SciLogs16

Ein bisschen traurig war ich ja schon, dass die SciLogger sich nicht mehr im schönen Deidesheim getroffen haben. Aber Wiesloch konnte dann doch auch mit ein paar Trümpfen aufwarten. Für viel Freude und manche Spekulationen sorgte zum Beispiel schon der schöne Name Wiesloch: Ein großes Loch in der Wiese oder lauter zu einem Loch abfallende Wiesen, oder „finster wie’s Loch“…?

In Wahrheit war natürlich mal wieder alles ganz anders: Der Ort ging aus einer Gründung des 6. Jahrhunderts namens “Wezzinloch” an der Kreuzung zweier Fernstraßen hervor, urkundlich erstmals erwähnt, wie so viele Orte in der Region, im Lorscher Codex. Dieser nennt den Namen in der Abschrift einer Schenkungsurkunde vom 12. September 801 an das Kloster Lorsch. Loch bedeutete damals Wald und Wezzin ist eine Deklination des germanischen Namens Wizzo. Salopp könnte man den Ortsnamen also mit „Wizzos Wald“ übersetzen.

Keine Wiesen also. Aber ein Loch wurde uns dann aber doch geboten, ein ganz tiefes nämlich: Der ungeheure Keller der Winzergenossenschaft samt Führung und Probe ….

Teilnehmer des SciLogger-Treffens 2016 im Winzerkeller Wiesloch
Schmecken und Staunen: Teilnehmer des SciLogs-Treffens 2016 im Winzerkeller Wiesloch Credit: Richard Zinken

 

Lehrreich war das Treffen nicht nur was Bildrechte, Neuaufstellungen und steile Erfolgskurven angeht (und im Nachtrag geologische Rafinessen). Wir lernten auch den Beruf der Proberednerin kennen – nicht eine, die probehalber redet, z. B. weil die Tonanlage noch gepegelt werden muss, sondern sie redet auf Proben, Weinproben nämlich, und in unserem Fall sogar kenntnisreich und unterhaltsam. Auf alle Fälle ein Highlight!

Auch schon eine Art Denkmal: Der 1959 eingeweihte Wieslocher Genossenschaftskeller, der bis 1979 schrittweise auf eine Kapazität von über 15 Millionen Litern Wein erweitert wurde.
Auch schon eine Art Denkmal: Der 1959 eingeweihte Wieslocher Genossenschaftskeller, der bis 1979 schrittweise auf eine Kapazität von über 15 Millionen Litern Wein erweitert wurde. Credit: Richard Zinken

15 Millionen Liter Wein müssen in Wiesloch schon lang nicht mehr untergebracht werden. Die Erkenntnis, dass die Ertragshöhe pro Hektar einen großen Einfluss auf die Traubenqualität – und damit auch auf die Weins – ausübt, führte in den 1980er-Jahren zu drastischen Beschränkungen der zugelassenen Erträge und damit auch der Menge des auszubauenden und zu lagernden Weins, da keine neuen Weinberge ausgewiesen wurden. Schließlich wächst der Wein nicht überall. Etliche der Tanks in den Tiefen der Weingärtnergenossenschaft bleiben heute also leer.

Verpasst haben wir übrigens wohl alle eine ganz andere Tankstelle: die „erste Tankstelle der Welt“. Als diese gilt die Stadt-Apotheke in Wiesloch. Als Bertha Benz auf ihrer berühmten Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim im August 1888 der Treibstoff ausging, bekam sie hier Nachschub – in der Apotheke wurde Leichtbenzin als Reinigungsmittel verkauft.

Eva Bambach

Ich arbeite als Kunsthistorikerin freiberuflich als Redakteurin/Lektorin/Autorin. Dieser Blog enthält Überlegungen und Informationen, die ich sonst nirgendwo unterbringe. Die aber rauswollen.

3 Kommentare

  1. Nur ergänzend:
    Das lateinische ‘Videre’ könnte hier die Wiese, die Weisheit und was es da sonst noch gibt, gar den Wizzard, das Wissen und so angeleitet haben.
    Würde jedenfalls in dieser Ableitung Sinn ergeben, vgl. auch:
    -> https://en.wiktionary.org/wiki/video#Etymology_4

    Die Altvorderen waren oft überraschend sparsam in ihre mühsam entwickelten Begrifflichkeit.

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