Protest

Mein ambivalentes Verhältnis zum March for Science

Für die Werte der Wissenschaft einstehen? Gegen Wissenschaftsfeindlichkeit und Verschwörungstheorien auf die Straße gehen? Klar, da bin ich dabei! Mit der Zeit kamen mir aber Zweifel. Warum der March For Science für mich an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. 

Der „March for Science“ am 22. April ist eine Reaktion auf die wissenschaftsfeindliche Politik der US-Regierung. Diese hantiert mit „alternativen Fakten“, verteilte Maulkörbe, löscht wissenschaftliche Daten und würde die Geisteswissenschaften wohl am liebsten komplett abschaffen. Nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treibt das  in den USA als primär betroffene Interessengruppe auf die Straße. Schließlich profitiert die ganze Gesellschaft von den Errungenschaften der Wissenschaft – oder besser: dem Erkundungs- und Erfindungsgeist der Menschen.

Wissenschaftler als Interessengruppe gegen elitenfeindliche Gesellschaftströmungen

Aber auch wenn Trump und seine Politik der Auslöser sind, soll ja beim Marsch ganz überparteilich für Wissenschaft und nicht gegen Trump gehen (haha, viel Glück dabei!). Das muss es auch, denn sonst könnte das Ganze leicht nach hinten losgehen und die öffentliche Wahrnehmung leiden, wie Dominique Brossard von der University Wisconsin-Madison kürzlich in Science erklärte. Denn wenn Wissenschaftler Partei ergreifen und als Interessengruppe auftreten, verliert die Wissenschaft in den Augen mancher ihre unpolitische Unschuld. Bei Themen wie dem Klimawandel und der grüne Gentechnik kann man beobachten, wohin das führen kann.

Protest

Credit: gemeinfrei, Pixabay.com Nur gegen etwas sein, greift zu kurz – dieses Problem wurde zum Glück erkannt.

Unter einem Tagesspiegel-Artikel kommentierte jemand mit dem Namen Remigius: „Wer fälscht denn die Forschungsreihen, um Gelder zu bekommen? Wegen wem werden wir angeblich immer kränker – ach, das hat alles nichts mit unlauteren Mitteln zu tun, um mehr zu verkaufen?!“ Dieser Kommentar ist beispielhafter „Ausdruck einer gesellschaftlichen Strömung, die wissenschaftliche Fakten und sichere Fakten denunziere“, den die Organisatoren des Science March Berlin zu erkennen glauben. Aber wie kommt es wohl in einer zunehmend elitenfeindlichen Öffentlichkeit an, wenn das wissenschaftliche Establishment für den Erhalt seines Systems demonstriert? Ist es da nicht naiv, an den Erfolg einer Demo für die „hehren und reinen Werte der Wissenschaft“ zu glauben?

Big Politics statt Grassroots

Könnte der „March for Science“ wirklich parteiübergreifend Wissenschaftsbegeisterte aus der ganzen Breite der Bevölkerung mobilisieren, dann hätte man dieses Ziel wohl erreicht. Die mageren Follower-Zahlen auf Facebook (derzeit 800 in Berlin, 2000 in ganz Deutschland) sprechen momentan eher dagegen, denn hier macht vor allem das von Menschen wie Remiqius so verhasste Establishment mobil.

Universitäten, Wissenschaftsorganisationen, der Berliner Wissenschaftssenator und die Forschungsministerin stellen sich hinter den Science March. Bekannte Kommunikations-Profis engagieren sich bei der Organisation des Marches, rufen auch öffentlich zur Teilnahme auf. Diese Unterstützung ist für die Beteiligten sicher sehr ermutigend. Die Leute im Wissenschaftsbetrieb selbst müssen sich zunehmend fragen, ob das nun ein von oben verordneter Pflichttermin ist. Und für Außenstehende ist nicht klar: Was ist eigentlich die treibende Kraft hinter der Bewegung? Marschieren hier nicht auch viele „Jubelperser/Claqeure“, also schlicht eine Lobby, die Geld vom “Wissenschaftssystem” bekommt?

[Klarstellung: Den Absatz oben habe ich noch einmal bearbeitet, um folgendes besser auszudrücken: Zu den „Claqueren“ zähle ich mich im weitesten Sinne auch, weil ich mit Wissenschaftskommunikation inzwischen mein Geld verdiene. Meine Aufgabe ist es auch, Wissenschaftler zum kommunizieren zu bewegen. Ich finde Wissenschaft von Berufs wegen „gut“, dafür werde ich bezahlt. Es stimmt aber auch, dass ich daneben privat ein Wissenschaftsfan bin und hier seit vielen Jahren im weitesten Sinn für eine evidenzbasierte Sicht eintrete und Wissenschaftskommunikation immens wichtig finde. Von außen lassen sich diese privaten und beruflichen Motivationen aber schlecht trennen: Interessenskonflikte und so. Wie man als privat engagierter Mensch damit „sauber“ umgehen sollte, weiß ich allerdings auch nicht. Letztlich bin ich mitmarschiert, aber nicht unter der Flagge meiner Organisation.]

Demonstrieren für ein dringend reformbedürftiges akademisches System

Anatol Stefanowitsch nannte den March letztens eine „Wohlfühlveranstaltung für positivistische Sciencefanbois“ und in der Tat kann man kritische Selbstreflexion derzeit mit der Lupe suchen. Ja, wir brauchen das Wissenschaftssystem, aber für den Erhalt des Status Quo zu demonstrieren, führt zu weit. Es ist nicht alles rosarot in der Wissenschaft.

Das akademische System produziert Akademiker am laufenden Band, von denen weniger als zehn Prozent in der Wissenschaft bleiben. Die Reproduzierbarkeitkrise, Publikationskrise, Übertragbarkeitskrise, eine ungebrochene Elfenbeinturm-Mentalität, allgemeine Frauen- und Reproduktionsfeindlichkeit, höchst zweifelhaften Karriereanreize, ein in weiten Teilen depressiver und psychisch ausgebrannter Nachwuchs in prekären Abhängigkeitsverhältnissen sind nur einige wenige Beispiele für die vielen gravierenden Probleme. Wie glaubwürdig ist der Marsch also, wenn sie nirgendwo thematisiert werden?

Was treibt die Wissenschaft?

Wir brauchen Wissenschaft für den gesellschaftlichen Fortschritt, wer aber behauptet, er oder sie würde sich als Wissenschaftler/in ganz selbstlos in den Dienst der Gesellschaft stellen, lügt sich doch in die Tasche! Es sind doch individuelle egoistische Motive, die einen Menschen zum kritischen Forschergeist mutieren und die Wissenschaftsmaschine brummen lässt.

Allen voran ist da die Befriedigung der eigenen Neugier: „Warum forschen wir? Weil es verdammt nochmal geil ist“ – und so soll es ja auch sein. Aber wer nicht den Ehrgeiz hat, die eigene Karriere voranzutreiben und die Publikationsliste mit hochkarätigen Papers zu verzieren, hat keine dauerhafte Chance im System. Ich finde es unehrlich, die gesellschaftliche Bedeutung derart in den Mittelpunkt zu rücken, wenn sie vom Alltag der Forscherinnen und Forschern systembedingt entkoppelt wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass einige der Beteiligten die Wissenschaft gar nicht so recht verstanden zu haben scheinen. Ein Beispiel: Schon mit der Vokabel „Fakten“ haben sie ihre hehren Ideale über Bord geworfen. Mit Wissenschaft können wir nichts zweifelsfrei beweisen! Das ist doch das tolle an ihr! Wissenschaft produziert keine Fakten und sie produziert keine Wahrheiten. Ein Pfeiler der Wissenschaft ist ihre Vorläufigkeit und die Anfechtbarkeit aller Erkenntnisse. Wer das nicht versteht, wird sich vom wissenschaftlichen Prozess fortwährend verraten fühlen.

Einmal demonstrieren reicht nicht

Die Botschaft eines Science March muss glaubwürdig, klar und deutlich sein – einen Interpretationsspielraum für die Rechten darf es nicht geben. Der Marsch soll natürlich ein Erfolg werden, ich hoffe, dass neben den Interessengruppen auch tausende „normale Menschen“ für die Werte der Wissenschaft demonstrieren. Und dass meine Wahrnehmung einfach auf einem großen Missverständnis beruht.

Meine Befürchtung ist jedoch, dass sich am Abend des 22. April alle gegenseitig auf die Schultern klopfen und anschließend wieder zur Tagesordnung übergehen. Doch damit ist noch nichts erreicht. Die meisten Wissenschaftler/innen haben über Jahrzehnte verschlafen, der Bevölkerung die Wichtigkeit ihres Tuns nahezubringen. Das fällt uns allen nun auf die Füße und es wird länger als einen Nachmittag dauern, diesen Schaden zu beheben.

Martin Ballaschk ist Biologe. Das Blog dient ihm als Verdauungsorgan für seine Gedanken: Er denkt hier öffentlich nach über Dinge, die ihn erstaunen, ihm unklar sind oder ihn aufregen. Oder über die er mit Anderen diskutieren möchte. Beruflich als Wissenschaftskommunikator, hier privat unterwegs.

76 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nur mal eine kleine Anmerkung: “Das akademische System produziert Akademiker am laufenden Band, von denen weniger als zehn Prozent in der Wissenschaft bleiben.”

    Das hört sich immer so an, als wenn nur im akademischen Bereich Wissenschaftler zu finden sind. Dem ist aber nicht so. Es gibt auch in der freien Wirtschaft eine Menge wissenschaftlicher Tätigkeitsfelder, die bei derartigen Statistiken gerne herausfallen. IMHO ist das eine sehr verengte Sicht auf die Wissenschaft.

  2. Hallo Gunnar,

    da hast du Recht und das ist natürlich auch meine Meinung. Das akademische System bildet aber de facto unabhängige Forscher für den Wissenschaftsbetrieb aus: DFG-Anträge schreiben, Tagungen besuchen, Papers schreiben usw. – was jeder nach der Promotion oder dem Postdoc dann daraus machg und ins Management, Wirtschaft, Consulting oder so wechselt, steht auf einem anderen Blatt.

    Das geht ja vielleicht gar nicht anders, weil die Ausbilder selber Uni-Akademiker sind und nichts anderes kennen. Das nenne ich eine Krise in der Wissenschaft. Die Produktion geht am Bedarf vorbei.

    Viele Grüße
    Martin

  3. Well put.
    I agree that evidence-based policymaking is crucial at this point if we’re to stand a chance of making it to the future. But I just don’t think this march is going to get us there.

    Science need to seriously and respectfully engage with all of society (even this glam mag agrees: http://www.nature.com/news/researchers-should-reach-beyond-the-science-bubble-1.21514). We need to overhaul the whole system so that it’s even possible for scientists to get off the publish-or-perish treadmill to do that, then we can start to build a healthier and more socially-embedded scientific culture that won’t be so easy to topple.

    I’m sure the march organisers mean well, but a diffusely-targetted, one-off, non-critical, demo with the simplistic message “you’re wrong – we’re right” will, at best, have no impact at all or, at worst, serve to polarise and disenfranchise further.

  4. Der March of science verteidigt die wissenschaftliche Methode über den in Politik und Gesellschaft praktizierten “Schamanismus” und stellt damit die Wissenschaft als Hüter von Wahrheit, Reinheit und Schönheit dar.
    Wenn das so wäre, dann kann nichts dagegen einwenden (Zitat) “wenn das wissenschaftliche Establishment für den Erhalt seines Systems demonstriert”, denn dieses System erhebt sich über den schnöden von materiellen und ideologischen Interessen geleiteten politisch/gesellschaftlichen Alltag.

    Doch es gibt auch innerhalb der Wissenschaft andere Stimmen. Stimmen, die am Sinn der reinen Theorie zweifeln. Dies kommt gut im Nature-Artikel Science needs reason to
    be trusted
    von Sabine Hossenfelder zum Ausdruck, wo bereits der Eingangssatz lautet: “I’m a theoretical particle physicist and I doubt the value of theoretical particle physics. “

    • Hallo Martin,

      mein Problem an der Sichtweise ist, dass es uns gar nicht zusteht, uns so über den „schnöden von materiellen und ideologischen Interessen geleiteten politisch/gesellschaftlichen Alltag“ zu erheben, weil unser wissenschaftlicher Alltag doch davon durchsetzt ist. Der Publikationsdruck, der Impact-Factor-Irrsinn oder der Bohei um Autoren-Positionen demonstrieren doch, dass wir Wissenschaftlicher auch nur in einem sozialen Kontext nach mitunter zweifelhaften Normen und Motivationen agieren. Ich sehe gerade, dass Sabine Hossenfelder ähnlich argumentiert – vielen Dank für dieses Lesestück! Wir können anderen nicht das vorwerfen, was wir selber nicht leisten können.

  5. Vielen Dank für den Artikel, der mein bisher diffuses Gefühl dem Match for science gegenüber​ vielleicht ganz gut greift.
    Das Gefühl einer präsidial verordneten Networkingveranstaltung hält sich seit einigen ihre Zeit leider hartnäckig.

    • Ich bin nach wie vor gespalten. Zuerst hatte die ganze Sache für mich wirklich noch diesen Grassroots-Charakter, und ich finde sie nach wie vor unterstützenswert. Und es beruhigt mich ein wenig, dass der Eindruck einer „präsidial verordneten Netzwerkveranstaltung“ nicht nur bei mir aufkam und ein flaues Gefühl hinterließ.

  6. Lass es mich mal so sagen: gut, dass es den March of Science gibt – und gut, dass es Menschen gibt, die sich solche Gedanken wie du machen.

    Ich möchte schon gerne davon ausgehen, dass dieser Tag nicht ein einmaliges, alleinstehendes Ereignis ist, sondern eher Auftakt für eine umfassende und in großen Teilen auch in der Öffentlichkeit geführte Diskussion darstellt. Es also auch zu einer größeren Präsenz der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Denkens in der Gesellschaft kommt.

    Ich bin übrigens einer dieser “normalen Menschen” – und ich empfinde es schon als sehr wohltuend, im Internet auch mal was anderes zu finden als Chemtraildeppen, Impfverweigerer, Wunderheiler etc. – allerdings vermisse ich – bei mir besonders auf Twitter – eine gezielte Ansprache all der Menschen, die nicht im Wissenschaftsbetrieb stecken oder einen entsprechenden Background haben. Da könnte, da müsste man deutlich mehr machen!

    Leider sorgt meine monetäre Situation dafür, dass ich am 22.04. nicht selbst teilnehmen kann – ich freu mich aber dennoch über den Tag!

    Kleine Anekdote zum Abschluss: sehr amüsiert hat mich ein Retweet von @ScienceMarchFfm: ein für den Sciencemarch “werbender” Tweet – verfasst von einen “Waldorfpapa” – Wissenschaft und Anhänger von Steiners krudem Gedankengebäude – das passt ja so gar nicht!

    • Danke für die warmen Worte. Sehr interessant, dass Du Dich eher wenig angesprochen und einbezogen fühlst – das ist wahrscheinlich auch eine wichtige Information für die Veranstalter.

      Ich wünsche uns allen, dass der Marsch einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Eine „größere Präsenz der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Denkens in der Gesellschaft“ infolge des Marches wird wahrscheinlich ein frommer Wunsch bleiben. Wenn der M4S vielleicht das allein nicht erreichen kann, ist es doch bestimmt ein wichtiges Signal innerhalb der Forschungs-Community: dass Wissenschaftskommunikation etwas ist, das man nicht vernachlässigen darf.

    • Hallo Herr Rindt,

      Tanja Gabriele Baudson hier – ich bin eine der zwei Initiatoren des March for Science Germany. Zu Ihrem P.S.: Seien Sie ein bisschen nachsichtig mit uns Grassroots-Aktivisten. Wir sind bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen keine “Medienprofis”, in den meisten Fällen vollzeit berufstätig (teils in der Wissenschaft, teils außerhalb) und dennoch mit viel Idealismus und Herzblut dabei. Ein solcher Fauxpas ist ärgerlich, kann aber nun mal passieren und sollte im Sinne der Fairness gegenüber den vielen großartigen Menschen, die sich engagieren, entsprechend im Gesamtkontext aller Meldungen bewertet werden.

      Beste Grüße
      Tanja Gabriele Baudson
      March for Science Germany

  7. Danke für diesen Kommentar, denn er gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein.
    Dieser “March for Science” ist mir zu viel Affirmation und zu wenig Kritik – und das gleich auf verschiedenen Ebenen. Plakativ könnte man sagen, dass er damit geradezu antiwissenschaftlich ist, denn Wissenschaft besteht doch gerade (wenn sie gut ist) im kritischen Hinterfragen und Zweifeln, und nicht im Bestätigen des immer schon Geglaubten.
    Wenn jetzt alle im Anti-Trump-Reflex auf ihre Fakten pochen, bekomme ich das bittere Gefühl, dass Popper, Kuhn und besonders Feyerabend vergeblich gelebt und geschrieben haben. Gewiss, unter den lautstarken Pseudoskeptikern war der Positivismus schon immer eine schwer zu bekämpfende Infektion. Aber jetzt wird er wieder allgemein akzeptiert. – Mag sein, dass es Fakten gibt. Aber die Erklärungsmodelle, die wir uns daraus bauen, haben doch immer einen theoretischen Überhang, sind immer in gewissen Maße kreativ und unsicher. Haben wir das alle vergessen?

    Zuviel Affirmation auch gegenüber den Verhältnissen in Deutschland. Hier in Thüringen werden die Ausgaben für die Unis innerhalb weniger Jahre um 20% (!) gekürzt. Das nennt sich dann euphemistisch “StEP 2020”. Das für Tierversuche zuständige Amt bearbeitet seit über einem Jahr keine Anträge mehr, und selbst grauhaarige Würdenträger der Universität vermuten dahinter politischen Willen. Ein Gutteil der zoologisch-physiologischen Forschung liegt daher lahm.
    Und anderswo in Deutschland sieht es kaum anders aus. Ich sehe die Gefahr, dass wir hier gegen den fernen US-Präsidenten protestieren, während sich die deutschen Politiker, die Doktortitel für karrierefördernden Schmuck und Forschungsergebnisse für Rohstoffe halten, selbstgerecht lächelnd unter die Demonstranten mischen.

    Dann bin ich lieber nicht dabei.

    • Offen gestanden dachte ich gestern abend noch, ich wäre der einzige, der den Marsch nicht bedingungslos super findet. Die vielen positiven Rückmeldungen finde ich da ermutigend, allerdings zeigen sie auch, dass die plakativen Slogans und Aufrufe nicht bei jedem gezündet haben.

      Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich nicht hingehen – so weit würde ich nicht gehen. Wenn ich hingehe, dann aber sicher nicht in der Rolle eines professionellen Wissenschaftskommunikators, der von Berufs wegen die Wissenschaft beklatschen muss. Ich würde als Privatperson, quasi als Ex-Wissenschaftler mit Stockholm-Syndrom teilnehmen. Und ich würde das auch so kenntlich machen, zur Not auch mit kleiner Fußnote und Disclaimer auf dem Plakat. Warum auch nicht?

      Aber ja, genau die von dir beschriebene Selbstkritik hat mir bisher gefehlt, zu selbstsicher kam die Initiative bei mir an. Dabei gab es intern viele Diskussionen, wie man damit umgehen soll. Das habe ich heute von mehreren Seiten erfahren. Diese Diskussionen transparent und öffentlich zu führen, hätte mir sicher viel Wind aus den Segeln genommen. Auch wenn im Endeffekt wohl entschieden wurde, diese (wissenschaftsimmanente) Unsicherheit nicht auf die eigenen Banner zu schreiben.

    • Hallo Herr Lehmann,

      Tanja Gabriele Baudson hier – ich habe gemeinsam mit Claus Martin den March for Science Germany aus der Taufe gehoben, aus dem dann die lokalen Veranstaltungen entstanden sind. Schauen Sie vielleicht mal in unser Mission Statement (http://marchforscience.de) und in unsere FAQ (http://marchforscience.de/faq), wo einige Ihrer Punkte recht differenziert angesprochen werden, und prüfen Sie, ob Sie Ihre Kritikpunkte dort so wiederfinden. Generell – das gilt auch für den Autor des Beitrags – sollte man genau unterscheiden, ob man seine Kritik auf den weltweiten March for Science, den March for Science Germany oder eine lokale Veranstaltung bezieht.

      Gerne können Sie auch unter http://marchforscience.de/wie-geht-es-weiter (oder per Email) Ihre Ideen hinterlassen, wie wir die Energie in konkrete Veränderungen kanalisieren können – wir vom March for Science Germany wollen es nicht bei diesem einmaligen Event belassen, und auch, wenn es uns hier in Deutschland in Bezug auf Wissenschaftsfreiheit im weltweiten Vergleich wirklich gut geht, gibt es genug Baustellen im Wissenschaftsbetrieb und seiner Vernetzung in die Welt. Der “March for Science” ist keine Wissenschaftlerparty, wo man sich gegenseitig dessen versichert, wie toll Wissenschaft ist und wie großartig man selbst. Es geht letztlich darum, dass wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse das Gegengewicht zu Populismus und demokratiezerstörenden “alternativen Fakten” sind und dass politische Entscheidungen auf Grundlage der besten verfügbaren Information getroffen werden müssen. Um diese Herausforderung zu bewältigen, kann man an vielen Stellschrauben drehen, muss dabei jedoch auch die wechselseitigen Abhängigkeiten im Auge behalten (wie das bei Systemen eben so ist). Wie gesagt, Ihre Ideen sind herzlich willkommen.

      Noch eine Information über uns als Initiatoren: Wir stemmen die deutschlandweite Koordination einschließlich Unterstützerakquise, Kommunikation, Crowdfunding, Twitter, Webseiteninhalten, Presse etc. zu zweit neben unseren Vollzeitjobs (Claus Martin ist freischaffender Künstler, ich Vertretungsprofessorin); unterstützt werden wir bei der Facebook-Gruppen-Administration, bei der Administration der Website im Backend sowie ein bisschen bei der Pressearbeit. Als Bislang-Nichtaktivisten mit hohem Idealismus lernen wir “by doing”, und ich kann Ihnen sagen, dass unsere Lernkurve sehr steil ist. Kritik ist wichtig, aber sie muss eben auch konstruktiv sein, damit sich etwas verbessern kann.

      Beste Grüße
      Tanja Gabriele Baudson
      March for Science Germany

      • Sehr geehrte Frau Baudson,

        1: was verstehen Sie unter ‘Science’?
        2: haben Sie Ihre Unterstützergruppen wie z.B. die (aus Silicon Valley importierter) Transhumane Partei und Ihr Programm genauer angeschaut?
        Wo wären Sie Heute, wenn der echte Kampf für die Gleichheit für Frauen bei Frauen nicht ‘populär’ gemacht worden wäre?
        Als Naturwissenschaftlerin empfehle ich Ihnen ‘popülar-wissenschaftliche’ (hoppla!) Bücher von Amerikanern Carl Sagan und Richard Feynmann, die schon vor Jahrzenten vor ‘Junk-Science’ und religiösem Fundamentalsimus in den USA warnten.

        3: ist für Sie ‘Gender’-Science gleichwertig mit z.B. der Physik zu setzen? Und sucht Ihre Mit-Unterstützer, die Grüne Partei bei dem ‘March’ ein Herd, zum treiben?

        4: so vieles läuft (auch in) DE durch große Organisationen verkehrt.
        So vieles bleibt für an Wissenschaft interessierten Menschen auch in DE unerreichbar. Sollen mit dem bewußt Englischen-Slogan Anti-Trump Gruppen in den USA von Außen gestärkt werden? Ich nehme es Ihnen nicht ab, daß bei einer Clinton-Präsidentschaft, Sie “March of Science” hochgestemmt hätten
        Als Naturwissenschaftlerin bin ich für DEZENTRALISMUS. DIes ist meine politische Forderung. Unterstützen Sie diese?

        Mit freundlichen Grüßen

      • Geschätzte Kollegin Baudson,
        danke für Ihre Antwort. Ich bewundere die Zeit und Energie, die Sie in die Organisation des Marsches (und in die Beantwortung von Fragen) stecken. Darum will ich Ihre Arbeit auch gar nicht madig machen. Sie ist ehrenwert und will etwas Gutes.
        Aber meine Vorbehalte bleiben nicht nur, sondern werden noch stärker, je näher der Termin kommt. Auf den Nachdenkseiten sind viele der Gründe für mein Unwohlsein heute ausführlich von zwei Leuten dargelegt worden:
        http://www.nachdenkseiten.de/?p=37873
        Oder, mit eigenen Worten:
        1. Es bleibt unklar, was der Marsch eigentlich will. Er ist irgendwie für Wissenschaft und irgendwie gegen sogenannte “Populisten” oder gar “Neopopulisten”. Also wohl für den Status quo. – Ist er gegen prekäre Beschäftigungen der Wissenschaftler, gegen Kürzungsorgien, gegen bürokratische Hemmnisse, gegen politisch gelenkte Forschung? Ist er für wiederherzustellende Autonomie der Hochschulen, für mehr (viel mehr) Geld, für Dauerstellen, für bessere Lehre?
        2. Da solche konkreten Standpunkte gegenüber der Politik HIERZULANDE unklar bleiben und der einzige erkennbare Motivator ein diffuses Feindbild ist, scheint mir der Sinn des Marsches darin zu bestehen, dass sich alle Teilnehmer gegenseitig auf die Schulter klopfen und sagen: “Wir finden uns toll.”
        3. Und da taucht mein Problem auf, denn ich finde uns gar nicht so toll. Gewiss – die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Welt ist faszinierend, großartig und notwendig für einen rationalen Diskurs. Aber die Rahmenbedingungen sind (s. 1.) ziemlich beschissen. Und auch viele Wissenschaftler machen große Fehler, lassen sich von der Industrie kaufen, sind unkritisch gegenüber ihren Theorien und dem, was sie glauben wollen. S. den Artikel aus den Nachdenkseiten.
        Die imposante Unterstützerliste hat auf mich einen abschreckenden Effekt. Massen denken nicht. Und die Wahrheit ist keine Mehrheitsentscheidung.
        Sorry. Ich kann nicht anders. Als 11/12-Jähriger habe ich mal für Marschmusik geschwärmt. Seither aber marschiere ich nicht. Grundsätzlich nicht.

  8. Ein ambivalentes Verhältnis finde ich grundsätzlich eine sympathische Haltung, und ich finde es wichtig, dass sie hier thematisiert wird – möchte aber doch dagegen halten, vor allem zu diesem Punkt:
    “Die meisten Wissenschaftler/innen haben über Jahrzehnte verschlafen, der Bevölkerung die Wichtigkeit ihres Tuns nahezubringen. Das fällt uns allen nun auf die Füße und es wird länger als einen Nachmittag dauern, diesen Schaden zu beheben.”
    Das ist sicher richtig, aber genau deshalb könnte der March for Science einen Anfang oder ein Aufwecken bedeuten (wobei ja einige auch schon ganz wach sind). Beim Women’s March war eine der positiven Erfahrungen, dass eine Demonstration Menschen aktiviert, zusammenbringt, motiviert, auch emotionalisiert – keine schlechte Voraussetzung für weiteres Engagement. Es sind schon durch die Vorbereitungen neue Netzwerke entstanden, die weiter wirken. Menschen wurden aktiviert, die sich vorher noch nicht politisch engagiert haben. Ich würde den March for Science mit diesen Erwartungen nicht überfrachten wollen, denke aber, man sollte ihn danach beurteilen, was er ist – eine einmalige Aktion – und nicht dafür kritisieren, was er alles nicht ist. Vor allem kein Ort der Selbstkritik, was nicht bedeutet, dass diese nicht stattfinden muss. Aber wäre eine Demo der richtige Ort dafür? Zudem richten sich – zumindest in Hamburg – einige der genannten Ziele durchaus auf die Missstände, die im Text hier ja zu Recht genannt werden. Das ist vielleicht eine Eigenheit der Bewegung und tatsächlich eine der Schwachstellen, die ich sehe: die verschiedenen Städte setzen da jeweils andere Schwerpunkte. Andererseits ist das auch nicht verwunderlich, denn die Science Marches wurde eben nicht “von oben” durchorganisiert, sondern spiegeln eher die Vielfalt der Wissenschaft.

    • Auf mich wirkte der Marsch bislang durchaus ganz gut “von oben durchorganisiert”, ich sehe aber ein, dass das eine Fehleinschätzung war (die aber interessanterweise von anderen geteilt wurde).

      Den Marsch hatte ich bislang noch gar nicht als Signal zum Aufwachen verstanden (vielleicht ist das ja eine ganz offensichtliche Schlussfolgerung, die mir so noch nicht in den Sinn gekommen ist). Diese Idee finde toll, weil es dafür natürlich gar nicht die ganz breite mobilisierte Masse benötigt, sondern vor allem Bewegung innerhalb der Community.

      Die Demo selbst ist sicher nicht der Ort der Selbstkritik, obwohl man bestimmte Verbesserungen am System auch auf Transparenten thematisieren könnte: zum Beispiel mit mehr gesellschaftlicher Teilhabe durch flächendeckendes Open Access. Was ich eigentlich meinte, ist die kritische Auseinandersetzung mit eigenen Rolle im Vorfeld. Hier erreichten mich über die sozialen Medien vor allem plakative Aussagen und keine Diskussionen. Wie ich heute erfuhr, gab es diese Diskussionen und Bedenken durchaus, nur wurden sie nicht transparent nach außen getragen.

  9. Natürlich liegt es in der Natur in der Wissenschaft immer alles auch zu hinterfragen und permanent Kritik zu üben – auch an sich selbst. Und natürlich liegt im deutschen Wissenschaftssystem einiges im Argen, über das man dringend reden müsste. Z.B. führt sich die programmorientierte Förderung der Helmholtz-Gesellschaft mit der Vorbereitung zur nächsten Runde gerade selbst ad absurdem, die Empfehlungen des Wissenschaftsrates de facto ins Gegenteil verkehrt und Gutsherrenmentalität der einzelnen Zentren durch personell zwar extrem aufwendigen, aber für die Zentrumsstrategien folgenlosen Begutachtungen nur gestärkt. Zentrumsinterne Kontrollmechanismen wurden abgeschafft, der POF als Kontrollinstrument allerdings nie wirklich Macht gegeben.

    Darum geht es aber nicht. An diesem Tag geht um die Wissenschaft an sich. Und hier stehen wir uns als Wissenschaftler selbst im Weg. Gerade weil wir alles – im Gegensatz zu Politikern und anderen medienaffinen Gruppen – immer permanent hinterfragen wollen und uns auch in die Argumente der anderen hineinversetzen wollen, haben wir in einer politischen Diskussion nie eine Chance. Und wenn wir nicht in der Lage sind an einem Tag einmal für das Ideal der Wissenschaft zu demonstrieren – wohl wissend, dass es dazu noch eine Menge zu tun gibt – können wir uns eigentlich auch gleich selbst abschaffen.

    Und natürlich handelt Wissenschaft von “Fakten”. Seit Jahrtausenden beobachtet jeder Wissenschaftler die Natur, macht (reproduzierbare!) Experimente und sammelt Daten. DAS sind Fakten. Darauf beruhende Modelle und Theorien sind keine Fakten, sondern eben Modelle und Theorien. Einige sind allgemein anerkannt, andere vielleicht umstritten. Von fast allen wissen wir, dass sie unvollständig sind – wegen mangelnder Daten aka Fakten. Was passiert ist, dass Wissenschaftler Modelle diskutieren und als Folge werden die Fakten in Frage gestellt.

    Die Temperaturerhöhung ist ein Fakt. Dass mit steigender Temperatur das Polareis schmilzt ist Fakt. Dass dadurch der Meeresspiegel steigt ist Fakt. Dass die Daten eine Korrelation zwischen CO2 Anteil und Erwärmung zeigen, ist auch Fakt. Die Entscheidung, dass für einen Zufall zu halten, und damit eine Chance verstreichen zu lassen, eventuell gegenzusteuern, ist eine politische. Der Rückgang der Bienenpopulationen ist ein Fakt. Dass Pflanzenschutzmittel Bienen schädigen, ist auch ein Fakt. Dass Bayer ein Verbot von gewissen Pflanzenschutzmitteln nicht akzeptieren will, solange nicht 100% bewiesen ist, dass das die einzige Ursache ist, und damit die Frage, welche Chance die wichtigere ist – die Gewinnsteigerung Bayers oder ein etwaiger Stopp des Bienensterbens, ist ein gesellschaftliches Problem.

    Wissenschaftler müssen für die Wissenschaft auch auf die Straße gehen dürfen. Sie müssen zeigen, dass Wissenschaft wichtig ist. Und sie müssen das auch mal können, ohne sich permanent selbst in Frage zu stellen.

    • Der Autor hat ja gesagt: “Wissenschaft produziert keine Fakten und sie produziert keine Wahrheiten.”

      Das stimmt schon. Wissenschaft benennt und konstatiert mit gewisser oder hinreichender, aber nicht völliger Sicherheit Fakten. “Beweise” gibt es nur in der Mathematik oder im Krimi. Deswegen muss man natürlich kein “Klimaskeptiker” werden, die Öffentlichkeit ist von solchen methodologischen Überlegungen meistens überfordert.

    • Ja, Selbstkritik kann lähmend sein und ich kann auch erkennen, dass es wirksame Kommunikation immer ein Spagat zwischen Differenziertheit und verfälschender Vereinfachung ist.

      Mit dem Rest des Kommentars gehe ich völlig konform.

  10. Ich stimme vielem zu, was in diesem Text gesagt wird. Naive Wissenschafsgläubigkeit ist nicht das, was wir brauchen. Sondern einen kritischen Geist. Allerdings einen Geist, der auch zur Kenntnis nimmt, was bereits an Methoden da ist, zB mathematischen und statistischen Methoden. Es ist eben zu einfach, zu sagen: Das leuchtet mir nicht ein! Bauchgefühl reicht nicht, dafür ist die Welt zu komplex.
    In einem Punkt möchte ich dem Autor aber vehement widersprechen:
    Ich war selbst einmal bei den Orgatreffen des Berliner Science March dabei und habe gestaunt, wie das von einem Dutzend junger Leute OHNE PR-Erfahrung aufgezogen worden ist. Tatsächlich machen inzwischen auch einige PR-Profis aus dem Wissenschaftsbereich mit, aber ehrenamtlich, aus eigenem Antrieb und unbezahlt.
    Für mich hat der March for Science nicht die Funktion, eine Jubelfeier für naiven Fortschrittsoptimismus zu sein, das ist keine PR-Veranstaltung und keine Pflicht, sondern ein freiwilliges Engagement für eine aufgeklärte Gesellschaft. Und das geht alle an.

    • Danke für diese Innenperspektive. Vielleicht hätte ich mich auch etwas besser informieren können, bevor ich den Beitrag gestern schrieb – mea culpa.

      Ich kann nur hoffen, dass der Marsch nicht als bloße PR-Jubelfeier verstanden wird. Bei mir kam es anders an, und bei anderen auch.

  11. “Mit Wissenschaft können wir nichts zweifelsfrei beweisen! Das ist doch das tolle an ihr!”
    Dies einem “normalen Publikum” einschließlich Politikern zu sagen und gleichzeitig aufzufordern, sich aber bitte an den Erkenntnissen des IPCC o.ä. zu orientieren oder Erkenntnissen der Krebsforschung zu vertrauen, ist nicht tivial.
    Man muss immer unterscheiden zwischen der Sichtweise von Wissenschaftlern und “Normalmenschen”. Es sind einfach ganz unterschiedliche Denkweisen und Definitionen von “Fakten”.

    • So ist es, aber Leugner werden ganz raffiniert, wenn sie dann diskutieren und schöpfen die Werkzeuge des Zweifels voll aus, fragen nach Beweisen und schrauben die methodischen Ansprüche immer höher, um noch ein “aber” rein zu zwängen.

      Sie wenden die Werkzeuge der Kritik gegen die Wissenschaft.

    • Zitat:„Mit Wissenschaft können wir nichts zweifelsfrei beweisen!”
      Und ohne Wissenschaft? Ohne Wissenschaft können wir noch viel weniger beweisen. Das weiss übrigens auch der geschmähte Normalbürger. Nicht umsonst spricht man bei der Religion vom Glauben und nicht vom Wissen. Selbst wenn der Gläubige von seinem Wissen spricht, wissen seine Zuhörer und letztlich er selber, dass es das Wissen von dem er spricht nicht ohne den Glauben gibt.
      Zitat:Man muss immer unterscheiden zwischen der Sichtweise von Wissenschaftlern und „Normalmenschen“. Es sind einfach ganz unterschiedliche Denkweisen und Definitionen von „Fakten“.
      Falsch. Auch Normalmenschen wissen, dass nur wenige Dinge unzweifelhaft wahr und faktisch sind. Selbst die Bewohner der Sowjetunion liessen sich vom Titel der führenden Zeitung – nämlich Prawda (die Wahrheit) – nicht täuschen.

      • Zitat: “Auch Normalmenschen wissen, dass nur wenige Dinge unzweifelhaft wahr und faktisch sind. Selbst die Bewohner der Sowjetunion liessen sich vom Titel der führenden Zeitung – nämlich Prawda (die Wahrheit) – nicht täuschen.”
        Der Vergleich passt nicht, der beschreibt ein Spektrum von Schönfärberei bis Propaganda. Mir ging es um den Begriff der wissenschaftlichen Unsicherheit, der etwas anderes beschreibt als die alltägliche Unsicherheit ob etwas so oder anders ist. Trotz der in der Wissenschaft üblichen Benennung von Unsicherheit reichen die Ergebnisse der Klimaforschung aus, um darauf weitreichende politische Beschlüsse zu basieren. Das ist was anderes als “ich bin nicht sicher, ob es regnet, also nehme ich einen Schirm mit”.

        • Wenn der Normalbürger sagt, bald sei es Winter und der naheliegende See wahrscheinlich zugefroren, dann liegt diese Aussage zusammen mit der impliziten Annahme, dass der See eventuell auch nicht gefriert, nahe an der wissenschaftlichen Unischerheit wie man sie für viele Aussagen beispielsweise in den Weltklimaberichten findet.
          Es stimmt einfach nicht, dass die Art der Unsicherheit wie es sie in der Wissenschaft gibt, dem Normalbürger fremd ist. Was haben sie denn für ein Bild vom Normalbürger?

  12. Bravo! Ich habe in den USA an einem vorab Science March in Boston teilgenommen und ich finde es auch eigenartig, dass in Deutschland auf diese Weise “für die Wissenschaft” demonstriert wird und ich glaube viele Zuschauer werden gar nicht verstehen, was das soll. In den USA gehen die Leute in Städten wie Bosten im Moment oft und für viele Gründe auf die Straße (“jeden Samstag ist gerade Demo”, meinte einer zu mir), denn sie wollen zeigen, dass sie eine Stimme haben und auch bereit sind, sich zu mobilisieren. Das ist in dieser politischen Situation wichtig. In Deutschland weiß ich nicht genau, ob das Bedürfnis dazu da ist für “Wissenschaft” zu demonstrieren und würde mir eher wünschen, dass Wissenschafter für bessere Wissenschaft auf die Straße gehen: “Das akademische System produziert Akademiker am laufenden Band, von denen weniger als zehn Prozent in der Wissenschaft bleiben. Die Reproduzierbarkeitkrise, Publikationskrise, Übertragbarkeitskrise, eine ungebrochene Elfenbeinturm-Mentalität, allgemeine Frauen- und Reproduktionsfeindlichkeit, höchst zweifelhaften Karriereanreize, ein in weiten Teilen depressiver und psychisch ausgebrannter Nachwuchs in prekären Abhängigkeitsverhältnissen sind nur einige wenige Beispiele für die vielen gravierenden Probleme. Wie glaubwürdig ist der Marsch also, wenn sie nirgendwo thematisiert werden?” – das sind wohl Gründe genug. So könnte man Menschen außerhalb der Wissenschaft auch vielleicht besser darüber informieren, wie “die Wissenschaft” überhaupt funktioniert – ich glaube, dass das vielen fehlt und Feindlichkeit hervorruft. Grundsätzlich finde ich es schön, dass Menschen hier für ihre Werte einstehen, die ich auch unterstütze, aber wie du bin ich eben skeptisch und auch das gehört zur guten wissenschaftlichen Praxis.

  13. > Die Botschaft eines Science March muss glaubwürdig, klar und deutlich sein…

    Welche Botschaft soll das nochmal genau sein?
    Habe ich im Artikel nicht so genau rausgelesen.
    Ansonsten ist bei mir als Botschaft bisher im wesentlichen angekommen: “Bääääähh wir wollen aber die Hillary und nicht den Trump!”

    Bei einem March for Science gegen die Einführung von Studiengebühren oder gegen die Bologna Reform oder gegen immer weiter und weiter ausufernde Notwendigkeit der Drittmitteleinwerbung an den Unis, da hättet Ihr mich fragen können ob ich mitmarschieren möchte. Aber ausser das da mal ein paar direkt betroffene Studenten was gegen die Gebühren hatten, kommt mir die Wissenschaft diesbezüglich immer recht teilnahmslos vor.

    > Denn wenn Wissenschaftler Partei ergreifen und als Interessengruppe auftreten,
    > verliert die Wissenschaft in den Augen mancher ihre unpolitische Unschuld.

    Die “unpolitische Unschuld” ist doch schon lange weg, aber nicht wegen Klimawandel oder Gentechnik sondern wegen den Drittmitteln, der BWL, der VWL oder Friedensnobelpreisen für Kriegsverbrecher.

  14. Ich stimme den Bedenken sehr zu und finde sie gut auf den Punkt gebracht. Ich teile auch vor allem die Befürchtung, dass (wie schon geschrieben) aich am Ende alle gegenseitig auf die Schultern klopfen und beruhigt wieder in ihre Labors gehen. Das nächste Paper muss ja auch schnell publiziert werden bevor die Bewerbungsfrist für die nächste Förderung endet.

    Dennoch bin ich über alle Maßen erstaunt, dass Wissenschaftler sich überhaupt bewegen. Aus meiner Erfahrung heraus hätte ich nicht damit gerechnet. Natürlich kann es passieren, dass die Botschaft nicht ankommt und diverse Aluhut-Träger den Forschern erst recht unterstellen, aus eigenen Interessen zu handeln. Die sehr schön beschriebene (ich nenne es so) Arroganz der Wissenschaft, für alles Wahre im Universum zu stehen und über jeden Zweifel erhaben zu sein, ist tatsächlich ein diametraler Konflikt zum eigentlichen Wesen der Wissenschaft.

    Die meisten der Krisen sind selbstverschuldet und können deshalb auch kaum durch eine Demonstration nach außen gelöst werden. Der mangelnde Bezug zur Gesellschaft ist ja eine Folge der Probleme und nicht die Ursache.
    Es braucht aber auch einfach mal einen Anfang. Und wie es so schön heisst: Man muss sich erst einmal eingestehen, dass man ein Problem hat, wenn man es lösen will.

    • Die […] Arroganz der Wissenschaft, für alles Wahre im Universum zu stehen und über jeden Zweifel erhaben zu sein, ist tatsächlich ein diametraler Konflikt zum eigentlichen Wesen der Wissenschaft.

      Ja, ich wünsche mir auch mehr Demut. Ich begegne ab und zu der Grundhaltung, dass die Wissenschaft ein grundgesetztlich verbrieftes Recht ist und dass man sich daher auch gar nicht bewegen oder erklären müsse.

      Ansonsten: Vielen Dank für den Kommentar. In der Tat ist ein Anfang ein Anfang und vielleicht wird ja doch etwas Großes, Anhaltendes aus der Bewegung, das würde mich sehr freuen.

  15. Pingback:March for Science: Mitmachen oder nicht? » RELATIV EINFACH » SciLogs - Wissenschaftsblogs

  16. Bei einer Reihe von Aussagen dieses Blogbeitrags kann ich nur den Kopf schütteln.

    Klar, jedem seine Filterblase, aber ich habe den March for Science nicht als Top-Down-Veranstaltung erlebt – im Gegenteil, bis die Wissenschaftsorganisationen, die ich kenne, recht spät und zum Teil eher zögerlich an Bord kamen, hatte ich von den Organisatoren eigentlich schon alles wesentliche gehört.

    Insofern: Woher kommt deine Einschätzung, das sei eine Demo, zu der “das Establishment” aufruft? Belege dafür, bitte!

    Ditto mit dem angeblich ” von oben verordnete[n] Pflichttermin”. Mich hatten X Aufrufe erreicht, ehe z.B. Uni Heidelberg oder mein eigenes Institut mit Aufrufen nachzogen. Und auch da nicht so formuliert, dass es wie ein Pflichttermin aussah. Woher kommt diese Einschätzung? Belege dafür, bitte!

    Die Jubelperser finde ich komplett daneben. Hallo? Mal geschaut, wer die eigentlich waren? Sprich: Geheimdienstmitarbeiter und angeheuerte Hilfskräfte, die mit Gewalt gegen Andersdenkende vorgegangen sind? Das ist doch nun wirklich ein unpassender Vergleich. Sachliche Kritik sieht anders aus. (Es sei denn, wie immer, du hast anderslautende Belege. Ja?)

    Ich habe jetzt jedenfalls auch mal zum Thema gebloggt: March for Science: Mitmachen oder nicht?

    • Tja, so sind die Erfahrungen eben unterschiedlich. Ich habe es durch die Einbeziehung von reichweitenstarken Medienprofis, bestimmte andere Erlebnisse, über die ich hier nicht sprechen kann und die Einbeziehung von Politikern eben doch als Top-Down-Veranstaltung empfunden. Das liegt vermutlich daran, dass ich nicht dein Insider-Wissen habe.

      Und ja, ich habe ganz naiv “Jubelperser” (und nicht etwa “Prügelperser”) verwendet: ich kenne den Begriff als Synonym zu Claquer, Anklatscher, Fake-Demonstrant. Wenn PR-Leute und Vertreter von großen Organisationen dort geschlossen und als Block mitlaufen, dann hat das eben ein Geschmäckle. Musst du ja nicht so finden, für mich gibt es da Interessenskonflikte, über die man vielleicht mal nachdenken sollte.

  17. Die Gerechtigkeit hat Schwächen. Obama hat Schwächen. Bayern München hat welche, der Kommunismus, die Heimat, der Karneval, der Glaube, alles, sogar die Freiheit. Und trotzdem gehen die Leute dafür auf die Straße, manche gewiss weil sie halbblind sind, andere weil sie “es” für alles in allem die beste Lösung halten und dafür eintreten wollen.

    Ja, da werden auch Gender-, Religions- und Tourismus-“Wissenschaftler” und gewiss auch die WissHom mitgehen. Hoffentlich nicht mit mir auf demselben Foto, aber is’ halt’n freies Land hier.

    Und welche andere sagenwirmal “Interessengruppe” geht denn überhaupt so kritisch, auch öffentlich, mit sich selbst um? Man mag das marketingtechnisch dumm finden, aber ich finde, es zeichnet “uns” aus (die Anführungszeichen, weil ich weder Wissenschaftler noch Akademiker bin, nur Jülicher :-))

    Wenn ich die berechtigte (Selbst-) Kritik am Wissenschaftsbetrieb als Argument weglasse, bleibt die eher philosophische Frage, ob man für eine Erkenntnismethode aufstehen soll und damit den Eindruck erwecken könnte, dass die Empirie zur Diskussion steht bzw, dass Fakten und Meinungen gleichwertig seien.

    Ich begrüße es, dass (jaja, aus Eigennutz, schonklar) die Universitäten und Spitzenorganisationen der Wissenschaft den Sciencemarch offiziell unterstützen, wie ich sie gleichzeitig dafür verfluche, der Ausbreitung der Esoterik in ihrem direkten Einflussbereich und deren Missbrauch wissenschaftlicher Begriffe (Frequenz, Resonanz, Quanten etc) nicht entschlossener entgegenzutreten.

    Ich gehe also hin, wegen des Brotes und trotz der Krümel.

  18. Vielleicht ist diese “Bewegung”, die da aus den USA kommt, auch für deutsche/europäische Verhältnisse auch gar nicht so recht übertragbar? Weil angesichts Trumps Zielsetzungen, die es hier so nicht gibt, die Muße nicht lohnen könnte?

    Auch bin ich der Meinung, dass sich wirklich einiges verändern müsste. Ich habe hier und anderswo schon viel Kritik am System und seine Schwierigkeiten gelesen. Wenn ich dem glauben darf, dann darf man quasi diesen “March For Science”, der ja wohl alles so bleiben lassen will, wie es ist, nicht mitmachen, denn es wird sich allenortes vieles besser, “freier” vorgestellt.

    Allerdings tut diese Bewegung vielleicht etwas Aufmerksamkeit für die Wissenschaft erreichen? Nur damit sie unter den Bürgern in gewisser Erinnerung bleibt…!?

    • Die Frage der Übertragbarkeit habe ich mir auch schon gestellt. Allerdings scharren bei uns ja bereits rechtspopulistische Demagogen mit den Hufen, daher ist die Gefahr auch bei uns vorhanden. Deswegen finde ich wichtig, dass man den “europäischen Trump-Wählern” etwas positive Projektionsfläche bietet und eben nicht den Eindruck einer PR-Aktion des vielgescholtenen “Establishments” erzeugt.

      Bei mir ist der Termin jedenfalls schon lange im Kalender markiert. Ich tendiere ja nach wie vor sehr stark dazu, dort hinzugehen. Aber wie und unter welcher Flagge, finde ich entscheidend. Ich will nicht im Helmholtz-Block mitmarschieren und auch nicht als Kommunikator oder PR-Profi auftreten. Dann lieber als Wissenschaftler mit Sternchen und Fußnote. Was auf meinem Banner steht, weiß ich aber noch nicht.

      • Naja, ich kann auch populistisch.
        Wenn zum Beispiel die Geisteswissenschaften (und nicht nur die) nicht begreifen, wie falsch sie den Begriff “Determiniert” verwenden, dann habe ich auch das Bedürfnis, diese (Geistes)Wissenschaften zu “deinstitutionalisieren”!

        Aus dieser “Deinstitutionalisierung” können/werden dann mit Sicherheit die nötigen Innovationen und die nötige Erneuerung entstehen, weil man es sich ja nicht bieten lassen kann…einfach so abgeschafft zu werden.

        Ansonsten hoffe ich natürlich auf eine wirkliche Verbeserung der Wissenschaften und der Organisation der Institutionen – ohne den finalen Druck, wie ihn Trump etwa andachte.

        Ich drücke die Daumen…

      • Zur Erklärung meiner Kritik:

        Das Gegenteil von Determiniert, sei ja offenbar nicht “Terminiert”, sondern “Indeterminiert”.
        Aber ich wittere hier trotzdem eine (unwissendlich?) falsch gedeutete Begrifflichkeit.

        Denn immerhin “terminieren” wir unser Aufeinandertreffen zu einem beiderseitig genehmen Zeitpunkt, und auch der (Schwarzenegger)Terminator legt was fest (den Tod zum Beispiel).

        Mag es auch daran liegen, dass die lateinische Vorsilbe “de” möglicherweise auf den Begriff “Determiniert” nicht zutrifft.
        Das ganze ist verwirrend, wenn man die Frage des “freien Willens” stellt. Da heisst es immer: wir seien nicht “determiniert” – also gemeint ist dann immer, wir seien nicht festgelegt. Aber das “de” als Vorsilbe von “Determiniert” zu erkennen, hiesse letztlich, dass wir, wenn wir sagen, wir seien nicht festgelegt, sagen müssten, wir seien nicht “Terminiert”. Weil die Terminierung die Festlegung bedeutet.

        Können sie mir folgen?

  19. Danke für diesen Beitrag. Ich wünschte mir mehr davon und hoffe, dass der Marsch nicht zuletzt dazu anregt, vielleicht auch provoziert.
    Denn ein Marsch ist zunächst einmal nur eine Demonstration. Ein Achtungszeichen. Viel mehr kann diese Aktion aus meiner Sicht nicht leisten.
    Als (ehrenamtliche) Mitorganisatorin des March for Science in Berlin sind vor allem folgende Aspekte für mich persönlich von großer Bedeutung:
    Welche (politischen) Rahmenbedingungen braucht es, damit „gute“ Wissenschaft gedeiht? Es gibt aktuell genügend negative Beispiele. Wir jammern da in Deutschland auf (noch) vergleichsweise hohem Niveau. Daher sollten wir – daher will ich – einerseits Solidarität üben mit unterdrückten Wissenschaftler_innen und andererseits darauf aufmerksam machen, wie fragil das System auch in Deutschland ist. Deshalb unterstütze ich auch die aktive Einbindung von Politikern in unsere Aktion. Wir müssen reden. Miteinander.
    Wie können wir unseren Kindern erleichtern, Fake News zu identifizieren? Sich eine überlegte Meinung zu gesellschaftlichen Entwicklungen zu bilden? Als „PR-Profi“ habe ich in den vergangenen 25 Jahren versucht, dazu beizutragen. Dass dabei nicht immer die richtigen Methoden gewählt wurden, dass wir uns noch genauer überlegen müssen, wie Wissen wirkt, ist mir nicht erst seit heute klar.
    Wann ist Wissenschaft gute Wissenschaft? Nicht jede Wissenschaft ist gute Wissenschaft – wir haben mit Schludrigkeiten und Fälschungen zu tun. Auch Rüstungsforschung wird kaum jemand persé als gute Wissenschaft bezeichnen. Aber so einfach ist es eben nicht. Wie gehen wir um mit „dual use“? Wie sollten wir über Ängste und Dystopien sprechen, die auch durch bestimmte wissenschaftliche Entdeckungen bedingt sind. Deshalb finde ich es wichtig, auch die großen Wissenschaftsorganisationen dabei zu haben. Wir müssen darüber reden, wie wir reden.
    Der March for Science, ich kann nur für Berlin sprechen – IST eine Grassroot-Bewegung. Ich habe in den vergangenen zwei Monaten unglaublich motivierte, politische interessierte Wissenschaftler_innen erlebt. Wir kannten uns vorher nicht und führen jetzt intensive Diskussionen über all diese Fragen. Und darüber, wie wir eine solche Diskussion auch nach dem Marsch weiterführen können.
    Schon dafür hat es sich gelohnt.

    • Frau Morgner,

      leider muss ich sagen, dass Ihr Beitrag genau das widerspiegelt, warum ich den “march” für nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich halte.
      Was sind denn “fake news”? Galilei war seinerzeit fakenews, oder?
      Warum postulieren Sie, “Rüstungsforschung wird kaum jemand persé als gute Wissenschaft bezeichnen”? Setzen Sie hier nicht einfach Ihre persönlichen ethischen Maßstäbe absolut? Sie arbeiten an der HU Berlin, die ja bekanntlich eher durch “Profx”-Debatten, Beschäftigung des MfS-Holm und die massenhafte Erzeugung SJW´s auffällt, als durch die Erkenntnis des Namensgebers:

      “Je mehr also der Staat mitwirkt, desto ähnlicher ist nicht bloß alles Wirkende, sondern auch alles Gewirkte. […] Wer aber für andere so räsoniert, den hat man, und nicht mit Unrecht, in Verdacht, daß er die Menschheit mißkennt und aus Menschen Maschinen machen will.“

    • Danke für diesen sehr ausführlichen Kommentar. Solidarität und Awareness sind ganz wichtige Aspekte, die ich voll unterstütze. Was gute wissenschaftliche Praxis angeht, Schludrigkeiten und Fälschungen sind ausgesprochene Randphänomene, dazu noch lediglich Symptome von Problemen, die die Wissenschaft heute von innen heraus bedrohen. Dazu gehört etwa, dass während des Aufstiegs in der Karriere nicht ausschließlich nach wissenschaftlicher Exzellenz selektiert wird. Ich hätte mir gewünscht, dass sowohl die Bedrohung von “außen” (also zB Trump) genauso wie die von “innen” anerkannt und thematisiert würden. Jede/r Demonstrant/in kann natürlich selbst entscheiden, wie er/sie so etwas thematisieren möchte. Von den Nutznießern heutiger Verhältnisse erwarte ich das natürlich nicht.

      Natürlich kann man Politiker dazu holen, damit diese an der Diskussion teilnehmen. Es muss aber klar sein, dass so ein Signal unterschiedliche Wirkungen haben kann. In den USA hat man Politikerbeteiligungen aus diesem Grund „umschifft“. Ähnliches gilt für PR- und Marketing-Profis, die sich ehrenamtlich für den Marsch aufopfern. Die Profis braucht man sicher, um so etwas zu stemmen, und die Marketingmenschen haben sicher gute Ideen, wie man den March bekannter macht. Dass außer mir dann aber einige den Eindruck bekommen, dass das sympathische “Grassroots-Flair” ein Stück weit verloren geht, ist dann offenbar der Preis dafür. Das ist eine subjektive Wahrnehmungsgeschichte, und möglicherweise ist das gar kein großes Problem.

      Diese Diskussionen zu führen, finde ich auch wichtig. Danke, dass ihr diese Bereitschaft mitbringt.

  20. In Deutschland? Im Wunderland der ideologiegesteuerten
    Wissenschaftspolitik (Gender”wissenschaft”, Konkordatslehrstühel,
    Alternativmedizinlehrstühle, Homöopathiekongresse
    Gentech/Genforschungsverbote, Atomausstieg, “Friedensunis” etc etc)
    einen “March for science”?

    Bitter nötig wäre es, aber jede Wette: Da könnten sich die Beteiligten
    noch nicht mal auf einen Minimalkonsens einigen. Dass am es für nötig
    hält, das Signet in den faq zu thematisieren (“Was bedeutet euer Logo?
    Habt ihr was mit der Atomlobby zu tun?”) sagt schon alles aus.

    Die Freiheit der Wissenschaft wird allerdings hierzulande mindestens
    genau so bedroht wie in den USA.
    Die Politisierung und Durchideologisierung der Wissenschaft erinnert
    mich durchaus an die Zeit Lyssenkos.

    Dieser “Marsch” wurde ja initiert von EPA-Mitarbeitern, deren
    materielle Felle nun durch Trumps Wahl davonschwimmen. Ich weiss auch
    gar nicht, warum Evolutionsbiologen bei etwas mitmachen, wo
    Gendergeistler maßgeblich den Ton bestimmen. Die bekanntlich von
    Evolution und Genetik so viel halten wie Kreationisten.

    Die Organisatoren hier sind in der Tat honorig, allerdings sind sie eben nur Kielwasser des US-Orginals und, jede Wette, werden als Anti-Trump-Veranstaltung medial präsentiert. Ob sie es wollen oder nicht.

    Die Wissenschaft ist dabei, Hollywood nachzuäffen. Allerdings als “lumpige Farce”, um Marxens Diktum vom Brumaire Bonapartes anzuführen.

    • @Frank Heinze

      Ihr Beitrag verwirrt mich. Einerseits sprechen Sie sich für die Freiheit der Wissenschaft aus, andererseits polemisieren sie gegen “Gendergeistler” .

      Nun bedeutet “Science” genau übersetzt zwar erst mal nur empirische Wissenschaft, der Rest sind “Humanities”. Aber die Organisatoren der deutschen Version des Marsches erklären in ihren FAQs ausdrücklich, dass auch die Sozial- und Geisteswissenschaften dazugehören und mitmachen sollen.

      Und ich finde das gut so. Sonst hätte tatsächlich Anatol Stefanowitsch recht mit seiner Warnung vor einer Veranstaltung “positivistischer Fanboys”.

    • @ Kommentatorenkollege ‘Panagrellus’ :

      Gender“wissenschaft“

      Die sog. Gender Studies sind eine Esoterik, die es an Bildungsstätten geschafft hat.
      Ihr anzunehmendes esoterisches Glaubensbekenntnis besteht genau in dieser Aussage:

      Man wird nicht als Frau geboren, man wird es. (Quelle)

      Blöderweise widerspricht der dbzgl. gemeinte Glaubensentscheid der Biologie.


      Ansonsten, Opi W hat schon so einiges kennen gelernt, als “Ostblockler” sozusagen, auch die “Wahrheit” der Sozialistischen Marktwirtschaftslehre und die Dummheit der kulturmarxisischen, dann aber “westlichen” sog. Kritischen Theorie.

      Esoterik gilt es von den Bildungsstätten fern zu halten.
      Wenn wissenschaftlich begründet, welche auf den Straßen herum rennen, kann dies nicht günstig wirken,
      der Wissenschaftler ist bescheiden, schwätzt womöglich in den sog. Neuen Medien (gemeint immer: das Web oder Internet) herum, schreibt vielleicht gelegentlich auch mal Leserbriefe, (noch real existierende) Print-Medien meinend, hat aber (in der Regel) kein politisches Mandat und darf bescheiden bleiben.

      MFG + schöne Ostern!
      Dr. Webbaer

    • @ Kommentatorenkollege ‘Panagrellus’ :

      Gender“wissenschaft“

      Die sog. Gender Studies sind eine Esoterik, die es an Bildungsstätten geschafft hat.
      Ihr anzunehmendes esoterisches Glaubensbekenntnis besteht genau in dieser Aussage:

      Man wird nicht als Frau geboren, man wird es. (Quelle)

      Blöderweise widerspricht der dbzgl. gemeinte Glaubensentscheid der Biologie.


      Ansonsten, Opi W hat schon so einiges kennen gelernt, als “Ostblockler” sozusagen, auch die “Wahrheit” der Sozialistischen Marktwirtschaftslehre und die Dummheit der kulturmarxisischen, dann aber “westlichen” sog. Kritischen Theorie.

      Esoterik gilt es von den Bildungsstätten fern zu halten.
      Wenn wissenschaftlich begründet, welche auf den Straßen herum rennen, kann dies nicht günstig wirken,
      der Wissenschaftler ist bescheiden, schwätzt womöglich in den sog. Neuen Medien (gemeint immer: das Web oder Internet) herum, schreibt vielleicht gelegentlich auch mal Leserbriefe, (noch real existierende) Print-Medien meinend, hat aber (in der Regel) kein politisches Mandat und darf bescheiden bleiben.

      MFG + schöne Ostern!
      Dr. Webbaer

  21. @Frank Heinze

    “Ist es nicht genau diese Unterwerfung der „science“ unter die diversen Ideologien, die ihre Unglaubwürdigkeit befördert?”

    In gewisser Weise gebe ich ihnen da recht, aber das klingt jetzt so, als ob es eine von Ideologie völlig freie, sozusagen unschuldige, über den Dingen schwebende Form von Wissenschaft geben könnte.

    Das ist natürlich Unsinn. Jede Wissenschaft aller Zeiten interagiert mit den gesellschaftlichen Umständen und wird von diesen beeinflusst – weil Wissenschaft von Menschen gemacht wird und nicht vom Himmel fällt. Je besser man sich diesen Einflüssen bewusst wird, umso besser für die Wissenschaft/Science. Und unter anderem um solche Randbedingungen der Science zu erforschen, ist es doch gut, dass es die Humanities gibt.

  22. @Panagrellus

    Nun ja. Sicher wissen Sie, dass der “Erfinder” der Klimawandeltheorie, James E. Hansen, vehement für die CO2-freie Kernenergie eintritt. Wie auch viele andere Wissenschaftler im angelsächsischen/asiatischen Raum.

    Wie frei ist hierzulande die (Klima)Wissenschaft, ebenfalls diese Position zu beziehen? Ich habe es oben schon angesprochen, dass man es offenbar für nötig hält, derlei in den faq abzuhandeln.
    Ist nicht auch die Waffenforschung (im Gegensatz zu dem was Frau Morgner meint) nicht auch mit ideologischen Handschellen unterwegs, wenn sie Explosivstoffe durch Laser ersetzen will? Die Naivität, anzunehmen, man könne Kriege vermeiden, wenn es keine Waffen gäbe, erschüttert mich immer wieder. Gerade bei Akademikern.
    Gleiches gilt für die Debatte um grüne/rote Gentechnik, Biohacking oder Golden Rice.

  23. Ich unterstütze den “March of Science”. Was mir aber als evangelischer Christ überhaupt nicht gefällt, ist, wie das sogenannte “säkular-humanistische” Spektrum, militant atheistische fanatische Sekten wie die Giordano-Bruno-Stiftung, diesen “March for Science” in Deutschland als Trittbrettfahrer missbrauchen. Sie werden sicherlich auf den Demos prominent auftreten und sich positionieren. Diese Gruppierungen sind im Auftreten und in ihrer Argumentation islamistischen und evangelikalen Fundamentalisten frappierend ähnlich, wie man in zahlreichen Darstellungen, etwa der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und Sekten in Berlin, nachlesen kann. Wenn wir uns als Naturwissenschaftler von diesen sektiererischen und fanatischen Gruppen instrumentalisieren und missbrauchen lassen, verlieren wir endgültig unsere “credibility”.

    • @Jochen Schrader;
      Das Auftreten der Atheisten als Interessengruppe ist eine Reaktion auf das militante, arrogante und intolerante Auftreten der Kirchen als Interessengruppen. Die Kirchen haben die gesamte Gesellschaft für ihre Interessen vereinnahmt und werden vom Staat dafür noch finanziell unterstützt! Da ist es nur legitim, wenn Atheisten sich dagegen zur Wehr setzen. Der Mensch wird als Atheist geboren!

      Wie Christian Hoppe beschrieben hat, haben die Kirchen dafür nicht mal eine wissenschaftlich fundierte oder begründete Rechtfertigung. Gegen Religiosität an sich wäre nichts einzuwenden, wenn sie sich beschränken würde und die Freiheit der Menschen achten würde. Der Religionsfreiheit müssen gesellschaftliche Grenzen gesetzt werden. Mit dem Islam wird die Notwendigkeit der Beschränkung umso deutlicher.

      • @ Herr Anton Reutlinger :

        Der Mensch wird als Atheist geboren!

        Nicht notwendigerweise, einen ‘Ismus’ meinend, ‘ire’ ist Latein und meint das ‘Gehen’, der ‘Ismus’ meint eine ‘Vorgehensweise’-
        Der Bär oder Mensch ist atheisch (“gottlos”) geboren, er wird aber oft nicht i.p. Vorgehensweise ‘atheistisch’.

        Der Religionsfreiheit müssen gesellschaftliche Grenzen gesetzt werden. Mit dem Islam wird die Notwendigkeit der Beschränkung umso deutlicher.

        Definitiv (“Grenzen setzend”), das, was zu D gehören soll, aus Sicht einiger ist zudem keine Religion oder besondere Rückbindung (an “außerempirische Akteure”), sondern ein Herrschaftssystem.

        Opi W beömmelt sich hier idR, wenn dies anders gesehen wird, wiehert fast.

        MFG
        Dr. Webbaer (der allerdings schon länger im Geschäft ist, noch auf Zeitzeugen zurückgreifen konnte, die bei Ende des Ersten Weltkriegs 40 Jahre alt waren, bei des “Führers” Machtergreifung 55 Jahre alt – ‘Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.’ (George Santayana))

      • Danke für diese Klarstellung ( und weitere ) wes Geistes Kind einige unserer “Trittbrettfahrer” sind. Ich hoffe, das öffnet einigen der Honoratioren, die sich hier von weltanschaulichen Fundamentalisten instrumentalisieren lassen, die Augen ….. Frohe Ostern!

      • @anton reutlinger: Um es noch einmal klarzustellen. Gruppen wie die GBS vertreten nicht nur die Interessen einer einzelnen Weltanschauung, des Atheismus (da hätte kein vernünftiger Mensch etwas gegen einzuwenden), sondern sie bekämpfen auch aktiv andere Weltanschauungen durch Polemik und Diffamierung. Siehe die entsprechenden Belege in dem von mir zitierten Artikel. So etwas bezeichnet man als weltanschaulichen Fundamentalismus. Die GBS hat das Ziel, den Einfluss der christlichen und anderer Religionen in der Gesellschaft zu minimieren. Die Existenz Gottes kann man mit naturwissenschaftlicher Argumentation weder belegen noch widerlegen. Die Themen “Gott” und “Seele” haben mit Naturwissenschaften überhaupt nichts zu tun, Physiker und Biologen können Gott nicht messen. Für die moderne christliche Theologie ist dieses Thema seit 200 Jahren ad acta gelegt, die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaften werden auch von katholischen Theologen im 20. und 21. Jahrhundert anerkannt, es gibt sogar inzwischen hervorragende naturwissenschaftliche Forschung an kirchlichen Bildungseinrichtungen und sogar direkt im Vatikan! Die GBS ist eine parteiische Gruppe, die eine bestimmte fundamentalistische (!) Weltanschauung vertritt und hat eigentlich im Kontext des überparteilichen und weltanschaulich neutralen “March for Science” nichts verloren. Evangelische und katholische Christen haben jedes Recht und sogar die Pflicht, sich gegen die GBS und ihre Unterwanderung des öffentlichen Raumes, politischer Parteien wie der SPD, und sogar “non-partisan” Veranstaltungen wie den “March for Science”, zu wehren. Genau wie wir uns gegen Fundamentalisten und Spinner in den eigenen Reihen wesentlich mehr zur Wehr setzen sollten, als dies zum Beispiel ein EKD-Präses Huber in der Vergangenheit getan hat. Wenn evangelische Christen am “March for Science” teilnehmen, wehren sie sich damit auch gegen “Schwarmgeister” (Martin Luther) in den eigenen Reihen oder bei den freikirchlichen “Brüdern und Schwestern”, die die Menschen für dumm verkaufen wollen und Darwins Evolutionstheorie mit falsch verstandenen Bibeltexten widerlegen wollen. Das das Blödsinn ist, wussten Ibn Rushd und Moses Maimonides schon im Mittelalter, und auch die Scholastiker der Renaissance in Italien, die den Muslimen Ibn Rushd (Averroes) und den Juden Maimonides begeistert rezipierten und damit die Moderne einläuteten, von der wir heute so profitieren.

    • Die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ist wohl nicht ganz die objektive Informationsquelle in diesen Fragen.

      • @Volxfreund: Es lohnt sich aber trotzdem, nachzulesen, was Andreas Fincke von der EZW im Jahre 2010 über diesen dubiosen Verein (“March for Science”-Unterstützer GBS) geschrieben hat:

        Andreas Fincke
        Die “Giordano Bruno Stiftung” und der neue Atheismus
        EZW-Materialdienst 10/2010
        http://www.ezw-berlin.de/html/15_668.php

        Man sollte diesen Artikel den Spitzen von Hochschulrektorenkonferenz, Max-Planck-Gesellschaft, Alexander-von-Humboldt-Stiftung, und all den anderen angesehenen Institutionen, die den “March for Science” unterstützen, als Pflichtlektüre verordnen, damit sie wissen, wer da bei dieser an sich notwendigen und sehr ehrenwerten Aktion als “Trittbrettfahrer” mitmischt.

  24. Denn wenn Wissenschaftler Partei ergreifen und als Interessengruppe auftreten, verliert die Wissenschaft in den Augen mancher ihre unpolitische Unschuld.

    Die (moderne) Wissenschaft war womöglich (in der Neuzeit) nie ‘politisch unschuldig’.
    >:->

    Ansonsten ist es natürlich schon so, dass Wissenschaft und Politik (eine besondere Art der zwischenmenschlichen Kooperation, die entstanden ist, also Städte (die “Polis”) entstanden sind, auch Stände und besondere Räte, ein wichtiger zivilisatorischer Sprung vom Nomadentum weg) zwei Paar (zivilisatorische) Stiefel sind.

    Der Wissenschaftler muss insofern nicht politisch aktivistisch werden.
    Sieht oft auch nicht gut aus, erzeugt oft kein besonderes, kein besonders hinzugebautes Vertrauen.

    Der Wissenschaftler soll seine Arbeit sprechen lassen, indirekt auch politisch.

    Er ist ansonsten nicht sonderlich befugt politisch beizutragen, nicht mehr als jeder andere Bürger auch, er verfügt über kein politisches Mandat.

    MFG
    Dr. Webbaer (der im Abgang noch hierzu – ‘einen Interpretationsspielraum für die Rechten darf es nicht geben’ – kurz einen Minuspunkt setzt, Begründung: Politisch Konservative (“Rechte”) haben i.p. Wissenschaft oft ein Problem mit der Wissenschaft, wenn sie sozusagen neuert, politisch Linke (jedenfalls ‘progressive’) oft ein Problem, wenn sie persistiert – und, hey!, die Geisteswissenschaften sind ja oft schon so etwas von so-oft…)

  25. Lieber Hr. Dr. Ballaschk,

    erst einmal vielen Dank, dass Sie ihre Gedanken gebloggt haben und somit eine (zum größten Teil) wunderbare und wichtige Diskussion ausgelöst haben, bzw. werden die bereits geführten Diskussionen jetzt öffentlich ausgetragen. Schon hat der Marsch etwas Positives erreicht.

    Es wurde auch schon viel geschrieben und vielen Dank allen dafür. Aber einen Aspekt in Ihrem Blog möchte und kann ich nicht unkommentiert lassen, den des “selbstlosen” Forschers, für den die “gesellschaftliche Bedeutung” eine “untergeordnete Rolle” spielt. Da zeichnen Sie ja ein wirklich düsteres Bild DES Forschers im Allgemeinen und dieses (aus meiner Erfahrung nicht der Realität entsprechende Bild) möchte ich nicht so stehen lassen. Ich frage mich ob Sie das wirklich 100%ig meinen, wie Sie es geschrieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie nur solche Wissenschaftlter kennen.

    Aber der Reihe nach:

    1.) “wer aber behauptet, er oder sie würde sich als Wissenschaftler/in ganz selbstlos in den Dienst der Gesellschaft stellen, lügt sich doch in die Tasche!” Wer behauptet das denn und warum ist die persönliche Motivation in der Wissenschaft zu arbeiten (anstatt in einem sicheren Job mit unbefristerer Stelle etc.) hier so entscheidend? Ich möchte von keinem Arbeitnehmer egal in welchem Beruf verlangen, dass er oder sie sich selbstlos der Arbeit hingibt. Dafür müssen wir nun mal Geld verdienen und eventuell noch Zeit haben die Kinder beim Aufwachsen aktiv zu begleiten. Aber idealerweise sucht sich der Mensch jedoch den Beruf aus einer bestimmten Motivation heraus aus und findet Befriedigung in seiner Arbeit.

    2.) “Warum forschen wir”?
    In dem Punkt sind wir uns einig: eine Hauptmotivation in die Forschung zu gehen, ist definitiv der Wunsch neue Erkentnisse zu gewinnen, mögliche Antworten auf alte und neue Fragen zu generieren und vielleicht irgendetwas Tolles zu erfinden, was idealerweise einen Aspekt im Leben des Menschen verbessert.
    In einem Punkt sind wir uns nicht einig: ich kenne viele Wissenschaftler, die sich für die Wissenschaft und in meinem Fall für die Krebsforschung entschieden haben, weil dies ein sehr sinnvolles Beschäftigungsfeld ist. Was uns antreibt ist die Hoffnung, dass wir mit unserer Forschung zu verbesserter Diagnostik und Therapie von Krebs beitragen können. Dabei steht der Patient definitiv im Mittelpunkt. Und natürlich ist es zu wichtig als Wissenschaftler ein Stück weit egoistische Motive zu haben, denn Sie wissen genau so gut wie ich, wie frustrierend eine Doktorarbeit sein kann und wie viel Durchhaltevermögen man manchmal braucht bis Experimente funktionieren und man sich der Beantwortung einer Frage gemähert hat. Da ist von Vorteil den Ehrgeiz und eben diese egoistische Motive zu haben, um durchzuhalten.

    3.) “die eigene Karriere voranzutreiben und die Publikationsliste mit hochkarätigen Papers zu verzieren”

    wir sind uns einig, dass das Belohnungs- bzw. Bewertungssystem in der wissenschaftlichen Praxis überarbeitungswert ist. Jedoch ist mir ein anderer Aspekt wichtig. Würde es mir um die Karriere als Hauptmotivation gehen, dann wäre ich nicht in die Wissenschaft gegangen. Dann hätte ich nach meiner Ausbildung bei Siemens vor 15 Jahren dort weitergearbeitet und mich nicht für ein Studium entschieden, in dem ich kein bzw. wenig Geld verdiene und nichts auf mein Berufserfahrungskonto buchen kann. Wenn es mir dann nach dem (Bio-) Informatik-Studium um die Karriere gegangen wäre, hätte ich nicht die Promotion angefangen, sondern wäre als Programmierer in die Industrie.
    Ich habe mich für die Promotion und damit bewusst für eine halbe Stelle für 3-x Jahre (in meinem Fall 5 Jahre) entschieden, weil ich im Studium gemerkt habe, dass ich die Möglichkeit habe mit meinen erworbenen Kentnissen in der Informatik, einen kleinen bescheidenen Beitrag zur Erforschung von Krankheiten, deren verbesserter Diagnostik und Therapie (Stichwort: Precision Medicine) zu leisten.

    4.) “Es ist unehrlich, die gesellschaftliche Bedeutung derart in den Mittelpunkt zu rücken, wenn sie doch bei den Forscherinnen und Forschern nur untergeordnete Bedeutung hat.”

    Damit kommen wir zum letzten Punkt. Was mich antreibt ist die Vorstellung, dass irgend etwas von dem, was ich so forsche, tatsächlich einmal beim Patienten ankommt. Natürlich verliert man sich im wissenschaftlichen Alltag in Details, die es zu lösen gibt, muss viele Umwege gehen, publiziert viele Paper, die erstmal nichts direkt mit der “Heilung von Krankheiten” zu tun haben, aber am Ende arbeitet man doch immer auf dieses eine Ziel hin. Viele Wissenschaftler, die ich treffe, sehen das ähnlich. Ihr Arbeitgeber ist doch auch auf demselben Gebiet unterwegs. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie nicht mindestens 1 Kollegen/in kennen, dem/der es ähnlich geht.

    Fazit:
    Es gibt die von Ihnen angesprochenen Wissenschaftler, keine Frage. Aber genauso gibt es diejenigen, für die eben die gesellschaftliche Bedeutung und der Impact ihrer Arbeit eine treibende Kraft im manchmal frustrierenden wissenschaftlichen Alltag ist.

    Vielen Dank nochmal für Ihren Beitrag und für die Diskussionen hier und auf twitter.

    Liebe Grüße nach Berlin

    • Lieber Sebastian, lieber Dr. Boegel,

      danke, dass Sie die angestoßene öffentliche Diskussion positiv bewerten.

      Auf die Frage, ob ich dieses Bild vom egoistischen, karriereoptimierten Elfenbeinturm-Forscher vollständig teile: Natürlich nicht. Es gibt viele wunderbare Menschen im Wissenschaftsbetrieb, die sich nicht zuletzt auch für ihren wissenschaftlichen Nachwuchs aufopfern und auch viele, die sehr ambitionierte Weltverbesserer sind. Ich zweifle auch nicht an den individuellen Entscheidungen, die diese Menschen in der Wissenschaft halten. Das sind aber nicht die Kriterien, nach denen die Leute die Karriereleiter aufsteigen und dem Betrieb erhalten bleiben. Die Selektionskriterien im System sind andere. Deshalb sehe ich die Teilnahme der großen Wissenschaftsorganisationen kritisch.

      Die Überschrift über dem Abschnitt lautet “Was treibt die Wissenschaft”, nicht “Wissenschaftler”. Den fraglichen Absatz habe ich etwas modifiziert, in der Hoffnung, dass meine Gedanken dahinter etwas klarer werden: „Ich finde es unehrlich, die gesellschaftliche Bedeutung derart in den Mittelpunkt zu rücken, wenn sie vom Alltag der Forscherinnen und Forschern systembedingt entkoppelt wird.“

      Aber ja, völlig richtig: Individueller Forschungstrieb und gesellschaftlicher Nutzen widersprechen sich nicht: “We love science and you should too (for your own good”. Dass man aber nicht naiv davon ausgehen kann, dass die Bevölkerung diesen Nutzen ganz selbstverständlich sieht, legt der Nature-Artikel von Lucy ganz gut dar, wie ich finde:

      „The real question is what science can do for the people who voted for [Trump]. […] It is people who feel left behind by supposed progress and who have suffered a real or perceived collapse in their quality of life. […] But as this journal and others have pointed out, it is also clear that the needs of millions of people in the United States (and billions of people around the world) are not well enough served by the agendas and interests that drive much of modern science. There are plenty of reports that show, for example, how public investment in the Human Genome Project has paid off many times over and created firms and jobs, but rather than trickling down through society, these benefits of discovery science arguably deepen the pools of wealth and privilege already in place — creating expensive new drugs that most people cannot afford.“

      • Andere sehen’s eben anders, werter Herr Ballaschk, wie geschildert,

        (-..) ganz gut dar, wie ich finde:

        „The real question is what science can do for the people who voted for [Trump]. […] It is people who feel left behind by supposed progress and who have suffered a real or perceived collapse in their quality of life.

        Ein fettes +1 hier.

        Der “American Worker” ist halt seit deutlich mehr als zehn Jahren monetär und nachweisbar US-amerinakisch ungut bedient, i.p. Vergütung, bleibt adressiert und wird nicht seine ‘Quality of Life’ wiederfinden wollen, wenn dem Globalismus (ungünstig) gehuldigt wird.
        Trump ist insofern Sozialdemokrat, wie er einstmals auch bundesdeutsch verstanden worden ist, am Rande notiert: Dr. W ist liberal und ordoliberal wie sozialliberal (im besten Sinne des Wortes, nicht zu verwechseln mit dem was die bundesdeutsche FDP wischen 1969 und 1982 getrieben hat, wie zwischen 2009 und 2013, Westerwelle darf auch post festum verdammt bleiben):

        Free Trade und so an sich gut, aber ein Gegenstand der Aushandlung, wie auch Immigration ein dbzgl. Gegenstand ist, am besten gesteuert und dem Interesse der Bürger folgend, es ist natürlich hoch problematisch, wenn Politiker, auch ausländisch finanziert, sog. Stiftungen (der Alias ‘Steuersparmodell’ ginge womöglich ebenfalls), zeitnah, sich auf gewisse Art und Weise verlautbaren sich verkauft zu haben, letztlich nicht klar nachweisbar, aber nahe liegend.
        Donald J. Trump wendet sich insofern gegen derartige (mögliche) Schweinigkeit, er ist schon jetzt ein Großer und er wird ganz absehbarerweise demokratisch weiter “rocken”.
        Ein Demokrat par excellence, womöglich,
        MFG + schöne Ostern,
        Dr. Webbaer

        • PS und weil Opi W weiter oben nicht deutlich genug war :

          Internationale Handelverträge sind wichtig, per se problematisch und insofern von Politikern gesondert auszuhandeln, das Wohl der Staatsvolks betreffend.
          Zölle, Abschlagszahlungen etc. sind möglich.
          Staaten haben Interessen, abär keine Freunde.
          Der Freund, Friend, Enemy oder Frenemy, sind Subjekte untergeordneter Sozialität.


          Es besteht natürlich schon der Verdacht, dass sich da i.p. Stiftungen einige fett gemacht haben, bspw. Westerwelle- (PBUH) und Obama- oder Clinton-Stiftungen betreffend, dass sich so ‘Schweinigkeit’ ergibt, siehe oben.
          Bei besonderem Bedarf bleibt Dr. W, der sich schon ein wenig in der Wirtschaft auskennt, erklärend, auf Nachfrage reagierend.

          MFG + schöne Ostern!
          Dr. Webbaer

  26. Das kann natürlich nicht stehen bleiben :

    Wissenschaft produziert keine Fakten und sie produziert keine Wahrheiten.

    Die Naturwissenschaft erfasst ausschnittsartig, näherungsweise und an Interessen (!) gebunden Datenlagen, denen im Rahmen später erfolgender Theoretisierung dann als Faktum oder Tatsache ein Wert zugewiesen wird, die die Sicht (“Theorie”) erlaubt, wiederum am Erfassten ausschnittsartig, näherungsweise und an Interessen (!) gebunden.
    Fakten werden gemacht, Tatsachen getätigt (am besten von dafür erzogenen Forschern der Natur).

    Die Naturwissenschaft produziert Fakten / Tatsachen (über die sich schlecht streiten lässt, auch weil sie bei anderem (später erfolgendem) Versuch anders erhoben werden könnten >:->), dies ist ihr Wesen, sie produziert keine ‘Wahrheiten’, sondern auf Evidenz basierende Theoretiserung / Sichtenbildung.
    Theorien sind Sichten auf Daten, denen ein besonderer Wert zugesprochen wird (um eben diese Sichten bilden zu können).

    Auch die alternative (oder im nächsten Versuch erfolgende) Erhebung von Fakten oder Tatsachen ist möglich und diese müssen dann nicht “1:1” den zuvor erhobenen entsprechen.
    Womit die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen Versuchen folgend gemeint ist.
    “Alternative Fakten” sind insofern zu pflegen, hier gilt es dann sog. Evidenz “anzuhäufen”.

    Witzigerweise war Einstein hier womöglich unüberlegt, als er diesen Satz aussprach :

    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

    …sofern die Quellen stimmen, das Einstein-Zitat meinend: Naturwissenschaftlichkeit bedeutet in gewissem Sinne ‘immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten’.

    MFG
    Dr. Webbaer

  27. Ich schließe mich dem Dank der Vorredner an – und der Skepsis des Autors. Meine geht sogar noch weiter – ich werde auf jeden Fall nicht hingehen zu dieser durch und durch politischen Jubelveranstaltung. Selbst wenn man den Initiatoren beste Motive unterstellt – gut bleibt immer noch das Gegenteil von gut gemeint. Viele Gründe sind im Artikel schon aufgezählt worden: der mittlerweise höchst offizielle Charakter (Unterstützung durch Institutschefs und Unirektoren, Minister, Verbände, Wissenschaftsorganisationen und Politik – nix mehr mit grassroots), die reichlich schwammige Zielsetzung, die Anti-Trump-Grundattitüde (als hätte die deutsche Forschung keine sonstigen Sorgen, als müssten wir die amerikanischen Wähler belehren!), die aus den Facebook- und Twitteraccounts perlende Knuddelbärigkeit (inklusive cat & dog content), die Selbstverliebtheit, das Ignorieren forschungsinterner Krisen. “Wir wollen zeigen, dass wir Wissenschaftler viele sind und dass wir etwas für die Gesellschaft leisten” – geht’s noch banaler, noch weinerlicher?

    Und was eigentlich soll der sprichwörtliche kleine Mann auf der Straße denken, wenn da durchweg steuerfinanzierte Groß- und Kleinforscher die Berliner Linden entlangtrommeln, wie hehr und gut und wichtig sie seien? Sind sie es wirklich? Wichtiger als Krankenschwestern und Pflegekräfte z.B., von denen es zu wenige gibt? Wichtiger als Polizisten, die bis letztes Jahr praktisch überall in Deutschland weggespart wurden? Wichtiger als die tief im Prekären malochenden Mitarbeiter von privaten Sicherheitsdiensten, wichtiger als Lehrer, die in Berlin so wenig verdienen wir in keinem anderen Bundesland, wichtiger als Kindergärtnerinnen, für die in Berlin auch nicht genug Geld da ist? Und dann soll auch noch der Chef der rotrotgrünen Berliner Landesregierung (OB Müller, auch Ressortchef für Wissenschaft) auf dem ach so überparteilichen Marsch reden und Wahlkampf betreiben dürfen?

    Vielen Dank, ohne mich.

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  30. Danke für den gelungenen wie abwägenden Beitrag.

    Ich bin zum Science March (in Amsterdam) gegangen, weil ich a) neugierig bin (war das jetzt egoistisch?), b) mir Forschungsfreiheit als notwendige Voraussetzung einer freien Gesellschaft erscheint (und da ich in einer solchen leben möchte, ist das nicht nur idealistisch, sondern auch egoistisch, zugegeben) und c) ich meine Studierenden für Engagement begeistern möchte und das schwer ist, wenn ich noch nicht einmal selbst dorthin gehe.

    Mir fiel in Amsterdam auf (darüber habe ich auch einen Post) geschrieben, dass gerade einmal der Vertreter der Studierendenschaft auf die allgemeinen Probleme des Wissenschaftsbetriebs hinwies, die du hier auch völlig zu Recht angesprochen hast. Die Forscherinnen und Forscher auf dem Podium sprachen vor allem über den gesellschaftlichen Nutzen von Wissenschaft und meinen Punkt b) oben.

    Vor Ort waren aber auch die Gewerkschaften vertreten (vor allem die VAWO, in der ich Mitglied bin), die sich sehr wohl mit den Problemen des akademischen Betriebs befassen und hier sogar schrittweise Verbesserungen erzielen. Dass Promotionsstudierende in Belgien und den Niederlanden eine volle Stelle haben, wie du hier oder in einem anderen Post schriebst, hängt auch damit zusammen, dass sich dort Gewerkschaften organisieren und gemeinsame Interessen vertreten.

    In diesem Sinne fand ich den March for Science einen wichtigen Schritt: Um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überhaupt einmal dazu zu bringen, politisch zu werden; denn die Probleme werden sich nicht von alleine lösen. Dass dafür erst ein Feindbild vom Kaliber Trumps nötig ist, finde ich schade. Dennoch bleiben solche Aktionen wichtig.

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  33. Der Beitrag erschien wohl gleichlautend bei spektrum.de; hatte ihn da unmittelbar nach Erscheinen (wie nachfolgend) kommentiert, was dort aber nicht veröffentlicht wurde… Also nochmals hier, auch wenn spät:

    Ein ausgezeichneter Beitrag (mit vielen lesenswerten Querverweisen), der insbesondere eine sehr berechtigte Frage aufwirft!

    Ich hatte ursprünglich (schon seit Monaten) vor, an dem Marsch in Frankfurt teilzunehmen, aber ein verschobener OP-Termin auf genau den Tag zuvor und Folgendes (die berechtigte Frage) hielten mich davon ab:

    Wissenschaft produziert keinerlei “gesichertes Wissen”, wie es in der Homepage des Science March Germany behauptet wird!
    Und wie es erst im dortigen FAQ halbherzig berichtigt wird (halbherzig deswegen, weil dort dann von ‘gesichert’ keine Rede mehr ist…).
    Ich habe aber auch keinen Bedarf, mich durch Zufall bis auf ein irgendwo erscheinendes FAQ durchzuwursteln, um zu erfahren, was da wirklich gemeint sein könnte (ich wurde darauf erst durch einen Kommentar in Facebook aufmerksam).
    Warum wird das auch erst dort korrekt dargestellt (und nicht bereits auch auf der – auch nachträglich änderbaren – Startseite)? Müssen fragwürdige Behauptungen erst in einem FAQ korrigiert werden, was auf Anhieb nicht ersichtlich ist?

    “Ein Pfeiler der Wissenschaft ist ihre Vorläufigkeit und die Anfechtbarkeit aller Erkenntnisse”, heißt es richtig in dem Beitrag von Martin Ballaschk. Wer das nicht versteht, hat sein Handwerk und vielleicht die größte Herausforderung von Wissenschaft überhaupt nicht begriffen:
    Dass Wissenschaft weder gesichertes Wissen, schon gar nicht Wahrheit, produziert, sondern Erklärungsmodelle, die mehr oder weniger gut unsere Umwelt abbilden (und es die Herausforderung ist, dies aushalten bzw. damit umgehen zu können).
    Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Aber dies “Wenige” ist allemal so unfassbar vielfach mehr, als uns intersubjektiv nicht reproduzierbare Pseudowissenschaft, Esoterik oder Erfahrungen sog. ‘heiliger’ Bücher jemals anzubieten hatten, haben oder haben werden; “intersubjektiv nicht reproduzierbar” ist dabei entscheidend.
    Karl Popper, Hans Albert (und, vielleicht noch wichtiger, Alan Musgrave) lassen grüßen; deren Schriften lege ich allen Interessierten ans Herz!

    Das ist ein Haufen Arbeit!
    Aber doch, das geht.

    Hans Trutnau
    Eltville

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