Das BirdsongProject: Was bewirkt der Gesang der Vögel im Gehirn der Menschen?

BLOG: Der Nesthocker

Wissenswertes aus der Vogelwelt
Der Nesthocker

Über die Bedeutung des Vogelgesangs für die Vögel wissen wir schon recht viel, aber wie wirkt sich der Gesang der Vögel eigentlich auf uns Menschen bzw. unsere Psyche aus? Dieser interessanten Frage geht nun ein dreijähriges Forschungsprojekt an der University of Surrey nach, das von National Trust und dem Surrey Wildlife Trust unterstützt wird.

Dabei soll untersucht werden, welchen Einfluss die Wahrnehmung von Vogelgesang und anderen Naturgeräuschen auf unser Wohlbefinden und unsere Kreativität hat. Obwohl es naheliegend ist, dass sich der Vogelgesang positiv auf unser Gemüt und unsere Stimmung auswirkt, gibt es noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür. Die Geräuschkulisse einer Großstadt kann ja nicht nur für Vögel eine Stressbelastung darstellen. Auch viele durch den Lärm gestresste Stadtmenschen empfinden es als erholend, den urbanen Raum zu verlassen und den anthropogenen Lärm gegen melodische Naturklänge einzutauschen. Dass die Wahrnehmung von Naturgeräuschen die Erholung von psychischem Stress erleichtern bzw. beschleunigen kann, hat bereits eine Studie aus dem Jahr 2010 gezeigt.

Aber welche Rolle spielt dabei der Vogelgesang? Reagieren wir unterschiedlich auf den Gesang, oder empfinden alle Menschen die „Sprache der Vögel“ als melodisch und entspannend? Macht es einen Unterschied, ob man den Gesang vorgespielt bekommt, oder ihn in der Natur hört? Welche Vogelgesänge empfinden wir als angenehm, und welche weniger? Das alles und noch viel mehr wollen die Forscher in den nächsten drei Jahren herausfinden.

 

 

Die Projektleiterin und Umweltpsychologin Eleanor Ratcliffe will dazu auch Probanden aus sozialen Netzwerken rekrutieren und die psychologische Wirkung des Vogelgesangs auf sie untersuchen. Wer über den Stand des Projekts am laufenden bleiben will, folgt am besten einfach @birdsongproject auf Twitter bzw. besucht die Facebook-Seite dieses nicht nur aus ornitholgischer, sondern vor allem aus psychologischer Sicht sehr interessanten Projekts.

Mit einem Verweis auf die Dohle (Corvus monedula) – den Vogel des Jahres 2012 verabschiede ich mich mal für 2011 und wünsche frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Veröffentlicht von

Ich studiere Biologie in Wien und bin ein leidenschaftlicher Vogelbeobachter und Hobbyornithologe.

9 Kommentare

  1. Genial!

    Ein wunderschönes Forschungsprojekt, das interdisziplinär und sogar spezies-verbindend 😉 angelegt ist sowie einem Alltagsphänomen wissenschaftlich nachgeht. Danke für den Hinweis, werde gleich mal auf Twitter zum Follower…

  2. Spannend … und ein frohes Fest 🙂

    Ich hoffe, du berichtest ab und zu mal über dieses Projekt? Wäre lieb, weil Twitter und Facebook nicht so meins sind.
    Als Nachtmensch bin ich ja der Meinung, einige Vögel fingen zu früh mit dem Singen an 🙂

  3. Nervige frühmorgendliche Balzgesänge

    Die Erforschung, “welchen Einfluss die Wahrnehmung von Vogelgesang und anderen Naturgeräuschen auf unser Wohlbefinden und unsere Kreativität hat” mag ja ein wunderschönes Forschungsprojekt sein. Aber ich finde es überhaupt nicht
    “naheliegend”, ” dass sich der Vogelgesang positiv auf unser Gemüt und unsere Stimmung auswirkt”. Wie sich speziesübergreifender Lärm auf unser Gemüt auswirkt, ist wie fast alles in dieser Welt situationsbedingt.

    Frühmorgendlicher (meistens um vier Uhr mit der Amsel beginnend) penetrant vielstimmiger Vogelgesang nervt mich gelegentlich genauso wie sonstiger Stadtlärm, der zum Glück erst später einsetzt. Auch der eintönige sommerliche Gesang des Zilzalps geht mir mitunter mächtig auf den Nerv.

  4. Klar. Dass Vogelgesang in aller Frühe auch verdammt nerven kann, habe ich natürlich nicht erwähnt. Aber ich denke am Morgen empfinden wir überhaupt kein Geräusch als angenehm. Auch wenn wir uns auf etwas konzentrieren wollen oder einen Test absolvieren, können Naturgeräusche wie auch der Vogelgesang eine Ablenkung darstellen. Wenn man ein Lied auf dem MP3-Player hört, will man auch das Lied, und nicht das Vogelgezwitscher hören. Aber das alles sind Situationen in denen wir spezielle Ansprüche an unsere Umgebung stellen. Insofern ist es natürlich situationsbedingt, ob wir einen Reiz als angenehm oder als störend interpretieren. Normalerweise stellen wir aber keine besonderen Ansprüche (an die Geräuschkulisse) und in diesen Situationen können wir auch besser beurteilen, ob sich die Wahrnehmung einer Melodie, eines Klangs bzw. eines oder mehrerer akustischer Reize positiv auf unser Wohlbefinden auswirkt oder nicht.

  5. Der frühe Vogel …

    Eine kleine Zwischenfrage: Heute früh wurde ich von singenden Vögeln geweckt, war aber zu verschlafen um zu wissen, welche. Da ich Stadtbewohnerin bin, würde ich auf Amseln tippen, eine saß fast vor meiner Nase am Fenster. Singen Stadtvögel ganzjährig, oder liegt es an den recht warmen Temperaturen zur Zeit? Gesang im Winter ist mir nie zuvor aufgefallen … und das ist zwar eher selektive Wahrnehmung, aber trotzdem.

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