Experimente im Internet: Anthropogener Allee-Effekt

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Anthropogener Allee-Effekt? Was soll dass denn sein? Nun, so bezeichnet man einen vermutlichen Zusammenhang zwischen seltenen Arten und Wert den Menschen diesen Arten beimessen. Einfaches Beispiel: Kaviar.

Je mehr davon verputzt wird desto seltener wird der Stör, dessen Eier da runtergeschlungen werden. Weil der Stör und damit der Kaviar nun noch seltener geworden ist gilt er gleich noch mehr als Delikatesse. Und so zieht sich diese Spirale weiter fort. Ein anderes Beispiel wären auch die Whale-Watching-Flotten die immer mehr zunehmen je seltener die Orcas werden (Weil: Wer will nicht auch unbedingt einen Orca sehen bevor die Viecher aussterben).

Ein paar findige Ökologen aus Frankreich haben sich nun einen einfachen Test überlegt ob an diesem Zusammenhang was dran ist und das ganze online umgesetzt. Die Ergebnisse sind nun in dem (Open Access-)Journal PLoS ONE erschienen (ihr dürft euch also alle die Originalergebnisse runterladen):
Auf einer Webseite versprachen sie den Besuchern hochauflösende Fotos von Tieren, in 2 verschiedenen Galerien: Die mit Fotos von verbreiteten Tieren und eine Galerie mit Fotos seltener Tiere. Dafür sollte der Benutzer allerdings kurz an einer Umfrage zu Alter, Geschlecht etc. teilnehmen.

Wer das brav gemacht hat konnte danach wählen, durch einen Klick auf häufig oder selten, welche Galerie er sich anschauen konnte (natürlich durfte man sich beide anschauen). Die beiden Links wurden dabei zufällig platziert um auszuschliessen das immer der obere oder der linke Link zuerst geklickt würde. Der eigentliche Trick war jedoch dass sich hinter keinem der beiden Links eine wirkliche Bildergalerie versteckte sondern ein endloser Ladebalken.

So konnte nicht nur gemessen werden welcher Inhalt zu erst oder häufiger geklickt wurde sondern auch wie lange die Besucher bereit waren auf den Inhalt zu warten. Und die Ergebnisse scheinen den Effekt zu bestätigen.

Ein Großteil der User wollte nur eine Slideshow sehen, und dort mehrheitlich die der seltenen Tiere. Auch Benutzer die mehrere Anläufe machten sich eine Galerie anzuschauen klickten zu fast 70% nur auf die Slideshow mit den seltenen Tieren.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf für die Wartezeit die von den Benutzern in Kauf genommen wurde: Wer mehrfach versuchte an die Galerien zu kommen wartete entscheidend länger darauf dass die seltenen Tierarten geraten wurden als auf die verbreiteten Tiere.

Ein nettes kleines Experiment um einen einfachen, aber effektiven Eindruck zu bekommen ob Menschen seltenen Tierarten wirklich einen höheren Wert zukommen lassen.


Angulo, E., & Courchamp, F. (2009). Rare Species Are Valued Big Time PLoS ONE, 4 (4) DOI: 10.1371/journal.pone.0005215

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Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

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