Die Fauna in meinem Wohnzimmer

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Bierologie

Wer in Australien lebt hat dank des Klimas auch gern ungebetene Besucher in der Küche – meistens Kakerlaken, so wie bei mir im Moment. Erstaunlich resistent gegenüber allem (auf Teppichboden praktisch unzerstörbar!), tauchen die Viecher gern überall unverhofft auf; netterweise auch in meinem Bett. Ich muss sie nur noch dazu bringen, Kaffee mitzubringen. Anscheinend haben sich auch einige Exemplare darauf spezialisiert, sich für maximale Effizienz auf TV-hypnotisierte Homo sapiens fallen zu lassen.

Die niedrigste Stufe einer Nahrungskette in der Küche bedeutet, dass schnell die nächsthöheren Stufen auftauchen. In unserem Fall: Geckos und Spinnen. Seit ca. zwei Wochen lebt Donatello, der Hausgecko, mit in der Küche, verbreitet ab 22:00 Uhr sein art-typisches (Zungen?)schnalzen und begibt sich auf die Jagd, mit teils beeindruckenden Resultaten.

hausgecko! Quelle: Von mir, aufgenommen in der Küche – man ignoriere bitte die Spinnenweben. Da über dem Schrank macht doch eh nie einer sauber.

Die Spinnen sind aber auch nicht zu verachten – vor allem Huntsmen, ungefähr faustgroße, haarige Exemplare “verirren” sich gerne ins Haus. Huntsmen haben kein Netz sondern laufen, ganz getreu ihrem Namen, auf der Suche nach Beute fröhlich in der Gegend rum. Hier ein Foto von Wikipedia:

OH HAI I BROUGHT YOU A COOKIE Quelle: https://secure.wikimedia.org/wikipedia/commons/wiki/File:Huntsman_spider_with_meal.jpg

Unser erstes Treffen sah ungefähr so aus:
Der Ort: mein Wohnzimmer, die Zeit: 8:00 Uhr morgens.

Wie jeder gute Informatiker, erstmal Kaffee machen. Keine Brille auf, keine Kontaktlinsen drin (soll bei -2 auf beiden Glotzern wohl was heißen!), wird durchs Wohnzimmer zur Küche geschlendert. An der Wand: Ein undefinierbarer schwarzer Fleck. Egal.

Kaffee ist fertig, zurückschlendern ins Wohnzimmer, man will ja wissen, wer einem so aus verschiedenen Zeitzonen E-Mails hat zukommen lassen – ist das ne Gummispinne an der Wand? (Tatsächlich erster Gedanke – sowas wie ein Einstiegsscherz für den neuen Mitbewohner)

Nein, keine Gummispinne, das Ding bewegt sich ja! OhFliegendesSpaghettimonster, sofort in die Küche evakuieren. Entscheidung: Das Ding muss raus, wird wohl nicht giftig sein (Vorteile eines Biologengehirns: Giftigkeit UND diese, nüchtern betrachtet als “asozial” zu bezeichnende Größe scheint mir evolutionär betrachtet zu “teuer” zu sein). Aber wie Mut antrinken? Bier ist alle, also muss mehr Kaffee rein!

Nach weiteren 4 – 5 Tassen also zurück ins Wohnzimmer, Spinne sitzt inzwischen an der nächsten Wand, auch gut. Aber wie entfernen? Das Teil passt in kein Glas! Also her mit dem Kochtopf. Nach 30 Minuten bescheuertem Rumgefrickel saß das Ding dann auch endlich im Topf, musste zwischenzeitlich ja unbedingt damit angeben, wie schnell es an der Wand langrennen kann. Also hurtig vom Balkon werfen und mit stolzgeschwellter Brust zurück ins Wohnzimmer wandeln – Mein Revier! Das Brusthaar spross auch schon wie bescheuert.

Später am Tag von meinen Mitbewohnern dann die typisch australische Gelassenheit gegenüber dem, was da so kreucht und fleucht:

  • “Duuuude I kicked the biggest spider ever out of the house!”
  • “Was it brown, hairy and kinda big?”
  • “Yeah!”
  • “Mate that was probably a huntsman, they come into the house all of the time, just ignore them, eventually they’ll leave again.”

Kein Stolz! Keine Auszeichnung! Kein Orden! Mit meinen Spinnen-Erfahrungen aus Deutschland (“Da is ne Spinne im Bad! Aaaaah”) hatte ich mindestens eine Militärparade in meinen Ehren erwartet.

Wenigstens einer hält zu mir – der Hausgecko, der saß gestern gemütlich im Bad und hat mir wohlwollend beim Zähneputzen zugeguckt.

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Veröffentlicht von

Philipp hat einen Bachelor in Biologie, ein Graduate Certificate in IT und studiert momentan für seinen Master in IT in einem übertrieben großen Land voller Spinnen und Schafe. Für die Bierologie schreibt er zumeist über Biologie, Evolution und allem was an den Rändern der Gebiete noch so angeschwemmt wird.

12 Kommentare

  1. Kakerlaken im Alltag

    Absolut herrlicher Artikel!

    Also Kakerlaken habe ich auch schon getroffen, die kommen gerne mal durch Abwasser-Leitungen und glotzen einen dann aus der Spüle an oder sie kommen unter der Tür durch…über einen freundlichen Haus-Gecko, der sich um derlei Getier kümmert, verfüge ich leider nicht.

  2. Kakerlaken

    Also vor den Kakerlaken würde ich mich am meisten ekeln. Welche anderen “Haustiere” muss man denn halten, um kakerlakenfrei zu sein? Ein Gecko allein scheint es ja nicht zu bringen. Vielleicht mehr von diesen Megaspinnen?

  3. Spinnen

    Zum Thema “giftige Spinnen”: Praktisch alle bekannten Arten sind “giftig”, auch die Sparassidae, der du begegnest bist. Die meisten sind aber eher beissunwillig und nicht gefährlich. Die größten Sparassidae hat man in Laos gefunden, mit einer Beinspannweite bis zu 30 cm! Sind aber ebenso harmlos.

    Die schwersten Spinnen sind das natürlich nicht. Die findet man unter den Theraphosidae (Vogelspinnen).

    Eine Spitzmaus in der Küche würde wohl ziemlich schnell verhungern. Spinnen sind da viel bessere Hungerkünstler.

  4. Großartig! Bist mein HEld!

    Ich würde auch jede huntsmen heraus haben wollen, auch wenn ich Spinnen hinter Glas sehr mag, bitte nicht frei herumlaufend. Als mein Mitbewohner wärst du aber sowas von der Held des Tages gewesen! Hut ab!

  5. Warum ‘rausschmeißen?

    Warum das Vieh lebend und in einem Stück ‘rausschmeißen? Ist Plattmachen keine Option? Gut, eine Spinne zu töten bringt natürlich Unglück, bei so einem Riesenotto wahrscheinlich genug bis zum Rest des Lebens. Auch wenn man nicht abergläubisch ist, wäre der resultierende Fleck auf der Wand ein Grund, von der Radikallösung abzusehen.

    Ich hoffe, es ging nicht zufällig jemand unten vorbei, als das Ding vom Balkon herabsegelte.

  6. nichtgiftige Spinnen

    Die Arten der Familie Uloboridae (gibt’s auch bei uns) haben keine Giftdrüsen. Das sind aber nur ca. 260 von mittlerweile über 42000 bekannten Arten.

    “Würgespinnen” kommt fast hin. Die Uloboridae machen ihre Beute mit Netz und Spinnseide bewegungsunfähig und verspeisen sie dann.

    Witzigerweise hat man inzwischen sogar eine Springspinne entdeckt, die teilweise vegetarisch lebt. Auf Veganerspinnen müssen wir aber noch warten 🙂

  7. Huntsmen sind, laut Wikipedia, nur ein wenig giftig – Bisse sollen nach 1 bis 2 Tagen abschwellen.

    @Michael: Plattmachen? Ich trau mich ja kaum normale Kakerlaken plattzuhaun – da ist mir zu viel Hämoplymphe (a.k.a Sülle) drin. Der Ton dabei ist auch nicht grade schön. Huntsmen platthauen gehört sich in Australien auch nicht 🙂

    @Joe: Die Superkraft, nutzlos an der Wand rumzurennen! Nehm ich, aber nur wenn mir jemand den passenden Themesong schreibt…

    @Anke: Danke 😀

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