Der Mond

Ein Foto des Erdtrabanten, aufgenommen gestern Abend um 22.18 MESZ:

Foto: Stefan Oldenburg

Schön zu erkennen ist in der Bildmitte der auf dem Terminator liegende Krater Copernicus, ein Ringgebirge von 93 km Durchmesser und einer Tiefe von bis zu 3760 m.

Betrachte ich den Mond, so kommen mir oft jene Worte von Max Frischs "Homo faber" in den Sinn, die in nuce zeigen, wie der Ingenieur Walter Faber denkt und fühlt:

"… Ich habe mich schon oft gefragt, was die Leute eigentlich meinen, wenn sie von Erlebnis reden. Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Ich sehe alles, wovon sie reden, sehr genau; ich bin ja nicht blind. Ich sehe den Mond über der Wüste von Tamaulipas – klarer als je, mag sein, aber eine errechenbare Masse, die um unseren Planeten kreist, eine Sache der Gravitation, interessant, aber wieso ein Erlebnis? …" (Zitiert aus meiner Ausgabe: Max Frisch, Gesammelte Werke in zeitlicher Folge, Band IV.1, 1957-1963, Suhrkamp Verlag, 2. Auflage 1976, Seite 24.)

Max Frischs "Homo faber" erschüttert die Grundfesten der Denke des modernen Menschen und ist damit brandaktuell.

Clear Skies, Stefan Oldenburg

  • Veröffentlicht in: Mond

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Homo faber und die Mondbetrachung

    Es gibt solche und solche..könnte man da lapidar bemerken. Homo faber zeichnet sich durch klare, logische Denkstrukturen aus. Er reflektiert die Dinge wie sie ihm erscheinen und verbindet sie mit seinem bisher Erkanntem, was auch “nur” die Widerspiegelung dessen ist, was ihm erschienen war. Andere Menschen haben eine “blühende Phantasie”, was ich als assoziatives Erkennen, bei dem Gefühlszustände sehr stark einwirken, bezeichnen möchte. Das ermöglicht ihnen, die ihnen erscheinenden Dinge in einem anderen Zusammenhang zu erkennen, also eben Bilder am Sternenhimmel zu sehen. Die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Denkstrukturen in unserem Gehirn lassen dieses “Phenomen” einfach (für mich mit wissenschaftlich gleichzusetzen) erklären. Sie merken schon, wie ich die Worte gebrauche. Es sind meine Erkenntnisse und Erklärungen. Es ist mein Erkanntes.

    Ich persönlich betrachte mich in der Betrachtungsweise oft als “Zwitter”, also als eine Person, die sowohl die rein wissenschaftliche Betrachtungsweise nachvollziehen kann, aber ebenso die assoziative, gefühlsmäßige Betrachtung. Beide Betrachtungsweisen sind letztendlich wissenschaftlich erklärbar und erkennbar.

    Und ich finde beide Betrachtungsweisen “schön” und “spannend” (beides anscheinend Worte, die in der Wissenschaft nichts zu suchen haben). Was treibt uns denn sonst, die Welt und das Universum weiter zu erkennen?

  2. Rational und emotional

    Die rationale Sicht auf die Phänomene ist für die Wissenschaft unerlässlich. Wo aber würden wir heute stehen, d.h was wäre unser Stand der Erkenntnis, wenn sich da zur rational-wissenschaftlichen Sicht nicht die Leidenschaft, das emotionale Engagement gesellen würde, das den Drang nach Erkenntnis über den unmittelbar sich ergebenden Nutzen hinausführt? Ich behaupte: Der Antrieb wäre viel geringer, da nach der Lösung eines Problems, der Beantwortung einer Frage sich kein Glücksgefühl einstellen würde. Die Faszination für einen Wissenschaftsbereich ist unerlässlich, um sich ihm voll und ganz, “mit Leib und Seele” zu widmen.
    Forschung ist ein kreativer Prozess.

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