Hüpfen oder gehen, das ist hier die Frage

BLOG: Der Nesthocker

Wissenswertes aus der Vogelwelt
Der Nesthocker

Ihr habt sicher schon einmal einen Haussperling (Passer domesticus) durch das Gras bzw. über die Straße hüpfen gesehen. Daran ist sicher nichts Besonderes, aber es versteckt sich eine sehr interessante Frage dahinter: Wieso hüpfen die Spatzen eigentlich stets beidbeinig und bewegen sich nicht wie die meisten anderen Vögel "Schritt für Schritt" fort?

Singvögel (Passeri) sind verhältnismäßig kleine Vögel und die meisten von ihnen bewegen sich am Boden hüpfend fort. Ausnahmen stellen unter anderem Lerchen, Pieper und Stare dar. Rotkehlchen, Amseln und Raben können sowohl hüpfen als auch schreiten. Krähen gehen lieber als zu hüpfen, ganz im Gegensatz zu den ihnen nah verwandten Eichelhähern.

Die meisten Singvögel verbringen viel Zeit ihres Lebens in den Zweigen von Sträuchern und Bäumen. Dort kommt ihnen diese Form der Fortbewegung natürlich zu Gute, immerhin ist es viel leichter von Zweig zu Zweig zu hüpfen als zu gehen. Einzelne Schritte sind beim Haussperling ebenfalls zu beobachten, vor allem wenn er sich seitwärts auf einem Zweig bzw. Ast bewegt oder sich nahe liegenden Objekten annähert. Diejenigen Vögel, die im Geäst von Zweig zu Zweig hüpfen scheinen diese Form der Fortbewegung auch am Boden zu bevorzugen. Vögel, die hauptsächlich am Boden nach Nahrung suchen haben eine stärker ausgeprägte Beinmuskulatur und müssen auch schnell vor potenziellen Fressfeinden flüchten können. 

Stare ernähren sich überwiegend von Insekten, fangen diese aber nicht in der Luft sondern suchen bevorzugt den Boden nach Nahrung ab. Der "hüpfende" Blauhäher ist ein Allesfresser und fängt seine Beute meistens nicht in Bodennähe. Ob Vögel eher hüpfen oder gehen könnte also auch im Zusammenhang mit der artspezifischen Form der Nahrungssuche bzw. mit dem bevorzugten Lebensraum (in den Bäumen oder am Boden) stehen.

Ich habe auch schon von einer Theorie gehört, dass es etwas mit der Größe des Gehirns der Vogelarten zu tun haben soll. Sperlingsvögel wie der Fink oder der Zaunkönig verfügen möglicherweise über zu wenig graue Substanz, um ein Bein nach dem anderen zu bewegen. Dazu kann ich leider nicht viel sagen, außer dass ich diese Theorie für eher unwahrscheinlich halte.

Vielmehr glaube ich, dass es etwas mit der für Vögel äußerst wichtigen Energieeffizienz zu tun hat. Kurzbeinige Vögel kommen mit einem einzelnen Sprung weiter als mit mehreren Schritten, weshalb sich das Gehen eher für größere Vögel auszahlen dürfte. Das ständige Hüpfen würde den Energiehaushalt größerer Vögel eindeutig überfordern. Bei der Frage "Hüpfen oder gehen?" geht es also um die energiesparendste Möglichkeit sich am Boden fortzubewegen. Interessant finde ich ja, dass sich manche kleineren Vögel entscheiden können wie sie sich am Boden fortbewegen, während anderen Vogelarten diese "Qual der Wahl" erspart bleibt.

Veröffentlicht von

Ich studiere Biologie in Wien und bin ein leidenschaftlicher Vogelbeobachter und Hobbyornithologe.

5 Kommentare

  1. Fett auf’m Ast, besser nicht einbeinig

    Die meisten Singvögel verbringen viel Zeit ihres Lebens in den Zweigen von Sträuchern und Bäumen. Dort kommt ihnen diese Form der Fortbewegung natürlich zu Gute, immerhin ist es viel leichter von Zweig zu Zweig zu hüpfen als zu gehen.

    Ich stellte mir gerade vor, wie ein dicker Vogel auf einem dünnen Ast sein linkes Bein ganz ganz vorsichtig und langsam ausstreckt, dem nächsten Ast entgegen — und schwupp beinahe einen Salto Mortale macht, langsam und Kopf unter ausschaukelt.

    Es gibt also kein starke Korrelation mit der Größe, eher mit dem Jagdrevier, verstehe ich Dich da richtig?

  2. Absolute Grösse

    Die Belastung eines Körpers hängt von seiner absoluten Grösse ab.

    Das liegt daran, dass seine Masse mit der dritten Potenz seiner linearen Grösse ansteigt, aber seine Kraft nur mit der zweiten Potenz seiner linearen Grösse ansteigt.

    Deshalb kann sich ein Floh einen Katapultstart mit 100 g leisten, während ein Elefant nur langsam dahin schreiten kann.

    Wenn eine Krähe ständig so hüpfen würde wie ein Sperling, dann würde sie das unverhältnismässig viel Energie kosten.

    Eine schätzungsweise 3-fache Länge ergibt bei ansonsten gleichem Körperbau eine 27-fache Masse und eine 9-fache Kraft.

    Daher sind nur noch 3-mal kleinere Beschleunigungen möglich.

  3. @ Bednarik

    “Wenn eine Krähe ständig so hüpfen würde wie ein Sperling, dann würde sie das unverhältnismässig viel Energie kosten.”

    ..sagen Sie das mal einem Känguruh.

  4. Die hüpfenden Singvögel haben einen gemeinsamen Vorfahren mit den Fröschen, das ist das Geheinmis. 😉

    Spaß beiseite. Das ist mir so bewußt noch gar nicht aufgefallen. Dann habe ich wieder etwas Neues worauf ich demnächst achten kann.

    Off Topic:
    Vielleicht kannst Du ja etwas dazu sagen. Diese Woche gibt es in den Supermärkten Angebote an Vogelfutter für den Winter – Meisenknödel etc. Ist das zu empfehlen und im Winter in die Bäume zu hängen oder ist das ein unnatürlicher Eingriff, der sich schädlich auswirken kann?

  5. @ Markus Dahlem

    Naja, die Größe (bzw. der Körperbau) eines Vogels hat sicher auch etwas damit zu tun. Von ihr hängt es ab, welche Form der Fortbewegung für den Vogel am energieeffizientesten ist. Karl Bednarik hat das in seinem Kommentar gut erklärt. Umso größer ein Vogel ist, desto mehr Energie muss er für das Hüpfen aufwenden.

    @ Helmut Wicht

    Wenn normalerweise hüpfende Vögel “in Eile” sind, neigen auch sie dazu zu laufen. Beim Känguru ist es gewissermaßen umgekehrt: Wenn sie sich langsam fortbewegen ist das Hüpfen energieaufwändiger und sie setzen stattdessen alle Gliedmaßen (und den Schwanz) ein. 😉

    @ Martin Huhn

    Wüsste nicht, was da dagegen sprechen sollte. Die Vogelwelt ist zwar nicht wirklich auf die Fütterung durch den Menschen angewiesen, aber wenn man nichts falsch macht sehe ich da kein Problem. Hier gibts ein paar Tipps für die “richtige Winterfütterung”: http://www.vet-doktor.de/…wildvogel_futtern.html

Schreibe einen Kommentar