Der Gesang der Vögel

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Das Singvögel den Gesang von ihren Verwandten lernen ist schon länger bekannt. Doch ganz frei von Genetik ist auch dieser Gesang vermutlich nicht, denn durch kleine Fehler im Nachahmen des Gesangs sollten die Unterschiede zwischen geographisch getrennten Populationen größer sein als sie in der Realität beobachtet werden. Um sich diesen Punkt der Gesangskultur anzusehen haben sich Olga Fehér und Kollegen ein Experiment mit Zebrafinken überlegt.

Normalerweise lernen Zebrafinken ihren typischen Gesang dadurch dass sie männliche, erwachsene Tiere imitieren. Dabei wiederholen die Tiere beim typischen Gesang normalerweise einzelne Silben in einer festen Reihenfolge und bilden so Gesangsmotive. Tiere die in ihrer Jugend alleine gehalten werden bilden hingegen einen eigenen Gesang aus. Dieser ist normalerweise weniger rhythmisch und unterscheidet sich eindeutig von den normalen Lauten. Trotz allem imitieren Jungtiere den Gesang dieser isoliert gehaltenen Vögel – selbst wenn “normale” Erwachsene anwesend sind.

Um nun zu schauen wie die Tiere von den Erwachsenen lernen wurden 13 Jungtiere von isoliert gehaltenen Tieren “unterrichtet”. Und bereits hier zeigte sich dass der Gesang nicht eins zu eins kopiert wurde sondern dass sich die Imitate unterschieden. Und zwar änderte sich der Gesang in die Richtung von Wildtyp-Vögeln.

Um zu testen ob sich dieser Effekt in Richtung Wildtyp über mehrere Generationen fortsetzen lässt durften nun die neu angelernten Tiere als Tutor wieder Jungtieren etwas beibringen. Und so weiter und so fort bis zu einer 5. Generation von Vögeln. Und auch da zeigte sich: Der Gesang näherte sich Generation über Generation weiter an den Wildtyp-Gesang.

Um die Bedingungen des Experiments näher an die Lebenswirklichkeit zu bringen testeten sie das Nachahmen in einer sozialen Umgebung. Und auch da näherte sich der Gesang von Generation zu Generation dem Wildtyp an. Allerdings kopierten die Vögel hier auch die Fehler der Erwachsenen Tiere mehr als auch den Gesang der weiblichen Tiere.
Dies zeigt das der Gesang ein kulturelles Phänomen ist dass nicht nur über die Umwelt und das direkte Lernen geprägt wird sondern auch zu einem Teil genetisch verbreitet wird.

Was dies z.B. für die menschliche Sprache bedeutet muss sich dann zeigen.


Fehér, O., Wang, H., Saar, S., Mitra, P., & Tchernichovski, O. (2009). De novo establishment of wild-type song culture in the zebra finch Nature, 459 (7246), 564-568 DOI: 10.1038/nature07994

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Veröffentlicht von

Bastian hat seinen Bachelor in Biologie in nur 8 statt 6 Semestern abgeschlossen. Nach einem kurzen Informatik-Studiums-Intermezzo an der TU Dortmund hat es ihn eigentlich nur für ein Stipendium nach Frankfurt am Main verschlagen. Dort gestrandet studiert er dort nun im Master-Programm Ökologie und Evolution. Zumindest wenn er nicht gerade in die Lebensweise der Hessen eingeführt wird. Neben seinen Studiengebieten bloggt er über die Themen, die gerade in Paperform hochgespült werden und spannend klingen.

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