Borderline

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Borderline war die Grenze zwischen Psychose und Neurose. Sie ist vielleicht die Erbin der Hysterie, aber vermutlich Folge eines kindlichen Traumas. In jedem Fall aber eine gemeine psychische Störung.

 
MP3 File Dauer: 23:19

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SHOWNOTES

Grenzwertiges, natürlich, dazu ziemlich hüh und hott: The Cloudy Borderline von Trestles. Im Kontrast dazu Cross The Border mit Winter Sun. Im Kontrast dazu Pass the Border von KentuckyFlow. Im Gegensatz dazu Border Blaster – instrumental von Josh Woodward und zum Schluss At the Border of my Town von Luigi Saracino.

Veröffentlicht von

www.nurindeinemkopf.de

Nach diversen Artikeln und zwei Büchern zwischen Geist und Gehirn hier der Podcast. Wichtigster Punkt: die Übersetzung der aktuellen Erkenntnisse in verständliche Sprache, praktischen Alltag und guten Humor.

9 Kommentare

  1. Ein wahrer Satz

    und die Feststellung ist treffend. Nur leider produziert die Gesellschaft ihre Borderliner fleissig selbst und das Ganze generationenübergreifend.

  2. leider Holzweg…

    Ihre Aussagen hören sich natürlich “übel” an und sind mitleiderregend, bedauerlich. Ein Elternführerschein hilft aber kaum – wenn Eltern grundsätzlich nicht in der Lage seien, diese mentale Verbindung zu ihren Kindern aufzubauen.

    Ich habe mich übrigens gut in den Erklärungen wiedererkannt – bin also ein Borderliner. Aber ich habe ebenso auch andere psychische Störungen (laut den Ärzten)! Ob da ein Diagnoseproblem vorhanden ist? …

    Nach meinen Erfahrungen ist es ziemlich sonderbar und nmit nichts zu halten, was es derzeit an Diagnoseschlüssel für psychische Krankheiten gitb. Eine Ansammlung von wilden aneinanderreihungen von “abnormen Verhaltensweisen und Tics”, an denen sich dritte stoßen… Und die jeweiligen Differentialdiagnosen überschneiden sich regelmässig (zu häufig, als dass es sich um eine gute Beschreibung und Abgrenzung “einer” Krankheit handeln würde).

    Ich kann mit gutem Recht und Grund sagen, dass ich nicht an meinen Störungen leide, sondern an dem Verhalten dritter aufgrund ihrer Sicht auf die (abnormen) Störungen. Das kann so niemand erfolgreich widerlegen. Der “Leidensdruck” entsteht ausschliesslich aus der Wechselwirkung mit anderen. (drüber nachdenken!)

    Seit dem inzwischen (mit einhergehenden Kopfschmerzen) meine rechte Kopfhälfte annähernd taub ist, habe ich fast keine extremen Symptome mehr. Heisst: Die Intensität dieser vermeintlchen Störung ist ihr genommen. Die Grundfunktionen sind jedoch alle noch vorhanden. Was man mir also in der Vergangenheit angetan hat, reichte zu weiter nichts, als meinem Umfeld das Leben leichter zu machen … und mir mein eigenes mentales Erleben zu zerstören. Ganz zu schweigen davon, was das auf der Vertrauensebene bedeutete. Ich habe keine gute Meinung über diese welt und ihre Strategien und Prämissen. Meine Problemstellung war zu Beginn der Eskalation die Tatsache, dass ich vergiftet wurde. Das aber hat auch niemanden interessiert und es wurde umgehend ein Wahn diagnostiziert. Therapiert wurde also sichtbar nur die sichtbaren Auswirkungen meiner Stresssituation, damit die in der Gemeinschaft nicht zu Konflikten führen. Ich wurde also vorsätzlich in meinem Leben und Erleben “behindert” und eine gescheite Diagnose ebenso ignoriert und umgangen.
    Als zwei Jahre später permanente Kopfschmerzen auftraten, wurden MRT und EEG durchgeführt, wobei beim EEG plötzlich jene permanenten kopfschmerzen eine noch nie erfahrene intensität und Stärke erreichten (für kurze Zeit) und ich mir die Elektroden vom Kopf riss. Kurz darauf bekam ich sonderbare Empfindungen in der rechten Kopfhälfte, als ob mir etwas die ganzen Nervenbahnen hinunterläuft bis in das Stammhirn. Seit dem bin ich nun auch mental, physisch und eben auch sexuell inpotent .. .also unfähig zur Empfindung und Gefühlen – und schliesslich daraus auch unfähig zur Erektion und überhaupt sexuellen Erregung.

    In meinen Augen also Versagen der so tollen Mediziner (und der Gesellschaft) auf ganzer Linie… bisher.

    Im Kern sind die meisten psychischen Störungen auf eine einzige Grundfunktion mit relevanten Abweichungen zurück zu führen. Was mir nach Jahren der Suche nach struktur und System in den Störungen an Erkenntnissen aufgefallen ist, wollte sich jedoch noch nie jemand anhören – es gibt ja genug Diagnoseschlüssel, was brauchen die also eine Erklärung aus Sicht eines Betroffenen…!?

    Ich sag es nochmal: Es geht im Grunde überhaupt nicht um das Individuum und seinem Leidensdruck, sondern ausschliesslich um deren Wirkung und Einfluß auf andere und in Gesellschaft. Was sie also Anfangs erklären, ist für mich absoluter nonsens, auch, wenn man als Aussenstehender dies so sehen möchte – der Eindruck täuscht.

  3. Hintergrundmusik

    Hm. Ganz ehrlich? Es fiel mir schwer, mich auf den Text zu konzentrieren. Könnte man evtl. bitte die Hintergrundmusik weglassen?

  4. Etwas vorsichtiger?

    Ich kann Ute nur zustimmen. Zudem fand ich die Musik teilweise zu dramatisch. Das Thema steht doch für sich und ist an sich schon emotional genug – jede zusätzliche Unterstreichung wirkt da meiner Ansicht nach kitschig.
    Teilweise kränkend finde ich auch Deine Aussprache mancher Wörter sowie einige Formulierungen: “eine Krankheit, die man lieber nicht hat” – seit wann sucht man sich seine Krankheiten denn aus? Außerdem sollte man leidvolle Ausdrücke meiner Ansicht nach nicht extra betonen. Ich denke, dass es wichtig ist, bei solchen Themen diejenigen im Blick zu haben, die direkt mit dem Thema konfrontiert sind. Hierzu habe ich kürzlich eine interessante Internetseite gefunden, deren Macher für eine angemessene Ausdrucksweise in Medien plädieren.

  5. Musik..zu laut?

    Also bitteschön, … die Musik ist wie (fast) immer geil. Und noch nicht mal wirklich laut unter die Sprache gelegt. Ein Schmankel bei Braincast. (Nur ganz am Anfang scheint sich die Musik etwas zu sehr in den Vordergrund zu drängen – shit hapends!?).

    Das man sich dabei schon mal abgelenkt empfinden kann, ist verständlich. Aber zum Glück ist es ja ein Podcast, den man nach Belieben vor und zurückspulen kann… und eben noch mal anhört. Das macht sowieso bei auch noch so großer Konzentration sinn.

    Es ist natürlich nicht so, dass man sich die Krankheit aussucht. Aber man kann sie trotz Diagnose natürlich ablehnen. Damit meine ich, dass man sich mental und kognitiv gegen jede pathologisierung seines Seins/Lebens (und Leidens…) in Opposition begibt. Man erkennt die Situationen, welche einem Auferlegt wird und an welcher man leidet (das sind zwei unterschiedliche) einfach nicht als reine Wahrheit und Realität an. Man hat in seinem Leben so oder so Einschränkungen. Der Vorteil der Opposition ist aber, dass man dadurch etwas der Stigmatisierung entkommt, sich also nicht so fühlen muß, als ob man unwiderruflich krank ist. Grundsätzlich ist man sowieso nur “anders”. Die pathologisierung ist eine qualitative Einordnung, die dritte erstellten. Was dem eigenen Leben aber angeht, bestimmten im Idealfall nicht dritte, sondern einer selbst. Soviel Souveränität muß schon sein. Ansonsten ist man in jeder winzigen Einzelheit von anderen abhängig, was das Leben erheblich trüben wird.

    In diesem Sinne sucht man sich das “kranksein” natürlich doch aus, aber nicht die Krankheit. Das ist ein Unterschied. Aber man muß nicht Krank sein, um anders sein zu können/dürfen. Krankheit ist Demütigung – und man muß sich hier selbst fragen, wie weit man gedemütigt werden möchte.

    Ansonsten stimme ich mit Andreas überein, was sich hinter psychischen Störungen verbirgt. Bei den Diagnoseschlüsseln ist vieles nur ein Luftschloß und tolle Vision, die sich mit den individuellen Problemstellungen der Betroffenen nicht vereinbahren lässt.

  6. Borderline – Zeitgeist

    Die Persönlichkeitsstörung des bewußtseinsbetäubten “Individualbewußtseins” im nun “freiheitlichen” Wettbewerb um …, beginnt in dieser Welt- und “Werteordnung” mit der Erziehung zur systemrationalen Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche – egal wie hoch diese gutbürgerliche Bildung der jeweiligen Intelligenz dann zielt, OHNE eine gegensätzlich entsprechend ausgleichende Bewußtseinsbildung, auf ein wirklich-wahrhaftig vernünftiges Maß, ist der Absturz eines Fachidioten genauso tief wie der eines normalen Lohnsklaven.

    Geistig-heilendes Selbst- und Massenbewußtsein, was dann wirklich-wahrhaftig auch Persönlichkeiten möglich macht, ist absolut gestaltbar, allerdings muß zuerst das entmenschlichende System der wettbewerbsorientierten Hierarchie von und materialistischer “Absicherung” beendet werden, denn die “psychischen Störungen” sind doch nur Störungen des Systems.

    “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” Marie von Ebner-Eschenbach

  7. Ich habe bei manchen Kommentaren den Eindruck das die Diagnose “Borderline” heutzutage mit der Giesskanne verteilt wird. Wenn jemand meint er hätte (eine womöglich selbst diagnostizierte) Borderline-Störung und fühle sich gut dabei, man sei nur von der Gesellschaft unverstanden und ausgestoßen, der hat nicht verstanden was Borderline ist.

    Ich (Asperger) war lange Zeit mit einer (echten) Borderlinerin zusammen. Übrigens eine “interessante” Kombination. Sie selbst litt sehr darunter, Ursache war ein jahrelanger sexueller Mißbrauch durch den Stiefvater. Die hatte eine PTBS, d.h. immer wieder Flashbacks, ständige Alpträume, Panikattacken. Ihr Verhalten war ein Musterbeipiel für Borderline, die Wahrnehmung der Realität war stark verzerrt, wer es gut mit ihr meinte konnte schnell als Feind wahrgenommen werden. Die immer wiederholte Androhung eines erweiterten Suizids war fast schon alltägliches Ritual. Mir selbst kam es oft vor als wäre ich gefangen in einer Welt des ganz alltäglichen Wahnsinns, irgendwo auf halben Weg zwischen Lovecraft und Kafka!

    Auf die Dauer konnte es nicht funktionieren. Keine Ahnung was aus ihr geworden ist.

  8. @ T. Werner kein Betreff
    10.10.2012, 13:48

    Das psychische Krankheiten (neuerdings) häufiger diagnostiziert werden, ist zwar kein Geheimnis, aber wer redet schon wirklich darüber?
    Was die meisten nicht beachten ist, dass die vielen möglichen Symptome sich nicht immer nur unübersehbar aufdrängen müssen, sondern auch unter der Persönlichkeit dahinschlummern tun. Viele kämpfen täglich gegen etwas und wissen nicht was es ist. Machen sich dabei nicht di eSorgen, als wenn die Probleme von dritten angesprochen werden, die dass dann zum Thema machen, dass sich dann nicht mehr leugnen lässt. Es ist also in der Hauptsache das Umfeld, was ein Problem mit dem Individuum hat. Man mag zwar erklären, dass das Individuum dieses Problem sei, aber das verweigert die Anerkennung zur psychischen krankheit und kämpft dagegen an. Was meiner Meinung nach die beste Lösung sei – die aber etwas Tolleranz von Dritten erfordert.

    Und dass ich mich in den Beschreibungen zu Borderline habe wieder erkannt, ist so zu erklären, dass diese Symptome nicht überdeutlich mein Leben gestört hätten und ich sie über die vielen Jahre noch verdrängen konnte. Das mir dabei Nachteile entstanden sind, ist keine Frage. Diese sind aber nicht aufgefallen, weil ich erstens es nicht anders kannte und zweitens auch andere mehr nicht erwarteten – also auch nicht genau genug hinsahen.

    Ich bin heute der Meinung, dass so ziemlich jeder Mensch an irgendwelchen Symptomen einer psychischen Krankheit leidet oder wenigstens sie gelegendlich nicht überspielen kann und sie auftreten – mehr oder weniger deutlich. Es ist auch so, dass die vielen Symptome derart umfassend die heitige (fast) normale Lebenssituation vieler Menschen beschreiben. Es hängt scheinbar nur davon ab, ob sich ein Betroffener oder Außrenstehende davon irgendwie gestört fühlen und so die Diagnose anstoßen und das Problem mit dem Stempel einer psychischen krankheit versehen wird. Im Grunde ist es eine Denunziationsstrategie. uch brauche nur bestimmte Gründe anzuführen, damit ich es erzwinge, dass jemand daraufhin in eine Diagnosesituation gelangt. Das geht nicht wirklich schwer und jeder könnte in die Gefahr kommen, für psychisch krank diagnostiziert zu werden. Aktuell reicht schon die Inkompatibilität auf dem Arbeitsmarkt. Wer sich nicht zurechtfindet, der muß ja psychisch krank sein. Und das Jobcenter zum Beispiel fordert die Antragsteller zuweilen schon auf, sich diagnostizieren zu lassen oder sogar auf die Diagnose eine Rente zu beantragen.

    Und was endlich überhaupt hinter der psychischen Erkrankung als Ursache steht, das erträumt sich auf dieser Welt (fast) niemand – weil es so ganz gegen aller populären Kultur und Alltagserkenntnis sei. Aber es ist der Hammer und faszinierend, was so alles “funktioniert”.

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