Wissenschaft im Web 2.0

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researchblogging Bastian sagt Bastian sagt:
Ich finde es eigentlich sehr schade dass die Wissenschaft im Web 2.0 sehr wenig vertreten ist. Blogs wie dieses hier sind, ähnlich wie die ScienceBlogs und auch das Researchblogging-Projekt die totale Ausnahme. Und auch in Sachen Social Networks sieht es, von einigen Ausnahmen abgesehen, recht mau aus.

Dabei liegt es nicht unbedingt nur an den mangelnden Möglichkeiten sondern auch an der mangelnden Bereitschaft seitens der Wissenschaft am aktiven Netz teilzunehmen. In Journal Disease Models & Mechanisms haben sich Chris Patil und Vivian Siegel genau mit diesem Thema ein wenig auseinander gesetzt: Was wäre die Utopie der Wissenschaft 2.0 und woran scheitert es bislang?

In der Utopie der Wissenschaft 2.0 wäre internationales Arbeiten nicht auf einige Kooperationen beschränkt und räumliche Nähe würde sowieso keine wichtige Rolle mehr spielen, der Vernetzung sei dank. Der Zugang zu Wissen und Experten wäre nicht eingeschränkt und durch eine Zusammenarbeit von viel mehr Menschen aus verschiedenen Bereichen mit unterschiedlicher Expertise wäre Forschung nicht nur schneller, da man nicht ewig auf Veröffentlichungen warten muss, einfacher, da man sich Aufgaben viel besser teilen kann, sondern auch besser. Im Artikel zusammengefasst als “like Wikipedia, but for scientific concepts”. Im Prinzip ist das nicht mehr als den Gedanken von Open Access einen Schritt weiterzudenken: Offener Zugang zur Forschung selbst, nicht nur zu den Ergebnissen.

Auf seiten der Software gibt es all dies bereits. Foren im Internet gibt es seit gefühlten Jahrhunderten. Wikis sind auch nicht mehr wirklich neu. Und social Bookmarking wie de.licio.us, digg und so weiter gibt es ebenfalls seit einigen Jahren. Und auch Microblogging etabliert sich langsam aber sicher.

Das Problem ist nur das die meisten Wissenschaftler ihre Ideen nicht gerne teilen. Denn im jetzigen System der Forschung lohnt es sich nicht. Reputation und auch Forschungsgelder werden einem nicht gegeben weil man so ein netter Mensch ist sondern weil man handfeste Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Und genau deshalb will sich niemand in die Karten schauen lassen. Denn was wird aus meinen Geldern wenn jemand vor mir das Gleiche publiziert?

Dazu kommt das Henne-Ei-Problem aller Social Networks: Ohne User ist es wenig mit social und damit auch wenig Spaß und/oder Nutzen. Und ohne Spaß/Nutzen keine User. Die Anzahl der Web-Junkies die einfach alle Dienste ausprobiert weil sie es können und die Zeit dazu haben ist gering. Auch unter Wissenschaftlern.

Bislang sind nur wenige, einzelne Wissenschaftler im Web 2.0 angekommen. Aber es bleibt abzuwarten ob diese nur die Vorhut sind oder ob sie die Ausnahme bleiben werden.


Patil, C., & Siegel, V. (2009). This revolution will be digitized: online tools for radical collaboration Disease Models and Mechanisms, 2 (5-6), 201-205 DOI: 10.1242/dmm.003285

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Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

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