Treue ist wetterabhängig, zumindest bei Vögeln

(Bild: CC by 2.5; Autor: Al Wilson)Die Gründe die dazu führen, dass ein Mensch seinen Partner betrügt sind in den meisten Fällen nicht dafür geeignet um den Seitensprung gegenüber seinem Lebensgefährten zu rechtfertigen. Bei monogam* lebenden Vögeln ist das ein wenig anders: Sie müssen bzw. können sich gegenüber ihrem Partner gar nicht rechtfertigen, hätten allerdings für ihre Untreue durchaus nachvollziehbare Argumente. (Bild: CC by 2.5; Autor: Al Wilson)

Ob „treu“ oder „nicht treu“ ist bei ihnen weniger eine Frage des Charakters oder der Persönlichkeit, sondern oft nicht mehr als eine Reaktion auf sich verändernde Umweltbedingungen. In einer kürzlich im Fachmagazin PLoS ONE erschienen Studie konnte Carlos Botero vom National Evolutionary Synthesis Center in Durham einen Zusammenhang zwischen der Vorhersagbarkeit des Klimas und der Partnertreue bei monogam lebenden Vogelarten verschiedenster Taxa ausmachen.

So zeigte Botero, dass Arten die das Jahr über großen Temperaturschwankungen ausgesetzt waren häufiger den Partner wechselten und besonders große Unregelmäßigkeiten im klimatischen Jahreszyklus dazu führten, dass bestehende Partnerschaften aufgegeben wurden.

Vogelweibchen treffen ihre Partnerwahl unter anderem nach der Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale ihrer männlichen Artgenossen. Die Ausprägung dieser Merkmale gibt dem Weibchen darüber Aufschluss, wie gut der potentielle Partner an die zum Zeitpunkt der Balz herrschenden Umweltbedingungen angepasst ist. Herrschen nun zum Zeitpunkt der Paarung bzw. für den Nachwuchs andere klimatische Bedingungen, so wird die Partnerschaft nicht lange halten.

Arten, die häufig wechselnden Umweltbedingungen ausgesetzt sind treffen ihre Partnerwahl nach unterschiedlichsten Kriterien. Ob Schnabelgröße, Flügelspannweite oder Federkleid – die Merkmale die einen männlichen Vogel zum optimalen Partner machen und damit maximalen Bruterfolg garantieren sind vom Kontext, also von den zum Zeitpunkt der Paarung herrschenden Bedingungen abhängig. So kann zum Beispiel bei Galapagosfinken eine geringe Niederschlagshäufigkeit dazu führen, dass große Schnäbel, mit denen hartschalige Samen leicht geknackt werden können, auf die Weibchen attraktiver wirken. Regnet es häufiger, so bevorzugen die Weibchen dagegen eher Männchen  mit kleineren Schnäbeln.

Die sexuelle Präferenz kann also je nach Umweltbedingung und dem daraus resultierendem veränderten Nahrungsangebot stark variieren. Umso geringer die Vorhersagbarkeit des Wetters, desto wahrscheinlicher machen die Vogelweibchen bei ihrer Partnerwahl Fehler, so Botero.

Auch der Klimawandel dürfte in diesem Zusammenhang ein Rolle spielen. Wetterextremen nehmen tendenziell zu und die Vorhersagbarkeit des Wetters nimmt ab, wodurch monogame lebende Vögel vermehrt zur Polygamie tendieren. Dieser ökologische „cross-over“ erhöht die Chance, dass der Nachwuchs mit den veränderten Umweltbedingungen besser zurechtkommt. Häufige Partnerwechsel können also als Anpassung an veränderte Umweltbedingungen verstanden werden.

Wie oft wir Menschen unseren Partner wechseln, dürfte aber vermutlich nichts mit veränderten klimatischen Verhältnissen zu tun haben. In diesem Fall bedarf es wohl eher einer psychologischen Erklärung. Aber seinen wir uns ehrlich: Es wäre ja auch viel zu einfach, Untreue in menschlichen Beziehungen im Sinne einer Anpassung an das Klima zu rechtfertigen.

* Prinzipiell ist es auch bei monogamen Vögeln üblich, dass der Partner unabhängig von Klimaveränderungen irgendwann gewechselt wird.

Link zur Studie:

‘Fluctuating Environments, Sexual Selection and the Evolution of Flexible Mate Choice in Birds’

Veröffentlicht von

Ich studiere Biologie in Wien und bin ein leidenschaftlicher Vogelbeobachter und Hobbyornithologe.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe es immer schon geahnt und hier nun ist der Beweis. Es gibt Menschen, die Vögel sind. Vogelmenschen halt.

    Übrigens sind sie nicht daran zu erkennen, daß sie Nachnamen von Vögel tragen.

  2. Monogamie

    Hi,
    hab ich da was falsch verstanden?

    “Prinzipiell ist es auch bei monogamen Vögeln üblich, dass der Partner unabhängig von Klimaveränderungen irgendwann gewechselt wird.” – Monogamie????

    Grüße

    Axel

  3. Monogamie

    @Axel
    Monogamie bedeutet meiner Meinung nach nur, dass ein Mensch/Tier nicht mehr als EINEN Geschlechtspartner *zur gleichen Zeit* hat. Ich glaube so ist der Begriff auch definiert. Muss also nicht unbedingt heißen, dass die Partnerschaft auf Lebenszeit hält. Aber es ist gut möglich, dass ‘Monogamie’ im Sprachgebrauch mit lebenslanger Treue assoziiert wird.

    @Martin
    Wäre niemals auf die Idee gekommen dich als ‘Vogelmensch’ zu bezeichnen ;-))

Schreibe einen Kommentar