Klassenarbeit über Juri Gagarin

So, Hefte raus, wir schreiben heute einen Aufsatz über Juri Gagarin, den ersten Raumfahrer! Thema: "Juri Gagarin und sein Raumflug mit der Wostok 1 am 12. April 1961". Wer schwätzt oder schummelt, gibt ab und sechs, wie immer. Und nun los, trödelt nicht, wir haben Zeit bis zum Klingeln.


Immer dieses blöde "wir". Die Alte nervt. So ein dämliches Thema, nur weil heute wieder so ein Jahrestag ist. Ich sag direkt "IPhone raus", das rafft die Alte nie. Also: "Juri Gagarin". Erstmal deutsche Wikipedia, klar, die englische kommt mir gerade zu heftig. Schau her, hier ist doch schon was Schönes. Das pinn ich direkt ab. Los geht´s:

Juri Gagarin wurde am 9. März 1934 im Dorf Kluschino geboren, sein Vater war Zimmermann, die Mutter Kolchosbäuerin. Während des Studiums wurde er Mitglied des Aeroklubs in Saratow und bestand seine erste Flugprüfung am 3. Juni 1955. Im gleichen Jahr trat er in die sowjetischen Streitkräfte ein und wurde in die Fliegerschule in Orenburg aufgenommen. Am 7. November 1957 wurde Gagarin zum Leutnant befördert. Ebenfalls im Jahr 1957 heiratete er die Ärztin Valentina Gorjatschowa. Von 1957 bis 1959 diente Gagarin bei einem Jagdfliegerregiment der Nordflotte.

1960 wurde Gagarin als potenzieller Kosmonaut ausgewählt. Am 3. März kam er auf Befehl des Oberkommandierenden der Luftstreitkräfte Konstantin Andrejewitsch Werschinin in die Gruppe der Kosmonautenkandidaten und erhielt vom 11. März 1960 bis Januar 1961 eine entsprechende Ausbildung. Er wurde vor allem wegen seines ruhigen Temperaments aus den 20 möglichen Kandidaten ausgewählt, um als erster Mensch die Erde zu verlassen. Am 12. April 1961 absolvierte er mit dem Raumschiff Wostok 1 seinen spektakulären Raumflug und umrundete dabei in 108 Minuten einmal die Erde. Er landete im Wolga-Gebiet, in der Nähe der Städte Saratow und Engels.

Wer ist eigentlich so bekloppt und lässt sich in einer Art Kugel um die Erde schiessen? Hier bei Wikipedia ist ´nen Bild von der Landekapsel. Stand Gagarin unter Drogen, da rein zu steigen? Oder ob die dem richtig was gezahlt haben? Da hätte ich keinen Bock drauf, mich in in so ein kleines Teil zu quetschen, das locker in die Klasse passt, und mit einer fetten Rakete hochschießen zu lassen. Freiwillig in so ein Teil? Näh, die spinnen, die Raumfahrer! Irgendwie ist das alles zu dünn hier bei Wikipedia, ich google nochmal. — Hossa, da gibt es ja reichlich fleißige Blogger: Was ist das hier, "KosmoLogs"? O.k., ein Blogportal, da sind gleich mehrere Texte. Da ist ja voll der Raumfahrtexperte zugange, "Astra´s Spacelog", nette Infos. Von Blogs ist immer gut abzupinnen, das schnallt die Alte noch weniger als Wikipedia. Also was zur Rakete:

Die R-7 "Semjorka" ist vielleicht die wichtigste Trägerrakete in der Raumfahrtgeschichte. Praktisch alle frühen sowjetisch-russischen Pionierleistungen, und eine große Zahl weltweiter Raumfahrterstleistungen stehen mit ihr und ihren Varianten in Verbindung. Sputnik 1, der erste Erdsatellit, wurde mit einer R-7 gestartet, ebenso die ersten sowjetischen Lunik-Mondsonden. Und auch Gagarin wäre am 12. April 1961 ohne die Semjorka, der "gute alte Sieben", auf dem Boden geblieben.

Die R-7 hatte jetzt seit ihrem ersten erfolgreichen Orbitaleinsatz im Oktober 1957 24 Starts in den Erdorbit oder darüber hinaus unternommen. Zehnmal hatte die Rakete dabei versagt. Bei zwei weiteren Flügen war ohne Einwirkung der Trägerrakete die Wostok-Kapsel für das Scheitern einer Mission zuständig. Nimmt man diese Bilanz als Grundlage, dann standen Gagarins Überlebenschancen am Tag seines historischen Fluges am 12. April 1961 bei 50:50.

Na super, eine Überlebenschance von 50:50. Ich sag ja, der Gagarin war entweder unter Drogen oder die haben dem sonstwas gezahlt, vielleicht noch ´nen schicken Flitzer oder so. Hey spitze, hier ist gerade noch einen klasse Text bei "wissenschaft-online", der beschreibt den Flug selbst, schnell abpinnen:

Tatsächlich verlief der Start der Wostok 1 am 12. April 1961 vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur wie am Schnürchen. Nach und nach zündeten die drei Raketenstufen, und auch wenn diese ihn mit seinem fünffachen Gewicht in den Sitz pressten, fühlte sich Gagarin stets wunderbar. Allenfalls mit dem Reden tat er sich angesichts der Belastung mitunter etwas schwer. Nach 676 Sekunden dann: plötzliche Stille. In knapp 200 Kilometer Höhe war die letzte Raketenstufe abgesprengt worden, die das Raumschiff auf seine endgültige Umlaufbahn gebracht hatte. "Ich saß nicht, lag nicht, sondern schwebte im Raum." Sein Bleistift flog davon. "Es war wie ein Traum." Als draußen die weite, von der Morgensonne beschienene Landschaft Sibiriens vorbeizieht, rief er: "Wie herrlich!". Später schrieb er: "Doch das Wort blieb mir in der Kehle stecken. Meine Aufgabe war, kurz und sachlich zu informieren, und keineswegs, mich meiner Begeisterung hinzugeben." Um 9.52 Uhr überflog er Kap Hoorn. "Flug verläuft normal, fühle mich gut", funkte er zur Erde.

Um 10.15 Uhr erreichte er Afrika – und den Anfang vom Ende seiner Reise. Und dann passierte es: Kurz nach der Zündung der Bremsrakete kam es zu einem ernsten Zwischenfall. Eigentlich hätte sich in diesem Moment die kugelförmige Landekapsel vom Rest des Raumfahrzeugs lösen müssen, doch die Trennung erfolgte nicht vollständig – beide Komponenten blieben zunächst durch eine Reihe loser Kabel miteinander verbunden. Die Kapsel begann, sich unkontrolliert zu drehen. Gagarin verlor zwar die Orientierung, nicht aber die Nerven. Nach Hause funkte er, alles laufe normal, in seinem Buch heißt es gar, dass er schallend sein Lieblingslied "Die Heimat hört, die Heimat weiß" sang. So oder so: Am Ende ging alles glatt. In 7000 Meter Höhe öffnete sich der Hauptfallschirm, wenig später sprengte sich Gagarin planmäßig mit seinem Schleudersitz aus der Kapsel und landete um 10.55 Uhr – eine Stunde und 48 Minuten nach seinem Start – auf einem Acker rund 500 Kilometer östlich von Dnipropetrowsk.

Das ist klasse geschrieben. Die Alte steht ja auf so Blumiges und Poetisches, das ist genau das Richtige für sie. Man soll der Lehrerin ja immer das vor die Nase halten, was sie mag. Hoffentlich fragt die mich nicht, woher ich das alles weiß. Ich könnte jetzt noch was schreiben zu den Fruchtfliegen, mit denen die Raumfahrt begann, ich glaube, das gefällt der Alten auch. Da hatte ich mal was von gehört, aber wo? Ach ja, hier und hier. Also, jetzt sogar mal was aus meiner eigenen Feder:

Die ersten Lebewesen überhaupt, die ins All flogen, waren Fruchtfliegen. Das war am 20. Februar 1947 mit einer V-2. Sie überlebten die Rückkehr zur Erde! Vor dem ersten Menschen mussten auch viele Säugetiere herhalten für Testflüge in den Erdorbit. Das waren vor allem Affen und Hunde, von denen viele nicht heil wieder runterkamen. Für den Fortschritt muss der Mensch immer auch Sauereien in Kauf nehmen.

So, fertig werden jetzt, in zehn Minuten klingelt´s!

Mist, Zeit etwa schon um? Na ja, ganz übel wird´s nicht sein. Schnell noch was zum Unfalltod von Gagarin aus Wikipedia. Ein bisschen Mistery macht sich immer gut. Schnell, die Hand tut mir vom vielen Abpinnen schon weh:

Am 27. März 1968 verunglückte Gagarin bei einem Übungsflug mit einer MiG-15 UTI tödlich. Gagarin wurde im Februar 1968 zum Ausbilder der Kosmonauten ernannt, doch zuvor wollte er noch seine Ausbildung zum Kampfpiloten zu Ende bringen. Diese war wegen seines Kosmonautenprogramms abgebrochen worden. Der Flugzeugtyp MiG-15 UTI galt aufgrund seiner geringen Absturzquote als das sicherste Kampfflugzeug der UdSSR. Gagarins Ausbilder und Co-Pilot war der damals erfahrenste MiG-15-Pilot Wladimir Serjogin mit rund 4 000 Stunden Flugpraxis und Kriegserfahrung.

Die genauen Umstände des Absturzes sind bis heute offiziell nicht geklärt. Die Regierung verkündete damals lediglich "eine unglückliche Verkettung verhängnisvoller Umstände" als Ursache; der 30-seitige Untersuchungsbericht wurde nie veröffentlicht und die damalige Erklärung nie offiziell korrigiert. Noch im März 2008 behauptete ein Mitglied der Untersuchungskommission, General Eduard Scherscher, dass grobe Fahrlässigkeiten der Piloten ursächlich waren, dies aber nicht zugegeben werden sollte, um deren Heldenstatus nicht zu gefährden.

So, das sollte reichen, jetzt brauche ich noch einen Schlussatz, aber woher nehmen? Mist, den muss ich wohl schnell selbst schreiben. Ah, doch, das Zitat hier mit dem Hund ist geil, das nehm ich noch rein:

Juri Gagarin war ein mutiger Mann. Ich hätte keine Lust auf einen solchen Flug, weil er mir zu gefährlich wäre. Aber Gagarin hatte Mut genug. Juri Gagarin wird für immer in unserem Gedächtnis bleiben, nicht weil er so mutig war, sondern weil er mit seinem kleinen Schritt den großen Schritt für die ganze Menschheit einleitete, nämlich hinaus ins All. Gagarin selbst sagte bei einem Bankett: "Ich weiß immer noch nicht, wer ich bin: der erste Mensch oder der letzte Hund im All." Schon bald wird der Mensch mindestens zum Mars fliegen, oder sogar bis Betelgeuze! Dafür hatte Gagarin damals gut vorgelegt. Und das ist sehr schön.

So, abgeben, kein Herumgezicke, gleich klingelt´s!

O.k., das war´s! Hoffentlich krichich ne gute Note. Und hoffentlich rafft die Alte nicht, dass ich so gut wie alles abgepinnt habe. Was soll´s, wenn einer wie Guttenberg das macht, darf ich das auch. Und nun ab die Post.

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Es handelt sich um den Gastbeitrag eines Gymnasiasten, der lieber anonym bleiben will, um seine Versetzung nicht zu gefährden. Er besucht zur Zeit die Unterprima einer Oberschule, die am Ortsrand einer idyllischen badischen Kleinstadt liegt. Uns Lesern bleibt, dem Autoren dieses Gastbeitrags für seine weitere Schullaufbahn das Beste zu wünschen. Er möchte nach seinem Abitur übrigens Jura studieren und in die Politik gehen.

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. “Clear Skies” lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog “Clear Skies”.

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