Süchtig nach Energie

Seit 1950 verbrauchte die Menschheit mehr Energie als in den 12.000 Jahren zuvor.

Heute ist unsere neue Arbeit der Anthropocene Working Group erschienen. Sie hat den Titel ” Extraordinary human energy consumption and resultant geological impacts beginning around 1950 CE initiated the proposed Anthropocene Epoch” und präsentiert eine quantitative Abschätzung des Energieverbrauchs der Menschheit seit dem Holozän sowie vieler damit kausal verbundener Produktivitätbereiche (globales Bruttosozialprodukt, Produktion von Zement, Plastik, Kupfer, reaktivem Nitrat etc.) und des CO2-Ausstoßes. Daraus lassen sich wechselseitige Zusammenhänge quantifizieren und ein bedrückende Gesamtergebnis formulieren: Seit 1950 verbrauchte die Menschheit mehr Energie als seit dem Ende der letzten Eiszeit vor knapp 12.000 Jahren. Die Arbeit erschien in Communications Earth & Environment, einem noch relativ neuen Journal der Nature Research-Gruppe. 



Nachfolgend die Übersetzung der “Behind the Paper”-Story, die von Erstautorin Jaia Syvitski zusammengestellt wurde und im Original hier erschienen ist:


Ein beispielloser Energieverbrauch seit 1950 hat unsere planetarische Umwelt und den geologischen Fußabdruck der Menschheit verändert.

Gastbeitrag von Jaia Syvitski, Univ. of Colorado Boulder:

Ich fühlte mich wie eine Kriegsberichterstatterin, während ich unsere Analyse zusammenfügte und die Daten meiner Kollegen immer weiter einflossen. Nur wenige Menschen, die das Manuskript gelesen haben, sollten ohne aufkeimende Emotionen – Wut, Trauer und sogar Angst – davonkommen.  Gemeinsam haben meine geschätzten Kollegen und ich den ökologischen Fußabdruck der Menschheit auf planetarischer Ebene dokumentiert.  Unser Planet ist groß, und auf den ersten Blick mag es für den Menschen unmöglich erscheinen, die Erde “unwissentlich” „terraformt“, also komplett durch den Menschen umgebildet zu haben. Aber unsere Studie “macht es denjenigen, die eine ‘Täuschungskampagne’ inszeniert haben, extrem schwer, die Wissenschaft der globalen Erwärmung und anderer durch menschliche Aktivitäten immens beeinflusster Problemkonstellationen zu untergraben und Zweifel daran zu säen. Die Wissenschaft ist unzweideutig – man kann nicht mehr auf intelligente Weise erklären, dass der Mensch nicht für die globale Erwärmung verantwortlich ist, die sich seit 1950 ausbreitet“, schreibt Koautor Colin Summerhayes (Cambridge U). Die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Wandels sind erschütternd: “Es scheint mehr als drastisch, in den letzten 70 Jahren mehr Energie verbraucht zu haben als in den 11.700 Jahren davor,“ so Koautor Jan Zalasiewicz (U. Leicester).

Koautor Will Steffen (Australian National U.) erinnert uns daran, dass “Erdsystemmodellierungen darauf hindeuten, dass wir die nächste Eiszeit bereits um mindestens 50.000 Jahre verzögert haben und auf dem besten Weg sind, den glazial-interglazialen Zyklus des späten Quartärs zu beenden“. “Selbst wenn morgen jeder Mensch auf einen anderen Planeten ausgewandert sein sollte, werden unsere anthropogenen Einflüsse der letzten Generationen noch Jahrtausende in der Erdkruste, in den Fossilien und im Klima der Erde fortbestehen” schreibt Koautor John McNeill (Georgetown U.). Ähnlich bemerkt Koautorin Irka Hajdas (ETH Zürich): “Mit Nukleartechnologie, Atomwaffen und ihren Tests hat die Menschheit ein einzigartiges Signal in den Archiven der Erde geschaffen. Einige Radionuklide sind nach Tausenden von Jahren nachweisbar. Sie sind ausgezeichnete Zeitmarken für den Punkt, an dem das technologische Rennen an Geschwindigkeit gewann, d.h. die Große Beschleunigung“.

In einem stratigraphischen Sinne ist die Große Beschleunigung (~1950) das Äquivalent zu einem großen Meteoriteneinschlag, wobei das Anthropozän die darauf folgende chronostratigraphische Epoche ist, die durch dieses Startereignis definiert wird” erläutert Koautor Michael Wagreich (U. Wien). Diese Argumentation wird von Koautor Mark Williams (U. Leicester) unterstützt, der anmerkt, dass “die Tatsache einer global rekonfigurierten Biosphäre durch die Translokation Tausender von Arten außerhalb ihrer heimatlichen Verbreitungsgebiete ersichtlich wird. Diese haben schon fossilisierbare Nachweise hinterlassen, reichend von asiatischen Muschelschalen in der Bucht von San Francisco bis hin zu den Gehäusen der invasiven kannibalischer Wolfschnecke auf den hawaiianischen Inseln“.

In unserer Studie geht es nicht um die Folgen des Bevölkerungswachstums im Anthropozän, bemerkt Koautorin Agnieszka Gałuszka (Jan Kochanowski U.): “Wir konzentrierten uns auf den Energieverbrauch, unterließen in unserer Bestandsaufnahme jedoch, dessen Folgen zu kommentieren – also die Erschöpfung nicht erneuerbarer Energieressourcen, die Produktion riesiger Mengen fester Abfälle, den Abfluss saurer Wässer aus dem Bergbau, oder der Luftverschmutzung und Freisetzung von Radionukliden.“ Hinter den Kulissen machen sich meine Kollegen auf der Reise zur Nachhaltigkeit jedoch große Sorgen um unsere Zukunft. Koautor John Day (Louisiana State U.) erinnert uns daran, dass uns der Klimawandel und die Umweltzerstörung auf die sechste große Ausrottung zusteuern, “wodurch bedeutende Teile der Erde für den Homo sapiens durch Waldbrände, Wirbelstürme und intensive Regenfälle unwirtlich werden“, ein Gefühl, das von Koautor John Milliman (College of William and Mary) geteilt wird.

Koautor Reinhold Leinfelder (Freie Universität Berlin) stellt fest: “Unsere Studie zeigt, wie alles mit allem im Anthropozän zusammenhängt. Eine bessere Zukunft der Menschheit sehe ich mit der Etablierung neuer Werten, der Anwendung neuer Technologien und vor allem mit der Einsicht, uns als integrierten Teil des Erdsystems zu akzeptieren, welches funktionsfähig bleiben muss, um uns mitzutragen“. Und es gibt ermutigende Trends: sinkende Kosten für Sonnen- und Windenergie, wasserstoffbetriebene Züge und möglicherweise Flugzeuge. Wir müssen zusammenarbeiten. „Die Koautoren dieses Papiers sind einfach Ärzte, die einen sehr kranken Patienten diagnostizieren“.

Jaia Syvitski (Erstautorin der Studie)

 

Zugrundeliegender Behind-the Paper-Originalbeitrag: https://sustainabilitycommunity.springernature.com/posts/unprecedented-energy-use-since-1950-transformed-our-planetary-environment-and-humanity-s-geologic-footprint

Die Studie:

Jaia Syvitski, Colin N. Waters, John Day, John D. Milliman, Colin Summerhayes, Will Steffen, Jan Zalasiewicz, Alejandro Cearreta, Agnieszka Gałuszka, Irka Hajdas, Martin J. Head, Reinhold Leinfelder, John R McNeill, Clément Poirier, Neil Rose, William Shotyk, Michael Wagreich & Mark Williams (2020): Extraordinary human energy consumption and resultant geological impacts beginning around 1950 CE initiated the proposed Anthropocene Epoch.- Communications Earth and Environment. DOI: 10.1038/s43247-020-00029-y 

Nachträge:

Reinhold Leinfelder ist Geologe, Geobiologe und Paläontologe. Er ist Professor an der Freien Universität zu Berlin (Leiter der Arbeitsgruppe Geobiologie und Anthropozänforschung) sowie (seit Okt 2018) zusätzlich Senior Lecturer am Institut Futur der FU. Seit 2012 ist er Mitglied der Anthropocene Working Group der International Stratigraphic Commission. Von 2006-2010 war er Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, von 2008-2013 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), von 2011-2014 Research Fellow und affiliate Carson Professor am Rachel Carson Center an der LMU, München, von 2012-2018 Principal Investigator am Exzellenzcluster "Bild-Wissen-Gestaltung" der Humboldt-Universität zu Berlin, von 1. Sept. 2014 bis 15. Sept. 2016 Gründungsdirektor der Futurium gGmbH in Berlin. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen beim Anthropozän, Korallenriffen, neuen Methoden und Herausforderungen des Wissenstransfers und Museologie | Homepage des Autors | blog in english, via google translate

9 Kommentare

  1. Die industrielle Revolution zu Beginn des 19. Jahrhunderts die war die große Wende. Sie hat es ermöglicht, dass das überbevölkerte Europa das 21. Jahrhundert erreicht hat. Aber, und das ist die Kehrseite, dieses Europa und seit der Mitte des 20. Jahrhunderts auch China sind drauf und dran diese Welt an den Abgrund zu bringen. An den Abgrund von leergefischten Weltmeeren, an verseuchtem Ackerboden und abgesunkenen Grundwasserspiegeln.
    Von der Gefahr eines Nuklearkrieges mal ganz abgesehen.
    Nachtrag: Der Titel, Sucht nach Energie, der ist gut.

  2. Zitat:

    In unserer Studie geht es nicht um die Folgen des Bevölkerungswachstums im Anthropozän

    Das ist sinnvoll, denn die Weltbevölkerung hat die Phase ihres grössten Wachstums bereits hinter sich. Heute wächst sie nur noch um 1.1% pro Jahr, 1962 waren es noch 2.2% Wachstum pro Jahr. Ganz anders verhält es sich aber mit dem Weltwirtschaftswachstum. Dieses betrug im Jahr 2019 2.475 Prozent und damit fast gleich viel wie vor 50 Jahren. Die Diagnose lautet also: Die Wirtschaftsaktivitäten der Menschheit nehmen jedes Jahr um mehr als 2 Prozent zu und das fast unabhängig vom Bevölkerungswachstum. Wir brauchen ständig mehr, jeder Einzelne braucht ständig mehr. Mehr Wohlstand gebiert mehr Wirtschaftsaktivitäten wie etwa die Anschaffung des Zweitwagens, den Einkaufstrip per Flugzeug nach New York, die Erstehung einer Ferienwohnung und die Safari in Ostafrika. Das grösste Wachstum aber gibt es bei den bis jetzt zu kurz gekommenen. In Asien stieg der Fleischkonsum von 8 Millionen Tonnen Fleisch 1961 auf 120 Millionen Tonnen im Jahr 2017 und das obwohl der Fleischkonsum in Indien (dem Land mit der bald grössten Bevölkerung) immer noch sehr niedrig ist.

    Allein schon das jährliche Weltwirtschaftswachstum von deutlich mehr als 2 Prozent pro Jahr macht es schwierig nur schon die Produktion von Treibhausgasen zu stabilisieren, denn 2% Wirtschaftswachstum bedeuten 2% mehr Treibhausgase, wenn sie zunehmen wie der Rest oder 0% mehr Treibhausgase, wenn 2% eingespart werden.

    Mit den mehr als 2% Weltwirtschaftswachstum wächst auch der Verbrauch an Land für die Nahrungsmittelproduktion, die Infrastruktur, den Rohstoffabbau und die Behausung, womit umgekehrt weniger Land für unverbrauchte Natur, für Tiere und Pflanzen übrigbleibt, was dann das Artensterben vorantreibt.

    Was denn könnte den Verbrauch an Land, bewirtschafteten Wasserflächen und Rohstoffen stabilisieren und den Ausstoss von Abfallstoffen in flüssiger, gasförmiger und fester Form reduzieren ?
    Nun, eine andere Wirtschaftsform könnte das. Eine, die zwar Wachstum erlaubt, aber nur umweltneutrales Wachstum: kein zusätzlicher Landbedarf, keIne neuen, noch nicht erschlossene Rohstoffe und all das ohne Abfallstoffe und Emissionen in die Umwelt. Es wäre eine Raumschiffökonomie in der alle wirtschaftlichen Aktivitäten auf die bereits bewohnten Gebiete beschränkt bliebe und wo zu 100% recycelt würde. Leider ist das nur ein Konzept und zudem ein Konzept und eine Vision, die noch nicht einmal in einer „Sonderwirtschaftszone“ realisiert ist. Doch eines ist sicher: Irgendwann wird es so weit sein. Irgendwann wird Leben und Wirtschaften ohne Umweltbeeinträchtigung realisiert sein – hoffentlich nicht zu spät.

  3. Sie schreiben: “Aber unsere Studie “macht es denjenigen, die eine ‘Täuschungskampagne’ inszeniert haben, extrem schwer, die Wissenschaft der globalen Erwärmung und anderer durch menschliche Aktivitäten immens beeinflusster Problemkonstellationen zu untergraben und Zweifel daran zu säen.”

    Welche Personen oder Gruppen haben denn eine solche Täuschungskampagne inszeniert? Und wo wurde über eine solche Täuschungskampagne berichtet? Mir ist so etwas in dieser Art bisher noch nie begegnet.
    Ich weiß nur, dass Personen, die zum Thema globale Erwärmung skeptisch hinsichtlich der Klimakatastrophen-Szenarien sind und die eher die vom IPCC beschriebenen milderen Szenarien erwarten und eine niedrige Klimasensitvität des CO2 für wahrscheinlich halten -auch im Bereich, der vom IPCC angegeben wird!- regelmäßig als Klimawandelleugner verschrien werden. Meinen Sie vielleicht diese Personen?

  4. Das Problem ist nicht so sehr der hohe Energieverbrauch selber, der wäre selbst dann hoch, wenn man den Verfechtern des Minuswachstums folgen würde.
    Eher ist die technische Entwicklung, die den hohen Verbrauch erst ermöglicht, zu einseitig verlaufen. Man hat einfach keine vergleichbare Entwicklung im Bereich nachhaltiger Energieerzeugung, vielleicht weil wir das einfach nicht auf den Genen stehen haben, und auch kaum im Kollektivgedächtnis, und sicher auch wegen der Verzögerung, mit der Folgen auftreten.
    Auch die Hierarchien und der “Herdentrieb” stehen uns im Weg, an bisheriges Verhalten ist oft der eigene Status gebunden, dicke SUVs werden nicht wegen der Sicherheit gefahren.
    Viele wissen um die Gefahr, warten aber mit der Unterstützung von Veränderungen, bis es alle so machen, inkl. der Politik, die ja eigentlich voranschreiten müßte.

    • Die Explosion des Energieverbrauchs als Massstab des umgestaltenden Einflusses des Menschen
      Der Mensch setzt zwar heute ein Vielfaches der Energie seiner Vorfahren um, doch gemessen an der von der Sonne eingestrahlten Energie entspricht die vom Menschen in einem Jahr umgesetzte Energie nur einer Stunde Sonnenschein. Das reicht nicht aus um die vom Menschen ausgelöste Klimerwärmung zu erklären. Diese geht vielmehr auf die steigenden Treibhausgase in der Atmosphäre zurück und diese Treibhausgase haben eine 50 Mal stärker erwärmende Wirkung als die vom Menschen freigesetzte Energie.

      Der Mensch und das Klima
      Die Erderwärmung ist das, was uns geologisch gesehen am deutlichsten aus dem Holozän, ja sogar aus dem Quartär, dem jüngsten Eiszeitalter, hinauskatapultiert. Wenn es in diesem Artikel um die geologischen Gründe geht, warum wir uns ab 1950 im Anthropozän befinden sollen und wenn zudem ein Einfluss des Menschen, nämlich die Erwärmung des Erdsystems das begründen soll, dann müsste man den Titel des Artikels Extraordinary human energy consumption and resultant geological impacts beginning around 1950 CE initiated the proposed Anthropocene Epoch abändern auf Extraordinary human hydrocarbon consumption and resultant geological impacts beginning around 1950 CE initiated the proposed Anthropocene Epoch.

      Der Mensch als Ereignis
      Doch: wer den Namen Anthropozän erfunden hat, dem ging es offensichtlich um mehr als das Klima, es ging ihm darum, dem Menschen nun erdumgestaltende Kräfte zu unterstellen. Andererseits kann der Mensch doch nur geologische Kräfte entfalten, wenn er über geologische Zeiträume auf die Erde einwirkt, oder nicht? Nicht unbedingt. Das zeigt ja schon das Jahr, an dem das Anthropozän begonnen haben soll, das Jahr 1950. Das liegt geologisch sehr kurz zurück und dennoch hat sich in den 70 Jahren seither nicht nur die Menschenwelt, sondern auch die Erdoberfläche deutlich geändert. Der Mensch hat seine Erdsystemeingriffe also geologisch gesehen als einmaliges Ereignis organisiert – quasi vergleichbar mit einem Asteroideneinschlag.

      Der Mensch als Namensgeber für eine geologische Zeitspanne
      Ist Anthropzän überhaupt eine geologisch gesehen adäquate Bezeichnung für ein Erdzeitalter? Der folgende Satz aus dem Wikipediaeintrag Neogen, gibt dem Namen Anthropozän eine gewisse Berechtigung (Zitat): Das Neogen ist gekennzeichnet durch die Entwicklung der Vögel und der Säugetiere.. Das Anthropozän wäre dann einfach durch die kulturell/technische Entwicklung des Menschen bestimmt.

  5. @Wolfgang Richter 17:10 20:29

    „Ich weiß nur, dass Personen, die zum Thema globale Erwärmung skeptisch hinsichtlich der Klimakatastrophen-Szenarien sind und die eher die vom IPCC beschriebenen milderen Szenarien erwarten und eine niedrige Klimasensitvität des CO2 für wahrscheinlich halten -auch im Bereich, der vom IPCC angegeben wird!- regelmäßig als Klimawandelleugner verschrien werden.“

    Die vom IPCC angegebene Klimasensitität des CO2 liegt zwischen 1,5° und 4,5°. Das ist in der Tat ein weites Feld. Wenn ich jetzt hoffe, dass die 1,5° Realität werden, so bin ich nur ein unverbesserlicher Optimist. Wenn ich aber behaupte, dass diese 1,5° wahrscheinlicher sind, dann leugne ich offenbar die Einschätzung der Experten. Und wenn ich hierfür noch nicht mal Belege habe, dann bin ich damit unredlich, und darf von mir aus gerne verschrieen werden.

    Ich würde gerne auf die 1,5° hoffen, oder wenigsten auf 2,5°, aber der mittlere Wert ist nun mal aktuell 3,0°, und aus derzeitiger Sicht der Wahrscheinliche. Und es kann schlimmer kommen, tatsächlich auch 4,5°. Man stelle sich mal vor, wie das wäre. Derzeit haben wir davon die 1,1° inzwischen schon erreicht, und die Folgen sind schon erheblich, würde ich sagen.

    Was ich aber ganz klar meine, ist dass wir hier die weitere Forschung zum Thema genau beobachten müssen. Wenn bessere Modelle zur Verfügung stehen und noch weitere Jahre der realen Klimaentwicklung meßbare Realtität geworden sind, wird sich der Wert der Klimasensitvität des CO2 genauer ermitteln lassen. Wird sich hier ein günstigerer Trend zeigen, kann man eventuell die Anstrengungen gegen den Klimawandel reduzieren. Eventuell, wahrscheinlich ist das in keinster weise. Es kann nur sein, und es kann auch schlimmer kommen als der Mittelwert, dann können wir froh sein, wenn wir bis dahin eine Basis geschaffen haben, auf der wir dann noch engagierter die Energiewende durchziehen können.

    • Wird sich hier ein günstigerer Trend zeigen, kann man eventuell die Anstrengungen gegen den Klimawandel reduzieren.

      Nein, denn die schon im Jahr 2050 erreichten 1.5 Grad an globaler Erwärmung genügen bereits für das vollkommene Abschmelzen des Grönlandeises – und das wollen wir doch sicher verhindern, wenn wir können. Und mit heutiger Technologie (vollkommener Verzicht auf Kohle, Erdöl und Erdgas) und zukünftiger Technologie (CO2-Entfernung aus der Luft) werden wir die Erwärmung nicht nur stoppen, sondern rückgängig machen. Da bin ich mir sicher.

      Fazit: Ein vollkommener Verzicht auf Kohle, Erdöl, Erdas und konventionellen Zement ist auf alle Fälle nötig – ganz uabhängig davon ob die Klimasensitivität 2 oder 4 Grad Celsius beträgt. Die Frage ist wenn schon die, ob das genügt. In meinen Augen genügt es nicht. Wir müssen CO2 wieder aus der Atmosphäre entfernen.

    • @ Tobias Jeckenburger

      Diese Jahr wurde eine sehr aufwendige Studie über die Klimasensititvität auf Basis von Paläoklimadaten, Prozess-Beobachtungen und der mit Instrumenten beobachteten historischen Erwärmung, also ohne die komplexen Erdmodelle.

      Das Ergebnis war eine wahrscheinliche Sensitivität im Bereich 2,3-4,5 K für Verdopplung des CO2-Gehaltes, bzw. sehr wahrscheinlich 2,0-5,7.

      Die Unsicherheit der Klimasensitivität durch Beobachtungen lässt sich dabei nicht vollständig eliminieren, weil insbesondere die Strahlungsantriebe durch Aerosole nicht bekannt sind.

      http://www.realclimate.org/index.php/archives/2020/07/climate-sensitivity-a-new-assessment/

      Die 1,5 K für Verdopplung wird beim nächsten IPCC-Bericht vermutlich wieder angehoben, da sie auf einem zu dem Zeitpunkt ungewöhlich niedrigen Ergebnisse der Auswertungen der historischen Erwärmung, die mittlerweile verstanden ist und insbesondere durch begrenzte Datengrundlage (Abdeckung der Beobachtung) zu erklären ist.

  6. Ich freue mich über die rege Kommentartätigkeit. Ich bedanke mich dafür, erlaube mir aber, dies hier erst mal so stehen zu lassen und nicht weiter zu kommentieren. Unser neues Paper ist ja v.a. eine Bestandsaufnahme zum Energieverbrauch über die Zeit. Zur Diskussion von Fragen zum anthropogenen Klimawandel, des Umgangs mit demselben sowie auch Fakenews dazu verweise ich auf frühere Beiträge von mir hier in diesem Blog sowie insbesondere auf die Klimalounge von Stefan Rahmstorf, auch hier bei Scilogs. Dort finden sich auch Verweise auf andere Webseiten zum Thema.

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