Der ergraute Himmel

Clear Skies

Inzwischen ist die öffentliche Petition, welche ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung in Deutschland fordert, von mehr als 6500 Menschen gezeichnet worden. Das ist sehr erfreulich, zumal von vielen Seiten aktive Unterstützung kommt, um auf diese Eingabe an unsere Volksvertretung und die Problematik „Lichtverschmutzung“ hinzuweisen. Bis zum 27. Dezember besteht noch Gelegenheit, dieser Petition mit seiner Unterschrift größeres Gewicht zu verleihen, weshalb ich mit diesem Beitrag erneut auf das Thema „Lichtverschmutzung“ eingehen möchte.

Lichtverschmutzung ist ein deutlich sichtbares Symptom des Überflusses und der Energieverschwendung. Mit weitreichenden Folgen für die Fauna, schädlich für Astronomen und ärgerlich für alle Menschen, die das Kulturgut und Naturerlebnis Sternhimmel nicht mehr kennen. Das NASA-Bild der Erde bei Nacht mit all den künstlichen Lichtern zeigt dies besonders eindrucksvoll. Es basiert auf Daten, die schon gut 10 bis 15 Jahre alt sind. Wir können uns die Vergeudung von Energie, die heute sinnlos in den Nachthimmel verpufft, folglich noch prägnanter vorstellen. Die regionalen Unterschiede sind gut zu erkennen und sie belegen einmal mehr das globale Ungleichgewicht zwischen armen und reichen Ländern.

 

Quelle: NASA

In der überraschend großen Zahl der Zeichnenden, die sich für ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung einsetzen, sehe ich einen Hoffnungsstreif am Horizont, der Mut macht. Freilich kann diese Petition erst ein erster Schritt sein, mit dem unsere Volksvertreter in Berlin auf die Problematik allnächtlicher Energieverschwendung aufmerksam gemacht werden sollen. Was sich aus dieser Petition dann ergibt, werden wir sehen. Auch wenn ich John B. Priestleys Aphorismus im Kopf habe, nach dem ein Optimist ein in der Regel ungenügend informierter Zeitgenosse sei, so möchte ich dieses Thema nicht mit Pessimismus oder Fatalismus betrachten.

Es ist ja zur Zeit schick, für die „Umwelt“ oder das „Klima“ Flagge zu zeigen. Meist geschieht dies mit dem Ziel der kollektiven Gewissensberuhigung, die einher geht mit der Verschleierung von Tatsachen (Beispiel: Automobilindustrie). Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürte gestern das Wort „Klimakatastrophe“ zum Wort des Jahres 2007. Wir haben hier ein weiteres Wort, das wie der Begriff „Lichtverschmutzung“ irreführend ist. „Lichtverschmutzung“ ist auf eine allzu wörtliche Übersetzung des englischen Begriffs „light pollution“ zurück zu führen. Und „Klimakatastrophe“ ist eine zeitgemäße und sinnentleerte Bezeichnung, die auf Medienwirksamkeit ausgerichtet ist. Zu viele „Katastrophen“, über die berichtet und öffentlich diskutiert wird, lassen das Gespür für die tatsächlichen Entwicklungen und drohenden Gefahren abstumpfen.

Es ist schon viel erreicht, wenn die Problematik der „Lichtverschmutzung“ als solche erkannt wird. In den letzten Jahren hatte ich oft den Eindruck, belächelt zu werden, wenn ich dieses Thema ansprach. Wenn nun mehr Menschen erkennen, dass es sich nicht um das Aufregen weniger Hobbysterngucker handelt, sondern um eine Möglichkeit, durch eigene Schritte Energie einzusparen und somit CO2-Emissionen zu senken, dann ist viel erreicht. Jeder einzelne Mosaikstein ist wichtig.

Dark Skies! Stefan Oldenburg

Infos zum Thema:
Website der Fachgruppe „Dark Sky“ der „Vereinigung der Sternfreunde“ (VdS), seit ein paar Tagen in neuem Gewand!
– Eine sehr informative Website zum Thema „Lichtverschmutzung“ ist die der Niederländischen Platform Lichthinder, die wie die Fachgruppe „Dark Sky“ der VdS bei der „International Dark Sky Association“ (IDS) organisiert ist.
„Wenn die Nacht zum Tag wird“, Artikel in astronomie heute, Juli/August 2007.

Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

2 Kommentare

  1. Lichtverschmutzung und Grundrechte

    Unsere Volksvertretung wird sich in Zukunft sicher auch fragen lassen müssen, inwieweit durch fehlende Gesetze gegen unangepaßte Beleuchtung und fahrlässige bzw. vorsätzliche Verschmutzung des Nachthimmels durch Reklame und Skybeamer die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbrieften Rechte auf Informationsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft beeinträchtigt sind.

    In ähnlicher Weise tritt diese Frage auch für die Funkwellen auf: Störungen des Rundfunkempfangs durch Breitbandsignale (Powerline, Abstrahlung von Kabelfernsehen) und mangelnder Schutz der Frequenzbereiche der Radioastronomie.

  2. Pingback:Help Measure Light Pollution › Himmelslichter › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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