Nach dem anstehenden Bitcoin-Crash – Welchen Einfluss werden Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie wirklich haben?

Ein Gespenst geht um in der Finanzwelt, und diesmal ist es nicht wie vor 170 Jahren der Kommunismus, der das Establishment in Europa bedroht. Das Gespenst heute heisst „Bitcoin“, und es bedroht die etablierten Machtstrukturen in der weltweiten Finanzindustrie. Gemeinsamkeiten mit dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels sind nicht gerade offensichtlich, denn unterdessen haben auch die stärksten Apologeten des globalen Finanzkapitalismus Bitcoin für sich entdeckt. So sind unterdessen sogar die Investmentbanken auf den Zug mit Kryptowährungen gesprungen. Die Ähnlichkeiten liegen eher bei den Heilsversprechen, die wir von den Befürwortern der neuen digitalen Währungen hören: Umsturz des traditionell intransparenten, korruptionsanfälligen und völlig überteuerten Geschäftsmodell der Banken, mehr Demokratie in Unternehmen und im Staat, Fairness im globalen Handel, die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit, bis hin zu einem Wohlstands-Turbo-Booster für die Ärmsten der Welt.

Doch ist es nicht politischer Idealismus oder die Aussicht auf eine gerechtere Gesellschaft, was den momentanen Hype um Bitcoin antreibt. Vielmehr ist es der gleiche Ausruf, der in demselben Jahr, in dem Marx und Engels das Kommen des Kommunismus ankündigten, aus San Francisco erscholl: “Gold! Gold! Gold from the American River!“. Es ist der Ruf des schnellen Geldes, der auch 170 Jahre nach dem kalifornischen Goldrausch nichts von seiner Wirkung verloren hat. So hat mit dem Kursanstieg von Bitcoin um das 15-fache im vergangenen Jahr die Begeisterung für die digitale Währung schliesslich auch diejenigen erreicht, die dem Geschehen in der Finanzwelt sonst eher indifferent bis distanziert gegenüberstehen. Wer kann schon ignorieren, dass hier schnell mal Millionen gescheffelt werden können? Nur dass man heute nicht mehr beschwerliche Tausende von Kilometern reisen muss, um das neue Gold zu „schürfen“, sondern nur ins Internet zu gehen braucht. „Schürfen“, so heisst es tatsächlich, wenn man mit der Rechenkraft seines eigenen Computers neue Bitcoins zu erwerben anstrebt. In China und Island gibt es bereits ganze Farmen von Bitcoin schürfenden Computern (die dafür – und dies ist ein weniger bekannter Nebeneffekt des Bitcoin-Hypes – eine Unmenge an Elektrizität verbrauchen und die globale CO2-Bilanz belasten).

Unterdessen ist aus dem Hype eine wahre Bitcoin-Manie geworden, die selbst die Ahnungslosen (und gerade die) an die völlig unregulierten und oft alles andere als transparent agierenden Bitcoin-Börsen treibt. „Die grösste Spekulationsblase in der Geschichte“, beschreiben Kritiker die jüngste Kursentwicklung der Kryptowährungen. Und Bitcoin ist nur die bekannteste unter ihnen. Es gibt noch viele andere. Mit Namen wie Ripple, Stellar, Golem, FunFair, HalloweenCoin oder SnakeEyes klingen manche von ihnen wie Ecstasy-Sorten vor 20 Jahren. Tatsächlich kann jeder, der will, seine oder ihre eigene digitale Währung erschaffen. Hier werden Erinnerungen an das adlige Münzprägerecht im Mittelalter wach, mit dem jeder Adlige, der dieses besass, seine eigene Münzwährung prägen durfte. Es ist daher kein Wunder, dass bereits zahlreiche Vergleiche zur Tulpenmanie in Holland des 17. Jahrhunderts gezogen werden. Am 3. Februar 1637 betrug dort der Preis einer einzigen  Tulpenzwiebel über 5000 Gulden (in heutigen Preisen fast 100‘000 Euro; zum Vergleich: der Maler Rembrandt bekam für seine Nachtwache gerade einmal 1‘600 Gulden). Der Unterschied zu Bitcoins heute: Nach dem Platzen der Blase hatte man wenigstens noch eine Zwiebel, aus der eine schöne Blume wachsen konnte.

Bei Bankern und Ökonomen hat Bitcoins lange nur ein spöttisches Lächeln hervorgerufen. Die Regulationsbehörden hatten die Kryptowährung zwar im Auge, allerdings hauptsächlich, um seine kriminelle Nutzungen einzudämmen. Denn auch diese machten 2017 weitere Schlagzeilen: Geldwäscherei, Lösegelderpressung seitens Hacker, Veruntreuung, Waffenhandel im sogenannten Darknet, usw. Doch nun haben die Aufseher begonnen, auch die Mainstream-Fähigkeit von Bitcoin zu evaluieren. Man fühlt sich an die Entwicklung des Internets in den frühen 1990er Jahren erinnert, das von Bankern und Grossunternehmen, traditionell eher Nachreiter technologischer Veränderungen, zunächst ebenso skeptisch beäugt wurde, bevor diese dann mit Wucht auf den Zug aufsprangen und das Internet mit Wucht in ihre Geschäftsmodelle integrierten. Steht Bitcoin, oder allgemeiner der Technologie die hinter Bitcoin steckt („Blockchain“), eine ähnliche Entwicklung bevor? Oder werden die Bitcoins zu den Tulpen des 21. Jahrhunderts und nach dem Platzen ihrer Blase keine Rolle mehr in der realen Wirtschaft spielen? Denn dass die Bitcoin-Blase platzen wird, darüber sind auch viele der enthusiastischsten Bitcoin-Apologeten überzeugt. Die wichtige Frage lautet jedoch: Was kommt danach? Und hier lohnt es sich, die historische Wechselwirkung des wissenschaftlichen bzw. technologischen Fortschritts mit Spekulationsblasen anzuschauen.

Die erste grosse technologische Revolution, auch (erste) „Industrielle Revolution“ genannt, beruhte auf der Nutzbarmachung der Dampfkraft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ökonomisch war ihr Ergebnis die Schaffung gewaltiger Vermögen, insbesondere in Form von Aktien in Eisenbahnunternehmen (die Hälfte der Unternehmen, die damals an der New Yorker Börse notiert waren, waren Eisenbahngesellschaften). Rund um diese Aktien begann sich eine gewaltige Spekulationsblase zu bilden. In England platzt diese zuerst, im Jahre 1847, in den USA dann im Jahr 1873, und dies noch bevor die Eisenbahntechnologie ihren vollen Impact als Massenprodukt entwickelt hatte. Die zweite grosse Technologisierungswelle basierte auf der Nutzung der Elektrizität sowie der Entwicklung des Automobils (beide hingen zusammen: elektrische Autos gehörten zu den ersten Modellen überhaupt und wurden in mehrfacher Hinsicht als ihren Konkurrenten mit Verbrennungsmotoren technisch überlegen angesehen). Wieder stieg die Begeisterung der Anleger in den Himmel und mit ihr die Aktienkurse von Elektro- und Automobilunternehmen. Das Resultat war der Crash von 1929, der bekanntlich zur schlimmsten Wirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts führte. Mit der Elektrifizierung und dem Massenmarkt für Autos erfolgte der wahre Durchbruch der Technologie im menschlichen Alltagsleben auch hier erst 25 Jahre später. Die dritte grosse technologische Enzwicklung ist den meisten Zeitgenossen noch in bester Erinnerung: die Digitalisierung, die das Internet und mobile Kommunikation hervorbrachte. Die damit einhergehende Dotcom-Blase der 1990er platzte in den frühen 2000ern spektakulär. Dem Siegeszug des Internets und des Smartphones tat dies danach allerdings keinen Abbruch. Dazu brauchte es nun jedoch keine 25 Jahre mehr, sondern nur noch fünf bis zehn Jahre. Es erscheint, als ob aus irgendwelchen Gründen Spekulationsblasen notwendige Begleiterscheinungen bedeutender technologischer Entwicklungen sind. Und die Zeitspanne dazwischen verkürzt sich zunehmend (das heisst allerdings nicht, dass jedem Finanzcrash eine technologische Revolution vorausgeht. 2008 waren es beispielsweise eher die ominösen Derivat- und Strukturierungsgeschäfte der Banken, die dem Absturz der Aktien und Immobilien vorausgingen. Wahrhaftig neue Technologien steckten kaum dahinter, eher immer neue Ideen der Banker, möglichst viel Geld abzuschöpfen).

Nun stellt sich die Frage: Ist die gerade ablaufende Bitcoin-Spekulationsblase und ihr anstehendes Platzen ein solcher Vorreiter eines neuen revolutionären Technologie-Schubs? Das ist keineswegs ausgeschlossen, denn Blockchain, die Technologie, die hinter Bitcoins steckt, besitzt tatsächlich das Potential für einen neuen technologischen Umsturz. Er könnte eine bedeutende Gruppe zentraler Agenten in der globalen Wirtschaft ausrotten, die so genannten Intermediäre. Heute steuern intermediäre Einrichtungen wie Banken, Börsen, Notare, Buchprüfungsgesellschaften sowie zahlreiche staatliche Institutionen (z.B. Zentralbanken, Steuerbehörden und Regulatoren) einen grossen Teil unseres Wirtschaftslebens. Sie garantieren eine zentrale Bedingung für den reibungslosen Ablauf jeglichen wirtschaftlichen Handelns: Vertrauen. Banken garantieren Geldvermögen, eine „Banknote“ ist ein Wertspeicher, der (zumeist) zuverlässig ist. Ein Notar garantiert die Rechtsicherheit einer vertraglichen Vereinbarung, Notenbanken, dass die Papierscheine in meiner Hand einen Wert besitzen. Staatliche Behörden sorgen dafür, dass im internationalen Bankgeschäft die Regeln eingehalten werden. Sie alle sind „Agenten des Vertrauens“. Dass aber selbst diese Agenten nicht 100% vertrauenswürdig sind und selbst in die Krise geraten können, zeigen die zahlreichen Banken- und Staatskrisen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, die zu Hyperinflationen, Bankpleiten, Kreditkrisen, bis hin zu dysfunktionalen Staaten („failed states“) geführt haben.

Die Blockchain-Technologie ermöglicht ganz neue Möglichkeiten für Vertrauensbildung in Wirtschaft und Handel. Das wohl prominenteste Beispiel ist eine neue transparente und dezentrale Art und Weise, die zentrale Einheit des wirtschaftlichen Austauschs zu definieren: das Geld. Anstatt durch den Austausch einer staatlich regulierten Währung finden wirtschaftliche Prozesse in dezentral verwalteten („peer-to-peer“) Netzwerken statt. In ihnen lassen sich Zahlungen abwickeln, ohne dass es einer Vertrauen schaffenden zentralen Bank oder staatlichen Währung bedarf.

Die Funktionsweise von Blockchains ist so einfach wie das Führen eines Geschäftsjournals, nur mit viel mehr Einträgen sowie dezentraler und globaler Verwaltung: Blockchains sind elektronisch gespeicherte Journale („Blöcke“), die – daher der Name – kettenförmig zusammenhängen und für jedermann einsehbar auf vielen Computern zugleich gespeichert sind. Das Eigentum des Geldes entspricht dabei dem Besitz eines geheimen digitalen Schlüssels, der Zugang zum Guthaben in einem eigenen digitalen Portemonnaies gewährleistet. Dieser wird dann eingesetzt, wenn das Geld zwecks Bezahlung jemandem anders übertragen werden soll. Eine solche Transaktion wird dann in der Blockchain eingetragen.

Während wir beim gewöhnlichen Zahlungsverkehr einer Bank oder einer anderen vermittelnden Instanz vertrauen müssen, die die Sicherheit der Transaktion garantiert, ist dies in einer Blockchain die Aufgabe der Gemeinschaft aller Beteiligten. Eine Zahlung wird bei Vorlegen des korrekten Schlüssels von der Mehrheit der Teilnehmer abgesegnet. Korrekturen am System sind nur möglich, wenn die Mehrheit der Beteiligten diesen zustimmt. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl ist dies nach einer kurzen Weile kaum mehr möglich. Die Einträge der Blöcke in die Blockchain übernehmen dezentrale Knotenpunkte, wofür ihre Besitzer entlohnt werden (dies ist bei der Bitcoin-Blockchain der Fall; es gibt auch andere Modelle): Sie erhalten für ihre Tätigkeit neue Währungseinheiten. Das ist das „Schürfen“ neuer Bitcoins (engl. “mining“). Damit jeder daran teilnehmen kann und Chancen auf Schürferfolg hat und damit das Netz so breit wie möglich aufgestellt ist, müssen die Schürfer zunehmend aufwendigere mathematische Probleme lösen, bevor sie einen Eintrag vornehmen und dafür Bitcoins erhalten (in der Fachsprache: die Miners müssen ein „proof of work“ vorlegen, was mit Kosten für Elektrizität und Kühlung der Computer verbunden ist).

Die Blockchain-Technologie hat das Potential Intermediäre wie Geld, Banken und Behörden durch eine Gemeinschaft vieler Nutzer zu ersetzen. Sie könnte wirtschaftliche Transaktionen und Organisationen auf eine ganz neue Basis stellen. Geld, wie wir es heute kennen, könnte komplett verschwinden. Anstatt einem staatlich regulierten Intermediär für Geschäftstransaktionen zu vertrauen, könnten die Menschen all ihre Bezahlungen direkt digital durchführen und in Blockchains registrieren. Der Anwalt, der beim Bäcker ein Brot kauft, zahlt mit einer direkten Transaktion, beispielsweise mit seinem Handy, die dann sofort in der Blockchain verbucht wird. Seinerseits erhält er sämtliche seiner eigenen Arbeitsleistungen von seinen Kunden direkt auf sein digitales Konto vergütet. Geld als Vermittler verschiedener Wirtschaftssubjekte und ihrer Käufe und Verkäufe braucht es dann nicht mehr. Die Technologie weckt daher gerade die Begeisterung derjenigen, die wirtschaftliche Prozesse jeglicher staatlicher Kontrolle entziehen wollen.

Die möglichen Anwendungen von Blockchains gehen jedoch weit über Geldgeschäfte hinaus. Blockchain ermöglicht, dass Menschen, die sich nicht kennen, eine verlässliche Aufzeichnung darüber führen können, was wem gehört und was wahr ist. Gegenseitiges Vertrauen ist dafür nicht notwendig, denn die Blockchain selbst garantiert die Integrität der Transaktionen. Ganz allgemein ermöglichen Blockchains das Aufzeichnen und Bewahren von „Wahrheiten“ (z.B. Eigentumsrechten), die weder von einem korrupten Staat noch von privaten Interessen manipuliert werden können, da solche Manipulationen stets von der Mehrheit der Benutzer dezentral bestätigt werden müssten. Laut Prognosen des Weltwirtschaftsforums wird bis 2023 der erste Staat Lohnsteuern mit Hilfe der Blockchain-Technologie einsammeln. Und bis 2027 sollen mindestens zehn Prozent des gesamten Weltbruttoinlandsprodukts auf Blockchains abgespeichert sein (WEF, Global Agenda Council on the Future of Software & Society, Deep Shift Technology Tipping Points and Societal Impact, 2015). Dezentrale Grundbuchführungen auf der Basis von Blockchains sind bereits im Gespräch, was gerade in Ländern, in denen die öffentlichen Register unzuverlässig sind oder gar nicht existieren, einen bedeutenden positiven Einfluss haben könnte. Das zentrale Grundbuch, wie wir es kennen, könnte abgeschafft werden. Länder wie Honduras und Georgien, aber auch Schweden haben bereits weitergehendes Interesse an der Blockchain-Technologie zu diesem Zweck signalisiert. Und im März 2017 hat Dubai eine grosse Blockchain-Initiative angekündigt, nach der ab 2020 alle Regierungseinheiten und die gesamte öffentliche Verwaltung die neue Technologie verwenden sollen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeiten werden schon bald viele Menschen viel Geld verlieren, wenn die Bitcoin-Blase und die anderer Kryptowährungen zuletzt platzen. Doch so richtig spannend wird es danach: Was wird mittel- und langfristig aus der ihnen zugrunde liegenden Blockchain-Technologie? Das sehr viel grössere, weit über Bitcoin hinausgehende technologische Potential von Blockchains ist der eigentliche Grund, warum es sich lohnt, ihre Entwicklungen sehr genau zu verfolgen.

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www.larsjaeger.ch

Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

16 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Blockchaintechnolohie wird bereits von Hilfsorganisationen beispielsweise für den Transfer und die Verteilung von Spendengeldern eingesetzt und in China, aber auch Singapur, Südkorea und Taiwan wird Blockchain für eine Vielzahl von Zwecken eingesetzt. China Daily berichtet über 6 völlig verschiedene Einsatzgebiete für Blockchain, darunter eine von Baidu-Blockchaintechnologie kontrollierte Asset-Backed Security, eine per Crowdfunding finanzierte Hilfsorganisation für schwerkranke Patienten, der Austausch von Krankenakten innerhalb Alihealth, der mit Blockchain gesichert wird oder die mit Blockchain gesicherte Eingabe von Information zu vermissten Kindern.
    Die Top-Experten für die Blockchain-Technologie sitzen im Raum Zürich/Zug (dem Crypto-Valley) und der Schweizer Bundesrat hat eben eine Taskforce zur Blockchain-Technologie gegründet.

  2. Der große Vorteil der Blockchaintechnologie ist, dass die Inflationsgefahr durch unkontrollierte Geldvermehrung durch Staaten verringert wird. Das ist wie bei einem geschlossenen Fond.
    Die Wertstfeststellung ergibt sich durch Angebot und Nachfrage.
    Ein weiterer Vorteil ist , dass einzelnen Staaten kein Zugriff auf die Bit -Coins gewährt werden.
    Der Nachteil ist, neben dem Mißbrauch durch verbrecherische Syndikate, dass der Zahlungsverkehr zu 100 % abhängig ist, vom Funktionieren des Internet. Und da die USA hier eine Schlüsselrolle einnehmen, sollte man das nicht vergessen.

    • @lore ipsum, sie schreiben: Der große Vorteil der Blockchaintechnologie ist, dass die Inflationsgefahr durch unkontrollierte Geldvermehrung durch Staaten verringert wird. meinen aber: Der große Vorteil von Bitcoin und ähnlichen Cryptowährungen ist, dass die Inflationsgefahr durch unkontrollierte Geldvermehrung durch Staaten verringert wird. Die Bitchaintechnologie ist das Rückgrat aller Cryptocurrencies, dient aber allgemeim dazu, Transaktionen durchführen zu können, denen jeder vertrauen kann obwohl es keine zentrale Kontrollstelle gibt, die die Transaktion beglaubigt. Im konkreten Falle von Bitcoin garantiert die Bitchaintechnologie, dass eine Überweisung von Bitcoins von meinem auf ihr Konto nur genau einmal erfolgt und ich anschliessend die überwiesenen Bitcoins weniger auf meinem Konto habe und sie die entsprechenden Bitcoins mehr. Dafür braucht es nun keine Bank mehr, sondern nur noch Einträge in die Bitcoin-Blockchain, die von allen Computern im Bitcoin-Netzwerk zugleich unterhalten wird.
      Im übrigen stimmt, dass Bitcoins nicht einfach durch eine Notenbank abgewertet werden können. Das hat aber mit der Blockchaintechnologie selbst wenig zu tun, sondern eher mit der Art wie neue Bitcoins erzeugt werden, nämlich durch den Akt des Schürfens, wo ein rechenaufwendiges Computerrätsel gelöst werden muss um einen neuen Bitcoin zu erschaffen. Um die totale Menge an Bitcoins um 1% zu erhöhen braucht es immer mehr solcher Schürfvorgänge je höher die totale Menge an Bitcoins ist, was irgendwann dazu führt, dass die Bitcoinmenge sich prozentual gesehen kaum noch erhöht, denn es würde irgendwann mehr Rechenzeit brauchen als es überhaupt Rechner gibt um die Bitcoinmenge weiter zu erhöhen. Allerdings bedeutet dies, dass eine Cryptowährung wie Bitcoin tendenziell immer mehr Wert erhält, mindestens dann, wenn sie von immer mehr Menschen zur Hortung von Bitcoinvermögen eingesetzt wird. Stossen umgekehrt viele gleichzeitig ihr Bitcoinvermögen ab, sinkt der Wert des Bitcoins. Beide Phänomene zusammen bewirken, dass der Bitcoinwert sehr starken Schwankungen ausgesetzt ist, was ihn als allgemeines Zahlungsmittel ungeeignet macht.

  3. MH,
    Danke für die Erklärung.
    Die starken Schwankungen liegen wohl an der kleinen Totalmenge.
    Ich denke, dass die Idee des Bitcoins der Tatsache geschuldet ist, dass zu viele “Schmarotzer” am Zahlungsverkehr beteiligt sind. Die Banken selbst mit Gebühren, die Warentermingeschäfte zur Absicherung der Währungsschwankungen und nicht zuletzt die Währungsschwankungen selbst, die die nicht frei konvertierbare Währungen benachteiligt.
    Dann kann man das Finanzamt umgehen und die Bezahlung wird schnell und einfach.
    also, wenn sich die freie Weltwirtschaft schon von den Nationalstaaten losgelöst hat, so wird das jetzt auch im weltweiten Zahlungsverkehr geschehen.
    Die Idee ist in die Welt gesetzt.

    • Zitat: Die starken Schwankungen liegen wohl an der kleinen Totalmenge. Ja, wobei eine grössere Totalmenge an Bitcoins selbst wieder zu einem Problem für Bitcoin wird, denn schon heute verbraucht das Bitcoin-Mining(also die Erzeugung von neuen Bitcoins) gleich viel Strom wie Bulgarien verbraucht. Wenn Bitcoin so weiterwächst wie bisher wird das Bitcoin-Mining schon Ende 2018 gleich viel Strom verbrauchen wie ganz Italien und irgendwann wird es dann nicht weitergehen mit der Folge, dass Bitcoins einen ungeheueren Wertzuwachs erleben, der nur durch das Verbot von Bitcoins gestoppt werden könnte.

      • Ergänzung: Bitcoin Energy Consumption zeigt, dass das Bitcoin-Mining am 23.12.2017 37 Terawattstunden Energie (Strom) verbrauchte und dass der Energieverbrauch für die Bitcoin-Erzeugung zwischen der von Bulgarien und Katar liegt. Noch im April 2017 verbrauchte die Bitcoinerzeugung “nur” 10 Terawattstunden an Energie, bis Ende 2017 hat sich die Energiemenge als fast vervierfacht. Es ist offensichtlich, dass es nicht so weitergehen kann, denn dass die Bitcoinerzeugung am Schluss mehr Energie verbraucht als etwa ganz Deutschland, ist undenkbar.

    • Die viele Energie wird verbraucht, weil der Algorithmus zum schürfen (“mining”) von Bitcoins auf einem trapdoor Algorithmus beruht, das heißt auf einer Funktion zu der es keine Umkehrfunktion gibt.
      Damit muss man eine Lösung errechnen und kann erst wenn das Ergebnis vorliegt, prüfen ob es gültig ist und nicht schon jemand anders drauf gekommen ist. Da die Zahl der gültigen Lösungen endlich ist, wird es immer schwieriger gültige zu finden, die Trefferquote wird immer niedriger. Darauf reagieren die Miner indem sie gewaltige Mengen an Lösungen produzieren. Am Anfang konnte man noch mit einem normalen Laptop innerhalb einer Stunde ganze Blöcke minen, heute sind das spezialisierte ASICs oder speziell programmierter Grafikkarten, normale Computerprozessoren wären schon viel zu ineffizient um auch nur den Stromverbrauch herauszuholen.

  4. Die Methode der Blockchain erscheint gut, praktisch und handhabbar. Was aber geschieht, wenn eine massive Sonneneruption (coronarer Massenauswurf) die Systeme zerstört?
    Nahezu alle Infrastrukturen brächen zusammen, von den anderen Krisen ganz zu schweigen, jedoch würde sich der Sparstrumpf mit physischem Geld am ehesten erholen. Das Problem ist doch wohl eher die Vergänglichkeit der Information. Keilschrift auf Ton, Papyrus, Pergament habe sich durch Jahrhunderte erhalten. Information auf Magnetbändern von 1960 sind kaum noch zu lesen. Oder anders gesagt: schliessen Sie mal eine Festplattte mit 32MByte von 1989 an einen Rechner von 2018 an.
    Nein, nein: Bitcoin ist nur ein Bläschen – es macht einige reicher, andere werden verlieren, HAVE FUN

  5. Warum schreiben Sie, lieber Autor Lars, denn immer von Technologie wenn Technik gemeint ist? Technologie ist im Deutschen die Lehre von der Technik und engl. technology heißt auf gut deutsch einfach “Technik”!

    • Die korrekte Übersetzung von technology kann – je nach Kontext – Technologie oder Technik sein, wie folgende Beispiele (gefunden auf der InternetSeite https://www.deepl.com/translator zeigen:
      -Technologie
      This smartphone’s technology is highly advanced. => Bei diesem Smartphone ist die Technologie sehr fortschrittlich.
      The laboratory developed an entirely new technology. => Das Labor entwickelte eine ganz neue Technologie.
      – Technik
      Modern technology can improve our lives. => Moderne Technik kann das Leben verbessern.
      The latest model combines innovative technology and a retro design. => Das neueste Modell kombiniert innovative Technik und Retrodesign.

  6. Der Wert sogenannter Block-Chain-Währungen entsteht genau aus dem Misstrauen, das herkömmlicher (aufklärerischer) Staatlichkeit entgegen gebracht wird.

    Währung könnte auch ‘Credits’ genannte werden, hier steckt auch der Glauben drinnen.

    Staaten sind es gewohnt derartige Konvertibilität bereit zu stellen indem sie zuvörderst den Materialwert von Währung bereit zu stellen wussten.

    Eine sogenannte Crypto-Währung kann keinen Wert haben, wenn ihr nicht staatlicherseits garantiert wird.
    Wer sozusagen in den Welt-Menschen zu investieren bereit ist, greift zu rein abstrakter Währung.
    Unlogisch oder i.p. Folgerichtigkeit ist dies nicht.

    MFG
    Dr. Webbaer (der hier noch weiter erläutern könnte)

  7. Bonuskommentar hierzu :

    Das sehr viel grössere, weit über Bitcoin hinausgehende technologische Potential von Blockchains ist der eigentliche Grund, warum es sich lohnt, ihre Entwicklungen sehr genau zu verfolgen.

    Der letzte Satz des letzten Absatzes des hier dankenswerterweise beigebrachten Weblog (“Blogs”) bleibt gemeint.

    Das Fachwort lautet hier :
    -> Anarcho-Kapitalismus

    Diesbezüglich bleibt gerne konkretisiert, damit gewusst, was gemeint bleibt.

    Dr.W hat, wie der Zufall so will, auch hier, auch dbzgl. Ideologie-Mengen meinend, ein wenig “herumgeschnüffelt” – bereits vor vielen Jahren.
    Es handelt sich beim sogenannten Anarchokapitalismus um Ideen-Mengen oder Ideologien-Mengen, denen der Schreiber dieser Zeilen zu misstrauen hat.
    -> Rothbard

    Köstlich bleibt aus Sicht einiger schon, dass der sogenannte A-Kapitalismus zu funktionieren scheint, partiell, vgl. auch mit diesem Jokus :

    -> (hier sind ehemalige in der (nach 1989) BRD versuchte sozialistische Währungen gemeint, die anscheinend weggeplatzt sind, jedenfalls im Web in 2018 nicht om Moment verweisbar)

    Rothbard war nicht dull.

    LG
    Dr. Webbaer

    • *
      nicht [i]m Moment verweisbar

      (Dr. Webbaer hat bekanntlich auch ein Herz für Sozialistisches, am besten, wenn es funktioniert)

  8. Es gibt gar keine „Blockchain-Technologie“. Es handelt sich lediglich um ein Entwurfsmuster für öffentliche, integritätsgesicherte Protokolldateien. Ohne gesellschaftliche Institutionen, die ihnen eine Bedeutung verleihen, sind solche Protokolldateien nutzlos.

    Davon abgesehen fehlt nach dem Wegfall der Kryptogeldspekulation auch der Anreiz, sich an der Pflege einer Blockchain zu beteiligen. Selbst an Bitcoin und Konsorten ist die Mehrheit der Bevölkerung desinteressiert. Potenzielle Anwender der Blockchain sind deshalb höchstens jene Intermediäre, welche angeblich vor dem Aus stehen – und die brauchen keine Blockchain, um das zu tun, was sie ohnehin bereits tun.

    Glaubt ernsthaft jemand, eine nennenswerte Zahl von Menschen würde sich Sonntags hinsetzen und anderer Leute Geschäfte prüfen, um über deren Aufnahme in eine Blockchain zu entscheiden? Nach welchen Kriterien überhaupt – ich bin doch kein Notar! Nein, ich mache Sonntags einen Ausflug und das Händiticket dafür bezahle ich per Lastschrift oder Kreditkarte. Das funktioniert ganz prima ohne eine Blockchain, in der steht, dass mir ein Händi und ein Händiticket gehören.

    • Moment, Herr Türpe :

      Es gibt gar keine „Blockchain-Technologie“. Es handelt sich lediglich um ein Entwurfsmuster für öffentliche, integritätsgesicherte Protokolldateien. Ohne gesellschaftliche Institutionen, die ihnen eine Bedeutung verleihen, sind solche Protokolldateien nutzlos.

      …hier scheint bei Ihnen ein schweres Missverständnis der hier gemeinten Technologie vorzuliegen.
      Denn es sind natürlich nicht ‘gesellschaftliche Institutionen’, die Diensten, des Webs, die dann sich der Proprietarität entziehen, womöglich, im schlimmsten Fall sozusagen, keine Administratoren mit entsprechenden gesonderten Rechten mehr kennen, die derart zu schätzen haben, stets wahlfrei oder willkürlich, sondern Individuen, die sich sich so Mehrwert versprechen, bei ihren kleinen Transaktionen.

      Opi Webbaer zeigt sich an dieser Stelle ein wenig enttäuscht :
      (:-(

      MFG + schöne Woche noch,
      Dr. Webbaer

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