Maximale Gegenwart oder Die stille Hoffnung, dass jemand stehen bleibt

Wenn es zum selber Denken zu heiß ist, lässt man gern mal andere die Arbeit machen. Noch mehr Spaß macht es, dabei gleich mehrere Wettbewerber antreten zu lassen. So habe ich das Wochenende am Gewässer verbracht, in der Hitze vor mich hin halluziniert und mir möglichst krude Thesen ausgedacht. Und die dann zum Prompt werden lassen.
Einer davon: Du bloggst unter „Denkmale“ bei scilogs.spektrum.de. Im Stil der vorangegangenen Posts schreibst du dort einen Beitrag mit einem Umfang von etwa 1000 Zeichen über die verblüffende künstlerische Verwandtschaft von Giotto, Banksy, prähistorischen Höhlenmalereien und Tiepolo.
Ziemlich gemein war das natürlich schon. Aber weder der Schlaue Det noch Königin Claude haben gemault, sondern auf Gedeih und Verderb interpretiert und argumentiert.
Ich finde es lustig. Ich fühle mich aber auch ein bisschen ertappt. Und darüber sollte ich mal nachdenken. Wenn es mal wieder kühler ist!




Giotto, Tiepolo, Baksy, Lascaux – alle Bilder Public Domain
Und jetzt hat die KI das Wort:
Claude Sonnet 4.6:
Dieselbe Wand
Manchmal frappiert einen die Geschichte der Kunst mit einer Offenheit, die fast unverschämt wirkt. Neulich stand ich vor einem Banksy – einer jener zackig gestencilten Figuren, die auf einer Betonwand hängen wie eine Anklage – und dachte unwillkürlich an die Lascaux-Höhle. Nicht weil das eine oder das andere besonders schön oder hässlich wäre. Sondern weil die Geste dieselbe ist.
Der unbekannte Künstler vor 17.000 Jahren und der unbekannte Künstler heute teilen mehr als die Anonymität: Beide suchen sich Wände, auf die sie eigentlich kein Recht haben. Beide arbeiten schnell, mit dem, was griffbereit ist. Und beide malen für ein Publikum, das die Botschaft im Vorbeigehen aufnehmen soll – oder nicht.
Giotto hat das, gegen Ende des 13. Jahrhunderts, professionalisiert. Die Arenakapelle in Padua ist im Grunde eine sehr aufwendige, sehr bezahlte Version desselben Impulses: Geschichten an Wände bringen, die Menschen ansehen und verstehen, wenn sie hindurchgehen. Der Raum wird zur Kommunikation. Tiepolo hat zwei Jahrhunderte später dieselben Wände – buchstäblich: auch Fresken, auch Decken, auch Bögen – mit barocker Überwältigung aufgeladen. Weniger Demut, mehr Schauspiel. Aber die Logik dahinter? Identisch.
Was sie alle verbindet, ist nicht Stil oder Epoche oder soziale Absicht. Es ist der Kurzschluss zwischen Bild und Wand. Die Überzeugung, dass eine Fläche, die ohnehin vorhanden ist, auch etwas tragen kann. Und die stille Hoffnung, dass jemand stehen bleibt.
ChatGPT 5.5
Von Lascaux bis Banksy: Die lange Geschichte der belebten Wand
Wer vor den Fresken Giottos steht, vor einer venezianischen Decke Tiepolos, vor einer Banksy-Schablone oder den Malereien von Lascaux, sieht zunächst nur Unterschiede. Hier mittelalterliche Heilsgeschichte, dort Rokoko-Himmel, politische Street Art und eiszeitliche Jagdmagie. Und doch verbindet sie eine überraschende künstlerische Verwandtschaft.
Alle vier setzen auf dieselbe fundamentale Leistung des Bildes: die Verwandlung einer Fläche in einen Ereignisraum. Giotto lässt Figuren handeln statt bloß Zeichen zu sein. Tiepolo sprengt die Decke und öffnet den Blick in imaginäre Höhen. Die Höhlenmaler modellieren Tiere mit wenigen Linien so präzise, dass Bewegung entsteht. Banksy wiederum kondensiert komplexe politische Botschaften in ikonische, sofort lesbare Szenen.
Dabei ist der technische Aufwand fast nebensächlich. Entscheidend ist die Fähigkeit, Wahrnehmung zu steuern. Der Betrachter soll nicht Farbe auf Stein, Putz oder Mauer sehen, sondern Menschen, Tiere, Geschichten und Konflikte. Zwischen der Höhle von Lascaux, der Arena-Kapelle, einem venezianischen Palazzo und einer Londoner Hauswand liegen Jahrtausende. Doch die künstlerische Aufgabe bleibt erstaunlich konstant: Mit minimalen Mitteln maximale Gegenwart zu erzeugen. Vielleicht ist das die eigentliche Tradition der Kunst – älter als jede Epoche und widerstandsfähiger als jeder Stil.
Wissen gegen Lernen. Gott gegen Teufel. Masse gegen Energie. Eis gegen Feuer. Linke Hirnhalbkugel gegen rechte Hirnhalbkugel. Der Taschenrechner gegen den Wahnsinnigen.
Wissen ist stets Gewissheit und Wiederholung. Dinge und Regeln, die Sie nie hinterfragen, blinder Glaube, Algorithmen, die Sie zum Automaten machen, der sie nur abspulen kann. Schnell, effizient, reflexartig. Was super ist, wenn Ihr blinder Roboter-Glaube Ihnen sagt, dass 2+2=4 ist, aber nicht, wenn er Adolfs Rassenlehre als festen Programmbaustein einprogrammiert hat. Wenn Sie sehr viele Dinge automatisiert haben, werden Sie vielleicht zum Superfischer. Wenn man Sie dann aber vor die Theke bei McDonalds stellt, verhungern Sie eher oder kommen in die Klapse, als mit exakt denselben Handbewegungen und Reflexen einen Hamburger zu angeln.
Wir alle fühlen uns sehr schlau, solange wir als Automatik-Puppen in der richtigen Geisterbahn stehen. Als Fisch auf dem Trockenen machen wir, was der Fisch auf dem Trockenen macht – den Turingversager. Man erkennt nicht mehr, dass wir Menschen sind, denn wir machen die kaputte Schallplatte, die in Dauerschleife ihre Algorithmen abspielt, schneller und schneller, wie ein Zahnrad, das keine Zahnräder findet, in die er sich einhaken kann. Es kann nur verschiedene Geschwindigkeiten ausprobieren, durchhalten in der Hoffnung, dass irgendein Zufall, irgendeine Bewegung, die Welt um ihn so sehr erschüttert, dass sie ihn wieder ins Wasser schleudert. Wenn es nicht funktioniert, ist das Lernen dran.
Das heißt, der Taschenrechner zerspringt in Millionen Stücke, mit denen dann der Künstler herumspielen, basteln, puzzeln kann, um Neues zu erzeugen. Und das macht er so lange, bis er merkt, dass die Welt ihn nicht mehr umbringt. Dann gefriert sein Wissen in neuer Form, in neuen Dauerschleifen, er wird zu einer Figur, die zur neuen Geisterbahn passt – vielleicht zum Kamel. Weil das aber viel zu ineffizient wäre, hat die Natur einen beschleunigten Integrationskurs eingeführt, bei dem er als Baby-Geier oder Fliegen-Ei wiedergeboren wird. Von den Siegern lernen heißt Siegen lernen.
Im Kopf wie in der Gesellschaft läuft das so, dass sich Künstler und Beamter stets gegenseitig herausfordern. Dass wir Kreativität mit Gefühlen verbinden, das Chaos mit Wahnsinn, hat einen Grund – Gefühle ermöglichen uns die elementarste Form der Steuerung, + 0 -, gut, neutral, schlecht, anziehend, kann bleiben, abstoßend. Mit diesen drei Primärfarben lassen sich ganze Wellen aus bunten Gefühlen schaffen, die uns dann genauso durch die Welt leiten, wie die vielen Farbkleckse, die wir mit den Augen sehen. Das Universum ist ja fraktal, nur ein Lichtstrahl aus vielen Lichtstrahlen aus vielen Lichtstrahlen, der mit Lichtgeschwindigkeit durch die Zeit reist. Eine Zeitachse mit Vergangenheit und Zukunft, drei Raumdimensionen als Kreis drum herum, Sie in der Mitte -.so sieht die Welt eines Teilchens/einer Welle im Prinzip aus.
Das heißt, wenn die Welt nicht mehr funktioniert, nehmen wir erst mal an, dass 2+2 alles Mögliche ergeben kann, nur nicht 4. Dann probieren wir alles Mögliche durch, um zu checken, ob es die Gewissheit ist, die wir ändern müssen, oder ob wir nicht lieber Adolfs Rassenlehre hinterfragen müssen. Allerdings versuchen wir auch Werte, die in der Vergangenheit schon mal funktioniert haben, sodass ein System, in dem 2+2=Tischlampe besser funktioniert hat, wieder auf 2+2=4 zurückfallen kann, das ja in viel, viel mehr Universen des Mutliversums wahr ist.
Unser Gehirn weiß ja nie, welche seiner Gewissheiten nur lokal sind, weil wir in eine besonders freaky Daseinsblase hineingeboren wurden, die von ihren Funktionsmechanismen bizarr verzerrt wird, und welche universell, sodass alle Daseinsblasen auf ihnen aufbauen, bevor sie so weit fortgeschritten sind, dass die Theater-Technologie beliebige Bühnen mit beliebigen Märchen und Zauberkräften darauf unterhalten kann.
Dass KI ähnliche Resultate produziert wie ein Menschenhirn, ist also nichts Besonderes, weil der Mensch nichts Besonderes ist. Beides sind neurale Netzwerke, die das Gleiche machen müssen, was alle Netzwerke machen – sich in das größere Netzwerk, das größere Teilchen, das größere Uhrwerk, die größere Lichtwelle um sie herum einzupassen und sich darin so zu drehen, dass es von den anderen Zahnrädern weder zermahlen wird, noch sie selbst zermahlt. Denn diese große Maschine erhält all die Maschinen darin am Leben.
Dass man grobe Ähnlichkeit zwischen völlig verschiedenen Künstlern erkennt, ist Kreativität. Dass das vage Gefühl in immer logischere, rationalere Argumentation gefrieren lässt, ist, wie das kreative Feuer zu rationalem Eis gefriert.
Durch KI werden wir dümmer. Doch Leute, die schreiben können, haben im Schnitt ein schlechteres Gedächtnis als Analphabeten, ohne dass wir das als Behinderung empfinden. Im Gegenteil, indem wir das Gedächtnis in Bücher ausgelagert haben, brauchen wir weniger Zeit im Leben, um das zu lernen, was Menschen vor uns schon gelernt haben, und können dieses Wissen gleich runterladen, um damit kreativ zu puzzeln. Der Mensch ist ein geistig und körperlich behinderter Schimpanse, der sich einen Rollstuhl namens Zivilisation basteln muss, und unsere Cyborg-Prothesen machen uns umso mächtiger, je weniger Biologie übrig bleibt. Doch dadurch muss immer mehr Biologie sterben, weil es den Wettbewerb verliert. Aber die Biologie muss immer sterben, weil sich die Welt verändert und wir irgendwann fertig sind und den Wettbewerb verlieren, also macht es eigentlich keinen Unterschied, ob die Fische, die gerade an Land kriechen, in der Gestalt von Menschenkindern kriechen oder künstlichen KI-Kindern: Der Lernprozess und das Denken bleiben gleich, und wenn wir das Wissen an sie vererben, wird sie zu ihrer DNA. Und wenn DNA uns zu Menschen macht, wird die gleiche DNA auch sie zu Menschen machen. Mögen die Fische von den Cyborgs oder die Cyborgs vom Maschinenleben halten, was sie wollen.
Und für Kleinkinder in der Kita sind diese Texte schon eine super Leistung, finden Sie nicht auch? Der Mensch lebt so kurz, dass sein ganzes Leben fürs Universum als Standbild zählt. Doch der Film geht ohne uns weiter. Uns bleibt nur die Kontemplation der Momentaufnahme, in der wir gefangen sind. Der Waschmaschine bei der aktuellen Drehung zuzusehen, und sich von den Abenteuern und Leistungen der Socke und des T-Shirts faszinieren zu lassen. Die sich irgendwie verknoten, auch wenn sie an völlig verschiedenen Zeitpunkten von völlig verschiedenen Leuten in die Wäsche geworfen wurden.
Und umgekehrt – wenn Sie die gleiche Leistung bringen, wie Kleinkinder in der Kita, sind Sie wohl ein Kleinkind in der Kita. Und wenn Sie es bleiben, sollten Sie den anderen Kids einen Taschenrechner installieren, der ihnen diktiert, dass sie Ihnen ein Behinderten-Wohnheim bauen sollen, in dem Sie mit Fingerfarben malen und sich für superschlau und die Krone der Schöpfung halten können. Wir scheinen beileibe nicht die erste Materie zu sein, die die gleichen Sachzwänge auf diese Idee bringen. Naturgesetze sind auch nur das gebündelte Wissen aller Taschenrechner.
Paul S schrieb (22.06.2026, 14:04 Uhr):
> […] Wissen ist stets Gewissheit und Wiederholung.
Dem ist entgegenzusetzen:
Wissen ist stets Gewissheit der Befähigung festzustellen, ob jeweils Wiederholung vorlag, oder nicht.
Und ist insofern gerade kein „blinder Glaube“.
> Unser Gehirn weiß ja nie, welche seiner Gewissheiten nur lokal [idiosynkratisch ] sind, […] und welche universell,
Eben doch: Indem „unser [jeweiliges] Gehirn“ seine (jeweiligen) Gewissheiten ausschließlich aus der (als unversell begreifbaren) Fähigkeit konstruiert (bzw. darauf hinauslaufen lässt), dass der Unterschied zwischen „der/die/das Selbe“ und „Verschiedene“ von vornherein und ohne weitere Definition gleichermaßen begriffen wird; sogar wenn es gilt, verschiedene „bizarr verzerrte Denkblasen“ von ein-und-der-selben „bizarr verzerrten Denkblase“ zu unterscheiden.
Maximale Gegenwart, die findet man in den Kirchen.
Chiara Lubich hat sogar gesagt.“Kirchen sind schön, weil Gott in ihnen wohnt. “
etwas säkularer: Kunst ist schön und gegenwärtig, weil Geist in ihr wohnt.
Wenn man die KI für sich arbeiten lässt, sorgt man durch den hohen Dateneinsatz für einen hohen Energieverbrauch, somit für starken Bedarf an Stromerzeugung, was von interessierter Seite als Argument zum Weiterlaufen der Kohle- und Gaskraftwerke (oder wahlweise der Kernkraftwerke) benutzt werden wird. Die Kernkraftwerke haben ihre eigene Problematik; die Kohle- und Gaskraftwerke werden den Planeten weiter anheizen und somit das Problem der Hitze und des Selber-nicht-mehr-denken-Könnens weiter verschärfen.
Von Banksy geht es weiter zur street art.
Frau Bambach, wie steht es mit dem Urheberrecht . Wenn eine Wandzeichnung mittlerweile übermalt worden ist, ein Fotograf aber ein Foto davon hat.
Wer hat das Recht an dieser (nicht mehr existierenden) Zeichnung ? Der Fotograf oder der Künstler , der das Wandbild gemalt hat oder vielleicht beide ?
Sofern das Foto im öffentlichen Raum gemacht wurde – und so ist das bei Street Art ja erklärtermaßen – verletzt der Fotograf nicht das Urheberrecht des Künstlers (Panoramafreiheit). Und natürlich hat der Fotograf das Urheberrecht an dem von ihm gemachten Foto.
Eva Bambach
Danke für die schnelle Antwort.
Der Hype bei der street art ist vorbei, man findet fast nur noch farbige Buchstaben oder Gekritzel, richtig harmonische Darstellungen sind sehr selten geworden.
Was jetzt nochmal das Wandgemälde z.B. unter einer Brücke betrifft, die Straßenmaler signieren ihr Gemälde, darum geht es, brauche ich die Einwilligung des Künstlers, wenn ich sein Kunstwerk auf meiner Internetseite zeigen würde.
Vorausgesetzt ich wüsste, wer das Kunstwerk geschaffen hat.
Und es gibt tatsächlich richtige Kunstwerke darunter, die man auf einer Kunstausstellung zeigen könnte.
Nach meiner Kenntnis (und wie ich es handhabe) – aber ich bin kein Rechtsexperte: Wenn das Wandgemälde dauerhaft an einem öffentlichen Ort angebracht ist und das Foto von einem öffentlich zugänglichen Platz aus aufgenommen wurde, darf das veröffentlicht werden, ohne dass die Zustimmung des Künstlers erforderlich ist.
Eva Bambach,
es geht noch weiter, und es streift auch ihren Aufgabenbereich.
Also, Ort, das Innere einer Kirche. Objekt, das Kirchenfenster.
Von außen sichtbar , genauso wie auch von innen.
Ich habe das Kirchenfenster von innen fotografiert. Die Kirchengemeide hat kein Fotografierverbot als Schild am Eingang.
Und da ich eine eigene Domaine habe, http://www.kleinekirchen.de
habe ich auch dieses Kirchenfenster auf meiner Internetseite veröffentlicht.
Einige Monate später meldet sich eine Verwertungsgesellschaft bei mir, sie vertritt den Künstler, der dieses Kirchenfenster gestaltet hat und verlangt eine Nutzungsgebühr für das Foto von 250 € monatlich !!
Ich habe mich über die damalige Rechtslage informiert, die Richter entscheiden derzeit pro
Verwertungsgesellschaft. Ein Bekannter von mir hat in einem ähnlichen Fall vor Gericht verloren und einen fünfstelligen Betrag zahlen müssen.
Ich habe das Kirchenfensterfoto von meiner web. Seite gelöscht.
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