Hatte Einstein Recht?

BLOG: Clear Skies

Astronomie mit eigenen Augen
Clear Skies

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Oft wird er zitiert, dieser Albert Einstein zugeschriebene Aphorismus. Aus aktuellem Anlass drängt sich die Frage auf: Wie ausgeprägt ist denn diese menschliche Eigenschaft bei den deutschen Nichtwählern und Wählern?

Da wählt bei den Bundestagswahlen ein knappes Drittel der Wahlberechtigten gar nicht und hievt damit jene Regierung ins Amt, die viele der Nichtwähler ganz sicher nicht haben wollten.

Zwei Prozent geben der Piratenpartei ihre Stimme (jeder zehnte Erstwähler!), in offenkundiger Unkenntnis der destruktiven Ziele dieser Partei, die dem übernächsten Bundestag mit hoher Wahrscheinlichkeit angehören wird. Wofür stehen die "Piraten"? Insbesondere für die Abschaffung des Urheberrechts. Alles zum freien Download im Internet bedeutet zuende gedacht: Es braucht keine Autoren, Journalisten, Fotografen mehr, weil es keine Verlage mehr geben wird, die für die Arbeiten bezahlen könnten. Es braucht auch keine Kinos mehr, keine Musiklabels, wenn Filme und Musik kostenfrei erhältlich sind. Und so weiter und so fort. Mich überrascht, wie sehr diese Partei unterschätzt wird, die bei ihrer ersten Bundestagswahl aus dem Stand zwei Prozent der Stimmen erhalten hat; zum Vergleich: Die Grünen erzielten bei ihrem ersten Auftritt zur Bundestagswahl 1980 1,5 %, allerdings bei deutlich höherer Wahlbeteiligung. Wo bleiben jetzt beispielsweise die Aufschreie der Verlage, der schreibenden Zunft? Es ist doch klar, wohin die Reise ginge, wenn geistiges Eigentum einfach geklaut werden könnte. Wo alles umsonst verfügbar ist, fließt zunächst kein Geld mehr an die Urheber, Qualität versiegt, schlussendlich gibt es gar nichts mehr. Das ist der logische Lauf der Dinge.

Wie ist es zu deuten, wenn breite Teile der Wählerschaft ihre Stimme(n) jener reinen Klientelpartei geben, welche für die Interessen lediglich weniger Kleingruppen eintritt? Von der "Partei der Besserverdiener" – wir erinnern uns gerne an diesen herzerfrischenden Slogan aus den 90ern – ist heute nicht mehr offiziell die Rede, die gelbe Partei weiß warum, doch sie war es immer und wird es immer bleiben. Da erhält jene Partei massenhaft Stimmen, deren Neoliberalismus die Finanz- und Wirtschaftskrise erst möglich gemacht hat. Die für jeden spürbaren Folgen der Krise stehen übrigens noch aus: Arbeitslosigkeit, Inflation. Aber wir hören: "Arbeit muss sich wieder lohnen"! Ein wahrlich frecher Satz aus dem Munde einer Partei, welche die Niedriglohnjobs in den 90ern erst einführte, und welche den Kündigungsschutz nun noch weiter lockern möchte. Bei dieser Partei sind soziale Gedanken nicht im Ansatz erkennbar, die der gesamten Gesellschaft dienen. Teile der Wirtschaft freilich jubilieren, Aktienkurse der Atomstromanbieter schnellen prompt in die Höhe, das sind Zeichen, die leider allzu vorhersehbar waren. Wo wird mit dieser Regierung Raum für Umweltschutz sein, für Klimaschutz, für eine auf Nachhaltigkeit setzende Energiepolitik? Sicher wird in Koalitionsgesprächen das vor den Wahlen erklärte Geschenk der Steuersenkungen auch umgesetzt werden, leider aber nicht so, wie es dem Großteil der Regierungs-Wähler schmecken dürfte: Besserverdiener werden entlastet, die Umsatzsteuer wird angehoben. Wetten dass?!

Ach ja, das Bild vom Generalsekretär der Neoliberalen bei seinem Gang durchs Volk, das ich am Samstag auf dem "Heidelberger Herbst" aufnahm, möchte ich nicht vorenthalten. Wohlwahr: Arbeit muss sich wieder lohnen. Und Einsteins schöner Spruch erscheint nach dieser Bundestagswahl in neuem Licht.

Arbeit muss sich wieder lohnen. Foto: Stefan Oldenburg

Clear Skies, Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

26 Kommentare

  1. @ Quintil

    Ein Auszug aus “Über Kosmologs”:

    Unsere Blogger – Wissenschaftler, Raumfahrtexperten und Sternfreunde – sind Meinungsbildner auf ihren Gebieten. Sie suchen sich ihre Themen selbst und sind unabhängig darin, was und wie sie schreiben. Damit sind die Kosmologs authentisch, ungefiltert – und eröffnen neue, ungewöhnliche Perspektiven.

    Wie es sich für Blogs gehört decken sie ein breites Themenspektrum ab. Von harter Wissenschaft bis hin zu ganz persönlichem .

  2. Eigeninteresse und Ahnungslosigkeit

    Das sind regelmäßig die beiden Motivationen, wenn mal wieder ein etablierter Schreiberling für das Urheberrecht zu Felde zieht. Alles nichts Neues, aber in diesem Fall besonders schade, weil das hier ja eigentlich ein anspruchsvolles Forum sein sollte. Da wollte man erwarten, dass der Autor sich wenigstens mit dem aktuellen Stand der Debatte ein bisschen auseinandersetzt, bevor er deklariert, was der “logische Lauf der Dinge” sei.

    Ich empfehle eine Lektüre von Boldrin/Levine, “Against Intellectual Monopoly”, welches hier kostenlos online verfügbar ist: http://www.dklevine.com/…ntellectual/against.htm

    Dann nachdenken, dann gerne wieder schreiben. Danke.

  3. @Martin: Na, eigentlich hat Quintil ja nur gefragt, was der Blog mit Astronomie zu tun hat.

    @Quintil: Nichts.

    @Björn: Es wäre schon sehr nett, wenn du deine Meinung mit eigenen Worten kund tun könntest anstatt sie hinter Links zu verstecken, bzw. die gerade aufkommende Diskussion mit Beleidigungen und Unterstellungen (“Eigeninteresse”, “Ahnungslosigkeit”, “Schreiberling”) auf ein tiefliegendes Niveau zu ziehen versuchst. Ich hoffe sehr, dass dies hier nicht fruchtet. Motto: Erst abregen, dann kommentieren.

  4. @ Quintil

    @ Quintil

    In der Tat: Dieser Beitrag hat mit Astronomie absolut nichts zu tun. 63 Beiträge in meinem Blog “Clear Skies” behandelten bislang durchgängig astronomische Themen, dieser erstmals nicht. Dazu stehe ich. 🙂

    @ Björn

    Ich verstehe schlichtweg nicht, was Sie sagen möchten?

  5. Hatte Einstein Recht?

    Bestimmt hatte Albert Einstein diese Aussage locker von sich gegeben, jedenfalls derjenige, der sie gemacht hat.
    Wenn ich mich recht erinnere, habe ich über Dietrich Bonhoefer gelesen, dass seine wesentlichste Erfahrung im faschistischem Konzentrationslager gewesen sein soll: Die schlimmste Geisel der Menschheit ist nicht die Bosheit, denn sie trägt den Keim ihrer Vernichtung in sich, sondern die Dummheit, gegen sie ist kein Kraut gewachsen.
    Und ich kann noch den Satz eines Physikers zitieren: Wenn eine Flüssigkeit durch ein Rohr strömt, so strömt sie schneller, wenn das Rohr enger wird. Wenn eine Menschenmenge auf eine Engstelle trifft, so bewegt sie sich langsamer; in manchen Fällen verkeilt sie sich sogar und Einzelne werden totgetrampelt. Nun kann man einer Flüssigkeit mit Sicherheit eine Intelligenz von Null zuschreiben, woraus folgt, dass eine Menschenmenge eine negative Intelligenz hat.
    Da kann man nur hinzufügen, dass dieses dumme Verhalten bei vielen anderen Vorgängen zu beobachten ist. Der wesentlichste Grund hierfür scheint der Egoismus zu sein; die Mehrheit der Menschen denkt nicht weiter als eine Hutkrempe. Wenn in früherer Zeit sich keine Verhaltensregeln, eine Ethik und Moral entwickelt hätten, gäbe es keine Menschheit. Mit dem Verlust solcher Werte, die sich auf arterhaltendes Verhalten herausgebildet haben, wird sich – entgegen Bonhoefer und wegen der Globalisierung – die Menschheit vernichten. Wie vermutlich alle ehemals vernunftbegabten höheren Kulturen auf anderen Planeten sich vernichtet haben, selbst wenn sie keine Kriege gegeneinander führten. Ansonsten hätten sich andere Wesen uns Erdlingen bestimmt bemerkbar gemacht.

  6. @ Hattenbach

    Ja, ich habe die Frage schon verstanden. Aber was wollte der Kommentator damit ausdrücken? Daß in einem Astronomieblog nur Astronomie zu finden ist. Und das entspricht aber nicht dem Selbstverständnis eines Blogs. Da geht es nicht nur um das hauptsächliche Thema, sondern auch um persönliches, Meinungen etc. Das sollte man doch wissen.

  7. Wer ist hier der Dumme?

    Das Problem an diesem Einsteinzitat ist doch, dass jeder der es benutzt, für sich in Anspruch nimmt, eine Insel der Vernunft im Meer der Dummheit zu sein.
    Man kann die Wahl nämlich auch anders sehen, als es Clear Skies tut, ohne deswegen dumm zu sein.
    Beispiel: Ich habe ein gewisses Verständnis für die traditionellen SPD-Wähler, die diesmal der Wahl fern geblieben sind, denn es ist doch offensichtlich, dass sich die SPD in den vielen Regierungsjahren verschlissen hat. Sich in der Opposition neu zu finden ist doch das Beste, was der SPD passieren kann. Dass traditionelle SPD-Wähler dann lieber gar nicht, als was anderes wählen ist so dumm nicht.
    Nicht nur die Darstellung der Piratenpartei, auch die der FDP ist hier wenig differenziert. Die FDP tritt nunmal als einzige Partei für den berufstätigen Steuerzahler ein. Diese aussterbende Spezies als Klientel zu bezeichnen mag vielleicht richtig sein, das spricht dann aber nicht gegen die FDP, sondenr ist einfach nur traurig. Man darf nicht vergessen, dass wir nun so viele Jahre hatten, in denen die SPD Zeit gehabt hätte sozialdemokratische Politik zu machen. Aber wo sind denn die Ganztagsschulen, die Krippenplätze, die Vereinbahrkeit von Arbeit und Familie? Stattdessen haben wir Hartz IV-Murks. Nein, unsozialer als mit der SPD wird es mit der FDP bestimmt nicht. Wäre die SPD sozial, gäbe es keine Linke.

  8. Freier Zugang zu wissenschaftlicher Info

    Zu den Details der Aenderung der Copyright-Gesetzgebung, wie sie die Piratenpartei propagiert, will ich mich hier nicht äußern.

    Was aber die Forderungen zum freien Zugang zu wissenschaftlicher Information angeht, da halte ich den aktuellen Zustand und die Richtung, in die er sich entwickelt, für kaum noch tragbar.

    Es hat eine gewaltige Konzentration im wissenschaftlichen Publikationsbetrieb auf nunmehr nur noch drei große Herausgeber stattgefunden. Ist dies wirklich noch der Wissenschaft zuträglich? Nutzt das den Autoren oder den Lesern (Wissenschaftlern und Studenten). Was ist mit Wissenschaftlern, die nicht über finanzielle Mittel verfügen, wie an kleinen Universitäten oder in der dritten Welt?

    Oder sind wir an einem Punkt angelangt, wo der wissenschaftliche Produktionsbetrieb eine Geldmaschine für wenige Monopolisten geworden ist und nicht die Verbreitung von Information und der wissenschaftliche Fortschritt im Vordergrund stehen?

    Ist es wirklich wünschenswert, wenn man ein Paper sucht, aber jedesmal die Kreditkarte zuücken darf – wobei manchmal der Autor auch noch bezahlen musste, damit sein Paper veroeffentlicht wird, allemal aber, damit er von seinem eigenen Paper eine PDF-Version erhält?

    Ich denke, man muss nicht die Piratenpartei unterstützen, um an dieser Stelle eine Fehlentwicklung und einen politischen Handlungsbedarf zu sehen.

    Mein Kommentar hat sogar direkt mit Wissenschaft zu tun, wie ich bei nochmaligem Nachlesen mit nicht geringer Genugtuung feststellen musste. 🙂

  9. @ Stefan Taube

    Da legen Sie mir aber reichlich Aussagen in den Mund, die meinem Beitrag so definitiv nicht zu entnehmen sind. Ich sage keineswegs, dieser oder jener Wähler sei dumm?! 🙂

    Es ist manchmal ganz hilfreich, einfach mal einen Schritt zurück zu treten und nicht alles toternst zu sehen. Das Einstein-Zitat wird doch wohl niemand ernsthaft als Beschimpfung Einzelner verstehen wollen.

    Die Fehler der SPD sehe ich ähnlich wie Sie.

  10. Piraten & Urheberrecht: ein Interview

    Der Autor hätte sich beispielsweise hier informieren können, was die Position der Piratenpartei zum Urheberrecht tatsächlich ist. Das mag nun überzeugen oder nicht (ich hab da einige Probleme) – aber es wird schon klar, dass die Positionen viel differenzierter sind als eine komplette Abschaffung des Urheberrechts.

  11. Selbstlose Autoren

    Es gibt sie, die kostenlosen und selbstlosen Autoren.

    Ich selbst schreibe, genau so wie viele tausend andere, für Wikipedia und e-stories, und gebe Kurzfilme in YouTube.

    Das Ideal der freien Information für alle ist das auch wert.

    Als Belohnung dafür kann ich auch lesen was viele tausend andere in Wikipedia und in e-stories geschrieben haben, oder Kurzfilme betrachten.

    Wir tauschen nicht Geld aus, sondern Informationen.

    http://de.wikipedia.org/…mp;target=Karl+Bednarik

    http://www.e-stories.de/view-autoren.phtml?kbedn

    http://www.youtube.com/user/KarlBednarik

  12. @ Daniel Fischer

    Das Interview, auf das Sie verweisen, führt detailliert auf, wie die Aufweichung des Urheberrechts nach Wünschen der Piratenpartei aussehen soll und lässt meine Aussagen brav und harmlos erscheinen. Ich zitiere lediglich diesen einen Satz:

    “… Die Verwertungsindustrie singt immer das Lied vom geistigen Eigentum. Man will uns weismachen, dass ein Buch, das jemand schreibt, völlig der Kreativität des Autors entspringt – also dass er vorher keine anderen Bücher gelesen und benutzt hat, dass die Gemeinschaft keinen Anteil an diesem Buch hat. …”

    Das ist genau der springende Punkt, den ich in meinem Beitrag anspreche: Wer glaubt denn ernsthaft daran, dass ein Autor – der wohlgemerkt von seiner Arbeit lebt – Energie in ein Unterfangen stecken soll, von dem nicht er der Profiteur ist, sondern irgendwelche Egozentriker, die darauf pochen, geistiges Eigentum anderer sei ihr Eigentum?! Bei Hörbüchern haben wir bereits die Situation, dass Verlage ihre Programme deutlich schrumpfen müssen, Autoren aus ihren Arbeiten kein Geld mehr ziehen, weil die Möglichkeit illegaler Downloads allzureichlich geboten und genutzt wird.

    Insofern trifft Ihr Vorwurf an mich, falsch über die Positionen der Piratenpartei informiert zu sein, nicht zu.

  13. @ Karl Bednarik

    Selbstlosigkeit allein lässt keinen Menschen überleben; zudem sind bei manchen selbst ernannten Online-Publizisten oftmals die Grenzen zur Profilneurose verwischt.

    Meine Kritik am derzeitigen Aufweichen des Urheberrechts – das übrigens bei Goethe wurzelt – bezieht sich daher auch nicht auf Werke von Hobby-Autoren, sondern solchen, die von ihrer Arbeit leben, und inhaltlich sowie qualitativ wertvolle und v.a. unabhängige Publikationen (hier mag der geneigte Leser eigene Beispiele einfügen) erst möglich machen.

  14. Wirklich nützliche Arbeit

    Selbstlosigkeit allein lässt keinen Menschen überleben, aber wirklich nützliche Arbeit schon.

    Alle Hobbyautoren (mich eingeschlossen) leben von wirklich nützlicher Arbeit, aber sicherlich nicht von den Urheberrechten auf ihre Erzählungen.

    Wenn man sich möglichst genau selbst darstellt, könnte man das immer als Profilneurose bezeichnen.

    Manche Leute verlangen sogar Geld für ihre Profilneurose.

    Immerhin handelt es sich hier zumindest um eine kostenlose Profilneurose.

    Was die Qualität anbelangt, es kommen eben auf hundert schlechte kostenlose Geschichten nur ein oder zwei gute kostenlose Geschichten.

    Ich habe schon öfter Geld für schlechte Geschichten bezahlt.

    Der mündige Leser kann selbst entscheiden, was er lesen will, und was nicht.

    Der Nutzen ergibt sich aus Qualität geteilt durch den Preis.

    Wenn der Preis gegen null geht, dann geht der Nutzen gegen unendlich.

  15. “Der Nutzen ergibt sich aus Qualität geteilt durch den Preis.

    Wenn der Preis gegen null geht, dann geht der Nutzen gegen unendlich.”

    Eine sehr fragwürdige Definition von Nutzen. Wenn es an Unendlichkeiten geht, sollte man vorsichtig sein, in der Wissenschaft wie in der Wirtschaft.

  16. Wissenschaftliche Autoren

    Es mag viele selbst- und kostenlose Autoren geben, aber da kann man sich auch noch fragen, bei wievielen von denen denn grundsätzlich jemand bereit wäre, etwas für deren Werke zu zahlen. Selbst- und kostenlos zu sein, wenn man gar keine Alternative hat, finde ich erst einmal nicht wirklich bemerkenswert.

    Aber das nur am Rande.

    Bei wissenschaftlichen Publikationen ist es so, dass der Autor, der in einer wissenschaftlichen Publikation ein Paper veroeffentlicht, in der Regel gar nichts dafür bekommt oder nur eine geringe Entschädigung, allenfalls ein Frei-Abo. Meist nicht mal das. Bei vielen Publikationen muss der Autor noch bezahlen, und nicht zu knapp.

    Die kommerziellen Rechte an dem Paper gehen dabei an den Herausgeber über, der verkauft die Druckausgaben seiner Zeitschrift oder die elektronischen Kopien des Artikels an die Leser.

    Natürlich fallen bei den Herausgebern auch Kosten an, für Lektorat, Peer-Review (dabei aber eher geringe) und Distribution. Aber stehen diese Kosten in Relation zu den erhobenen Gebühren?

    Und nochmals die Frage: Ist dieses System wirklich im Sinne einer Maximierung des wissenschaftlichen Ertrags? Ist es überhaupt sinnvoll? Ist es gerecht?

    Ich denke, man sollte da über eine tiefgreifende Reform nachdenken, am Besten auch über eine Gegenbewegung analog zu dem GNU-Prozess bei Software.

    Es gibt da sicher erst noch eine erhebliche Hemmschwelle, weil es vielen Wissenschaftlern weniger wichtig ist, dass ihre Informationen moeglichst viele Menschen erreichen. Vielmehr interessiert solche Leute vorrangig das Prestige und die Impact-Faktoren.

    Aber wenn es da erst einmal eine machtvolle Public-Access-Gegenbewegung gibt, in der wirklich namhafte Papers zugänglich sind und die Anzahl und vor allem die Qualität der Publikationen für sich selbst sprechen, dann werden sich die heutigen Quasi-Monopolisten warm anziehen müssen.

  17. Wissenschaftliche Veroeffentlichungen

    Wenn eine wissenschaftliche Erkenntnis nicht veroeffentlicht wird, aus welchen Gründen auch immer, dann gibt es keine entsprechede Veroeffentlichung.

    Das hat aber dann mit der Copyrightsituation, der Kommerzialisierung des wissenschaftlichen Publikationsbetriebs usw. nichts zu tun.

    Es geht darum, wie Veroeffentlichungen, die gemacht wurden, auch dem Begriff gerecht werden, d.h., wirklich der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Pikanterweise ist es nämlich so, dass gerade die Oeffentlichkeit einen Großteil der Forschung, die publiziert wird, selbst finanziert hat, über steuerfinanzierte oeffentliche Universitäten und Einrichtungen, an denen diese Forschung stattfindet.

    Un nun muss jedes Mitglied der Oeffentlichkeit noch einmal bezahlen, und zwar an ein privates Unternehmen, um über die Ergebnisse dieser Forschung lesen zu dürfen.

    Da läuft was ganz übel aus dem Ruder, und je eher gegengesteuert wird, desto besser für alle, auch für die Wissenschaftler selbst, die nur davon profitieren koennen, wenn der verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnis keine Hindernisse in der Weg gelegt werden.

  18. Keine Antworten aber richtige Fragen

    Das alte Denken in Sachen Urheberrecht führt in der digitalen Ära einfach nicht weiter, und man muss den Piraten zumindest zugute halten, dass sie die Defizite aufzeigen (ohne m.E. schon die perfekten Antworten zu bieten, da sind wir uns ja einig).

    Mal ein ganz aktuelles Beispiel: Dieser herrliche ‘Mash-Up’ aus einem CDU-Plakat und populären Zeichentrickfiguren durch einen (mir) Unbekannten verstößt vermutlich gleich gegen etliche Copyrights und könnte rechtlich schwer geahndet werden – aber wem entsteht hier überhaupt ein Schaden?!

    Ein erster Schritt (von vielen) müsste sein, dass solche Kreativleistungen, die auf den Werken anderer basieren aber selbst unentgeldlich hergezeigt werden, prinzipiell legal werden. Erst wenn der Neu-Künstler damit selber Geld verdienen will (indem er das Bild z.B. auf Kaffeetassen druckt und diese mit Gewinn verkauft), soll er die Vorgänger um Erlaubnis fragen und ggf. beteiligen müssen.

    Die Creative-Commons-Bewegung geht ja schon länger in genau diese Richtung, und Mash-Ups der gezeigten Art (auch und gerade im Videosektor) sind bereits auf dem Weg, eine Art Gewohnheitsrecht zu werden. Auf solche Aspekte zielte das Zitat des Oberpiraten ab, der augenscheinlich tiefer über die Problematik nachgedacht hat als so mancher, der eisern auf Rechtsprinzipien aus dem 20. oder gar 19. Jh. pocht …

  19. Darstellung der Piratenpartei

    Hallo Stefan,

    ich möchte mich meinem Vorredner anschließen und nochmal detaillierter auf das Wahlprogramm der Piratenpartei eingehen, ich glaube da liegt tatsächlich ein Missverständnis vor.

    Die Piratenpartei tritt nicht für die Abschaffung des Urheberrechts ein und es geht auch nicht darum irgendjemand zu verbieten Geld mit seiner Kreativität zu verdienen.

    Vielmehr wird eine Art “Reformierung” des Urheberrechts angestrebt. Ich zitiere aus dem Wahlprogramm (http://www.piratenpartei.de/…e-vervielfaeltigung):

    “Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht. […] Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.”

    Das klingt schon ein wenig “undesktruktiver”, obwohl man sicherlich über diesen Punkt streiten kann.

  20. Sternhagelvoll…

    …kommt mir beim Anblick des Fotos in den Sinn und böte einen (wenn auch eher losen) Anknüpfungspunkt an die Astronomie. Aber auch die Pläne der neuen Koalition für eine Neuverschuldung zeigen, dass alles in den Sternen steht, einschließlich astronomischer Größenordnungen. Ansonsten möchte ich Ihnen vorbehaltlos zustimmen.

  21. u. a. : “arbeit muss sich wieder lohnen”

    “Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.”

    alle mitglieder der fdp (leider nicht nur!) müsste man aus
    dem bundestag “beseitigen” – sprich – “rauspeitschen” (was hat “dazu” seinerzeit Peter Struk gesagt?!), d. h. diese dürfen laut Einstein und unserem GG keine weitere entscheidungen trefen!

    wenn wir dies doch zulassen ist dies mit einem anderem Spruch von einstein zu werten:

    “Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

    Der Unterzeichner fragt: ist dir bekennt, was sich unter art. 20 abs. 1-4 verbürgt?!

    Bleibt gesund!

    vladimir pavlovic
    hannover

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