Ein neues Spektrum?

BLOG: Bierologie

Weissbier & Wissenschaft
Bierologie

Wie einige andere Blogger von den SciLogs hat Carsten, frischgebackener Chefredakteur von Spektrum der Wissenschaft und damit Nachfolger von Reinhard Breuer, angefragt, ob ich nicht Lust hätte das erste Heft, das unter seiner Leitung erscheint, zu rezensieren. Der übliche Disclaimer: Geld gibt es dafür nicht und Kritik hat Carsten ausdrücklich gewünscht. Nun, seit heute ist das Heft im Handel und ich muss als erstes feststellen, dass ich eigentlich ein miserabler Rezensent bin, denn ich hab den Konsum von gedruckten Zeitschriften so ziemlich eingestellt. Das letzte Abonnement, an das ich mich neben dem, mittlerweile auch ausgelaufenen, Nature-Abo erinnern kann, dürfte die Micky Maus gewesen sein und auch sonst kam da seit der Yps nicht mehr so richtig viel. Stattdessen beziehe ich meine Informationen seit Jahren vor allem über RSS-Feeds und das Social Web.

Spektrum

Dementsprechend muss ich auch gestehen, dass ich bis zu dieser Ausgabe noch nie eine Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft in der Hand gehalten habe. Zu etwaigen Änderungen in Inhalt oder Design kann ich also gar nichts sagen. Aber mangelndes Vorwissen ist ja vielleicht gar nicht so schlecht, gibt es immerhin keine Vorprägung. Aber jetzt mal zu der neuen Ausgabe: Was mir schon beim ersten Überfliegen ist mir das extrem aufgeräumte Layout aufgefallen, was sich konsequent – bis auf die obligatorische Werbung – durch das gesamte Heft zieht und den Texten und Bebilderungen genug Platz lässt, um atmen zu können, ohne, dass die Inhalte dabei verloren wirken. Wer schon mal am eigenen Bloglayout gespielt hat, wird das Problem kennen: Entweder endet man in der Textwüste oder man muss den Inhalt zwischen all dem leeren Platz suchen.

Eine Rüge am Rande allerdings: Werbung kann man sich in der Regel nicht aussuchen, wenn man aber dem eigenen Verlag Platz bietet für Werbung für eigene Produkte, dann könnte man schon darauf achten, dass die Werbung die Arbeit der Heft-Layouter nicht komplett konterkariert. Gerade die doppelseitige Anzeige für den Science-Shop mit seinen Farbtönen ist mir dabei – nicht positiv – aufgefallen.

Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist: Die angenehm unhysterische Art, in der die Artikel geschrieben sind. Während sich „Wissenschaftsmagazine” wie die Print-Produkte von Galileo, Welt der Wunder oder auch PM mit Superlativen und den „Geheimnissen von XYZ” hervortun, gerne so manches Mal auch um den Preis der wissenschaftlichen Fakten, um an den Käufer gebracht zu werden, verzichtet Spektrum der Wissenschaft dankenswerterweise auf solche Marketing-Tricks. Wissenschaft ist auch so schon spannend genug, da braucht es keine halbseidenen Geschichten um Reichsflugscheiben.

Ebenfalls ein grosses Danke dafür, dass die Originalquellen, aus denen sich die Autoren informiert haben, mit angegeben werden. Nichts ärgert mich beim Lesen von Wissenschaftsartikeln in Zeitungen und Co. mehr als fehlende Angaben, wo man sich die Originalpublikation besorgen kann. Gerade wenn einen das Thema interessiert und man sich weiter einlesen möchte, ist das nervig. SpOn und Co machen da vor, wie es nicht geht (Die schaffen es ja auch meistens, den Namen des Journals und der Autoren noch so zu verhunzen, dass man nicht mal per Google herausfindet, wo die Publikation erschienen ist).

Noch schöner wäre es allerdings, wenn direkt ein DOI angegeben wäre, aber ich sehe ein, dass es eventuell für die meisten Leser kein sonderlicher Mehrwert wäre. Was man ebenfalls überlegen könnte: Open Access-Publikationen, die jedem Leser online zur freien Verfügung stehen, gesondert kenntlich zu machen. Eventuell über ein kleines Logo oder so, neben der Quellenangabe? Damit könnte man nicht nur die Idee weiter pushen, sondern es wäre für jeden Leser klar ersichtlich, dass er auch problemlos und kostenfrei an die Original-Quellen gelangen kann.

Der Inhalt der Artikel gefällt mir sehr gut und deckt dabei – Vorsicht, das zu erwartende Wortspiel kommt – das Spektrum der Wissenschaft wirklich gut ab. Nicht nur, dass ich mal wieder etwas über Astrophysik gelernt habe, auch die Tiefe und die Aktualität sind sehr unterschiedlich, was mir sehr gefällt. So reiht sich die Astrophysik direkt neben einen Grundlagenbeitrag „Wie funktioniert das eigentlich energetisch mit der Heizung im Winter” neben die Diskussion von einem Biologen mit einem Ethiker zum Thema „personalisierte Medizin”. Was mir ebenfalls super gefällt, sind die beiden Kategorien „Spektrogramm”, die kurz aktuelle Forschung anreisst, und „Im Rückblick”, die sich mit Wissenschaft vor X Jahren auseinandersetzt (Irgendwie kommen mir beide Kategorien aus der Nature bekannt vor, aber egal wer hier eine gute Idee vom anderen kopiert hat: Toll).

Kommen wir doch zum Fazit: Werde ich regelmässiger Kunde oder gar Abonnement von Spektrum der Wissenschaft? Bei allen positiven Eindrücken von der Ausgabe: Nein. Das liegt aber vor allem daran, dass ich mittlerweile deutlich lieber in elektronischer Form Texte konsumiere und gut damit leben kann nur am Bildschirm zu lesen. Vor allem weil es mir das Rumschleppen von Papier erspart, durchsuchbar ist und direkt über digitale Kanäle weiter verbreitet werden kann. Wer allerdings gerne in Zeitschriften blättert und sich für guten und seriösen Wissenschaftsjournalismus interessiert, kann mit Spektrum der Wissenschaft vermutlich (immer noch) nicht viel falsch machen.

Und wer weiss: Vielleicht kommt das Spektrum der Wissenschaft ja auch irgendwann als ePaper oder iPhone-App.

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Veröffentlicht von

Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

5 Kommentare

  1. epaper

    PDFs sind zwar nicht gerade hipp aber als epaper allgemein anerkannt und seit Jahren von Spektrum im Abo erhältlich 😉

  2. “Spektrum” für Papierferne

    Hi Bastian,

    also erstmal vielen lieben Dank für die ehrlichen Worte! Dass unsere „angenehm unhysterische Art“ bei einem (potenziellen 🙂 ) Nutzer wie Dir, der deutlich jünger als die Zeitschrift sein dürfte, gut ankommt, freut mich schon mal sehr. Schön auch, dass Du nach der Lektüre des Heftes den programmatischen Namen der Zeitschrift eingelöst siehst! Wir geben uns beim Mischen der Hefte entsprechend Mühe, kann ich Dir sagen…

    Über die Anregungen mit den DOIs denken wir gern mal nach, war in der Vergangenheit bereits Thema interner Diskussionen.

    Was mich interessieren würde: Wie nimmst Du als Webaffiner die Webtipps am Ende der Hauptartikel wahr? Wir haben wiederholt darüber diskutiert, ob ein Heftleser diese redaktionellen Tipps auf mehr zum Thema im Netz überhaupt haben will und nutzt. Ich meine, dass das ein ganz wichtiges Element ist, sag jetzt also bloß nichts Falsches 🙂

    Und dann der letzte – wichtigste – Punkt: Wir haben eine extra Onlineredaktion, die auf http://www.spektrumdirekt.de Internetnutzern wie Dir täglich frische Ware liefert, denn das kann die Zeitschrift naturgemäß nicht. Kann man auch abonnieren… Und das Beste: Für Papierferne wie Dich haben wir das Monatsheft auch längst schon als Digitalabo Spektrum der Wissenschaft im Angebot. Diese Werbung in eigener Sache sei mir an dieser Stelle erlaubt, hoffe ich.

    Und was war da noch? Ach ja, Apps. Sprechen wir 2011 drüber – garantiert!

    Liebe Grüße und nochmals danke für Deine Zeit!
    Carsten

  3. Hey Carsten,
    schön, dass du auch hier für Diskussionen über das Heft bereitstehst.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht gerade wenig Arbeit ist die Themenmischung herzustellen. Ich sehe ja schon wie schwierig das bei einem so unregelmässig befüllten Blog ist. 😉

    DOIs haben den Vorteil, dass sie meiner Meinung nach leichter abzutippen sind und gleich zum gewünschten Treffer führen. Die traditionellen Quellenangaben machen da halt mehr Mühe.

    Genauso geht es mir auch mit den Web-Tipps die bei manchen Artikeln am Ende aufgelistet sind: Es ist schön zu wissen, dass da noch mehr Information auf einen wartet. Aber ich war dann im Endeffekt doch zu faul, die URLs abzutippen. Bei einer elektronischen Variante würde ich das allerdings vermutlich nutzen. Idee dazu: Vielleicht könntet ihr einen eigenen URL-Verkürzer (also analog zu TinyURL & Co) aufsetzen und die Links dann als http://spektr.im/linkname angeben? Das wäre kürzer und unter Umständen auch prägnanter. Und würde eventuell dazu führen, dass es mehr genutzt wird? 🙂

    Spektrum Direkt kannte ich bereits (und ist auch schon im RSS-Reader gelandet). Das es bereits ein PDF-Abo gibt war mir allerdings bis zum ersten Kommentar hier in der Tat unbekannt. Danke für den Hinweis (auch an Michael).

    Und viel Erfolg natürlich für 2011 mit den Apps 😉

  4. @ Greshake

    Bezüglich der Links gibt es noch eine andere Möglichkeit. Das Printheft ist ja auch im Internet abgebildet. Da kannst Du beispielsweise auf die Unendliche regelmäßige Körper gehen und beim Kasten “zum Thema” im Reiter “Internet” findest Du die Links anklickbar aus dem Heft. Tippen nicht nötig. 🙂

  5. Weiterführende Links

    Die Idee der Kurzlinks finde ich gut, weil sie den Übergang von Print zu Online erleichtern (langes Tippen hemmt da wirklich). Ob nun Kurzlinks der Form spektrum.de/123456 oder ein Formularfeld auf der Startseite, wo man einen Zahlencode eingeben kann – beides ist schnell und leicht getippt.

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