Verknüpfung von Esoterik und Lifestyle: nach “Power Balance” kommt “Energy Bean”

Das Phänomen des "Power Balance"-Armbands, mit dem die Brüder Josh und Troy Rodarmel Millionen einfahren, obwohl es keine Wirkung hat, demonstriert die erfolgreiche Vermählung von Esoterik und Lifestyleprodukt. Ein Arzt aus Österreich will auf den Zug aufspringen und vermarktet etwas ganz ähnliches, aber viel besseres: Ein bohnenförmiger Aufkleber gegen bösen Elektrosmog. Wo „Power Balance“ an eine Verbesserung der Leistung appelliert, spielt „energy bean“ mit den Ängsten vor Handystrahlen.

energy bean ist ein Aufkleber, der die negativen Auswirkungen von Handy, Laptop, Babyphone und anderen Elektrosmog- Belastungen in unseren Zellen neutralisiert. Unser Energiehaushalt bleibt ausgeglichen, die Funktion der Geräte unverändert intakt.

So bewirbt der Arzt Walter Lintner sein Produkt, das eine Folie mit einem „Informationscode“ enthält. Damit soll „eine Vielzahl an positiven Informationen, die regenerative und harmonisierende Effekte auf unsere Zellen“ die Besitzer „gegen Handy-Strahlen stark machen“:

Die den Naturgesetzen entsprechenden Botschaften der energy bean legen sich wie ein „Schutzfilm“ über die Empfangsantennen der Zellen und führen so zu deren Entspannung.

(Bildquelle)

Wieviel von den Dingern soll man denn kaufen? Möglichst viel, natürlich:

Der Arzt rät daher, alle elektronischen Geräte wie Handy, Computer, Laptop, Babyphone sofern sie unvermeidlich in der Nähe des Körpers platziert sind, mit einer energy bean zu versehen. Aber auch der Sicherungskasten der Wohnung oder des Hauses sollte mit einer oder mehreren beans bestückt werden

(Hervorhebung von mir)

Selbstredend hat das Produkt – Qualitätsmerkmal „von einem Arzt entwickelt“ – keinen Effekt, wie die österreichische Arbeiterkammer Vorarlberg feststellte:

„Wir haben in unserem Gutachten einen Föhn, einen Mixer, einen Laptop sowie zwei Handys testen lassen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Bei keinem Gerät wurde auf irgendeine Art und Weise das physikalische Umfeld der elektrischen Betriebsmittel verändert“, erklärt Mag. Paul Rusching von der AK-Konsumentenberatung.

Erstehen kann man den Centartikel etwa bei Amazon für etwa zehn bis fünfzehn Euro. Im Vergleich zu den 40 Euro teuren wirkungslosen Balance-Armbändern ein echtes Schnäppchen, oder besser, eine ideale Ergänzung für Leute, die ihr Geld zum Fenster hinauswerfen wollen. Ein weiterer Vorteil: Schon von weitem erkennt man Personen, mit denen besser keine Diskussion über Homöopathie oder Schluckbidchen anfängt.

Mit beeindruckender Dreistigkeit wird das Marketing mit der typischen Verwirrungsrhetorik betrieben: Der Effekt sei mit „ganzheitlichen Medizin“ nachweisbar, sowie mit „biokybernetischen Testmethoden (Kinesiologie, EAV, PSE, HRV, etc.)“. Das Gutachten für die Gültigkeit des ganzen Hokuspokus stellt sich der Erfinder Lintner gleich selbst aus, inklusive schwungvoller Signatur und Stempel. Praktisch!

Die Masche scheint einen gewissen Erfolg zu haben: Auf der Presse-Seite finden sich einige Lobhudeleien, und nach dem kostenlosen Versand von Probe-Produkten gibt es auch mindestens einen Blogeintrag mit kostenloser Werbung für das Scharlatanerie-Produkt. Von den Amazon-Rezensionen, die mir auch irgendwie gar nicht koscher vorkommen (fast durchweg fünf Sterne von Rezensenten mit sehr wenig bereits abgegebenen Rezensionen), will ich gar nicht erst anfangen.

Auf dem Boden der Tatsachen gibt es beim Thema „Elektrosmog“ leider nun gar nicht mehr viel zu holen. Es gibt bislang kaum Hinweise darauf, dass das Telefonieren mit dem Handy wirklich gesundheitsschädlich ist – der Effekt beschränkt sich auf das Erwärmen von wasserhaltigem Gewebe. Und die Strahlungsleistung ist dabei im Allgemeinen für gesundheitliche Effekte viel zu niedrig. Die gesetzlichen Grenzwerte liegen zudem um das 50-fache unter Werten, die eine Wärmewirkung auslösen würden.

Was jetzt eigentlich noch fehlt, ist ein spottbilliges Alternativprodukt, analog zu den „Placebo-Bändchen“ als Alternative zu den „Power Balance“-Bändern.

Links

Dank an @fatmike128, @ralfnausk und @Esowatchcom!

Martin Ballaschk ist Biologe, enthält Glutamat und ist auch noch stolz darauf. Das Blog dient ihm als Verdauungsorgan für seine Gedanken: Er denkt hier öffentlich nach über Dinge, die ihn erstaunen, ihm unklar sind oder ihn aufregen. Oder über die er mit Anderen diskutieren möchte. Beruflich als Kommunikator an einem Berliner Forschungszentrum, hier privat.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Werbung mit heißer Luft

    Grundsätzlich kann heutzutage jeder kaufen was ihm gefällt. Wenn sich z.B. ein Promi grüne Schuhe kauft und behauptet, die würden ihn beruhigen, so kann man dagegen schlecht etwas sagen. Werbung soll den Kunden manipulieren, dies geschieht durch die Lieferung von (Schein-) Argumenten, man kauft also nicht nur ein bestimmtes Produkt, sondern auch eine positive Geschichte. Sicher ist es schlicht Betrug, wenn Firmen mit gesundheitlichen Aspekten werben, die sich bei näherer Betrachtung in Luft auflösen. Meist wird da die Unkenntnis der Kunden schamlos ausgenutzt. Diese Art der Werbung ist zudem in Deutschland verboten, “Denn gerade im Bereich Gesundheit und Kosmetik dürfe eine wissenschaftliche Absicherung nicht fehlen, so das Oberlandesgericht Hamm. (OLG Hamm, 4 U 148/10)”

    Quelle: http://www.anwalt.de/…isch-rein-sein_015265.html

  2. @Mona

    Das ist, soweit ich weiss, kein Betrug im juristischen Sinn. Das ist nur Dummfug, der mit Pseudowissenschaft und mit der Autorität des Arztes gerechtfertigt wird.

    Ob man dagegen rechtlich vorgehen kann? Ich kann es mir nicht vorstellen, obwohl schon ziemlich unverhohlen mit einer Wikung gegen Kopfschmerzen etc. geworben wird.

    letztlich will ich niemandem vorschreiben, wofür er/sie das Geld ausgibt, aber öffentlich fragen, was das soll – das will ich schon.

    gruesse aus der s-Bahn
    Martin

  3. Induktion

    He Leute, ich habe noch zwanzig Meter blanken Kupferdraht.

    Der ist voll total induktiv (wenn er es auch nicht im philosophischen Sinne ist, so ist er doch schon im physikalischen Sinne mit Induktionseigenschaften behaftet).

    Nur 30 Euro für 10 Zentimeter, das ist doch ein fairer Preis.

    Das Wort “Bauernfang” diskriminiert in unfairer Weise die Bauern.

    Aber diese sind gar nicht so dämlich, wie alle Nichtbauern glauben.

    Na, ja, notfalls kann man diese Kupferringelchen mit einer Railgun abschiessen.

    Zumindest würde das Graf Hombug tun.

  4. Elektrosmog

    Noch einige Bemerkungen zum Elektrosmog.

    Wenn man, wie ich, eine MRI-Untersuchung lebend überstanden hat, was in den meisten Fällen vorkommt, dann hat man den Elektrosmog der nächsten fünfhundert Jahre konsumiert.

    Seltsamerweise fühle ich mich aber immer noch völlig gesund und munter.

    Vermutlich ist das aber nur eine besonders teuflische Nebenwirkung des Elektrosmogs.

    Ich kann deutlich sehen wie der “Rote Marker” die Menschen in Zombies verwandelt.

    Allerdings muss man dazu vorher “Dead Space 2” auf der Xbox 360 spielen, das ja bekanntlich in Bayern verboten wurde.

    Nachdem man “Dead Space 2” im restlichen Europa kaufen kann, stellt sich natürlich die Frage, wo denn das Licht der Wahrheit leuchtet.

    Zur besonderen Erbauung, die Kryo-Katakomben der Unitologischen Kirche:

    Bitte, schicken sie ihre kleinen Kinder vorher schlafen.

    http://www.youtube.com/watch?v=QEOhx7ptFH0

  5. Produktkosten

    Im Endeffekt muss man ja selbst entscheiden, was einem gut tut und wie man mit dem Thema Handystrahlen umgehen will.
    Lassen Sie mich aber ein paar Worte aus Controllingsicht sagen: Ich arbeite für ein Unternehmen, das Aufkleber für Automobile und Motorräder hergestellt und verkauft – Preisbereich ab € 15. Da bleibt nicht mehr viel für den Hersteller übrig. Selbst wenn man ein Produkt billig in China produzieren lässt, kommt einiges an Gemeinkosten dazu. Das Produkt ist aus meiner Sicht sehr scharf kalkuliert worden und kann gar keine hohe Gewinnspanne haben. Vielleicht hätten Sie vorher mal mit einem Controller sprechen sollen, bevor Sie unrecherchierte Behauptungen aufstellen und dem Erfinder unlautere Motive unterstellen. Mich macht das immer rasend, wenn Leute keine Ahnung von Wirtschaftlichkeitsrechnungen haben, aber Behauptungen aufstellen.

  6. Hallo Frau Glantschnigg,

    wie sie sicher bemerkt haben, geht es mir nicht primär um den Preis, sondern um die nicht vorhandene Wirkung.

    Verkauft Lintner seine Aufkleber am Ende unter Wert, nur weil er es so gut mit uns meint, wenn er uns vor dem bösen Elektrosmog beschützen will?

    Ich muss mich dann fragen, wie man dann für Kinder ganze Bögen voller Aufkleber herstellen kann, ohne dass man für einen einzelnen Bogen schon mehrere Hundert Euro hinblättern müsste. Können Sie mir den Unterschied erklären?

    Außerdem frage ich mich auch, wie man in Australien die angesprochenen Placebo-Wunderarmbänder für nur 2 Dollar verkaufen kann. Der Originalpreis beläuft sich auf etwa 40 Euro … Die scheinen wohl etwas weniger knapp kalkuliert zu sein?

    Viele Grüße
    Martin

  7. abschirmung

    Fakt ist, dass man bei einer MRI-Untersuchung überhaupt nichts spürt, abgesehen von einer gewissen Lärmentwicklung.

    Fakt ist, dass es einen magnetohydrodynamischen Effekt gibt.

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