Und wenn ich jetzt noch ein bisschen weine, bekomme ich dann Essen?

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Erdmännchen, diese ach so knuffig aussehenden kleinen Tierchen vor denen die meisten Kinder und Erwachsenen im Zoo stehenbleiben um deren lustiges “Männchen machen” zu beobachten. Und so ein Blogeintrag über ein Paper was sich mit den Erdmännchen beschäftigt ist auch ein super Vorwand um doch mal ein Foto der Tierchen zu zeigen.

Erdmännchen

 

Dieses putzige Exemplar könnt ihr im Münsteraner Zoo begutachten. Aber natürlich hat das für uns so lustige “Männchen machen” auch einen Sinn: Das Ausschau halten nach Fressfeinden um die eigene Gang zu schützen.

Aber in dem Paper geht es nicht darum wie man sich selber vor dem gefressen werden schützt. Sondern darum wie man das eigene Futter am besten verteilt. Denn junge Erdmännchen betteln lautstark darum gefüttert zu werden. Doch diesem Vorteil des kostenlosen Buffets steht der Nachteil für die erwachsenen Tiere gegenüber. Und zwar müssen die Erwachsenen ja das Essen für den Nachwuchs ranschaffen. Doch irgendwann hören die Jungen auf zu betteln. Doch wieso dies passiert ist nicht so einfach zu klären.

Daher gab es mehrere Versuchserklärungen zu diesem Verhalten. So könnte es daran liegen dass die Erwachsenen einfach von selbst merken wenn die Kleinen doch groß genug geworden sind um sich selbst um ihr Essen zu kümmern. Und da sie durch das Betteln nichts mehr bekommen hören sie damit auf. Eine andere Erklärung ist es dass die Jungen eigenständig mit dem Betteln aufhören ab einem bestimmten Alter weil sie dann mehr zu essen fangen können als sie durch das Betteln bekommen würden.

Und eine dritte Erklärungsmöglichkeit ist es dass die Jungtiere einfach von ihren Körperlichen Voraussetzungen irgendwann nicht mehr in der Lage sind die passenden Audio-Signale zu artikulieren welche die Erwachsenen dazu animieren würde ihnen Futter zu geben.

Diese 3 Möglichkeiten hat Joah R. Madden von der Abteilung für Zoologie in Cambridge mit seinen Kollegen direkt in Südafrika (das ist doch mal ein cooler Arbeitsplatz) mit freilebenden Erdmännchen getestet.

Die These ob die Erwachsenen Tiere einfach merken wenn die Jungen alt genug geworden sind wurde mit Hilfe von Lautsprechern getestet über die Bettel-Rufe von Jungtieren abgespielt wurden. Vor und nach den Aufnahmen der Tiere wurden über die Lautsprecher Umgebungsgeräusche abgespielt.

Eltern hören

Dabei zeigte sich dass die Erwachsenen Tiere auf das Playback absolut reinfallen. In der Grafik sieht man wie oft gefüttert wurde an die eigentlich-schon-nicht-mehr-so-kleinen-Tiere wenn die Umgebungsgeräusche oder die Playback-Rufe liefen. Damit kann man die These dass die adulten Tiere das selbstständig erkennen können schonmal in die Tonne treten.

Als zweites wurde getestet ob die Jungtiere das betteln eigenständig einstellen weil sie mitbekommen haben haben dass sie mehr Nahrung bekommen wenn man selbst für sein Essen sorgt. Dazu wurden die dabei beobachtet wie die Tiere reagierten wenn sie entweder selbst einen Skorpion gefunden hatten oder einen Skorpion von Elterntieren gefüttert bekamen.

eigenes Verhalten

In beiden Fällen wurden die Bettel-Rufe nach dem Essen weniger. Vermutlich einfach weil die Tiere satt waren. Aber nach das Verhalten bezüglich der Nahrungsbeschaffung änderte sich dadurch nicht. Also ist auch diese These für die Tonne.

Bliebe also noch die letzte Theorie dass die Tiere die passenden Laute einfach nicht mehr produzieren können. Dazu zeichnete das Team die Laute von jungen und alten Tieren auf. Allein schon von der Tonhöhe unterschieden sich die Laute der verschieden alten Tiere deutlich. Und auch die Anzahl der Fütterungen an Lautsprecher unterschied sich deutlich je nachdem aus welcher Altersgruppe die aufgenommenen Bettel-Sounds stammten.

alter

Also sieht es ganz so aus als würden weder die Eltern noch die Kinder irgendwie eigenständig ihr Verhalten bezüglich des erbetteln der Nahrung steuern. Offensichtlich liegt es einfach daran dass die kleinen in ihren Stimmbruch kommen und die Eltern so merken dass ab jetzt einfach nicht mehr gefüttert werden muss.

Und weil es so schön ist jetzt noch ein Bildchen von einem Erdmännchen.

Erdmännchen


Madden, J., Kunc, H., English, S., & Clutton-Brock, T. (2009). Why do meerkat pups stop begging? Animal Behaviour DOI: 10.1016/j.anbehav.2009.03.011

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Veröffentlicht von

Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

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