Glück ist: Das Hobby zum Beruf machen

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Abenteuer Auszeit
Das Sabbatical

Was würdest Du machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Eine beliebte Frage bei Coaching-Freunden, um herauszufinden, welche Träume zu verwirklichen wirklich lohnt. Beim 43-jährigen Steffen Kiesling aus Deutschland und der 35-jährigen María Kathía Coello Mejía aus Peru würde vermutlich genau das herauskommen, was sie gerade tun, denn das Paar hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Radtourismus rund um Cusco. Dafür jedoch mussten sich der Instrumententechniker und Schlagzeuger sowie die Hotelmanagerin und Tourismusfachfrau erst auf einem Kreuzfahrtschiff kennen und später lieben lernen.

SteffenundMaria

Der Sport spielte schon damals eine große Rolle. Wenn der riesige Pott in irgendeinen Hafen kam und fürs Personal gerade Freizeit war, standen die beiden mit ihren Rädern schon abfahrtbereit. Strampelnde Beine waren für die beiden das Größte, seit sie denken können. Wobei Steffen bereits zu DDR-Zeiten eher mit dem Rennrad unterwegs waren und es María schon immer mit Karacho auf zwei Reifen die steilen Berge ihrer peruanischen Heimat hinab zog.

Dass sie sich trafen, ist einer jener Zufälle, die das Leben ausmachen. María hatte im Gästeservice der Norwegian Epic angeheuert, Steffen war bei der „Blue Man Group“ als Instrumententechniker unter Vertrag. In den Folgejahren gemeinsam aufs gleiche Schiff zu kommen, erwies sich gleichwohl als schwierig und nach einem ersten Aufenthalt von Steffen in Peru stand der Plan fest: „Wir versuchen es mit Radtourismus“. Mountainbikes wurden angeschafft, die Webseite gebastelt und die Touren ausgetüftelt (www.tastingtheroad.com).

Noch fehlte allerdings ein Alleinstellungsmerkmal. Aber dann überlegte die umsichtige María einen Abend lang, was sie denn nach dem Radfahren am liebsten tun würde? Essen! So lautete ihre Antwort. Schon als Kind war sie auf den Märkten in Lima und Cusco umher gestreift und hatte alles probiert, was an Obst, Gemüse, Salat und sonstigen Köstlichkeiten zu bekommen war. Gutes, regionales Essen sowie Marktbesuche mit ausgiebigem Probieren und kleiner Essenskunde gehören deshalb zum Radlangebot dazu. Und den Westlern gehen die Augen über, wie gigantisch groß die Avocado sind und wie geschmackvoll; und dass es 3000 Sorten Kartoffeln im Lande gibt, wissen auch die Allerwenigsten. Peruanische Küche ist Kult geworden. Und manches, was die kleine María nur als Allerweltsessen kannte – Quinoa zum Beispiel – gibt es jetzt weltweit als teure Spezialität.

Downhill Abenteuer im heiligen Tal der Inkas - Tasting The Road
„Tasting the road“ nannten die Jung-Unternehmer also doppeldeutig ihre kleines Startup-Unternehmen. Bald hatten sie auch als erstes richtige Rennräder im Repertoire und waren die einzigen Veranstalter, die nicht nur mit spanischen und englischen, sondern auch mit deutschen Sprachkenntnissen aufwarten konnten. Jetzt haben sie von der Halbtags-Stadtrundfahrt bis zur Drei-Tage-Tour ins Heilige Tal schon einiges im Repertoire, was dem Drahteselfreund behagt. Eine Tour von Cusco nach Puerto Maldonado in den Dschungel haben sie soeben ausprobiert, der Titicacasee lockt überdies. Im Moment sind es vor allem US-Amerikaner und Kanadier, die buchen, die Deutschen könnten noch ein bisschen aufholen, über ein französischsprachiges Angebot denken die beiden nach.

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Vor allem die Freaks auf hauchdünnen Reifen, die ihren eigenen fahrbaren Untersatz im Flugzeug mitbringen, dürften noch mehr werden, wenn es nach den Wünschen von Steffen geht. Ist doch die dünne Luft auf über 3000 Meter für sie ein herausfordernder Härtetest. Als Unternehmer in Peru haben sich die Perspektiven verändert, für den deutschen Steffen wie für die peruanische María. Während er noch immer fasziniert ist von der Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu leben und den schier endlosen Möglichkeiten, sein eigenes Ding zu machen, erlebt sie sich als Unternehmerin mitunter regelrecht genervt über ihre Landsleute und ihre “Lässigkeit”. Doch am Ende siegt immer die Freude darüber, das als Beruf ausüben zu dürfen, was einem wirklich Freude macht und das auch noch mit dem Menschen, den man liebt. So sieht Glück aus, oder?

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Ich bin von Natur aus neugierig, will Menschen und ihre Beweggründe verstehen und ich liebe gute Geschichten über alles: Das macht mich zur Journalistin. Ich möchte aber den Dingen auch auf den Grund gehen und verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält: Das erklärt meine Faszination für Wissenschaft und Forschung. Nach dem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft habe ich als Zeitungsredakteurin für viele Jahre das Schreiben zum Beruf gemacht. Später kamen dann noch Ausbildungen zur zertifizierten Mediatorin und zum Coach hinzu, die mich in meiner Auffassung bestärkt haben, dass das Menschliche und das Allzumenschliche ihre Faszination für mich wohl ein Leben lang nicht verlieren werden. Das Organisieren habe ich als Büroleiterin einer Europaabgeordneten gelernt, bevor ich im Juli 2012 als Referentin des Chefredakteurs bei Spektrum der Wissenschaft begonnen habe. Von dieser Tätigkeit bin ich nun erst einmal ab 1. Januar 2015 für ein Sabbatical beurlaubt. Und ganz gespannt, was das „Abenteuer Auszeit“ für mich bereithalten wird.

1 Kommentar

  1. Glück ist: Das Hobby zum Beruf machen
    […]
    Doch am Ende siegt immer die Freude darüber, das als Beruf machen zu dürfen, was einem wirklich Freude macht und das auch noch mit dem Menschen, den man liebt. So sieht Glück aus, oder?

    Glück bedeutet bekanntlich nicht zu tun, was gemocht, sondern zu mögen, was getan wird.
    Insofern den beiden viel Erfolg!

    Hierzu vielleicht noch, ganz am Rande notiert natürlich nur:

    Während er noch immer fasziniert ist von der Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu leben und den schier endlosen Möglichkeiten, sein eigenes Ding zu machen, erlebt sie sich mitunter regelrecht genervt über ihre Landsleute.

    Variante 1:
    ‘erhebt sie sich mitunter regelrecht genervt’
    Variante 2:
    ‘erlebt sie [] mitunter regelrecht genervt [] ihre Landsleute.’

    Deutsche gelten als Touristen als grausam, korrekt.
    >:->

    MFG
    Dr. W

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