Ein populistischer Schreiber und Kritiker – Wie uns der intellektuelle Scheinanführer Richard D. Precht wieder einmal mit unsinnigen Argumenten irreführt, dieses Mal zu Corona

BLOG: Beobachtungen der Wissenschaft

Grenzgänge in den heutigen Wissenschaften
Beobachtungen der Wissenschaft

Der Kern wissenschaftlichen Arbeitens ist der methodische Zweifel. Wissenschaftliche Modelle und Theorien werden immer wieder auf den Prüfstand gestellt, bestehende Auffassungen kritisch hinterfragt und damit bestehendes falsches Wissen so schnell wie möglich korrigiert. Denn historisch gesehen hat sich das allermeiste von Autoritäten für wahr Erklärte zuletzt als falsch erwiesen. Auch nahezu alle wissenschaftliche Theorien haben sich irgendwann als falsch oder zumindest korrektur- und erweiterungsbedürftig erwiesen.

Diese Pflicht zur strengen Hinterfragung wissenschaftlicher „Wahrheiten“ heisst natürlich nicht, dass jeder Widerspruch zu einem bestehenden wissenschaftlichen Konsensus als glaubwürdig eingestuft werden und dieser mit Korrekturen (oder gar Komplettumwälzung) versehen werden muss. Was unter Wissenschaftlern heute kritisch und kontrovers diskutiert wird, kommt selten in der Öffentlichkeit an. Dafür sind die Themen unterdessen einfach zu komplex. Vielmehr befinden sich unter Nicht-Wissenschaftlern nur allzu oft diejenigen wissenschaftlichen Themen in einem breiteren gesellschaftlichen Diskussionsfeld, bei dem die Wissenschaftler selbst kaum mehr viel diskutieren, da hier ein breiter Konsensus besteht (Beispiel Klimawandel). Doch natürlich kann auch unter diesen Umständen eine wissenschaftliche Theorie hinterfragt werden. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Kritik unter solchen Umständen, bei denen die Kritiker keine Ahnung vom wissenschaftlichen Background des Themas haben, als substanzvoll herausstellt, ist zumeist sehr, sehr gering. Bei vielen Kritikern vermischen sich hier leider oft eine als wissenschaftlich verkleidete Aussage mit speziellen sozialen Forderungen, individuellem Geltungsbedürfnis oder gar speziellen politischen oder ökonomischen Interessen.

Seit einiger Zeit lässt sich dies sehr gut mit der gegenwärtigen Corona-Krise beobachten. Viele von denen, die glauben, sich mit Corona-impfskeptischen Aussagen, Artikeln und Videos an die Öffentlichkeit richten zu müssen und sich dabei wiederum oft auf die wissenschaftliche Skepsis gewisser selbsterklärter Experten, zumeist ebenfalls nicht wissenschaftlich ausgebildet, berufen, können falscher zumeist nicht liegen. Hier handelt es sich nur allzu oft um generelle Ignoranten und reine Polemiker anstatt ernstzunehmenden Teilnehmer an einer Diskussion über ein sehr komplexes Thema.

Als aktuellstes Beispiel dient uns in diesen Tagen wieder einmal der in der Masse populäre, selbsterklärte philosophische Meinungsführer Richard David Precht, eigentlich Germanist, der Philosophie nur als Nebenfach studiert hat und über den im frühen 20. Jahrhundert tätigen österreichischen Schriftsteller und Theaterkritiker Robert Musil promoviert hat. Naturwissenschaftliche Studien tauchen nirgendwo in seiner Ausbildung auf. Fehlende Expertise hat Precht jedoch noch nie davon abgehalten, eine dezidierte und nicht selten sehr kontroverse Meinung auf sehr vielen wissenschaftlichen bzw. technologischen Gebieten zu artikulieren, wie für Künstliche Intelligenz, Digitalsysteme, Zukunft von Automobilen, Biologie und zahlreichen anderen.

Nun hat sich Precht in seinem Podcast mit Markus Lanz am 29. Oktober 2021 entsprechend kontrovers zum Thema der geeigneten Corona-Massnahmen geäussert. Seine Grundforderung lautet, dass sich der Staat hier deutlich stärker zurückfahren müsse. Er plädiert für eine „Position der Mitte“ und setzt damit die unwissenden Skeptiker der Corona-Impfung mit den Experten, die teils schon jahrzehntelang auf diesem Gebiet arbeiten, gleich.

„Es gibt Leute, die hören das Wort Impfen und denken sofort: ‚Das ist der Teufel.‘ Und es gibt Leute, die hören das Wort Impfen und sagen sofort: ‚Alles unbedenklich.‘ Ja, und beide Pole sind totaler Quatsch“.

Dann behauptet er:

„Die Nebenwirkungen einer Impfung können wir genauso wenig abschätzen, wie die Gefährlichkeit oder die Wirkung des Coronavirus“.

Dies ist, um es einmal direkt zu benennen, blanker Unsinn und zeugt von der Ignoranz des Precht.

Und dann kommt er zu Kindern und sagt, dass er

„Kinder sowieso niemals impfen lassen […] ein im Aufbau begriffenes Immunsystem mit diesem Impfstoff da zu bearbeiten, also das würde ich niemals tun“.

Seit Beginn der Ausbreitung des neuen Virus vor ca. 24 Monaten haben die Forscher in einer bewundernswerten Arbeit in Rekordschnelle viele bedeutenden Eigenschaften des Virus ermittelt, u.a. seine genetische Struktur (dafür brauchte es nur wenige Tage), seine Infektiosität, seine Wirkungen im menschlichen Körper und damit die vielen Aspekte seiner Gefährlichkeit. Wir wissen heute sehr sicher, dass die neusten Mutationen der Corona-Viren auch für jüngere Menschen bis hin zu Kindern eine Gefahr darstellen. Precht widerspricht dem und stellt sogar die wissenschaftliche Forschung von Corona-Impfstoffen für Kinder insgesamt infrage. Als ihm daraufhin gesagt wird, dass in vielen Fragen um Corona die Impfstoffforschung sehr viele Fragen sehr verlässlich beantworten kann, und dass sich seine Aussagen hier kaum als richtig erweisen, nennt Precht das Impfen daraufhin mit eindeutiger polemischen Intention „Gentechnik“, was, wie er wohl hofft, die Gegenseite zum Schweigen bringt, wird Gentechnik doch von vielen Menschen als kritisch gesehen (ohne zu wissen, welche enormen medizinischen Fortschritte sich hier gerade abzeichnen) :

„Von solchen gentechnischen Impfstoffen haben wir keine einzige Langzeitwirkungsstudie.“

Dieses Interview erscheint geradezu wie der komplette intellektuelle Untergang von Richard David Precht: Er redet sehr skeptisch über das Impfen und hat vom wissenschaftlichen Hintergrund des Thema offensichtlich überhaupt keine Ahnung.

Dabei ist es auch für die allermeisten starken Befürworter der mRNA-basierten Corona-Impfung natürlich eine Selbstverständlichkeit, die Impffreiheit zu garantieren. Ein Pflicht dazu darf es nicht geben. Dennoch stossen wir immer wieder auf ein zentrales Problem, und es lohnt sich, dieses einmal wirklich philosophisch anzuschauen: Wie lässt sich der Komplexität der sozialen Wirklichkeit in unseren heutigen offenen Gesellschaften gerecht werden, insbesondere im Angesicht einer globale Krise wie der Covid-Virus?

Hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Philosophie Karl Poppers. Seine Philosophie der offenen Gesellschaft steht auf dem Fundament seines Buches „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ von 1945. Seine Gedanken darin beruhen auf seinem einige Jahren (1934) zuvor publizierten Werk „Logik der Forschung. Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft“. Die Notwendigkeit, politische Entscheidungen zu korrigieren und Regierungen gewaltfrei abzuwählen zu können, findet ihre Entsprechung in der Möglichkeit wissenschaftliche Aussagen falsifizieren und immer wieder korrigieren zu können. Dieser bereits oben beschriebene Weg  ist nach Popper der Vorzug des wissenschaftlichen Denkens: Nicht auf einer letzten Wahrheit zu beharren, sondern die Dynamik eines ständigen Befragens des Status quo unserer eigenen intellektuellen Solidität und die nicht endende kritische Reflexion unseres gegenwärtigen Denkens, Wissens und Meinens stehen im Zentrum der wissenschaftlichen Methode. Für feste und auf ewig unverrückbare Wahrheiten ist da wenig Platz. Erst diese methodische Grundlage des Zweifels und des ständigen Hinterfragens und somit das vorsichtige Vorantasten in der Viel-Dimensionalität der Wahrheit wird der Komplexität der Strukturen unserer Welt und der menschlichen Erkenntnis darin gerecht.

Diesen so klaren wie brillanten Gedanken übertrug Popper nun auf die Gesellschaft und ihre eigene Komplexität. Wir kommen nicht mit einem Schlag zur optimalen Herrschaft- und Entscheidungsstruktur, sondern tasten uns auch hier immer wieder über die Korrektur falscher Entscheidungen vorwärts. Genau dies prägt auch das Prinzip, wie an die globale Corona-Krise heranzugehen ist. Neue Impfungen sind zu kontrollieren und in jeder möglichen Hinsicht zu testen – was im Übrigen immer am meisten Zeit dauert, den Impfstoff gegen Corona selber hatten die beiden Firmen bereits Tage bis Wochen nach Erfassung der genetischen Struktur des Corona-Virus entwickelt. Und ja, gerade bei Kindern sollte man besonders vorsichtig sein, ob die Impfung für Erwachsene auch für sie angemessen ist. Und nach vielen Tests und Untersichtungen haben die Wissenschaftler nun auch für sie grünes Licht gegeben. Regierungen haben hier also sehr ausgiebig gearbeitet, der immensen Komplexität der Aufgabe einer optimalen Pandemiebegegnung gerecht zu werden. Haben sie ihre einmal getroffenen Entscheidungen nicht immer wieder angepasst, sich mit Taskforces getroffen, die verschiedensten Ebenen der Entscheidungsträger angefragt und einbezogen und die Temporalität ihrer Entscheidungen betont, jederzeit bereit Anpassungen an ihnen vorzunehmen?

Tatsächlich erscheint der zuweilen etwas kontrovers und uneinig und nicht zuletzt erratisch erscheinende Vorgang der politischen Entscheidungsfindung in der offenen Gesellschaft mit ihren vielschichtigen Inputs und zuweilen gar als Schwäche ausgelegten Korrekturen während der Corona-Krise als die wohl beste Entsprechung des Popper’schen Ideals der offenen Gesellschaft und ihrer strukturellen Stärke im Angesicht der Komplexität heutiger sozialer Strukturen und offener Probleme. Die Forderung, dies alles in die Hände selbstverantwortlicher, freier Bürger zu legen, womit sich das Problem von selbst löst, erscheint dagegen eher als das Ergebnis einer dogmatischen Illusion.

Veröffentlicht von

www.larsjaeger.ch

Jahrgang 1969 habe ich in den 1990er Jahren Physik und Philosophie an der Universität Bonn und der École Polytechnique in Paris studiert, bevor ich am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden im Bereich theoretischer Physik promoviert und dort auch im Rahmen von Post-Doc-Studien weiter auf dem Gebiet der nichtlinearen Dynamik geforscht habe. Vorher hatte ich auch auf dem Gebiet der Quantenfeldtheorien und Teilchenphysik gearbeitet. Unterdessen lebe ich seit nahezu 20 Jahren in der Schweiz. Seit zahlreichen Jahren beschäftigte ich mich mit Grenzfragen der modernen (sowie historischen) Wissenschaften. In meinen Büchern, Blogs und Artikeln konzentriere ich mich auf die Themen Naturwissenschaft, Philosophie und Spiritualität, insbesondere auf die Geschichte der Naturwissenschaft, ihrem Verhältnis zu spirituellen Traditionen und ihrem Einfluss auf die moderne Gesellschaft. In der Vergangenheit habe ich zudem zu Investment-Themen (Alternative Investments) geschrieben. Meine beiden Bücher „Naturwissenschaft: Eine Biographie“ und „Wissenschaft und Spiritualität“ erschienen im Springer Spektrum Verlag 2015 und 2016. Meinen Blog führe ich seit 2014 auch unter www.larsjaeger.ch.

24 Kommentare

  1. @Herr L. Jäger, Sie lassen sich hier ausgiebig über die nicht vorhandene Kompetenz von Herrn Precht aus. Das ist schon ambivalent. Ich lese in Ihrem Kurzabriss zu Ihrer Person keinen, ich wiederhole KEINEN, Hinweis darauf, dass Sie hier ein kompetenter Ansprechpartner wären.

    Oder überlese ich Ihr abgeschlossenes Studium in Biologie und Weiterbildung(en) in Gentechnik/mRNA Impfstoffe/Epidemiologie?

    Sie schreiben “komplette intellektuelle Untergang von Richard David Precht” nun wenn Sie Ihr Profil richtig dargestellt haben sind Sie sicherlich kein versierter Ansprechparnter dies zu behaupten.

    • Sehr geehrter Herr Trauth, wie kommen Sie auf die Idee, Sie wären ein kompetenter Ansprechpartner für Herrn Jägers Kompetenzbeurteilung? Haben Sie irgendein Profil vorzuweisen für irgendetwas?

  2. “Die Forderung, dies alles in die Hände selbstverantwortlicher, freier Bürger zu legen, womit sich das Problem von selbst löst, erscheint dagegen eher als das Ergebnis einer dogmatischen Illusion.”

    Tja, das wäre schön, wenn wir das könnten, doch leider haben wir in der Realität der dogmatischen Illusionen von wettbewerbsbedingter Symptomatik bestimmte Feindbilder die uns schon in den Gedanken von wirklich-wahrhaftig vernünftiger Kommunikation abhalten, denn theoretisch ist die Forderung richtig, wenn wir das System des Zusammenlebens in einem unkorrumpierbaren Gemeinschaftseigentum OHNE … hätten.

  3. “Ein populistischer Schreiber und Kritiker – Wie uns der intellektuelle Scheinanführer Richard D. Precht wieder einmal mit unsinnigen Argumenten irreführt, dieses Mal zu Corona”

    Wenn wir wirklich-wahrhaftig vernünftige Schreiber und Kritiker hätten, weil die Realität nach- und stichhaltig eine ganz andere / zweifelsfrei-eindeutig menschenwürdige wäre, dann wäre Intellektualität nicht nur der Schein, auf unsinnige und irreführende Argumente würde keiner reagieren, und Corona könnte tatsächlich auch ohne Impfung und ohne berechtigte Ängste ausgerottet werden.

  4. Danke für den Beitrag mit den vielen Stichworten, die Prechts Aussagen liefern:
    Zitat 1:

    Dieses Interview erscheint geradezu wie der komplette intellektuelle Untergang von Richard David Precht

    Intellektuell überzeugend war Precht für mich nie. Schon zu Beginn seiner TV-Karriere fiel mir Precht mit seinen weit über die Philosophie hinausgehenden Meinungen zu Politik, Gesellschaft, Schule/Ausbildung, Ernährung und vielem mehr auf. Das war wohl sogar der Grund, dass das deutsche Fernsehen Richard David Precht an die Stelle des früheren TV-Philosophen Peter Sloterdijk setzte, denn reine Philosophie wie bei Sloterdijk erreicht ein viel kleineres Publikum als die viel grössere, ja fast unbegrenzte Meinungspallette eines Precht.

    Und ja, fundiert und tiefer begründet waren Prechts Meinungen nicht mehr als die Meinungen vieler anderer. Doch kaum jemand schien das zu bemerken oder gar zu kritisieren.

    Zitat 2:

    Jaeger: „Er plädiert für eine „Position der Mitte“ und setzt damit die unwissenden Skeptiker der Corona-Impfung mit den Experten, die teils schon jahrzehntelang auf diesem Gebiet arbeiten, gleich.“
    Precht: „ Ja, und beide Pole [völliger Impfoptimismus und völlige Impfskepsis] sind totaler Quatsch“.

    Zustimmung zur Aussage von Lars Jaeger. Wobei man kein Experte sein muss um den Wert von Impfungen zu erkennen. Dazu genügt etwas Kenntnis der Medizingeschichte und etwa das Wissen um ausgerottete Krankheiten wie die Pocken.

    Zitat 3:

    Precht: „Kinder sowieso niemals impfen lassen […] ein im Aufbau begriffenes Immunsystem mit diesem Impfstoff da zu bearbeiten, also das würde ich niemals tun“.

    Ehrlich gesagt: diese Aussage hat mich am meisten verwundert, denn die meisten Impfungen werden ja im Kindesalter verabreicht. Und das mit gutem Grund. Alle meine eigenen Impfungen erhielt ich als Kind und nur gerade die Corona-Impfung als Erwachsener. Scheinbar versteht Precht nicht das Impfprinzip. Beim Impfen läuft vieles ähnlich wie bei einer Erkrankung, nur dass eben kein gefährlicher Erreger verabreicht wird. Jedes Kind macht x Infektionen durch und gerade dadurch baut sich sein Immunsystem auf. Die Impfungen im Kindesalter schützen das Kind nur gerade gegen die gefährlichsten Erreger.

    Zitat 4:

    „Von solchen gentechnischen Impfstoffen haben wir keine einzige Langzeitwirkungsstudie.“

    Ein gentechnisch erzeugter Impfstoff unterscheidet sich für den Körper nicht prinzipiell von einem „natürlichen“ Impfstoff, was immer „natürlich“ hier bedeutet, denn für den Körper ist das ein einfach ein Fremdstoff, den er nicht kennt und gegen den er eine Immunantwort aufbauen muss.
    Hier argumentiert Precht aber gleich wie viele andere Gentech-Gegner: sie tun so, als sei ein gentechnisch erzeugtes Protein/Polypeptid etwas grundsätzlich anderes als ein in der Natur vorkommendes Protein/Polypeptid. Doch das ist schlicht falsch. Die Natur kann genau wie der Mensch, wie der Gentechniker, fast beliebige Proteine/Polypeptide herstellen.

    Beurteilung von Precht und von Lars Jaegers Beitrag:
    Volle Übereinstimmung was die Einschätzung von Richard David Precht angeht. Doch im Unterschied zu Lars Jaeger meine ich, dass es für ein fundiertes Urteil über das Impfen nicht unbedingt ein sehr grosses Expertenwissen braucht. Auch ein Hausarzt oder ein Laie wie Richard David Precht kann sich ein fundiertes Urteil bilden. Dazu genügt es schon, wenn man die Wikipedia-Einträge über das Impfen versteht. Richard David Precht versteht sie offensichtlich nicht.

  5. “Der Kern wissenschaftlichen Arbeitens ist der methodische Zweifel. Wissenschaftliche Modelle und Theorien werden immer wieder auf den Prüfstand gestellt, bestehende Auffassungen kritisch hinterfragt und damit bestehendes falsches Wissen so schnell wie möglich korrigiert. Denn historisch gesehen hat sich das allermeiste von Autoritäten für wahr Erklärte zuletzt als falsch erwiesen. Auch nahezu alle wissenschaftliche Theorien haben sich irgendwann als falsch oder zumindest korrektur- und erweiterungsbedürftig erwiesen.”

    Genau den Fehler, den Sie selbst begehen. Sie akzeptieren und verstehen eine andere Ansicht nicht. Und selbst wenn Maßnahmen auf dem Stand aktueller Wissenschaft angemessen erscheinen, so kann man diese Vorstellungen nicht einfach unverhältnismäßig über alle Menschen einer Gesellschaft überstülpen. Statt zu widersprechen sollten Sie sich erstmal um den Hintergrund anderer Ansichten bemühen. Dazu zählt auch, nicht davon auszugehen, dass unsere Wissenschaft und die Menschen mit ihrer Rationalität absolut unfehlbar sind. Eben wie Sie selbst sagen, aber leider nicht so meinen. Können das Menschen wie Sie nicht aushalten, wird das Zusammenleben in einer Gesellschaft auf lange Sicht unmöglich werden.

    Ergänzung: Ich bin trotzdem geimpft und vertraue trotzdem dem mRNA Verfahren. Es bringt meinen Kenntnissen nach unbestreitbare Vorteile gegenüber traditionellen Impfungen. Und sogar bei Gentechnik und ihren enormen Chancen seh ich das ähnlich wie sie. Trotzdem kann ich diese Einsicht nicht von allen anderen abverlangen. Und trotz kann es sein, dass auch meine Ansicht der wahren Komplexität nicht gerecht wird. Denn das kann nur die Zeit und weiterer medizinischer Fortschritt, wenn überhaupt, zeigen.

  6. Precht nicht mehr ganz auf Linie, um Gottes Willen wie kann das sein.
    Da wird er dann gleich vom gefeierten Star zum Populisten. Ist doch ganz einfach.
    Wagenknecht auch nicht auf Linie, wie schrecklich.

    Der Mainstream hat die eiznig seeligmachende Wahrheit gepachtet.
    Und wehe wenn jemand nicht ganz auf Linie ist dann ist er ein Verschwörungstheoretiker, ein Populist oder noch etwas Schlimmeres.

    Was die Gleichschaltung der öffentlichen Meinung betrifft haben wir diktaturähnliche Zustände erreicht.
    Nein wir sind (noch) keine Diktatur aber die Gleichschaltung der öffentlichen Meinung wird jedenfalls einer Diktatur immer ähnlicher.

    • Dem stimme ich zu. Für Herrn Jaeger war Herr Precht nicht problematisch, als er “mit den Wölfen heulte”. Aber jetzt scherte er aus und dann ist er einfach nicht kompetent genug.

      Zum Thema der Impfung für Kinder ist folgendes zu sagen:

      Dies wurde auch in der Fachwelt diskutiert ud teilweise gab es keine Empfehlung, was etwa Herr Spahn verärgerte. Bei Kindern ist es nach der bisherigen Erfahrung so, daß schwere oder tödliche Verläufe wesentlich seltener als bei Erwachsenen sind. Daher dient die Impfung sicher nicht vorrangig dem Schutz des Geimpften.

      Was die Impfskepsis gegen über den neuen Imfmethoden angeht, so ist dies aus meiner Sicht verständlich. Frau Wagenknecht und Herr Kimmich lehnen ja nicht grundsätzlich Impfungen ab odern diese recht neue Impfmethode.

      Gruß
      Rudi Knoth

  7. Das Phänomen Precht kann nur vor dem Hintergrund der deutschen Medienlandschaft verstanden werden. Das Buch “Good Bye Lenin” über seine Kindheit in der stramm sozialistischen Welt seiner Eltern hat ihn ursprünglich bekannt gemacht. In TV-Interviews danach hatte er eine erfrischende, lockere Art des Erzählens und Plauderns. Das machte ihn allmählich zum beliebten und zunehmend häufigeren Gast in Talkshows.

    Die Medien kopieren sich gegenseitig und die Talkshows erleben eine Inflation wie die Kochsendungen. Damit ist Precht zum vermeintlich allwissenden Universalexperten und Influencer avanciert. Er selbst genießt wohl diese Prominenz und kann davon leben. Ebenso ergeht es bspw. dem Arzt und MdB Lauterbach als “Gesundheitsexperte” seit dem Auftauchen des Coronavirus. Diese Leute tun das ihrige dazu bei, indem sie selbstgefällig keinem Mikro ausweichen.

    Je abwegiger oder extremer die Äußerungen, desto interessanter für die Medien, z.B. der Grüne Bürgermeister Boris Palmer! Das ist das (Natur)Gesetz der Nachrichten. Der wissenschaftliche Experte Drosten hat sich dagegen der Ausbeutung durch die Medien inzwischen bewusst entzogen.

    • “Good bye Lenin” ist ein Film, dessen Drehbuch von Bernd Lichtenberg und Wolfgang Becker stammt und mit Precht nichts zu hat.

      Wahrscheinlich meinen Sie “Lenin kam nur bis Lüdenscheid”. (Ein tolles Buch, übrigens). Das ist 2011 erschienen und Precht war damals schon berühmt, denn:
      Bekannt gemacht hat ihn 2007 “Wer bin ich und wenn ja, wie viele”. (Auch sehr gut).

      Von diesen Werken ausgehend, kann man sehr wohl von einem Abstieg sprechen.

    • @anton reutlinger: Ja, Christian Drosten schätze ich ebenfalls sehr, denn obwohl er ebenfalls medial begabt wäre, hält er sich zurück. Er ist einer der wenigen Wissenschaftler, die ich kenne, die so etwas wie ein Berufsethos erkennen lassen.

  8. Ihr „Precht Bashing“ kann ich nicht nachvollziehen.

    Ich persönlich bin für die „Forschung“, die Impfstoffforscher im Dunstkreis der Coronavirusforschung (Uğur Şahin, Özlem Türeci, ….) halte ich für genial. Außerdem arbeiten sie auf einem Fachgebiet wo sozusagen der „Hut brennt“.

    Aber es gibt sehr viele Forschungsgebiete, manche Forscher halten ihr eigenes Fachgebiet, naheliegender Weise, für das jeweils bedeutsamste Forschungsgebiet der Welt.

    Besonders die Klimaforschung ist zu einer neuen Religion, sogar mit einer eigenen „Klimahölle“, mit „Weltuntergangspropheten“ und „Bußpredigern“ entartet, sie benutzen sogar bei ihren Inszenierungen „Kinderkreuzzügler“.

    Allerdings sind viele Forschungsgebiete für die Bewältigung von Klimaproblemen zuständig.

    Logischer Weise sollten z.B. die von Menschen gemachten CO2 Emissionen 2020 massiv zurückgegangen sein. Sind sie aber nicht, im Gegenteil, der Höchstwert stieg stark an….

    Gemäß dem aktuellen UNO Treibhausgas Bericht lag 2020 der Höchstwert 149 Prozent über dem vorindustriellen Niveau. Der Anstieg war sogar weitaus stärker als im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2020.

    Es wäre zwar denkmöglich dass den „Regisseuren der Klimainszenierung“ ein kleines Missgeschick bei der Inszenierung (bei der Erhebung und Aufbereitung der Klimadaten) „passiert“ ist, weil ihnen die Pandemie „dazwischengefunkt“ hat, aber eher liegt es an der unterschätzten Komplexität.

    2020 war für mich ein Jahr des (ungeplanten) „Experiments“, mit extrem wenig Flugverkehr, Straßenverkehr, Schiffsverkehr, die Wirtschaft stagnierte …. Nicht ganz absichtlich, gezwungenermaßen wegen Covid, hat sich die Welt „kasteit“, eingetreten scheint nun einmal genau das Gegenteil. Das ist ein Fiasko für die Klimaforscher.

    Es scheint wegen der Komplexität viel zu „unterkomplex“ einfach nur absolut einseitig die vermeintlichen Ursachen zu bekämpfen wie es die Klimaschützer wollen. Das Klimaproblem ist fast „Schicksalshaft“ und kann nur im kooperativen Zusammenwirken aller Wissensgebiete halbwegs bewältigt werden.

    Das „Elend“ der Klimaforschung, was z.B. die Erforschung der Ausgasung von Karbon betrifft, dürfte auf die unzuverlässige Datenlage, Mangel an Messtechnik, an unerforschten Prozessen und an der Simplifizierung liegen.

    Die unglaubliche Vielfalt der an der ganzen Erdoberfläche, inklusive der Ozeane, stattfindenden mitunter höchst dynamischen Prozesse die an CO2 Prozessen beteiligt sind (zwischen (auch temporärer) „Endlagerung“ und „Vergasung“), besonders auch in deren komplexen Zusammenwirken, versteht man vermutlich zu wenig und kann sie daher auch nicht modellieren.

    Wenn wir Pech haben, könnte es womöglich, selbst ohne Menschen, eine noch stärkere Erwärmung geben.

    Die Bewertung der Forschung und die Mittelzuteilung liegt allerdings grundsätzlich bei ausgewählten Vertretern der betroffenen und „zahlenden“ Bürger, keinesfalls bei den Fachwissenschaften. Wir sind kein riesiger Selbstbedienungsladen….

    Precht steht nun einmal auf der Seite der Betroffenen und der Bewerter und sieht die Situation kritisch.

    Er dürfte die Situation so kritisch sehen, wie Sie es in ihrer Einleitung ausgeführt haben. Jahrzehnte nach einer Entdeckung können z.B. Medikamente die zuerst in den „Himmel gejubelt“ wurden in der „Hölle“ landen.

    In meiner Umgebung lebt eine durch einen Medikamentenschaden seit ihrer Kindheit ihr ganzes Leben beeinträchtigte Frau. Natürlich ist sie gegen Impfungen. Umgekehrt saß mir gegenüber lange Zeit ein Kollege am Schreibtisch, der noch an Kinderlähmung erkrankt war und an Folgen litt. Er wurde aus ideologischen Gründen nicht gegen Kinderlähmung geimpft.

    Einstellungen ergeben sich aus psychologischen Gründen, hauptsächlich aus eigenen Erfahrungen, die Wissenschaftler sind zu wankelmütig mit ihren „Wahrheiten“ und die sind wegen der Komplexität oft keine „wirklichen Wahrheiten“.

    Die findet man höchstens gelegentlich in der Mathematik und selbst da gibt es z.B. graphische Darstellungen von linear scheinenden Funktionen die plötzlich Richtung minus unendlich „abtauchen“ und knapp nach einen Wert, von plus unendlich kommend wider „auftauchen“ ….

  9. Sascha Lobo schrieb diese Woche in seiner Kolummne:

    Falschismus ist, wenn man ihn wie eine Zwiebel Schicht um Schicht abschält, natürlich nicht neu. Eine Keimzelle des aktuellen Falschismus könnte – wie auch anders – im »Dritten Reich« liegen, zumindest indirekt. Als die jüdische Philosophin Hannah Arendt 1949 nach Deutschland zurückkommt, um nach ihrer Flucht vor den Nazis das Land zu analysieren, schreibt sie: »Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.« Diese von Arendt beschriebene Selbsttäuschung funktioniert nur, wenn man die Grenzen zwischen Tatsachen und Meinungen einreißt. Im Umkehrschluss behandelt man dann nicht nur Tatsachen wie Meinungen, sondern sieht in Meinungen plötzlich auch Fakten. Zumindest herbeigefühlte Fakten.

  10. da hr. precht über das impfen von kindern unter 12 jahren sprach (hier gibt es von der stiko keine aussage, da datenlage nicht ausreichend) muss man diesen “beitrag” leider als populitstisch beurteilen. schade wenn durch populisrische expertenmeinungen sachliche diskussionen wie hr. precht sie zeigt verhindert werden – ich hatte spektrum.de da anders eingeschätzt, abo beendet

  11. „So schnell wie möglich“ bedeutet manchmal fünfzig Jahre Intensiv-Einpinkelns und Heiliger Krieg, um Dogmen zu verteidigen, nachdem sie widerlegt wurden. Wissenschaft ist keine Religion und Wissenschaftler kein katholischer Klerus, und jemand sollte das den Wissenschaftlern mal sagen. Wahrscheinlich traut sich keiner, weil er Angst hat, hinterher fünfzig Jahre Heiliger Krieg für eine Meinung führen zu müssen, für die ihm die Wissenschaftswelt so wenige Belege bietet. Im Großen und Ganzen funktioniert das Ganze ja schon ganz gut, nur ginge es vielleicht schneller, wenn man den menschlichen Faktor besser in den Griff bekäme.

    Dann zieht auch die Wissenschaft gern Nummern ab, bei denen selbst dem bescheidensten Laien der Kragen platzt. Die Astronomen haben das echte Universum im Besenschrank weggeschlossen und durch ein Fantasieuniversum ersetzt, das sie fast ausschließlich aus Dark Fudge geknetet haben, nur, weil’s ihnen zur Theorie passt – das ist Wahnsinn, des Kaisers nackter Hintern strahlt wie Sonne, Mond und Sterne, man möchte nur noch einen Doc Marten darin versenken. Sich Dinge mit Hexerei und okkulten Mächten wegzuerklären, die einem nicht zum Aberglauben passen, das soll Wissenschaft sein? Genauso habe ich noch nie eine Beschreibung eines Quantenphänomens gelesen, das keine Analogien in der Makrowelt hätte – das Quantenphysik-Phänomen, völlig alltägliche Dinge mit einer spontan aus den Fingern gelutschten Fantasiesprache zu beschreiben, sodass man sie selber nicht versteht und sie wie unerklärliche Mysterien wirken, nennt man in der Makrowelt Esoterik. Ich hielt mich immer für zu doof für Wissenschaft, aber so was ermutigt dann doch, die eigene nichtsnutzige Rübe ein wenig mehr auszuquetschen, als einem zusteht, selbst wenn ich dabei nicht mehr zustande kriege, als Zweifel zu säen. Falsch sind die gültigen Theorien nicht, Wissenschaftler sind ja alles andere als doof. Korrekturbedürftig – das würde ich unterschreiben. Dass sich Intellektuelle in Theorien verrennen und die Realität aus den Augen verlieren, ist ein Running Gag der Wissenschaft, den ich so schnell wie möglich korrigieren möchte, um dann wieder in der Versenkung der tumben Ignoranten versinken zu können. Ich will nicht wildfremde Leute im Internet vollabern, ich hab eine Sozialphobie, ich möchte mich allein unterm Bett verstecken und Bücher lesen! Leider neige ich auch zu zwanghaftem Verhalten. Es gibt Pillen dagegen, aber die legalen machen keinen Spaß und die spaßigen sind illegal.

    Wo keine Vernunft, geht auch ein Precht als Vernunft durch. Nachdem wir so viele Erfolge damit gefeiert haben, die Krankenhäuser zu Brutstätten resistenter Keime aufzurüsten, steigen wir in die nächste Liga auf und machen den ganzen Planeten dazu: Unzählige Populationen bleiben ungeschützt und ungeimpft, sodass das Virus stets ein Hinterland behält, bei uns kann es dann an den Geimpften Fluchtmutanten und Varianten testen. Wir sind ja so nett, jedes Mal das Schlachtfeld zu räumen, sobald es so aussieht, als würden wir gewinnen, sodass sich stets die erfolgreichsten Viren, welche all unsere Abwehrmaßnahmen am längsten überlebt haben, erholen und neu zuschlagen können. Natürlich geraten auch andere Krankheitserreger durch Quarantäne und Hygiene unter Evolutionsdruck, und je länger wir die Nummer in die Länge ziehen, desto mehr Kraft und Ressourcen kostet sie uns. Weil wir mit allen Problemen genauso umgehen – unter den Teppich kehren und dort hochzüchten, sodass sie immer gewaltiger werden – brauchen wir auch beträchtliche Ressourcen, um sie unterm Teppich zu halten; falls ein Monster herauskommt, verbraucht die Schadensbegrenzung so viel Power, dass wir keine mehr haben, um die anderen zu unterdrücken, und wir bekommen eine schöne Kettenreaktion, bei der alles, was schiefgehen kann, auf einmal schief geht, und zwar mit einem sehr, sehr großen Knall.

    Wenn ich mir die offizielle, „vernünftige“ Seite ansehe, sehe ich Precht: Einen Haufen Bullshit mit etwas Wissenschaft dazwischen, um ihm Glaubwürdigkeit zu verleihen. Drosten warnt eindringlich, dass sich ein Virus vielleicht und unter Umständen und wenn wir sehr viel Pech haben wie ein Virus verhalten könnte und nicht wie eine öde Seifenoper, die nach zwei Staffeln abgesetzt wird, während der Rest bereits gelangweilt durch das Snuff-Netflix namens Nachrichten zappt und kaum begreift, dass er in all den Horrorfilmen nicht die Helden spielen darf, sondern stimmungsvolle Dekoration, denn irgendwo müssen der Schädelstapel hinten links und all die faulenden Leichen, die übern Zaun hängen, ja herkommen. Wir versuchen einfach, das Schlimmste aus der Situation zu machen, ob Corona mitmacht, bleibt ihm überlassen – vielleicht hat’s ja Erbarmen mit uns, oder kippt vor Lachen tot um, aber wir haben ja noch andere Desaster zum Verschlimmern. Wenn man Wissenschaft in den Dienst der Dummheit stellt, wird die Dummheit übermächtig, und ob die Wissenschaft auf immer und ewig schneller Lösungen produzieren kann, als der Rest der Menschheit mit ihrer Hilfe Probleme produziert, wird sich zeigen.

    Wenn ein Psychiatrie-Patient sich über die blauen Flecken auf seinem Bein beklagt, die er bekommt, wenn er mit dem Plastiklöffel versucht, die blauen Flecken zu erstechen, besteht die Lösung nicht darin, ihm eine Kettensäge zu geben. Wenn ich zur Hölle fahre, fahre ich besser, wenn ich mich komplett verfahre, statt falsche Entscheidungen schnell zu korrigieren und Kurs halten zu lernen. Je besser die Wissenschaft unsere Probleme löst, desto mehr können wir uns leisten, zu verdummen. Doch dann haben wir auch alle Macht der Wissenschaft, um Dummheiten zu begehen. Zu welcher Gesellschaft wir gelangen w o l l e n, ist irrelevant. Das ist der Weg, den wir uns ausgesucht haben, und der führt zu dem Ziel, zu dem er führt, und nicht zu dem, das wir uns wünschen. Das Leben gibt uns nicht, was wir wollen, es gibt uns, was wir wählen.

    Wir leben unter der Tyrannei der blinden Vernunft: Ich will einen Schokoriegel? Ich esse einen Schokoriegel! Herzinfarkt? Ich hatte noch nie einen, also bekomme ich nie einen. Nicht mehr als ein, zwei Schritte vorausdenken, sich stets auf den nächsten Fraß stürzen, ganz egal, ob ein Angelhaken herausragt oder wie viele tote Ratten drum herum liegen, sich die Wirklichkeit so zurechtbiegen, dass sie zu Lust und Laune passt – da bleibt echt nur, so viel davon zu produzieren, dass der Schwachsinn unterm eigenen Gewicht zusammenbricht. Kann man den Precht klonen, oder muss ich das ganze sinnfreie Gelaber allein erledigen?

  12. Tja, die scilogs scheinen zu einem Platz zu verkommen an dem man versucht öffentliche Personen “wissenschaftlich” einzuordnen statt sich mit ihren Hypothesen, Kritikpunkten oder Fragen auseinanderzusetzen oder überhaupt nur irgendwie Plausibiliät zwischen dem Beobachtbaren und dem Gesagten mit der wissenschaftlichen Methode festzumachen. Aber vielleicht kann man das von einem theo. Physiker nicht erwarten, obwohl ich gelernt habe, dass ein theo. Modell zumindest plausibel sein sollte, sonst kommen Modelle wie in Teilchenphysik und Kosmologie zustande, die kein Experimentalphysiker mehr prüfen kann noch darüber nachdenkt. Das ist eine erstaunliche Parallele zu den Physikern mit ihren Virusausbreitungsmodellen und -studien:

    Hier die nächste, ein Harvard-Professor der feststellt, dass die Impfung und COVID-19 Hospitalisierung in 68 Ländern nicht korreliert. So was aber auch, bei 95% Impfwirksamkeit…

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8481107/

    Dafür sind die Herzmuskelimpfnebenwirkungen v.a. bei Männern mittlerweile häufiger als die CFR von Männern < 40 Jr, das Netz voll von Fussballern die umkippen auf dem Platz. Ein Wissenschaftler würde mal fragen, ob es da einen Zusammenhang geben könnte statt sich mit Herrn Precht zu beschäftigen(?)

  13. Precht hatte die brillante Idee, eine Einführung in die Philosophie anhand der drei philosophischen Grundfragen (in der berühmten Kantschen Formulierung) zu schreiben.

    Das ist eine historische Leistung. Niemand vorher war in dieser Klarheit auf diesen Gedanken gekommen, und er wird Generationen von Philosophieinteressierten helfen, den Einstieg in die Philosophie zu finden.

    Darüber hinaus fand ich Precht eigentlich immer prätentiös. Aber klar: Für den Status eines Experten für alles Mögliche im öffentlich-rechtlichen Rundfunk reicht das allemal.

  14. Eine kleine Korrektur zu meinem Beitrag oben: das Buch von Precht hieß “Lenin kam nur bis Lüdenscheid”. Der Film “Good bye Lenin” hat mit Precht wohl nichts zu tun.

  15. Lieber Herr Jaeger,
    ich kann Ihnen nur zustimmen, Ihre Kritik trifft mitten ins Schwarze: Wenn sich alle selbsternannten “Fachleute” mit ihren Ergüssen zu Themen, von denen sie so viel geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst (frei nach A. Einstein), zurückhalten würden, wäre diese Pandemie schon vorbei. Und schämen sollten sich diese Personen, weil sie zur narzisstischen Befriedigung andere Menschen verführen und davon abhalten, den eigenen Verstand zu gebrauchen … aber das kostet manchmal etwas Mühe!

  16. Dies hier :

    Der Kern wissenschaftlichen Arbeitens ist der methodische Zweifel.

    … Dr.. W mag weder Sie, Herr Jaeger (nichts gegen den Ausschluss deutscher sog. Umlaute, andere mögen so ebenso), noch den anderen.

    Nichtsdestotrotz war,. wie zitiert, korrekt angemerkt.
    Dieser Zweifel ist streng genommen ‘methodologisch’.

    Weiter wird der Schreiber dieser Zeilen nicht anführen,
    MFG
    WB

  17. Ein großer Philosoph zur Wissenschaft:
    “Die Modelle der Wissenschaft sind nicht wahr, und eben darum sind sie nützlich. Sie erzählen einfache Geschichten, die unser Geist erfassen kann. Es sind Lügen-für-Kinder, einfach Geschichten für den Unterricht und darum keinen Deut schlechter. Der Fortschritt der Wissenschaft besteht darin, dass immer klügeren Kindern immer überzeugendere Lügen erzählt werden.”
    Überspitzt, aber wahr. Jeder wissenschaftlichen Erkenntnis wohnt die Vorläufigkeit inne. Das, was wir über SARS-COV2 wissen, ist vorläufig und was wir über die Impfung wissen ist vorläufig. Genauso, wie wir tatsächlich vorläufig nichts oder wenig über Langzeitwirkungen wissen.
    Was wir aber ziemlich sicher wissen, dass vergangene Impfungen nicht immer nur gut waren und manche davon ziemlich üble Langzeitfolgen haben/hatten: ich empfehle, die Suchmaschine des Vertrauens mit “Schweinegrippe” und “Ärzteblatt” zu beauftragen. (Spoiler: hat mit Narkolepsie zu tun)

    Mit dieser Vorläufigkeit des Wissens Kinder, die nahezu kein Risiko aus der Krankheit Covid19 haben, mit dem aus jener folgenden Risiko zu belasten kann nur mit völliger Ahnungslosigkeit von Funktion und Bedeutung der Wissenschaft erklärt werden.

    Übrigens ist die Begründung der STIKO zur Impfempfehlung entlarvend, ist sie doch nicht medizinisch, sondern politisch bzw. psychisch. Man empfiehlt die Impfung, um die Kinder von der psychischen Last durch die Pandemie zu befreien. Und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
    – Man trennt Kinder von ihren Freunden
    – hält sie von der Schule fern
    – von Sportvereinen oder sonstigen Veranstaltungen
    – erzählt ihnen, dass sie Oma und Opa nicht besuchen dürfen, weil sie sie sonst vielleicht umbringen
    -> kurz: man macht ihnen medial und politisch eine Heidenangst
    Und das will man durch eine Impfung heilen? Und Sie, Herr Jaeger, finden das satisfaktionsfähig und arbeiten sich lieber an einem beliebten Hobbyphilosophen wie Precht ab??

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