Mond und Merkur

BLOG: Clear Skies

Astronomie mit eigenen Augen
Clear Skies

Vor gut einem Jahr schrieb ich in den KOSMOlogs über eine Begegnung Merkurs mit dem noch sehr jungen Mond. Am Sonntag Abend (26. April 2009) werden sich Merkur und die auch diesmal noch sehr schmale Mondsichel erneut am Westhimmel begegnen und mit lediglich 1,7° Abstand näher kommen als im vergangenen Jahr.

Zur Zeit ist der sonnennächste Planet Merkur am Abendhimmel gut zu beobachten, weil er von Tag zu Tag später untergeht; am 26. April – dem Tag der größten östlichen Elongation von der Sonne – wird er erst um 22.37 MESZ hinter dem Horizont verschwinden, wenn sein Winkelabstand zur Sonne 20°25´ betragen wird. Gleichzeitig nimmt seine Helligkeit ab. War er am 16. April noch etwa -1 mag hell, so nimmt seine Helligkeit bis zum Sonntag auf 0,4 mag ab. Trotzdem ist Merkur noch gut am Abendhimmel zu finden, ein wolkenfreier Blick Richtung WNW vorausgesetzt. War der Mond im vergangenen Jahr bei der Begegnung mit Merkur 31 Stunden jung, so wird er am Sonntag Abend etwa 40 Stunden jung sein. Knapp oberhalb der Mondsichel ist der offene Sternhaufen der Plejaden zu sehen. Die Grafik, die ich mit der Planetariumssoftware Stellarium erstellte, zeigt, wie die Szene am 26. April gegen 21.45 Uhr MESZ in einem Fernglas zu sehen sein wird. In einem Punkt habe ich allerdings geschummelt: Die Abenddämmerung wird das Himmelsschauspiel freilich nicht so prächtig erscheinen lassen wie auf diesem Bild.

Grafik aus Stellarium, Mond, Merkur und Plejaden am 26. April 2009 gegen 21.45 Uhr MESZ – korrigierte Version: Carolin Liefke gab mir den Hinweis zur Grundeinstellung dieser Software, die den Mond unproportional groß zeigte. In dieser Darstellung ist die Mondgröße nun korrekt. Danke für den Tipp!

Das Himmelsschauspiel muss am Sonntag Abend mit dem Tatort konkurrieren, wird zweifelsohne ebenso spannend sein. Ich empfehle ein Fernglas, ein Teleskop, oder – falls keines vorhanden ist – den Besuch einer Volkssternwarte, um die Plejaden, den zunehmenden Mond und den innersten Planeten Merkur möglichst lange in der zunehmenden Dämmerung verfolgen zu können.

Clear Skies! Stefan Oldenburg

Links

Beobachtungstipp von Tilmann Althaus
"Merkur und Mond im Goldenen Tor der Ekliptik" von K.-H. Bohn
Es ist Merkur-Zeit!
Merkur am Abendhimmel
Merkur und Mond

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

5 Kommentare

  1. Erwischt!

    Beinahe hätte ich die Konjunktion vergessen, aber dann hat mich Hartwig
    Lüthen über die Mailingliste der GvA gerade noch rechtzeitig
    dran erinnert, und da sind sie nun in echt:

    Caro

  2. 🙂

    Hallo Caro,

    vielen Dank für das tolle Bild, das nun – dank Deiner Hilfe – endlich an der richtigen Stelle zu sehen ist. 🙂

    Schade, ich konnte dieses Himmelsschauspiel gestern Abend leider nicht live erleben; eine dichte Wolkendecke versperrte den Blick.

    Viele Grüße, Stefan

  3. Noch ein tolles Bild

    Ein ebenso wunderschönes Foto, das die junge Mondsichel, Merkur und die Plejaden am Abend des 26. April 2009 zeigt, präsentiert “Astronomy Picture of the Day”. Durch die Überbelichtung ist – wie auf Caros Foto – auch die nicht sonnenbeleuchtete Nachtseite unseres Erdtrabanten eindrucksvoll zu erkennen.

  4. Stellarium

    Das Stellarium – wegen seiner realitätsnahen Visualisierung Redshift vorzuziehen – hat auch noch andere Mängel. Z. B. wird bei der Berechnung der Sonnenauf- und Untergangszeit die Refraktion, wodurch die Sonne früher auf- und später untergeht, nicht berücksichtigt.

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