Hoffnung für Mädchen, die schon Mütter sind

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Abenteuer Auszeit
Das Sabbatical

Peru lässt niemanden kalt. Dieses Land bringt Menschen mit ihren Lebensthemen in Kontakt. Was da passiert? Keine Ahnung. Ich weiß nur eines, es gibt eigentlich nur zwei Arten der Reaktion: Faszination oder Flucht. Dieser unglaublichen Vielfalt an Landschaft, diesem unglaublichen Reichtum an Kultur steht ein ebenso unglaubliches Elend gegenüber. Einfache Lösungen sind nicht zu finden. Das Spannungsfeld ist groß und langer Atem unabdingbar. Es geht dabei nicht um Hunger, sondern um Gewalt. Zwei Drittel der Frauen, die im Departement Cusco leben, haben beispielsweise in irgendeiner Form Erfahrung mit familiärer Gewalt gemacht, fast die Hälfte mit sexueller Misshandlung. Doch das muss nicht so bleiben. Es finden sich immer mehr, die gegen das Tabu ankämpfen und den Opfern helfen. Mit Worten und Aktionen, aber auch mit ganz konkreten Projekten wie „Casa Mantay“.

Milagros-Josstin
Casa Acogida Mantay heißt die Einrichtung in San Jeronimo/Cusco. Drei ehemalige, freiwillige Helfer haben das Haus gemeinsam gegründet, weil sie nicht mehr mitansehen konnten, dass den minderjährigen, schwangeren Frauen keine andere Wahl blieb, als die Babys wegzugeben. Seit 2000 haben sie deshalb in „Casa Mantay“ mehr als 200 dieser Mädchen und ihren Kindern ein Zuhause auf Zeit geboten.

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In der Regel leben zwölf Mütter und zwölf Kinder im kunterbunt gestrichenen, großzügigen Gebäude mit Garten und Spielfläche. Sie bekommen Unterkunft, Verpflegung, aber auch medizinische sowie psychologische Betreuung, eine schulische Grundausbildung sowie eine soziale und berufliche Zukunft. Trotz Unterstützung aus Spanien, der Schweiz und Deutschland auf verschiedenster Ebene, zittern die Verantwortlichen so manches Jahr um die Finanzierung.
„Niemand mag beispielsweise für Personalkosten spenden“, sorgt sich Bärbel Weiland (Foto unten, rechts), „als ob das anrüchig wäre“. Die Homöopathin und Osteopathin aus Berlin lebt schon seit einigen Jahren in Cusco, hat dort eine Praxis und bildet aus in Craniosacral-Therapie. Gemeinsam mit Olga Khuen (Foto unten, links) hat sie den deutschen Verein „Mantay Peru e.V.“ (www.mantay-peru.de) gegründet. So wollen sie ganz konkrete Projekte in und um das Haus ermöglichen. Gelungen ist bereits, den Garten in ein kleines Kräuterparadies zu verwandeln. Als nächstes soll ein Blumengarten folgen. Der Hintergrund ist praktischer Natur. Ermöglicht doch der Verein mit „Arte Floral Mantay“, einem sozialen Floristikunternehmen den jungen Müttern eine Ausbildung und später einen Arbeitsplatz.

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Noch konkreter wird es bei der Sanierung des Gemeinschaftsbades oder der Überdachung der Spielfläche. Abgeschlossen ist das Projekt, den Innenhof auch für die Regenzeit bespielbar zu machen, und neue Leitungen zu legen, so dass es endlich wieder warmes Wasser für alle gibt. Eine Solaranlage und ein Kompostiersilo für die Grünabfälle wären die nächsten Herzenswünsche, die mit deutscher Hilfe in Erfüllung gehen könnten. Die beiden Vereinsvorsitzenden sind vor Ort und haben ein Auge darauf, dass jeder Sol richtig eingesetzt wird. „Geld gibt es immer erst, wenn alles fertig ist“, berichtet Olga Khuen.
Und natürlich helfen die guten Kontakte auch, dass die Waren aus der Lederwerkstatt an Kunden kommen. Die originellen Mousepads, Schlüsselschalen, Kofferanhänger, Taschen und Rucksäcke sind von so guter Qualität und so ungewöhnlichem Design, dass sie sich auch in Berlin oder München gut verkaufen lassen. Auch hier wieder eine Möglichkeit, ein wenig Geld in die Kasse von Casa Mantay zu bekommen und den Mädchen auch nach ihrem Aufenthalt einen Arbeitsplatz zu sichern.

P1070079Das Haus ist ein quicklebendiger Tummelplatz für die Mädchen, die Babys und natürlich ein gerütteltes Maß an Freiwilligen. Sie tragen mit ihren Fähigkeiten und ihrem Einsatz dazu bei, dass diese Kinder eine Perspektive erhalten. Aber auch ihnen wird auf knapp 3500 Meter über dem Meeresspiegel einiges abverlangt. Vor allem die jungen Volontäre, weiß Bärbel Weiland, fühlen sich oft nicht gut vorbereitet und betreut. Aber ohne Eigeninitiative geht eben nichts in Peru. „Einfach ein paar Ideen mitbringen“, rät sie, „Fingerspiele oder Lieder, basteln mit Luftballons oder zeichnen mit Buntstiften, das kann eigentlich jeder“.

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Ich bin von Natur aus neugierig, will Menschen und ihre Beweggründe verstehen und ich liebe gute Geschichten über alles: Das macht mich zur Journalistin. Ich möchte aber den Dingen auch auf den Grund gehen und verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält: Das erklärt meine Faszination für Wissenschaft und Forschung. Nach dem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft habe ich als Zeitungsredakteurin für viele Jahre das Schreiben zum Beruf gemacht. Später kamen dann noch Ausbildungen zur zertifizierten Mediatorin und zum Coach hinzu, die mich in meiner Auffassung bestärkt haben, dass das Menschliche und das Allzumenschliche ihre Faszination für mich wohl ein Leben lang nicht verlieren werden. Das Organisieren habe ich als Büroleiterin einer Europaabgeordneten gelernt, bevor ich im Juli 2012 als Referentin des Chefredakteurs bei Spektrum der Wissenschaft begonnen habe. Von dieser Tätigkeit bin ich nun erst einmal ab 1. Januar 2015 für ein Sabbatical beurlaubt. Und ganz gespannt, was das „Abenteuer Auszeit“ für mich bereithalten wird.

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