Frankfurt: Fachwerkromantik mit Fettabscheidung

Denkmale

Im März 1944 wurde die Altstadt von Frankfurt am Main fast völlig zerstört. Von dem Gassengewirr, das zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkernen Deutschlands zählte, blieben nur ein paar Brandmauern. Die Wunde schmerzt noch heute, ging doch die vermeintliche Seele Frankfurts verloren. Vergessen wird dabei, dass die Idylle der Frankfurter Altstadt auch vor dem Zweiten Weltkrieg weitgehend Wunschbild war – schon die Nationalsozialisten hatten den Ruf des Viertels mit verschiedenen Maßnahmen verbessern wollen. In den dunklen, feuchten Häusern gab es nur etwa eine Toilette je 100 Einwohner, Krankheiten grassierten, viele Einwohner waren arbeitslos.

Frankfurt Projekt Dom RömerVerzweiflung einer Gesellschaft, die zu Neuem nicht fähig ist und das Alte nicht zu bewahren versteht: Ansicht der Großbaustelle in Frankfurt am Main, wo an Stelle des nun abgerissenen Technischen Rathauses ein Teil der Altstadt neu empfunden werden soll.

In der Erinnerung aber leben „romantische Plätze, malerische Höfe“, „buntes Leben und Treiben in Kneipen, Läden und Handwerksbetrieben“ und ein „besonderes Lebensgefühl“ fort. So soll es zwischen Dom und Römer ab 2016 wieder werden, nur viel sauberer, wenn man dem Werbefilmchen glaubt, in dem nicht nur die geplanten Häuser, sondern auch die Besucher der Altstadt aussehen wie aus Plastik, makellos und schön abwaschbar.

Stadtreparatur: Abriss des Technischen Rathauses

Das Vorhaben kam in Gang, weil die Mietperiode für das Technische Rathaus im Herzen der ehemaligen Altstadt ablief. Das Anfang der 1970er-Jahre errichtete Gebäude wurde als unglücklich empfunden, auch weil es ohne Rücksicht auf die bis 1944 bestehende kleinteilige Parzellierung errichtet worden war (teilweise waren für den neuen Verwaltungsbau historisch wertvolle Altbauten abgerissen worden). Dass das Gebäude negativ wahrgenommen wurde, lag auch daran, dass ein maßgeblicher Teil der Fassadengestaltung nicht ausgeführt wurde: Für die Pflege der von den Architekten vorgesehenen Begrünung mit Rankpflanzen gab es kein Geld.

2007 wurde entschieden, das Technische Rathaus zu Gunsten einer Neuplanung abzureißen.

Als Planungsziele nennt das Stadtplanungsamt Frankfurt:

Das ehemalige Altstadtquartier zwischen Dom und Römer soll nach dem Abriss des Technischen Rathauses neu bebaut werden. Im Sinne von Stadtreparatur soll ein durch altstadttypische Dichte geprägtes, kleinteilig strukturiertes Quartier entstehen. Das historische Netz aus Gassen und Plätzen soll weitgehend wieder hergestellt werden. Es ist eine lebendige Nutzungsmischung angestrebt, die zur Belebung des Standorts beiträgt. Der Straßenzug Markt, der auch als Krönungsweg bekannt ist, soll auf das ursprüngliche Niveau abgesenkt werden. Um die Geschichte des Ortes stärker erlebbar zu machen ist vorgesehen, sechs ehemalige Altstadthäuser zu rekonstruieren. Die Charakteristik der ehemaligen Altstadt soll an den Fassaden und Dächern der übrigen Gebäude ablesbar sein.

Dem entsprechen die Gestaltungsleitlinien der Stadt Frankfurt für die auf dem Abrissgelände neu zu errichtenden Bauten: Orientierung der Gliederung an den historischen Vorbildern, ohne diese zu imitieren. Bis zu 15 ehemalige Gebäude sollen aber rekonstruiert werden.

Projekt Dom-Römer

Dumm nur, dass kaum noch Quellen dazu gibt. Die Trümmer sind längst beseitigt, die Erinnerung von Zeitzeugen wenig ergiebig, am verlässlichsten wohl noch alte Fotos und Postkarten. Noch dümmer: Das gesamte Areal ist von Tiefgaragen und U-Bahn-Tunneln unterbaut, keines der neuen alten Häuser wird also auf eigenem Grund stehen. Heutige Brandschutz- und Energiesparvorschriften sind nicht mit mittelalterlicher Bautechnik umsetzbar, die Müllentsorgung in den engen Gassen kann nur mittels versenkbarer Tonnen überhaupt gewährleistet werden und weil ein großer Teil der neuen alten Häuser gastronomisch genutzt werden soll, sind auch entsprechende technische Einbauten wie Fettabscheider für das Abwasser vorzusehen. Ganz schlecht aber steht es um die Wiederherstellung des ehemaligen  Gassenverlaufs. Längst sind neue Gebäude (Haus am Dom, Kunstverein) entstanden, die in die ehemaligen Gassen ragen. Kurzerhand wurden manche der neuen alten Häuser deshalb ein Stückchen verrückt, um das Ganze wieder passend zu machen. Der originale Krönungsweg vom Kaiserdom zum Römer kann auf diese Weise nicht mehr freigelegt werden.

Auch ganz schlecht: Die 1986 eröffnete Kunsthalle Schirn mit ihren populären Ausstellungen ein Publikumsmagnet und zweifellos zur Belebung des Viertels beitragend,  stellt einen Querriegel dar, der die frühere Ausrichtung der Gassen zum Main hin vereitelt. Abreißen?

Die Frankfurter Altstadt im 20. Jahrhundert

Auch vergangene Generationen hatten sich mit der Frankfurter Altstadt als Gesamtdenkmal auseinanderzusetzen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde für die Straßenbahn ein Durchbruch geschlagen und eine neue Straße (Braubachstraße) angelegt, für die etwa hundert alte Häuser weichen mussten.  Die Neubauten orientierten sich an der historischen Fassadengestaltung, waren aber erheblich größer und repräsentativer  und hoben sich schon dadurch von den kleinteiligen Fachwerkhäusern der Umgebung ab. In den 1920er-Jahren gab es unter dem für seine moderne Siedlungsarchitektur  berühmten Stadtbaurat Ernst May dann  den Plan, weite Teile der Altstadt abzureißen – eine Idee, die auch von den Nationalsozialisten weiterverfolgt wurde und zum Abriss einiger Hinterhofensembles führte. Mehrere hundert Gebäude wurden damals aber saniert und ein Programm mit Armenspeisungen und Kulturangeboten (z. B. die Römerbergfestspiele) verbesserte das Leben im Altstadtkern in den wenigen Jahren bis zur Zerstörung 1944.

Beim Wiederaufbau des Römerbergs in den 1950er-Jahren konzentrierte man sich auf die Beibehaltung der parzellierten Struktur und die Erhaltung der Proportionen der früheren Bebauung als Zeichen der städtebaulichen Kontinuität. Das reichte Anfang der 1980er-Jahre nicht mehr aus, um – laut Ausschreibungstext für den Architektenwettbewerb –  „dem Verlangen nach historischer Identitätsfindung Frankfurts als vielhundertjährigem Mittelpunkt deutscher Reichsgeschichte“ Rechnung zu tragen.

Die Nachbildung der Ostzeile des Römerbergs erfolgte dann auf Grundlage von Fotos und Spekulationen, wie das auf den Bildern unsichtbare Fachwerk der vor dem Krieg überwiegend verputzten Häuser ausgesehen haben könnte. Dabei mussten die Häuser wegen der nun darunter liegenden Tiefgarage rund einen Meter höher als zuvor aufgebaut werden. Die Treppenhäuser und Zugänge zu den Wohnungen befinden sich zur Sicherung der Fluchtwege im Brandfall in einer hinter der „rekonstruierten“ Front verlaufenden modernen Häuserzeile.

Geschichte und Idyll

Die neuen Planungen verweisen auf eine ganz ähnliche Problemlage. Übrigens: Nicht nur das Technische Rathaus wurde abgerissen. Ebenfalls nur etwa 30 Jahre nach seiner Erbauung wurde das in der Nachbarschaft des Römerbergs liegende Historische Museum Frankfurt als „Betonmonster“ aus dem Stadtbild entfernt. Bei seiner Errichtung hatte es ebenso wie bei dem Bau des Technischen Rathauses heftige Proteste gegeben, aber auch viel Lob: Das Museum galt als beispielhaft, weil es den Bürger ohne Hemmschwelle der Kultur zuführe und durch den Verzicht auf repräsentative Bauformen besonders bürgernah sei.

Das Ganze zeugt von einem Geschichtsverständnis, in dem Geschichte nur als Idyll vorkommt – was nicht verklärt werden kann und nicht ins aktuelle Weltbild passt, soll am besten ganz vergessen werden. Gespannt sein darf man auf die langfristige Bewertung der Abrissmaßnahmen. Soweit ich weiß, soll von den abgerissenen Gebäuden von Technischem Rathaus und Historischem Museum nicht einmal ein Hinweis übrigbleiben.

Frankfurt Technisches Rathaus Altstadt DomRömer GmbH
Blick auf das nun abgerissene Technische Rathaus in Frankfurt am Main (rechts im Vordergrund), die Kunsthalle Schirn (links im Vordergrund), den Römer mit seinem Stufengiebel (im Mittelgrund links) und die Paulskirche (im Mittelgrund rechts), zwischen Römer und Schirn die Rückseite der nachgebauten Ostzeile des Römerbergs mit der modernen Häuserzeile, die die Treppen zu den einzelnen Etagen enthält (Foto: DomRömer GmbH).

Eva Bambach

Ich arbeite als Kunsthistorikerin freiberuflich als Redakteurin/Lektorin/Autorin. Dieser Blog enthält Überlegungen und Informationen, die ich sonst nirgendwo unterbringe. Die aber rauswollen.

16 Kommentare

  1. aus Frankfurt

    Ich lebe in FFM. Gerne sogar.

    Das technische Rathaus in und das historische Museum waren ungeschlachte Monstren, über die die “Condemnatio memoriae” auszusprechen mir keine Gewissensbisse bereitet.

    Dass eine kleinteilige Altstadtbebauung offenbar nur historisierend gedacht werden kann, halte ich für ein Armutszeugnis der Moderne.

    Frankfurt ist architektonisch nach meinem Empfinden eine der spannensten und ödesten Städte zugleich – für jedes Stück Grandiosität (Westhafenbebauung samt Kraftwerk, EZB-Turm) werden anderswo, teilweise an markanten Stellen (Neubau financial district, Europaviertel) architektonische Nullnummern realisiert.

    Naja.

    So bleibt die Stadt in der Balance.

  2. Ich mag Frankfurt auch …

    … aber mit dem Historischen Museum geht es mir anders – das mochte ich so, wie es war, unprätentiös und selbst Zeugnis der Geschichte,

    • Das historische Museum und das Technischem Rathaus waren die hässlichsten Gebäude der Stadt. Klotziger raumgreifender grauer Beton.
      Als das technische Rathaus fertiggestellt war,habe ich schon damals gesagt sollte das eines Tages abgerissen werden,nehme ich einen Pickel und mach den ersten Schlag.

  3. Interessanter Artikel

    gibt gut die Unsinnigkeit wieder…
    Die Vorstellung man könne eine nie dagewesene Idylle einer Altstadtfantasie- die sich ja auch ohne die Kriegszerstörung hätte verändern müssen, ist eigenartig. Zumal es im Laufe der letzten Jahrzehnte so viel Möglichkeiten gegeben hätte, gewachsene Frankfurterisches (aus den verschiedensten Epochen) zu erhalten und zu pflegen (was viel zu häufig nicht passiert ist) jetzt diese Pseudogeschichte. Es wird vor allem eins nicht sein:gemütlich und anheimenlnd.

  4. Altstadt vor 1944

    Was viele vergessen, die Frankfurter Altstadt wurde jedes Jahr überschwemmt, es herrschte kaum Luftaustausch, alles war voller Ungeziefer, Mücken, es war feucht, es schimmelte, es fehlten sanitäre Anlagen in den winzigen kleinteiligen Wohnungen fast vollständig, es stank und es war dunkel!
    Das wissen viele der Bewunderer mittelalterlicher Romantik nicht. Auch wenn die Altstadt auf alten Aufnahmen hübsch aussieht.

  5. Heute wuerde man sagen, dass

    Sie ein sozialer Brennpunkt war, die Altstadt hatte einen schlechten Ruf und die dortigen Umstände (auch wenn es sicher dort auch viel Interessantes und Lebendiges gab) waren besonders fuer Kinder nicht gerade förderlich. Der Wunsch nach Historischem ist ja verständlich – ich finde es sogar wichtig, dass sich vergangene Epochen abbilden – aber selbst solche Erhaltungsversuche wie in Heidelberg führen nicht selten zur Musealisierung.
    An der Ecke zum Römer gab es eine Jugendstilapotheke (heute Starbucks) fuer deren Erhalt sich kaum jemand stark gemacht hat, nur ein Beispiel von vielen, bei denen es sich hätte lohnen können, die Raueme zu erhalten, statt fuer viel Geld Fakes hinzustellen.

  6. Was sollen immer diese Verweise auf die alte, enge, miefige, stinkende, sozial schwache, heruntergekommene, schimmelnde Altstadt? Kein Mensch will so etwas. Das sollte doch jedem klar sein. Ich frage mich, ob hier einige schon in Städten wie Erfurt oder Regensburg waren. Die Tändler- und Kramergasse sind ja wohl der Inbegriff eines mittelalterlichen Stadtbildes. Und komischerweise stinkt es hier nicht, in allen Häusern sind sanitäre Anlagen zu finden, nichts modert oder schimmelt, sozial schwach ist hier fast niemand, die Touristen und Menschen lieben es dort zu verweilen. Ganz genauso würde die Frankfurter Altstadt heute auch aussehen. Also warum immer diese o.g. Argumente, die mit der Sache an sich gar nichts zu tun haben? Und warum eigentlich immer “Disneyland” oder “Fake”? Fachwerkhäuser, die nach alter Bauweise in Holz und Ausfachung errichtet werden (Gut, am Römerberg nur teilweise geschehen) sind genauso Wohnhäuser wie moderne Bauten aus Beton und Stahl. Es handelt sich lediglich um zwei unterschiedliche Ausführungen eines Gebäudes, das in seiner Funktion, Wohn- und Nutzraum zu bieten, völlig identisch ist. Es handelt sich hier also keineswegs um irgendeinen “Fake”. Das wäre es nur, wenn die Bauten nutzlos wären. Was sie in keinerlei Hinsicht sind. So haben beide, rekonstruiertes Fachwerkhaus (oder Häuser anderer Ausführung mit traditioneller Fassade) sowie moderner Ergänzungsbau (Denn das sollten sie hier sein) ihre absolut unabstreitbare Berechtigung. Dass es sich bei ca. der Hälfte der Bauten um Fassadenrekonstruktionen handeln wird, wird hier oftmals heftig kritisiert. Das Ganze erschließt sich mir leider nicht. Jede Rekonstruktion ist immer auch eine Neuschöpfung. Was hier geschieht ist lediglich, alte Fassaden neu zu interpretieren. So wie “früher” soll es gar nicht werden. Das Ganze bekommt seine eigene, individuelle und einzigartige Gestaltung. Des Weiteren empfinde ich es als nicht verwerflich, auf altbewährtes, in Jahrhunderten etabliertes und bewährtes zurückzugreifen. Rekonstruktionen waren schon seit jeher Gang und Gäbe. Wer das vergisst, sollte sich niemals nach Venedig, Moskau, Kiew, Ypern, Löwen, Warschau, Monte Cassino usw. begeben. Denn das Ganze wäre der Argumentation vieler folgend nichts weiter als Flanieren vor “Fake”-Fassaden. Disneyland.

  7. Über 90 % der früheren Altstadt präsentieren sich im Baustil der Nachkriegsmoderne. Triste, autogerechte Vorortarchitektur, die keinerlei Aufenthaltsqualität vorweist. Wer gegen Rekonstruktionen ist, der sollte besser keinen Schritt mehr in die Welt setzen, denn die Welt ist voller Nachbildungen und Zitate. Und das schon seit Jahrhunderten.

  8. wenn man keine Ahnung hat…

    “Dumm nur, dass kaum noch Quellen dazu gibt.”
    So ist das, wenn man einen Artikel ideologisch voreingenommen ohne Recherche schreibt.
    Es gibt zu ALLEN Häusern des betreffenden Gebietes (sogar fast flächendeckend zum gesamten inneren Kern bis zur Staufermauer) Aufmaßskizzen, die auf 5 cm genau gerundet sind, also eine Fehlertoleranz von maximal 2,5 cm. Es gibt eine Zusammenfassung sämtlicher historischer Quellenangaben zu allen Altstadthäusern in einer Bücherreihe von Batton, erschienen 1864. Es wurden in den 20er Jahren als Studenetenarbeiten eine vielzahl von Plänen von vielen Häusern aus dem Gebiet angefertigt und zudem 1941/42 noch eine erheblich weiter Anzahl. Es gibt eine Fülle von Fotos und textlichen Beschreibungen, die die vorgenannten Quellen um Detailinformationen ergänzen. Das alles zusammengenommen mit ingenieursmäßigem Sachverstand ud Kenntnissen über die entwicklung der Bautechnik führt dazu, daß es absolut möglich ist, die großartigen, teilweise einzigartigen gotischen KOnstruktionslösungen wieder exakt so herzustellen, wie sie ursprünglich waren. Mehr kann und soll auch nicht erreicht werden. Außer vielleicht eine wieder entdeckte und äußerst gesunde, weil nachhaltig ökologische Form, Häuser zu bauen (Holz-Lehmkonstruktionen). Die dann auch schon konstruktiv energetisch serh gut funktionieren, aber ohne den künstlichen Lüftungsaufwand von Passivhäusern auskommen. Dazu möge die Autorin doch mal bitte darlegen, gegen welche Brandschutzvorschriften verstoßen wird (aktuelle Holz-mehrfamilienwohnhäuser in Berlin).
    Der Vorteil ist aber ganz klar. Es wird keine Geschmacksdiskussion geben, weil die Gebäude durch ihr historisches Vorbild eine entsprechende Zeitlosigkeit erlangt haben und so gar nicht unmodern werden können als Begründung zum Abriss. Sie sind schon gewollt unmodern und fallen somit aus diesem Zyklus.
    Aber Geschmacksdiskuddionen oder die Frage, ob man das gut findet oder nicht, ist mir so lange relativ gleich (da hat jeder sein ihm zugestandene Meinung) so lange nicht irgendjemand meint, technische Argumente und somit eine vorgeschobene Sachlichkeit für seine Ideologie anzuführen, die noch nciht mal ansatzweise auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft wurden. Ist ein Schande, daß so etwas unter dem Titel “Spektrum der Wissenschaft” läuft.

  9. Der Zeitschrift entsprechendes Niveau

    Spektrum der Wissenschaft ist genauso wissenschaftliche wie die Apotheken Umschau oder die PZ. Dementsprechend geistreich ist auch der Artikel über Frankfurts Altstadt. Leute, die sich mit Herzblut für diese Sache interessieren, sollten daher nicht über den Artikel gram sein, sondern ihn einfach vom Niveau her dort einordnen wo er hingehört. Ich würde so einen Nonsense wie den von Frau Bambach einzig mit dem Kommentar “don’t feed the troll” beschreiben.

  10. @Rüdiger

    da verstehen Sie etwas falsch. Schön wäre es, die Frankfurter Altstadt wäre erhalten geblieben, sie hätte sich sicher in der Zeit langsam modernisiert, sofern das möglich gewesen wäre: Die echte wirklich existieren Altstadt.
    Aber die gibt es nicht mehr, statt dessen romantisierende Bilder, die Ausgangspunkt von dem Wunsch nach Rekonstruktion sind.
    Das ist dann in der Tat ein Fake, nämlich der Nachbau einer Fantasie – was ist das anderes als Disneyland (auch eine Fantasie)? Das hat mit Stadtgeschichte aber nichts mehr zu tun, gerade eben auch nicht mit Geschichtlichem als Zeugen einer anderen Zeit. Es geht ja eher geschichtliche Prozesse u. nicht statischem Vorhandensein, das hübsch anzusehen ist.

  11. @ Katrin Siebert

    Ihnen ist hoffentlich klar, dass die Gegenwart auch nur die Vergangenheit der Zukunft sein wird ? Daher kann man heutige Rekonstruktionen bzw. Neuinterpretationen, wie sie in Frankfurt geplant sind, sehr wohl ebenso als geschichtlich, wertvollen Prozess betrachten. Künftige Generationen werden dann eben eine neue, abgewandelte “Altstadt” als Zeugnis der unserer Zeit bewerten dürfen. Wie sollte soetwas mit Stadtgeschichte ihrer Meinung nach “nichts” zu tun haben ? Alles was sich verändert ist irgendwann Geschichte und damit Fakt und kein Fake. Falls es sie tröstet, im nicht weit entfernten Kassel können sie wohl auch noch hundert Jahren ihre authentische Nachkriegsgeschichte erleben.

  12. @Dominik Mangelmann

    Die von Battonn gesammelten Vermerke in Urkunden berichten von Blitzeinschlägen, von der Zahlung von Grundzins, von der Herkunft der Haus-Namen und ähnlichen Dingen. „Textliche Beschreibungen“ können einzelne Hinweise geben, einen baulichen Zusammenhang aber nie hinreichend dokumentieren. Fotos zeigen nur, wie die Häuser in den Jahrzehnten vor der Zerstörung ausgesehen haben.
    Ihr Satz „daß es absolut möglich ist, die großartigen, teilweise einzigartigen gotischen Konstruktionslösungen wieder exakt so herzustellen, wie sie ursprünglich waren“ – man kann doch die Gebäude heute bestenfalls exakt so herstellen, wie man zu wissen glaubt, dass sie ursprünglich waren. Ich finde dieses Eingeständnis sehr wichtig.

    Thema Brandschutz: Hier geht es vor allem um die heute geforderten Fluchtwege und Abschnittstrennungen. Ansonsten – ich weiß nicht wie Sie darauf kommen, aber aus meiner Sicht spricht überhaupt gar nichts gegen Holz-Lehmkonstruktionen. Das war auch nicht mein Thema.

  13. @ Besucher

    Sie stellen mich in eine Ecke, in die ich ausgehend vom dem, was ich geschrieben habe nicht gehöre: Mir war schon als Kind Geschichtliches sehr wichtig, ich finde es wichtig, das Gewachsenes erhalten bleibt. Es ist aber einfach eine Realität, dass die Altstadt im Krieg zerstört wurde und dass es zu dieser Zeit vermutlich nicht viele Optionen gegeben hätte, das Areal anders zu bebauen – sehr pragmatisch, nicht schön, aber es ging ja auch eher darum Wohnungen zu schaffen. Dies ist auch ein Teil der Stadtgeschichte, wie das Technische Rathaus, dessen Fan ich auch nicht unbedingt war, aber ich kann die Argumentation nachvollziehen.
    Römer und Braubachstrasse wurden ja rekonstruiert. Der Römer ist Fassade, innen ist er ganz profan 50er Jahre – ohne jegliche Athmosphäre.

  14. Stadtbild

    Das kann ich alles nur unterstreichen und “eigentlich” stehe ich modernen Bauten sehr positiv gegenüber, aber das technische Rathaus und das historische Museen waren typische Bausünden der 80er, denen ich keine Träne nachweine

  15. Die sogenannte Altstadt war schon lange vor dem Krieg im Umbruch.Grosse Teile der Altstadthäuser wurden schon n den 20 Jahren abgerissen um Platz zu schaffen für die Verkehrsachse zum Hauptbahnhof
    Nach dem Krieg wurde vieles von dem was noch als Ruine geblieben ist dem Erdboden gleichgemacht.
    So zB. Das alte Schauspielhaus.
    Fakt ist die Altstadt wie sie existierte gibt es nicht mehr und sie wird es so auch nicht mehr geben.
    Das können auch ein Paar nachgebaute Fachwerkhäuser nicht mehr ändern.
    Das die zwei schlimmsten Bausünden ,technisches Rathaus und historisches Museum nun Geschichte sind entlockt mir keine Tränen, und wenn der sind es Freudentränen .

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