Digitalisierung: Drei Wünsche für 2018


Prognosen für das Jahr 2018 traue ich mir nicht zu, aber was das digitale Leben im neuen Jahr betrifft, hätte ich drei Wünsche vorzubringen. Eigentlich sind es noch viel mehr, aber lange Listen möchte niemand lesen. Also greife ich drei Themen willkürlich heraus.

1) Die neue Bundesregierung begreift Digitalisierung als Kernthema für Bildung und Verwaltung: Informatik wird zum Kernfach erhoben und digitale Bildung wird fachübergreifend in die schulische und außerschulische Bildungslandschaft integriert. E-Government-Anwendungen gewinnen an Nutzerfreundlichkeit, Sicherheit und vor allem an Bedeutung.

2) Die Bitcoin-Blase wird platzen und der Nutzen von Kryptowährungen und Blockchain-Anwendungen wird ganz ohne Hype betrachtet werden. Daraus entstehen spannende Nutzungsszenarien, die viel faszinierender sind als Spekulation und überzogene Renditeerwartung.

3) Das Internet der Dinge wird sich im privaten Umfeld durchsetzen. Das wird schön werden, weil es den Alltag bereichert und vereinfacht. Das wird aber auch schaurig werden, weil vernetzte Systeme Angriffsflächen bieten, die dann in private Lebensbereiche hineinreichen. Jedenfalls wird die Entwicklung viele Schlagzeilen hervorbringen, das Sicherheitsbewusstsein stärken und den Wunsch, die eigenen Daten zu schützen, deutlicher werden lassen.

Eigentlich sind nur die ersten beiden Punkte Wünsche, der dritte ist doch eher Prognose und böse Vorahnung. Aber andererseits: Manchmal führen Umwege zum Guten.

In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf und kommen Sie auf irgendeinem Weg gut ins neue Jahr!

”The purpose of computing is insight, not numbers.”
(Richard Hamming)

Ulrich Greveler studierte in Gießen Mathematik und Informatik, arbeitete sechs Jahre in der Industrie im In- und Ausland, bevor er als Wissenschaftler an die Ruhr-Universität nach Bochum wechselte.
Seit 2006 lehrt er Informatik mit dem Schwerpunkt IT-Sicherheit an der Fachhochschule Münster (bis 03/2012) und der Hochschule Rhein-Waal (seit 03/2012). Sein besonderes Interesse gilt datenschutzfördernden Technologien und dem Spannungsverhältnis zwischen Privatsphäre und digitaler Vernetzung.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zitat:

    Das Internet der Dinge wird sich im privaten Umfeld durchsetzen.

    . Ja, aber nicht weil die Leute das wollen, sondern weil man nicht mehr darum herumkommt, weil immer mehr Produkte in einem Ökosystem eingebettet sind und weil Software ein fester Bestandteil der Produkte wird. Nur schon das assistierte Fahren verlangt nach Software-Updates ähnlich wie Windows immer wieder geupdatet wird. Natürlich ergibt sich dadurch auch ein Kundennutzen und einige werden es schätzen, wenn der Kühlschrank weiss, was wie lange und in welcher Menge in seinem Innern gekühlt wird. Doch für die Lieferanten von Produkten, die ins Internet der Dinge eingeklinkt sind, ist diese Funktion weit wichtiger als für die Kunden selbst. So kann der Kunde in die „richtige“ Richtung gelenkt werden. Dass der Kunde der König sei war sowieso immer nur ein Euphemismus. In Wirklichkeit geht es darum, den Kunden abhängig zu machen.

  2. Karl Marx hätte gesagt, das Internet ist Opium fürs Volk. Die Produktivität im Dienstleistungsbereich wird zurückgehen, weil immer mehr beschäftigte sich während der Arbeitszeit mit dem Smartphone beschaftigen.
    Die Bitcoin-Blase wird zwar gelegentlich platzen, die Idee dahinter ist aber in die Welt gesetzt. Zur Erinnerung: Bit-Coin ist nicht die einzige virtuelle Währung.
    Digitalisierung für die Verwaltung, das gibt es ja schon und wird alle Lebensbereiche erfassen. Da sehe ich auch keine Alternative. Ob die Verhältnisse dadurch besser werden, bezweifle ich. Die Servicewüste Deutschland wird durch die Digitalisierung noch öder. Rufen Sie doch mal eine Auskunft an, da antwortet Ihnen ein Computer.

  3. Zitat:

    Das Internet der Dinge wird sich im privaten Umfeld durchsetzen.

    Ja, aber nicht nur im privaten Bereich – auch im öffentlichen Raum. Dies zeigt der Artikel: San Diego Installs Smart Streetlights to Monitor the Metropolis wo man im Untertitel liest (übersetzt von Deep
    L): Sensorenbestückte Straßenlaternen werden Parkplätze aufspüren, auf Schüsse hören und die Luftverschmutzung verfolgen. Die erhobenen Daten werden auch zur Laufzeit öffentlich gemacht, so dass jeder darauf zugreifen kann und entsprechende Apps über aktuelle Daten verfügen. (Zitat, übersetzt von DeepL):

    Viele der Daten, die durch das Internet of Things (IoT)-Netzwerk der Straßenbeleuchtung gesammelt werden, werden öffentlich zugänglich sein, und die Stadt wird es Softwareentwicklern ermöglichen, Anwendungen zu entwickeln, die die Daten nutzen. Um die Entwicklung solcher Apps anzukurbeln, haben die Stadt, GE und andere Sponsoren mehrere Hackathons veranstaltet. Zu den bisher entstandenen Apps gehören eine, die die leiseste Wanderroute identifiziert (für Menschen, die sich beim Spazierengehen unterhalten wollen); eine “Digital Cane”-App, die Verkehrs- und Standortdaten nutzt, um sehbehinderten Menschen beim Überqueren der Straße zu helfen; eine App, die es den Fahrern von Lebensmittel-LKWs ermöglicht, Orte mit freien Parkplätzen und einer Geschichte mit hohem Fußgängeraufkommen zu finden; und eine Möglichkeit, interessante Ereignisse in Echtzeit zu identifizieren, indem sie Hot Spots finden, indem sie verfolgen, wo sich Fußgänger versammeln oder aufhalten.

    Dies macht deutlich: das Internet of Things bedeutet konkret, dass nun an immer mehr Orten, ja schliesslich überall (inklusive ihrem Schlafzimmer), Daten erhoben werden. Es wird kein Entkommen mehr geben. Selbst ein Waldspaziergang wird irgendwann (vielleicht früher als viele meinen) aufgezeichnet werden.

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