Gehirn und Geist von den Anfängen zur Kindesentwicklung – ein Interview mit Katja Gaschler

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Hallo Katja, wie bist du zu „Gehirn und Geist“ (GuG) gekommen?

Katja Gaschler: Eine Freundin schickte mir eine Stellenanzeige aus der ZEIT, gesucht wurde ein Redakteur mit dem Spezialgebiet Psychologie/Hirnforschung. Ich habe am nächsten Tag angerufen und hatte – das war Glück – gleich den damaligen Chefredakteur von Spektrum der Wissenschaft an der Strippe! Dass eine Zeitschrift namens „Gehirn und Geist“ geplant ist, hat er mir aber erst im Vorstellungsgespräch verraten.

Katja Gaschler
Katja Gaschler Credit: Gehirn und Geist

Also warst du von Anfang an mit dabei, zusammen mit Hartwig Hanser, der nun Redaktionsleiter von Spektrum der Wissenschaft ist, und Carsten Könneker, dem heutigen Chefredakteur. Was hast du vorher gemacht?

Katja Gaschler: Vor Spektrum war ich Redakteurin beim medizinischen Fachverlag Schattauer in Stuttgart. Dort betreute ich mehrere Zeitschriften im Bereich Neurologie und Psychotherapie. Das passte also. Außerdem zog es mich aus privaten Gründen nach Heidelberg…

GuG hat ja das Konzept von Spektrum der Wissenschaft übernommen, meistens berichten die Forscher selbst von ihrer Arbeit. Wie sehr hat dir dieses Konzept zugesagt?

Katja Gaschler: Sehr gut! Ich war schließlich als Biologin selbst etliche Jahre in der Forschung und weiß daher: Wissenschaftler sind auch nur Menschen, meistens sogar ziemlich nette! Ich mag es auch, wenn jemand für seine Sache „brennt“ – dann kann er auch andere mit seiner Begeisterung anstecken. Aber es gibt natürlich auch kontroverse Themen, die besser aus der Warte eines Journalisten beschrieben werden sollten. Genau das machen wir bei „Gehirn und Geist“.

Welches sind deine Lieblingsthemen bei GuG?

Katja Gaschler: Ich bin seit 2001 dabei, da hat sich mein Fokus schon hin und wieder verschoben. Anfangs kümmerte ich mich oft um neurobiologische Themen. Dann faszinierten mich zum Beispiel die Persönlichkeits- und die Glücksforschung. Seit etlichen Jahren ist nun die Entwicklungspsychologie ein Steckenpferd von mir.

Wie kamst du dazu, die GuG-Serie Kindesentwicklung (als Digitalpaket komplett für 43 €) zu betreuen?

Katja Gaschler: Dazu muss ich etwas ausholen. „Gehirn und Geist“ wurde in Deutschland erfunden. Aber bald darauf entstanden im Rahmen der Scientific American Group mehrere internationale Editionen, die sich seither auch inhaltlich untereinander austauschen. Unsere brasilianischen Kollegen hatten eine kleinere Heftreihe zur Kindesentwicklung realisiert, die uns inspirierte. Doch je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, wie grundlegend und unglaublich vielfältig dieser Forschungsbereich ist. So entstand unsere große, inzwischen achtteilige Serie.

Konntest du als Mutter auch persönlich von der GuG-Serie profitieren?

Katja Gaschler: Das tue ich jeden Tag. Besonders die Ergebnisse der Bindungsforschung lassen mich viele typische Erziehungsprobleme in einem anderen Licht betrachten. Wenn mein Sohn austestet, wie weit er gehen kann, gibt es zwar Streit. Aber ich nehme es nicht mehr so persönlich. Und bestimmte spezielle Themen werden natürlich auf einen Schlag unglaublich wichtig, wenn man plötzlich selbst betroffen ist: Das jüngste Beispiel ist mein eigener Beitrag zum Thema Hausaufgaben

Aber jede Wissenschaft ist vorläufig, weil sie oft genug durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse abgelöst wird. Kann es nicht auch schaden, wenn man seine Erziehung zu sehr an Ergebnissen der Forschung ausrichtet?

Katja Gaschler: Wer viel liest, kann neue Ergebnisse auch besser einordnen. Was die Erziehung betrifft wird man ja von allen Seiten mit guten Ratschlägen bombardiert, von Oma und Opa, von anderen Eltern, Lehrern, Erziehern oder in Illustrierten. Aber wer sich intensiv mit der einschlägigen Forschung und den Erfahrungen von Kinderpsychologen beschäftigt, wird mit der Zeit seine eigenen Leitlinien entwickeln. Die sind für einen selbst dann wirklich stimmig und man lässt sich nicht mehr so schnell verunsichern – weder von einem einzelnen Forschungsergebnis, noch von bestimmten Experten. Ich denke, darauf kommt es vor allem an.

Welches Alter wird in den Ausgaben der Serie thematisiert?

Katja Gaschler: Die ersten vier Bände beschäftigen sich mit Schwangerschaft/Säuglingsalter, über das Kleinkindalter, die Schulzeit bis zur Pubertät. Die Bände 5 bis 8 dagegen haben jeweils einen altersübergreifenden Schwerpunkt: Familie, Lernen, Soziale Kompetenz und Entfaltung der Sinne.

Welche Ausgabe gefällt dir am besten?

Katja Gaschler: Die Ausgabe „Erziehung zum Miteinander“, bei der es viel um den Aufbau sozialer Kompetenzen geht: Wie lernen Kinder, sich in andere einzufühlen? Wie entwickeln sie Vertrauen, in sich und in die Welt? Wie vermittelt man ihnen Werte wie Hilfsbereitschaft und Solidarität? Von solchen Fragen hängt ab, wie es mit unserer Gesellschaft weitergeht.

Gibt es auch Themen, die noch nicht abgedeckt sind?

Katja Gaschler: Oh ja, auf dem Gebiet tut sich sehr viel! Unsere nächste große Kinder-Serie ist schon in Planung.

Martin Huhn

Veröffentlicht von

Martin Huhn hat Verfahrenstechnik studiert und arbeitet seit dem Jahre 2000 bei Spektrum der Wissenschaft. Dort ist er im Bereich Webentwicklung tätig. Sein Geschäft ist so ziemlich alles, was mit dem Webauftritt des Spektrum Verlages zu tun hat.

3 Kommentare

  1. Ein wichtiger Unterschied zwischen Tier und Mensch ist die Sprache auch als Basis des Denkens. Mangelnde primäre (besonders 0 – 1,5 Jahre) frühkindliche Sprachentwicklung hat oft die Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung. [Auch Migrantenkinder müssen das basale Denken in der jeweiligen Muttersprache beginnen zu lernen].
    Denn bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist.(siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 4. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2014)

  2. Liebe Fr. Gaschler,

    ihren Artikel finde ich wirklich sehr spannend und habe ihre Serie gleich auf meine Anschaffungsliste aufgenommen. Eines nur irritiert mich etwas – ihre Aussage: “Wer viel liest, kann neue Ergebnisse auch besser einordnen” empfinde ich als etwas dreist. Nicht das sie mich falsch verstehen. Im Allgemeinen stimme ich ihrer Aussage auf jeden Fall zu. Aber gleiches gilt ja auch für die Ernährungswissenschaften, den Klimawandel und und und. Die Aufgabe von Experten und Expertinnen liegt ja nun genau darin begründet die schier unendliche, sich widersprechende und oftmals extrem unverständliche Masse wissenschaftlicher Ergebnisse zu reduzieren!, kritisch zu diskutieren und dem “Menschen-auf-der-Straße” verständlich darzulegen.

    Der erste Kommentar zu ihrem Interview setzt dann meiner Meinung nach, dem ganzen die Krone auf. (Und hat mit ihnen natürlich nichts zu tun.)

    Leider ist es ja heutzutage immer noch so, dass eher die Frauen dazu neigen sich um die Erziehung und welche Methoden dabei zur Anwendung kommen, zu kümmern. Wenn diese Frauen – und so kann es gelesen werden – jetzt auch noch denken, dass sie alles “wissen” müssen, dann setzten Sie meiner Meinung nach, diese armen Frauen ganz schön unter Druck.

    Zum anderen – es sei wahrscheinlich dem Interviewrahmen geschuldet, aber Sie gelten in ihrem Bereich ja sicherlich als Expertin – das müssen Sie ja eigentlich nicht damit begründen, dass sie (auch) Mutter sind. Das sie es trotzdem sind – also ein Mensch, der (ein) Kind(er) erzieht – , ist in unserer Gesellschaft relativ weit verbreitet – zumindest ab einer bestimmten Altersspanne. Sie sind – meiner Meinung nach – leider in die Gender-Falle! getappt! Wie viele männliche Wissenschaftler und Familienväter kennen sie, die – wenn sie über ihre Forschungsergebnisse sprechen – immer gleich aus ihrem privaten Nähkästchen plaudern! Sicher der Rahmen des Artikels ist ein Interview. Deshalb nehmen sie meinen Kommentar bitte nicht negativ auf. Ich hoffe nur sie sind diesbezüglich sensiblisiert.

    • Zum anderen – es sei wahrscheinlich dem Interviewrahmen geschuldet, aber Sie gelten in ihrem Bereich ja sicherlich als Expertin – das müssen Sie ja eigentlich nicht damit begründen, dass sie (auch) Mutter sind.

      Daran bin ich “schuld”. Die Frage habe ich gestellt. Meine Intention war die praktische Seite zu beleuchten. Wissenschaftliche Ergebnisse zu scannen und zu beurteilen oder anderen Ratschläge zu geben ist eine Sache. Aber selbst ein Kind zu haben eine andere. In diesem Zweispalt befinden sich eigentlich alle Eltern und das wollte ich zum Ausdruck bringen, dass Katja Gaschler das nicht unbekannt ist. Wie geht sie damit um? Denn letztendlich müssen die Eltern entscheiden.

      Die angebliche Gender-Falle: Also, für diese Thematik interessiere ich mich herzlich wenig. Die Kinderserie wird nunmal von Kaja Gaschler betreut. Würde sie von einem Mann betreut, hätte ich eine ähnliche Frage gestellt. Nämlich “Konntest du als Vater auch persönlich von der GuG-Serie profitieren?” Einen Mann zu fragen, ob er davon auch als “Mutter” profitieren konnte, paßt nicht so ganz. 🙂

      Wie viele männliche Wissenschaftler und Familienväter kennen sie, die – wenn sie über ihre Forschungsergebnisse sprechen – immer gleich aus ihrem privaten Nähkästchen plaudern!

      Das hier ist ein Blog. Auf Blogs geht es meist persönlicher zu. Wir wollen damit einen Blick hinder die Kulissen vom Spektrum Verlag werfen. Bei anderen Interviewten ging es auch sehr persönlich zu. Überzeugen Sie sich bei den älteren Beiträgen.

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