Sport und Hirn

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auf der Frequenz von Geist und Gehirn
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Braincast 94

Von wegen Mord, das Gegenteil ist der Fall. Aber diese Episode verteilt nicht nur die üblichen Tritte in den mentalen Hintern, sie berichtet auch von den Freuden der Zweibeinigkeit, quasi-magischen Wahrnehmungsleistungen und Neuronengesundheit.

Ernsthaftes zuerst: ein Interview mit David Chalmers, einem der führenden Köpfe zur Philosophie des Bewusstseins. Wenn Sie das durchhaben, haben Sie sich George Carlin über Religion wahrlich verdient, einen offensichtlich ziemlich klugen amerikanischen Comedian, der sich gegen Fernsehprediger wehrt (via DSC). Grandios gerappt sein Modern Man und auch die anderen Einträge sahen verheissungsvoll aus – viel Vergnügen!

Sport – das muss schon etwas schnelleres sein. Wir wärmen uns also auf mit Ixi und Don´t hurt Silver, schalten einen Gang runter mit Young von D-Alternative, für die regelmässige Motorik die Drum Attack von Beats – zwei Titel hab ich von denen, beide Klasse! – und erschöpfen uns mit Guardian Mind Mix und Synth Music Sports Related. In einer Wiederholung enden wir mit Ben Parsons und Teach me.

 


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Arvid Leyh

Veröffentlicht von

www.nurindeinemkopf.de

Nach diversen Artikeln und zwei Büchern zwischen Geist und Gehirn hier der Podcast. Wichtigster Punkt: die Übersetzung der aktuellen Erkenntnisse in verständliche Sprache, praktischen Alltag und guten Humor.

9 Kommentare

  1. Sport und Hirn

    Dass ein gesunder Körper dem Hirn wohltut, steht ja ausser Frage. Dennoch … mir will dieses Zitat, dessen Quelle ich leider nicht angeben kann, nicht aus dem Kopf:

    “Der Körper ist Dein Feind!”

    Und eine gewisse Feindschaft zwischen dem Körper und dem Geist, dem er anhängt, muss eigentlich schon sein. Man muss es ja nicht so weit treiben wie die Styliten, die sich zwecks Abtötung des Fleisches für den Rest ihres Lebens auf Säulen begaben und sich die Maden, welche Ihnen vom Leib fielen, wieder ansetzten. Auch die gesunde Schmutzigkeit, die der Asket pflegen sollte, muss nicht soweit gehen, dass man Läuse – wie man es tat – als “Gottesperlen” bezeichnet. Nein, so weit muss man nicht gehen.

    Aber ein gewisses Misstrauen scheint mir schon angebracht. Die Verfeindung mit dem eigenen Leib ist doch nur der – sozusagen in die Person hineingetragene – Konflikt des Bewusstseins mit der Welt insgesamt. Wenn das, was ist, mit dem, was sein soll, identisch wäre, dann gäb’s ja gar kein Problem. Es ist aber eben nicht so. Da ist immer das Andere, das Fremde, das Äussere, das Furchteinflössende. Und der Leib, mein Leib, ist eben dieses Andere, das mir so dicht, wie es nur geht, auf die Pelle rückt. Dennoch bin ich nicht er, ebensowenig wie ich mein Gehirn bin. Denn wäre ich’s, wären wir identisch: Wie könnte ich uns unterscheiden? (Das ist, glaub’ ich, Leibnitzens Satz von der “identitas indiscernibilium”) Also sind wir zwei, zwischen denen eine gewisse Reserviertheit nicht schaden kann. Mit anderen Worten: das Leib/Seele Problem wird durch die Behauptung der Identität der beiden nicht gelöst.

    Vielleicht aber durch Sport. Wenn im “Runner’s high” die Differenz verschwindet, Leib und Seele eines werden, soll’s mir recht sein. Ich für meinen Teil bevorzuge wohltuenden Schlaf, der mir in meinen wachen Phasen – auf ihn rückblickend oder mich zu ihm hinsehend – das Glück zu schenken scheint, jede Vorstellung von Leiblichkeit und Geistigkeit zu verlieren.

  2. Sport und Hirn

    Mit dem Sport mag es jeder halten, wie er will — dazu bedarf es keiner philosophisch-lebenskundlicher noch neurologischer Begründungen. Doch profitiert der Geist (oder seine bescheidenen Manifestationen in einzelnen Gehirnen) schon insofern von der körperlicher Betätigung: Sie erinnert ihn (der an chronischer Selbstüberschätzung leidet) an die Widerständigkeit der Welt, die es jeden Tag aufs Neue zu überwinden gilt. Und an das Glück, das in dieser Überwindung liegt.

  3. @ Wicht

    Der Körper soll ein Feind sein? Nun, wenn ich mir so manche Leute anschaue, die wohl Gefallen daran haben, sich überall zu piercen oder dergleichen und somit für meinen Geschmack ihre Lust an der Selbstzerstörung zum Ausdruck bringen, dann ist das für mich nachzuvollziehen. Daß sie es ähnlich sehen, hätte ich nicht gedacht. Diese Aussage ist für mich auch unverständlich.

    Ich bin Körper, ich bin Geist und ich bin Seele. Wie soll ich das denn voneinander trennen und wieso sollte ich es tun? Mein Körper war noch nie mein Feind. Vielleicht bin ich mal nicht mit ihm so zufrieden, wenn ich krank bin, aber genauso unzufrieden bin ich mit mir, wenn ich mich fehlverhalte. Das ist aber nicht von Dauer.

    Die Betrachtungsweise, daß ich auf Erden mit einem Feind umherwandle, ist ganz schön abgehoben.

  4. @ Isegrim

    “..ganz schön abgehoben.”

    Warum? Der Gedanke hat zumindest in der westlichen Welt eine lange Tradition: Askese, Abtötung des Fleisches, “vivitur ingenio, caetera mortis erunt” (gelebt wird im Geiste, der Rest ist des Todes…) — ich will ja nicht sagen, dass es wahr oder richtig oder gut ist: aber es ist doch einfach eine Erfahrungstatsache, dass das “Ich” (was immer es sei) sich seinen Ort lieber im Mentalen als im Körperlichen sucht. Wohl in der Hoffnung, dort einen Ewigkeitszipfel zu erhaschen.

  5. Ewigkeitszipfel

    Ich persönlich sehe mich nicht nur im Mentalen, ich bin auch Körper. Aber ich stehe auch auf dem Boden eines sehr biblischen Denkens. Da wird Geist, Seele und Leib nicht getrennt, es hängt alles zusammen und ist voneinander abhängig. Das Verständnis für Psychosomatische Krankenheiten bereiten ja auch nur den Leuten Probleme, die alles zerteilen wollen. Ich finde den Körper auch nicht niedrig. Wie will ich Sinnlichkeit ohne Körper erleben? Das geht irgendwie schlecht. Was kann einem der Körper nur für Freude schenken. Ist gelebte Freude nicht auch ein Stück Ewigkeit? Da scheint die Zeit doch außer Kraft gesetzt.

    Natürlich hat der Körper auch Bedürfnisse, Verlangen. Aber ich kann diese Automatismen kontrollieren. Und unstillbares Verlangen (-> Sucht) ist eigentlich auch keine körperliche Angelegenheit, die Ursache steckt dann doch woanders.
    Der Körper wird auch krank sowie alt und erinnert uns immer wieder daran, mein Leben wird zu Ende gehen. Ich muß mich damit auseinandersetzen. Der Mensch ist nämlich befähigt dazu über so etwas nachzudenken.

    Und wo wir beim Thema Ewigkeit sind. Das Christentum behauptet, es gäbe eine Auferstehung und die auferstandenen Toten werden einen Körper haben. Zwar nicht so einen wie wir ihn kennen, aber es soll mehr sein als nur ein Geist.

    Aus diesen Gründen kann ich nur sagen, der Körper ist mein “Freund”. Der Geist kann einem im (am) Leben genauso hinderlich sein.

    PS: Vielen Dank für die Übersetzung des Lateins. Ich kann keine alten Sprachen.

  6. Aha …

    Jetzt ist auch bei mir angekommen, dass hier schon fleissig diskutiert wird, während ich in der Hängematte liege. Hoffentlich finde ich noch die Benachrichtigungsfunktion …

    Nun war dies ja nicht der Dualismus- und auch nicht der Körper-Braincast. Trotzdem scheine ich laut genug die Einheit gepredigt zu haben, die ich schlussendlich auch gern leben möchte. Im eigenen Körper ankommen ist spätestens dann hilfreich, wenn sich der Geist wieder in der Gegend und bei allen möglichen Problemen rumtreibt.

    Das “Oder” sehe ich also so nicht, auch nicht bei Herrn Wicht: Der Konflikt mit der Welt auf dieser Ebene muss ja keiner bleiben, auch wenn er fraglos einer ist. Jeden Morgen, wenn der Wecker klingelt. Aber mit jeder Bewegung – je östlicher, um so besser – verbessert sich das Verhältnis, der Geist wird einfühlsamer, der Körper kooperativer, das Leben an dieser Stelle ruhiger. Langweilig wird´s trotzdem nicht, denn die Welt serviert dann eben andere … Herausforderungen.

    Im Körper-Braincast kommen dann an dieser Stelle noch Damasios Marker und Servant-Schreiber mit dem augeglicheneren limbischen System. Was sich doch hoffentlich anatomisch auch bestätigt, oder?

  7. Sport und Hirn

    Lieber Herr Leyh,
    Der Sporttext und Interview über Intuition passten nicht so richtig zusammen. Artikel über Sport und Hirn fand ich ganz gut recherchiert und dargestellt, die Hintergrundmusik teils etwas zu laut und zu gefällig oder banal. Schön wäre es, vorab zu wissen, wie lang die einzenen Artikel sind.
    Viele Grüße
    Marc Edel

  8. Sport und Hirn

    Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft, sagte schon Emil Zatopek und er hat recht. Evolutionär ist der Mensch das Lauftier schlechthin. Aber er lief nicht nur 20 – 25 Kilometer am Tage, er bewegte sich im täglichen Überlebenskampf auch sonst recht oft. Sei es um Wurzeln auszugraben, Beeren zu sammeln, auf Bäume zu klettern, Feuerholz zu sammeln oder die Jagdbeute zu fangen oder zu erlegen und diese danach zu zerteilen und zuzubereiten. Das Ziel des Urmenschen war seine Grundbedürfnisse in der oben beschriebenen Weise zu befriedigen. Eine Stunde Tempodauerlauf an der anaeroben Schwelle war das nicht. Eher moderates durch die Gegend streifen und vielseitige Bewegung bei allen möglichen Arbeiten. Mit der genetischen Grundausstattung werden wir geboren und die körperlichen Eigenschaften besitzen wir bis sie in der Regel mangels Gebrauch mehr und mehr schwinden. Auch war der Urmensch sehr achtsam mit seinem Körper. Jede kleine Verletzung, jede Wunde die sich infizierte, jeder Knochenbruch auch schon jeder Bänderriss konnte zum Tode führen.
    Als Kind war ich der Unsportlichste in der ganzen Schule. Jetzt laufe ich Ende April meinen 9. Marathon in Hamburg. Ich habe schon Radmarathons und Triatholnwettkämpfe bestritten und mit meiner Hände Arbeit mehrere Häuser gebaut. Ich säge das Brennholz mit der Handsäge und spalte es mit er Axt. Ich kann 50 Liegestütze und 15 Klimmzüge machen. Ein Fitnessstudio besuche ich nicht. Mein Ziel ist ganz klar: Gesund alt werden und Leistungsfähig bleiben. Es ist nicht so wichtig wie alt wir werden, aber ganz wichtig wie wir alt werden. Ich treibe Breitensport, halte das Risiko gering, die Freude hoch und bin bei allen meinen Aktivitäten, mit sehr vielen tollen Menschen zusammen. Ich lebe in und mit der Natur. Und ich bin sehr glücklich und es geht mir blendend. Meinen Freunden geht es ähnlich, obwohl manche schon dem Rentenalter nahe sind.
    Wenn sie sich entschlossen haben Sport zu treiben dann überlegen Sie sich gut wieso Sie das tun, was Sie tun, und mit welchem Aufwand Sie welchen Erfolge erzielen wollen. Laufen macht den Kopf frei. Sport regt das denken an. Martathonlauf lässt ein unglaubliches Körpergefühl entwickeln. Jede falsche Nahrungsaufnahme oder jede kleine Riebstelle bei Kilometer zehn, die nicht beachtet wird, wird während eines Langstreckenereignises zum ernsten Problem. Wenn Sie Jahrgangsmeister im 10 Km Lauf werden wollen ist das etwas ganz anderes als wenn Sie Sport treiben um gesund alt zu werden. Sie werden je nach dem wie Sie ihre Ziele meist unbewusst gesetzt haben ganz anders an die Sache herangehen.
    Sie haben die Möglichkeit sich all diese hier kurz angesprochenen Aspekte bewusst zu überlegen. Und wenn Sie Sport treiben, dann machen Sie es bitte Zielbewusst und vor allem auch richtig.
    Wer vertiefen will kann hier nachlesen:
    http://www.dpast.de/koerper.htm
    Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper.
    Dieter Past

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