Sparen am Licht

Das ist keine neue oder gar überraschende Tatsache: Besonders den Städten und Gemeinden fehlt das Geld. Nach Jahrzehnten des beharrlichen Anhäufens stetig neuer Schulden hat die Wirtschaftskrise die Kommunen nun mit Macht erreicht. Auch dem letzten Kämmerer ist klar, dass drastisch gespart werden muss. Ein Gutes allerdings hat die zu erwartende Sparorgie, die für viele lange Gesichter und leere Geldbeutel normalsterblicher Bürger sorgen wird: Endlich wird auch das gigantische Sparpotential erkannt, das in unnützen Straßenbeleuchtungen ruht.

Die Unternehmensberatung Ernst & Young präsentiert ihre Ergebnisse einer Umfrage von 300 deutschen Kommunen, die zu Sparplänen befragt wurden. Immerhin 68 Prozent deutscher Kommunen bezeichnen die eigene Finanzlage als "schlecht" oder "sehr schlecht". Schon für das laufende Jahr konnte jede dritte deutsche Kommune keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, und musste ein Haushaltssicherungskonzept verabschieden.

Was das Herz eines Amateurastronomen und Tierfreundes nun höher schlagen lässt, ist diese Aussage der Studie von Ernst & Young: "Sparen wollen die Kommunen vor allem in den Bereichen Straßenbeleuchtung (31 Prozent), …" Wow, sollen sie! Und sollen auch die anderen zwei Drittel der Kommunen ihre Beleuchtungskonzepte überdenken. Wir haben in den KosmoLogs schon etliche Male über das Thema Lichtverschmutzung berichtet. Insbesondere bei Jan Hattenbach finden sich zahlreiche Infos und positive Beispiele einzelner Kommunen, die bereits weniger Strom durch unnütze Straßenbeleuchtung verschwenden.

Ich halte diese Umfrage von Ernst & Young für durchaus seriös und repräsentativ, weshalb ich es als ein gutes Signal sehe, wenn nun Kommunen auf den Zug aufspringen und ihre Stromverschwendung durch überflüssiges Licht im öffentlichen Raum überdenken. Natürlich hoffe ich auch auf die Vernunft jener gar nicht seltenen Stadtoberen, welche nebenher in den Aufsichtsräten kommunaler Stromversorger sitzen, und denen freilich gar nicht daran gelegen ist, wenn ihr Produkt Strom nicht mit maximaler Menge durch die Leitungen strömt.

Vielleicht setzt in Zeiten leerer Kassen endlich ein Umdenken ein, das der Natur und damit letztlich unserer Spezies dient. Muss es denn sein, dass jeder noch so kleine Pfad die gesamte Nacht taghell beleuchtet wird? Nein, das muss nicht sein, zumal längst bekannt ist, dass der Sicherheitsaspekt oftmals völlig überbewertet ist. Auch weniger und vor allem sinnvollere, blendfreie Straßenlampen genügen völlig. Müssen Straßenlampen denn die gesamte Nacht leuchten? Nein, sie müssen nicht, weil es nächtliche Stunden gibt, in denen höchstens Katzen unterwegs sind, aber kaum noch Zweibeiner. Ist es denn notwendig, jede Dorfkirche die ganze Nacht anzustrahlen? Nein, ist es nicht.

Eine gesunde Mischung aus Vernunft und Weitsicht spart viel Geld, wenn Kommunen nun nüchtern Bilanz ziehen, auf unnötige Straßenlampen ganz verzichten, und die nächtlichen Zeiten überdenken, in denen Straßenlampen nicht erforderlich sind. Mit dem Abschalten unnötigen Lichts kann viel Geld gespart werden, das dann in sozialen Bereichen weiterhin zur Verfügung stehen kann.

Clear Skies! Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Abschalten hat längst begonnen

    Dazu passt, was ich gestern vom (letzten verbliebenen) Beobachter auf der Sternwarte Sonneberg in Thüringen gehört habe: Im Ortsteil auf dem Berg, wo die Sternwarte liegt, werden die Straßenlampen aus Kostengründen erst gar nicht mehr eingeschaltet! Mit dem Effekt, dass man sich ohne Taschenlampe kaum mehr in mondloser Nacht bewegen könne.

    Die ewige Klage “es wird immer heller” muss inzwischen wesentlich differenzierter formuliert werden – und mir selbst fällt z.B. (suburban in der Nähe von Bonn) auf, dass die Sommermilchstraße heute besser zu sehen ist als noch vor einigen Jahren. Was eigentlich nur an weniger Licht liegen kann, das sinnlos nach oben strahlt. Fazit: Erst mal die Lage systematisch analysieren und nicht gleich drauf los schimpfen …

  2. Wow, das Paradies liegt gleich nebenan! Dann sollte ich mal nach Bonn ziehen, denn in Aachen oder der Eifel ist es genau anders herum (und das ist nicht nur mein Eindruck)!

    Ehrlich: Ich bin zwar auch für differenzierte Sichtweisen. So hat sich punktuell in der Stadt Aachen die Beleuchtung öffentlicher Gebäude verbessert – das wird aber durch die inflationäre Zunahme privater Beleuchtung mehr als kompensiert. Aber die Realitäten zu ignorieren (es wird gar nicht heller, das meinen nur ein paar Fanatiker) bringts dann auch nicht. Man schaue sich doch nur mal die LV-Karten auf http://www.lichtverschmutzung.de an!

  3. Zum eigentlichen Thema: Den Optimismus des Autors kann ich leider nicht ganz teilen. Sparmaßnahmen werden generell nicht gerne gesehen, und das Abschalten von Straßenlaternen ist so ziemlich das Letzte, was das Problem der Umweltverschmutzung durch Kunstlicht in das Bewusstsein der Menschen rückt.

    Statt ernsthaft über ökologisch und ökonomisch sinnvolle Beleuchtungskonzepte nachzudenken, soll mit der Holzhammermethode zwecks kurzfristigem Spareffekt abgeschaltet werden. Mit “Vernunft und Weitsicht” hat das nichts zu tun.

    Das negative Echo solcher Maßnahmen in der Bevölkerung schadet dem Bestreben, einen maßvollen und umweltfreundlichen (und sparsameren!) Einsatz von Kunstlicht in der Außenbeleuchtung zu propagieren.

  4. Lichtverschmutzung Eifel

    Ich muß Jan Hattenbach zustimmen. Als ich mein Teleskop geschenkt bekam, wurde in meinem kleinen Eifeldorf, das etwa zehn Kilometer südwestlich vom Radioteleskop Effelsberg entfernt liegt, noch um Mitternacht die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Inzwischen brennt sie die ganze Nacht.

    Ich erinnere mich auch, daß ich einmal vor gut zehn Jahren das Polarlicht sehen konnte. Seitdem schaue ich immer, wenn ich in klaren Nächten heimkomme, nach Norden, und tatsächlich schimmert dort etwas Rötliches: das Licht aus der Voreifel und der Kölner Bucht.

    Dabei ist Bad Münstereifel ziemlich klamm und muß sparen…

  5. Licht und Schatten

    In der Tat reduzieren bereits immer mehr Kommunen aus Kostengründen die Beleuchtung. Allein um Osnabrück: Preussisch-Oldendorf schaltet um 0 Uhr fast komplett ab (hier liegen auch Messungen vor), Stemwede zieht die Abschaltung von 1 Uhr auf 22 Uhr vor (guter Beobachtungsplatz im Moor!), Lienen reduziert usw.. Ist auch gut so, denn der ÖPNV funktioniert ja auch nicht die ganze Nacht hindurch. Dann muss man sich eben ein Taxi nehmen, für den Preis kann man sich auch Reflexionsstreifen und eine gute Taschenlampe kaufen!

    Andererseits nimmt der Flächenverbrauch (und damit die Beleuchtung!) weiter zu, Städte wollen sich immer noch mit “Leuchttürmen” profilieren, viele Entscheider meinen den neuen Regeln der DIN EN 13201 mit hellerer Beleuchtung folgen zu müssen und die nicht-öffentliche Beleuchtung nimmt zu, da sie ja immer billiger (LED!) wird. Dazu kommt die Leuchtenindustrie, die natürlich immer das Argument Sicherheit und die höhere Energieeffizienz vorbringt (der Stromverbrauch wird ja reduziert, also kostet es nicht mehr, die Leuchte die ganze Nacht brennen zu lassen – ein typischer Rebound-Effekt).
    Es muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um zu einer nachhaltigen ökologischen (und damit Lichtverschmutzung vermeidenden) Beleuchtung zu gelangen…

  6. Auch wir wohnen in einem kleinen städtischen Wohngebiet, in dem viel zu große und hohe orangegrelle Straßenlampen mit 6,50m Lichtpunkthöhe die ganze Nacht über brennen. Ausreichend wäre sicherlich eine Höhe von maximal 4,50 m, größere Lampenabstände, kleinere und präzisere LED-Leuchten und eine Nachtabschaltung von 10 – 6 Uhr. Die Nebenwirkungen sind bekannt: gestörte Melatoninproduktion beim Menschen, hell beleuchtete Grundstücke, verwirrte und sterbende Insekten. Dass man bei diesem Blendlicht leider auch nichts mehr vom Sternhimmel sieht, ist besonders schade für die Kinder, die wohl deshalb den Sternhimmel nur noch künstlich in Planetarien erleben werden…!

  7. Lichtverschmutzung vs. Bürgersicherheit?

    Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag. Aus nachvollziehbaren astronomischen Interessen ist dieser für meinen Geschmack allerdings etwas zu einseitig ausgefallen und der Aspekt der Bürgersicherheit wird ein wenig zu lapidar abgetan. Ich gehe schon davon aus, dass ein Mindestmaß an Beleuchtung auch der allgemeinen Sicherheit dienlich ist und bewerte dieses höher als den Wunsch einzelner Sternengucker mit dem Wunsch nach absoluter Dunkelheit.

  8. @ Marko

    Ganz sicher bin ich nicht für absolute Dunkelheit in Städten und Gemeinden. 🙂 Eine solche Forderung wäre freilich völliger Unfug und klingt ein wenig nach jener Schwarz-Weiss-Vorstellung, nach der Umweltschützer bei Kerzenschein in Höhlen zu sitzen haben.

    Was ich fordere: Ein bewussterer Umgang mit privatem wie öffentlichem Licht, der nicht nur Umfang sondern auch Beleuchtungszeiten berücksichtigt. Wozu müssen Strassenlampen die gesamte Nacht leuchten, wenn sich in den Nachtstunden nur wenige Menschen im Freien bewegen? Der “Sicherheitsaspekt” wird im übrigen viel zu oft überbewertet: Viel Licht bedeutet mitnichten viel Sicherheit!

    Zudem: Ich bin nicht primär gegen Lichtverschmutzung aktiv, damit ich schöner Sterne gucken kann. Ich wehre mich gegen Lichtverschmutzung, weil diese (noch viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein verankerte) Form der Umweltzerstörung zum Artensterben u.a. bei Vögeln und nachtaktiven Insekten beiträgt.

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