Wie entsteht ein Artikel für eine Zeitschrift – erklärt für Kinder

Das innere Spektrum

Judith, links unten im Bild, möchte Wissenschaftsjournalistin werden. Dazu braucht sie erst einmal viel Interesse an Wissenschaft und die Lust am Schreiben. Dass sie Spaß an dem Beruf haben könnte, hat man schon gemerkt als Judith noch ganz klein war – sagt zumindest ihre Mutter. Sie habe immer allen Löcher in den Bauch gefragt und alles ganz genau wissen wollen. Neugier ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Journalisten. Judith fasziniert vor allem die Biologie und Medizin. Sie findet es besonders spannend, wenn so richtig eklige Sachen passieren. Ein Wal-Kadaver, der am Strand explodiert, zum Beispiel. Oder eine Krankheit, bei der man Würmer im Körper hat. Dann will sie sofort wissen, was dahinter steckt.

Als Wissenschaftsjournalistin braucht man natürlich eine gute Ausbildung. Dabei kann man ganz unterschiedlich zum Wissenschaftsjournalismus kommen. Viele studieren erst einmal eine Naturwissenschaft wie Biologie oder Physik und lernen dann das Schreiben. Andere machen es umgekehrt. Judith hat sich entschieden beides auf einmal zu machen und studierte deshalb Wissenschaftsjournalismus an der TU Dortmund. Dort hat sie gleichzeitig Fächer wie Biologie oder Mathematik gehabt und gelernt wie man als Journalist arbeitet. Ganz am Ende ihres Studiums muss sie dann zeigen, was sie gelernt hat. Sie arbeitet ein Jahr bei einer Zeitung, beim Radio oder bei einem Fernsehsender. Das ganze nennt sich Volontariat.

Judith hat sich den Verlag Spektrum der Wissenschaft ausgesucht. Sie arbeitet ein Jahr lang in allen Redaktionen des Verlags mit und lernt alle Arbeitsschritte kennen, die man braucht um ein Magazin, ob gedruckt oder im Internet, zu machen. Am Ende des Jahres hat Judith dann alle Redaktionen kennengelernt: Von der Online-Redaktion “spektrum.de“, über die Leute die “Gehirn und Geist” machen, bis hin zu den Redakteuren von “Spektrum der Wissenschaft“. Was Judith hier bei uns im Verlag gelernt hat erfahrt ihr gleich. Sie beschreibt Euch, wie ein Heftartikel entsteht.

Bloggewitter_Kinder-1024x758Hi, ich bin Judith und ich erzähle euch jetzt mal, wie so ein wissenschaftsjournalistischer Artikel entsteht. Gehirn und Geist ist ein Monatsmagazin, das heißt alle vier Wochen liegt ein neues Heft am Kiosk. Während ihr noch das Januar-Heft lest, arbeiten wir aber fleißig an der März-Ausgabe. Vier Wochen so lange braucht es bis eine neue Zeitschrift fertig ist und dann muss sie noch gedruckt und verteilt werden. Ganz am Anfang eines Artikels steht die Idee. In einer großen Konferenz, in der sich alle Redakteure treffen, muss jeder sein Thema vorschlagen und gemeinsam diskutieren dann alle, ob es gut ist. Dabei muss man genau begründen, warum das Thema wichtig und interessant ist. Längst nicht alles, was man selber spannend findet, eignet sich auch für einen Artikel in einem Magazin. Deshalb müssen die Redakteure im Blick haben, ob das Thema aktuell genug ist, ob es genug Leser direkt betrifft und ob es wissenschaftlich betrachtet wichtig ist. Nach diesen Kriterien wählen sie dann aus, ob das Thema ins Heft passt.

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Judith sammelt freudig ihre Gedanken für ihren nächsten Artikel

Mit Klebezetteln zum Ziel

Wenn alle das Thema für gut befunden haben, kommt der Teil der mir persönlich den meisten Spaß macht: die Recherche. Das Wort Recherche kommt aus dem Französischen und heißt soviel wie nachforschen oder untersuchen. Dabei versucht man alles über ein Thema herauszufinden, was man wissen muss, um einen guten Artikel zu schreiben. Es gibt ganz viele verschiedene Quellen, die einem dabei helfen können. Natürlich kann man in Büchern nachlesen, man ruft aber auch Experten an und nutzt das Internet. Für Wissenschaftsjournalisten ist es besonders wichtig, dass es zu einem Thema verlässliche Studien gibt. Deshalb bewegen wir uns häufig auf Internetplattformen, die solche Studien auflisten. Sie sind fast alle auf Englisch und manchmal gar nicht so leicht zu verstehen. Wissenschaftler schreiben nämlich oft so, dass sie sich untereinander gut verstehen. Das heißt nicht immer, dass Leute von außen auch wissen, was sie meinen.

Meistens liegt in dieser Phase ein riesiger Haufen Papier auf meinem Schreibtisch und überall kleben kleine Zettel mit Notizen. Jetzt heißt es: nicht den Überblick verlieren! Man sollte sich immer vor Augen halten, was man am Anfang herausfinden wollte. Am besten man notiert sich die Fragen und versucht nicht zu sehr davon abzuweichen. Aber oft ist es einfach so spannend und ich verstricke mich doch in lauter Einzelheiten. Dann muss man tiiief durchatmen und aussortieren. Was ist wirklich wichtig? Welche Studie ist die beste, die neueste und wie erzähle ich eine runde Geschichte. Wenn man sich diese Fragen stellt findet man den Ausweg aus dem Kopf-Chaos. Meistens jedenfalls.

Achtung Rotstift

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Der Textchef, die belehrende Mutter der Redaktion, mit seinen Änderungen.

Wenn man alle nötigen Informationen hat, kann man anfangen, den Text zu schreiben. Ob man sich dabei ein Konzept macht und genau ausfeilt was man wann schreiben will, oder einfach drauflos tippt, ist bei jedem etwas anders. Egal wie, man sollte immer seinen roten Faden im Kopf behalten. Außerdem muss man sich fragen, welche Informationen für den Leser am spannesten sind und versuchen, sie nicht gleich alle am Anfang zu verraten. Der Leser soll den Artikel schließlich zu Enden lesen wollen. Ganz langweilig darf es am Anfang aber auch nicht sein, sonst möchte ja niemand überhaupt damit anfangen. Meist schiebt man einige Textpassage hin und her, bis man die richtige Reihenfolge gefunden hat. Jetzt ist es Zeit, den Text an den Textchef weiterzugeben.

Dies war Teil 1 und hier geht es mit Teil 2 Artikelentstehung weiter.

Martin Huhn

Veröffentlicht von

Martin Huhn hat Verfahrenstechnik studiert und arbeitet seit dem Jahre 2000 bei Spektrum der Wissenschaft. Dort ist er im Bereich Webentwicklung tätig. Sein Geschäft ist so ziemlich alles, was mit dem Webauftritt des Spektrum Verlages zu tun hat.

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