Politik und Postfaktizität – Was Trump für die Wissenschaften bedeutet

Wer sich daran macht, Blogs wie diesen zu lesen und sich für den reichhaltigen und zuweilen auch freudvollen Diskurs der Wissenschaften interessiert, wird bei Bekanntwerden der Ergebnis der US-Wahlen in der letzten Woche mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ähnliche Mischung aus Schock, Angst, Trauer, Scham und Ekel empfunden haben wie der Autor dieser Zeilen (ggfs. in variationsreichen Gewichtungen davon). Dies betrifft wohl auch die allergrösste Mehrheit von Menschen, die sich ein Mindestmass an Ehrlichkeit und Reflexionsfähigkeit – oder um es mit einem wunderschönen, wenn auch etwas altmodischen Wort zu sagen: intellektuelle Redlichkeit – auf ihre eigenen Fahnen schreiben. So ist sich die Wissenschaft-Community in ihrer Gegnerschaft zum neuen Präsidenten denn auch unisono einig: Donald Trump steht in einem starken Gegensatz zu so ziemlich allem, was Wissenschaftler in ihrem Wertekanon  und ihren Vorstellungen von Integrität vertreten.

Aus der Sicht der Wissenschaft ist dies in erster Hinsicht (im Idealfall) der kompromisslose Wille, Dinge und Zusammenhänge wirklich wissen zu wollen, kombiniert mit der unbedingten Aufrichtigkeit, dass wir vieles eben nicht wissen, bzw. mit dem Anerkennen der Möglichkeit, dass wir Dinge, die wir meinen zu wissen, vielleicht gar nicht richtig wissen. Wissenschaft enthält eine radikal-reflexive Einstellung zu dem, was sie denkt und glaubt, und schließlich ein vorbehaltslosen intellektuelles Erfassen der zu erwartenden Folgen eines bestimmten Glaubens. So beschrieb es auch Richard Feynman: „Religion ist eine Kultur des Glaubens, Wissenschaft ist eine Kultur des Zweifels“. Mit anderen Worten, (echte) Wissenschaftler treibt der ernsthafte und unkorrumpierte Wunsch nach Wahrheit im Wissen, dass sie diese kaum jemals endgültig erhalten werden (dies heisst natürlich nicht, dass sie dabei alleine ist; viele Geistestraditionen teilen diesen Motivationsrahmen).

Der Weg von intellektueller Unaufrichtigkeit, d.h. wider besseres Wissen zu denken (oder zu glauben), zu ethischer Korrumpierbarkeit, d.h. wider besseres Wissen zu handeln, ist selten weit. Denn Unkorrumpierbarkeit bedeutet nichts anderes als Aufrichtigkeit und Integrität, d.h. „in einem Ganzen“ zu sein, zu denken und zu handeln. Aber insbesondere besitzt diese Haltung auch eine bedeutende politische und gesellschaftlichen Dimension: das Bekenntnis zu maximaler Transparenz und unbedingter Offenheit.

Auf diese Haltung trifft nun ein US-Präsident, der sich um die Wahrheit, gelinde gesagt, einen feuchten Dreck schert. Dass Berufspolitiker im Allgemeinen ein höchst-opportunistisches Wahrheitsverständnis haben, war den meisten Beobachtern politischer Auseinandersetzungen sicher auch zuvor schon bekannt. Doch hier erleben wir noch einmal ganz neue Maßstäbe der systematischen Fehlinformation, skrupellosen Propaganda und der offenen, schamlosen Lüge. Wir müssten Innerhalb der Geschichte der westlichen Zivilgesellschaft mindestens 85 Jahre in die Vergangenheit gehen, um Vergleichbares zu erkennen. Dass sich hier gerade Wissenschaftler die Haare raufen, muss geradezu als selbstverständlich gelten.

So war Trumps Polemik gegen das “Establishment” und die “Eliten” auch kein Hetzen gegen Reichtum, erfolgreiche Geschäftsleute, oder sogar Politikerfahrene.  Seine Propaganda richtete sich vielmehr gegen die amerikanische „Intelligenzija“, die in ihrem Wesen offen, reflektiert und liberal ist: die linksliberalen Professoren, Klimaforscher, Lehrer, Schriftsteller, Künstler, usw. mitsamt ihrer „politische Korrektheit“ und ihren „falschen Rezepten“ für die Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenhalts in Zeichen stürmischer Globalisierung (und dass Trump dabei eine tiefe Unzufriedenheit gerade in traditionellem „linkem“ Arbeitermilieu gefunden hat, die seine politischen Gegner nicht sahen, muss man ihm sogar zugutehalten; hier lebte die Intelligenzija auf ihrer eigenen Informationsinsel).  Stattdessen flösst Trump seinen Anhängern Bewunderung für den raubeinigen, aber schaffenskräftigen „Macher“ ein, für den Geschäftsmann, der die Dinge schon irgendwie hinbiegt.  Besonders unheimlich ist, dass die Trump’sche Bewegung dabei genau dem Verständnis von „Elite“ und „Establishment“ der rechtspopulistischen Ikone Ayn Rand folgt.

Wissenschaftler sind per se Experte in bestimmten (wenn auch zumeist sehr beschränkten) Fachgebieten. Und genau diesen Experten soll man nun nicht mehr trauen, so die Stimmen der Populisten. Entsprechende Rhetorik trieb schon Abstimmungskampf im dem britischen Verbleiben in der EU im Sommer: Experten sind arrogante Besserwisser, die keine Ahnung vom „wahren Willen“ des Volkes haben. Solche Rhetorik sprechen Bände für die Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft, wie sie sich die Populisten vorstellen. Sie streuen das Gift des Misstrauens. Und damit steuern wir in das, was das politische Feuilleton die „postfaktische Gesellschaft“ nennt (Oxford Dictionaries hat das Wort „post-truth“ gerade zum internationalen Wort des Jahres gewählt). Das betrifft nichts direkter als die Wissenschaft und ihre Methoden.

Dass dem Wort „postfaktisch“ dabei ein grobes semantisches Missverständnis zugrunde liegt, nämlich, dass sich „faktisch“ auf zweifelsfrei und objektiv Feststellbares, eben „Tatsachen“, beziehen soll, ändert nicht viel an der Dissonanz zwischen Trump und der Wissenschaft. Tatsächlich entstammt das Wort „factum“  dem lateinischen „facere“, was so viel heisst wie „machen“ oder „tun“. Fakten sind also wie die „Tatsachen“ etwas, was getan, oder noch besser geschaffen wird. In diesem Sinne sind politische Lügen eben auch „Fakten“, nämlich etwas (von Menschen) Geschaffenes. Nur sollte uns diese hermeneutische Feinadjustierung nicht weiter ablenken.

Es fällt nicht leicht, nachdem sich gefühlt so ziemlich jeder Intellektuelle, Politiker und Prominent zur Wahl des neuen US-Präsidenten geäussert hat, dem Kanon der Aussagen noch irgendetwas wirklich Neues hinzuzufügen. Aussenpolitik, Wirtschaft, Haushalt und Steuern, Handelspolitik, Immigration, Justizwesen, Gesundheit, Waffenrecht, Verteidigung, Klimaschutz, Sozialpolitik, innere Sicherheit – auf all diesen Themen bezogen sich in den letzten Tagen Hunderte und Tausende von Artikeln, Interviews und Talkshows. Doch was bedeutet Trump eigentlich für die Wissenschaft, die sich in intellektueller Hinsicht wohl in stärkster Gegnerschaft zu ihm wähnen muss?

Über seine konkrete Wissenschafts-Agenda ist (wie wohl zu ziemlich jedem politischen Feld) noch nicht viel bekannt. Aber Wissenschaftler machen sich bereits Sorgen. Die Ankündigung massiver fiskalische Expansion und Investition wird wohl in guter Tradition republikanischer Haushaltspolitik seit Ronald Reagan in erster Hinsicht der öffentlichen Infrastruktur und dem Militär zugutekommen. Gut möglich, dass dafür bei der Wissenschaft gekürzt wird. Konsistent mit Trumps Ablehnung faktischer und wissensbasierter Argumentation und Rhetorik wäre es durchaus (bei Reagan war dies allerdings nicht der Fall, denn Wissenschaft ist auch von grosser militärischer Bedeutung, wie er erkannt hatte).  Dazu kommt eine möglicherweise striktere Einwanderungspolitik. Welche andere gesellschaftliche Kraft lebt so stark von der Offenheit im Austausch von Ideen und Theorien wie die Wissenschaft? Der chinesisch-stämmige Professor am MIT hängt davon ab, sich mit seinem indischen Kollegen in Delhi oder einer Expertin aus Brasilien austauschen zu können. Nicht zuletzt aufgrund ihrer offenen und liberalen Einwanderungspolitik sind die USA über die Jahrzehnte zur bedeutendsten Wissenschaftsmacht der Welt aufgestiegen.

Am deutlichsten wird die Haltung des neuen US-Präsidenten zur Wissenschaft allerdings in dessen sich anbahnender „Klimapolitik“. Auf der Grundlage empirischer „Fakten“ und modelltheoretische Kohärenz bekennen sich die Wissenschaftler unterdessen nahezu einstimmig zu einem klaren Bild. Die wissenschaftliche Faktenlage liegt längst jenseits aller vernunftbasierten Bezweifelbarkeit. Auch wenn die Komplexität der zugrundeliegenden Zusammenhänge komplett unbezweifelbare Prognosen oder Formulierungen von 100% eindeutigen Kausalzusammenhängen von Seiten derjenigen, die am meisten davon verstehen, nach wie vor verbietet und es zudem in der Natur und beruflichen Ethik der forschenden Protagonisten liegt, ihre Aussagen und Modelle immer wieder mit dem Prädikat des Unfertigen zu versehen, so zeichnet sich nichtsdestotrotz unterdessen eine so erdrückende wie unangenehme Indizienlage ab: Unser Klima verändert sich auf dramatische Art und Weise. Und alle Indizien zeigen dahin, dass diese Veränderungen von uns ausgehen.

Doch mit einer unangenehmen Mischung aus Arroganz und Ignoranz lautet der Kanon  der politischen Akteure Trump’scher Prägung: „Wir lehnen den Klimawandel ab“. Dass die Wortwahl eine entblössende Ironie enthält, entgeht den Protagonisten dabei vermutlich. Sie sollten sich vielleicht mal überlegen, was ihnen passiert, wenn sie mal das Gravitationsgesetz ablehnen (immerhin wären sie dann auf dem Stand vieler Zeitgenossen Isaac Newtons): Vielleicht könnten sie dann fliegen? Es wäre nicht verwunderlich, wenn auch diese Aussage Eingang in die Rhetorik eines US-Präsidenten Donald Trump finden würde.

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Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

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  1. Zitat:

    hier lebte die Intelligenzija auf ihrer eigenen Informationsinsel

    . Ja, Trump gewann 80% der Landfläche der USA für sich und Clinton gewann die Inseln bestehend vor allem aus den Städten. Dies zeigt der NYT-Artikel The Two Americas of 2016

    Wenn hier von der Wissenschafts-Community die Rede ist, muss man sich bewusst sein, dass man von Promillen bis Prozenten der Gesellschaft spricht. Die heutige Gesellschaft wird zwar durch Wissenschaft und Technik geprägt, nicht aber durch Wissenschaftler. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein normaler Bürger einen Wissenschaftler als Freund hat, ist sehr gering, selbst wenn man zu den Freunden auch die Facebook-Freunde hinzuzählt.

    In einem Punkt haben sie wohl nicht ganz recht. Donald Trump lehnt den Klimawandel keineswegs so klar ab, wie sie das behaupten. Immerhin gehört er zusammen mit seinen Kindern zu den Mitunterzeichnern eines Aufrufs zum Klimagipfel in Kopenhagen, der von den Politikern Handeln einfordert.
    Sie vergessen eines: Es geht in der Politik nicht um die Wahrheit, es geht darum die Stimmen der Leute zu gewinnen. Und das macht man indem man die Leute anspricht, indem man die Sprache der Leute spricht und indem man den Wählern etwas verspricht. Mit Kliampolitik können sie die Leute nicht hinter dem Ofen hervorholen.

    Trump hat zusammen mit seinen Kindern folgenden Aufruf unterschrieben:

    “We support your effort to ensure meaningful and effective measures to control climate change, an immediate challenge facing the United States and the world today,” the letter tells the president and Congress. “Please allow us, the United States of America, to serve in modeling the change necessary to protect humanity and our planet.”

    • Im Unterschriftenfeld unter dem obenstehenden Aufruf findet man:

      Martha Stewart, Founder, Martha Stewart Living Omnirnedo. Inc. Jeffrey Swartz, CEO, Timberland Torn Szaky, CEO, TerraCycle Donald J. Trump, Chairman and President, Donald J. Trump Jr., EVP, Eric F. Trump, EVP, lvanka M. Trump, EVP, The Trump Organization Jeart-Georges Vongenchten, Executive Chef & Owner, Jean-Georges Management LLC

    • @ Herr Holzherr :

      Donald Trump lehnt den Klimawandel keineswegs so klar ab, wie [S]ie das behaupten.

      Korrekt, ansonsten könnte er sich sein Gerede über die “clean Coal” sparen, es gibt verschiedene Donald J. Trumps, es gibt ihn als Entertainer / Spaßmacher, als Wirtschaftsboss, als Anwärter im Ringen um die US-republikanische Präsidentschaftskandidatur, als Anwärter das Präsidentschaftsamt meinend, hier schon wesentlich präsidentieller auftretend, und als Gewinner, dessen Dankesrede sehr moderat ausfiel, wie auch politisch Linke anzumerken wussten.

      Einige meinen, dass Trump ein politisches Urtalent ist, wie in der BRD nur Franz Josef Strauß möglicherweise, aber besser.
      Sollte diese Annahme stimmen, wird es noch einige Überraschungen geben, auch deshalb weil Trump bereits im Wahlkampf “sozialdemokratisch” auftreten konnte und eben adaptiv ist, wohl auch versöhnen will, was natürlich wegen der ins Auge gefassten Maßnahmen nicht leicht fallen wird – Trump gilt ja als sehr moderater US-Republikaner.
      Er wird ganz anzunehmenderweise keinen “knallharten” politischen Kurs fahren, weil er sich dann (selbst) der Unterstützung der US-Republikaner im “House” und Senat nicht sicher sein kann, zudem steht er in besonderer Verantwortung seiner Familie gegenüber, er kann es schlicht nicht “versauen”.
      Er kann scheitern, aber er wird nicht an Maximalforderungen scheitern.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • Ja, Trump holt Leute aus der fossilen Industrie in Umweltbehörden.
        Und klar verpflichtet eine Unterschrift unter einen Aufruf zu gar nichts. Bei Leuten wie Trump geht es bei so etwas mehr um die Selbstdarstellung als um eine Verpflichtung.
        Aber auch die Aussagen von Trump auf seinem Twitter

        The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make U.S. manufacturing non-competitive.

        ist nicht als Bekenntnis aufzufassen und ist wahrscheinlich nicht auf seinem Mist gewachsen ( ein retweet?). Allerdings wurde dieser Trump-Tweet sehr oft retweeted. So gesehen war er ein Erfolg für Trump (Trump’s climate-change conspiracy was the most retweeted tweet during the first debate).

        Wie also ist Trumps Position zum Klimawandel einzustufen? Am ehesten gilt wohl, dass ihn primär gar nicht die Wahrheit interessiert. Vielmehr betriebt er die Energiepolitik – wie alles andere – im vermeintlichen Interesse der USA und der US-Industrie – und nicht im Interesse der Welt.

        • Das mit China als Erfinder des Konzepts des Klimawandels ist m.E. nur Gewäsch und nicht als Meinung ernst zu nehmen. Ansonsten ist Trump wahrscheinlich ein Opportunist seiner selbst. Was zählt, ist das er gewinnt.

  2. Herr Jaeger, einige Aussagen des dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Artikels könnten der Feder des Schreibers dieser Zeilen entsprungen sein, sind sie auch, es könnte derart zitiert werden, nett bspw. das bspw. mit der Gravitationstheorie, die schlecht ‘abgelehnt’ werden kann, wie viele finden – womit natürlich nicht unterstellt werden soll, dass Sie Kenntnis von bestimmten Kommentaren des Schreibers dieser Zeilen hatten.

    Zwei Kritikpunkte vielleicht noch:
    1.) Politiker sind Generalisten, sie dürfen bis müssen “auch mal” flach aussagen, wenn sie verstanden werden wollen, Donald J. Trump ist aus Sicht einiger höchst adaptiv, trotz seines Alters, und wird zur Klimaproblematik, den atmosphärischen “zusätzlichen” anthropogenen CO2-Ausstoß meinend womöglich noch zu angemessener Einschätzung kommen.
    2.) Politisch links ist nicht liberal, vgl. mit ‘linksliberal’; ‘linksliberal’ ist ein Oxymoron, es ist nicht möglich politisch links zu sein, also dem philosophischen Kollektivismus zu folgen, und gleichzeitig liberal, also dem philosophischen Individualismus, Sapere Aude und so, zu folgen, weil jeweils Antonyme vorliegen.

    Sehr nett auch die Erklärung der Faktizität – und zum ‘Populismus’ noch kurz, hier das (oft nicht gerne genannte) Antonym ‘Elit(ar)ismus’ mitspielend, also hier ist wohl auf der Schiene “Populismus-Elitismus” ein Mittelweg zu finden.
    Die Extrema wären jeweils schlecht und sind demokratisch, von der Grundidee her, die Herrschaft der Menge meinend, höchst vermeidenswert.

    MFG
    Dr. Webbaer

    • PS und huch! hierzu :

      der rechtspopulistischen Ikone Ayn Rand

      Rand ist eine radikal-liberale elitistische ‘Ikone’.
      Vorsichtshalber distanziert sich der (liberale) Schreiber von ihr, findet sie aber nicht schlecht.
      Es ist nicht cool Sichten anderer, die schlicht nicht als gut befunden werden, mit ‘populistisch’ zu adjektivieren, oder?

  3. Ganz und gar teile ich die einschätzung, dass der neue US-präsident einer der größten unglücksfälle für die westlichen demokratien und die globalisierte welt insgesamt ist, die wissenschaften eingeschlossen. Aber ich denke es liegt hier ein großes missverständnis vor. Denn weder in der politik (wie einer der kommentatoren schreibt) noch in der wissenschaft geht es um wahrheiten. In der politik geht es darum, durch gesetze, regelungen verordnungen und beschlüsse fakten zu schaffen, die die rahmenbedingungen eines staates und seiner gesellschaft bilden, diese sind aber immer interessengeleitet. D.h. aber auch, diese können je nach interessenslage wissenschaftliche erkenntnisse außer acht lassen und diesen komplett widersprechen. Stichwort ölindustrie vs. klimawandel.

    Die wissenschaft, wie schon der name sagt, bezieht sich auf wissen, also erkenntnisse, daten, beobachtungen, zusammenhängen und schlussfolgerungen, die die welt, wie sie mithilfe der wissenschaften verstanden werden kann, am besten und plausibelsten erklären. Und zwar so lange, bis es eine bessere theorie oder gesichertere fakten gibt. Es geht also nicht darum etwas für wahr zu erklären, sondern ein modell, eine theorie, eine schlussfolgerung gegen die angriffe von ignoranten oder aus der wissenschaft als nicht falsch zu verteidigen. Das problem ist aber das wissenschaftliche prinzip bzw. die wissenschaftliche methode, durch die sich immer wieder nur vorläufige gültigkeiten ergeben. Sich dazu zu bekennen bedeutet im grunde aber auch, dass man nur “unsichere” aussagen machen kann, die in ihrer struktur glaubenssätzen ähneln, wie sehr die fakten auch gesichert sein mögen. Aber so ehrlich muss die wissenschaftsgemeinde sich schon machen. Und dennoch ist es eben das beste, was uns als entscheidungs und arbeitsgrundlage zur verfügung steht. Und es ist ja auch nicht so, dass nur weil es neue, bessere daten gibt, feinere messungen, eine theorie direkt falsch ist, denn einstein hat newton ja lediglich verallgemeinert und nicht widerlegt.

    So gesehen hinkt das beispiel mit der gravitation auf zwei beinen. Erstens machte es überhaupt keinen unterschied, ob der ablehnende die eine oder die andere form des gravitationsgesetzes ablehnte, wirksam wäre sie dennoch. Zweitens ist eine solche person ohnenhin im ignoranzbereich vornewtonschen weltverständnisses. Und drittens ist der klimawandel keineswegs so sicher gültig wie ein naturgesetz, wenn auch nicht weniger evident. Und auch ihn kann man nicht einfach ablehnen, denn die folgen, die wir jetzt nur in ihren andeutungen erleben können, werden auch dann verheerend sein, nach allem, was man weiß. Aber man kann ihn aus politischen, interessengeleiteten gründen ignorieren, wider besseres wissen. Die wissenschaftliche datenlage ist klar, die modelle und simulationen, die diese daten in die zukunft extrapolieren und zu prognosen herangezogen werden sollen, sind naturgemäß nicht zu 100% sicher, weil sie keine 1:1 abbildungen der wirklichen welt sein können, aber es sind die besten näherungen, die wir heranziehen können, wenn wir eine einschätzung vornehmen wollen. Und die entwicklungen der letzten jahre zeigen, dass die modelle eher zu optimistisch sind, denn die temperaturen steigen weiter, die gletscher schmelzen schneller, auch in der arktis und antarktis, der meeresspiegel steigt etc. Also die wissenschaftsgemeinde darf nicht nur in ihren gremien, konferenzen, symposien usw. unter sich bleiben, darf nicht nur in den einschlägigen wissenschaftlichen zeitschriften publizieren, sondern muss auf allen kanälen offensiv darstellen, wie es sich tatsächlich verhält. Sie muss sich und ihre ergebnisse offensiv verteidigen. Und wenn sie gerade bei einem thema wie dem klimawandel versagt, dann ist das der globale supergau.

    ihr ndray

    • > Denn weder in der politik (wie einer der kommentatoren schreibt) noch in der wissenschaft geht es um wahrheiten.

      Korrekt.
      In der Tautologie kann es Wahrheit geben und in der Politik wird sie gerne (nur) behauptet. Oder sie meint in der Politik etwas anderes als Wahres…

      > Und zwar so lange, bis es eine bessere theorie oder gesichertere fakten gibt. Es geht also nicht darum etwas für wahr zu erklären, sondern ein modell, eine theorie, eine schlussfolgerung gegen die angriffe von ignoranten oder aus der wissenschaft als nicht falsch zu verteidigen.

      So isses.

      > So gesehen hinkt das beispiel mit der gravitation auf zwei beinen.

      Es hinkt, ist aber womöglich das bestmögliche Beispiel.

      > Und drittens ist der klimawandel keineswegs so sicher gültig wie ein naturgesetz, wenn auch nicht weniger evident.

      Physikalische Theorien sozusagen bestimmter empirischer Dichte werden von erkennenden Subjekten “gerne mal” als Naturgesetz gesetzt.

      > Die wissenschaftliche datenlage ist klar, die modelle und simulationen, die diese daten in die zukunft extrapolieren und zu prognosen herangezogen werden sollen, sind naturgemäß nicht zu 100% sicher, weil sie keine 1:1 abbildungen der wirklichen welt sein können, aber es sind die besten näherungen, die wir heranziehen können, wenn wir eine einschätzung vornehmen wollen.

      Beim (soz. CO2-zentrierten) Klimwawandel ist weder die Datenlage, noch die Theoretisierung ‘klar’, so ist z.B. der effektive Wert der sog. Klimasensitivität, das atmosphärische CO2 und die Feedbacks meinend, noch vage.

      > Sie muss sich und ihre ergebnisse offensiv verteidigen. Und wenn sie gerade bei einem thema wie dem klimawandel versagt, dann ist das der globale supergau.

      Von Storch ist hier ein interessanter Mensch, er verteidigt die klimatologischen Erkenntnisse gerne auch defensiv, was gar nicht so schlecht zu sein scheint, gar in der Lage besonderes Vertrauen zu schaffen.
      So richtig politisch werden soll die hier gemeinte Klimatologie wohl nicht…

      MFG

  4. Postfaktizität interpretiert als Zunahme von faktenimmunen säkularen Glaubensbekenntnissen hat im Westen tatsächlich sowohl im linken als auch im rechten Lager Auftrieb.
    Im linksgrünalternativen Lager gehören dazu Dinge wie Impfgegnerschaft, Angst von Mobilfunk und Hochspannungsleitungen, Verteufelung von genmodifizierten Pflanzen selbst wenn sie wie im Falle des Golden Rice, Millionen vor Krankheit bewahren würden und Ideologien wie Ernährungssouveränität (ja Ägypter, Saudiarabier: ernährt euch selber oder verlasst das Land!) , die Lobpreisung der Öko-&Biolandwirtschaft selbst wenn wissenschaftliche Hinweise auf ihre Überlegenheit fehlen, sowie Behauptungen wie das Kleinbauerntum sei die Zukunft der Landwirtschaft (von Städtern behauptet), schliesslich gehört auch die Opferung der Wahrheit auf dem Altar der politischen Korrektheit dazu.
    Im rechten und religiösen Lager sind es die Kombination von Leugnung der Evolutionslehre wie die des Klimawandels und die Ablehnung von Stammzellenforschung, Genderforschung und anderen Forschungsrichtungen, die das angestammte Menschen- und Gesellschaftsbild in Frage stellen – etwas was vor allem in den USA weit verbreitet ist.

    Säkulare Glaubens- und Heillehren haben tatsächlich zugenommen und der Glaube, den ich damit meine, ist von Natur aus faktenresistent, denn dieser Glaube schafft überhaupt erst die dazugehörige Glaubengemeinschaft. Wenn jedes dahergelaufene Faktum diesen Glauben in Frage stellen würde, hätte er – der Glaube – ein kurzes Leben. Dabei gibt dieser Glaube doch vielen erst Halt im Leben von vielen postfaktisch Lebenden.

    • @ Herr Holzherr :

      (…) schliesslich gehört auch die Opferung der Wahrheit auf dem Altar der politischen Korrektheit dazu.

      Negativ. – Weil es in der Natur (vs. Tautologie) keine Wahrheit gibt, sondern “nur” empirisch adäquate Erkenntnis, manche kommen hier auch mit der Adjektivierung: ‘evidenzbasiert’, konnte keinerlei Wahrheit auf einem Altar geopfert worden sein.

      Was Sie meinen, ist das soziodynamische Zensursystem der sog. Politischen Korrektheit, die sich dadurch auszeichnet, dass aus ihrer Sicht bestimmte Aussage / Meinung / Theorie nicht verlautbart werden darf – unabhängig von ihrer Faktizität oder ihrem Sinngehalt.
      Weil “böse” – konditioniert wird hier idR mit Ausgrenzung, Ächtung, “Shaming” und manchmal auch handgreiflich, in der BRD steht bspw. die medial auffällig wenig beachtete, zumindest vom BJM Heiko Maas, Indymedia, gerade auch dafür bereit. (Zumindest schaut es so aus.)

      Säkulare Glaubens- und Heillehren haben tatsächlich zugenommen und der Glaube, den ich damit meine, ist von Natur aus faktenresistent, denn dieser Glaube schafft überhaupt erst die dazugehörige Glauben[s]gemeinschaft.

      Esoterik, vs. Exoterik, hat in den letzten Jahrzehnten abgenommen, in der Menge oder Masse, Esoterik ist ihrem Wesen nach auch nicht ‘faktenresistent’, sondern an natürlicher Erkenntnis sozusagen desinteressiert.
      Esoterik spielt in einer anderen Liga als in der der Naturwissenschaftlichkeit, das sogenannte Intelligent Design stellt zwar gelegentlich brauchbare Fragen, bleibt aber esoterisch.

      Hier kann sich natürlich auch etwas ändern, wird sich so in der BRD wohl auch alsbald etwas ändern.
      >:->


      Ansonsten muss die Esoterik nicht schlimm sein, jeder hat esoterische Neigungen, glaubt bspw. an (Ehe-)Frau und Freund, an bestimmte Fußballvereine oder Statussymbole.

      Wichtich bleibt halt die moderne skeptizistische (Natur-)Wissenschaftlichkeit zu verstehen, auch die Faktizität als Konzept und vor allem auch die Trennung “Esoterik-Exoterik”.

      MFG
      Dr. Webbaer

      • Nein, nicht Esoterik dominiert das linksgrünalternative Denken, sondern Idealvorstellungen – Idealvorstellungen, die durchaus Verwandtschaft mit der Romantik zu Beginn des Industriezeitalters Ähnlichkeit haben. Politische Korrektheit in der extremen Variante wie sie an US-Hochschulen grassiert ist oft nichts anderes als eine Abschottung gegenüber allen möglichen Verletzungen, ja gegen die Welt an und für sich. Triggerwarnungen bei Vergilvorlesungen, (obligatorische) Warnungen von Literaturprofessoren, die Geschlechter-Sicht des jetzt behandelten Werkes entspreche nicht der heutigen Auffassung und könne für zartbesaitete Seelen eine Zumutung sein – all das läuft auf einen Rückzug hinaus, einen Rückzug sogar von der Realität und der Welt.

        Es gibt diese Abschottung gegenüber der heutigen Welt, gegenüber der heutigen Realität auch auf der rechten Seite, sie äussert sich nur etwas anders.

        Insgesamt lässt sich links wie rechts der Versuch der Immunisierung gegenüber der Realität und der Welt durch Flucht in Phantasiewelten feststellen.

        • @ Herr Holzherr :

          Nein, nicht Esoterik dominiert das linksgrünalternative Denken (…)

          Ist weiter oben (hoffentlich) nicht behauptet worden, also das, was Sie negieren.

          Insgesamt lässt sich links wie rechts der Versuch der Immunisierung gegenüber der Realität und der Welt durch Flucht in Phantasiewelten feststellen.

          Nicht bei den Konservativen, denn die sind konservativ am Bestand der aufklärerischen Gesellschaftssysteme, so wie sie vorliegen, ‘as is’ sozusagen, interessiert.
          Konservativen würde der Schreiber dieser Zeilen so nicht vorwerfen.


          Insgesamt, vielleicht ist dies einigen aufgefallen, es findet gerade global eine Verschiebung ins konservative, politisch “rechte” Lager statt, Brexit, Trump, die überraschende Bestätigung Camerons, der Guardian hat sozusagen dreifach zu leiden, und bestimmte pol. Entwicklung in Staaten des ehemaligen Ostblocks sind gemeint, diese könnte in Österreich, Frankreich und in den Niederlanden demnächst noch klarer werden.

          Ratio kann der Schreiber dieser Zeilen hier nicht absprechen, auch weil der Liberale, sofern kein: Anarcholiberaler (oder anderweitiger Experimentator), den Nationalstaat schätzt, als persistent, als besser als Vielvölkerstaaten oder Imperien, die zum Zerfall neigen, auch dem allgemein anerkannten Selbstbestimmungsrecht der Völker folgend; die Nationalökonomie heißt auch nicht zufällig so.

          MFG
          Dr. Webbaer (der Trump auch wegen seiner Authentizität schätzt, von Plauderern und Sozialingenieuren im Moment genug hat, zudem eben auch auf seine Anpassungsfähigkeit setzt, auch die Klima-Problematik betreffend)

        • “insgesamt lässt sich links wie rechts der Versuch der Immunisierung gegenüber der Realität und der Welt durch Flucht in Phantasiewelten feststellen.”

          Insgesamt lässt sich wohl eher feststellen, dass die Phantasiewelt, die als neue Weltordnung etabliert werden soll, den Bedingungen der Realität nicht gewachsen ist. Was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass sie aus einer Protesthaltung der Jugend nach dem zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist, einer Jugend, die nach dem Hippie- und “Make love, not war”-Lebensgefühl den Existenzialismus, den Marxismus für sich entdeckte, das Rad der Aufklärung noch einmal erfand und meint(e), aller Welt die neue Frohe Botschaft bringen zu müssen, inklusive der Ideologie der political correctness. Die Zerschlagung gewachsener Strukturen, die mit dieser neuen Weltordnung einhergeht, passt zwar in die Postmoderne, hat deshalb aber die Demokratie noch nicht schon für sich gepachtet.
          Zu den Strategien der Realitätsabwehr gehört daher auch, dass ausgeschlossen wird, wer nicht mitspielt, dass ehrabschneidenden Angriffen ausgesetzt ist, wer wie Trump zur Bedrohung der moralistischen Weltordnung wird.

          Und es ist keineswegs Abschottung, was an den US-amerikanischen Hochschulen passiert, sondern der Versuch, eine Zensur einzuführen – allein dies zu verharmlosen und die Täter zu Opfern machen zu wollen, ist schon bedenklich und lässt nichts Gutes ahnen, sollte sich der bisherige Trend fortsetzen.

          • @ Trice :

            (…) das Rad der Aufklärung noch einmal erfand und meint(e), aller Welt die neue Frohe Botschaft bringen zu müssen, inklusive der Ideologie der political correctness.

            Ihr Kommentatorenfreund hält diese progressive, manche meinen auch: regressive, Bewegung der politischen Linken für anti-aufklärerische Reaktion.
            Insofern bietet sich auch diese Frage an:
            ‘Was bedeutet diese Politische Richtigkeit für die Wissenschaften?’

            Donald J. Trump ist insofern für diese Bewegung sehr gefährlich, weil er die sog. Politische Richtigkeit ignoriert und kräftig austeilt (ähnlich wie Dr. W, allerdings deutlich wirkmächtiger).
            Insofern ist, aus Sicht des Schreibers dieser Zeilen, insbesondere auch bestimmte Wissenschaft oder “Wissenschaft” meinend, bspw. die sogenannten Gender Studies, zukünftig mit anhaltender Dämonisierung Trumps zu rechnen.
            Ganz ähnlich wie alsbald auch in Europa, diesmal auch, aber nicht unbedingt vorrangig Trump meinend.
            Immigration, gerade auch illegale, ungesteuerte und mengenmäßig unklar begrenzte, wird zunehmend gesellschaftlich diversiv wirken.
            (Russische Dienste haben den Zerfall der USA vorhergesagt, dies nur am Rande notiert, Austrittsrechte haben die einzelnen Staaten der USA ja, und hier “nicht wirklich” überzeugt.)


            Selbstverständlich hat Trump, dies noch einmal zur Klarstellung und vorsichtshalber angemerkt, zur Klimaproblematik beizeiten, gerne auch zeitnah, angemessene pol. Sicht zu entwickeln.

            MFG
            Dr. Webbaer

          • PS @ Trice + eijeijei :

            -> https://www.welt.de/debatte/kommentare/article159606823/Wenn-das-Netz-weiter-luegt-ist-mit-Freiheit-Schluss.html (K-Proben: ‘Ein Letztes: Wir müssen weiter diskutieren, ob die Betreiber der Plattformen nicht mehr tun müssen, um das Netz nicht nur von rechtswidrigen Inhalten frei zu halten [Hervorhebung: Dr. Webbaer], sondern von Lügen generell gerade in der politischen Debatte.’ + ‘Wenn das Netz weiter lügt, ist mit Freiheit Schluss’)

            KA, denkt hier jemand, dass bspw. der (liberale) Dr. Webbaer lügt oder Hass verbreitet?

            Was bedeutet Volker Kauder für Wissenschaft und Kultur?

            MFG
            Dr. Webbaer (der als Nicht-Deutscher-Staatsbürger hier natürlich gut lachen hat, wegen der hier geschilderten Vermessenheit)

  5. @Dr. Webbaer

    Die Bewegung der politisch Linken, Linksgrünen, ehemaligen Außerparlamentarischen, usw., ist nicht re-, schon gar nicht pro-, sondern schlichtweg aggressiv, was insbesondere für die ideologische Politische Korrektheit gilt, von der Peter Furth in seinem Buch “Massendemokratie” schreibt, sie sei eminent feindselig. Eine gegen das Establishment rebellierende Jugend hat es schon immer gegeben. Dass sie aber das Weltbild bestimmt, das sich nicht nur Politik und Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben haben – und wenn BayerVorstandschef Baumann erklärt, dass Bayer mit der Übernahme von Monsanto den Hunger in der Welt bekämpfen will, dann weiß man, wofür die Wirtschaft einen Menschenrechtsuniversalismus braucht -, sondern auch in der Wissenschaft die Segel danach ausgerichtet werden, dann ist das schon einmalig: eine Generation, noch ohne Lebenserfahrung, bestimmt die politisch-moralische Richtung und diskreditiert Andersdenkende, die der schönen Weltbürgeridee die harte Wirklichkeit entgegensetzen wollen.
    Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Menscheit, dass eine wundervolle Idee von Nächstenliebe, Menschenrechten und Gleichheit Aller in Kreuzzügen und Zwangschristianisierung, auf dem Scheiterhaufen, der Guillotine oder den Gulags geendet hätte: Fiat humanitas et pereat mundus.

    Was die Wissenschaft betrifft, so hat doch schon Stephan Schleim in seinem benachbarten Blog in dem Beitrag: “Skeptizismus oder Agnostizismus: Wer rettet die Wissenschaft?” darauf hingewiesen, nach welchen Kriterien heute bestimmt wird, was und wie geforscht wird. Und Klimawandel ist schon längst kein Thema mehr für die Wissenschaften, anderenfalls würde es kontrovers diskutiert, sondern er ist ein Politikum: Jeder, der dagegen argumentiert, ist automatisch dem Lager des Bösen zuzurechnen.

    Was den Hass betrifft: Lieber Herr Dr. Webbaer, Sie werden doch sicher den psychoanalytischen Begriff “Projektion” kennen, sprich: die eigenen ungeliebten (gehassten) Anteile auf den (politischen) Gegner projizieren und sie an ihm bekämpfen. Und je größer der Eigenhass, umso erbitterter die Bemühung, den Anderen zu vernichten.
    Es spielt also keine Rolle, dass Sie oder ich keinen Hass verbreiten. Gegen die Unterstellung gibt es keine wirksame Abwehr.

    Eh ich’ s vergesse, auch eine Aussage von Furth: Die Feindseligkeit der politischen Korrektheit zeigt sich u.a. darin, dass sie ein neues Verbrechen erfunden hat: das Hass-Verbrechen. Orwell lässt grüßen …

    • @Trice

      Sie rutschen in Ressentiments ab, aber das ist ja zur Zeit groß in Mode.

      “Die Bewegung der politisch Linken, Linksgrünen, ehemaligen Außerparlamentarischen, usw., ist nicht re-, schon gar nicht pro-, sondern schlichtweg aggressiv, …”

      Einfach alles über den Kamm scheren, wird schon stimmen. Trump hat Hass gesät, den ernten wir jetzt alle in der westlichen Welt.

      Das ist ein Spruch von einem Breitbart-Typen, auf einer Werbeveranstaltung für Trump:
      „Maybe it’s time to make America hate again.“ http://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-amerika/milo-yiannopoulos-zeremonienmeister-des-hasses-14515212-p2.html

      “Was die Wissenschaft betrifft, so hat doch schon Stephan Schleim in seinem benachbarten Blog in dem Beitrag: „Skeptizismus oder Agnostizismus: Wer rettet die Wissenschaft?“ darauf hingewiesen, nach welchen Kriterien heute bestimmt wird, was und wie geforscht wird. Und Klimawandel ist schon längst kein Thema mehr für die Wissenschaften, anderenfalls würde es kontrovers diskutiert, sondern er ist ein Politikum: Jeder, der dagegen argumentiert, ist automatisch dem Lager des Bösen zuzurechnen.”

      So ein Blödsinn. Seit Jahrzehnten fährt die Carbon-Lobby einen absurden ideologischen Kampf gegen die Theorie des anthropogenen Klimawandels und flutet die Öffentlichkeit mit den dümmsten Argumenten, die sich natürlich nicht an die Wissenschaft richten, sondern an die Laien, die verunsichert werden sollen. Wie lange soll man denn noch den Klimawandel “kontrovers” diskutieren? Wir wissen genug, um zu wissen, dass eine Klimaerwärmung überwiegend katastrophale Folgen haben wird. Wie viele IPCC-Berichte soll es denn noch geben, bis der ungeneigte “Skeptiker” es akzeptiert?
      Wissenschaft bedeutet auch, einmal Fakten und die besseren Theorien zu akzeptieren, anstatt endlos die alten, widerlegten Vorwürfe wiederzukäuen.

      • @Paul Stefan
        “Sie rutschen in Ressentiments ab, aber das ist ja zur Zeit groß in Mode. ”

        Witzig! Aber mal im Ernst: ich weiß zwar nicht, wie alt Sie sind, aber ich bin 70 und habe die Zeit, in der die heutige politisch-gesellschaftliche Situation ihren Anfang nahm, miterlebt und anfangs sogar mit gemacht: gegen Vietnamkrieg, für Frauenrechte – gegen den Stichentscheid des Vater, die Teilung der elterlichen Gewalt bei unehelich geborenen Kindern, die Erlaubnis vom Ehemann zu benötigen um arbeiten zu dürfen, usw. Und wenn es eine Generation gab, die Toleranz tatsächlich übte, dann war es die Generation meiner Eltern, die nach zwei Kriegen zu müde und zu verunsichert war, um der rebellierenden Jugend und ihrem “Jargon der Weltoffenheit” Widerstand entgegenzusetzen.
        Skeptisch wurde ich, als die Kinderläden aufkamen, die antiautoritäre Erziehung propagiert wurde, und endgültig aufgewacht bin ich, als die Bewegung, weil sie ihre schöne neue Welt nicht sofort bekam, zu gewalttätigen Demonstrationen überging, der radikal-terroristische Zweig als RAF in die Geschichte einging, zum Marsch durch die Institutionen aufgerufen wurde und Gruhls grüne Umweltpartei von der APO unterwandert und umgebaut wurde, und unter dem Deckmantel des Umweltschutzes und unter der Firmierung “Menschenrechte” die politische Korrektheit zur Ideologie wurde:
        Aus unserem Engagement für Frauenrechte wurden die unseligen Gender-Diskussioen, aus Selbstverwirklichung Rücksichtslosigkeit und Egoismus, die Gleichberechtigung ist zur Gleichmacherei geworden und geht zunehmend zu Lasten der Kinder – die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
        Aber egal, was propagiert wird, es muss nur das Pickerl “Moral” draufgepappt werden und schon werden Vernunft und Verstand eingetauscht gegen Sentiment und Pathos.

        “Trump hat Hass gesät”

        Nein, hat er nicht, aber er löst ihn aus. Ich sagte ja, Sie verstehen den Mann nicht. Der Webbaer hat es schon richtig erkannt, Trump ist zwar nicht unbedingt ein Komiker, aber er findet garantiert lustig, was er macht – und manchmal macht er es auch nur, um zu zeigen: es stört mich nicht, was ihr denkt. Ich habe mit sehr vielen Menschen wie ihm zu tun gehabt, und alle waren immer überrascht, wenn sie merkten, wie ihr Verhalten bei anderen ankam. Sie hatten es lustig gefunden und meinten, die anderen haben halt keinen Humor. Was heißt, der Hass wurde bei den anderen Leuten ausgelöst, die dann entsprechend reagierten – und umso heftiger, je weniger die “Trumps” das einsahen.

        “Wie lange soll man denn noch den Klimawandel „kontrovers“ diskutieren? ”

        Wurde er das denn jemals? Die angeblichen “Gegner des Klimawandels” leugnen ihn ja nicht, sondern sagen nur, dass der vom Menschen ausgelöste Anteil daran eben genau das ist: einer der Faktoren, die mit zu einem Wandel des Klimas beitragen, das sich – wie es in der Geschichte der Erde mehrfach der Fall war – auch ohne menschliches Zutun ändern wird, nur vermutlich langsamer. Aber selbst das darf nicht mehr gesagt werden, als sei es ein Sakrileg.
        In seinem Artikel “Einige Hindernisse auf dem Weg zur Wahrneit” schreibt der Philosoph Prof. Klaus Fischer:
        “Wir wollen uns hier nicht in laufende Debatten einmischen, sondern nur die Wirkungsweise des Zeitgeistes verdeutlichen. Diese Wirkung besteht in der Anmaßung eines nicht vorhandenen Wissens, das sich darin ausdrückt, daß bestimmte Theorien, Hypothesen und Modelle für sicherer
        gehalten werden als sie sind. In manchen Fällen gewinnen sie in der Sicht der
        Zeitgeistbeflissenen einen Grad an Gewißheit, der diejenigen, die anderer Meinung sind, geradezu als unanständig und unehrlich, als Ungläubige
        oder Ketzer erscheinen läßt. So ergeht es heute denjenigen, die
        nicht glauben,
        – daß uns in erster Linie Schadstoffe in Nahrungsmitteln und Umwelt krank machen und die selbstverschuldeten Risiken demgegenüber vernachlässigbar sind,
        – daß ein selbsterzeugter Klima-GAU bevorsteht,
        – daß Geschlecht, Gene und Rasse keinen oder nur geringen Einfluß auf Intelligenz und Begabung haben,
        – daß wir die Kernenergie (in jedweder Form) nicht mehr brauchen, und
        – daß der Geist des Menschen nur eine informationsverarbeitende Maschine ist, die im Prinzip durch einen Chip ersetzt werden kann, und daß die Freiheit des Willens deshalb eine Illusion ist. ”
        http://www.ewmm.de/fileadmin/template/pdf/fischer_0305.pdf
        Und last, not least:
        Das hier …
        “Die frustrierte, verarmte oder sich ausgeschlossen und abgehängt fühlende „Horde“ hat sich einen starken Mann gewählt, von dem sie Beute erwartet.!

        … ist politisch absolut nicht korrekt, diskriminierend, abwertend und könnte ebenfalls Hass auslösen.
        *kopfschüttel*

        • Ich habe hier nicht vor, Exzessen aus dem linken, linksgrünen Milieu schönzureden, so sehr bin ich dort nicht verwurzelt.
          Was den Klimawandel betrifft, er wurde ausreichend diskutiert, es gibt fünf IPCC-Berichte, die die Forschung zusammenfassen.

          “einer der Faktoren, die mit zu einem Wandel des Klimas beitragen, das sich – wie es in der Geschichte der Erde mehrfach der Fall war – auch ohne menschliches Zutun ändern wird, nur vermutlich langsamer. Aber selbst das darf nicht mehr gesagt werden, als sei es ein Sakrileg.”

          Bei bisherigen Kenntnisstand ist CO2 mit anderen Treibhausgasen mit Abstand der wichtigste Klimatreiber und wenn Sie das nicht akzeptieren wollen, dann begeben Sie sich ins wissenschaftliche Abseits. So sieht es aus:

          https://scilogs.spektrum.de/wblogs/gallery/16/Marcott.png

          Ja, Trump ist auch ein Komiker, meinetwegen. Aber ich nehme mal an, dass keiner der Menschen, die sie getroffen haben, es soweit gebracht hat, wie er. Sie unterschätzen ihn, seinen Egoismus, seinen Narzissmus m.E. gewaltig.

          http://www.zeit.de/kultur/2016-11/donald-trump-biografie-die-akte-trump

          “Nein, hat er nicht, aber er löst ihn aus.”
          Er hat gehetzt, andere greifen das auf und gehen noch weiter damit.

          Ich:
          „Die frustrierte, verarmte oder sich ausgeschlossen und abgehängt fühlende „Horde“ hat sich einen starken Mann gewählt, von dem sie Beute erwartet.!
          Trice:
          … ist politisch absolut nicht korrekt, diskriminierend, abwertend und könnte ebenfalls Hass auslösen.
          *kopfschüttel*

          Könnte eventuell, vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Mehrheit entscheidet zwar die Wahl, aber hat deswegen nicht automatisch recht. Ich weise darauf hin dass bei der Wahl der Instinkt eine Rolle gespielt hat, nicht der Verstand. Wer sollte einen puer robustus denn sonst wählen als die plebs?

          • @Paul Stefan

            “Bei bisherigen Kenntnisstand ist CO2 mit anderen Treibhausgasen mit Abstand der wichtigste Klimatreiber und wenn Sie das nicht akzeptieren wollen, dann begeben Sie sich ins wissenschaftliche Abseits.”

            Also, entweder Sie lesen nicht, was ich geschrieben habe, oder Sie haben es überlesen: ” wie es in der Geschichte der Erde mehrfach der Fall war ”

            Ich rede nicht von 10 000 Jahren – die letzte Eiszeit liegt 2,5 Mio Jahre zurück, und die Erde ist 4,6 Milliarden Jahre alt -, sondern davon, dass es Warmzeiten auch vorher schon gegeben hat – ganz ohne menschliches Zutun. Niemand bestreitet, dass der Anstieg an CO2 auf den menschlichen Einfluss zurückgeht. Nur ignorieren alle, die dies als alleinigen Faktor für den Temperaturanstieg sehen, dass die Erde etwas mehr als nur 10 000 Jahre alt ist und dass es immer wieder Warm- und Kaltzeiten gegeben hat.

            “Aber ich nehme mal an, dass keiner der Menschen, die sie getroffen haben, es soweit gebracht hat, wie er. Sie unterschätzen ihn, seinen Egoismus, seinen Narzissmus m.E. gewaltig. ”

            Ich habe sie nicht getroffen, sondern mit ihnen gearbeitet und sie auch in der Familie …

            “Wer sollte einen puer robustus denn sonst wählen als die plebs?”

            Danke fürs Kompliment, ich gehöre nämlich auch dazu:
            https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article159058384/Fuer-den-Fortschritt-braucht-es-ADHS.html

            Zu denen, die auch dazu zählen, gehören u. a. Winston Churchill und John F. Kennedy – wer die wohl gewählt hat?
            Aber darin kann ich zustimmen:

            “Die Mehrheit entscheidet zwar die Wahl, aber hat deswegen nicht automatisch recht.”

            Trump, Churchill, Kennedy, Mozart, Hermann Hesse, Edison – alles pueri robusti, nicht zu vergessen die puerae robustae. Das ist wirklich die Minderheit in unserer Gesellschaft. Was nicht heißt, dass die Mehrheit deswegen recht hat.

    • Opi W kennt natürlich das Konzept der Projektion und dieses könnte, formal gut gemeint, auch X-Ismus [1], bedeuten.
      Hierzu gibt es aber, streng liberal gemeint, wie immer, eine Abweichung – ‘Es spielt also keine Rolle, dass Sie oder ich keinen Hass verbreiten. Gegen die Unterstellung gibt es keine wirksame Abwehr.’ -, denn es kann hier entgegengetreten werden, oftmals anscheinend auch größere Bevölkerungsschichten meinend, der Wähler, wie auch Donald J. Trump fortlaufend in seiner Kampagne anzumerken wusste, ist ja nicht doof oder dumm.
      Was hier auch helfen würde, wäre liberale [2], gar konservative Satire.

      MFG
      Dr. Webbaer (der im Abgang noch die verschwitzte Nachricht von Herrn Stefan zK zu nehmen hatte, hierzu noch anmerkt, dass Bullies idR links politisch positioniert scheinen, dem internationalistischen Kollektivismus folgend und im Rudel / in der Horde auftretend, ihrem Wesen entsprechend)

      [1]
      Der moderne X-Ist sagt am besten, dass er keiner sei und fordert dann doch Privileg an Hand von unveränderlichen Eigenschaften, angeblich: super-gut gemeint.

      [2]
      Anscheind ist Donald J. Trump auch Komiker / Entertainer, er ist jedenfalls, aus Sicht einiger, umwerfend lustig, höchst köstlich bspw. wie er den Kandidat des US-republikanischen Establishments, Jeb Bush, mit wenigen Sätzen “weggebissen” hat.
      Er hat viele Innovationen beigesteuert für zukünftige Wahlkämpfe, Scott Adams (“Dilbert”) hat hierzu einiges geschrieben.

      • @ Dr. Webbaer

        Dass jemandem etwas unterstellt wird, heißt ja nicht, dass deshalb auch Jeder glaubt, was da behauptet wird. Aber hängen bleibt immer etwas und beeinflussen lassen sich vor allem gutgläubige Menschen.

        Und zu [2]: Der Mann ist ein “Schlitzohr”, ;-), der hat sich schon ganz gut überlegt, wie er die erreichen konnte, die er auch erreichen wollte. Und ich kann mir gut vorstellen, dass es ihn köstlich amüsiert hat, wenn er Empörung hervorgerufen hat – und er deshalb noch einmal “draufgelegt” hat.

  6. Was haben wir zu erwarten?
    “”Trumps Marke steht für Aggression, Extravaganz und Stärke”, schrieb das Wirtschaftsmagazin Businessweek.”

    http://www.zeit.de/2016/48/donald-trump-us-wahl-praesident-unternehmer-stil/seite-2

    “Make Trump great again” offenbar.

    Im Schweiße meines Angesichts kann ich noch dem Webbaer sagen, dass Bullies auch rechts sein können. Was Trump ist, weiß keiner so genau, jedenfall kein Rudeltyp, sondern Rudelführer. Die frustrierte, verarmte oder sich ausgeschlossen und abgehängt fühlende “Horde” hat sich einen starken Mann gewählt, von dem sie Beute erwartet. Der wiederum hat sich Rechte bis hin zu bizarren Typen wie Bannon als Mannschaft ins Boot geholt. Ich sehe noch nicht, wie daraus etwas Gutes werden kann.

  7. @ Trice

    Wenn Sie Mozart und Trump unter die pueri robusti zählen, meinetwegen, ich kenne mich da nicht aus. Sie übersehen aber ebenso riesige Unterschiede. Mozart hatte eine stark empathische Ader, er hat Menschen und Kollegen geholfen, ihnen in Not Geld geliehen und reich und mächtig zu werden, war ihm nicht wichtig, er wollte nur mit seiner Kunst anerkannt und berühmt sein. Trumps Ego kann sich mit dem von Mozart und Churchill locker messen, seine Leistung mit 70 bislang überhaupt nicht.

    Und was Klimawandel betrifft zeigt Ihre Entgegnung nur eine riesige Naivität. Ja, die Klimatologen wissen ganz genau, dass es vor langer Zeit auch Warmzeiten gegeben hat. Ich verstehe nich, warum die “Klimaskeptiker” das als grandiose Erkenntnis verkaufen wollen. Es gab einen Brand im Dorf, die Öffentlichkeit spekuliert über die Ursache, und jemand sagt, ja, vor 500 Jahren hat hier der Wald gebrannt. Sehr geistreich!
    Mit der Erkenntnis, dass es schon früher Warmzeiten gegeben hat, ist nichts gesagt und schon gar bewiesen, dass die aktuelle Erwärmung auch natürlich ist. Man forscht seit Jahrzehnten und hat keinen natürlichen Antrieb gefunden, der die jetzige Erwärmung erklären könnte. Aber die anthropogenen Treibhausgase, die können die Erwärmung erklären!
    Haben Sie sich den verlinkten Graph angeschaut? Sehen Sie den raschen Temperaturanstieg? Wir verlassen das Holozän, wenn das so weiter geht. Das ist die klimatisch relativ stabile Epoche, in der die menschlichen Zivilisationen entstanden sind.

    • @Paul Stefan: ADHS
      “Wenn Sie Mozart und Trump unter die pueri robusti zählen, meinetwegen, ich kenne mich da nicht aus. ”

      Wenn Sie sich nicht auskennen, dann sollten Sie sich nicht anmaßen, darüber urteilen zu können.

      “Sie übersehen aber ebenso riesige Unterschiede. Mozart hatte eine stark empathische Ader”

      Ich übersehe da gar nichts, denn wenn es ein Gebiet gibt, auf dem ich Expertin bin, dann auf diesem.
      1. Das einzige, worin sich Menschen mit ADHS von den sogannten normgesteuerten unterscheiden , ist die Arbeitsweise ihres Gehirns, bzw. die Art und Weise, in der die interne verarbeitung geregelt ist. Dies prägt sich aus im Denken und im Verhalten, deshalb erkenne ich auch, wer Meinesgleichen ist, und wer nicht. Ansonsten gibt es bei uns die gesamte Bandbreite an Eigenschaften und Fähigkeiten wie bei den normgerechten.
      2. 1986 entdeckte die Mathematikerin Inge Schwank und 1997 ich, dass es diese beiden Gruppen gibt. Schwank nennt das Denken der normgerechten Gruppe eines in Begriffen und Beziehungen (Prädikaten), das Denken von Meinesgleichen als eines in Prozessen und Wirkungsweisen (Funktionen), ich nenne das prädikative zusätzlich zustandsorientiert, das von Meinesgleichen prozessorientiert.
      3. Wir wandten uns beide an an Prof. Dietrich Dörner, der in den 80er Jahren durch seine Experimente zum komplexen Problemlösen bekannt geworden war. Dörner hatte eine Reihe von Studien durchgeführt, in denen seine Probanden z.B. als Entwicklungshelfer, Bürgermeister oder als Organisatoren zur Bekämpfung der Waldbrandgefahr oder im Umweltschutz die jeweiligen Probleme lösen mussten. Per Computer wurden die Auswirkungen der Tätigkeiten über einen Zeitraum von mehreren Jahren bis zu drei Jahrzehnten hochgerechnet. dabe zeigte sich, dass die Probanden anfangs noch ganz gut zurecht kammen, langfristig ihre Maßnahmen ins Gegenteil umschlugen. Die Probanden wollten das damals nicht glauben und meinten, Dörner und sein team hätten manipuliert. Dörner sagte, es waren ganz wenige, die damit gut zurecht kamen. Und sie unterschieden sich von der Mehrheit darin, dass sie prozessorientiert dachten und auf Wirkungsweisen achteten. Dörner listete damals die Fehler auf, die das sogenannte normale Denken im Umgang mit solchen Prolemen macht – Merkel hat davon jeden einzelnen gemacht. Dörner kam damals zu uns und untersuchte mit diesen Aufgaben eine meiner Gruppen. Von denen hat nicht eine(r) diese Fehler gemacht. Das ist unsere Stärke und das ist die von Trump: wir können um ein Vielfaches besser mit komplexen Problemen umgehen – und genau das muss ein Präsident der USA können. Denn die Probleme, mit denen er zu tun hat sind komplex.

      “Mit der Erkenntnis, dass es schon früher Warmzeiten gegeben hat, ist nichts gesagt und schon gar bewiesen, dass die aktuelle Erwärmung auch natürlich ist. ”

      Es sieht so aus, als könnten Sie nicht in Wirkungsweisen denken, :-(.
      Doch, es ist sehr wohl etwas damit gesagt, dass es schon früher Warmzeiten gegeben hat. Ich erinnere mich, dass vor zwei bis drei Jahrzehnten die Frage nach der Ursache des Wechsels von Warm- und Kaltzeiten diskutiert wurde, darunter auch die Frage, ob wir in einer Zwischeneiszeit leben oder einer neuen Warmzeit entgegengehen, vor allem aber, ob es eine mögliche Periodizität gibt und womit sie zusammenhängen könnte, beispielsweise mit der Rotation unserer Galaxie und / oder der Bewegung des Sonnensystems innerhalb der Galaxie. Als der anthropogene Klimawandel ins Gespräch kam, habe ich noch gedacht, das ist typisch Mensch, dieser Allmachtsgedanke, zu glauben, wir seien fähig, in derartige Kreisläufe einzugreifen. Inzwischen habe ich mal im Internet recherchiert zu den damaligen Diskussionen – aber darüber habe ich nichts mehr gefunden. Und das gibt mir zu denken … aber vielleicht finden Sie ja etwas darüber?

      Und ja, ich habe mit den Graph angeschaut. Wie ich schon schrieb, ich bezweifle nicht, dass es einen Klimawandel gibt, ich bezweifle auch nicht, dass wir daran einen Anteil haben. Ich bezweifle nur, dass er ausschließlich menschengemacht sein soll. Etwas mehr Demut und etwas mehr Bescheidenheit angesichts der Natur fände ich schon angebracht.

      • “Wenn Sie sich nicht auskennen, dann sollten Sie sich nicht anmaßen, darüber urteilen zu können.”

        Das gilt aber wohl nicht, wenn sie über Klimawandel sprechen?

        “Es sieht so aus, als könnten Sie nicht in Wirkungsweisen denken, :-(.”
        Ferndiagnose? Ich sehe die Wirkung von Trump vor meinen Augen, deswegen bin ich beunruhigt.

        “Doch, es ist sehr wohl etwas damit gesagt, dass es schon früher Warmzeiten gegeben hat. Ich erinnere mich, dass vor zwei bis drei Jahrzehnten die Frage nach der Ursache des Wechsels von Warm- und Kaltzeiten diskutiert wurde, darunter auch die Frage, ob wir in einer Zwischeneiszeit leben oder einer neuen Warmzeit entgegengehen, vor allem aber, ob es eine mögliche Periodizität gibt und womit sie zusammenhängen könnte, beispielsweise mit der Rotation unserer Galaxie und / oder der Bewegung des Sonnensystems innerhalb der Galaxie.”

        Der Graph zeigt, dass die Erde auf einem Abkühlungstrend nach der letzten Zwischeneiszeit war. Dann beginnt plötzlich mit dem Industriezeitalter eine starke Erwärmung. Die Wirkung von CO2 und anderen Treibhausgasen ist bekannt, die Klimamodelle können die Erwärmung und die Eiszeitzyklen reproduzieren.
        Warum sollte ausgerechnet eine galaktische Peridiozität innerhalb von so kurzer Zeit eine globale Erwärmung auslösen? Etwa nur auf der Erde? Was für ein Schmarrn.

        “Etwas mehr Demut und etwas mehr Bescheidenheit angesichts der Natur fände ich schon angebracht.”

        Wo fehlt die mir? Haben Sie auch Demut vor der wissenschaftlichen Leistung anderer, z.B. Klimatologen?

  8. @ Trice

    ADHS-Leute und pueri robusti sollen ruhig ihre Funktion in der Gesellschaft haben, aber bitte keinen Trump im wichtigsten und mächtigsten Staatsamt der Welt, als Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt.

    • @Paul Stefan: Funktionen

      ” aber bitte keinen Trump im wichtigsten und mächtigsten Staatsamt der Welt, als Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt.”

      Auf jeden Fall einen, dessen Denken wie seins auf Funktionen aufgebaut ist, der exponentiell und nicht linear extrapolieren kann und deshalb nicht auf Sicht fahren muss, der nicht auf eine zentrale Variable reduziert, sondern das Netz der Abhängigkeiten im Kopf sieht und nicht alle anderen virulenten Themen ausblendet und der nicht Schritt für Schritt vorgeht – OMG, und das in komplexen Situationen -, sondern in der Lage ist, mehrere Dinge gleichzeitig anzugehen. (Helmut Schmidt konnte das übrigens sehr gut!)

      • “Auf jeden Fall einen, dessen Denken wie seins auf Funktionen aufgebaut ist, der exponentiell und nicht linear extrapolieren kann und deshalb nicht auf Sicht fahren muss, der nicht auf eine zentrale Variable reduziert, sondern das Netz der Abhängigkeiten im Kopf sieht und nicht alle anderen virulenten Themen ausblendet und der nicht Schritt für Schritt vorgeht – OMG, und das in komplexen Situationen -, sondern in der Lage ist, mehrere Dinge gleichzeitig anzugehen. (Helmut Schmidt konnte das übrigens sehr gut!)”

        Jaja, gerne, ich bezweifle aber Ihre Menschenkenntnis, wenn Sie solch einen Typen in Trump sehen. Wollen Sie jetzt ernsthaft Helmut Schmidt mit Trump vergleichen?

  9. Die heutige Naturwissenschaft wird nach meiner Einschätzung von zwei Eigenschaften geprägt:
    1) Die Naturwissenschaft wird hauptsächlich von Instrumenten bestimmt und ihre Erkenntnisse sind entsprechend abstrakt, schwer durchschaubar und kaum noch vorstellbar. Das gilt für die Hirnforschung genauso wie für die Astrophysik.
    2) Die Erkenntnisse der Wissenschaft geraten unverzüglich in die öffentlichen Medien, bevor sie etabliert und “ausgereift” sind. Dabei werden sie radikal verkürzt und auf Schlagzeilen reduziert.

    Das hat zur Folge, dass viele Bürger unfreiwillig mit Wissenschaft konfrontiert werden, ohne dafür die Voraussetzungen zu besitzen. Fast jede wissenschaftliche Erkenntnis wird von der Wissenschaft selber angezweifelt und diskutiert. Für die Wissenschaftler ist das die Normalität, aber für den Normalbürger bedeutet es Verunsicherung und letztlich die Resignation und Abkehr von Wissenschaft überhaupt. Für den Normalbürger wird die Wissenschaft zunehmend unglaubwürdig und irrelevant, weil für seinen Alltag die Entstehung von Wissen keine Bedeutung hat. Die Populisten haben leichtes Spiel, unliebsame Erkenntnisse zu leugnen und abzulehnen, Wissenschaftler zu diskreditieren und zu diffamieren, um ihre eigenen Interessen verfolgen zu können. Gerüchte, Behauptungen und Spekulationen verdrängen Wissen. Für (fast) jede Meinung und jedes Vorurteil lässt sich ein passender “Wissenschaftler” finden und zitieren, um Kompetenz und Glaubwürdigkeit vorzutäuschen, was eigentlich eine Paradoxie ist!

    Warum sagen die Klimaleugner nicht einfach “das wollen wir nicht”, statt die Klimawissenschaft anzuzweifeln (und zu verleumden), um ihre persönlichen Interessen zu verteidigen (was sie dann den Wissenschaftlern und der Wirtschaft zum Vorwurf machen)? Das ist im Grunde ein Missbrauch der Wissenschaft von den Zweiflern oder Gegnern der Wissenschaft. Typisch ist auch, den Zweifel zum philosophischen Merkmal der Wissenschaft zu erheben, in Verwechslung mit der Skepsis. Zweifel müssen sachlich begründet und im Idealfall mit Alternativen versehen sein.

    Am Ende sei noch vermerkt, dass häufig Wissenschaft als Forschung und Wissenschaft als technologische Entwicklung oder gesellschaftliche Anwendung nicht genügend unterschieden werden, besonders in ethisch empfindlichen Bereichen.

    • @ Herr Reutlinger :

      Es ist sehr viel falsch, bei dem was Sie schrieben.

      Vorsichtshalber und vorab erklärt sich der Schreiber dieser Zeilen als der (Natur-)Wissenschaft streng verbunden, nun zu einigen Punkten Ihrer Nachricht:

      Die heutige Naturwissenschaft wird nach meiner Einschätzung von zwei Eigenschaften geprägt:
      1) Die Naturwissenschaft wird hauptsächlich von Instrumenten bestimmt und ihre Erkenntnisse sind entsprechend abstrakt, schwer durchschaubar und kaum noch vorstellbar. Das gilt für die Hirnforschung genauso wie für die Astrophysik.

      Es geht mehr und mehr Richtung Modellrechnung, zeitgenössisch verfügbare Rechenkapazitäten leiten dazu an, dies ist problematisch.

      2) Die Erkenntnisse der Wissenschaft geraten unverzüglich in die öffentlichen Medien, bevor sie etabliert und „ausgereift“ sind. Dabei werden sie radikal verkürzt und auf Schlagzeilen reduziert.

      Die (Natur-)Wissenschaft wird heutzutage oft selbst, vertreten durch (natur-)wissenschaftliche Sprecher, zum politischen “Player”, sie hat kein Mandat hierfür.

      Für den Normalbürger wird die Wissenschaft zunehmend unglaubwürdig und irrelevant, weil für seinen Alltag die Entstehung von Wissen keine Bedeutung hat.

      Dies ist gut oder zumindest nicht schlecht so, sofern in der Menge verstanden wird, dass (natur-)wissenschaftliche ‘Modellrechnungen’ problematisch sind, was wohl der Fall ist.

      Die Populisten haben leichtes Spiel, unliebsame Erkenntnisse zu leugnen und abzulehnen, Wissenschaftler zu diskreditieren und zu diffamieren, um ihre eigenen Interessen verfolgen zu können.

      Die einen meinen so, die anderen so.
      (Natur-)Wissenschaftler verfügen über kein pol. Mandat und dürfen nicht “aktivistisch” werden, wie einige finden.
      Das (nicht gerne genannte) Antonym zum Populismus ist der Elit(ar)ismus.

      Warum sagen die Klimaleugner nicht einfach „das wollen wir nicht“, statt die Klimawissenschaft anzuzweifeln (und zu verleumden), um ihre persönlichen Interessen zu verteidigen (was sie dann den Wissenschaftlern und der Wirtschaft zum Vorwurf machen)?

      Es gibt keine ‘Klimaleugner’, es gibt welche, die die aktuelle, zeitgenössische Klima-Theoretisierung per se nicht gut finden, Dr. W gehört nicht zu ihnen.
      Sehr schlecht aber mit dem Begriff ‘Klimaleugner’ zu arbeiten, oder -wie dies beim PIK anscheinend üblich ist mittlerweile, zumindest einige Exponenten meinend- Skeptiker der Klima-Theoretisierung in Anführungszeichen zu schreiben.

      Typisch ist auch, den Zweifel zum philosophischen Merkmal der Wissenschaft zu erheben, in Verwechslung mit der Skepsis. Zweifel müssen sachlich begründet und im Idealfall mit Alternativen versehen sein.

      Der Zweifel meint die Skepsis und die hier zu begutachtende (natur-)wissenschaftliche Veranstaltung.
      Kritik muss nicht solidarisch, sie darf auch zerstörerisch sein.

      Am Ende sei noch vermerkt, dass häufig Wissenschaft als Forschung und Wissenschaft als technologische Entwicklung oder gesellschaftliche Anwendung nicht genügend unterschieden werden, besonders in ethisch empfindlichen Bereichen.

      Hier dann wieder ganz bei Ihnen, Herr Reutlinger,
      MFG + schöne Woche noch,
      Dr. Webbaer

  10. @Dr.Webbaer;
    Ihre Anmerkungen habe ich gerne und interessiert zur Kenntnis genommen.

    Modellrechnungen und Simulationen laufen auf Computern, die man wie andere Instrumente unter wissenschaftlichem Instrumentarium subsummieren kann. Gerade die Visualisierung von neuen Erkenntnissen mittels Computer ist zweischneidig, weil sie abstrakte Erkenntnisse oder künftige Entwicklungen einerseits anschaulich macht, andererseits auf verschiedene Arten, die beim Normalbürger wiederum Unverständnis oder Zweifel hervorrufen kann. Insbesondere Simulationen mit Prognosen werden von Skeptikern gerne kritisiert und abgelehnt, weil sie mit verschiedenen Parametern verschiedene Resultate erzeugen. Ohne die nötigen Informationen ist ihre Bewertung jedoch nicht gegeben und wird gerne als Unzuverlässigkeit ausgelegt, gerne auch als interessegeleitet diffamiert.

    Das Mandat von Wissenschaftlern für politische Aussagen oder Aktivitäten sehe ich etwas positiver. Oftmals sind es die Medien, die Wissenschaftler zu öffentlichen Aussagen aufmuntern, veranlassen, provozieren und ihnen überhaupt die Möglichkeit geben zu öffentlichen Auftritten. Die Gesellschaft von heute braucht die Wissenschaft notwendig. Jeder Dorfbürgermeister braucht heute schon fast eine wissenschaftliche Ausbildung, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Wir stimmen sicher überein, dass die wissenschaftliche Erkenntnis in die Gesellschaftspolitik einfließen muss, um begründete und sinnvolle Entscheidungen treffen zu können.

    Das Problem ist die Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher oder technologischer Fachkompetenz und politisch-demokratischem Mandat, wie am Beispiel des Berliner Flughafens oder des Stuttgarter Bahnhofs deutlich wird. Warum sollen Wissenschaftsorganisationen keinen politischen Einfluss haben, während Banken, Industrie und Wirtschaft (und sogar die Kirchen) ganz selbstverständlich Einfluss nehmen, zumindest den Anspruch dazu erheben? Nicht zuletzt haben heute viele Bürger eine wissenschaftliche Ausbildung, eben auf Grund der Bedeutung von Wissenschaft für den Lebensalltag und für die Gesellschaft.

    Der Ausdruck “Klimaleugner” ist selbstverständlich pejorativ oder provokativ, trifft jedoch auf gewisse Gruppen durchaus zu, wie ich aus vielen Diskussionen weiß. @Paul Stefan hat schon richtig auf deren Unbelehrbarkeit und Hartnäckigkeit irrelevanter und falscher Behauptungen hingewiesen. Gerade in der Klimaforschung stehen die Wissenschaftler im Kreuzfeuer der Kritik und können es nie recht machen, weil die Motivation dahinter nicht wissenschaftlicher Natur ist.

  11. @Trice / 21. November 2016 @ 19:53

    »… die letzte Eiszeit liegt 2,5 Mio Jahre zurück, …«

    Das LGM (Last Glacial Maximum) liegt ca. 20,000 Jahre zurück, nicht 2.5 Mio Jahre. Und nirgendwo in der Klimaforschung wird behauptet, das Erdklima sei ohne anthropogene Einflüsse invariabel. Weiters ist es Quatsch, die Klimaforschung und ihre Ergebnisse als Auswuchs eines ideologischen Zeitgeistes diskreditieren zu wollen; der Herr Prof. Klaus Fischer, dessen Text Sie verlinkt hatten, bezieht sich leider wohl auch nur auf äusserst tendenziöse Quellen. Wer tatsächlich informative Literatur zum ganzen Themenkomplex AGW sucht, ist e.g. mit Paul N. Edwards gut beraten.

    Angenommen ist bei dieser Empfehlung freilich, dass man — anders als Trump — Bücher überhaupt noch zu lesen bereit ist. Im übrigen kann ich den hier von Paul Stefan vorgebrachten Argumenten und Einschätzungen eigentlich nur beipflichten.

    • @Chrys;

      Und nirgendwo in der Klimaforschung wird behauptet, das Erdklima sei ohne anthropogene Einflüsse invariabel.

      Schreiben die Klimaforscher, dass sie ihrer Sache noch nicht sicher sind und weitere Forschung notwendig ist, dann werden ihre Arbeiten nicht ernst genommen. Schreiben sie dagegen, dass sie vermutlich die wahren Ursachen oder Wirkungen gefunden haben, dann werden sie als arrogante oder interessegeleitete Szientisten verunglimpft. Diskutieren die Wissenschaftler untereinander kontrovers, dann heißt es, die Wissenschaft weiß selber nichts und hat daher keine praktische Bedeutung. Werden alte Erkenntnisse durch neue korrigiert oder ersetzt, dann heißt es, Wissenschaft war schon immer irrig, warum sollen wir ihr glauben.

      Solch ignorante Reaktionsweisen kann man bei der AfD genauso wie bei Trump und seinen Anhängern beobachten. Das Erschreckende ist, dass obwohl immer mehr Leute Abitur oder gar ein Studium haben und die aus der Wissenschaft entstandenen Technologien von jedermann alltäglich genutzt werden, trotzdem eine derartige Feindlichkeit gegen Wissenschaft besteht, jedenfalls dort, wo sie Probleme und Risiken des Verhaltens aufzeigt. Dass Wissenschaft viel Geld kostet, kommt als Argument der Kritik regelmäßig noch hinzu.

    • @ Chrys

      Das LGM (Last Glacial Maximum) liegt ca. 20,000 Jahre zurück, nicht 2.5 Mio Jahre.

      Die letzte Eiszeit – Günz-, Mindel-, Riss- und Würm-Kaltzeit begann vor 2,6 Mio Jahren. Und Kennzeichen einer Kaltzeit sind vereiste Polkappen.

      ” Weiters ist es Quatsch, die Klimaforschung und ihre Ergebnisse als Auswuchs eines ideologischen Zeitgeistes diskreditieren zu wollen; ”

      Das ist natürlich ein schlagendes Argument, zumal es doch gar keinen ideologischen Zeitgeist gibt, keine political correctness, keine neue Weltordnung …

      “der Herr Prof. Klaus Fischer, dessen Text Sie verlinkt hatten, bezieht sich leider wohl auch nur auf äusserst tendenziöse Quellen.”

      Tja, solche Aussagen kann man nur machen, wenn man entweder nicht richtig liest oder nicht lesen will oder kann.

      • @Trice;

        Tja, solche Aussagen kann man nur machen, wenn man entweder nicht richtig liest oder nicht lesen will oder kann.

        Nachdem ich den Text von Klaus Fischer gelesen habe, bin ich der Ansicht, dass Sie selber ihn nicht gelesen oder nicht verstanden haben. Der Wissenschaftshistoriker Fischer hat eine fundierte Kritik der Wissenschaft geschrieben, illustriert anhand verschiedener Phänomene, unterlegt mit Beispielen. Er schreibt:

        “Insbesondere dann, wenn politische Hintergründe im Spiel sind und das Wehen des Zeitgeistes zu verspüren ist, wird Wissenschaft anfällig für Wunschdenken, Selbsttäuschungen, missionarischen Eifer und Wahnvorstellungen. Ohne die einzelnen Beispiele näher analysieren zu wollen, verweisen wir auf die Debatten um den selbstverschuldeten Klimawandel, um Risiken durch schlechte Luft, verschmutztes Wasser, industriell bearbeitete Nahrung, künstlich erzeugte Strahlung und um die Leukämie-Gefährdung durch bestimmte Kernkraftwerke wie das “Krümmel-Monster”.”

        Was Fischer nicht erläutert, das ist das “Wehen des Zeitgeistes” und der politische Hintergrund. Wissenschaft gerät immer dann in die Kontroversen der Gesellschaft, wenn es um Themen geht, die für das praktische Leben von Bedeutung sind, indem sie Aussagen macht zu Problemen und Risiken des individuellen Verhaltens oder der Gesellschaftspolitik. Der “Zeitgeist” ist kein Wissenschafts- sondern ein Gesellschaftsphänomen, das auch aus der Wissenschaft, bzw. aus den Erkenntnissen, Produkten und Anwendungen der Wissenschaft erst entsteht, im Kontrast zu den etablierten Traditionen, Überzeugungen und Meinungen.

        Die Wissenschaft unterliegt Irrtümern und die Wissenschaftler begehen Fehler. Daran erinnert der Wissenschaftshistoriker in seinem Text. Das ist aber keine Neuheit, schon gar nicht für die Wissenschaft selber. Es wird aber immer wieder als Argument missbraucht, wenn die Wissenschaft unliebsame Aussagen macht, wie die Klima- und Umweltforschung, oder die Evolutionstheorie gegen den Kreationismus. Die Wissenschaft ist gerade der Gegenspieler zu Ideologien, Fiktionen und Wunschträumen. Und letztlich haben wir nichts Besseres als die Wissenschaft, im weitesten Sinne.

        Trump und seine Anhänger sind Opfer der antiwissenschaftlichen, traditionalistischen Ideologen und Träumer, die nur ihre eigenen Interessen verteidigen und denen die Welt völlig egal ist. Ein amerikanischer Polizist muss damit rechnen, dass jede Person, der er begegnet, eine Waffe ziehen könnte. Also schießt er möglichst zuerst. Kinder erschießen Kinder. Die Waffenidioten verdrehen Ursache und Wirkung, mit tödlichen oder psychischen Folgen für viele Menschen.

        • @ Anton Reutlinger
          “Nachdem ich den Text von Klaus Fischer gelesen habe, bin ich der Ansicht, dass Sie selber ihn nicht gelesen oder nicht verstanden haben. Der Wissenschaftshistoriker Fischer hat eine fundierte Kritik der Wissenschaft geschrieben, illustriert anhand verschiedener Phänomene, unterlegt mit Beispielen.”

          Genau. Die Textstelle, die Sie zitieren, finde ich allerdings in der von mir heruntergeladenen Version von 2012 nicht. Der von mir in meine obige Antwort kopierte Text steht da auf Seite 26, unter der Überschrift “4. Der Forscher als soziales Wesen. a) Der Zeitgeist in den Wissenschaften.” Darin heißt es vor dem von mir bereits zitierten Text:
          “Solche Ideologien gibt es auch heute (Gross & Levitt 1994; Gross 1996; Gumbrecht 1997; Herzog 1999; Schnabel 2000, Günther 2000), und auch heute halten die meisten Wissenschaftler sie für selbstverständliche Wahrheiten – ob aus Überzeugung oder aus Gründen der wissenschaftspolitischen correctness, sei dahingestellt.
          Bereiche, die in ideologieverdächtiger Weise für Strömungen des Zeitgeistes anfällig sind, sind Forschungen zu
          – Risiko (Bayerische Rück 1993; Douglas & Wildavsky 1982; Brodeur 1989; Eilingsfeld 1990, Fischer 1998; Efron 1986)
          – Klima (Calder 1997; Hasselmann 1997; Maxeiner 1997; Thüne 1998, 1999
          – Intelligenz und geschlechts- und rassenspezifischer Begabung (Engels 1994; Herrnstein & Murray 1994; Jacoby & Glauberman 1995; Jensen 1982; Kempf 1982; Pearson 1991; Snyderman & Rothman 1988; Zimmer 1988, 1989, 1998)
          – Kernenergie (Kellerer 1998; Schuh 1994; Karisch 2000)
          – Geist und Gehirn, Willensfreiheit (Moravec 1990, 2000; Krischke 2000; Lanier 2000; Joy 2000; Fischer 1999).

          Ich sehe nicht, was daran misszuverstehen wäre. Der “Zeitgeist” wurde mit “wissenschaftspolitischen correctness” doch wohl benannt, oder? Aber möglicherweise hat Fischer den Text in der Zwischenzeit überarbeitet.

          Im Übrigen wurde mir der Link zu Fischers paper zugesandt, weil ich zu einer wissenschaftlichen Entdeckung gekommen bin, von der die Wissenschaftler, mit denen ich zusammengearbeitet habe und an die ich mich gewandt habe, zwar wissen, dass dies die richtige Lösung ist, die aber unumwunden zugeben, dass sie nicht in dem Dogma der derzeitigen Art zu forschen entspricht.
          Und wenn einer der führenden Wissenschaftler mir sagt, dass ich wohl wisse, dass die beiden größten Herausforderungen für die Wissenschaften die Antworten auf die Fragen seien, wie funktioniert das Universum und wie arbeitet das menschliche Gehirn, und nun ausgerechnet jemand wie ich kommt, der ihm die Lösung für die zweite Frage auf den Tisch legt – was eigentlich jenseits aller Wahrscheinlichkeit sei -, um mir dann zu sagen, nur passe dieser Ansatz nicht in die wissenschaftliche Landschaft, dann kann man von mir wohl kaum erwarten, dass ich von dieser wissenschaftlichen Landschaft besonders beeindruckt bin.

          Was zur Wissenschaft unabdingbar dazu gehört, ist der Zweifel. Wenn Zweifeln an wissenschaftlichen Resultaten mit dem “Argument” begegnet wird, die Ergebnisse seien ja nur unliebsam, finde ich das bedenklich.

  12. @Trice / 22. November 2016 @ 18:23

    »Die letzte Eiszeit …«

    ist eine in der einschlägigen Literatur häufig anzutreffende Wendung, die auch im Englischen sinngemäss ganz entsprechend verwendet wird und dann nicht das aktuell noch andauernde Quartäre Eiszeitalter, sondern den wie verlinkt beschriebenen Zeitabschnitt meint: A quick background to the last ice age. (Der Begriff `Eiszeit’ schlechthin ist terminologisch nicht einheitlich festgelegt und daher ambivalent.) Wenn ich Ihre Aussage nun verstehe als “Das gegenwärtige Eiszeitalter begann vor ungefähr 2.5 Mio Jahren,” so bleibt mir dennoch schleierhaft, inwiefern Sie das für ein Argument gegen die Klimaforschung oder ihre Ergebnisse halten. Damit wird den Klimaforschern schliesslich nichts mitgeteilt, was die noch nicht gewusst oder nicht berücksichtigt hätten.

    »Tja, solche Aussagen [zu Prof. Klaus Fischer] kann man nur machen, wenn man entweder nicht richtig liest oder nicht lesen will oder kann.«

    Die von Prof. Fischer angeführten Quellen (Calder 1997; Hasselmann 1997; Maxeiner 1997; Thüne 1998, 1999) sind allesamt unzureichend für eine Fundamentalkritik an der Klimaforschung, das ist reichlich mager. Beispielsweise wurde die Rolle der Sonnenaktivität inzwischen doch ad nauseam diskutiert, nicht zuletzt in Hinblick auf diverse abenteuerliche Thesen von Fritz Vahrenholt. Man gelangt nicht zu rational angemessenen Beurteilungen, wenn nur der Anklage, nicht aber der Verteidigung das Wort eingeräumt wird, und in diesem Sinne kann ich bei Prof. Fischer keine hinreichend unvoreingenommene Haltung gegenüber der Klimaforschung erkennen.

  13. @Trice;
    Den von Ihnen zitierten Abschnitt habe ich ebenfalls gelesen, aber ich interpretiere ihn etwas anders. Wenn ein Fachgebiet kontrovers ist, dann kann die Ideologie bzw. der Zeitgeist grundsätzlich und wahrscheinlich auf beiden Seiten Blüten treiben. Fischer gibt Beispiele dafür und enthält sich hier einer Wertung. Die interessante Frage ist vielmehr, warum das Fachgebiet kontrovers ist, sei es innerhalb der Wissenschaft oder zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Darin liegen dann die Antworten für einen Einfluss von Ideologie und Zeitgeist, wohl auch für das Verhältnis Trumps zur Wissenschaft.

    Was zur Wissenschaft unabdingbar dazu gehört, ist der Zweifel. Wenn Zweifeln an wissenschaftlichen Resultaten mit dem „Argument“ begegnet wird, die Ergebnisse seien ja nur unliebsam, finde ich das bedenklich.

    Da bin ich etwas anderer Ansicht. Was zur Wissenschaft unabdingbar dazu gehört, das ist die Skepsis und methodische Kritik. Die Skepsis beschreibt die Möglichkeit des Irrtums, der Zweifel bedeutet eine Wahrscheinlichkeit des Irrtums. Skepsis hat ihr Fundament im Wesen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit selbst. Für Zweifel sollte man sachliche und fundierte Begründungen vorweisen können. Oftmals sind Zweifel nur in unliebsamen Erkenntnissen und Aussagen der Wissenschaft motiviert, weil sie das Selbstverständnis des Menschen, kulturell gewohnte Verhaltensweisen oder weltanschauliche Überzeugungen infrage stellen. Das ist eben gerade bei Ideologen wie Trump der Fall, sowie bei Kontroversen zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Gruppen, Lobbyisten oder Institutionen, z.B. den Kirchen.

    Die Klimawissenschaft ist ein prägnantes Beispiel für unsachliche und unberechtigte Zweifel seitens bestimmter Interessenvertreter. Solche Zweifel könnten jede Wissenschaft ad absurdum führen. Deshalb suchen solche Zweifler ihre Legitimation in einer falsch verstandenen oder verfälschten Wissenschaftsphilosophie. Die Wissenschaft hat Selbstreinigungskräfte, soweit sie wirklich Wissenschaft ist. Das liegt in ihrem Wesen und ihrer Methodik. Das Prinzip des Treibhauseffekts ist physikalisch nachgewiesen und findet alltäglich in Wissenschaft und Technik als Spektralanalyse vielfältige Anwendung. Was gibt es daran zu zweifeln?

  14. @Anton Reutlinger

    “Die interessante Frage ist vielmehr, warum das Fachgebiet kontrovers ist, sei es innerhalb der Wissenschaft oder zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. ”

    Darin stimme ich Ihnen zu. Auf das Thema Klimawandel trifft das aber nicht zu, denn es wird ja inzwischen nicht mehr kontrovers diskutiert, sondern seitens der Befürworter nur noch unter dem Aspekt “zweifelsfrei richtig” und “zweifellos falsch”.

    “Darin liegen dann die Antworten für einen Einfluss von Ideologie und Zeitgeist, wohl auch für das Verhältnis Trumps zur Wissenschaft.”

    Ideologie und Zeitgeist beeinflussen die Einstellung, die vertreten wird, und diese wiederum beeinflusst, was wie erforscht wird. Wenn der anthropogene Klimawandel der Ideologie des herrschenden Weltbildes entspricht, dann wird es ausgesprochen schwierig, für Forschungsprojekte Gelder zu bekommen, die nicht auf der erwünschten Linie liegen.
    nebenbei: Trump ist kein Ideologe; die derzeit den Zeitgeist beherrschende Ideologie ist die political correctness, und mit der hat er es gerade nicht.

    “Deshalb suchen solche Zweifler ihre Legitimation in einer falsch verstandenen oder verfälschten Wissenschaftsphilosophie. Die Wissenschaft hat Selbstreinigungskräfte, soweit sie wirklich Wissenschaft ist. Das liegt in ihrem Wesen und ihrer Methodik. ”

    Haben Sie gelesen, was ich in meiner vorherigen Antwort geschrieben habe?
    Der renommierte Wissenschaftler, an den ich mich damals gewandt habe, ist Prof. Rainer Mausfels, Direktor des Instituts für Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.
    Als ich ihm mein Modell zur Arbeitsweise des menschlichen Gehirns vorlegte, bat er darum, ihm sechs Wochen Zeit für die Lektüre zu lassen, dann werde er mir eine ehrliche Antwort geben. Als ich ihn nach sechs Wochen anrief sagte er wörtlich:”Ich habe Ihnen eine ehrliche Antwort versprochen, und die bekommen Sie auch: Ihr Ansatz passt nicht in die derzeitige wissenschaftliche Landschaft. Sie wissen aber, dass die beiden größten Herausforderungen für die Wissenschaften heute die Antworten auf die Fragen sind, wiefunktioniert das Universum und wie arbeitet das menschliche Gehirn. An diesen Projekten arbeiten weltweit die meisten Wissenschaftler und in diese Projekte fließen die meisten Gelder. Dass nun ausgerechnet jemand wie Sie kommt und mir die Antwort für die zweite der beiden Fragen auf den Tisch legt, ist imgrunde jenseits aller Wahrscheinlichkkeit”
    Woraufhin ich antwortete: “Dass jemand wie ich auf die Lösung gekommen ist und nicht die Wissenschaftler, die an Projekten zu dieser Lösung arbeiten, liegt an der derzeitigen wissenschaftlichen Landschaft. Solange die die Wissenschaft beherrscht, wird keiner von Ihnen zur Lösung kommen.”
    Wir haben über eine halbe Stunde telefoniert, in der er sich und mich davon zu überzeugen suchte, dass die derzeitige wissenschaftliche Landschaft das Nonplusultra sei – bis er schließlich zugab, dass ich mit der Lösung um mindestens 50 Jahre zu früh gekommen sei. Diese Zeit werde die Wissenschaft noch brauchen, um dorthin zu kommen, wo ich bereits bin.
    Da ich die wissenschaftliche Landschaft aber kenne, sehe ich von den Selbstreinigungskräften, von denen Sie sprechen, derzeit nichts. Ich sehe nur ein dogmatisches Festhalten an der derzeitigen wissenschaftlichen Forschungspraxis – der Methodik -, mit der man aber weder die eine noch die andere der beiden größten Herausforderungen bewältigen wird. Im Übrigen ist er nicht der einzige Wissenschaftler, der meinen Ansatz kennt und weiß, dass ich die Lösung des Problems der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns gefunden habe.

    “Das Prinzip des Treibhauseffekts ist physikalisch nachgewiesen und findet alltäglich in Wissenschaft und Technik als Spektralanalyse vielfältige Anwendung.”

    Richtig, und daran mache ich meine Kritik ja auch nicht fest. Ich kritisiere, dass das Phänomen des Klimawandels aus dem Zusammenhang gerissen und – wie Dörner diese Art des Denkens genannt hat – damit “auf eine zentrale Variable reduziert wird”. Warm- und Kaltzeiten hat es auf der Erde schon immer gegeben, und überwiegend gab es Warmzeiten. Kaltzeiten dagegen waren selten.
    Den ersten (bekannte) Treibhauseffekt ergab sich vor 2,6 Miliarden Jahren mit der Entstehung von Sauerstoff in der Uratmosphäre. Danach aber gab es noch mehrere Eiszeiten, die durch Warmzeiten abgelöst wurden, ohne dass m. W. bisher die Gründe dafür bekannt sind. Diskutiert wird zwar auch, dass Methan zur Erderwärmung mit beträgt, das aber auch schon seit Milliarden von Jahren.
    Was also verursachte nach den mehrmaligen Kaltzeiten auf der Erde den Wechsel zu Warmzeiten, in denen die Erde auch an den Polen eisfrei war? Und lassen sich bei diesen Wechseln ebenfalls Treibhauseffekte, verursacht -wodurch? – nachweisen? Außerdem: wie schnell verliefen diese Wechsel? Veränderte sich das Klima langsam und über Jahr(hundert)tausende hinweg oder innerhalb einer extrem kurzen Zeitdauer?
    Mit anderen Worten: mir reicht der Nachweis des Prinzip des Treibhaus-Effekts nicht, den gab es auch schon vor zweieinhalb Milliarden Jahren, wobei auch da nicht bekannt ist, ob dies der alleinige Auslöser war.
    In großen Systemen – und die Erde ist ein sehr großes System – müssen in aller Regel mehrere Faktoren zusammenkommen, um einen Zusammenbruch des Systems zu bewirken. Der menschengemachte Klimawandel kann also durchaus ein Faktor sein, der zur Veränderung der Randbedingungen führt, mit dem Effekt, dass unser Überleben auf diesem Planeten bedroht ist. Ich bezweifle nur, dass er der alleinige Faktor ist, als der er derzeit gehandelt wird. Was nicht heißt, dass wir weitermachen können wie bisher.

    “Was gibt es daran zu zweifeln?”
    Reicht das als Antwort?

  15. @Trice;
    Man kann alles anzweifeln, die Frage ist jedoch, ob die Zweifel berechtigt sind. Zweifel an sich bringen die Wissenschaft nicht weiter, wenn sie nicht auch mit neuen Ideen verbunden sind:

    Der menschengemachte Klimawandel kann also durchaus ein Faktor sein, der zur Veränderung der Randbedingungen führt, mit dem Effekt, dass unser Überleben auf diesem Planeten bedroht ist. Ich bezweifle nur, dass er der alleinige Faktor ist, als der er derzeit gehandelt wird.

    In diesem Fall sind sie es definitiv nicht. Offenbar kennen Sie die Klimaforschung nicht, wie die meisten Zweifler und Kritiker, die sich ohne die nötigen Fachkenntnisse ein Urteil anmaßen. Das soll hier nicht weiter vertieft werden.

    Seit Jahrzehnten ist in Psychologie und Pädagogik das Konzept des deklarativen und des prozeduralen Gedächtnisses und Wissens bekannt. Offensichtlich korrespondiert es mit Ihrer Hypothese vom prädikativen und funktionalen Denken. Unter Autisten gibt es Genies, die ganze Telefonbücher, Wörterbücher oder Landkarten im Gedächtnis behalten (sogenannte Savants). Andererseits gibt es Leute, die komplizierte Fähigkeiten beherrschen, weil sie von früher Kindheit an bestimmte motorische Abläufe eingeübt haben, bis sie unterbewusst als ganzheitliche Bewegungs- oder Denkmuster beherrscht werden: turnen, tanzen, Musikinstrument spielen. Inwieweit damit auch die Art des Denkens verbunden ist, kann ich nicht beurteilen. Es ist anzunehmen, dass die Fähigkeiten nicht gleichmäßig verteilt sind, sondern je nach Veranlagung, Erziehung oder Übung stärker oder schwächer ausgeprägt sind. Jedenfalls halte ich es für äußerst unwahrscheinlich, dass es deswegen zweierlei Menschen geben soll und dass damit die Funktionsweise des Denkens erklärbar würde.

    Hier ist noch ein Beispiel, aus dem aktuellen scilogs-Blog von Christian Hoppe, das Ihre Tiraden gegen Wissenschaft sowohl bestätigt als auch widerlegt:
    https://aeon.co/ideas/has-dogma-derailed-the-scientific-search-for-dark-matter

    • @Anton Reutlinger

      “In diesem Fall sind sie es definitiv nicht. Offenbar kennen Sie die Klimaforschung nicht, (…)Das soll hier nicht weiter vertieft werden.”

      Doch, genau das soll es. Wenn Sie behaupten, im Fall des derzeitigen Klimawandels seien andere Faktoren defintiv nicht beteiligt, dann machen Sie mich bitte schlau: Woher wissen Sie das?

      “Seit Jahrzehnten ist in Psychologie und Pädagogik das Konzept des deklarativen und des prozeduralen Gedächtnisses und Wissens bekannt.”

      Erzählen Sie mir nichts über mein Fachgebiet. Anderson z. B. verortet das deklarative Gedächtnis bzw. deklarative Module im Temporallappen und Hippocampus, das prozedurale Gedächtnis in den Basalganglien, wobei der Vergleich im Striatum, die Auswahl der Produktionen im Pallidum und ihre Ausführung im Thalamus erfolgt. Was bringt Sie auf nun auf diesen merkwürdigen Gedanken:

      “Offensichtlich korrespondiert es mit Ihrer Hypothese vom prädikativen und funktionalen Denken.”

      Nicht im entferntesten. In der Logik ist ein Prädikat Teil einer atomaren Aussage, durch den eine Eigenschaft eines Objekts ausgesagt wird bzw. das eine Beziehung zwischen (mathematischen) Objekten herstellt. Als atomare Aussage ist sie eine “Ist-ein” oder “Hat-ein”- Beziehung. Eine Funktion ordnet jedem Element einer Definitionsmenge mindesten und höchstens ein Element einer Zielmenge zu.

      ” Jedenfalls halte ich es für äußerst unwahrscheinlich, dass es deswegen zweierlei Menschen geben soll und dass damit die Funktionsweise des Denkens erklärbar würde.”

      Vor rund tausend Jahren haben Menschen es für unwahrscheinlich gehalten, dass die Erde nicht im Zentrum des Universum stehen soll; vor zweihundert Jahren haben es Menschen für unwahrscheinlich gehalten, dass der Mensch nicht von Gott erschaffen worden sein soll – Sie befinden sich also in guter Gesellschaft.
      Beide Arten des Denkens lassen sich mathematisch modellieren, indem man ihnen ein Regelwerk zugrunde legt, das auf entweder prädikative oder auf funktionale Weise ausgeführt wird. Das menschliche Gehirn arbeitet auf der Basis dieses Regelwerks, u.a. um Form, Farbe und Ort eines Gegenstandes zu einer Einheit zusammenzufassen (Singers Bindungshypothese bzw. v.d. Malsburgs Korrelationshypothese).es geht also nicht um die Funktionsweise des denkens sondern um die Arbeitasweise des Gehirns.

      Bei der Mehrheit aller Menschen arbeitet es mit der prädikativen Variante, was u.a. dazu führt, dass – wie Dörner dies in seinen Untersuchungen zum komplexen Problemlösen festgestellt hat – die[se] Menschen komplexe Probleme auf eine zentrale Variable reduzieren und die Zentralreduktion auch die Maßnahmen betrifft, die man auswählt und einleitet, um das Problem zu lösen. Dieses statische Grundverständnis wird als apriorische Sichtweise aufgefasst und gilt bisher als die alleinige Art des kognitiven Erfassens gilt – weshalb sie auch das wissenschaftliche Forschen und Arbeiten bestimmt. Von der anderen weiß man nichts, obwohl man sich gefragt hat, wie Leute wie Einstein, Newton, Heisenberg oder Feynman zu ihren Ideen und Lösungen gekommen sind. Die wussten es allerdings auch nicht, und mit bildgebenden verfahren kann man zwar viel erfassen, aber keine Algorithmen.

      Was also hat das mit deklarativem und prozeduralem Gedächtnis zu tun? Oder mit Denkmustern oder Fähigkeiten und Eigenschaften oder deren Verteilung? Es geht nur um die Frage, wie rund zehn hoch elf Neurone ihre Interaktionen organisieren und wie dadurch die Welt im Kopf entsteht. Diese Tätigkeit des Gehirns nennen Psychologen ebenfalls “denken”.

      Aber: Nur weil ich anprangere, dass die heutige Wissenschaft sich einseitig auf eine Art zu forschen festgelegt hat und die Art, in der die o.g. Wissenschaftlern zu ihren bahnbrechenden Erkenntnissen gekommen sind, mit dem Einwand vom Tisch gefegt wurde, dass diese Art, zu wissenschaftlicher Erkenntnis zu gelangen, obsolet sei – ich wüsste nicht, was sich an der menschlichen Informationsverarbeitung in den letzten fünfzig Jahren schlagartig geändert haben sollte – und nur weil Ihnen das nicht gefällt, sind das noch keine Tiraden. Bemühen Sie sich also bitte um eine angemessene Ausdrucksweise.

  16. @Trice / 25. November 2016 @ 11:36

    »Danach aber gab es noch mehrere Eiszeiten, die durch Warmzeiten abgelöst wurden, ohne dass m. W. bisher die Gründe dafür bekannt sind.«

    Die wechselnde Abfolge von Glazialen und Interglazialen ist qualitativ vergleichsweise gut verstanden, nämlich als Reaktion auf eine periodische Forcierung durch orbitaldynamische Variablen des Planeten Erde (Milanković Zyklen). Das soll jetzt nicht heissen, dass hierbei gar keine offenen Fragen mehr zu klären wären, sonden lediglich besagen, dass sich hinsichtlich der AGW Problematik durchaus verlässliche Feststellungen treffen lassen. Die aktuell gemessene globale Erwärmung ist insbesondere nicht korreliert mit jenen orbitalen Parametern, deren Variation mit glazialen Zyklen in Verbindung gebracht wird.

  17. @ Trice: Ihre Zweifel an der Theorie des anthropogenen Klimawandels haben keinen belastbaren Grund. Sie bringen nur Allgemeinplätze, die keinen verwertbaren Wert haben. Bloß weil die Wissenschaft nicht jeden Klimawandel der Erdgeschichte haarklein erklären kann, heißt das nicht, das der aktuelle im Wesentlichen unverstanden ist. Sie müssen sich schon die Mühe machen, die gut belegte Theorie der anthropogenen Erwärmung konkret zu widerlegen. Daran sind bislang alle Klimaskeptiker gescheitert. Es sind ja viele verschiedenen Klimatreiber bekannt und die Erwärmung kann bislang nur erklärt werden, wenn man die Treibhausgase (CO2, Methan u.a) mit einbezieht. Also wo ist der unbekannte Klimatreiber der aktuellen Erwärmung und warum hat CO2 (und Methan etc.) nicht die Wirkung, die man aufgrund ihrer physikalischen Wirkung erwarten darf?

    • @Paul Stefan

      Was verstehen Sie eigentlich unter Wissenschaft und was unter Erkenntnisgewinn (von der Suche nach Wahrheit will ich noch gar nicht reden)? Es hieß einmal, mit der Aufklärung seien die Wissenschaften angetreten, die Natur zu erforschen, ohne die Antworten vorwegzunehmen.

      “Bloß weil die Wissenschaft nicht jeden Klimawandel der Erdgeschichte haarklein erklären kann, heißt das nicht, das der aktuelle im Wesentlichen unverstanden ist.”

      Doch, genau das heißt es. Denn um ihn verstanden zu haben und, vor allem, um zu behaupten, dass dieser und nur dieser und kein anderer als Erklärung für as Phänomen infrage kommt, müssen die anderen zuvor ausgeschlossen worden sein. Und wenn man das erforscht hat, dann muss es dazu Untersuchungen und Ergebnisse gegeben haben, aus denen das hervorgeht. Wenn man sich eine Lösung aussucht, die sich gut untersuchen lässt, die auch den Interessen der Wirtschaft und der Politik entgegenkommt, und dann auch noch jeder, der skeptisch nachfragt, als unbelehrbar bezeichnet wird, dann hat man den Boden der Wissenschaft verlassen. Gerade das skeptische Nachfragen war ein Zeichen guter Wissenschaft. Wenn es jetzt als Leugnen umgedeutet wird, um die Skeptiker mundtot zu machen, dann ist das mehr als bedenklich. Zugegeben, diese Praxis ist noch kein Scheiterhaufen, aber auf ihre Weise kann sie ebenfalls tödlich wirken.

      Nicht ich und auch nicht die anderen Klima-Skeptiker müssen irgendwelche Nachweise erbringen, sondern diejenigen, die behaupten, dass ihre Lösung die richtige sei und andere aus diesen, diesen und diesen Gründen ausgeschlossen werden können.
      Sie bewegen sich schon wieder auf dem gleichen Feld wie weiland die katholische Kirche, die auch nur die wissenschaftlichen Lösungen zuließ, die in ihr Weltbild passten.
      Soweit ich mich erinnere, mussten weder Galilei noch Copernikus noch Kepler die – zu ihrer Zeit – gut belegten Ansichten der Kirche widerlegen.

      Sie stellen die Dinge auf den Kopf und merken es nicht einmal. Und Ihr Beispiel mit dem Hausbrand war ja wohl das dümmste, was Sie hätten bringen können. Nur für den Fall, dass es Ihnen nicht aufgefallen ist: Vorhersagen in der Wissenschaft lassen sich nur machen, wenn man verallgemeinern kann, wenn sich Ereignisse wiederholen. Einzelereignisse wie ein Hausbrand interessieren nicht, wenn sie nicht aus welchen Gründen auch immer wiederholt auftreten.

      Das ist derselbe Fehler, der in der ADHS-Forschung gemacht wird. Dort tritt man seit mehr als zwei Jahrzehnten bei der Suche nach der Ursache auf der Stelle. Aber statt zu fragen, ob der Blickwinkel stimmt, aus dem man das Phänomen betrachtet, macht man den schlimmsten Fehler, den man in der Wissenschaft machen kann: man hat die Natur des Phänomens den bisher erzielten Ergebnissen angepasst.

      Und als Nachtrag, weil ich diese Frage übersehen habe:
      ” ich bezweifle aber Ihre Menschenkenntnis, wenn Sie solch einen Typen in Trump sehen. Wollen Sie jetzt ernsthaft Helmut Schmidt mit Trump vergleichen?”

      Ich wiederhole es gern: Das einzige, das die Gruppe der funktionalen Menschen miteinander gemeinsam haben, ist die Arbeitsweise ihres Gehirns. Ansonsten gibt es die gesamte Bandbreite an Eigenschaften, Fähigkeiten, Charakteren und Verhaltensweisen, wie bei der Mehrheit der Menschen. So unterschiedlich Trump und Schmidt in jeder Hinsicht sind bzw. waren, aber die Art und Weise, in der sie an Probleme herangehen bzw. herangegangen sind, ist unverkennbar die gleiche. ich vergleiche sie so wenig, wie ich Hillary Clinton mit Daniela Katzenberger vergleiche – aber eins haben die beiden gemeinsam: sie sind Frauen, und das ist ebenfalls unverkennbar.

      • @Trice;
        Offenbar erkennen Sie nicht, wie sehr Sie selber Ihrer eigenen Kritik entsprechen. Immer wieder drehen Sie dasselbe Mühlenrad: “die böse Wissenschaft will mein Genie nicht anerkennen”. Dabei sind Sie es selber, die wissenschaftliche Methodik vermissen lässt, weil Sie so sehr von sich überzeugt sind, dass Sie weder Skepsis noch Zweifel kennen, dies aber ständig von den Wissenschaften einfordern.

        Der Begriff “Klimaleugner” trifft genau auf Sie zu, weil Sie bekannte Resultate der Klimaforschung offensichtlich leugnen. Die Sonne wäre der nächstliegende Faktor für einen Klimawandel und wird seit Jahren intensiv erforscht. Sie verursacht natürliche Klimaschwankungen (z.B. 11-Jahre-Rhythmus der Sonnenflecken), für die derzeitige Erwärmung ist sie aber erwiesenermaßen nicht ursächlich. Eben das Leugnen von Fakten und umgekehrt das Präsentieren von Meinungen als Fakten ist mit Postfaktizität gemeint. In diesem Punkt sind Sie Trump tatsächlich sehr ähnlich.

        • @ Anton Reutlinger

          Sie machen Scherze, oder?
          Es ist nicht Die WISSENSCHAFT, die mich anerkennen muss, sondern es sind die Wissenschaftler – und die tun es auch. Die haben nur dasselbe Problem wie ich: vor mir sind schon ein Psychologenteam und eine Mathematikprofessorin auf dieselbe Idee gekomen. Und die kommen auch nicht durch. Liegt nicht an der Wissenschaft, nicht am einzelnen Wissenschaftler, sondern an der Methodik – bzw.an der wissenschaftlichen Landschaft.

          “Der Begriff „Klimaleugner“ trifft genau auf Sie zu, weil Sie bekannte Resultate der Klimaforschung offensichtlich leugnen”

          Irrtum! Ich leugne die Resultate nicht, sondern sage nur, was Sie, wenn Sie sich kundig machen würden, auch feststellen würden:
          *Deshalb sind klimatische Ereignisse auf monokausaler Basis praktisch ausgeschlossen, da selbst ein primär durch Treibhausgase verursachter weltweiter Temperaturanstieg (wie derzeit bei der Globalen Erwärmung) mit einer Vielzahl von Wechselwirkungen verknüpft ist*.

          “Die Sonne wäre der nächstliegende Faktor für einen Klimawandel und wird seit Jahren intensiv erforscht.”

          Die Sonne ist nicht der einzige andere Faktor:
          https://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4oklimatologie

      • Sie zeichnen ein Zerrbild, die Theorie der anthropogenen, globalen Erwärmung ist das Ergebnis von Wissenschaft, keine vorweggenommene Antwort.

        “Doch, genau das heißt es. Denn um ihn verstanden zu haben und, vor allem, um zu behaupten, dass dieser und nur dieser und kein anderer als Erklärung für as Phänomen infrage kommt, müssen die anderen zuvor ausgeschlossen worden sein.”

        Aktuell kennt man keine anderen Klimatreiber, die die Erwärmung erklären können, aber man kennt welche (Treibhausgase), die es tun können. So sieht es aus. Irgendwelche hypothetischen Ursachen anzunehmen, die vielleicht vor Milliarden Jahren unter deutlich anderen Umständen gewirkt haben, ist einfach lächerlich.

        Die Belege für die Theorie der anthropogene, globalen Erwärmung sind durchaus bekannt, man muss sie nur zur Kenntnis nehmen. Sie möchten es nicht wahrhaben, aber die Klimaskeptiker sind in Bringschuld für eine bessere Erklärung als die der anthropogenen Treibhausgase. Immer nur zu sagen, wir wissen es nicht und wir können es nicht wissen, reicht wissenschaftlich nicht mehr. Tut mir leid, die sog. Klimaskeptiker bilden eigentlich die “Klimakirche”, die die “Mondflecken” nicht sehen will.

        Woher nehmen Sie eigentlich die Kompetenz, über die Klimatologie zu urteilen? Wenn man sich in Ihren Fachbereich einmischt, kriegt man eins aufs Dach, aber Sie machen dasselbe in der Klimatologie.

  18. @Trice / 28. November 2016 @ 23:16

    »Es hieß einmal, mit der Aufklärung seien die Wissenschaften angetreten, die Natur zu erforschen, ohne die Antworten vorwegzunehmen.«

    Es sind doch gerade die selbsternannten AGW-“Skeptiker”, die sich eifrig in Dogmatik üben und ihre Antworten vorwegnehmen, ganz egal was die Klimaforschung an Einsichten vermitteln kann. So beispielsweise die 10 ‘Core Principles’ der International Climate Science Coalition (ICSC), die schon seit deren Gründung (2007) unverrückbar festgeschrieben sind, quasi als die 10 Gebote aus dem Katechismus für anti-AGW-Lobbyisten:


    1. Global climate is always changing in accordance with natural causes and recent changes are not unusual.

    2. Science is rapidly evolving away from the view that humanity’s emissions of carbon dioxide and other ‘greenhouse gases’ are a cause of dangerous climate change.

    3. Climate models used by the IPCC fail to reproduce known past climates without manipulation and therefore lack the scientific integrity needed for use in climate prediction and related policy decision-making.

    4. The UN IPCC Summary for Policymakers and the assertions of IPCC executives too often seriously mis-represent the conclusions of their own scientific reports.

    5. Claims that ‘consensus’ exists among climate experts regarding the causes of the modest warming of the past century are contradicted by thousands of independent scientists.

    6. Carbon dioxide is not a pollutant – it is a necessary reactant in plant photosynthesis and so is essential for life on Earth.

    7. Research that identifies the Sun as a major driver of global climate change must be taken more seriously.

    8. Global cooling has presented serious problems for human society and the environment throughout history while global warming has generally been highly beneficial.

    9. It is not possible to reliably predict how climate will change in the future, beyond the certainty that multi-decadal warming and cooling trends, and abrupt changes, will all continue, underscoring a need for effective adaptation.

    10. Since science and observation have failed to substantiate the human-caused climate change hypothesis, it is premature to damage national economies with `carbon’ taxes, emissions trading or other schemes to control ‘greenhouse gas’ emissions.

    • @ Chrissie :

      […] die selbsternannten AGW-“Skeptiker”[…]

      Angemessen zeitgenössisch die Klimatologie begleitende Skeptiker sind nicht ‘selbsternannt’, diese Skeptiker sind zudem nicht in doppelten Anführungszeichen zu schreiben und last but not least geht es auch nicht um den Spekulatius ‘Milankovitch cycles’.

      Der Rest Ihrer Nachricht müsste zudem geckenhaft gemeint gewesen sein, wohl auch so beabsichtigt, Sie sind ja auch nicht vom Fach, sondern vertrauen anderen.

      MFG
      Dr. Webbaer (der anderen “jetzt nicht” so vertrauen tut, insbes. “PIK-Bären” nicht, wenn sie besonders “aktivistisch” ausschauen)

      • Dr. Webbaer / 30. November 2016 @ 12:11

        Neuerdings findet man ausserdem noch selbsternannte “climate realists”, die sich (mit den double quotes) defineren als ‘those of us who oppose the idea that humanity’s greenhouse gas emissions threaten the climate’, wie Tom Harris in der Washington Times vom 14 Nov 2016, der sich erheblich sorgt, dass Trump gar zum Klimaschützer mutieren könnte.

        Ich sollte vielleicht gesondert betonen, dass der `Rest meiner Nachricht’, wie Sie das zu nennen belieben, keine Satire ist, sondern im exakten Wortlaut von der ICSC stammt. Want more? Gerne, dies ist beispielsweise das primäre ICSC Energieprinzip:


        1. Carbon dioxide and other ‘greenhouse gas’ emissions from human activity—energy production, transportation, cement production, heating and cooling, etc.—appear to have only a very small impact on global climate.

        Und so etwas wird gemeinhin nicht `Skepsis’ genannt — da müssen Sie etwas ganz fundamental missverstanden haben.

        • @ Chrys :

          Dr. Webbaer schreibt in der Regel von Skeptikern, die die “CO2-zentrierte Klimatologie mit dem Erwärmungstrend” freundlich angemessen und fair zu begleiten suchen, die sind recht selten, weil das Thema stark gesellschaftlich polarisiert [1], korrekt.

          MFG
          Dr. Webbaer (der vielleicht vor acht Jahren beginnend eine ganze Menge Zeit [2] investiert hat, um hier mitzukommen, ausschließlich “klimatreue” Angebote geprüft hat, Herrn von Storch sehr überzeugend fand, “Aktivisten” weniger – Anlass hierfür war übrigens der bemerkenswerte Sachverhalt, dass auch verständig scheinende Personen “klimaskeptisch” waren)

          [1]
          insbes. auch Maßnahmen, die Mitigation meinende – bspw. kann es unilaterales “protestantisches” Sparen am CO2-Ausstoß nicht sein

          [2]
          Über die Jahre 1.000 Stunden?

          • @Dr. Webbaer / 1. Dezember 2016 @ 07:22

            Der gemeine Skeptiker (Skepticus vulgaris) ist mit dem Klimaskepktiker (Pseudoskepticus climaticus) nicht näher geistesverwandt und von diesem normalerweise leicht zu unterscheiden, wie es dann auch in einem vielverlinkten Nachschlagewerk sinngemäss zu lesen ist:

            Bei Klimaskeptizismus handelt es sich im Allgemeinen nicht um Skeptizismus im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr um die organisierte Leugnung der menschengemachten globalen Erwärmung. So existiert mittlerweile eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass Widerstand gegen Klimaschutzmaßnahmen entweder politisch organisiert, ideologisch motiviert oder auch beides ist.[7]

             

            Diese Unterscheidung sollten wir tunlichst beachten, sonst verlieren wir noch die Übersicht, wovon eigentlich die Rede ist. Ergo stecken wir den Herrn von Storch jedenfalls besser nicht in das gleiche Bioptop wie die Klimaskeptiker. Indes gehören die vom zuvor erwähnten Herrn Prof. Fischer eingesammelten Exemplare zweifellos dieser letztgenannten Spezies an.

  19. @ Paul Stefan

    “Aktuell kennt man keine anderen Klimatreiber, die die Erwärmung erklären können, aber man kennt welche (Treibhausgase), die es tun können. So sieht es aus. Irgendwelche hypothetischen Ursachen anzunehmen, die vielleicht vor Milliarden Jahren unter deutlich anderen Umständen gewirkt haben, ist einfach lächerlich. ”

    Ihr Problem ist, dass Sie nur auf die derzeitige Klimaerwärmung fokussieren und sie nicht in einem möglichen erdgeschichtlichen Zusammenhang sehen (wollen oder können). Und die, die man jetzt kennt, nämlich die Treibhausgase, die gab es auch in den früheren Warmzeiten, nur eben nicht die anthropogenen Ursprungs.

    “Woher nehmen Sie eigentlich die Kompetenz, über die Klimatologie zu urteilen?”

    Ich “urteile” nicht “über” die Klimatologie, dann würde ich 1. den Klimawandel bzw. die Klimaerwärmung leugnen, und würde 2. auch die Paläoklimatologie nicht berücksichtigen. Ich kritisiere nur den verkürzten Blickwinkel.

    ” Wenn man sich in Ihren Fachbereich einmischt, kriegt man eins aufs Dach, aber Sie machen dasselbe in der Klimatologie.”

    *lach* . Weisen Sie mir doch einfach nach, dass ich mich in meinem Fachgebiet irre. Da das aber nicht der Fall ist, und gerade da sehr kontrovers gestritten wird, dürfte das schwierig sein. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht wusste, dass Sie Klimatologe sind, ich hielt Sie, sorry, für einen Apologeten, zmal Sie als Klimatologe zumindest ein wenig über Paläoklimatologie wissen sollten.
    Tut mir leid, ändert aber nichts daran, dass ich die monokausale Behauptung, der derzeitige Klimawandel sei ausschließlich menschengemacht, skeptisch sehe. Zumal es so aussieht, als sei das auch so einer der – wie Peter Furth es nannte – unbeendbaren Kriege, die unsere politisch korrekte Gesellschaft ebenso apodiktisch wie unermüdlich führt.

    • @ Trice: Nein, ich habe nicht vor, mich in Ihr Fachgebiet einzumischen und ich bin kein Klimatologe wie Sie, aber Ihre Aussagen sind ein Urteil über die Klimatologie, dass im Widerspruch zu deren Aussagen steht. Das können Sie nicht wegreden.

      Der Vorwurf der Monokausalität ist recht billig, es geht Ihnen durchaus um eine Relativierung von CO2 und anderen Treibhausgasen als den derzeit wichtigsten Klimatreiber. Der Vorwurf der Monokausalität ist auch unzutreffend. Das die anthropogenen Treibhausgase jetzt die wichtigsten Klimatreiber sind, ist das Ergebnis der Betrachtung aller bekannten positiven und negativen Klimatreiber.
      Es gibt keine Hinweise auf weitere, unbekannte Klimatreiber, die die aktuelle Erwärmung erklären könnten, auch nicht, aufgrund einer weit zurücklegenden Klimageschichte.
      Es gibt auch keine überzeugende alternative Erklärung für die aktuelle Erwärmung.

      Auf S. 6 der Zusammenfassung des 5. IPCC-Berichts gibt es eine schematische Darstellung der Klimatreiber.

      http://www.de-ipcc.de/_media/IPCC-AR5_SYR-SPM_vorlaeufige-Uebersetzung_Dez2015.pdf

      • @Paul Stefan

        Es hat etwas gedauert, aber…

        “Es gibt keine Hinweise auf weitere, unbekannte Klimatreiber, die die aktuelle Erwärmung erklären könnten, ”

        … es gibt Hinweise:

        https://www.welt.de/wissenschaft/article160317202/In-der-Antarktis-klafft-ein-gigantischer-Riss.html

        Es heißt dort Globaler Klimawandel, auch wenn man den anthropogenen erwähnt.

        http://www.nzz.ch/wissenschaft/vulkanismus-heizt-den-thwaites-gletscher-von-unten-1.18324166

        “Der Vorwurf der Monokausalität ist auch unzutreffend.”

        Offensichtlich nicht.

        “Der Vorwurf der Monokausalität ist recht billig, es geht Ihnen durchaus um eine Relativierung von CO2 und anderen Treibhausgasen als den derzeit wichtigsten Klimatreiber.”

        Sehen Sie, das ist, woran man die sogenannten “Eliten” in unserer Gesellschaft erkennt: Sie reden zwar von Toleranz, die aber nicht gilt, wenn man ihnen widerspricht. Und sie werden persönlich, z. B., indem sie mit Unterstellungen und Projektionen arbeiten.
        Ich bestreite nicht, dass der menschengemachte Anteil erheblich zum Klimawandel beiträgt. Und ich verstehe auch die Befürchtung, dass wenn man diesen Beitrag relativiert, die Anstrengungen, den CO2 -Ausstoß zu verringern, aufgegeben werden, mit der Begründung, es bringe ja doch nichts. Doch früher oder später kommt man nicht darum herum – und meist bewirkt man mit dem, was man verhindern wollte, schlimmere Konsequenzen, als wenn man gleich ehrlich gewesen wäre.

        • @Trice;
          Wie Ihre Links anschaulich zeigen, hat die Wissenschaft auch alternative Ursachen der Erderwärmung untersucht. Somit haben Sie Ihre ulkigen Behauptungen selber widerlegt. Auch der anthropogen verursachte Klimawandel ist selbstverständlich global, das ist gerade das verheerende an der Sache. Dass der anthropogen verursachte Klimawandel von natürlichen Klimaschwankungen unterlegt ist, das ist wissenschaftlich längst eine Selbstverständlichkeit. Ihre Spitzfindigkeiten sind völlig sinnlos und lächerlich.

          Sehen Sie, das ist, woran man die sogenannten „Eliten“ in unserer Gesellschaft erkennt: Sie reden zwar von Toleranz, die aber nicht gilt, wenn man ihnen widerspricht.

          Was Toleranz bedeutet, haben Sie offensichtlich auch nicht verstanden. Was macht denn die Elite, wenn man ihr widerspricht? Schlägt sie um sich, mit Knüppeln oder mit Verboten? Werden Klimaskeptiker wegen ihrer Meinung bestraft? Kritik und Widerspruch ist keine Intoleranz. Intoleranz ist es aber, die Klimaforschung, oder andere weltanschaulich unliebsame Forschung, zu behindern oder gar verhindern zu wollen, z.B. durch willkürliche Streichung der Forschungsmittel. Intoleranz ist es, die Klimaforscher – oder die “wissenschaftliche Elite” generell – zu diffamieren und zu verleumden. Intoleranz ist es, wissenschaftliche Fakten zu unterdrücken, zu leugnen oder mit Lügen bekämpfen zu wollen.

        • @Trice

          Bezogen auf die Klimaforschung liegt Prof. Fischer schlicht daneben mit seiner These, die Sie sich offensichtlich auf die Fahne geschrieben haben, und die da lautet, “In der Politik kommt es im Gegensatz zur Wissenschaft nicht primär auf Wahrheit, sondern auf Macht, Aushandlung von Interessen und Konsensfindung an. In einigen Bereichen der Wissenschaft (Klimaforschung, Risikobewertung, Intelligenzforschung, Kernenergie etc.) sind wir nicht mehr weit von diesem Zustand einer durch und durch politisierten Wissenschaft entfernt. Wissenschaft im politisierten Zustand belohnt nicht mehr jene, die auf sorgfältiges, zähes und beständiges Arbeiten, sauberes Experimentieren, das Erkennen und Eliminieren von Fehlern, klares Argumentieren und eigenes Urteilen setzen, und dies wenn nötig auch gegen die Meinung der politischen Tugendwächter, der Zeitgeistbeflissenen und der “scientific community”.” Wo die These möglicherweise passt und wo nicht, wäre jeweils im Einzelfall konkret zu belegen, was Prof. Fischer im Fall der Klimaforschung freilich unterlassen hat, denn an wissenschaftl. Standards gemessen hat er mit den von ihm angeführten dubiosen Quellen noch rein gar nichts belegt.

          Der Umstand, dass die Klimaforschung zu einem Konsens gelangt ist hinsichtlich der Rolle, welche der anthropogenen Emission von Treibhausgasen für die aktuell feststellbare globale Erwärmung zukommt, impliziert logisch keineswegs, dass Klimaforschung nahezu “durch und durch politisiert” sei. Es besteht schliesslich auch ein weitgehender wissenschaftl. Konsens darüber, dass die Erde ein Planet ist und rotiert, was gemeinhin allerdings nicht als Hinweis auf eine “Politisierung” von Wissenschaft gewertet und mit einer Forderung verknüpft wird, die sich in diesem Konsens manifestierende Einsicht beständig neu und völlig unmotiviert in Zweifel zu ziehen.

          Dass e.g. die unternehmenseigene Klimaforschung von Exxon zu den gleichen Schlussfolgerungen über AGW gelangt ist wie die als “politisiert” diskreditierte, wird von Ihnen wie von Prof. Fischer völlig ausgeblendet. Hingegen gehört es nachweislich seit ca. 1990 zur lobbyistischen Geschäftspolitik von Exxon, wider besseres Wissen Nebelkerzen zu werfen und Unsicherheiten zu schüren, was die AGW Thematik angeht. Eine Befähigung zum eigenständigen Denken und Urteilen erweist sich nicht unbedingt in der Bereitschaft, lobbyistische Parolen zu repetieren oder anderweitig demagogischen Bauernfängern auf den Leim zu gehen.

  20. @Trice;
    Sie haben völlig recht, ohne die Sonne gäbe es gar kein Klima und keinen Klimawandel. Zu dieser genialen Einsicht braucht man ein Mathe- oder Psychologiestudium. Physiker bzw. Naturwissenschaftler sind dafür scheinbar zu einfältig. Ob Sie es glauben oder nicht, die Klimatologen haben sich eingehend auch mit dem Paläoklima beschäftigt und sind dabei ziemlich einhellig zu dem Schluss gekommen, dass für die derzeitige anomale Erwärmung allein der rasante Anstieg der Treibhausgase, primär des CO2, ursächlich sein kann. Dass für das Klima als solches eine Vielzahl von Faktoren wirksam ist, das ist trivial und bedarf nicht Ihrer Genialität.

    Falsche oder widerlegte Hypothesen werden in den Wissenschaften nicht weiter verfolgt, es wäre Zeit- und Ressourcenverschwendung. Vielleicht liegt es daran, dass auch Ihre Hypothesen unter den Tisch gefallen sind. Es wäre jedoch falsch, daraus zu schließen, dass sie nie untersucht oder nie in Erwägung gezogen wurden. Bringen Sie überzeugendere Argumente! Nur zu behaupten, die Funktionsweise des Gehirns wäre anders, das reicht nicht, das hat nichts mit Wissenschaft, sondern mit starrköpfiger oder dogmatischer Rechthaberei zu tun.

  21. @Anton Reutlinger

    jetzt wäre ich vor Lachen fast vom Stuhl gefallen – so stellt man sich selbst ein Bein, 🙂 :
    “Sie haben völlig recht, ohne die Sonne gäbe es gar kein Klima und keinen Klimawandel. Zu dieser genialen Einsicht braucht man ein Mathe- oder Psychologiestudium.”

    So gerne es mir leid tut, aber die Sonne haben Sie ins Spiel gebracht, nicht ich. Ich habe auf Plattentektonik verwiesen und zu einer Wikipedia-Seite zur Paläoklimatologie verlinkt.

    Wenn man so wie Sie argumentiert, dann wird jede Diskussion sinnlos.

    • @Trice;
      Wer sich selber allzu ernst nimmt, ist blind für Satire und Komik. Die Plattentektonik ernsthaft als Ursache für die derzeitige, globale Erwärmung anzuführen, ist dagegen keine Satire, sondern blinde Einfalt. Dass die Plattentektonik das Klima im Verlauf von Jahrtausenden regional verändern kann, oder lokal in kürzerer Zeit (z.B. Island), ist längst kein Geheimnis von Eingeweihten mehr, sondern wissenschaftlich eine Banalität.

      Hypothesen, die wissenschaftlich widerlegt sind, kommen in den Reißwolf. Die Behauptung, die Wissenschaft hätte sich damit nicht befasst oder wolle sich damit nicht befassen, ist eine beliebte Lüge, um unbedarfte Leute mit nachweislich falschen Theorien hinters Licht zu führen. Leider fehlt es vielen Leuten, die sich Skepsis gegenüber dem “Mainstream” auf die Fahnen schreiben, an der nötigen Selbstskepsis. In den Foren wie in der Öffentlichkeit gibt es viele schöne Exemplare davon.

  22. @Chrys, Paul Stefan, Anton Reutlinger

    Was ich nicht verstehe: Sie verhalten sich, als wollten Sie die “Aktion Unwort des Jahres”, die ‘postfaktisch’ zum Unwort erklärt hat, Lügen strafen: Chrys scheint überhaupt nicht verstanden zu haben, worauf Klaus Fischer mit seinem Essay hinauswill, und Paul Stefan und Anton Reutlinger greifen dermaßen tief in die rabulistische Trickkiste, dass man meinen könnte, ich hätte ihre ureigenste Idee infrage gestellt.

    Ich würde dieses Verhalten ja noch verstehen, wenn ich den Klimawandel insgesamt geleugnet oder den anthropogenen Anteil daran in Abrede gestellt hätte. Aber da das nicht der Fall ist, finde ich keine Erklärung für dieses fast hysterisch anmutende Verhalten. Denn was spricht dagegen, neben den Anstrengungen, den menschengemachten Anteil deutlich zu senken, auch andere Faktoren in die Überlegungen miteinzubeziehen?

    Die einzige Erklärung, die sich ansonsten anbietet, liegt auf einem ganz anderem, dem psychologischen Sektor : dem menschlichen Denken. Dörner*, der in den 80er Jahren Untersuchungen zu komplexen Problemlösen angestellt hatte, kam zu dem Schluss, dass die Unfähigkeit, mit solchen Problemen umzugehen, im menschlichen Denken begründet ist – bzw. in der Art des Denkens der überwiegenden Mehrheit der Menschen. Einer der bedeutsamsten Fehler ist die Zentralreduktion, also statt sich das “komplizierte Geflecht der Abhängigkeiten eines Systems klarzumachen, eine Zentralreduktion durchzuführen, also ‘eine’ Variable’ als zentral anzusehen …um den Zustand der anderen Variablen braucht man sich dann nicht mehr zu kümmern.”

    Dieses Problem ist nicht ganz so einfach, wie es die Beschreibung vermuten lässt, denn die Zentralreduktion ist keine willentliche Entscheidung, sondern hängt mit der Arbeitsweise des Gehirns zusammen, die dazu zwingt, in Begriffen, Beziehungen und Zuständen zu denken. Und eben dieses Denken in Beziehungen lässt sich auch in den zum anthropogenen Klimawandel verlinkten Texten auffinden.
    Da ich nicht zur Mehrheit gehöre, daher auch nicht in Zuständen und Beziehungen denke, sondern in Prozessen, Wirkungsweisen und Systemen, sehe ich auch eben auch das komplizierte Geflecht des Systems “Klima”.

    Von daher macht es also wenig Sinn, darüber zu streiten, denn gegen die Arbeitsweise seines Gehirns kann niemand andenken.

    • @Trice;
      Glauben Sie ernsthaft, dass Sie uns olle Kamellen als Ihre Geistesblitze verkaufen können? Die anthropogenen Ursachen der globalen Erwärmung können teilweise von der Menschheit beeinflusst werden, andere prinzipiell nicht. Offenbar haben Sie die Problematik nicht verstanden. Das zeigt sich schon daran, dass Sie vom “System Klima” schwadronieren. Nicht das Klima ist ein System, sondern die Atmosphäre, oder die Erde insgesamt. Das Klima beschreibt das statistische Systemverhalten der Atmosphäre inklusive der Erdoberfläche, das ist die Transformation der Inputgrößen in Outputgrößen.

      Für die Analyse eines Systems ist die Reduktion auf die wesentlichen Variablen unerlässlich, um es von seiner Umgebung zu isolieren, um seine Struktur und seine Schnittstellen zu erkennen und um das reine Systemverhalten zu untersuchen. Für die Synthese dagegen muss das Gesamtsystem und seine Einbettung in die Umgebung berücksichtigt werden. Man kann die Elektrizität nicht verstehen, ohne die Eigenschaften und das Verhalten der Elektronen zu kennen. Um ein Elektrogerät zu benutzen, muss man nichts von Elektronen wissen, man kann es als Blackbox mit Batterie oder Kabelanschluss und einem Wirkmechanismus und ggf. Nebenwirkungen wie z.B. Erwärmung betrachten. Die Missachtung von Nebenwirkungen auf die Umgebung (oder umgekehrt) führt gelegentlich zu Unfällen.

  23. @Trice

    In ihrem verlinkten Artikel steht nichts von anderen Klimatreibern.

    https://www.welt.de/wissenschaft/article160317202/In-der-Antarktis-klafft-ein-gigantischer-Riss.html

    Auch wenn der eine oder andere Vulkan einen Gletscher zu Schmelzen bringt, dass sind keine relevanten Klimatreiber.

    “sogenannten „Eliten“ ”
    Danke fürs Kompliment.

    Toleranz heißt nicht, in der Wissenschaft jede absurde oder widerlegte Theorie gelten zu lassen. Die archimedische Physik wird auch nicht mehr gelehrt.

  24. @Trice / 20. Dezember 2016 @ 10:11

    »Denn was spricht dagegen, neben den Anstrengungen, den menschengemachten Anteil deutlich zu senken, auch andere Faktoren in die Überlegungen miteinzubeziehen?«

    Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass dies nicht in angemessener Form geschieht? Bereits in der elementar gehaltenen (d.h. mathematikfreien und somit auch Nichtspezialisten zumutbaren) Einführung [1] werden in Ch. 13 D, Understanding recent climatic change, mit einiger Ausführlichkeit diverse Forcierungen des Erdklimas systematisch behandelt (1 Circulation changes, 2 Solar variability, 3 Volcanic activity, 4 Anthropogenic factors). Auch tektonische sowie orbitalmechanische Aspekte werden zuvor schon präsentiert, wobei aber auch festgestellt wird:

    In terms of inducing global temperature change over the past 100 years, as well as changes projected through the twenty-first century, the effects of plate tectonics (operating on timescales of millions of years) and Milankovich forcings (operating on timescales of tens of thousands of years) are irrelevant.

     

    Von Prof. Fischers Referenzen kann allenfalls Nigel Calder überhaupt als zitierfähig gelten. Eine aktualisierte Version seiner Sicht zum Klima hatte Calder dann gemeinsam mit H. Svensmark abgeliefert (The Chilling Stars, Icon Books, 2007). Und es ist keineswegs so, dass im fachlichen Diskurs darauf nicht eingegangen worden wäre, vgl. e.g. hier (open access).

    [1] R. G. Barry & R. J. Chorley. Atmosphere, Weather and Climate. Routledge, 9th ed., 2010.

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