Zielkreis-Schablonen 2013

Wer Himmelsobjekte am Sternhimmel anhand eines Sternkartenwerks identifizieren möchte, merkt mitunter: Das ist gar nicht so trivial. Es erfordert ein wenig Gehirnakrobatik und Übung, Sternkarten und Sternhimmel miteinander in Einklang zu bringen.

Konkret geht es bei der Arbeit mit Himmelskarten darum, sich ein eigenes Maß von Kartenmaßstab und Himmelsausschnitt zu erarbeiten, das man dann kennt und jederzeit abrufen kann. Ein hervorragendes Werkzeug hierfür sind sog. “Zielkreis-Schablonen”. Sie dienen dazu, das tatsächliche Gesichtsfeld, welches ein Peilsucher, ein Fernglas oder eine Okular-Teleskop-Kombination am Sternhimmel zeigen, in den Karten zu erkennen, und umgekehrt.

In einem Blogpost aus dem Jahre 2008 findet sich eine ältere Sammlung von Zielkreis-Schablonen , die ich mir selbst zusammen gebastelt habe; im Netz geistern einige noch ältere herum. Hier nun findet sich die neueste und umfangreichste Zusammenstellung an Zielkreis-Schablonen, die man sich hier kostenlos herunter laden kann:

Download der Zielkreis-Schablonen (Größe: 73 KB): zielkreis-schablonen-2013

Diese neueste Version habe ich um zwei Werke erweitert. Zielkreise finden sich nun für folgende elf Kartenwerke (in der Reihenfolge vom größten zum kleinsten Maßstab):

  • Roger W. Sinnott et al.: Millennium Star Atlas (1° ≙ 36,0 mm)
  • José R. Torres: TriAtlas 2nd (1° ≙ 24,0 mm)
  • Wil Tirion et al.: Uranometria 2000.0 2nd (1° ≙ 18,7 mm)
  • Ronald Stoyan, Stephan Schurig: interstellarum Deep Sky Atlas (1° ≙ 15,0 mm)
  • Toshimi Taki: Takis 8.5 Magnitude Star Atlas (1° ≙ 8,4 mm)
  • Wil Tirion: Sky Atlas 2000.0 Deluxe 2nd (1° ≙ 7,5 mm)
  • James Mullaney, Wil Tirion: The Cambridge Double Star Atlas (1° ≙ 5,8 mm)
  • Michael Feiler, Philip Noack: Deep Sky Reiseatlas (1° ≙ 5,0 mm)
  • Wil Tirion: The Cambridge Star Atlas (1° ≙ 4,0 mm)
  • Toshimi Taki: Takis 6.5 Magnitude Star Atlas (1° ≙ 3,0 mm)
  • Erich Karkoschka: Atlas für Himmelsbeobachter (1° ≙ 2,5 mm), Ausschnittkarten (1° ≙ 10,0 mm)

Neu aufgenommen in diese Zielkreis-Schablonen-Sammlung habe ich zwei Sternkartenwerke: Zum einen jenes von Ronald Stoyan und Stephan Schurig: den “interstellarum Deep Sky Atlas”, der seit einigen Wochen erhältlich ist. Zum anderen den ästhetisch herausragenden Sternatlas von James Mullaney und Wil Tirion: “The Cambridge Double Star Atlas” von 2009.

José R. Torres und Toshimi Taki bieten ihre Sternkartenwerke zum kostenlosen Download an. Auch nach vielen Jahren der Arbeit mit diesen Karten kann ich sie noch immer wärmstens empfehlen.

Die PDF-Datei kann man sich direkt auf transparente Folie ausdrucken (lassen). Um den Maßstab zu erhalten, darauf achten, dass der Druck nicht verkleinert wird (die Standardeinstellung kann beim Acrobat Reader 90 % betragen). Das Seitenformat ist DIN-A-4, mit einer Ausnahme: für Karkoschka sind die beiden Seiten so angelegt, dass die Folien auf DIN-A-5 beschnitten werden können, damit sie ins Buch passen (auch in die neueste Auflage 2013). Für jeden Sternatlas findet sich eine Seite; für Karkoschka zwei Seiten – jeweils eine für die beiden verwendeten Maßstäbe. Bei den anderen Sternatlanten habe ich Zielkreis-Schablonen aus Gründen der Übersichtlichkeit nur für den Hauptteil des Kartenwerks angelegt und nicht für Ausschnittvergrößerungen.

Die Zielkreise zeigen Himmelsausschnitte von 7,5°, 4°, 2°, 1° und 0,5° sowie die Telrad-Zielkreise mit 4°, 2° und 0,5°. Dabei habe ich bei den großmaßstäbigen Atlanten Millennium und TriAtlas auf die Darstellung des größten Zielkreises bzw. bei den kleinmaßstäbigen Cambridge und Karkoschka auf die Darstellung der kleinen Zielkreise verzichtet. Ein Telrad-Finder projiziert 4°, 2° und 0,5° an den Sternhimmel.

 

uranometria

Das großmaßstäbige Kartenwerk Uranometria geöffnet beim Sommersternbild Lyra. Mit Zielkreisschablone und Peilsucher (der Telrad projiziert genau diese Zielkreise an den Sternhimmel) ist beispielsweise der Ringnebel M 57 einfach aufzufinden.

 
Falls jemand Fehler findet oder Verbesserungsvorschläge für die Zielkreis-Schablonen hat, so bitte ich um Rückmeldung.

Viel Spaß unterm Sternhimmel und bei der Arbeit mit Sternkarten!

Clear Skies, Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zielkreisschablonen – find’ ich gut!

    Eine Anregung vielleicht: Kann man mit vertretbarem Aufwand auch rechteckige Kamerafelder (für KB und APS-C und typische Brennweiten, zB. 50mm, 200, 500, 1000, etc.) erstellen? Andere Brennweiten kann man ja interpolieren. Ketzterische Frage an einen visuellen Beobacher wie dich, ich weiss 🙂

    • Wieso ketzerisch? Man munkelt, dass es visuelle Sterngucker geben soll, die ganz im Verborgenen auch mit ihrer Kamera in den Sternhimmel abtauchen… 😉 In der Tat habe ich mir solche “Schablonen” (aus Pappe) für zwei Kartenwerke schon vor vielen Jahren für die KB-Brennweiten 85 und 180 mm gebastelt. Wenn ich mal viel Lust & Zeit haben sollte, ist das eine gute Idee für ein Schablonen-Update!

  2. Lieber Stefan, ich würde die Anfrage gerne unterstützen und mich herzlich für die bisher gemacht Arbeit und Bereitstellung hier bedanken! Wenn ich darf würde ich gerne zur obigen Wunschliste den 8300er Chip sowie typische AG-Kombos wie MGEN hinzufügen.

    • Danke! Ja, man könnte den Vorschlag Jans aufgreifen und Schablonen für verschiedendste Sensorformate – und jeweils umfassende Brennweitenlisten – anfertigen. Allein: Mir fehlt es gerade an der Zeit, das zu tun. 😉

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