Große Rüben machen nicht immer Freunde

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researchblogging Philipp sagt Philipp sagt:
Enzephalisation liegt vor, wenn das Gehirn eines Tieres größer ist, als sie eigentlich sein sollte (in Relation zur Gesamtkörpergröße). Es wurde oft argumentiert, dass eine erhöhte Gehirngröße auch zu erhöhter Intelligenz führt – kann das sein?

Herr Finarelli und Herr Flynn haben sich in ihrer Veröffentlichung “Brain-size evolution and sociality in Carnivora” den Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Sozialleben bei Carnivora, Raubtiere, also Hunde, Katzen, Bären etc., angeschaut.

Dazu haben sie (einfach gesagt) Gehirnvolumen und Körpergröße von 289 Spezies (inklusive 125 ausgestorbener) miteinander verglichen.
Problematischerweise kamen dabei sehr unterschiedliche Daten heraus: Bei manchen Ästen des großen Baumes namens Carnivora werden Gehirnvolumina kleiner, dann wieder größer, und manchmal leben Raubtiere mit größeren Gehirnen in Gruppen (Wölfe), manchmal nicht (Bären).

Das hat Auswirkungen auf einige Hypothesen: So ist das ein schwerer Schlag für die “Social Brain Hypothesis”, die davon ausgeht ausging, dass ein erhöhtes Gehirnvolumen auch zu gesteigertem Sozialleben führt.

Haben die Ergebnisse auch Implikationen für uns nackte Affen? Das lässt sich schlecht abschätzen. Nimmt man z.B. nur die Hunde aus dem Datenset für die Messung, gibt es bei ihnen eine klare Korrelation zwischen gesteigertem Gehirnvolumen und mehr Sozialleben – die “Social Brain Hypothesis” scheint also nur auf manche Äste zu passen.
Charles Darwin schrieb schon in The Descent of Man: “”No one, I presume, doubts that the large proportion which the size of man’s brain bears to his body, compared to the same proportion in the gorilla or orangutan, is closely connected with his mental powers.”" Und das gilt bestimmt auch fürs Sozialleben.


Finarelli, J., & Flynn, J. (2009). Brain-size evolution and sociality in Carnivora Proceedings of the National Academy of Sciences DOI: 10.1073/pnas.0901780106

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Philipp hat einen Bachelor in Biologie, ein Graduate Certificate in IT und studiert momentan für seinen Master in IT in einem übertrieben großen Land voller Spinnen und Schafe. Für die Bierologie schreibt er zumeist über Biologie, Evolution und allem was an den Rändern der Gebiete noch so angeschwemmt wird.

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