und einer  begrifflichen, verbal formulierten  andererseits.
Ausgangspunkt einer Theorie ist ja immer eine Grundaussage – ein Satz von Gleichungen oder ein Prinzip, aber immer sind es Relationen, die dort in mathematischer Sprache formuliert werden, und zwar Relationen über Eigenschaften von irgendwelchen Dingen. Die Newtonsche Bewegungsgleichung setzt Kräfte mit Beschleunigungen von Körpern in Beziehung, die Maxwellschen Gleichung die Stärken elektromagnetischer Felder mit Strömen und Ladungen und die Schrödinger-Gleichung Quantenzustände mit einem Energie-Operator.  Und wenn man sich das Schicksal dieser Relationen in der Geschichte der Physik ansieht, dann stellt man fest: Die Gültigkeit der Relationen ist auch heute noch, nach z.T. Jahrhunderte langer Fortentwicklung unumstritten, auch heute benutzt man die Newtonschen Gleichungen, wenn es gilt, Bewegungen materieller Körper zu berechnen, die Maxwellschen Gleichungen sind ein Grundpfeiler aller Überlegungen über elektromagnetische Effekte und die Schrödinger-Gleichung steht immer im Hintergrund, wenn es um Quanteneffekte geht. Die Relationen sind ja auch in vielen Experimenten und Anwendungen geprüft worden, und können nicht im Laufe der Zeit plötzlich versagen.

Diese Relationen sind es genau – und nur diese, die unser verlässliches Wissen repräsentieren. Bei der Prüfung der Relationen findet man auf die Dauer immer eindeutige Aussagen: wahr oder falsch.

Unser Wissen über die Natur der Kräfte, der elektromagnetischen Felder, über Zeit und Raum oder über das, was Materie eigentlich ist, alles Begriffliche also  – das unterlag einem ständigen Wandel, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Die Grenze des verlässlichen Wissens verläuft also mitten durch die Physik.

Der Wandel, der sich hier für physikalische Begriffe vollzieht, kann von verschiedener Art sein. Jede ist von Bedeutung für unser Weltbild.

1) Es zeigt sich, dass der Wandel zu einem vertieften Verständnis führt. Das kann sehr schön an der Frage: Was ist Licht? erläutert werden.  Ebenso kann der Wandel zu der Einsicht führen, dass gewisse Annahmen gar nicht nötig sind;  Begriffe wie Äther oder Caloricum verschwinden dann aus dem Repertoire physikalischer Dinge.

2) Der Wandel führte aber auch zur Einsicht in die Beschränktheit unseres Vorstellungsvermögens. Quanten, d.h. Objekte auf atomarer Ebene wie Atome und Elektronen verhalten sich ganz anders als die Dinge, die wir aus unserer Welt der mittleren Dimensionen kennen. Quanten sind für uns Dinge ganz neuer Art, mit nichts aus unserer Lebenswelt vergleichbar.

3) Schließlich versteht man bei Betrachtung dieses Wandels auch, dass die Begriffe für die verschiedenen Phänomenbereiche (Quantenphysik, Klassische Physik, Chemie, Biologie, …) miteinander in Beziehung stehen und dass man Begriffe und Eigenschaften komplexer Systeme durch das Zusammenspiel der Konstituenten erklären kann (Emergenz). 

Ich werde diese drei Punkte, die den zweiten Teil des Vortrags ausmachten, in einem weiteren Artikel ausführen.

 

 

 

Josef Honerkamp

Veröffentlicht von

Josef Honerkamp war mehr als 30 Jahre als Professor für Theoretische Physik tätig, zunächst an der Universität Bonn, dann viele Jahre an der Universität Freiburg. Er hat er auf den Gebieten Quantenfeldtheorie, Statistische Mechanik und Stochastische Dynamische Systeme gearbeitet und ist Autor mehrerer Lehr- und Sachbücher. Nach seiner Emeritierung im Jahre 2006 möchte er sich noch mehr dem interdisziplinären Gespräch widmen. Er interessiert sich insbesondere für das jeweilige Selbstverständnis einer Wissenschaft, für ihre Methoden sowie für ihre grundsätzlichen Ausgangspunkte und Fragestellungen und kann berichten, zu welchen Ansichten ein Physiker angesichts der Entwicklung seines Faches gelangt. Insgesamt versteht er sich heute als Physiker und "wirklich freier Schriftsteller".

30 Kommentare

  1. “Bei Immanuel Kant war es wohl eine der wichtigsten Grundfragen der Philosophie überhaupt.”

    Nicht ganz. Denn er endigte seine Fragen mit der Frage: was ist der Mensch? Seine kopernikanische Wende in der Metaphysik wird gerne übersehen.

    “Dass das Wissen, dass sie geschaffen hat, von besonderer Qualität ist, d.h. besonders verlässlich ist, zeigt sich dem Außenstehenden allein schon darin, dass wir es in technischen Vorrichtungen nutzen können.”

    Freilich, Sie beschäftigen sich mit dem Wissen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Und als Freund Kants kann ich gar nicht anders als Ihnen zu folgen. Doch ich folge auch Nietzsche:

    Vorspiele der Wissenschaft. – Glaubt ihr denn, daß die Wissenschaften entstanden und groß geworden wären, wenn ihnen nicht die Zauberer, Alchimisten, Astrologen und Hexen vorangelaufen wären als die, welche mit ihren Verheißungen und Vorspiegelungen erst Durst, Hunger und Wohlgeschmack an verborgenen und verbotenen Mächten schaffen mußten? Ja, daß unendlich mehr hat verheißen werden müssen, als je erfüllt werden kann, damit überhaupt etwas im Reiche der Erkenntnis sich erfülle? – Vielleicht erscheint in gleicher Weise, wie uns sich hier Vorspiele und Vorübungen der Wissenschaft darstellen, die durchaus nicht als solche geübt und empfunden wurden, auch irgendeinem fernen Zeitalter die gesamte Religion als Übung und Vorspiel: vielleicht könnte sie das seltsame Mittel dazu gewesen sein, daß einmal einzelne Menschen die ganze Selbstgenügsamkeit eines Gottes und alle seine Kraft der Selbsterlösung genießen können. Ja! – darf man fragen – würde denn der Mensch überhaupt ohne jene religiöse Schule und Vorgeschichte es gelernt haben, nach sich Hunger und Durst zu spüren und aus sich Sattheit und Fülle zu nehmen? Mußte Prometheus erst wähnen, das Licht gestohlen zu haben und dafür büßen – um endlich zu entdecken, daß er das Licht geschaffen habe, indem er nach dem Lichte begehrte, und daß nicht nur der Mensch, sondern auch der Gott das Werk seiner Hände und Ton in seinen Händen gewesen sei? Alles nur Bilder des Bildners? – ebenso wie der Wahn, der Diebstahl, der Kaukasus, der Geier und die ganze tragische Prometheia aller Erkennenden?

    Das Geschriebene scheint mir in Ihren Ausführungen stets zu kurz zu kommen.

  2. Nachtrag

    Höre ich den Messias Händels, die Missa Solemnis Beethovens und ein deutsches Requiem Brahms’, so kann ich nicht anders als jene Werke als “Vorspiele der Wissenschaft” zu begreifen! Geht es Ihnen nicht auch so?

  3. Nachtrag 2

    Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen:

    PARSIFAL
    Wer ist der Gral?

    GURNEMANZ
    Das sagt sich nicht
    doch bist du selbst zu ihm erkoren,
    bleibt dir die Kunde unverloren.
    Und sieh! Mich dünkt, daß ich dich recht erkannt: kein Weg führt zu ihm
    durch das Land, und niemand könnte ihn beschreiten, den er nicht selber möcht’ geleiten.

    PARSIFAL Ich schreite kaum, doch wähn’ ich mich schon weit.

    GURNEMANZ Du siehst, mein Sohn, zum Raum wird hier die Zeit.

    Vielleicht auch ein “Vorspiel der Wissensschaft”?

  4. Nachtrag3

    Wenn ich Sie belaste, dann löschen Sie es! Mir ist eh alles wurscht! Wir sind dumm geworden – können nicht mehr an die Großen der Vergangenheit anknüpfen. Die Weltkriege haben alles versaut! Alles liegt im Sterben. Ich fühle…Da war mal was Großes unterwegs.

  5. Kindle-Version

    Das Buch wollte ich nach dem Lesen dieses Artikels sofort auf mein Kindle kaufen. Leider habe ich bemerkt, dass es keine Kindle-Version davon gibt. Zur Not würde ich natürlich auch die Print-Version kaufen. Aber könnten Sie, Herr Honerkamp, vielleicht Ihren Verleger anregen, eine Kindle-Version anzubieten?

  6. Mit Physik bis zur Grenze der Erkenntnis

    Der Titel verspricht viel. Jeder Geisteswissenschaftler könnte da neidisch werden.
    Neckisch die Anmerkung ” und ich mir klar wurde, was eigentlich das Wesentliche ist, das ich mitteilen möchte”
    Der Blog also als Experimentierfeld um sich klar zu werden, was man eigentlich sagen will. Das ist auch meine Erfahrung. Kommentare entspringen Impulsen, deren Bedeutung sich erst im Versuch der Formulierung herausschält.

  7. Grenzen des Wissens

    Lieber Herr Honerkamp,
    sie schreiben:
    “Die Grenze des verlässlichen Wissens verläuft also mitten durch die Physik.”
    Ja mag sein, aber die Unkenntnis auch.
    Denn wir alle wissen: zu jedem Mehr an Wissen gesellt sich ein Mehr an Unwissen. Zwar kann man Beobachtungen mit quantisierten Feldern erklären, aber was ein Quant ist und was ein Feld, das wissen wir nicht. Zwar können wir Licht in Experimenten beliebig manipulieren, aber was Licht ist, wissen wir nicht.
    Wir können es nicht einmal konsistent beschreiben. Und was Realität ist, das wissen wir immer weniger, trotz aller Realisten.

    Woher also nehmen Sie Ihren Optimismus, woher den Elan ? Will die Physk nun die Deutungshoheit der Welt für sich in Anspruch nehmen, als einziger Qelle verlässlicher Erkenntnis ?

    Grüsse Fossilium

  8. @fossilium: Was können wir wissen

    Sie haben in ihrem Kommentar den ersten Teil des Titels unterschlagen. Er beantwortet die in ihrem Kommentar aufgeworfenen Fragen.
    Vielleicht lässt sich Herr Honerkamps Buch ja auf seinen Titel reduzieren? Wäre einen Versuch wert. Ein Buch mit – sagen wir – 392 weissen Seiten. Die Leserin schlägt es auf , vertieft sich darin und sagt nach einer Woche zu Ihrem Freund: Toll wie Herr Honerkamps das Thema Emergenz herausgearbeitet hat.

  9. @Hilsebein, leser, Fossilium

    @Dietmar Hilsebein
    “Höre ich den Messias Händels, die Missa Solemnis Beethovens und ein deutsches Requiem Brahms’, so kann ich nicht anders als jene Werke als “Vorspiele der Wissenschaft” zu begreifen! Geht es Ihnen nicht auch so?”
    Ich lasse mich davon (und Parsifal!!) auch sehr anrühren, aber als Vorspiel sehe ich diese Werke nicht, eher als andere Form des Suchens nach Struktur in der Welt. Die Quelle dieser Suche ist gleich, die Ausprägung anders. dabei kann die Teilnahme daran, in welcher Form auch immer, ähnliche Glücksgefühle in uns auslösen. Ihre Resignation (Mir ist eh alles wurscht! …. Da war mal was Großes unterwegs.) kann ich nicht nachempfinden.
    @leser
    “Aber könnten Sie, Herr Honerkamp, vielleicht Ihren Verleger anregen, eine Kindle-Version anzubieten?” Bin dabei.

    @Fossilium
    – “Will die Physik nun die Deutungshoheit der Welt für sich in Anspruch nehmen”” Nein, erstens “Hoheit” schon gar nicht, denn das klingt nach Autoritätsanmaßung. In den Naturwissenschaften zählt aber keine Autorität (auch wenn in der Praxis sich Naturwissenschaftler manchmal autoritätsgläubig verhalten). Ich halte die Relativitätstheorie für gültig, weil ich sie verstanden habe und nicht weil Einstein sie formuliert hat. Zweitens geht es mir darum zu zeigen, wo Verlässliches in der Physik zu finden ist und wo Wandel im Laufe der Zeit. Im zweiten Teil werde ich verschiedene Arten des Wandels beschreiben.
    – “Zwar kann man Beobachtungen mit quantisierten Feldern erklären, aber was ein Quant ist und was ein Feld, das wissen wir nicht. ….”. Genau das ist meine Botschaft. Und dennoch können wir wegen der Verlässlichkeit der mathematisch formulierten Gesetze eine Elektro- und Quantentechnologie entwickeln. Da liegt der Witz.
    – “als einziger Quelle verlässlicher Erkenntnis?” Davon habe ich nichts gesagt. Sicher sind viele Fakten z.B. geschichtlicher Art unzweifelhaft. Aber kennen Sie sonst verlässliche Aussagen in den Geisteswissenschaften? Das ist doch gerade in ihnen die Kunst, mit nicht Verlässlichem vernünftig umzugehen.

  10. @ Honerkamp

    “als Vorspiel sehe ich diese Werke nicht, eher als andere Form des Suchens nach Struktur in der Welt. Die Quelle dieser Suche ist gleich, die Ausprägung anders. dabei kann die Teilnahme daran, in welcher Form auch immer, ähnliche Glücksgefühle in uns auslösen.”

    Danke für Ihre Worte. Damit kann ich leben.

  11. Hallo Herr Homerkamp,

    Sie schreiben:
    “Zitat von mir: Zwar kann man Beobachtungen mit quantisierten Feldern erklären, aber was ein Quant ist und was ein Feld, das wissen wir nicht. ….. Ihre Antwort: Genau das ist meine Botschaft. Und dennoch können wir wegen der Verlässlichkeit der mathematisch formulierten Gesetze eine Elektro- und Quantentechnologie entwickeln. Da liegt der Witz.”

    Sie haben ja Recht, wenn Sie sagen, es gibt ein Zuwachs an “verlässlichem” Wissen. Aber was ist das für ein Wissen ?

    Es ist ein Zuwachs an Wissen über die das verlässliche Funktionieren der entwickelten Modelle und Theorien.
    Das ist zugegebenermassen viel wert. Aber es wird erkauft mit immer grösserer Unsicherheit, was das denn nun in der Realität ist (und nicht in den Modellen), das da wesenhaft agiert und wie das anschaulich beschrieben werden kann, ja was Realität überhaupt ist. Vor 100 Jahren wusste man: Licht kann man als Welle beschreiben. Nach dem begrüssenwerten Wissenszuwachs bis heute gibt es nun aber auch ein verlässliches Wissen darüber, dass wir Licht auf logische Weise überhaupt nicht mehr beschreiben können, ja es kann überhaupt keine konsistente Theorie mehr formuliert werden. Für den, der Lichtquanten manipulieren will – für den gibt es einen “Wissen-“Fortschritt. Für den der verstehen will, was Licht wesenhaft sein könnte, ist gibt es ihn nicht.

    Natürlich ist die Zunahme des Wissens über das Unwissen auch ein verlässlicher Wissenzuwachs. Aber das zeigt doch nur, dass der von Ihnen beschriebene Fortschritt der Physik, wie alles im Leben, eben von verschiedenen Seiten betrachtet werden kann, und er sieht dann immer anders aus.

    Es kommt eben darauf an, worauf es einem ankommt. Da erfreut sich einer an der Aussagemacht der Formeln und der praktischen Funktionalität. Und der andere beklagt, dass in den Naturwissenschfaten Formalismus und Praktikabilität zum Mass allen Erkenntnisfortschritts erklärt werden.

    Ich kann Ihre Augen leuchten sehen, wenn Sie vom diesem Fortschritt sprechen. Ich freue mich auch darüber. Aber ein Fortschritt in der Natur e r k e n n t n i s, so wie ich diesen verstehe, ist das nicht.
    Grüsse Fossilium

  12. Erkenntnisfortschritt ist möglich

    Vorab: Ich schließe mich unbedingt dem Wunsch nach einer Kindle-Version des Buches an. Sie kann gerne genau so viel kosten wie die Print-Version. Ich würde sie auch gleich kaufen.

    Zitate von Fossilium:
    “Für den, der Lichtquanten manipulieren will – für den gibt es einen “Wissen-“Fortschritt. Für den der verstehen will, was Licht wesenhaft sein könnte, ist gibt es ihn nicht.”

    “Da erfreut sich einer an der Aussagemacht der Formeln und der praktischen Funktionalität. Und der andere beklagt, dass in den Naturwissenschfaten Formalismus und Praktikabilität zum Mass allen Erkenntnisfortschritts erklärt werden.”

    ” Aber ein Fortschritt in der Natur e r k e n n t n i s, so wie ich diesen verstehe, ist das nicht.”

    @Fossilium
    Meine Einwände:

    (1) Wer sagt denn, dass die Natur so beschaffen sei, dass wir uns all ihre Strukturen anschaulich vorstellen und verstehen können? Unser Gehirn ist ein Produkt der Evolution. Seine Gene weitergegeben hat derjenige, der in seinem natürlichen Umfeld besser zurechtgekommen ist. Dadurch haben sich die Denk- und Vorstellungsmuster unseres Gehirns an das angepasst, was für unser Überleben von Bedeutung ist, auf den sog. Mesokosmos. Wären wir Elektronen, würde der Bereich der Objekte, die wir anschaulich erfassen können, vermutlich ganz anders ausfallen.

    (2) Trotz dieser Relativität bzw. Subjektivität unserer Anschauungsformen haben wir rationale Methoden entwickelt, um auch über deren Grenzen hinaus Erkenntnisse zu gewinnen. Es geht ja nicht bloß darum, ob wir funktionierende Modelle haben, in die wir die Natur hineininterpretieren können. Die wissenschaftlichen Modelle bzw. Theorien erklären nicht nur bereits beobachtete Phänomene, sondern stellen in der Regel auch Prognosen für (oft erst durch weiteren technischen Fortschritt mögliche) künftige Experimente auf. Ihre Vorhersagen können an der Realität scheitern, also falsifiziert werden. DAS ist das Unterscheidungsmerkmal dafür, ob sie bloße Interpretationen sind oder wirkliche Erkenntnisse über die reale Struktur der Natur (wenn auch nur versuchsweise) bieten.

    (3) Dass menschliche Erkenntnis prinzipiell immer fehlbar ist und dass das Wachstum unseres Wissens damit einhergeht, dass wir zugleich erkennen, wie viel wir doch (noch) nicht wissen… Das ist kein Argument dafür, die Theorien der Naturwissenschaften als bloß instrumentalistische Werkzeuge anzusehen. Wer an objektiver Wahrheit ernsthaft interessiert ist, muss auf subjektive Gewissheit ohnehin verzichten, ebenso unsere Unwissenheit und Fehlbarkeit eingestehen. Wer aber dem allzu menschlichen Bedürfnis nach absoluter Sicherheit und damit Geborgenheit erliegt, der wird vermutlich mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften nicht glücklich werden.

    (4) Die instrumentalistische Sicht der naturwissenschaftlichen Theorien ist nicht im Stande, den Unterschied zwischen “technologischen Rechenregeln” und den Theorien zu erfassen.

    Technologische Regeln werden “ausprobiert”, um zu sehen, ob sie für den jeweiligen Zweck (z.B. zur Navigation) “funktionieren” oder nicht. Wissenschaftliche Theorien dagegen werden überprüft durch Versuche, sie zu widerlegen. Bei der Erprobung technologischer Regeln geht es nicht darum, der Natur eine Antwort über die Wahrheit der Regeln zu entlocken. Vielmehr wird bei bereits vorausgesetztem Wissen über das betreffende Gebiet lediglich ausprobiert, ob bestimmte Regeln den erwünschten Zweck erfüllen. Wissenschaftliche Theorien dagegen sagen bestimmte Ergebnisse der Natur voraus, die wir ohne die jeweilige Theorie oder mit einer anderen Theorie nicht erwarten würden. Eine wirkliche Überprüfung einer solchen Theorie besteht nun in einer Versuchsanordnung, die dazu geeignet ist, eben diese Voraussage der Theorie und damit sie selbst zu falsifizieren. Tritt dagegen das von der Theorie vorausgesagte Ergebnis ein, dann ist sie damit zwar nicht “bewiesen” im strengen Sinne, sie hat sich aber “bewährt”. Und sie hat sich umso besser bewährt, je weniger das vorausgesagte Ergebnis im Lichte anderer Theorien zu erwarten war.

    Würden wir alle wissenschaftlichen Theorien ausschließlich als bloße Instrumente ansehen, so bliebe uns nichts anderes übrig als die Aussage “verschiedene Theorien haben verschiedene Anwendungsbereiche” und dann dürften wir in der Tat nicht vom “Erkenntnisfortschritt” sprechen. So ist es aber eben nicht.

    Die Relativitätstheorie etwa hat Newtons Theorie faktisch zwar nur in bestimmten Anwendungsbereichen widerlegt, sie hat aber zugleich für den Anwendungsbereich eine einheitliche Erklärung geboten, in dem auch die alten Gesetze eigentlich noch “funktionieren”. Die Relativitätstheorie war also umfassender, sie gab eine einheitliche Erklärung für mehr Phänomene und sie machte Voraussagen über die Natur, die man nach den Newtonschen Gesetzen so nicht erwarten konnte (etwa: die Ablenkung des Lichts eines weit entfernten Sterns in der Nähe der Sonne). Und diese Voraussagen konnten bestätigt werden.

    Wir müssen also sagen, dass die Relativitätstheorie der objektiven Wahrheit näher ist als die Newtons Theorie. Letztere ist aus heutiger Sicht eine frühere Annäherung an die Wahrheit. Sie ist zwar als solche falsifiziert (die Relativitätstheorie bildet die wahre Struktur der Natur besser ab, auch in dem Bereich, in dem Newton noch funktioniert). Natürlich können wir aber der Einfachheit halber in bestimmten Bereichen immer noch mit den alten Formeln rechnen, d.h. alte, falsifizierte Theorien als “Instrumente” verwenden. Das bedeutet aber nicht, dass die Wissenschaft an Wahrheit und Natur-Erkenntnis nicht mehr interessiert sei. Die neuere Theorie ist die, die sich besser bewährt hat, die also wahrheitsnähere Aussagen über die reale Struktur der Natur trifft.

    (vgl. zum Ganzen: Popper, Vermutungen und Widerlegungen, Tübigen 2009, S. 149-184.)

  13. @Fossilium

    Ich fürchte, die Art von Naturerkenntnis, die Sie suchen, gibt es gar nicht (wegen unserer Herkunft aus der Evolution, siehe auch Kommentar von ulpian). Was würden Sie denn unter einem Fortschritt in der Naturerkenntnis verstehen? Kann man das verbalisieren?

  14. S.g. Herr Honerkamp, s.g.Herr Ulpian,
    sorry, für meine späte Reaktion – zwei Tage nach meinem Kommentar sah ich keinen weiteren, und ich dachte, das Thema hätte sich erledigt. Jetzt bin ich Ihnen eine Antwort schuldig – und will Ihnen diese gerne geben:

    Herr Ulpian
    Sie schreiben:
    „wer an objektiver Wahrheit ernsthaft interessiert ist, muss auf subjektive Gewissheit ohnehin verzichten, ebenso unsere Unwissenheit und Fehlbarkeit eingestehen.“

    Das sehe ich genauso wie Sie, ich sehe auch, dass unser Verstand über die Grenzen anschaulicher Erkenntnis weit hinausgehen kann. Ich bin auch mit Ihren wissenschaftstheoretischen Darlegungen
    einverstanden, man kann das so sehen, dass eine Theorie, die sich bewährt hat, „wahrheitsnähere Aussagen über die reale Struktur der Natur trifft.“ Wenn Sie also sagen, dass die Relativitätstheorie der objektiven Wahrheit näher ist als die Newtons Theorie, dann ist das eine Sichtweise, die ich nachvollziehen kann, nur – ich empfinde dabei ein Unbehagen.

    Denn dass wir uns mit Theorien, die aufeinanderfolgen, der Wahrheit – was immer man darunter versteht – annähern, das ist eine Behauptung, die nicht belegt, nur geglaubt werden kann.

    Es geht auch hier nicht um diese Grundsatzfrage, über die man seitenweise schreiben kann, sondern darum, ob die Physik das am meisten geeignete Instument ist, zu verlässlicher Erkenntnis zu kommen. Das es gerade die Physik sein soll, das möchte ich bestreiten.

    a) Verlässlich kann eine physikalische Erkenntnis nicht sein, verlässlich ist nur der Irrtum, zum dem man sich in der Folge der Theorien immer irgendwann bekennen muss.
    Wenn aber eine späte Theorie verlässlicher ist als eine frühe, mit welchem Masstab messe ich dieses „verlässlicher“. Aus dem Text von Herrn Honerkamp kann als Masstab nur den technischen wissenschaftlichen Fortschritt herauslesen. Ich hoffe ich tue Ihnen nicht Unrecht, lieber Herr Honerkamp, und ich hoffe auch, ich habe Ihren Text nicht zu flüchtig gelesen.
    Dieser Fortschritt taugt dazu jedenfalls nicht.

    b) Setzen Sie nicht voraus, das Erkenntis quantifizierbar oder qualifizierbar ist ?
    Ich habe keine ausreichenden philosophische Kenntnisse, um dies zu beurteilen, intuitiv würde ich sagen: eindeutig bejahen kann man das nicht.

    c)Ich habe den Eindruck, dass Sie die These vertreten, die Physik sei eine besonders erkenntnisfördernde Wissenschaft (für verlässliches Wissen).
    Gerade dies erschliesst sich mir nicht.
    Dass Physiker eine Apparatur so einstellen können, dass bestimmte Ereignisse gezielt herbeigeführt werden können, kann dazu nicht als Beleg gelten. Denn das können Physiker auch ohne von dem, was in der Apparatur wesenhaft geschieht, die geringste Ahnung zu haben.
    Wir wissen z.B. nicht, wie es kommt, dass eine Wirkung, die an einer Handyantenne entsteht,
    in grosser Entfernung von einer anderen Handyantenne wahrgenommen wird. Keine der Modellvorstellungen, die wir dafür haben, lässt sich konsistent auf die Wirklichkeit übertragen.
    Bei der Frage „wie breitet sich Wirkung aus ?“ kann ich von Erkenntnisfortschritt nicht wirklich reden. Das betrifft letzendliche alle Grundfragen der Physik. Durch Quantenfeldtheorien z.B. sind wir der Frage „was ist Kraft?“ keinen Schritt näher gekommen, von den Fragen, was ist Raum, was ist Zeit, ganz zu schweigen. Der Erkenntnisfortschritt in der Physik, den Sie meinen, hat vielmehr dazu geführt, dass die Grundlagen der Physik, wie Kausalität, Lokalität, Realität, in ihrer herkömmlichen Bedeutung in Frage gestellt werden.

    Das meine ich, wenn ich sage: es wächst die Erkenntnis, aber auch die Unkenntnis, und das ist eben keine Banalität mehr, wenn man den Erkenntniszuwachs in der Physik konkretisiert: es wächst Erkenntnis, aber die Basis, auf der alles steht, wankt immer mehr. Gerade die Phsysik ist ein Musterbeispiel dafür, wie schnell verlässliches Wissen sich als
    unzuverlässig herausstellt.

    Ist es daher nicht einseitig, in der Physik nur den Zuwachs an verlässlichem Wissen im Auge zu haben, und die mit dem physikalischen Erkenntnisfortschritt parallel wachsende Unsicherheit über das, was Objektivität, Realität, Zeit, Raum, Wirklung ist, mit keinem Wort zu erwähnen, ganz zu schweigen von dem zunehmenden Formalismus in der Physik (Quantenfeldtheorie, Stringtheorie, Standardmodelle), die keine anschauliche Interpretation des mathematischen Formalismus mehr zulassen. Hier nimmt das Wort Fortschritt selbst eine schale Bedeutung an.

    Ich mache sicher den Eindruck eines Skeptikers, der ich aber nicht bin. Ich bin sicher, dass es einen Erkenntnisfortschritt gibt (auch so wie Sie ihn meinen), aber einer, der sich auf a l l e Arten des Beobachtens und Denkens stützt und bei dem es kein besser oder schlechter, oder schneller oder lansamer, oder zuverlässig und zuverlässiger gibt.
    Grüsse Fosslilum

  15. @Fossilium: Was kann Physik erkennen

    Ihre Erkenntnisskepsis entsteht aus zu hohen Ansprüchen und fehlender Grenzsetzung/Bereichsfestlegung.
    In ihrem letzten Kommentar schreiben sie:
    “Denn dass wir uns mit Theorien, die aufeinanderfolgen, der Wahrheit – was immer man darunter versteht – annähern, das ist eine Behauptung, die nicht belegt, nur geglaubt werden kann.

    Es geht … darum, ob die Physik das am meisten geeignete Instument ist, zu verlässlicher Erkenntnis zu kommen. Das es gerade die Physik sein soll, das möchte ich bestreiten.”

    Diese Sätze machen nur Sinn wenn sie von der Physik mehr erwarten als Aussagen über ihren Forschungsbereich, nämlich die von uns allen geteilte physische Realität. Die Phyisk befasst sich mit dem Universum der miteinander interagierenden materiellen Dinge.

    Aussagen, die sich nicht mit materiellen Dingen beschäftigen haben höchstens eine indirekte Beziehung zur Physik und für solche Bereiche ist (Zitat)” die Physik [nicht unbedingt] das am meisten geeignete Instument”

  16. Physik + Sicheres Wissen/Wertfreiheit

    Es gibt Popper-/Kuhn-Leser, die an der Verlässlikchkeit des naturwissenschafltich erarbeiteten Wissens zweifeln und die Ansichten vertreten, die wohl ziemlich konträr zu dem stehen was Josef Honerkamp in diesem Blog ausgearbeitet hat.

    Diese konträre Meinung wurde von Gerhard Schwarz auf dem Klimablog unter dem Blogbeitrag Energiewende: Lassen wir uns nicht beirren als Kommentar hinterlegt. In diesem Kommentar bezweifelt er die Aussage der Klimawissenschaftler, weil der das Wissen von Wissenschaftlern generell als unsicher betrachtet. Gerhard Schwarz ist ein österreichisch-schweizerischer Journalist und Direktor der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse.

    Hier die wesentlichen Teile seines Kommentars, die ich hier wiedergeben weil so gut zum Thema verlässliches Wissen passen:

    Ich bin sowohl von der griechischen Philosophie (Sokrates: Ich weiss, dass ich nichts weiss) als auch von Karl Popper und Thomas S. Kuhn (Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen) stark beeinflusst. Deshalb ist mir besonders bewusst, wie sehr wissenschaftliches Wissen vorläufig ist, dass morgen das Gegenteil des bisher als gesichertes Wissen Geltenden als richtig gelten kann, dass wir uns oft Jahrhunderte lang innerhalb eines Paradigmas bewegen und dann grosse Geister (Galilei, Einstein) alles über den Haufen werfen können – wieder bis zum Beweis des Gegenteils. Diese Haltung, diese Bescheidenheit fehlt mir leider bei vielen Naturwissenschaftern. Sie neigen zu oft zur Aussage „Wir haben bewiesen“. Aber wir können eben nur falsifizieren, nicht verifizieren. Würden Klimaforscher mit dieser Haltung in den Ring steigen, hätte ich dagegen gar nichts einzuwenden. Aber sie behaupten zu oft, sie wüssten etwas. Und wer etwas „nur“ glaubt, weiss eben, dass möglicherweise alles ganz anders ist. Die besonders weisen unter den Klimaforschern wissen das auch und äussern sich entsprechend.

    Damit im Zusammenhang steht auch meine Faktenskepsis. In den Sozialwissenschaften erst recht, aber auch in den Naturwissenschaften gibt es keine „wertfreien“ Fakten. Da sind überall Theorien und Konzepte involviert. Das spricht natürlich überhaupt nicht gegen die Berufung auf solche Fakten, aber es spricht gegen zu viel Wahrheitsgewissheit und gegen die damit verbundene Intoleranz gegenüber anderen Interpretationen der Wirklichkeit.

    Was denken die anderen Leser hier und was denkt Herr Honerkamp dazu? Würde mich interessieren.

  17. Es geht voran

    Martin Holzherr schrieb (29.10.2012, 13:42):
    > Gerhard Schwarz [schrieb] auf dem Klimablog […]

    […] dass morgen das Gegenteil des bisher als gesichertes Wissen Geltenden als richtig gelten kann,

    Offenbar gibt es verschiedene Ansprüche und Meinungen dazu, was “als gesichertes Wissen Geltend” zu betrachten ist.

    dass wir uns oft Jahrhunderte lang innerhalb eines Paradigmas bewegen und dann grosse Geister (Galilei, Einstein) alles über den Haufen werfen können

    Sofern es Wissenschaft betrifft, geht dabei wohl (auch) um zunehmend kritische/sorgfältige Unterscheidung zwischem Wissen (das wirklich als gesichert gelten darf) und anderen Aussagen (mit verschiedenen Ausprägungen von Ungesichertheit);
    begleitet von zunehmender Konzentration darauf, wie Wissen zumindst im Prinzip zu erlangen wäre (Stichwort “Gedankenexperimente”; nicht zuletzt als Grundlage von tatsächlichen Experimenten).

    – wieder bis zum Beweis des Gegenteils.

    Des Gegenteils” — wovon?
    Da muss ich wohl nochmal SSR durchblättern …
    Wie sorgfältig ist dort eigentlich der Unterschied zwischen Paradigma/Messprinzip/Theorie einerseits und andererseits Beobachtung, Messwert und letztlich Erwartungswert/Modell dargestellt?

  18. Klimaforscher

    @Martin Holzherr: Hier meine bescheidene Meinung, obwohl mein Background bei diesem Thema wohl, im Vergleich zu den anderen Diskutanten, sehr klein ist:
    Wer seine kontroverse Meinung zu einem Naturwissenschaftlichen Thema in die Welt hinausträgt und damit ernst genommen werden möchte, sollte sich mit der vorhandenen Lehrmeinung auseinandergesetzt haben, verstanden haben welches die Belege für diese Lehrmeinung sind und diese den eigenen Belegen gegenüberstellen. Ähnliches gilt für die Fakten auf welche sich die Belege stützen und die Paradigmen und Weltanschauungen auf denen die Interpretation der Fakten beruht (ich hoffe ich schreib hier grade nicht totalen Stuss). Wer dies nicht beherzigt bleibt jegliche Grundlage, welche nötig wäre um ihn ernst zu nehmen, schuldig. Wer dies beherzigt wird (für gewöhnlich) zumindest ernst genommen. Allen vergangenen wissenschaftlichen Paradigmenwechseln ging (soweit ich weis) genau diese Vorgehensweise voraus.

    Man kann sich also durchaus der Unsicherheit und Vorläufigkeit wissenschaftlicher Theorien bewusst sein und trotzdem „intolerant gegenüber [bestimmten] anderen Interpretation der Wirklichkeit“ sein, da die Intoleranz nicht auf „Wahrheitsgewissheit“ beruht, sondern auf der offensichtlich unzureichenden Argumentation und gleichzeitigem Sendungsbewusstsein des Gegenübers.

    Besonders Klimawissenschaftler befinden sich, warum auch immer, in einem ständigen Dauerfeuer absurder Kritik, welche von einer erkenntnistheoretisch vollkommen ungebildeten (also noch mehr als ich) Öffentlichkeit, flankiert von Stakeholdern aus der Wirtschaft, vorgebracht wird. In dieser Situation ist der Wissenschaftler auch Politiker und spricht für ein sehr heterogenes Publikum. Beansprucht er absolute Wahrheit macht er sich vor einem intellektuellen Publikum unglaubwürdig, tut er es nicht macht er sich vorm nichtintellektuellen Publikum unglaubwürdig und angreifbar. Man sollte also Kontext und Rahmen betrachten in dem jemand etwas sagt.

  19. @ Martin Holzherr

    Die zitierten Wissenschaftstheoretiker und -historiker widersprechen dem, was Herr Honerkamp bezüglich der Verläßlichkeit der Physik meint, nicht so sehr, wie es hier den Anschein hat. Gewiß, bei Lakatos wird einem vorgeführt, daß man durch ein einzelnes Experiment eine naturwissenschaftliche Gesetzesbehauptung oder eine Theorie grundsätzlich nicht nur nicht verifizieren kann (wie Gerhard Schwarz schreibt), sondern auch nicht falsifizieren, und bei Kuhn kann man sehen, daß es nicht viele Argumente gegen die These gibt, daß gerade die Paradigmen der normal sciences mit Notwendigkeit von Zeit zu Zeit einstürzen und dann in einem gewissen Sinne „alles“ als falsch gelten muß, was vorher als wahr galt. Aber eben nur in einem gewissen Sinne. Es bleibt doch immer, das sagt auch Kuhn explizit, eine Menge übrig, was Bestand hat, und wenn bei Lakatos auch das einzelne Experiment nicht die Zuverlässigkeit beim Falsifizieren hat, von der sein Meister Popper jedenfalls in jüngeren Jahren überzeugt war, so ist doch die gesamte Arbeit an einem „Forschungsprogramm“ sehr wirksam in dieser Hinsicht. – Daß etwas, und zwar sehr viel, Bestand hat, zeigt sich vor allem im täglichen technischen Funktionieren.

    Dennoch muß man Gerhard Schwarz natürlich zustimmen, daß ein bescheideneres Auftreten der Forscher angebracht wäre. Das gilt nicht nur, wenn sich Naturwissenschaftler auf Gebiete vorwagen, die ihnen per definitionem verschlossen sind (etwa beweisen, daß es keine Freiheit gibt oder sich zu Fragen von Weltende und -anfang äußern, und zu anderen metaphysischen Fragen), sondern auch und vor allem im täglichen Geschäft an der Forschungsfront, und da in erster Linie bei tagespolitisch interessanten oder ideologisch brisanten Themen. Da ist es eher die Regel als die Ausnahme, daß ein mit großem Getöse vorgetragener Erfolg sich nach einiger Zeit als Fehlschlag erweist.

  20. Instrumentalisierung von Popper und Kuhn

    @Jakob B.: Das grundsätzliche Postulat der (Zitat)“Unsicherheit und Vorläufigkeit wissenschaftlicher Theorien” zu benutzen um die Aussagen von Klimawissenschaftlern von vornherein in Frage zu stellen, ist auch nach meiner Auffassung äusserst problematisch. Niemand würde mit einer grundsätzlich wissenschaftskritschen Haltung das Wissen von Toxikologen in Frage stellen doch bei der Klimawissenschaft machen es dann plötzlich viele nur weil ihnen die Aussagen und ihre Konsequenzen nicht in den Kram passen.

    @Ludwig Trepl: Ich stimme ihnen zu, wenn sie schreiben: ” bei Kuhn kann man sehen, daß es nicht viele Argumente gegen die These gibt, daß gerade die Paradigmen der normal sciences mit Notwendigkeit von Zeit zu Zeit einstürzen und dann in einem gewissen Sinne „alles“ als falsch gelten muß, was vorher als wahr galt. Aber eben nur in einem gewissen Sinne.”
    Hier gilt es den wichigen Unterschied zwischen der Widerlegung/”dem Einstürzen” von Paradigmen und der Widerlegung von Naturgesetzen und wissenschaftlichen Einzelaussagen zu ziehen. Ein Paradigmenwechsel ist wie ein Wechsel des Koordinatensystems. Durch solch einen Wechsel ändert sich die Gegend/die Realität nicht, nur die Sicht darauf, ähnlich wie ein Vexierbild sich nicht zu ändern braucht um anders wahrgenommen zu werden.

  21. @ Fossilium

    “Wenn Sie also sagen, dass die Relativitätstheorie der objektiven Wahrheit näher ist als die Newtons Theorie, dann ist das eine Sichtweise, die ich nachvollziehen kann, nur – ich empfinde dabei ein Unbehagen.”
    Da muss man gar kein Unbehagen haben: Der Gültigkeitsbereich der Relativitätstheorien (Spezielle und Allgemeine) enthält den der Klassischen Mechanik als echten Teil. Damit ist auch der Fortschritt klar: Der Gültigkeitsbereich wird echt größer. Technischer Fortschritt ist nur eine Folge davon (Bezugnehmend auf unsere frühere Diskussion: Reden Sie mal mit Leitern von Forschungsabteilungen über den Wert von Theorien für die Entwicklung von Innovationen)
    – “dass morgen das Gegenteil des bisher als gesichertes Wissen Geltenden als richtig gelten kann, dass wir uns oft Jahrhunderte lang innerhalb eines Paradigmas bewegen und dann grosse Geister (Galilei, Einstein) alles über den Haufen werfen können – wieder bis zum Beweis des Gegenteils.”
    – von Gegenteil kann ja gar keine Rede sein – siehe oben. Das Zitat ist wieder ein klassisches Beispiel dafür, was man so redet, wenn man Popper und Kuhn liest, diese irgendwie interpretiert und sich kein eigenes Bild machen kann, weil man physikalische Theorien und ihre Zusammenhänge nicht kennt. Leider ist dieser Journalist kein Einzelfall. Der Punkt ist hier, (und ich hoffte den in meinem Artikel klar gemacht zu haben,) dass man bei einer Theorie unterscheiden muss zwischen den Relationen und den Begriffen. Die Relationen sind verlässlich, die Begriffe wandeln sich. Man kann also nicht pauschal von der Verlässlichkeit einer Theorie reden, eine solche hat immer zwei Aspekte. Die Relationen sind nun einmal verlässlich. Die Gleichungen für die Beugung von Licht an einem Spalt sehen z.B. heute noch genau so aus, wie Young sie um 1800 aufgestellt hat und sie werden in 1000 Jahren noch so aussehen (inhaltlich, vielleicht nicht der Notation nach). Die Natur des Lichtes verhält sich halt so. Würde man an der Verlässlichkeit der Relationen zweifeln, würde man glauben, dass die Natur sich auf so lächerlich kleinen Zeitskalen wandelt.
    “Wir wissen z.B. nicht, wie es kommt, dass eine Wirkung, die an einer Handyantenne entsteht,
    in großer Entfernung von einer anderen Handyantenne wahrgenommen wird. Keine der Modellvorstellungen, die wir dafür haben, lässt sich konsistent auf die Wirklichkeit übertragen.” Das ist richtig (in Bezug auf konsistent) . Aber erwarten Sie denn, dass unsere Modellvorstellungen immer auf allen Skalen gleich nützlich sein können? Licht kann als Strahl, als Welle und als Photonenstrahl gedacht werden. In Quantenfeldtheorien hat der Begriff “Kraft” nichts verloren. Der Clou ist doch gerade, dass wir als Menschen aufgrund unserer evolutiven Herkunft gar kein universelles Vorstellungsvermögen haben können. Auf jeder Größenskala müssen wir neue Begriffe finden, das macht auch den Wandel bei diesem Aspekt der Theorien aus. Interessant wird dann die Beziehung der Begriffe (z.B. wann kann ein Photonenstrom auch in den mathematischen Berechnungen als elektromagnetische Welle gedeutet werden? ).
    – “Der Erkenntnisfortschritt in der Physik, den Sie meinen, hat vielmehr dazu geführt, dass die Grundlagen der Physik, wie Kausalität, Lokalität, Realität, in ihrer herkömmlichen Bedeutung in Frage gestellt werden.” Ja, das ist genau eine notwendige Folge von Wissenschaft: Herkömmliche Bedeutungen sind immer vage wie fast alle Wörter unserer natürlichen Sprache. Um logisch stringent argumentieren zu können, müssen wir Bedeutungen präzisieren. So geschah es mit Kraft, Energie usw. Dadurch werden sie der Lebenswelt entrückt und der Laie wird leider frustriert, weil der “zunehmende Formalismus in der Physik (Quantenfeldtheorie, Stringtheorie, Standardmodelle) keine anschauliche Interpretation mehr zulässt. “
    Das Problem in unserer Kommunikation ist m.E., dass ich vom Verlässlichen in der Physik rede, der Nichtphysiker diese verlässlichen Aussagen aber nie zu Gesicht bekommt, weil diese Aussagen (Relationen/Beziehungen) mathematischer Art sind und eben nur bei entsprechender Ausbildung verstanden werden können. Der Nichtphysiker sieht dann nur die “Protagonisten der Beziehungen”, also Teilchen, Licht, Wellen, sieht dort den Wandel, den ich ja auch immer betone (siehe den nächsten Blogartikel) und schließt daraus, dass alles wankt.

  22. @ Holzherr @ Honerkamp

    @ Holzherr:
    „Ein Paradigmenwechsel ist wie ein Wechsel des Koordinatensystems. Durch solch einen Wechsel ändert sich die Gegend/die Realität nicht, nur die Sicht darauf“

    Dem hat Kuhn widersprochen. Nicht nur die Interpretationen („Perspektive“) ändern sich bei gleichbleibender Realität („Gegend“), sondern die Realität selbst wird eine andere, das sagt er ausdrücklich, das Zitat könnte ich suchen. Es gibt für ihn keine Realität, die unabhängig von der Art, wie wir sie sehen, bestünde, das würde er als einen naiven Realismus zurückweisen. Wenn @ Honerkamp schreibt „Die Relationen sind verlässlich, die Begriffe wandeln sich“, so könnte das durchaus damit verträglich sein, falls man die Relation zwischen Begriff und Realität nicht naiv-realistisch auffaßt. Wenn (um ein bei Kuhn beliebtes Beispiel zu nehmen, das Vexierbild) das, was für den einen Hase ist, für den anderen Ente ist (also wirklich ist , nicht nur Ergebnis unterschiedlicher Deutung derselben Realität, da trägt die Vexierbild-Analogie nicht mehr), so können die Relationen zwischen dem, was für den einen ein bestimmtes Hasenorgan ist, und dem, was für den anderen ein bestimmtes Entenorgan ist, stabil bleiben – falls es derartige Entsprechungen zwischen den Organen überhaupt gibt, denn die muß es nicht immer geben, und das wären dann die Fälle, in denen es eben keine Stabilität gibt, die gibt es ja auch. Bei Kuhn wären das wohl die Anomalien, die zum Einsturz des Paradigmas führen – der Bereich, in dem das alte Paradigma „falsch“ ist, zumindest nicht mehr weiter weiß.

    Kuhn argumentiert auch ausdrücklich gegen die Auffassung, die hier @ Honerkamp vertritt:
    „Der Gültigkeitsbereich der Relativitätstheorien (Spezielle und Allgemeine) enthält den der Klassischen Mechanik als echten Teil. Damit ist auch der Fortschritt klar: Der Gültigkeitsbereich wird echt größer.“

    Kuhn sagt, daß das nur so scheint , nachdem die klassische Mechanik so uminterpretiert wurde, daß sie in die Relativitätstheorie paßt (und legt eine Theorie vor, nach der diese Uminterpretation bei Paradigmenwechseln als notwendig erscheint). Ohne diese Uminterpretation seien die Behauptungen der klassischen Mechanik aus der Sicht der neuen Physik falsch , nicht ein sich bruchlos einfügender Teil von ihr, und darum könne man auch nicht von Fortschritt reden, jedenfalls nicht im üblichen Sinn (in welchem doch, erklärt er). Ich will dazu nicht Stellung nehmen, sondern dies nur anmerken, damit nicht falsche Gerüchte über das entstehen, was die Paradigmentheorie sagt.

  23. @Trepl

    – “Ohne diese Uminterpretation seien die Behauptungen der klassischen Mechanik aus der Sicht der neuen Physik falsch , nicht ein sich bruchlos einfügender Teil von ihr, und darum könne man auch nicht von Fortschritt reden, jedenfalls nicht im üblichen Sinn (in welchem doch, erklärt er).”
    Diese Aussagen betreffen das Verhältnis von Theorien, und insbesondere hier werden Kuhns Thesen von vielen (auch von mir) als falsch bzw. unangemessen überzogen angesehen. Und man sieht hier deutlich, welche Verwirrung bei Außenstehenden die vag formulierten Ausführungen Kuhns anrichten.
    Es gibt zwar Behauptungen der klassischen Physik, die falsch werden, z.B. dass die Massen sich addieren, wenn man zwei Körper als ein System betrachtet (siehe dazu mein Beitrag: Was bedeutet eigentlich Einsteins Formel E=mc quadrat). In der Relativitätstheorie erkennt man, dass diese Additivität der Massen im Gültigkeitsbereich der Klassischen Mechanik nur deshalb eine gute Annahme ist, weil die Bindungsenergien, in Masse ausgedrückt, unmessbar gering sind. Nun gut, da hat man in einem Gültigkeitsbereich, der kleiner ist als derjenige der Relativitätstheorie, eine Eigenschaft der Masse übersehen, weil eben diese Eigenschaft der Masse dort gar nicht sichtbar werden konnte. So etwas erwarte ich aber immer, wenn ich einen tieferen Einblick in die Natur bekomme, nämlich, dass ich Vorurteile über Bord werfen muss, einfach schlauer werde. Hier habe ich also einen Wandel in der Kenntnis der Masseneigenschaft vorliegen.
    Das ist aber erstens nur eine von vielen Aussagen der klassischen Mechanik und sie bezieht sich zweitens auf einen Begriff, nicht auf eine Relation. Alle Relationen und Beziehungen der klassischen Mechanik bleiben in ihrem Gültigkeitsbereich weiterhin richtig. Auch heute noch berechnet man mit diesen Relationen Bewegungen aller Art, wenn die Geschwindigkeiten genügend klein sind. Man interpretiert sie auch nicht anders.
    Was glauben Sie, was los wäre, wenn alle Berechnungen von Bewegungen aus den Jahren vor 1905 danach auf einmal falsch sein wären? Da können sie sehen, zu welchen absurden Meinungen man kommen kann, wenn man Kuhn wörtlich nimmt. Sein Buch hatte und hat leider immer noch einen großen, aber schlechten Einfluss auf viele Nichtphysiker gehabt.

  24. Verehrter Herr Honerkamp,

    Sie schreiben. „Da muss man gar kein Unbehagen haben (bei der Sichtweise, die Relativitätstheorie (RT) sei der objektiven Wahrheit näher als die Newtonsche Therorei) : Der Gültigkeitsbereich der Relativitätstheorien (Spezielle und Allgemeine) enthält den der Klassischen Mechanik als echten Teil.“

    Doch, Herr Honerkamp, man muss ein Unbehangen haben. Das kommt daher, dass in der RT bei der Beschreibung der Raumzeit und der darin statfindenden dynamischen Prozesse erstmalig imaginäre Zahlen in die Beschreibung als wesentlich eingehen. Für praktische Anwendungen ist das sinnvoll, aber soll das der Fortschritt der Erkenntnis sein, den Sie meinen – soll der darin liegen, das wir nun komplexwertige Funktionen zur Beschreibung der Wirklichkeit (das was real wirkt) brauchen, dass sie also mit realen Quantitäten nicht erfassst werden kann ? Macht Ihnen das kein Unbehagen ?

    Sie meinen ja auch, immerhin wären die Relationen noch verlässlich, also die Mathematik, deren “Aussagen (Relationen/Beziehungen) mathematischer Art sind und eben nur bei entsprechender Ausbildung verstanden werden können.“ Ich denke da spontan an die Schrödingergleichung – die Grundgleichung der Quantenmechanik (QM). Bei der technischen Anwendung ist die Schrödingergleichung – weil sie linear ist und leicht gelöst werden kann – nützlich, aber was für eine Bedeutung haben ihre Lösungen – Linearkombinationen von Vektoren in einem unendlichdimensionalen Hilbertraum ? Ja welche verlässlichen Erkenntnisfortschritt können uns die Fachleute, die diese Lösungen verstehen, denn nun mitteilen – ausser den der praktischen Anwendung. Soweit ich weisse, sind die Fachleute bei der physikalischen Deutung dieser Lösungen seit fast hundert Jahren im Streit.

    Aber wir brauchen die RT und die QM garnicht zu bemühen – bleiben wir bei der klassischen Physik: was ist ein Gleichgewicht ? was ist die Kraft, was der Drang, der dieses (asymptotisch) zustande bringt ? Nicht einmal für das haben wir auch nur ansatzweise eine (nicht formale) Erklärung. Ich kann die Beispiele beliebig fortsetzen, alles Beispiele, die aus der Wissenschaft stammen, die Sie so hervorheben.

    Das Problem ist doch – jenseits aller erkenntnistheoretischer Betrachtungen – dass die wunderbaren Anwendungen der physikalischen Theorien immer vortäuschen, mit diesen Anwendungen hätten wir auch für den Grund, auf dem die Theorien stehen, ein Zuwachs an Erkenntnis gewonnen. Ich meine den mit physikalischen Begriffen beschreibbaren Grund, die tieferliegenden Ursachen, die grenzweitenden. Ich möchte es ja gerne, aber gerade die sehe ich nicht – stattdessen die auch von Ihnen problematisierte Formalisierung. Wenn nur noch nur Fachleute die Fortschritte sehen können, ja was soll das für eine Fortschritt sein ? Nur ein funktionaler eben.
    Grüsse Fossilium

  25. Skepsis

    Zitat Martin Holzherr:
    “Es gibt Popper-/Kuhn-Leser, die an der Verlässlikchkeit des naturwissenschafltich erarbeiteten Wissens zweifeln und die Ansichten vertreten, die wohl ziemlich konträr zu dem stehen was Josef Honerkamp in diesem Blog ausgearbeitet hat.
    (…)

    Was denken die anderen Leser hier und was denkt Herr Honerkamp dazu? Würde mich interessieren.”

    @Martin Holzherr,

    vielleicht darf ich zur Debatte „Popper-Kuhn“ ein paar Punkte aus meiner Perspektive hinzufügen.

    Die Namen “Popper” und “Kuhn” werden zwar vielerorts in einem Atemzug genannt. Die Wissenschaftsauffassungen der beiden sind aber in entscheidenden Kernfragen diametral entgegengesetzt. Kuhn wird auch oft als “Popper-Schüler” bezeichnet, was so zwar nicht ganz stimmt. Wichtiger ist aber, dass er seine Wissenschaftsauffassung gerade unter anderem durch offene Angriffe auf die Hauptthesen Poppers entwickelt hat. Und die beste, meines Erachtens auch vernichtende Kritik Kuhns ist immer noch bei Popper und anderen kritischen Rationalisten nachzulesen. Im Laufe dieser Auseinandersetzung musste Kuhn seine stark irrationalistischen Thesen in späteren Auflagen von “Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen” deutlich entschärfen.

    Was ich damit sagen möchte: Die beiden Namen sind gerade nicht zwei Vertreter einer grundsätzlich einheitlichen Linie.

    Es stimmt: Für Popper sind intellektuelle Bescheidenheit, Toleranz gegenüber neuen Hypothesen und die Einsicht in die Fehlbarkeit aller wissenschaftlichen Theorien fundamental.

    Die Wahrheit einer Hypothese/Theorie kann man zwar niemals endgültig beweisen. Das, was das Hauptwort in der Bezeichnung “kritischer Rationalismus” ausmacht, ist aber, dass es sehr wohl möglich ist, unter konkurrierenden Hypothesen/Theorien die “beste” oder die “wahrheitsnächste” rational auszuwählen.

    Für diese Entscheidung gibt es nach Popper rationale Kriterien. Zwar leugnet selbstverständlich auch Popper nicht, dass faktische Umstände im Wissenschaftsbetrieb oder auch das jeweilige politische Umfeld wichtige Faktoren dafür sind, wie sich Wissenschaft faktisch entwickelt. Neuerungen in der Wissenschaft, auch und gerade die großen Revolutionen (die sog. “Paradigmenwechsel”) haben aber sehr wohl eine rationale Grundlage.

    Die Falsifikation ist bei Popper gerade nicht das einzige Kriterium, um zwischen konkurrierenden Theorien auszuwählen. Vielmehr ist es ein Selektionskriterium. Für die Auswahl zwischen (noch) nicht falsifizierten konkurrierenden Theorien entwickelt Popper rationale Maßstäbe wie “empirischer Gehalt”, “Einfachheit”, “Bewährungsgrad”, die auch gegen die Kritik Kuhns, Lakatos’ oder Feyerabends (meines Erachtens erfolgreich) verteidigt wurden.

    Diejenigen, die mit Verweis auf die Fehlbarkeit der Wissenschaft oder die gebotene Bescheidenheit ihre eigenen etwa esoterisch, religiös, essentialistisch motivierten Auffassungen ohne hinreichende Grundlage als gleichberechtigte Konkurrenten gegen die vorherrschenden Theorien aufstellen möchten, oder einfach einen allgemeinen Grundskeptizismus verbreiten wollen, können sich daher auf Popper gerade nicht berufen. Auch nicht wenn der Name “Kuhn” gleich mit angehängt wird.

  26. Erkenntnisfortschritt ist möglich.

    Zitat von Fossilium
    “Denn dass wir uns mit Theorien, die aufeinanderfolgen, der Wahrheit – was immer man darunter versteht – annähern, das ist eine Behauptung, die nicht belegt, nur geglaubt werden kann.

    Wenn aber eine späte Theorie verlässlicher ist als eine frühe, mit welchem Masstab messe ich dieses „verlässlicher“.”

    Nun ja, die bloße zeitliche Aufeinanderfolge von Theorien ist natürlich kein Kennzeichen für die Annäherung an die Wahrheit oder mit anderen Worten: für einen Erkenntnisfortschritt.

    In meinen Einwänden an Sie hatte ich aber als entscheidendes Kennzeichen für einen Erkenntnisfortschritt folgendes vorgeschlagen: In der Regel erklärt eine Theorie nicht nur bereits bekannte Beobachtungen (und zwar so, dass aus der Theorie zusammen mit den Randbedingungen die jeweiligen Beobachtungsaussagen deduktiv folgen). Vielmehr impliziert sie auch Beobachtungsaussagen, an die so noch niemand gedacht hatte und regt damit zu weiteren Beobachtungen und Experimenten an. An diesen Experimenten kann die “neue” Prognose der Theorie nun scheitern oder auch nicht. Es gibt ja genug Fälle, in denen die Voraussagen einer Theorie in dieser Weise widerlegt werden konnten. Es verhält sich also nicht so, dass Physiker lediglich an ihren Apparaten beliebig herummanipulieren und damit willkürliche Resultate erzeugen.

    Um nochmal das vorherige Beispiel zu nehmen: Einsteins Theorie erklärte nicht nur gewisse bereits bekannte Phänomene besser als Newton. Sondern machte auch NEUE Voraussagen, die nach Newton zumindest in dieser Form nicht erwartet werden konnten. Eine dieser Voraussagen (die genau bezifferte Ablenkung des Lichts eines entfernten Sterns in der Nähe der Sonne) konnte bereits zu Lebzeiten Einsteins überprüft und bestätigt werden. Es war nicht ausgemacht, dass es so kommt. Die Prognose hätte auch falsifiziert werden können. Die Prognose Einsteins war also keine “logische Wahrheit”, sondern eine Vorhersage, die prinzipiell an der Realität hätte scheitern können. Sie wurde aber empirisch bestätigt. Und diese vorhergesagte Beobachtung war auf Grundlage der anderen Theorie eben nicht zu erwarten.

    Ist das für Sie kein hinreichender Grund, Einsteins Theorie der Newtonschen rational vorzuziehen, sie guten Gewissens als “besser” oder “wahrheitsnäher” zu bezeichnen?

  27. @ Fossilium

    Ich kann mich nur wiederholen: Sie suchen etwas, was es nicht gibt. Irgendeine Letztbegründung oder so. Die gibt es nirgends und Sie werden auch kein Gebiet kennen, wo Sie wirklich von einem Verständnis (in Ihrem gewünschte Sinne) reden können. Sie müssen nun einmal in der Physik wie auch wo anders mit einigen Setzungen anfangen und dann noch damit rechnen, dass diese sich irgendwann als falsch erweisen . Seien Sie bescheiden und erfreuen Sie sich daran, dass wir aus solchen Setzungen viele Schlüsse logisch einwandfrei ziehen können, dass wir diese und damit die Setzungen an der Natur überprüfen können .

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