Astro-Rätsel 2

BLOG: Clear Skies

Astronomie mit eigenen Augen
Clear Skies

Wir reisen heute zu einem Himmelsobjekt, dessen Oberfläche ungewöhnlich eben ist: Auf die Größe eines Fußballs verkleinert, kann es unser Objekt locker mit dem Hauptspiegel eines kleinen Amateur-Dobsons aufnehmen, der nicht viel glatter ist als die Oberfläche dieses "Balls". Die Oberfläche ist geologisch sehr jung: Maximal 30 Millionen Jahre. Das ist wirksames galaktisches Facelifting in Reinform! 😉

Der mittlere Durchmesser des gesuchten Himmelsobjekts ist um etwa 10,2 % geringer als jener des fünftgrößten Mondes des Sonnensystems.

Unser Objekt kann von jener eigenartigen Spezies, die vom Astrovirus befallen ist, bereits mit einem ursprünglich als "Prismen-Doppelfernrohr" bezeichneten optischen Gerät beobachtet werden. Nicht zuletzt liegt das an der Albedo von 0,64.

Das Objekt zieht seine Bahn in gebundener Rotation um ein anderes, wesentlich größeres Objekt, weshalb sich beide stets dieselbe Seite zuwenden.

Wir landen mit einer speziellen Sonde auf der Oberfläche des Objekts, auf der es reichlich ungemütlich ist, und das nur den Hauch einer Atmosphäre besitzt, die allerdings u.a. Sauerstoff enthält. Aber wir sitzen in einer technisch ausgereiften Raumsonde der allerneuesten Bauart, weshalb uns die Temperaturen um maximal -150 °C nichts ausmachen. Kaum sanft auf der Oberfläche des Objekts gelandet, beginnt jener Teil der Expedition, welcher noch spannender ist: Wir steigen nach kurzer Ruhepause aus dem Mutterschiff über in eine kleinere Sonde, die abgekoppelt werden kann – und über eine Oberfläche verfügt, die nicht nur großem Druck standhalten kann, sondern beheizbar ist. Ach ja, eine der grundlegenden Bedingungen für die Expeditionsteilnehmer: Sie dürfen nicht an Klaustrophobie leiden. 😉  Aber die Neugierde siegt und Pioniere sind generell hart im Nehmen, weshalb wir die Expeditionssonde ohne Murren besteigen. Allein durch das Beheizen der Oberfläche (die Energiequelle ist nicht handelsüblich) steigen wir ab durch die erste Schicht unseres geheimnisvollen Objekts, dessen von Silikatgestein umgebener Kern vermutlich metallisch ist, was uns eine weitere Möglichkeit der Orientierung gewährt: Es hat nämlich ein schwaches Magnetfeld, das als Reaktion auf die Rotation des starken Magnetfeldes jenes großen Objektes, um das unser gesuchtes Objekt kreist, induziert wird.

Wir steigen ab durch das Material, welches hier in seinem festen Aggregatzustand vorliegt, weiter und weiter, einige Kilometer weit, als unsere Bordcomputer anzeigen: Das Ziel unserer Reise ist bald erreicht. In der absoluten Finsternis landen wir in Salzwasser. Aber was ist das? Da leuchten doch tatsächlich helle Lichter durch das düstere Meer! Wir erkennen die Umrisse amöbenähnlicher Wesen, die Form und Farbe ständig ändern und uns neugierig anleuchten. Sie scheinen relativ groß und weit entwickelt zu sein, wie ihre Reaktionen zeigen. Ob sie intelligent sind? Oder es sogar mit der einzigartigen Intelligenz des derzeitigen deutschen Außenministers aufnehmen können? Folgemissionen werden es zeigen. Wir machen ein paar Aufnahmen, das Ziel unserer Mission ist erreicht, und wir steigen langsam wieder auf durch die oberste Schicht unseres Objekts. Im Mutterschiff werden wir – und unsere Berichte zur Entdeckung schlechthin – sehnlichst erwartet und es gibt erst mal ein leckeres Festessen, ehe wir abheben und gemütlich in Richtung Heimatplanet zurück reisen.

Wie heißt das ge- bzw. besuchte Objekt?

Clear Mind. Stefan Oldenburg

P.S.: Die in den Kommentaren zum ersten Astro-Rätsel geäußerten Ideen von Andreas und Lars gefallen mir: Vielleicht mögen ja KosmoLogger bei ihren Lösungsvorschlägen in Rätseln schreiben?

Stefan Oldenburg

Astronomische Themen begeistern mich seit meiner Kindheit und ich freue mich, Zeuge des goldenen Zeitalters der Astronomie zu sein. Spannende Entdeckungen gibt es im Staccatotakt, aber erst im Erkunden unserer kosmischen Nachbarschaft mit den eigenen Augen liegt für mich die wirkliche Faszination dieser Wissenschaft. "Clear Skies" lautet der Gruß unter Amateurastronomen, verbunden mit dem Wunsch nach guten Beobachtungsbedingungen. Deshalb heißt dieser seit November 2007 bestehende Blog "Clear Skies".

23 Kommentare

  1. Verschlüsselte Antwort

    Deine Rätsel machen süchtig! Um nicht anderen den Ratespaß zu verderben, bzw. sie mit einer vielleicht falschen Antwort zu beeinflussen, trage ich meinen Loesungsvorschlag als Anagramm ein:

    “EDORM JUURE PAPOTIN”.

    Damit besfinde ich mich in bester Gesellschaft. Auch Huygens hat das so gemacht, der allerdings auf lateinisch. Meins sieht eher aus wie ein Elbischer Dialekt aus Mittelerde.

  2. @ Michael Khan

    🙂 Da wurde der Vorschlag, in Rätseln zu antworten, aber ernst genommen. 🙂

    Deine Antwort ist richtig, Michael.

    Ich warte mit der Auflösung nochmal, bis ein anderer sie vielleicht in Klartext kundtut.

  3. in Rätseln reden

    Teekesselchen:

    Mein erstes ist ein Zahlungsmittel, mein zweites der verächtliche Ausruf des Spekulanten angesichts dessen fallenden Kurses.

  4. @Lars

    Ah, der Herr mit dem Würzkraut auf’m Kopp. Der mit der Ziffer.

    Jetzt hab’ ich’s.

    Ganz.

    Ganz? Nein, nicht ganz.

    Die Ziffer fehlt noch. Ich dachte, es sei die 5, aber dann haut das mit dem dritten Buchstaben nicht hin.

  5. …und noch ne andere Lösung

    …wilde Zottelmähnen, 80er, und sie sangen über das “finale runterzählen”…

  6. Anders verschlüsselt

    Es ist das Objekt, den der Kontinent, nach dem das Objekt benannt ist, in einer geplanten Forschungsmission verschmäht – bzw. sich nicht zutraut – sodass sich stattdessen ein anderer Kontinent erbarmte und sich des Objekts annehmen will, allerdings, anders als weiland der Vorstandsvorsitzende von Pantheon Inc., aus respektvoller Entfernung, die erst im Tode zur Vereinigung führt.

    Puh.

    @Mark Korn: Hey, guter Vorschlag! Die ssswedichen Fönfrisuren hatte ich schon vergessen – oder besser verdrängt. Allerdings unterscheiden die sich vom gesuchten Objekt doch noch in einem Buchstaben, selbst im englischen Sprachgebrauch.

    @Stefan: Hä?

  7. Die Auflösung – unverschlüsselt

    Astro-Rätsel 2: Alle genannten Lösungen sind korrekt: Gesucht war der Jupitermond Europa.

    Europa ist mit einem mittleren Durchmesser von 3122 Kilometern der sechstgrößte Mond im Sonnensystem (der mit einem mittleren Durchmesser von 3475 Kilometern fünftgrößte ist der Erdtrabant :-). Von den vier durch Galileo Galilei im Jahre 1610 entdeckten großen Jupitermonden Io, Europa, Ganymed und Kallisto ist Europa der kleinste. Würde Europa anstelle des Erdmondes um die Erde kreisen, so würden wir bei einer Bedeckung der Sonne maximal in den Genuss einer ringförmigen Sonnenfinsternis kommen. Aber das nur am Rande… 😉

    Was Europa so spannend erscheinen lässt, ist sein innerer Aufbau: Sein Kern besteht vermutlich aus Eisen oder Nickel, und wie bei jenen Planeten, die unserer Erde ähneln, folgt dem Kern eine mächtige Gesteinsschicht aus Silikatgestein. Daten der Raumsonde Galileo lassen durch das schwache Magnetfeld Europas und dessen Variationen in der Magnetosphäre Jupiters auf einen Ozean aus Salzwasser schließen, der sich unter einer etwa 10 Kilometer dicken Eisschicht befinden könnte, mit einer Tiefe von bis zu 100 Kilometern.

    Spätestens seit wir um hydrothermale Quellen in der Tiefsee der Erde wissen, und Lebensformen, die dort fernab von Sonnenlicht froh und glücklich sind, darf spekuliert werden, ob Europa eventuell ein Kandidat für extraterrestrisches Leben ist. Das macht ihn spannend für genauere Erkundungen.

    Auch eigene Beobachtungen der vier großen Jupitermonde sind spannend. Um mit eigenen Augen sehen zu können, wie die galileischen Monde im Laufe einer Nacht ihre Bahnen um den Gasplaneten Jupiter ziehen, genügt ein Fernglas. Genaueres erspäht man mit einem Teleskop: Beispielsweise, wie ein Mond langsam hinter Jupiter verschwindet oder wieder auftaucht. Auch Bedeckungen der Jupitermonde untereinander können beobachtet werden; sie sind gar nicht so selten, wie zu vermuten wäre. (Eine gute Quelle auf Hinweise dieses Himmelsschauspiels ist das astronomische Jahrbuch von Hans Roth: Der Sternenhimmel, Kosmos-Verlag) In seinem Blog-Post “Tanz der Jupitermonde” beschreibt Jan Hattenbach eigene Beobachtungen einer Bedeckung Europas durch Io, den innersten Jupitermond, der im Schwerefeld des Riesenplaneten derart durchgewalkt wird, dass auf ihm der heftigste bekannte Vulkanismus des Sonnensystems tobt.

    Mit der von NASA und ESA gemeinsam geplanten Mission Europa Jupiter System Mission (EJSM), kurz Laplace, soll auch Europa näher ins Visier genommen werden. Eine Kryobot-Sonde, die sich durch den Eispanzer Europas hindurchschmelzen könnte, um den ewig dunklen Ozean zu erkunden, ist meines Wissens noch Zukunftsmusik, zumal die Technik noch reichlich nach Science-Fiction klingt.

Schreibe einen Kommentar