„Auch Maschinen haben Hunger“ – Die Biosphäre als Modell für die Technosphäre im Anthropozän

von Reinhold Leinfelder

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Produzieren und Konsumieren in der Natur

Alle Organismen produzieren und konsumieren. Dazu sind Grundbausteine und Energie nötig. Im Pflanzenreich werden mit Hilfe von Sonnenenergie aus Recyclingbausteinen im Boden („Nährstoffe“) sowie Kohlendioxid organische Materialien produziert (Abb. 1). Tiere konsumieren vorhandenes organisches Material, sei es pflanzlich oder tierisch, lebend oder tot, um daraus Energie zu gewinnen und damit selbst zu wachsen und Nachwuchs zu produzieren. Tote, nicht weiter verzehrte Materialien werden durch Mikroben, Pilze und Atmosphärilien zersetzt und als Nährstoffe für neue Bioproduktion zur Verfügung gestellt. Zusätzliche Produkte können Wohnbauten, Nester oder auch kleinere Vorratslager sein. Auch alle Kraftleistungen, wie Flug, Fortbewegung, Nahrungszerkleinerung oder Nestbau basieren auf der verfügbaren Energie des eigenen Körpers. Optimierungen sind vielfach vorhanden, durch soziale Gefüge, Symbiosen zum gegenseitigen Nutzen, aber auch durch Parasiten, die sich von anderen Organismen ernähren und verbreiten lassen.

Abb. 1: Pflanzenwachstum basiert auf Sonnenlicht, CO2 und Nährstoffen. Infografik von Joelle Ebongue, aus Leinfelder et al. 2016

 

Es war einmal

Der Mensch hat sich durch die kulturelle Evolution von diesem biologischen Produktions- und Konsumptions-Muster zunehmend entfernt. Werkzeuge (Abb. 2a) und Feuer minimierten den eigenen Energieaufwand im Paläolithikum, Nutztiere, erst zum Transport, später auch zur Ernährung, erlaubten uns die Sesshaftigkeit des Neolithikums, sowie zusammen mit der Entwicklung von Kleidung auch unsere Ausbreitung in kühlere Regionen, bei denen wir im Winter auf Vorräte aus der hohen Produktivität der kultivierten Natur während des Sommers angewiesen waren (Abb. 2b).

Abb. 2a, b: Oben(a): Die ersten Werkzeuge sind fabriziert – wir gehen auf Jagd im Paläolithikum Unten (b): das Neolithikum ist da: wir lassen uns nieder, betreiben Ackerbau und Viehzucht, und kommen mit Vorräten über den Winter. Grafik Sylvain Mazas, aus Leinfelder et al. 2016. Siehe auch diesen SciLog-Beitrag.

 

Auf in die Industrialisierung!

Es folgten Wasserkraft, Dampfmaschine und Dieselmotoren, welche die industrielle Evolution ermöglichten (Abb. 3, vgl. Abb. 5). Arbeit ließ sich damit zunehmend an Maschinen delegieren. Sie webten, bohrten, baggerten, transportierten, zementierten für uns und ließen uns zunehmend auch industrielle Landwirtschaft betreiben.

Abb. 3: Mit der Erfindung bzw. der Optimierung der Dampfmaschine durch James Watt startete die Industrialisierung so richtig durch. Comic Strip aus Hamann et al. 2014, Grafik: Marina Portas Chassignet.

 

Dies alles erlaubte nicht nur ein immenses Wachstum unserer Bevölkerungszahl, sondern benötigte neben nachwachsenden v.a. auch nicht nachwachsende Ressourcen (Erze, Sand, Kalk, Phosphate (Abb. 4) uvm.).

Abb. 4: Beispiel Ressource Phosphate: Unsere industrialisierte Landwirtschaft ist bislang enorm von den Phosphatlagerstätten dieser Erde abhängig. Diese sind sehr endlich. Die bei weitem größten Lagerstätten finden sich in der von Marokko annektierten Westsahara Grafik: Zineb Benjelloun, aus Leinfelder et al. 2016. Siehe auch diesen SciLog-Beitrag.

Die notwendige Energie hierfür stammte ebenfalls aus nicht nachwachsenden, fossilen Energieträgern. Produktion und Betrieb technischer Geräte und Maschinen verbraucht also enorme Ressourcen und Energien (Williams et al. 2016). Als Metapher ausgedrückt: Waschmaschine, Auto und Computer arbeiten für uns, aber eben nur, wenn wir sie „füttern“ (Abb. 5, 6).

Abb. 5: Ausmaß der menschengemachten Technosphäre, der ca. Anteil der Treibhausgas-Emissionen für Ressourcengewinnung, Produktion und Betrieb technischer Produkte sowie ein grober Diversitätsvergleich zwischen Technosphäre und Biosphäre. Technosphärenzahlen aus Zalasiewicz et al. 2017, GHG-Zahlen aus verschiedenen Quellen. Grafik: Henning Wagenbreth (aus Cover von Hamann et al. 2014; überlagernde Texte hinzugefügt).

 

Willkommen im Anthropozän – und nun?

Mit Hilfe von Technologien hat der Mensch das Gesicht des Planeten aber auch maßgeblich und dauerhaft verändert und ist so zum wichtigsten globalen Einflussfaktor auf das Klima und auf viele weitere Umweltparameter geworden. Dies hat sich seit Mitte des 20.Jahrhunderts vehement beschleunigt – wir sind im Anthropozän angekommen. So hat die Menschheit etwa 30 BillionenTonnen Erdressourcen in neue Stoffe, Güter oder technische Infrastrukturen umgewandelt (Zalasiewicz et al. 2017). Auf einen heute lebenden Menschen kommen hier etwa 4000 Tonnen Technomaterialien (Abb. 5, 6, 7). Diese unterliegen bislang nur einem minimalen Recycling, der überwiegende Teil dieses neu geschaffenen technischen Lebensraums wird zu Abfall (und damit häufig zu überlieferungsfähigen Geosignaturen des Anthropozäns, den Technofossilien) .

Abb.6: Zeitlicher Verlauf von a) Wachstumsrate der globalen Bevölkerung, b) Energieverbrauch pro Kopf und Jahr, c) Produktivität pro Kopf und Jahr, d) Verhältnis von Produktivität und Energieverbrauch pro kopf und Jahr. Kreismarke 1850, quadratische Marke: 1950: Während der Energieverbrauch im Mittel kontunierlich ansteigt, fällt die prozentiale Rate des Bevökerungswachstums seit den 70er-Jahren. Auch die Produktivitätszunahme steigt seit längerem stärker als die Zunahme des Energieverbrauchs, aufgrund steigender Effizienz. Aus Syvitski et al. 2020, Fig. 2.

Die zum Aufbau der Technosphäre notwendige, bislang überwiegend aus fossilen Energieträgern stammende Energie summiert sich von 1950 bis heute auf ~22 Zetajoule (22×1021J), während von Beginn der Nacheiszeit vor 10.700 Jahren bis 1950 insgesamt nur ~14,6 ZJ verbraucht wurden (incl. Muskelkraft) (Abb. 7)(Syvitski et al. 2020).

Abb. 7a,b: Beispiele der Größenordnungen wichtiger globaler Umweltparameter a) seit Beginn des Holozäns (mit den Untereinheiten Greenlandium, Northgrippium und Meghalayum) und des bisherigen Anthropozäns (oben), sowie  b) beim Übergang vom Holozän zum Anthropozän (unten). Aus Syvitski et al. 2020 (Tab. 1 und 2).

Die menschliche Ernährung ist spätestens seit dem Neolithikum ein klassischer Kulturbereich. Heute umfasst sie nicht nur die verschiedensten Produktions- und Distributionsweisen, sondern fokussiert auch auf – teils gegensätzlichen –  Werten (darunter gutes Leben, Gerechtigkeit, Gesundheit, Tierwohl, ökologische Nachhaltigkeit), Traditionen („Omas Apfelkuchen-Rezept ist das Beste“), aber auch Offenheit gegenüber Unbekanntem, etwa der Vielfalt internationaler Küche. Insbesondere ist gerade beim Thema Ernährung die ökologische und soziale Nachhaltigkeit eng mit der kulturellen Nachhaltigkeit verknüpft.

Abb. 8: Mögliche “Zukünfte” der Ernährung. 1) Weiter wie bisher sollte keine Option sein. Möglich wären 2) Reaktive Maßnahmen (Rechtsvorschriften, Reduktion des Verlust von Nahrungsmitteln, adaptierte Neuzüchtungen), 3) Fokussierung auf Suffizienz (lokale, saisonale Ernährung, ggf. vegetarisch, vegan), 4) bioadaptiver Pfad, mit der Natur als Vorbild (Kreislaufwirtschaft wie Aquaponik, ressourcenschonende Insektenzucht als Nahrung etc.) und 5) Hightech-Pfad (GPS-gesteuerte, naturverträgliche Landwirtschaft, Farm-Scraping, Beyond Meet-Produkte, Laborfleisch). Aus 1-4 können gemischte Portolios zusammengestellt werden. Basierend auf Leinfelder 2014, 2018. Grafiken aus Hamann et al. 2016.

Dieses Bewusstsein könnte genutzt und mit Hilfe von Narrativen und weiteren Kulturpraktiken erweitert werden, um kulturelle Perspektivwechsel zu ermöglichen (etwa Insekten als Nahrung, Kunstfleisch, alte Sorten) (Abb. 8) und dabei insbesondere die Einsicht wachsen zu lassen, dass die Biosphäre eine hervorragendes Modell für den zukünftigen Umgang mit der Technosphäre darstellt.

Abb. 9: Mit Ausnahme des erdsystemunverträglichen Business as Usual (BAU)-Pfads führen viele Wege in eine erdsystemverträgliches Anthropozän. Diese können durchaus parallel begangen werden. Allgemeiner Kompass könnte eine perfekte, sich an der Biosphäre orientierende Kreislaufwirtschaft sein (siehe Inset links oben), die jedoch auch Suffizient- und Hightechaspekte beinhalten sollte sowie auch reaktive Maßnahmen (Subventionen, weitere gesetzliche Regelungen Neuzüchtungen etc.) beinhalten muss. Aus Leinfelder 2016, ergänzt. Inset links oben aus ellenmacarthurfoundation.org

Die technischen, aus der Natur gewonnenen Bausteine müssten dazu dauerhaft im System verbleiben, also zerlegt und wieder zu neuen Produkten zusammengefügt werden. Die notwendigen Energieformen hierfür wären wie bei der Biosphäre die erneuerbaren Energien. Müll fiele in einem solchen System nicht an. Biosphäre und Technosphäre wären vereinbar und die Menschheit wäre, mit neuem Bewusstsein, neuen Werten und neuer Verantwortung, einen wesentlichen Schritt weiter, hin zur Etablierung eines uns dauerhaft mittragenden und mitversorgenden funktionsfähigen Erdsystems (Abb. 9).

Hinweise und Videos:

Der Text dieses Artikels ist überwiegend identisch mit einem Abstract, welches für das Symposium  “Kulturelle Nachhaltigkeit lernen und lehren” der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich eingereicht wurde (näheres dazu hier, hier und hier). Die aus eigenen Projekten stammenden Abbildungen wurden für diese Scilogs-Version hinzugefügt (insb. aus Hamann et al. 2014, 2016, Leinfelder 216, 2018, Leinfelder et al. 2016, Syvitski et al. 2020)

Dem Text liegen auch zwei Online-Vorträge des Autors zugrunde: 

Dieser Beitrag ergänzt auch den Scilogs-Anthropozäniker-Blogbeitrag “Süchtig nach Energie”, erschienen am 17.10.2020 anlässlich des Erscheinens der neuen Studie der Anthropocene Working Group (Syvitski et al. 2020).

Version v. 21.10.2020

Zitierte Literatur: 

Hamann, A, Leinfelder, R., Trischler , H., Wagenbreth. H. (2014):
Anthropozän – 30 Meilensteine auf dem Weg in ein neues Erdzeitalter
Eine Comic-Anthologie 2014, 82 S.. Online Version: http://www.deutsches-museum.de/sammlungen/entdecken/comics/

Hamann, A. Baganz, C.R., Kirstein, J., Schleunitz, M.-A., Habermann,T., Leinfelder, R. (2016): Mehlwurburger oder vegane Eier? Essen im Anthropozän. Lehrerhandreichungen zum Sachcomic Die Anthropozän-Küche. Matooke, Bienenstich und eine Prise Phosphor – in zehn Speisen um die Welt, 108 S., Berlin (mitwissen-Verlag). Info und Auszüge: anthropocene-kitchen.com

Leinfelder, R. (2014): Das Haus der Zukunft (Berlin) als Ort der Partizipation.- Der Anthropozäniker, SciLogs, Spektrum der Wissenschaften-Verlag (20 S., 24 Abb.), http://www.scilogs.de/der-anthropozaeniker/haus-zukunft-berlin/ (oder pdf-Version, DOI: 10.13140/2.1.2720.5920

Leinfelder, R. (2016): Das Haus der Zukunft (Berlin) als Ort der Partizipation.- In: Popp, R., Fischer, N., Heiskanen-Schüttler, M., Holz, J. & Uhl, A. (ed.), Einblicke, Ausblicke, Weitblicke. Aktuelle Perspektiven der Zukunftsforschung, S. 74-93, Berlin, Wien etc. (LIT-Verlag)

Leinfelder, R. (2018): Nachhaltigkeitsbildung im Anthropozän – Herausforderungen und Anregungen. In: LernortLabor – Bundesverband der Schülerlabore e.V. (Hrsg), MINT-Nachhaltigkeitsbildung in Schülerlaboren – Lernen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft, S. 130-141, Berlin, ISBN 978-3-946709-02-2. (check reprint via RG

Leinfelder, R., Hamann, A., Kirstein, J. Schleunitz, M. (2016): Die Anthropozän-Küche. Matooke, Bienenstich und eine Prise Phosphor – in zehn Speisen um die Welt. 248 s. Springer/Nature, Info und Auszüge: anthropocene-kitchen.com

Jaia Syvitski, Colin N. Waters, John Day,, John D. Milliman, Colin Summerhayes, Will Steffen, Jan Zalasiewicz, Alejandro Cearreta, Agnieszka Galuszka, Irka Hajdas, Martin J. Head, Reinhold Leinfelder, John R McNeill, Clement Poirier, Neil Rose, William Shotyk, Michael Wagreich & Mark Williams (2020): Extraordinary human energy consumption and resultant geological impacts beginning around 1950 CE initiated the proposed Anthropocene Epoch. Communications Earth & Environment, https://www.nature.com/articles/s43247-020-00029-y

Williams, M., Zalasiewicz, J., Waters, C. N., Edgeworth, M., Bennett, C., Barnosky, A. D., Ellis, E. C., Ellis, M. A., Cearreta, A., Haff, P. K., Ivar do Sul, J. A., Leinfelder, R., McNeill, J. R., Odada, E., Oreskes, N., Revkin, A., Richter, D. d., Steffen, W., Summerhayes, C., Syvitski, J. P., Vidas, D., Wagreich, M., Wing, S. L., Wolfe, A. P. and Zhisheng, A. (2016): The Anthropocene: a conspicuous stratigraphical signal of anthropogenic changes in production and consumption across the biosphere.- Earth’s Future, 4, 34-53 (Wiley),
https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/2015EF000339

Zalasiewicz, J., Williams, M., Waters, C.N.. Barnosky, A.D., Palmesino, J., Rönnskog, A.-S., Edgeworth, M., Neal, C, Cearreta, A., Ellis, E.C., Grinevald, J., Haff, P., Ivar do Sul, JA.. Jeandel, C., Leinfelder, R., McNeill, J.R., Odada, E., Oreskes,N., Price, S.J., Revkin, A., Steffen, W., Summerhayes, C., Vidas, D., Wing, S., Wolfe, A.P. (2017): Scale and diversity of the physical technosphere: A geological perspective.- The Anthropocene Review, 4 (1), 9-22,  doi:10.1177/2053019616677743

Reinhold Leinfelder ist Geologe, Geobiologe und Paläontologe. Er ist Professor an der Freien Universität zu Berlin (Leiter der Arbeitsgruppe Geobiologie und Anthropozänforschung) sowie (seit Okt 2018) zusätzlich Senior Lecturer am Institut Futur der FU. Seit 2012 ist er Mitglied der Anthropocene Working Group der International Stratigraphic Commission. Von 2006-2010 war er Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, von 2008-2013 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), von 2011-2014 Research Fellow und affiliate Carson Professor am Rachel Carson Center an der LMU, München, von 2012-2018 Principal Investigator am Exzellenzcluster "Bild-Wissen-Gestaltung" der Humboldt-Universität zu Berlin, von 1. Sept. 2014 bis 15. Sept. 2016 Gründungsdirektor der Futurium gGmbH in Berlin. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen beim Anthropozän, Korallenriffen, neuen Methoden und Herausforderungen des Wissenstransfers und Museologie | Homepage des Autors | blog in english, via google translate

6 Kommentare

  1. “Zukünfte” ist interessant, weil es wohl nur so gehen wird, eine Mischung aus verschiedenen Ansätzen, im Widerspruch zu den Versuchen ideologischer “Königswege”, die es wagen, das Thema auf einzelne Aspekte zu reduzuieren.

  2. Jules Verne hat vor 100 Jahren in seinen Romanen die Zukunft skizziert. In der heutigen Science Fiktion Literatur wird auch viel “verraten”, wir wissen nur nicht welchen Weg die Zukunft nehmen wird.
    Sicher ist, dass es einen Kampf um Rohstoffe , um saubere Luft und um sauberes Wasser geben wird.
    Die Viren haben wir dabei noch gar nicht im Visier. Künstliche Viren aus den Entwicklungslabors, Bakterien, die resistent gegen alle bekannten Medikamente sind, Chimären aus Pflanzen und Tieren, also Aspekte, die gar nicht in die bekannten Kreisläufe passen.

  3. Konsumenten und Technologienutzer sind auch heute noch Jäger und Sammler
    Gestalter, Innovatoren, Erfinder neuer Technologie und neuer Lebensweisen haben die Menschheit auf ganz neue Lebensniveaus gebracht. Doch die wenigsten Menschen auf diesem Planeten gehören zu dieser Gruppe. 90 oder gar 95% aller Menschen und selbst ein grosser Teil aller Firmen und Länder sind auch im Jahr 2020 im wesentlichen immer noch Jäger und Sammler, eine Gruppe, die man heute Konsumenten nennt. Der Konsument wählt unter den Produkten und Lebenspraktiken etwas aus, was er sich leisten kann und was ihm einen Gegenwert verspricht. Die meisten Konsumenten sind zwar auch Produzenten, aber was sie produzieren bestimmen nicht sie selbst, sondern das bestimmen diejenigen, die ihnen die Arbeit zuweisen.

    Wenn Konsumenten entscheiden in welche Zukunft wir gehen und ob diese Zukunft etwa clean oder fossil ist, dann setzt das voraus, dass der Konsument überhaupt die Wahl hat etwas anderes als fossile Technologie auszuwählen. In weiterem Sinne gilt das sogar für Lebensweisen wie die, die zum oben genannten suffizienten, bioadaptiven oder Hightech-Pfad gehören. Auch diese Lebensweisen und Kultur-/Technologiepraktiken müssen in gewisser Weise zur Auswahl stehen und sie müssen reale oder empfundene Bedürfnisse befriedigen. Wenn Suffizienz bedeutet, dass mein Leben und das Leben meiner Familie und meiner Kinder beschwerlicher werden wird und es weniger Wahloptionen geben wird, so wird das der Mehrheit der Konsumenten schwer zu vermitteln sein, denn warum sollten sie so etwas wählen, wenn andere Optionen offen stehen.

    Tatsächlich erklärt das einfache Modell des Menschen primär als Konsumenten recht gut, warum es heute in bestimmten Bereichen schnelle Fortschritte in Clean-Technologie gibt und und in anderen nicht.

    So zeichnet sich gerade ein Siegeszug des rein elektrisch betriebenen Autos ab. Schon in 10 Jahren könnten 30% der in Deutschland gekauften Neuwagen vollelektrisch sein. Warum? Weil die technischen Daten von vollelektrischen PKWs wie Kosten, Reichweite, Innenraumangebot, Beschleunigungsverhalten, Lebensdauer inzwischen für das vollelektrische Fahrzeug sprechen.
    Für den Konsumenten hat sich mit dem vollelektrischen Auto praktisch nichts geändert: Er schafft sich weiterhin ein Auto an, fährt damit zur Arbeit und in die Ferien – nur dass das Auto nun mit einer anderen Technologie betrieben wird.

    Denkbar wäre aber auch eine Zukunft in der wir keine Autos mehr besitzen, sondern wo wir Mobilität als Service erleben und nutzen würden. Doch wiederum gilt hier: Solange es kein überzeugendes Angebot gibt, solange gibt es keine Käufer, ja solange kann es keine Käufer geben.

    Fazit: Wir sind alle vor allem Konsumenten und neue Zukünfte entstehen vor allem dadurch, dass die zugehörigen Produkte und Angebote zur Verfügung stehen und von uns gekauft werden, weil sie uns ein gutes oder besseres Lenen versprechen.

  4. Ja , wir sind konditioniert zur Plünderung der Erde durch das “Intelligenz” Unterscheidungsmerkmal zu anderen Lebewesen -also wissentlich ?
    Je mehr Bildung, umso ausgeklügelter diese immer effizientere und zerstörerische Plünderung zum Ziele von Macht, könnte das unser Sinn des Lebens sein? Hmm…
    hab da ein You tube video mit Jesus in der Wüste “Versuchung” gefunden
    MACHT!
    https://www.youtube.com/watch?v=3rRH-_au27w

    Lese gerade Dehn, Stefan. Der Mensch im Augenblick (German Edition) . Books on Demand. Kindle-Version.
    Der Mensch wendet sich vom Dasein ab. Sucht die Zerstreuung. Künstliche Bedürfnisse. Menschenweltschrottproduktion. Erhöhter Energiebedarf. Atomenergie. Werbebotschafter, die die Produkte vermitteln, die eigentlich keiner benötigt. Ein Irrsinn erzeugt den nächsten. Ein Netz des Irrsinns legt sich über die Menschenwelt. Transportmittel müssen die überflüssigen Produkte liefern. Erhöhter CO2-Ausstoß. Noch mehr Energiebedarf. Abstumpfungseffekte, Gewöhnung tritt ein. Es wird mehr Geld benötigt, um die künstlichen Bedürfnis zu befriedigen, die Zerstreuung in Gang zu halten. Arbeitszeiten müssen hochgehalten werden, damit mehr Geld eingenommen und mehr Zerstreuungsgüter hergestellt werden können. Mensch beklagt sich über zu wenig Freizeit…..
    Der Mensch ist ein Mensch, ist …Versuchung und Emotionen folgend nicht die Welt wirklich begreifend sondern es überwiegt Selbstsucht, also ganz menschlich.

  5. @Lust auf Lösung?

    Wesentlich scheint mir hier der Spruch: Ich will nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein.

    Der Mensch reagiert recht positiv darauf, Teil wovon zu sein. Man muss nicht Besitzer eines Parks sein, um sich dort erholen zu können. So wie die Stadt aussieht und ob etwa vernünftige Radwege existieren und genug Grün zwischen dem Beton ist, macht das die Lebensqualität.

    Wenn die städtische Lebensqualität entsprechend hoch ist, kann auch die eigene Wohnung etwas kleiner sein. Wenn es genug Grün gibt zum Betrachten und zum Verweilen, brauche ich kein eigenes Haus am Stadtrand, keinen eigenen Garten, und habe kürzere Wege, zur Arbeit und zum Einkaufen.

    Der Gebrauchswert von Fahrzeugen ist da nicht egal, aber wenn die Kommune in die Radwege investiert, tuts Fahrradfahren auch, und dann kann Carsharing erhebliche Kosten sparen, wenn ich nur noch gelegentlich mal ein Auto brauche. Und das macht dann im städtischem Raum richtig viel wertvollen Platz frei.

    Wenn ich weniger Konsumiere, kann ich auch weniger Arbeiten. Oder es ist Geld da für eher gemeinschaftliche Aufgaben wie Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen und eine Kreislaufwirtschaft, die immer weniger Reststoffe produziert.

    Wenn wir schon die Landwirtschaft subventionieren, dann doch gleich in Richtung flächendeckenden Bioanbau. Das kostet dann nichtmal extra. 58 Mrd. EU-Subventionen pro Jahr für die Landwirtschaft in Europa sind eine Menge. Zur Zeit wird dieses gemeinschaftliche Geld für die Förderung der Schädigung der Böden, des Grundwassers und der Tierwelt eingesetzt.

    Gemeinsinn lohnt sich, finde ich.

    Die Naturräume zu fördern eröffnet auch touristische Möglichkeiten, dass man nicht mehr so weit fahren muss, um Urlaub zu machen. Wenn man im eigenen Land, und wenigstens innerhalb Europas richtig gut was zu entdecken hat.

  6. Die Lösung ist die Trennung von Mensch und Natur
    Cesare Marchettis Artikel aus dem Jahre 1978 10^12 – A Check on Earth Carrying Capacity for Man offeriert einen Ausweg aus dem Dilemma „Mensch will Naturschätze nutzen, zerstört aber die Natur dabei“. In der Vision, die er vorschlägt, leben zwar 1000 Milliarden Menschen auf der Erde, aber sie bevölkern nur 10% der Landfläche der Erde und betreten den Rest der Erde nur für kurze Besuche, nicht aber für Zwecke wie Landwirtschaft oder Rohstoffabbau, denn alle Nahrung wird innerhalb dieser 10% der Landfläche der Erde angebaut und Rohstoffe braucht es keine, weil alles zu 100% rezykliert wird. Marchetti hat bereits aktuelle Entwicklungen wie die des Kunstfleisches vorweggenommen, wobei bei ihm die Hauptnahrungsquelle aber mikrobiell erzeugte Nahrungsmittel sind. Die Menschen wohnen, leben, ernähren, arbeiten und vergnügen sich in Marchettis Vision vollkommen innerhalb der urbanen Räume, die sie bevölkern. Es handelt sich also um eine Raumschiffökonomie oder wie wir heute sagen würden um eine Kreislaufwirtschaft.
    Zukünftige Technologie könnte so etwas ermöglichen doch es ist trotzdem unwahrscheinlich, dass sich die Menschen damit zufrieden geben. Langfristig gesehen ist aber eine Kreislaufökonomie unvermeidbar, denn Rohstoffe wie auch viele zum Leben benötigte Ressourcen sind nun mal einfach endlich und wenn sie unbegrenzt lange Zeit zur Verfügung stehen sollen müssen sie „regeneriert“ werden.

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