Ein Woche Lindau-Blogger – wie war es?

Der letzte Eintrag in „Detritus“ datiert vom Mai, den ganzen Sommer habe ich also nichts in mein Blog geschrieben. Dafür hatte ich letzte Woche die Gelegenheit, für das Blog des 64. Nobelpreisträgertreffens zu Schreiben. Dabei sind sechs Beiträge herausgekommen:

Insgesamt war “Lindau” für mich eine tolle Erfahrung.

Wider Erwarten haben mich die meisten Vorträge der Nobelpreisträger eher weniger beeindruckt. Wie jeder Forscher weiß, sind Fachvortrräge nicht immer besonders mitreißend oder interessant gestaltet. Und sollte es nicht überraschen, dass nicht jeder Spitzenforscher auch ein Vortragstalent ist. Nicht wenige haben an ihrem Publikum vorbeigeredet. Dass sich alle 600 jungen WissenschaftlerInnen aus aller Welt und aus allen Fachbereichen für einen extrem detaillierten und wissenschaftlich-trockenen Bericht über LDL und den Cholesterinstoffwechsel begeisten konnten, wage ich zu bezweifeln. Immerhin erhofft man sich als Besucher, etwas über den Erfolg und das Glücklichwerden in der Wissenschaft herauszufinden. Diese Einschätzung mag aber auch ganz meiner eigenen Ignoranz geschuldet sein – ich bin eben ein Fan von Geschichten.

Es gab aber auch die erhofften hervorragenden, inspirierenden und mitreißenden Talks. Insbesondere die Retrospektive von Oliver Smithies fand herausragenden Anklang im Publikum. Und so waren eben diese persönlichen Rückschauen mit viel Witz, wie sie auch Kurt Wüthrich oder Barry Marshall hielten, oder auch die gewagten Thesen und Appelle wie von Rolf Zinkernagel und Randy Schekman die Vorträge, die für den meisten Gesprächsstoff zwischen den Veranstaltungen sorgte.

Die Mitarbeit am Lindau-Blog hat mir gezeigt, dass ich auch unter Zeitdruck Themen in Geschichten packen und direkt einen publikationsfähigen Artikel dazu fertig stellen kann. Am Vormittag Vorträge anhören und eine Themenwahl treffen, am Nachmittag ein Interview führen und abschließend einen Artikel dazu fertig machen – dieses Unmittelbare war eine sehr befriedigende Erfahrung, die mich darin bestätigt hat, dass ich mir diese Art von Arbeit auch nach dem Ausscheiden aus dem Wissenschaftsbetrieb sehr gut vorstellen könnte.

Und so war auch die Arbeit mit dem Blog-Team und den Presseleuten ein totales Highlight. Beatrice Lugger als Redakteurin des Blogs hat mich etwa in der Themenwahl unterstützt und alle meine Beiträge substanziell verbessert, indem sie überflüssiges „Fett“ aus den Artikeln geschnitten hat. So etwas hätte ich wirlich gern auch für dieses Blog! Den geschätzten ScienceBlogs-Blogger und Startup-Entrepeneur Tobias Maier habe ich endlich mal persönlich getroffen. Hanno Charisius als professioneller Journalist und Krautreporter ist auch kurzfristig an Bord gesprungen und hat einige sehr lesenswerte Artikel produziert. Aus dem Ausland waren da Mohit Kumar Jolly, Liz Landau (CNN und NASA), Christine Gorman (Scientific American), Kathleen Raven, Manuel Fernandez (Le Econnomiste), Lorena Guzman H. und ihr Freund Nelson, mit denen ich einige schöne Stunden verbracht habe.

Wenn ihr also die Gelegenheit bekommt, einmal für die Lindauer zu schreiben: ergreift sie!

Martin Ballaschk ist Biologe. Das Blog dient ihm als Verdauungsorgan für seine Gedanken: Er denkt hier öffentlich nach über Dinge, die ihn erstaunen, ihm unklar sind oder ihn aufregen. Oder über die er mit Anderen diskutieren möchte. Beruflich als Wissenschaftskommunikator, hier privat unterwegs.

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